Der Laufsport erlebt seit Jahren einen Aufschwung, ob ambitionierte Athleten oder gemütliche Freizeitjogger, immer mehr Menschen greifen zu einem Paar Laufschuhe und legen los. Die Beliebtheit dieses Sports ist unter anderem auf den geringen Ausrüstungsbedarf zurückzuführen: Bis auf die oben genannten Laufschuhe und eventuell etwas Sportkleidung, benötigt man zum Laufen in der Regel kein weiteres Equipment. Neben den verhältnismäßig geringen Kosten tragen die zeitliche Flexibilität und die Ortsunabhängigkeit zur wachsenden Beliebtheit des Sports bei. Daraus geht hervor, dass die Laufschuhindustrie einen enormen Geschäftszweig für den Laufsport darstellt. Der Vielfalt bezüglich Funktionalität und Optik der Schuhe sind dabei keine Grenzen gesetzt. Von Schuhen mit Pronationsstützen über Schuhe mit Gelkissen in der Sohle für mehr Dämpfung, bis hin zu Minimalschuhen, welche teilweise einer Socke ähneln, ist alles zu finden. Da gerät man als Laie schnell in Verwirrung, welcher Schuh der Richtige ist. Dem steht jedoch gegenüber, dass nach jahrzehntelanger Laufschuhforschung die Verletzungsrate der Läufer nahezu konstant bleibt. Diese Hausarbeit belichtet dieses Thema aus unterschiedlichen Perspektiven.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Laufstile und Fußfehlstellungen
2.2 Aufbau von Laufschuhen
3 Hauptteil
3.1 Grenzen der Funktionalität von Laufschuhen
3.1 Vorzüge und Risiken des Natural Runnings
4 Diskussion und Fazit
5 Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Seminararbeit untersucht kritisch die Funktionalität klassischer Laufschuhe sowie die Auswirkungen des Trends zum „Natural Running“ auf die Biomechanik und das Verletzungsrisiko von Läufern, um ein differenziertes Verständnis für die individuelle Schuhwahl zu fördern.
- Grundlagen der Laufstile und Fußformen
- Aufbau und Funktion von Laufschuhen
- Wissenschaftliche Analyse der Auswirkungen von Dämpfung auf die Laufmechanik
- Chancen und Risiken des Barfuß- und Minimalschuhlaufens
- Bedeutung der individuellen Bedürfnisse für eine verletzungsfreie Laufpraxis
Auszug aus dem Buch
3.1 Vorzüge und Risiken des Natural Runnings
Natural Running, auch Barefoot-, Forefoot-, Midfoot, Chi- und Minimalist-Running genannt, wird beschrieben als ‚Natürlich Laufen‘, welches darauf abzielt, „durch einen natürlichen, ursprünglichen Laufstil leistungsfähiger und schneller zu werden und zugleich das Verletzungsrisiko zu minimieren. Muskeln und Sehnen in Füßen und Beinen greifen wieder aktiver in die Bewegungskontrolle und die Dämpfung ein.“ (Kresser, 2016). Damit handelt es sich hierbei nicht um eine neue Lauftechnik, sondern die ursprüngliche Lauftechnik des Menschen, wie man sie vom Barfußlauf kennt, soll dadurch wieder etabliert werden. Auch hier gibt es geteilte Meinungen. Aufgrund unterschiedlicher Definitionen von Minimalschuhen, werden sie in dieser Arbeit als Laufschuhe mit einer Fersenhöhe von 20mm oder weniger, einer Sprengung von maximal 7mm und einem Gewicht von ungefähr 200g definiert (Coetzee et al., 2017).
