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Theater und Politik - Versuch über die Kategorie des Politischen in und auf dem Theater

Title: Theater und Politik - Versuch über die Kategorie des Politischen in und auf dem Theater

Term Paper , 2005 , 34 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Torben Ibs (Author)

Theater Studies, Dance
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Summary Excerpt Details

„Als ich in die Probe kam, waren die Schauspieler auf der Bühne, und es gab gerade Krach zwischen Friedhelm Ptok, der den Karlos spielte, und Kurt Hübner. ‚König Philipp‘ sollte gerade auftreten, und Kurt Hübner, der Regisseur, hatte gesagt: „In diesem Moment treten alle Schauspieler einen Schritt zurück.“ Ptok fragte, warum. Und Hübner sagte (ich vereinfache etwas): „Weil es so ist, wenn dein König auftritt.“ ’68 war nicht mehr so weit weg, es brodelte schon ein bißchen. Die jungen Schauspieler wollten keinen Schritt mehr zurücktreten, sie fanden diese Haltung autoritär. Es gab einen Riesenaufstand über diesen einen Gang. Künstlerische Vorgänge können unmittelbar politische Bedeutungen habe, wenn man Theater ernsthaft betreibt. Daß ein Schritt nach hinten oder nicht so eine Bedeutung haben kann, ist es, was Theater aufregend macht.“ Was Peter Zadek hier beschreibt ist der Kern dessen, um was es in dieser Arbeit gehen soll, nämlich die Frage, inwieweit gesellschaftliche und politische Fragen mit dem Theater verzahnt sind. Wie sich direkte politische Fragen auf dem Theater formulieren und wie sie dargestellt werden. In diesem Fall ist die Antwort einfach: die traditionelle Rolle des Königs als Respektsperson und Autorität wird von den jungen Schauspielern in Frage gestellt, entspricht nicht mehr ihrem Verständnis von Umgang mit den Autoritäten, einem Kernproblem auch von Schillers „Don Karlos“, das Hübner 1959 in Ulm inszenierte und von dessen Proben Zadek hier berichtet. Eine autoritäre Haltung wurde abgelehnt und sollte daher auch nicht mehr auf der Bühne dargestellt werden. Dagegen stand die Auffassung Hübners, dass Königen ein solcher Respekt entgegengebracht werden müsse, das sei nun mal so (über weitere Argumente kann man an dieser Stelle nur spekulieren, aber der mögliche Wunsch nach einer Darstellung, wie es gewesen sein könnte, zu jener Zeit in der das Stück spielt, mag eine Rolle gespielt haben). Die Überzeugung der Schauspieler von 1959, eine solche autoritäre Haltung sei nicht zeitgemäß und Autoritäres überhaupt abzulehnen, wollten diese auch auf der Bühne kenntlich machen. Die Geste oder genau die Bewegung ist also zu einem enormen Teil mit politischer Bedeutung aufgeladen und wird als Zeichen für Machtkonstellationen genommen. Macht wiederum spiegelt sich in den kleinsten Gesten wieder, die auf der Bühne hervorgebracht und ebenso rezipiert werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I

II. Zum Begriff des Politischen und des Theaters in dieser Arbeit

III. Historische Grundlagen des deutschen Staatstheatersystems und seiner Grundästhetik

IV. Das Theater als (ideologischer) Staatsapparat – Überlegungen zum staatlichen Theater in der Demokratie

V. Roland Barthes Mythen auf dem Theater

VI. Zum Politischen auf dem Theater oder Wie könnte ein politisch-kritisches Theater in einer pluralistisch-demokratischen Gesellschaftsordnung aussehen?

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Theater, Gesellschaft und Politik im Kontext des deutschen Staats- und Stadttheatersystems, wobei die Forschungsfrage darauf abzielt, wie politische Diskurse auf die Bühne gelangen und inwieweit das Theater als "ideologischer Staatsapparat" agiert bzw. Möglichkeiten für politisch-kritisches Handeln bietet.

  • Historische Genese des deutschen Theaterwesens und die Etablierung bürgerlicher Bildungsnormen.
  • Theater als Repräsentationsmechanismus und Machtinstrument in verschiedenen politischen Systemen.
  • Analyse des Theaterbegriffs anhand semiotischer Ansätze, insbesondere Roland Barthes' Mythentheorie.
  • Das Spannungsfeld zwischen der Institution Theater, der Rolle des Publikums und dem Anspruch auf politisch-kritisches Theater.
  • Dekonstruktion traditioneller Theaterformen und Ansätze für ein zeitgenössisches, politisches Theaterverständnis.

Auszug aus dem Buch

I.

„Als ich in die Probe kam, waren die Schauspieler auf der Bühne, und es gab gerade Krach zwischen Friedhelm Ptok, der den Karlos spielte, und Kurt Hübner. ‚König Philipp‘ sollte gerade auftreten, und Kurt Hübner, der Regisseur, hatte gesagt: „In diesem Moment treten alle Schauspieler einen Schritt zurück.“ Ptok fragte, warum. Und Hübner sagte (ich vereinfache etwas): „Weil es so ist, wenn dein König auftritt.“ ’68 war nicht mehr so weit weg, es brodelte schon ein bißchen. Die jungen Schauspieler wollten keinen Schritt mehr zurücktreten, sie fanden diese Haltung autoritär. Es gab einen Riesenaufstand über diesen einen Gang. Künstlerische Vorgänge können unmittelbar politische Bedeutungen habe, wenn man Theater ernsthaft betreibt. Daß ein Schritt nach hinten oder nicht so eine Bedeutung haben kann, ist es, was Theater aufregend macht.“1

Was Peter Zadek hier beschreibt ist der Kern dessen, um was es in dieser Arbeit gehen soll, nämlich die Frage, inwieweit gesellschaftliche und politische Fragen mit dem Theater verzahnt sind. Wie sich direkte politische Fragen auf dem Theater formulieren und wie sie dargestellt werden. In diesem Fall ist die Antwort einfach: die traditionelle Rolle des Königs als Respektsperson und Autorität wird von den jungen Schauspielern in Frage gestellt, entspricht nicht mehr ihrem Verständnis von Umgang mit den Autoritäten, einem Kernproblem auch von Schillers „Don Karlos“, das Hübner 1959 in Ulm inszenierte und von dessen Proben Zadek hier berichtet. Eine autoritäre Haltung wurde abgelehnt und sollte daher auch nicht mehr auf der Bühne dargestellt werden.

