Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Art - History of Art

Der Marienschrein in der Kathedrale von Tournai. Das verkannte Werk des Nikolaus von Verdun

Title: Der Marienschrein in der Kathedrale von Tournai. Das verkannte Werk des Nikolaus von Verdun

Thesis (M.A.) , 2008 , 172 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Anja Bachert (Author)

Art - History of Art
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Der Marienschrein in der Kathedrale von Tournai, im heutigen Belgien, ist ein an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert entstandenes Reliquiar der mittelalterlichen Goldschmiedekunst. Im Gegensatz zu den anderen Werken des Nikolaus von Verdun ist der Tournaiser Schrein bis heute nur schlecht erforscht. Den ersten Teil dieser Magisterarbeit bildet zunächst die Bestandsaufnahme, zu Beginn mit einer räumlichen und zeitlichen Verortung von Nikolaus von Verdun in der abendländischen Kunst und einer Diskussion der geläufigsten Thesen der Nikolaus-Forschung, sowie einer Vorstellung seiner Werke. Dem folgt die ausführliche Beschreibung des Marienschreins, inklusive Erläuterung von Materialien und Goldschmiedetechniken. Der Restaurierungsgeschichte wird ein umfangreicher Abschnitt gewidmet.

In der zweiten Hälfte der Arbeit wird das Wissen über das Goldschmiedewerk ausgeweitet. So führt die Auseinandersetzung mit Fachliteratur über Reliquienschreine und deren Einbindung in die Glaubenspraxis neue Thesen über die spezielle kultische Nutzung des Marienschreins herbei, wodurch die Bestimmung, also der Sinn und Zweck dieses Kunst- und Kultgegenstandes verdeutlicht wird. Mit Hilfe der ikonographischen Untersuchung der einzelnen Szenen am Schrein unter Berücksichtigung der einschlägigen Literatur zur christlichen Ikonographie des Mittelalters werden weitere Erkenntnisse über das einstige Erscheinungsbild herausgearbeitet.

Zum anderen wird im Zusammenhang mit der kultischen Bestimmung die Ikonologie des Marienschreins erörtert und es werden Deutungsansätze formuliert. Dies erfolgt auch mithilfe der Inschriften zu den einzelnen Szenen am Schrein, die allesamt aufgeführt und übersetzt werden. Auch dem Stil des Werkes widmet die Autorin ihre Aufmerksamkeit. Hierfür erfolgt auch eine Auseinandersetzung mit dem Kunststil von Bildwerken, die zu Lebzeiten des Nikolaus entstanden sind und somit zu seinen Einflüssen zählen können. Neben umfassendem Wissen zum Marienschrein in der Kathedrale von Tournai liefert die Arbeit deshalb auch einen Einblick in die ältere und neuere Nikolaus-Forschung und zudem Kenntnisse über den mittelalterlichen Reliquien- und Schreinkult.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Nikolaus von Verdun

1.1 Verortung des Goldschmieds in der abendländischen Kunsttradition

1.2 Zum Werk des Nikolaus von Verdun

1.2.1 Richtige und falsche Zuschreibungen

1.2.2 Entstehung des Marienschreins

2. Beschreibung des Schreins unter Einbeziehung der verwendeten Materialien und angewandten Techniken

3. Über die Restaurierungen des Marienschreins

3.1 Zur ersten Restaurierung des Marienschreins im Zeitraum von 1350-75

3.2 Hinweise auf eine Restaurierung im Jahre 1662

3.3 Zur Restaurierung von 1812

3.4 Zur letzten Restaurierung des Marienschreins in den Jahren 1889/90

4. Über die Funktion und religiöse Nutzung des Marienschreins im Kontext der Heiligenverehrung und dem allgemeinen Umgang mit Reliquienschreinen im Mittelalter

4.1 Reliquienkult und Glaubenspraxis im Zusammenhang mit Schreinen

4.1.1 Zu den konkreten Funktionen von Reliquienschreinen

4.1.2 Zur Wirkungsweise und vielfältigen kultischen Nutzung

4.2 Zur Einbindung des Marienschreins in die religiöse Praxis

4.2.1 Reliquien des Schreins

4.2.2 Aufstellung des Marienschreins im Kirchenraum

4.2.3 Über die sogenannte Große Prozession von Tournai und weitere Feierlichkeiten, in die der Marienschrein einbezogen war

5. Zur Ikonographie des Marienschreins

5.1 Darstellungen mit traditionell abendländischer Ikonographie

5.2 Ikonographische Besonderheiten

5.2.1 Abweichung der Szenen Verkündigung Christi, Flucht nach Ägypten und Darbringung im Tempel von der Bildtradition durch die Einfügung der Engelsfiguren

