Aktienmarktpartizipation privater Haushalte in Deutschland


Bachelorarbeit, 2019
78 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Vermögen privater Haushalte und dessen Entwicklung in Europa
2.1 Begriffsbestimmung Vermögen
2.2 Vermögensbildung
2.3 Vermogensklassen
2.3.1 Immobilienvermögen
2.3.2 Versicherungen und Pensionskassen
2.3.3 Finanzvermögen
2.4 Vermögensstruktur
2.5 Vermögensverteilung
2.5.1 Vermögensverteilung in Deutschland
2.5.2 Gini-Koeffizient
2.6 Vermögensentwicklung
2.6.1 Gesamtwirtschaftliche Entwicklung
2.6.2 Relevanten Vermogensklassen

3 Aktienmarktpartizipation
3.1 Begriffsbestimmung Aktienmarkt
3.2 Marktteilnehmer
3.2.1 Privatinvestoren
3.2.2 Institutioneile Investoren
3.3 Form der Partizipation
3.3.1 DirekteAktienmarktpartizipation
3.3.2 Indirekte Aktienmarktpartizipation
3.4 Historische Entwicklung der Partizipation
3.5 Aktien- und Kapitalmarktentwicklung
3.6 Volksaktie Telekom
3.7 Vorurteile gegenüber der Aktie
3.7.1 Rendite, Volatilität und Haltedauer
3.7.2 Wirtschaftliche Kenntnisse und Krisen

4 Determinanten der Investitionsentscheidung
4.1 Investitionsziele
4.2 Persönliche Einflussfaktoren
4.2.1 Sinndeslnvestierens
4.2.2 Risikoaversion
4.2.3 Verlustvermeidung
4.3 PersönlicheSituation
4.3.1 Soziodemografische Faktoren
4.3.1.1 Alter
4.3.1.2 Geschlecht
4.3.1.3 Vermögen und Einkommen
4.3.1.4 Bildungsstand
4.3.1.5 KognitiveFähigkeiten
4.3.2 Informationsbeschaffung
4.3.3 Bewusstsein und Vertrauen der Aktienmärkte
4.4 Hindernisse und Hürden der Aktienmarktpartizipation
4.5 Handlungsempfehlungen
4.5.1 Politische Maßnahmen
4.5.2 Schweden-Modell
4.5.3 Dänemark-Modell

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

Abstract

Die Bachelorarbeit „Aktienmarktpartizipation privater Haushalte in Deutsch­land“ geht der Frage nach, welche Bedeutung die Aktie, als eine mögliche Handlungsalternative für die Vermögensverteilung der privaten Haushalte hat. Die Analyse des Autors, Felix van Berck, zeigt, dass Ersparnisse eher in Immobilien oder in kurzfristige Geldanlagen fließen und die Aktienmarkt­partizipation dabei eine geringe Rolle spielt.

Welche wirtschaftlichen Rahmendaten, historischen Ereignisse oder auch persönliche und soziodemografischen Faktoren dabei eine Rolle spielen, versucht diese Arbeit weiter aufzuzeigen. Mit Hilfe wissenschaftlicher Lite­ratur werden die Erkenntnisse zur geringen Aktienmarktpartizipation bestä­tigt und es werden daraus Handlungsempfehlungen aufgezeigt, wie die Al­lokation der Ersparnisse in Zukunft zu Gunsten der Aktien erhöht werden kann.

Der Autor bezieht sich dabei auf Quellen aus den Datenbanken der Zentral- und Bundesbank, dem Statistischen Bundesamt, Google Scholar sowie deutsch- und englischsprachiger Literatur.

Neben den grundlegenden Erklärungen und Ausführungen zum Vermögen der privaten Haushalte, dem besonderen Segment Aktienmarkt mit seinen Chancen und Risiken, liegt der Schwerpunkt dieser Arbeit in der Analyse, welche Determinanten ausschlaggebend für oder gegen eine Aktieninves­tition sind. Daraus resultieren dann die vom Autor am Ende dieser Arbeit aufgezeigten Handlungsalternativen mit der Zielsetzung, die Aktienmarkt­partizipation der privaten Haushalte zu erhöhen.

Die wichtigste Erkenntnis daraus ist, das staatliche Rentensystem auf ein aktienbasiertes Umlagesystem umzustellen. Dänemark und Schweden zei­gen, wie mit diesen Modellen die Renditen in der Altersvorsorge deutlich gesteigert werden können.

Mit diesem Vertrauen, das die Bürger in Aktieninvestitionen durch den Staat für die eigene Rente gewinnen, können auch neue Anreize für die privaten Haushalte geschaffen werden, ihr Sparen künftig durch mehr Aktienmarkt­partizipation zu erhöhen.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Sparquote privater Haushalte in Deutschland in Prozent vom Haushaltseinkommen

Abbildung 2: Zusammensetzung des Bruttogeldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland Quelle: Deutsche Bundesbank, Statistisches Bundesamt

Abbildung 3: Die Zusammensetzung des privaten Geldvermögens

Abbildung 4: Verteilung des gesamten deutschen Vermögens in der Bevölkerung nach Haushalten im Jahr 2014

Abbildung 5: Vermögensverteilung im Euroraum gemessen am Gini- Koeffizienten

Abbildung 6: Pro KopfVermögen pro Erwachsener in Europa 2018

Abbildung 7: Entwicklung des Vermögens privater Haushalte in Deutschland

Abbildung 8:Entwicklung der Direkten Aktionäre in Deutschland

Abbildung 9: Entwicklung der Aktionäre und Fondsbesitzer in Deutschland

Abbildung 10: Entwicklung der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen in Deutschland seit 1975

Abbildung 11: Entwicklung von Umlaufrendite, Inflation und Realverzinsung im Zeitablauf

Abbildung 12: Entwicklung des DAX in den Jahren zwischen 1987 und 2018

Abbildung 13: Werbeplakat des damaliger Konzernchefs Ron Sommer..