Zusammenfassung der Kapitel

I.: Anhand eines Beispiels von Peter Zadek wird die grundlegende Verknüpfung von Theater und politischer Geste aufgezeigt, die als Ausgangspunkt für die gesamte Untersuchung dient.

II. Zum Begriff des Politischen und des Theaters in dieser Arbeit: Hier wird der in dieser Arbeit verwendete, an den Cultural Studies orientierte Politikbegriff definiert und der Fokus auf das klassisch subventionierte deutsche Theatersystem als diskursive Praxis eingegrenzt.

III. Historische Grundlagen des deutschen Staatstheatersystems und seiner Grundästhetik: Dieses Kapitel zeichnet die Entwicklung des Theaters von der fürstlichen Kleinstaaterei bis zum bürgerlich-staatlichen Institutionenmodell nach und thematisiert die damit einhergehende Normierung von Schauspielkunst und Zuschauererwartung.

IV. Das Theater als (ideologischer) Staatsapparat – Überlegungen zum staatlichen Theater in der Demokratie: Es wird untersucht, wie der Staat über finanzielle Förderungen und strukturelle Vorgaben das Theater als moralische Anstalt und Instrument der Traditionsbildung mitgestaltet.

V. Roland Barthes Mythen auf dem Theater: Unter Einbezug von Barthes' Mythentheorie wird analysiert, wie Theater Aufführungen als semiotische Systeme nutzt, um gesellschaftliche Ideologien zu festigen oder (als Meta-Mythos) in Frage zu stellen.

VI. Zum Politischen auf dem Theater oder Wie könnte ein politisch-kritisches Theater in einer pluralistisch-demokratischen Gesellschaftsordnung aussehen?: Das Kapitel diskutiert den Verlust direkter politischer Wirksamkeit und entwirft Strategien wie die "Afformance-Art" oder die bewusste Verweigerung mimetischer Darstellung als neue Wege für ein politisch reflektiertes Theater.

Schlüsselwörter

Theater, Politik, Gesellschaft, Ideologie, Staatstheater, Stadttheater, Repräsentation, Semiotik, Roland Barthes, Mythentheorie, Regietheater, Theaterästhetik, Machtstrukturen, Bühnenraum, Postdramatisches Theater.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen Theater, Gesellschaft und Politik im Kontext des deutschen Staats- und Stadttheatersystems.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten gehören die historische Genese des deutschen Theaterwesens, die Bedeutung der Institution Theater als Staatsapparat sowie die semiotische Analyse von Theateraufführungen als ideologische Konstrukte.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Mechanismen offenzulegen, durch die politische Diskurse auf die Bühne gelangen, und zu prüfen, wie ein zeitgenössisches, politisch-kritisches Theater innerhalb einer pluralistisch-demokratischen Gesellschaftsordnung möglich ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt Ansätze der Cultural Studies, die Diskurstheorie von Foucault, Althussers Theorie der Staatsapparate sowie die semiotische Mythentheorie von Roland Barthes.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung des Theaters, seine institutionelle Einbindung durch staatliche Subventionen, die Rolle des Regietheaters als Mythenproduzent und moderne Ansätze der theatralen Dekonstruktion.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Theater, Politik, Ideologie, Staatstheater, Semiotik, Roland Barthes, Mythentheorie, Regietheater und Machtstrukturen.

Welche Bedeutung kommt der "Vierten Wand" in der Analyse zu?

Die vierte Wand wird als Ausdruck der totalen Trennung zwischen Bühne und Zuschauerraum verstanden, die historisch zur Normierung von Sehgewohnheiten beitrug, und wird in aktuellen Theateransätzen als zu überwindende Konvention hinterfragt.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Subventionen?

Subventionen werden nicht nur als reine Förderung gesehen, sondern als Instrument, das ein "bürgerliches Erbe" konserviert, bestimmte Theaterformen privilegiert und durch die damit verbundene institutionelle Kontrolle zur Selbstzensur bei Theatermachern führen kann.

Was bedeutet der Begriff "Meta-Mythos" im Kontext dieser Arbeit?

Ein Meta-Mythos bezeichnet den Versuch, bestehende Mythen auf der Bühne durch eine neue Kontextualisierung zu durchbrechen, wobei die Arbeit kritisch anmerkt, dass dies oft nur eine neue Ebene der Bedeutungsproduktion erzeugt, statt den Mechanismus der Definitionsmacht selbst zu zerstören.

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Details

Title
Theater und Politik - Versuch über die Kategorie des Politischen in und auf dem Theater
College
University of Leipzig  (Institut für Theaterwissenschaft)
Grade
1,3
Author
Torben Ibs (Author)
Publication Year
2005
Pages
34
Catalog Number
V50128
ISBN (eBook)
9783638464062
ISBN (Book)
9783656760634
Language
German
Tags
Theater Politik Versuch Kategorie Politischen Theater
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Torben Ibs (Author), 2005, Theater und Politik - Versuch über die Kategorie des Politischen in und auf dem Theater, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50128
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