5.2.2 Zur Sonderstellung des Höllenfahrtsbildes innerhalb der abendländischen Ikonographie

5.2.3 Darreichung des Christuskindes durch Joseph - zur Seltenheit der Geburt-Christi-Darstellung am Marienschrein

5.2.4 Christus auf dem Thron als Rex und Iudex

5.2.5 Fragen zur Ikonographie der Anbetung der Heiligen Drei Könige

5.3 Deutungsansätze zum Bildprogramm des Marienschreins

6. Zum Stil der Werke des Nikolaus von Verdun

6.1 Voraussetzungen für den Stil Nikolaus’

6.1.1 Erkenntnisse und Irrtümer der Forschung

6.1.2 Wege der Vermittlung klassischen und byzantinischen Formengutes

6.2 Zum Stil des Marienschreins

6.2.1 Einschätzung des Schreins in der kunsthistorischen Forschung

6.2.2 Untersuchung der stilistischen Entwicklung im Nikolaus-Œuvre hin zum Marienschrein

6.2.3 Gründe für die stilistische Sonderstellung des Tournaiser Schreins innerhalb des Gesamtwerks des Goldschmieds

Schluss

Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Diese kunsthistorische Magisterarbeit verfolgt das Ziel, das Wissen über den Marienschrein in der Kathedrale von Tournai grundlegend zusammenzutragen und eine detaillierte Bestandsaufnahme des Werkes vorzunehmen, um neue kunsthistorische Erkenntnisse zu gewinnen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht dabei die historische und künstlerische Verortung des Schreins innerhalb der abendländischen Kunsttradition sowie die stilistische Entwicklung des Goldschmieds Nikolaus von Verdun.

  • Kritische Aufarbeitung der Restaurierungsgeschichte und Datierungsfragen
  • Detaillierte formale und stilistische Analyse des Marienschreins im Vergleich zu anderen Werken des Nikolaus von Verdun
  • Untersuchung der ikonographischen Besonderheiten und des theologischen Bildprogramms
  • Religionsgeschichtliche Einordnung der kultischen Nutzung und Einbindung in die Glaubenspraxis
  • Analyse der Rezeption klassischer und byzantinischer Einflüsse auf den Stil des Künstlers

Auszug aus dem Buch

1.1 Verortung des Goldschmieds in der abendländischen Kunsttradition

Der Name „Nikolaus von Verdun“ ist durch Inschriften an zwei verschiedenen Werken überliefert, dem 1181 vollendeten Klosterneuburger Altar und dem 1205 fertig gestellten Marienschrein in der Kathedrale von Tournai. Dabei ist in Klosterneuburg bei Wien von „Nicolaus [...] Virdunensis“ und am Marienschrein von „Magister Nicolaus de Verdun“, jeweils als Schöpfer der Werke, die Rede.7

Ausgehend von dem Namen nimmt ein Großteil der Forscher an, dass Nikolaus von Verdun, einer Stadt in Lothringen, an der Maas, nahe der benachbarten Champagne stammt.8 Es gibt aber auch Stimmen, die berechtigterweise betonen, dass wir nichts mit Sicherheit wissen können, da sonst, in Dokumenten oder Ähnlichem, keinerlei Hinweise auf den Goldschmied existieren. Bereits 1964 schreibt beispielsweise Hermann Schnitzler, es sei in keinem Fall erwiesen, dass die Stadt an der Maas die Heimat des Nikolaus war.9 Und auch Peter Cornelius Claussen erinnert 1999 daran, dass Nikolaus zum einen zwar eine reale Künstlerpersönlichkeit war, zum anderen aber ein Konstrukt der kunsthistorischen Forschung ist.10

Eine Zeitlang glaubte man in der Forschung, ein Dokument zu kennen, in dem der Goldschmied erwähnt ist. Barthélemy-Charles Dumortier berichtete 1862 erstmals von diesem Zeugnis, welches den Erwerb des Bürgerrechts der Stadt Tournai durch einen gewissen „[...] Colars (Nicolas) de Verdun, voirier [...]“ am dritten November 1217 belegen würde.11 Vier Jahre vor der 1940 erfolgten Zerstörung dieses Dokumentes konnte Adolphe Hocquet allerdings eine korrekte Abschrift sowie eine Fotografie davon publizieren, die beide eindeutig beweisen, dass es sich hierbei nicht um den uns bekannten Goldschmied Nikolaus von Verdun handeln kann.12 Denn zunächst fand die Aufnahme des Bürgers in Tournai nicht 1217, sondern 1318 statt und zum Zweiten war jener Mensch nicht „voirier“, also Glasmaler, von Beruf, sondern Pelzhändler - „vairier“.13

Zusammenfassung der Kapitel

1. Nikolaus von Verdun: Dieses Kapitel behandelt die historische Identität des Goldschmieds sowie die Zuweisung und Entstehungsgeschichte des Marienschreins.