Abbildung 14: Reale Volatilität des Deutschen Aktienindex bei verschiedenen Haltedauern

Abbildung 15: Dilemma der Geldanlage

Abbildung 16: Partizipationsrate eines Individuums innerhalb Lebenszyklusmodells

Abbildung 17: Aktieninteresse nach Einkommensklassen

Abbildung 18: Aktienmarktbeteiligung nach direkter Partizipation (links) und gesamter Partizipation in verschiedenen Ländern nach Bildungsstand

Abbildung 19: Bewusstsein von ausgewählten Finanzprodukten einer Haushaltsbefragung

1 Einleitung

Die weltweite Beteiligung an den Kapitalmärkten ist so gering, dass selbst die Wissenschaft keine genaue Erklärung dafür bietet, warum insbesondere Privatpersonen sich nicht stärker engagieren. Auch in Deutschland ist be­sonders der Aktienmarkt nicht der großflächigen Bevölkerungsschicht be­kannt. Die deutschen Bürger gelten international als aktienscheu und risi­koavers, denn gerade einmal 16,2%, also 10,3 Millionen Deutsche, sind di­rekte Aktienbesitzer oder haben in Aktienfonds investiert.[1] Dem übrigen Rest der Bevölkerung bleibt die Aktie als lukratives Investment fremd, was mit schlechteren Renditeentwicklungen des Geldvermögens einhergeht und die Bevölkerung anhand ihres Wohlstandes weiter divergieren lässt. Das Interesse an der Aktienanlage ist zwar in den letzten Jahren gestiegen, dennoch ist Deutschland weit davon entfernt, die Aktionärshöchststände aus dem Jahr 2008 zu erreichen.

Das Zusammenspiel zwischen dem Vermögensaufbau und der Aktienan­lage spielt nach wie vor eine untergeordnete Rolle in unserem heutigen Vor­sorgesystem. Warum dies so ist und ob es möglicherweise Faktoren und Determinanten gibt, die die Bevölkerung vom Investieren in Aktien zurück­hält, wird wissenschaftlich in dieser Bachelorarbeit dargestellt.

Aktien sind langfristig eines der wichtigsten Instrumente, um Vermögen auf­zubauen. Dies wird auch der jüngeren Bevölkerungsgruppe immer stärker bewusst. Deswegen ist das Thema der Aktienmarktpartizipation relevant für einen immer größer werdenden Bevölkerungsteil mit dem Ziel, langfristig finanziell abgesichert zu sein. Jedoch lässt sich ein aktienbasierter Vermö­gensaufbau nur dann realisieren, wenn ein finanzielles Grundwissen der Individuen vorliegt.

Zudem beinhaltet die Bachelorarbeit die Problematik der geringen Aktien­marktpartizipation in Europa und speziell in Deutschland und fokussiert sich dabei auf die Partizipation der privaten Haushalte. Die zentrale Frage ist, warum Individuen aufgrund von verschiedenen sozioökonomischen Fakto­ren und individuellen Risikoeinstellungen nicht am Aktienmarkt teilnehmen. Um eine genauere Analyse über die Determinanten der Aktienmarktpartizi­pation zu erlangen, wird zu Beginn dieser Arbeit ein Überblick über die wich­tigsten Anlageklassen der privaten Haushalte gegeben. Diese Arbeit soll eine umfassende Darstellung derVermögenssituation der Haushalte nach­weisen. So wird gezeigt, wie sich die Struktur des Gesamtvermögens zusammensetzt, um anschließend detaillierter auf das Geldvermögen und dessen Verteilung einzugehen. Anhand der ökonomischen Rahmenbedin­gungen und dem Niedrigzinsumfeld ist zu hinterfragen, ob diese Faktoren einen Einfluss auf die Vermögensentwicklung haben. Die Frage, ob Deutschland im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarländern ein grö­ßeres oder kleineres Pro-Kopf-Vermögen aufweist, wird ebenfalls beant­wortet.

Der zweite Teil dieser Bachelorarbeit fokussiert sich auf das Kapitalvermö­gen und erläutert was Aktienmärkte sind. Es wird gezeigt, durch welche Marktteilnehmer und in welcher Form sich die Kapitalmarktpartizipation dar­stellen lässt. Außerdem stellt sich die Frage, wie sich die Aktienmarktparti­zipation auf der Zeitachse, beeinflusst durch makroökonomische Krisen und Trends, entwickelt und verändert hat. Anhand der Entwicklung der Telekom Aktie wird gezeigt, welche Vorurteile sich gegenüber der Aktie in Deutsch­land etabliert haben.

Nach Abschluss des zweiten Hauptkapitels werden im dritten Kapitel die entscheidenden Determinanten ermittelt, die entweder einen positiven oder einen negativen Einfluss auf die Aktienmarktpartizipation haben. Dabei wird auf der einen Seite auf die Einflussfaktoren der Investitionsentscheidungen eingegangen, auf der anderen Seite aber ebenfalls Beispiele für Hand­lungsempfehlungen einer erhöhten Aktienmarktbeteiligung gegeben. Hier wird gezeigt, wie andere Nationen die Aktie als Altersvorsorgeinstrument einsetzen.

Die Bachelorarbeit soll anhand statistischer Daten und wissenschaftlicher Berichte einen umfassenden Überblick der Vermögenssituation geben und versucht somit das Rätsel der geringen Aktienmarktpartizipation zu lösen.

2 Vermögen privater Haushalte und dessen Entwicklung in Europa

2.1 Begriffsbestimmungvermögen

Vermögen ist ein Sammelbegrifffür die Summe der in Geld ausgedrückten Werte einer natürlichen Person, der privaten Haushalte, eines Unterneh­mens, des Staates oder einer Volkswirtschaft zustehenden materiellen oder immateriellen Güter. Im Unterschied zum Einkommen wird das Vermögen als eine Art Bestandsgröße deklariert.[2] Es wird eine Unterteilung des priva­ten inländischen Vermögens vorgenommen, mit dem Ziel, ein detaillierteres Verständnis der Vermögenskomponente zu erlangen. So setzt sich das Vermögen der privaten Haushalte aus den folgenden vier Komponenten zu­sammen: (1) dem Sachvermögen (2) dem Geldvermögen (3) dem Beteili­gungsvermögen und den (^Verbindlichkeiten.[3]

Das Sachvermögen beinhaltet dabei das Grundeigentum und das Ge­brauchsvermögen. Das Grundeigentum setzt sich aus dem selbstgenutzten Haus, dem Wohnungseigentum und dem Grund- und Bodenbesitz zusam­men. Zum Gebrauchsvermögen zählen Gold, Schmuck, wertvolle Samm­lungen und Hausrat sowie Kraftfahrzeuge. Neben dem Sachvermögen zählt auch das Geldvermögen zu den Vermögenswerten der privaten Haushalte. Das Geldvermögen bezeichnet eine Forderung gegenüber dem Staat, Fi­nanzinstitutionen und Unternehmen im In- und Ausland.[4] Geldvermögen kann in Form von liquiden Mitteln, also dem Bankguthaben und allen ande­ren verfügbaren Geldwerten vorliegen. Die häufigste Form der verfügbaren Geldwerte ist Bargeld. Dieses besteht aus den von der Zentralbank emit­tierten Banknoten und umlaufenden Münzen.[5] Dabei stellen Banknoten mo­dernes Schuldgeld dar, was eine Verbindlichkeit gegenüber der Zentral­bank bedeutet. Private Haushalte und auch Unternehmen halten Bargeld bzw. Devisenbestände, als bequemes Zahlungsverkehrsinstrument für re­alwirtschaftliche oder finanzielle Transaktionen, das heißt als unmittelbare Zahlungsquelle.[6] Geld dient ebenfalls als Wertaufbewahrungsmittel und als Tauschmittel.

Als Beteiligungsvermögen wird Vermögen in Form von börsengehandelten Aktien, Eigentumsrechten an Unternehmen (Betriebsvermögen) und Finanzinstitutionen bezeichnet.[7] Zu dem Geldvermögen gehören ebenfalls die Pensionsguthaben bei Altersvorsorgesystemen und die Ansprüche ge­genüber allen Versicherungsgesellschaften. Die Verbindlichkeiten setzen sich wiederum aus Kreditverbindlichkeiten für etwa Immobilien, den Kon­sumschulden für Urlaube, den Kreditkartenschulden sowie Verbindlichkei­ten für den PKW oder ähnliches zusammen.

Die Komponenten (1), (2) und (3) sind als Bruttovermögen der Haushalte zu bezeichnen. Dem gegenüber stehen die Verbindlichkeiten. Der daraus entstehende Saldo bildet schlussendlich das Nettovermögen der privaten Haushalte. Weitere Faktoren, wie zum Beispiel das Humanvermögen oder Kulturvermögen, sind grundsätzlich nicht bei der Berechnung des Vermö­gens der privaten Haushalte berücksichtigt.[8]

Eine weitere Sichtweise, die den Geldfluss betrachtet, definiert Vermögen anhand der Zahlungsströme. So existieren zwei verschiedene Zahlungs­ströme, der Zahlungsstrom eines Vermögenswertes und der einer Verbind­lichkeit. Einfach ausgedrückt ist ein Vermögenswert ein Zahlungsstrom mit einem positiven Cashflow, d.h. man erhält Zahlungen und sein Gesamtver­mögen wächst an. Ein Vermögenswert ist demnach etwas, was einer Per­son Zahlungsströme in Form von Geld zurückfließen lässt, was zum Bei­spiel auf eine vermietete Immobilie zutrifft. Dem gegenüber steht die Ver­bindlichkeit, welche exakt das entgegengesetzte Zahlungsprofil aufweist. Hier sind Zahlungen in der Zukunft zu leisten, die wiederum dem Individuum Geld entziehen.[9] Verbindlichkeiten sind letztlich vorgezogener Konsum. Beispiele für eine Verbindlichkeit sind die Darlehenszahlungen bei einer fi­nanzierten selbstgenutzten Immobilie oder Renovierungskosten einer Im­mobilie.

Um die Vermögenswerte den privaten Haushalten zuordnen zu können, stellt sich die Frage, was überhaupt ein Haushalt ist. Ein Haushalt wird durch eine Einheit mit einem eigenen Einkommen definiert. Der Haushalt muss zusätzlich für sich alleine wirtschaften, was gleichermaßen für Perso­nengruppen oder Familien gilt. Diese müssen einkommens- als auch ver­brauchsmäßig zusammengehören.[10] Eine weitere Voraussetzung ist, dass diese Personengruppe zusammenwohnt und über ein oder mehrere Ein­kommensteile verfügt, welche im Sinne einer gemeinsamen Hauswirtschaft Betrachtung finden. Wenn die verschiedenen Haushalte angesehen werden, zeigt sich, dass es verschiedene Median Nettovermögen gibt. Die­ses beträgt bei Paaren mit Kind 55.700 Euro, bei Alleinlebenden sind es durchschnittlich 39.000 Euro. Bei Paaren ohne Kind erhöht sich das Ver­mögen auf 76.000 Euro.[11]

Aber nicht nur Privathaushalte besitzen Vermögenswerte, auch Unterneh­men streben nach kontinuierlichem Vermögensaufbau. Das unternehmeri­sche Vermögen wird durch die Bilanz abgebildet. Diese wird in Aktiva und Passiva eingeteilt. Aus unternehmerischer Sicht sind Vermögenswerte Gü­ter, die Nutzungspotentiale (wirtschaftliche Werte) des Kaufmanns darstel­len.[12] Dabei gehören nicht nur Gegenstände und Rechte im Sinne des Bür­gerlichen Gesetzbuches zu einem Vermögenswert, sondern auch Güter die keine Sachen oder Rechte sind (zum Beispiel Dienstleistungen). Da Unter­nehmer ihre Vermögensgegenstände gemäß 252 Absatz I Nummer 3 Han­delsgesetzbuch einzeln bewerten müssen, ist ein weiteres Merkmal eines unternehmerischen Vermögensgegenstandes die selbstständige Bewert- barkeit.

Im nächsten Abschnitt wird erläutert, wie es zur Bildung von Vermögen kommen kann. Dabei wird der Fokus auf der Bildung von Vermögensge­genständen, insbesondere bei den privaten Haushalten gelegt.

2.2 Vermögensbildung

Vermögen entsteht durch die nicht verbrauchten Teile des Einkommens, also den Ersparnissen. Dabei besteht das Ziel der Vermögensbildung darin, heutige Kaufkraft in die Zukunft zu verlagern, um beispielsweise für den Ruhestand Geld anzusparen oder Geld für notwendige Investitionen zur Verfügung zu haben.[13] Die Bildung des Vermögens ist demnach auch auf die Sparleistung der privaten Haushalte zurückzuführen. Die private Spar­quote ist seit Jahren auf einem konstanten Niveau von ca. zehn Prozent (siehe Abbildung 1), was im internationalen Vergleich ein hohes Niveau ist.[14]

Gemäß der OECD betrug die durchschnittliche Sparquote im Euroraum für das Jahr 2016 ca. 6,7 Prozent und in den USA lediglich knapp 4 Prozent.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Sparquote privater Haushalte in Deutschland in Prozent vom Haushaltseinkommen Quelle: Bertelsmann Stiftung; 1950-1979 Gutachten des Sachverständigenrates zur Beurteilung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung; 1980-2016 Statistisches Bundesamt

So gesehen ist die Vermögensbildung auf der einen Seite ein Prozess der individuellen Sparleistung über einen Zeitraum, auf der anderen Seite ist sie aber auch abhängig von externen Entwicklungen. Die Nachfrage nach an­tiken Gegenständen oder Kunstwerken kann den Vermögenswert in kurzer Zeit ansteigen lassen. Wissenschaftlicher und berechenbarer lässt sich die Vermögensbildung über die prozentuale Wertsteigerung, der Rendite, er­mitteln. Da der Ertrag eines Vermögensgegenstandes nicht sicher ist, wird von der erwarteten Rendite ausgegangen. Dabei ist es hilfreich, eine ge­naue Prognose über einen bestimmten Zeitraum zu erstellen. Der prozen­tuale Unterschied zwischen dem erwarteten Wert und dem heutigen Preis stellt die erwartete Rendite dar. Bei genauerem Hinsehen spielt die real er­wartete Rendite jedoch die wichtigere Rolle. Diese beschreibt die erwartete Rendite abzüglich der Inflation. Das bedeutet, die reale Rendite ist aus­schlaggebend, da das Sparen dem zukünftigen Konsum dient und nur die reale Rendite misst, was ein Sparer durch einen heutigen Konsumverzicht in der Zukunft erwerben kann.[15]

2.3 Vermogensklassen

Damit in Unterkapitel 2.4 die Vermögensstruktur, also die Zusammenset­zung des Gesamtvermögens in die einzelnen Vermogensklassen nachvoll­ziehbar ist, erfolgt zuvor eine Einteilung der Vermogensklassen in folgende Kategorien: Immobilienvermögen, Versicherungs- und Pensionskassenver­mögen und Finanzvermögen.

2.3.1 Immobilienvermögen

Eine Immobilie ist ein unbewegliches Sachgut, was ein Grundstück bezie­hungsweise eine Liegenschaft oder ein Bauwerk (Wohnimmobilie, Gewer­beimmobilie) sein kann. Eine Wohnimmobilie ist mit sämtlichen Nebenkos­ten wie Makler, Notar und der Grundbucheintragung eine kostenintensive Anschaffung, die nicht jeder eingehen kann und auch in gewisser Weise als Luxusgut Bezeichnung findet. Dennoch ist der Immobilienerwerb ein ent­scheidender Faktor beim Vermögensaufbau. Dies begründet sich daraus, dass ein mittlerer Haushalt in Deutschland mit Immobilienbesitz ein wesent­lich höheres Nettovermögen als ein Mietshaushalt hat.[16] Der Median lag bei Haushalten mit Immobilienbesitz im Jahr 2017 bei 277.000 Euro. Für Miets­haushalte ergibt sich lediglich ein Medianwert von 10.400 Euro.[17] Im heuti­gen (Stand 2019) Niedrigzinsumfeld ist die Finanzierung, gegeben durch geringe Zinssätze und geringe Zinskosten, für viele Haushalte eine gute Chance.

Es gibt gemäß des Statistischen Bundesamts eine Einteilung der privaten Haushalte mit Haus und Grundbesitz in Einfamilienhäuser, Eigentumswoh­nungen, Zweifamilienhäuser, unbebauten Grundstücken, sonstige Ge­bäude und Wohngebäude mit drei und mehr Wohnungen.[18] 42,1% aller Deutschen besitzen entweder ein Einfamilienhaus oder eine Eigentums­wohnung.[19] Das bedeutet, dass ungefähr jeder zweite Bürger in Immobilien investiert, um Vermögensaufbau zu betreiben und die Altersvorsorge plan­barer zu gestalten. Die Entscheidung für oder gegen Wohneigentum ist grundsätzlich immer eine private Entscheidung und hängt von verschiede­nen sozioökonomischen Faktoren wie zum Beispiel die Heimatverbunden­heit oder der Familiensituation ab.[20] Die niedrige Eigentumsquote im euro­päischen Vergleich, kann auch der Ausdruck eines gut funktionierenden Mietermarktes sein, welcher den Arbeitnehmern auch in ihrer Mobilität und Flexibilität fördert[21]

Darüber hinaus gibt es in Deutschland auch eine große Zahl von bürokrati­schen bzw. institutioneilen Hindernissen, die dazu beitragen, dass der Wunsch nach einem eigenen Wohnhaus unerfüllt bleibt. Hierzu zählen Fak­toren wie die hohen Erwerbsnebenkosten und auch die im internationalen Vergleich hohe Grunderwerbssteuer. Die aktuelle „Immobilienblase“ stellt dazu alle potentiellen Nachfrager nach Wohneigentum vor immense Prob­leme. Neben den hohen Anschaffungskosten bestehen auch Folgerisiken nach Ablauf der Zinsfestschreibung bei finanzierten Käufen. Zur Vermö­gensmasse eines Haushalts gehört die Immobilie nur mit vollständiger Til­gung des Darlehens.

2.3.2 Versicherungen und Pensionskassen

Bei den Ansprüchen gegenüber Versicherungssystemen beziehungsweise Pensionskassen handelt es sich im Wesentlichen um Ansprüche, deren Fälligkeit auf einen zukünftigen Zeitpunkt fällt.[22] Schuldner ist hierbei typi­scherweise die Versicherungsgesellschaft oder die Pensionskasse, die dem Versicherungsnehmer einen Kapitalanteil zu einem vorab festgelegten Datum oder in Form von dauerhaften Renten zur Verfügung stellt. Da es eine große Anzahl verschiedener Versicherungsprodukte gibt, sollten sich die privaten Haushalte in allen Fällen immer fachkundig beraten lassen und persönlich über die verschiedenen Versicherungsangebote informieren. Welche Variante für ein Individuum die Richtige ist, hängt stark von der per­sönlichen Lebenssituation und den individuellen Lebenszielen ab. Fakt ist jedoch, je früher Anleger mit der Vorsorge und der Ansparphase beginnen, desto früher kann sich der Zinseszinseffekt für das Individuum positiv ent­wickeln und die zu leistenden Beiträge sind dementsprechend niedrig. Das Versicherungsvermögen gehört im weiteren Sinne zwar auch zu dem Fi­nanzvermögen, ist aber hier aufgrund der Bedeutung alleine zu betrachten

2.3.3 Finanzvermögen

Finanzielle Vermögenswerte sind in der Regel das Ergebnis einer aktiven Portfolioallokationsentscheidung, da es in den verschiedenen Finanzver­mögenskategorien unterschiedliche Risikoprofile und Transaktionskosten gibt. Dabei sind bestimmte finanzielle Vermögenswerte der breiten Öffent­lichkeit traditionell besser bekannt als wiederum andere. Deshalb ist es sinnvoll bei der Unterteilung des Finanzvermögens zwischen traditionellen Bankprodukten wie Einlagen (Sicht- und Spareinlagen) und Finanzinvestiti­onsprodukten wie Anleihen, Aktien und Investmentfonds zu unterschei­den.[23]

Zunächst wird gemäß einer Studie des Statistischen Bundesamtes eine Auflistung der Geldvermögen der befragten Haushalte in verschiedenen Unterkategorien gemacht. So wird das Geldvermögen folgendermaßen ein­geteilt:[24]

Traditionelle Bankprodukte:

- Sparguthaben: Bei Banken oder Sparkassen im In- und Ausland un­befristete Gelder, die nicht für den Zahlungsverkehr gedacht sind, und vor allem für Ersparnisse dienen.
- Tagesgeldguthaben: Unbefristete Guthaben, die nicht für den Zah­lungsverkehr geeignet sind und als Geldspeicher betrachtet werden.
- Bausparguthaben: Angespartes Guthaben noch nicht ausgezahlter Bausparverträge, einschließlich aller sonstigen Guthaben bei Baus­parkassen.
- Sonstige Anlagen bei Banken: Termin- Festgelder, Bonussparen, Treuhandkonten usw.

Finanzinvestitionsprodukte und Wertpapiere:

- Beteiligungen: Umfassen Eigentumsrechte an Kapitalgesellschaften und können zum Beispiel Aktien sein, unabhängig ob sie börsenno­tiert sind oder nicht. Des Weiteren zählen auch Beteiligungen an an­deren Kapitalgesellschaften (GmbH) dazu.
- Schuldverschreibungen: Umfassen in umlauffähigen Titeln verbrief­tes Fremdkapital. Es gibt einen vorab festgelegten Coupon, der in­nerhalb bestimmter regelmäßiger Zeitabstände gezahlt wird. Dabei ist die Rückzahlung des Nominalbetrages zum Ende der Laufzeit ga­rantiert. Diese Kategorie kann in Unternehmens- Staats-, Bank- so­wie sonstigen Schuldverschreibungen unterteilt werden.
- Investmentfonds: Hierunter zählen von Kapitalanlagegesellschaften verwaltetes Vermögen in zum Beispiel aktiv gesteuerten Fonds oder in passiven ETFs. Außerdem gibt es Geldmarktfonds, Mischfonds, Aktienfonds, Hedgefonds oder auch Rentenfonds.
- Sonstige Wertpapiere und Vermögensbeteiligungen: Dazu gehören zum Beispiel Anteile an Genossenschaften oder an Personenverei­nigungen.

2.4 Vermögensstruktur

Die Vermögensstruktur beschreibt die Zusammensetzung des Gesamtver­mögens eines Unternehmens oder Haushalts in verschiedene Vermogens­klassen. In Deutschland hatten die privaten Haushalte Ende des Jahres 2017 ein gesamtes Bruttovermögen von 15,401 Billiarden Euro.[25] Davon entfielen 7,899 Billionen beziehungsweise 52,52% auf das Sachvermögen (Immobilien und Bauland). Das bedeutet, dass mehr als die Hälfte des ge­samten deutschen Vermögens in Immobilien, Grundstücken oder Liegen­schaften investiert ist. Knapp 58% der Deutschen wohnen in Mietshaushal­ten, wogegen die Eigentumsquote deutlich niedriger ist. Dabei bildet sie das Verhältnis der Anzahl der Haushalte die Wohneigentum besitzen, zur An­zahl der betrachteten Gesamthaushalte ab. Bei der Quote in Deutschland wird dabei lediglich die selbstgenutzte eigene Wohnimmobilie erfasst. Hier wird von der Eigentümerquote gesprochen.

Das Geldvermögen, welches sich in verschiedene Unterkategorien einteilt (siehe Abbildung 2) betrug im Jahr 2017 40,33%, also 6,065 Billiarden Euro. Außerdem verfügten die privaten Haushalte über ein Gebrauchsvermögen in Höhe von 1,074 Billionen Euro, was einem Anteil von 7,14% entspricht. Die Verbindlichkeiten betrugen 1,754 Milliarden Euro, sodass sich ein Rein­vermögen von 13,65 Billiarden Euro zum Jahresende 2017 ergab.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Zusammensetzung des Bruttogeldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland Quelle: Deutsche Bundesbank, Statistisches Bundesamt

Das Bruttogeldvermögen eines durchschnittlichen deutschen Haushalts be­trug zum Stichtag des 01.01.2017 86.400 Euro.[26] Davon die Verbindlichkei­ten für Konsumentenkredite und Ausbildungskredite subtrahiert, erhält man ein Nettogeldvermögen von 70.800 Euro pro Haushalt. Dabei setzte sich die Struktur des Geldvermögens folgendermaßen zusammen:

Versicherungen aller Art, machten mit knapp 37,3% den zweitgrößten Teil des Geldvermögens aus.[27] 26.400 Euro hatte jeder Haushalt im Durch­schnitt in Lebensversicherungen investiert bzw. angespart. Bargeld, Tages­geldkonten, Sparguthaben und an Privatpersonen verliehenes Geld, mach­ten zusammen den größten Teil am Geldvermögen mit 39,7% aus. Dieser Teil des Geldes wird in der Regel mit gar keiner Verzinsung oder maximal als niedrig verzinste Bankeinlage angelegt. Näher betrachtet, lässt sich er­kenne, dass der Betrag, der in Aktien und Aktienfonds investiert ist, nicht all zu groß ist. Aktien spielen damit im Geldvermögen immer noch eine unter­geordnete Rolle. Gemäß der Statistik der Bundesbank haben private Haus­halte von ihrem Geldvermögen in Höhe von 6.046 Milliarden Euro gerade einmal 529 Milliarden Euro in Aktien und Aktienfonds investiert.[28] Das ent­spricht einem relativen Anteil von 8,7% am Geldvermögen. Dies ist signifi­kant weniger als in anderen europäischen Ländern. Anleihen machen mit 2% am Geldvermögen einen noch geringeren Wert aus.[29]

Außerdem besitzen fast alle deutschen Bürger ein Girokonto (99%), um Fi­nanztransaktionen durchzuführen.[30] Dabei lag das durchschnittliche Gutha­ben auf diesen bei 7.800 Euro im Jahr 2017.[31] Da das Girokonto aber ein laufendes Konto für Zahlungszugänge und Abgänge ist, ist es interessanter, sich die Sparkonten anzuschauen. Hier liegt der Mittelwert bei 27.600 Euro pro Sparkonto, was wesentlich höher ist. Außerdem haben 78% aller Haus­halte Fahrzeuge oderWertgegenstände, die im Mittelwert 2017 einen Wert von 13.600 Euro pro Haushalt hatten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Die Zusammensetzung des privaten Geldvermögens

Quelle: Selbsterstellte Grafik in Anlehnung an Fey, G.; Hohlmeier, M., 2019, S.10.

2.5 Vermögensverteilung

2.5.1 Vermögensverteilung in Deutschland

ln Deutschland besaßen 2014 die 45 reichsten Haushalte so viel Vermögen wie die gesamte ärmere Hälfte der Bevölkerung.[32] Beide Gruppen besaßen rund 214 Milliarden Euro. Folgende Grafik zeigt die Verteilung des gesam­ten deutschen Vermögens in der Bevölkerung im Jahr 2014:

Es lässt sich erkennen, dass die reichsten 10% der Haushalte ein Vermö-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Verteilung des gesamten deutschen Vermögens in der Bevölkerung nach Haushalten im Jahr 2014

Quelle: Grafikvon dem Deutsche InstitutfürWirtschaftsforschung Berlin

gen von ca. 64% des gesamten deutschen Vermögens besitzen. Noch aus­sagekräftiger ist die Tatsache, dass das oberste Prozent der deutschen Haushalte über ein Drittel (33,14%) und das oberste Promille über 17,4% des Vermögens verfügte. Die reichsten 400 Haushalte (0,001%) besaßen 4,67%, also doppelt so viel Vermögen wie die gesamte ärmere Hälfte Deutschlands (2,26%). Im europäischen Vergleich zeigt sich, dass das Ver­mögen in Deutschland stark zugunsten der „Superreichen“ verteilt ist. So besitzt zum Beispiel in Spanien, laut des Deutschen Instituts für Wirtschafts­forschung, die ärmere Hälfte der Bevölkerung knapp zwölf Prozent des Ver­mögens, in Frankreich sind es mehr als sechs Prozent.

Laut der Bundesbank Studie über die privaten Haushalte und ihre Finanzen (PHF), verfügten die Haushalte in Deutschland über ein durchschnittliches Nettovermögen von 232.800 Euro.[33] Davon ausgehend besteht die Mög­lichkeit, die Haushalte anschließend aufsteigend nach ihrem Nettovermögen einzuteilen. So ist der Median abzulesen, welcher die Haus­halte in eine reichere und in eine ärmere Hälfte aufteilt. Die ärmere Hälfte hat ein Nettovermögen von weniger als 17.000 Euro. Bei sieben Prozent waren die Verbindlichkeiten sogar höher als das Bruttovermögen.[34] Die Me­dianwerte liegen deutlich unter dem Nettovermögen, welcher 70.800 Euro beträgt. Dies ist im Vergleich zu Frankreich (115.800 Euro) und Italien (173.500 Euro) deutlich geringer.[35] Wird die Relation zwischen Median und Mittelwert betrachtet, zeigt sich, dass das durchschnittliche Nettovermögen mehr als drei Mal so hoch ist, wie das Mediannettovermögen. Dieser hohe Wert deutet auf eine ungleiche Verteilung der Nettovermögen in Deutsch­land hin.[36]

Schaut man sich die Verteilung der Immobilienvermögen im europäischen Raum an, wird eins klar: Die Deutschen sind nach der Schweiz das Land, welches innerhalb Europas über den geringsten Immobilienbesitz verfügt.[37] Die niedrige Wohneigentumsquote (42,1%) liegt in Deutschland im Ver­gleich zum europäischen Durschnitt von 69,3% weit abgeschlagen auf dem vorletzten Rang. Länder wie Rumänien, mit einer Wohneigentumsquote von 97% oder wie die Slowakei, Ungarn und Polen mit 80% haben deutlich mehr eigenen Immobilienbesitz.

2.5.2 Gini-Koeffizient

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Vermögensverteilung im Euroraum gemessen am Gini-Koeffizienten

Quellen: HFCS, 2010/2011 und 2014, Institut der deutschen Wirtschaft

Ein Standardmaß zur Messung derVermögensungleichheit bildet der Gini- Koeffizient.[38] Mit diesem wird der Ungleichheitsgrad der Einkommensverteilung gemessen. Je höher der Wert ist, desto ausgepräg­ter ist die Vermögensungleichheit. Es zeigt sich, dass Deutschland im inter­nationalen Vergleich den höchsten Gini-Koeffizienten aufweist und somit auch die größte Streuung der Nettovermögen der privaten Haushalte vor­liegt. Für 2014 ergibt sich ein Koeffizient von 0,78.[39] In Frankreich liegt er dagegen bei 0,68, in Italien bei 0,60 und in der Slowakei bei 0,45. Es wird vermutet, dass dies mit dem niedrigen Zinsumfeld in Verbindung steht, da in solchen Zeiten, vor allem Aktien und Immobilienpreise gestiegen sind. Es könnte daher die Vermögensungleichheit weiter verstärkt haben. Abbildung 5 zeigt, dass sich die Ergebnisse aus 2010 und 2014 kaum verändert ha­ben. Die deutsche Bundesbank erläutert, dass sich auch die anhaltend niedrigen Sparzinsen und der Anstieg der Immobilien- und Aktienkurse in den letzten Jahren zwischen 2010 und 2014 nicht stark auf die Verteilung der Vermögen in Deutschland ausgewirkt haben, was die Tatsache der ge­ringen Aktienmarktbeteiligung weiter unterstreicht.[40] Wenn Deutschland als Sozialstaat mit anderen europäischen Ländern verglichen wird, wird deut­lich, dass Länder, in denen nur ein geringer Anteil des Bruttoinlandspro­dukts in die sozialstaatliche Absicherung fließt, tendenziell ein höheres Haushaltsvermögen haben. Das heißt durch die Rentengarantie, also die wohlfahrtsstaatliche Absicherung, ist die Notwendigkeit des privaten Ver­mögensaufbaus geringer.[41] [42]

2.6 Vermögensentwicklung

2.6.1 Gesamtwirtschaftliche Entwicklung

Mit Gründung der Bundesrepublik Deutschland wuchs die deutsche Wirt­schaft, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, kontinuierlich um ca. 3,3% p.a. [42] Das Statistische Bundesamt beziffert den Wert aller produzierten Waren und Dienstleistungen auf ca. 49,69 Milliarden Euro für das Jahr 1950.[43] Ver­glichen mit dem heutigen Bruttoinlandsprodukt, welches 2018 bei 3.386 Mil­liarden Euro lag, ist das eine Steigerung mit dem Faktorvon 68.

Interessant dabei ist, dass das private Vermögen der deutschen Haushalte wesentlich stärker als das Volkseinkommen gestiegen ist. Dieses wird als Summe der Arbeitnehmerentgelte sowie Unternehmens und Vermögens­einkommen definiert.[44] Mitte der 80er Jahre machte das Arbeitseinkommen noch ca. 80 Prozent des gesamtwirtschaftlichen Einkommens aus. Die Zu­nahme des Kapitaleinkommens von 20 auf 30 Prozent in den 80er Jahren zeigt deutlich, dass das überproportionale Wachstum der Kapitalmärkte ei­nen immer größeren Einfluss auf die gesamte Wirtschaft genommen hat. Schaut man sich den Zeitraum zwischen 1950 und 2010 an, lässt sich aus­rechnen, dass das Volkseinkommen um den Faktor 8 und das Arbeitsein­kommen um den Faktor 7 zugenommen hat. Das Kapitaleinkommen konnte um den Faktor 12,5 zunehmen.[45]

Ein Grund dafür ist auch die Wertentwicklung des Deutschen Aktienindex in diesem Zeitraum. Den Deutschen Aktienindex gibt es zwar erst seit dem 1. Juli 1988 als Leitindex, aber es ist dennoch möglich, die Wertentwicklung bis 1948 zurückzurechnen.[46] So kommt man auf einen hypothetischen DAX-Stand im Januar 1948 von 59,67 Punkten[47], wobei er Ende des Jahres 1948 nur noch 7,47 Punkte betrug.[48] Hier ist zwar die Inflation nicht mitein- gerechnet, aber selbst nach Abzug der durchschnittlichen Preissteigerung von 2,3% p. a. seit 1948 bleibt eine zweistellige Rendite erhalten.[49]

Dennoch hat Deutschland wie Ökonom T. Mayer sagt: ,,[...] ein deutlich niedrigeres mittleres Vermögen als die meisten unserer europäischen Nachbarn“.[50] Auch im europaweiten Pro-Kopf-Vergleich liegt Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Pro KopfVermögen pro Erwachsener in Europa 2018 Quelle: Selbsterstellte Grafik in Anlehnuna an Global World Reoort 2018

nur noch im Mittelfeld. Auf dem ersten und zweiten Rang befinden sich die Schweiz und Belgien, gefolgt von den Niederlanden und Frankreich. Deutschland steht im Pro Kopf Vermögen mit Griechenland und der Slowa­kei auf einer gleichen Ebene.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Entwicklung des Bruttovermögens zwi­schen den Jahren 1991 und 2017. Eine stetige Aufwärtsentwicklung des Bruttovermögens, ausgehend von 5,391 Billionen Euro im Jahr 1991 bis hin zu 15,040 Billionen Euro im Jahr 2017, ist zu erkennen.[51] Das Sachvermö­gen in Form von selbstgenutztem Wohneigentum hat sich in den Jahren etwas reduziert. 1991 betrug der Anteil am Bruttovermögen noch 38,53%, wogegen es 2017 nur noch 33,89% waren. Das Sachvermögen in Form von Immobilien ist in Deutschland zwar im europäischen Vergleich niedrig, war aber dennoch bezogen auf den quantitativen Wert bis 1997 die bedeu­tendste Vermögensform. Seit dem Jahr 2000 ist das Immobilienvermögen nur noch auf dem zweiten Platz hinter dem Geldvermögen. Die Abbildung 7 zeigt auf, dass das Geldvermögen im betrachteten Zeitraum angestiegen ist, das Immobilienvermögen hingegen abgenommen hat. Begründen lässt sich dies durch die gestiegenen Immobilienpreise und das wirtschaftlich neue negative Zinsumfeld. 1991 betrug der Anteil des Geldvermögens 35,72% am Bruttovermögen. 2017 dagegen waren es mehr als 40%.

Abbildung 7: Entwicklung des Vermögens privater Haushalte in Deutschland

Quelle: Statistisches Bundesamt: Sektorale und gesamtwirtschaftliche Vermögensbilanzen

Das Geldvermögen der privaten Haushalte stieg zum Jahresende 2017 auf seinen bisherigen Höchststand von 6.046 Milliarden Euro.[52] Noch vor 10 Jahren waren es fast 2 Milliarden Euro weniger. 2008 betrug das Geldver­mögen nur 4.080 Milliarden Euro.[53] Der deutliche Anstieg des Geldvermö­gens in sichere und liquide Geldanlage scheint ein Resultat des Niedrigzin­sumfelds zu sein.

2.6.2 Relevanten Vermogensklassen

Gesamtwirtschaftlich waren die Jahre nach der Finanzkrise 2008/09 von steigenden Immobilienpreisen, niedrigen Kreditzinsen und einem hohen Beschäftigungsstand gekennzeichnet.[54] Ein genauer Blick auf die einzelnen Vermogensklassen und Vermögensgegenstände liefern weitere Indizien.

Es ist eindeutig zu erkennen, dass aufgrund der steigenden Immobilien­preise der letzten zwei Jahrzehnte auch der Verkehrswert des Immobilien­bestandes gestiegen ist. Dieser konnte zwischen 2014 und 2017 um durch­schnittlich 27.400 Euro zunehmen. Die durchschnittlichen Hypotheken­schulden haben sich zwar auch um 14.000 Euro erhöht, stehen aber wie gerade erwähnt den noch stärker gestiegenen Immobilienpreisen gegen­über.[55]

Der Wert der Wohnbauten betrug 1999 2.562 Milliarden Euro und stieg bis ins Jahr 2017 auf bis zu 4.467 Milliarden Euro an. Die Preise für bebautes Land stiegen ebenfalls um 1.377 Milliarden Euro, ausgehend von 1.425 Mil­liarden Euro 1999, bis 2.802 Milliarden Euro in 2017 an.[56] Auch die Preise für selbstgenutztes Wohneigentum stiegen zwischen 2008 und 2018 um mehr als 40%.[57] Dieser Anstieg macht es für die privaten Haushalte immer schwieriger noch finanzierbares Wohneigentum für sich anzuschaffen. Die­ser Trend wird aufgrund der Urbanisierung und der stark wachsenden Zah­len der Großstädte in den nächsten Jahren nicht besser. Hier könnte Deutschland vor einem großen Problem stehen.

Auch die Entwicklung des Aktien- und Fondsbesitzes wurde zwischen den Jahren 2014 und 2017 belohnt. Hier wurden deutliche Zuwächse festge­stellt. Im Durchschnitt stieg der Wert der Aktien eines Aktienbesitzers mit direkter Aktienbeteiligung um etwa 5.000 Euro oder relativ ausgedrückt um 13%. Wenn sich Anleger dagegen die Entwicklung der Einlagen bzw.

[...]


[1] Vgl. Fey, G.; Hohlmeier, M., 2019, S.2.

[2] Vgl. Volkert, J., u.a., 2003, S.227.

[3] Vgl. Bönke, T., Brinkmann, H., 2017, S1.

[4] Vgl. Bönke, T., Brinkmann, H., 2017, S2f.

[5] Vgl. Bundesbank, 2018, S.10.

[6] Vgl. Krugman, P., u.a. 2012, S.484.

[7] Vgl. Bönke, T., Brinkmann, H., 2017, S1.

[8] Vgl. Bönke, T., Brinkmann, H., 2017, S.2.

[9] Vgl. Kiyosaki, R., 2015, S.74.

[10] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2019, S.8.

[11] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2018, S.24.

[12] Vgl. Böcking, 2018, o. S.

[13] Vgl. Krugman, P., u.a. 2012, S.453.

[14] Vgl. Bönke, T., Brinkmann, H., 2017, S8.

[15] Vgl. Krugman, P., u.a. 2012, S.453.

[16] Vgl. Deutsche Bundesbank, 2019, S.16f.

[17] Vgl. Deutsche Bundesbank, 2019, S.16f.

[18] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2018, S.24.

[19] Vgl. Eurostat, 2019, o. S.

[20] Vgl. Institutderdeutschen Wirtschaft, 2018, S.12.

[21] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2018, o. S.

[22] Vgl. Deutsche Bundesbank, 2018, S.10.

[23] Vgl. Europäische Zentralbank, 2016, S.37.

[24] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2019, S.7.

[25] Vgl. Deutsche Bundesbank, 2018, S.14.

[26] Vgl. Deutsche Bundesbank, 2019, S.15.

[27] Vgl. Fey, G.; Hohlmeier, M., 2019, S.10.

[28] Vgl. Fey, G.; Hohlmeier, M., 2019, S.9.

[29] Vgl. Fey, G.; Hohlmeier, M., 2019, S.10.

[30] Vgl. Deutsche Bundesbank, 2019, S.27.

[31] Vgl. Deutsche Bundesbank, 2019, S.28.

[32] Vgl. Deutsch Institut Wirtschaftsforschung, 2015, S.34f.

[33] Vgl. Bundesbank, 2018, S.14f.

[34] Vgl. DIW, 2014, S.156.

[35] Vgl. HFCS, 2013, S.76.

[36] Vgl. Bundesbank, 2018, S.14.

[37] Vgl. Eurostat, 2019, o. S.

[38] Vgl. Institut der deutschen Wirtschaft, 2018, S.3.

[39] Vgl. DIW, 2014, S. 156.

[40] Vgl. Deutsche Bundesbank, 2016, S.64.

[41] Vgl. Institutderdeutschen Wirtschaft, 2018, S.9.

[42] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2019, o. S.

[43] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2019, o. S.

[44] Vgl. Weizsäcker, 2018, o. S.

[45] Vgl. Bönke, T., Brinkmann, H., 2017, S.10.

[46] Vgl. DeutschesAktieninstitut, 2011, S.1

[47] Vgl. Stehle, R.; Wulff, C.; Richter, Y., 1999, o. S.

[48] Vgl. Deutsche Aktieninstitut, 2011,S.1

[49] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2019, S.2f.

[50] Eckert, D., 2019, o. S.

[51] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2018, S.14f.

[52] Vgl. Deutsche Bundesbank, 2018, S.14.

[53] Vgl. Deutsche Bundesbank, 2018, S.4.

[54] Vgl. Deutsche Bundesbank, 2019, S.26.

[55] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2018, S.11.

[56] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2018, S.11.

[57] Vgl. Verband deutscher Pfandbriefbanken, 2019, o. S.

Ende der Leseprobe aus 78 Seiten

Details

Titel
Aktienmarktpartizipation privater Haushalte in Deutschland
Hochschule
Fachhochschule Aachen
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
78
Katalognummer
V501253
ISBN (eBook)
9783346035790
ISBN (Buch)
9783346035806
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aktien, Vermögen, Haushalte, Märkte, Kapital, Finanzen, Börse, Deutschland, Verteilung, Immobilienverögen, Finanzvermögen, Vermögensstruktur, Gini-Koeffizient, Vermögensentwicklung, Vermögensklassen, Privatinvestoren, Rendite, Investitionsziele, Demografische, Faktoren, Hindernisse, Aktienmarktpartizipation
Arbeit zitieren
Felix van Berck (Autor), 2019, Aktienmarktpartizipation privater Haushalte in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501253

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