Die Autoren Kerrigan et al. Sind 2009 der Frage nachgegangen, wie stark ein klassischer neutraler Laufschuh die Gelenkmomente der unteren Extremtäten im Vergleich zum Barfußlaufen verändert. Dazu müssen 68 Freizeitläufer auf einem Laufband mit integrierter Kraftmessplatte laufen. Parallel dazu werden durch 16 Reflektormarker an den unteren Extremitäten die Winkelverläufe im Raum durch zehn Kameras aufgezeichnet. Ein Durchgang wird mit dem Laufschuh durchgeführt, welcher bei allen Probanden der gleiche ist, und ein weiterer Durchgang wird barfuß durchgeführt. Welcher Laufstil angewendet wird, geht aus dieser Studie nicht hervor, jedoch werden signifikant höhere Gelenkmomente in Hüfte, Knie und Fußgelenk gefunden. Obwohl die Geschwindigkeit des Laufbandes in beiden Testungen gleich ist, werden mit dem Laufschuh im Durchschnitt 14cm längere Schritte als barfuß gemacht. Die längeren Schritte mit Schuhen korrelieren leicht positiv mit den Kräften im Knie.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die wachsende Bedeutung des Laufsports ein und stellt die Relevanz der Forschungsfrage zur Funktionalität von Laufschuhen sowie zum Trend des Natural Runnings dar.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Laufstile, Fußformen sowie den technischen Aufbau eines Laufschuhs als Basis für die weitere biomechanische Betrachtung.
3 Hauptteil: Der Hauptteil analysiert aktuelle Studien zur Funktionalität von Laufschuhen und beleuchtet die mechanischen Auswirkungen sowie gesundheitlichen Vor- und Nachteile des Natural Runnings.
4 Diskussion und Fazit: Zusammenfassend wird bewertet, dass die Schuhwahl einen hochindividuellen Charakter hat und Natural Running zwar ein interessanter Ansatz zur Kräftigung der Muskulatur ist, jedoch behutsam in das Training integriert werden sollte.
5 Literaturverzeichnis: Hier werden sämtliche in der Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Studien systematisch aufgeführt.
Schlüsselwörter
Laufschuhe, Natural Running, Biomechanik, Gelenkmomente, Fersenlauf, Vorfußlauf, Dämpfung, Verletzungsprävention, Laufstil, Minimalschuhe, Impact Peak, Loading Rate, Bewegungsanalyse, Komfortfilter, Fußfehlstellungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der Nutzung klassischer Dämpfungsschuhe und dem Trend zum sogenannten Natural Running unter Berücksichtigung biomechanischer Erkenntnisse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören Laufstile, der Aufbau von Laufschuhen, die Auswirkung von Dämpfung auf die Gelenkbelastung sowie die Vorzüge und Risiken des Barfuß- und Minimalschuhlaufens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, wie viel Funktionalität Laufschuhe tatsächlich besitzen und welche Rolle Natural Running hinsichtlich der Funktion und Verletzungsreduktion spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer kritischen Literaturanalyse aktueller internationaler Studien, die mittels biomechanischer Messverfahren (3D-Analysen, Kraftmessplatten, MRT) die Auswirkungen von Schuhen auf den menschlichen Bewegungsapparat untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Wirksamkeit von Dämpfungseigenschaften und Stützfunktionen sowie der vergleichenden Betrachtung der Gelenkmomente bei verschiedenen Laufstilen und Schuharten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Biomechanik, Natural Running, Laufstil, Dämpfung und Verletzungsprävention maßgeblich charakterisiert.
Was besagt das „Paradigma des bevorzugten Bewegungspfads“?
Es besagt, dass die Kinematik der unteren Extremitäten durch verschiedene Laufschuhe nur minimal verändert wird und die spezifischen Schuhfunktionen somit eine eher untergeordnete Rolle spielen.
Warum kann Natural Running zu Verletzungen führen?
Laut den Untersuchungen führt eine zu schnelle Umstellung bei untrainierten Läufern zu Überlastungserscheinungen wie Knochenmarködemen oder einem erhöhten Plantardruck im Vorfußbereich, da die Muskulatur nicht an die neue Belastung gewöhnt ist.
Was ist die Bedeutung des „Comfort Filters“?
Das Konzept besagt, dass die subjektive Wahrnehmung der Bequemlichkeit eines Schuhs ein maßgeblicher, oft unterschätzter Faktor für ein verletzungsfreies Lauferlebnis darstellt.
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- Nicolas Schons (Author), 2019, Laufschuhe. Vom Dämpfungsschuh zum Barfußlauf. Sollten wir alle zum Natural Runner werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501310