2. Beschreibung des Schreins unter Einbeziehung der verwendeten Materialien und angewandten Techniken: Es erfolgt eine detaillierte technische und formale Analyse des Schreins, einschließlich der Materialbeschaffenheit und der handwerklichen Ausführung.

3. Über die Restaurierungen des Marienschreins: Eine kritische Untersuchung der historischen Restaurierungsmaßnahmen von 1350 bis 1890, die entscheidend für das heutige Erscheinungsbild des Objektes sind.

4. Über die Funktion und religiöse Nutzung des Marienschreins im Kontext der Heiligenverehrung und dem allgemeinen Umgang mit Reliquienschreinen im Mittelalter: Das Kapitel beleuchtet die Bedeutung des Schreins als kultisches Objekt innerhalb der mittelalterlichen Glaubenspraxis und Prozessionskultur.

5. Zur Ikonographie des Marienschreins: Hier werden die einzelnen Bildszenen analysiert, ikonographische Besonderheiten diskutiert und der inhaltliche Gehalt des Bildprogramms gedeutet.

6. Zum Stil der Werke des Nikolaus von Verdun: Abschließend wird die stilistische Entwicklung des Meisters untersucht und seine Sonderstellung im Kontext der mittelalterlichen Kunstproduktion reflektiert.

Schlüsselwörter

Nikolaus von Verdun, Marienschrein, Tournai, Goldschmiedekunst, Reliquienschrein, Ikonographie, Mittelalter, Restaurierungsgeschichte, Klosterneuburger Altar, Heiligenverehrung, Emailtechnik, Kunstgeschichte, Spätromanik, Gotik, Glaubenspraxis

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit widmet sich dem Marienschrein in der Kathedrale von Tournai, einem bedeutenden Werk mittelalterlicher Goldschmiedekunst, und beleuchtet dessen Entstehung, seine Funktion sowie seine wechselvolle Restaurierungsgeschichte.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Untersuchung umfasst die Biografie des Künstlers Nikolaus von Verdun, die materielle Beschaffenheit des Schreins, die kunsthistorische Einordnung der Ikonographie und die liturgische sowie politische Rolle des Objektes im Mittelalter.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Hauptziel ist eine fundierte Bestandsaufnahme und wissenschaftliche Zusammenführung des vorhandenen Wissens zum Marienschrein sowie die Klärung stilistischer Entwicklungen im Œuvre des Nikolaus von Verdun.

Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt die kunsthistorische Quellenanalyse, den Vergleich mit zeitgenössischen Werken (wie dem Klosterneuburger Altar) sowie die Auswertung von Restaurierungsdokumenten und Archivmaterial.

Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Beschreibung, eine Analyse der Restaurierungsgeschichte, die Untersuchung der religiösen Funktion und eine tiefgehende ikonographische sowie stilistische Analyse des Schreins.

Welche Begriffe beschreiben die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Nikolaus von Verdun, Marienschrein, mittelalterliche Goldschmiedekunst, Ikonographie und Restaurierungsforschung charakterisieren.

Warum spielt die Restaurierungsgeschichte eine so große Rolle für die Arbeit?

Da der Schrein im Laufe der Jahrhunderte stark verändert wurde, ist die Analyse der Restaurierungen entscheidend, um den ursprünglichen Bestand von späteren Ergänzungen zu unterscheiden.

Welche Rolle spielt die Prozessionskultur für den Schrein?

Die Mobilität des Schreins, insbesondere im Rahmen der „Großen Prozession von Tournai“, war ein wesentlicher Bestandteil seiner kultischen Bedeutung und prägte die Verehrung des Objektes nachhaltig.

Excerpt out of 172 pages  - scroll top

Details

Title
Der Marienschrein in der Kathedrale von Tournai. Das verkannte Werk des Nikolaus von Verdun
College
University of Leipzig  (Institut für Kunstgeschichte)
Grade
1,0
Author
Anja Bachert (Author)
Publication Year
2008
Pages
172
Catalog Number
V501334
ISBN (eBook)
9783346047076
ISBN (Book)
9783346047083
Language
German
Tags
mittelalterliche Goldschmiedekunst Nikolaus von Verdun Marienschrein Tournai Mittelalterkunst mittelalterliches Kunsthandwerk Dreikönigsschrein Klosterneuburger Altar Verduner Altar Dreikönigenschrein mittelalterliche Bildhauerkunst
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anja Bachert (Author), 2008, Der Marienschrein in der Kathedrale von Tournai. Das verkannte Werk des Nikolaus von Verdun, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501334
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  172  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint