Entrepreneurship im akademischen Bereich. Unternehmensgründung von Wissenschaftlern


Bachelorarbeit, 2017
43 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Einleitung und Problem
1.1 Forschungsfrage
1.2 Methodisches Vorgehen

2. Definitionen zum Begriff Entrepreneurship und Entrepreneurship in universitären Ausgründungen

3. Universitäre Spin-offs: Begriffsklärungen

4. Ökonomischer Gewinn von universitären Spin-offs für eine digitalisierte Wissensgesellschaft
4.1 Die Innovativität von Spin-offs erhöht das wirtschaftliche Wohlstandsniveau
4.2 Hochwertige Güterproduktion universitärer Ausgründungen
4.3 Überdurchschnittliche Generierung von Arbeitsplätzen durch universitäre Ausgründungen

5. Herausforderungen für universitären Ausgründungen in der Bundesrepublik
5.1 Undefiniertes Professionsbild eines kommerziell interessierten Forschers
5.2 Fehlender Praxis- und Ordnungsrahmen für die Innovationsdynamik universitären Entrepreneurships
5.3 Mangelhafte Brückenfunktion zwischen akademischen Spin-offs und wirtschaftlicher Umsetzbarkeit ökonomischer Produktion

6. Berufsmotivation universitärer Ausgründer und der Begriff Entrepreneurship in diesem Bereich

7. Praxisbeispiele für universitäre Spin-offs

8. Beantwortung der Forschungsfrage

9. Zusammenfassung und Fazit

Literatur

Bücher

Fachjournale

Aus dem Internet

Abstract

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Thematik universitärer Spin-offs, also akademischer Ausgründungen, die von Wissenschaftlern vorgenommen werden, um sich auf dem ökonomischen Feld eine Marktposition aufzubauen. Am Anfang der Arbeit stehen Begriffsklärungen zur Thematik des Entrepreneurships allgemein und des universitären Entrepreneurships im Speziellen. Universitäre Spin-offs bilden mit ihrer wissenschaftlichen und ökonomischen Dynamik ein bedeutendes Element für das ökonomische Niveau digitalisierter Wissensgesellschaften. Universitäre Spin-offs produzieren hochwertige Güter, erzeugen im Vergleich zu traditionellen Unternehmen eine überdurchschnittliche Anzahl von Arbeitsplätzen und ziehen mit der Kreativität und Innovativität ihrer Produktion weitere Unternehmen an, sodass sich Cluster bilden, in deren Umfeld sich das Wohlstandsniveau überdurchschnittlich entwickelt. Als Beispiel für solche Cluster lassen sich das Massachusetts Institute of Technology in den USA (MIT) sowie generell Phänomene wie das Silicon Valley nennen.

In der Bundesrepublik werden die genannten Faktoren bisher kaum in ausreichender Form in Rechnung gestellt, was die Organisation eines staatlich stabilen Rahmens für universitäre Ausgründungen angeht. Dies betrifft einerseits den fehlenden Praxis- und Ordnungsrahmen für die Innovationsdynamik akademischer Ausgründungen, das unklare Professionsbild kommerziell interessierter Forscher sowie wenig existierende Brückenfunktionen, was die Umsetzung von Spin-off-Produktion in ökonomisch verwertbare Resultate betrifft. Praxisbeispiele für akademische Ausgründungen, die aufgeführt werden, lassen erkennen, dass die genannten Mängelfaktoren tatsächliche Hemmnisse für die innovative Dynamik Spin-offs bilden. Die Arbeit thematisiert schließlich die Berufsmotivation akademischer Ausgründer und klärt, dass in diesem Bereich ein Unternehmertum existiert, dass mit der Zielstellung operiert, die wissenschaftlich erfolgreiche Dynamik auf den ökonomischen Sektor zu übertragen.

1. Einleitung und Problem

Akademische Ausgründungen aus Universitäten (Spin-offs) bilden in einer globalisierten Gesellschaft für den Wissenstransfer und die Weiterentwicklung technologischer Standards ein bedeutendes Instrument ökonomischer Entwicklung. Wissenschaftler, die ihre Forschungsergebnisse in wirtschaftliche Verwertbarkeit und Kommerzialisierung umsetzen, tragen mit ihrer unternehmerischen Dynamik in einem nicht unbeträchtlichen Teil zum Wohlstandsniveau hoch industrialisierter Gesellschaften bei. Die Universitäten der Industriestaaten konstituieren einen Sektor der Wissenserzeugung, der neben den Abteilungen für Forschung & Entwicklung, wie sie multinationale Konzerne betreiben, einen beträchtlichen Beitrag zur Umsetzung von Wissenschaftsresultaten in die ökonomische Verwertbarkeit leistet. Gegenüber den Forschungsbemühungen, wie sie Großunternehmen zum Beispiel im Bereich der Medikamentenforschung unternehmen, stellen universitäre Ausgründungen, die von der Dynamik eines spezifischen Entrepreneurships bestimmter Wissenschaftler getragen werden, eine umfangreichere Bandbreite an innovativer technologischer Dynamik dar. Der Forschungszweig, der sich mit dem akademischen Entrepreneurship von Spin-offs auseinandersetzt, findet auf einem internationalen Niveau statt und zeitigt vielfältige Resultate. Die wissenschaftliche Literatur richtet etwa das Augenmerk darauf, dass akademische Ausgründungen, die ökonomische Verwertbarkeit hervorbringen, die Lebensstandards hoch industrialisierter Gesellschaften fördern. Insofern bildet die Umsetzung von Forschungsresultaten in wirtschaftliche Produktivität den Aspekt eines Entrepreneurships, der einen spezifischen Unternehmertyp charakterisiert.

Universitäre Spin-offs können soziale Standards steigern, Arbeitsplätze erzeugen, universitäre Forschungsdynamik beschleunigen und generell die Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft intensivieren. Als Beispiel für die wissenschaftliche und ökonomisch-innovative Dynamik universitärer Ausgründungen lassen sich die entsprechenden Spin-offs bezeichnen, die seit etwa einem halben Jahrhundert aus der US-Universität des Massachusetts Institute of Technology (MIT) hervorgingen und hervorgehen. Das Feld universitärer Spin-offs umfasst besonders die sogenannten MINT-Fächer, also Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Biotechnologie und Softwareentwicklung. Die Fachliteratur zeigt, dass zum Beispiel in den USA im Umfeld der Eliteuniversitäten (Harvard usw.) ein Wissenschaftsklima besteht, dass universitäre Ausgründungen und damit auch teilweise die Ökonomisierung der Forschungsresultate begünstigt. Hier entsteht eine Cluster-Bildung wissenschaftlicher Institutionen, die das Management, das für die Umsetzung von Forschungsresultaten in Kommerzialisierung benötigt wird, begünstigt.

Auch in der Bundesrepublik bestehen Wissenschaftseinrichtungen wie das Ferdinand-Braun-Institut und das Fraunhofer Institut, die mit universitären Ausgründern kooperieren. Die Bundesregierung fördert solche Spin-offs organisatorisch und finanziell, da man die Bedeutung der Innovationsdynamik solcher Spin-offs auch auf politischer Seite in wachsendem Ausmaß erkennt. Die wissenschaftliche und ökonomische Wichtigkeit akademischer Spin-offs lässt sich an der Vielzahl solcher Ausgründungen erkennen, die auf internationaler Ebene bestehen. In der Bundesrepublik finden dagegen akademische Ausgründungen und ihre kommerziellen Wachstumspotentiale ein im Vergleich zum internationalen Niveau relativ geringeres Verständnis. Dies ist angesichts der Innovativität auf technischer Ebene, die Spin-offs konstituieren, ungewöhnlich. Die Tatsache, dass in der Bundesrepublik keine innovativitätsorientierte Cluster-Dynamik entsteht, wie sie im US Silicon Valley vorliegt, weist weiter in die Richtung eines solchen Mangels. So stellen Torka / Knie fest, dass in der Bundesrepublik die Bereitschaft, Universitäten und Wirtschaft näher zueinander zu bringen, vielfach als problematisch betrachtet wird. Torka / Knie informieren in einer diesbezüglichen Veröffentlichung über das fehlende Klima, das universitäre Ausgründungen begünstigen kann. Die akademischen Traditionen in der Bundesrepublik, so Torka / Knie, sind relativ konservativ und behindern in vielen Fällen das Eindringen ökonomischer Kategorien in den Wissenschaftsbereich. Grundsätzlich existiert in der Bundesrepublik kein fester Bezugsrahmen, an dem sich Spin-off-Gründer für ihre ökonomischen Ziele orientieren könnten. Ebenso fehlt ein fest umrissenes Berufsbild, das es universitären Ausgründern erleichtern könnte, ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse zu kommerzialisieren. Insgesamt existiert laut Torka / Knie kein gesellschaftliches Modell für die Übersetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse von Spin-offs in ökonomische Dynamik. Andererseits weist die Literatur darauf hin, dass gerade Spin-offs Arbeitsplätze in erhöhterem Ausmaß schaffen als konventionelle Unternehmen. Damit tragen sie wesentlich zur Hebung des lokalen als auch des generellen gesellschaftlichen Wohlstands bei. Zusätzlich heben sie das technische Niveau einer industrialisierten Gesellschaft.

1.1 Forschungsfrage

Welche unterschiedlichen Motivationstypen existieren bei Ausgründungen von Universitäten? Lässt sich anhand dieser Motivation ein spezifischer Begriff von Entrepreneurship darstellen?

1.2 Methodisches Vorgehen

Zunächst sind in der Arbeit Definitionsansätze für universitäre Spin-offs darzustellen. Im weiteren Verlauf sind mögliche Ursachen für die wirtschaftlichen Erfolge solcher Gründungen zu entwickeln. Dies geschieht mit der Konzentration auf solche Ausgründungen in den USA, um später den Rückstand der Bundesrepublik in dieser Hinsicht deutlich machen zu können. Die Darstellung der Motivation für universitäre Ausgründungen, also die Charakterisierung solcher Ausgründer, geschieht im weiteren Arbeitsverlauf. Von Bedeutung ist sodann die Darstellung der Mängelproblematik, die sich speziell in der Bundesrepublik auf solche Ausgründungen erstreckt (fehlende Rahmenstruktur für Spin-offs). Den Schlussteil der Arbeit bildet die Darstellung der Generierung von Arbeitsplätzen, die positive Innovationsdynamik und die besondere Bedeutung von Spin-offs für die digitale Wissensgesellschaft.

2. Definitionsansätze zum Begriff Entrepreneurship und Entrepreneurship in universitären Ausgründungen

Für den Begriff des Entrepreneurship bzw. für den des Unternehmertums existiert in der Literatur keine einheitliche Definition. Es finden sich keine Theorien, die mit einer konsensfähigen Definition des Entrepreneurship aufwarten. Das Lexikon setzt den Begriff des Unternehmers mit dem des Entrepreneurs gleich.1

Die Definitionsansätze für den Begriff des Entrepreneurship bzw. des Unternehmertums reichen von institutionsökonomischen, organisationsökologischen, persönlichkeitstheoretischen bis zu industrieökonomischen Modellvorstellungen. Der Ökonom Schumpeter betrachtete den Unternehmer als ein Individuum, dessen ökonomische Aktivität sich in Erfindungsreichtum und innovativer Dynamik niederschlägt. Der Unternehmer ist ein Typus, dessen innovatives Wirtschaften vorhandene Strukturen verdrängt und neuartige Formen an ihre Stelle setzt. Der Unternehmer ist in Schumpeters Konzeption der Treiber einer diskontinuierlichen Prozessualität, die durch Veränderung vorhandener Industriestrukturen langfristiges ökonomisches Wachstum erzeugt.2 F. H. Knight und P. Drucker charakterisierten den Begriff des Unternehmertums und den des Unternehmers mit der Eigenschaft der betreffenden Personen, ökonomische Risiken einzugehen. Unternehmerisches Agieren im Sinne eines Entrepreneurs bedeutet in diesen Auffassungen, Kapitalrisiken einzugehen, die gegebenenfalls ein Scheitern implizieren.3 Weissbach et al. betrachten das Entrepreneurship in seinen wesentlichen Elementen als die Kompetenz, in ökonomischen Märkten Möglichkeiten für die Entwicklung von Geschäftsmodellen und Innovationen zu entdecken und die erforderliche Umsetzung zu realisieren.4 Weitere Charakterisierung des Unternehmertums bietet der Ansatz des Event-Based Entrepreneurship. Dieser Ansatz von Shapero / Sokol betont die Bedeutung der individuellen Handlungsdynamik und das Selbstständigkeitsbedürfnis von Individuen, die Unternehmensgründungen vornehmen.5 Andere Literatur trennt in der Beschreibung des Entrepreneurships den Unternehmer als Typ von dem des Managers. Der Begriff des Entrepreneur charakterisiert in solchen Trennungen eher den das ökonomische Risiko eingehenden, an Innovation orientierten Unternehmensgründer, der selbst bei niedrigem Eigenkapital existierende Marktressourcen und Dienstleistungen einer kreativen Nutzung unterzieht, sie zusammenführt und auf diese Weise Kapitalressourcen schont.6

Als Beispiel für solche Unternehmertypen lassen sich Personen nennen, die mittelständische Betriebe als Eigentümer führen, und die in den Marktsegmenten, wo sie operieren, Weltmarktführer sind.7 Der Typ des Managers charakterisiert sich dagegen durch die eher organisatorische Verantwortung für den unternehmerischen Erfolg. Der Manager ist nicht Eigentümer des Unternehmens. Er verfolgt in vielen Fällen seine eigenen ökonomischen Ziele.8 Der Entrepreneur bedarf laut Fallgatter der spezifischen Leistungsmotivation, des Strebens nach Unabhängigkeit, der ökonomischen Risikobereitschaft, des Durchhaltevermögens, der individuellen Kreativität, der Fähigkeit, sich durchzusetzen, der Fähigkeit, Probleme zu lösen, der Ambiguitätstoleranz, der Resilienz und der emotionalen Stabilität.9 Grundsätzlich lassen sich die von Fallgatter angeführten Charakterisierungen eines Entrepreneurs auf den Begriff eines Unternehmers übertragen, der eine wissenschaftliche Ausgründung aus dem Universitätsbereich etabliert. Zusätzlich ist jedoch ein solcher Entrepreneur gerade durch seine herausragende wissenschaftliche Kompetenz geprägt.

3. Universitäre Spin-offs: Begriffsklärungen

Eine allgemein gebrauchsfähige Definition liegt auch für den Begriff des universitären Spin-offs nicht vor.10 Einen Definitionsansatz, der etliche Dimensionen von Spin-offs darstellt, bietet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Sie lautet: „Research based Spin-offs are generally understood to be small, new technology-based firms whose intellectual capital originated in universities or other public research organisations. These firms are thought to contribute to innovation, growth, employment and revenues. They are perceived to be flexible and dynamic, giving rise to novel fields and markets, and playing a critical role in the development of high-technology clusters“.11 Der Definitionsansatz der OECD macht auf den universitären Entstehungssektor von Spin-offs aufmerksam, er beschäftigt sich mit dem Sektor der Forschungsarbeit, er betont die Wichtigkeit der Innovationsdynamik von Spin-offs, die hohe technische Qualität der Produkte und die ökonomische Umsetzbarkeit der betreffenden Produktion. Hemer et al. bezeichnen Spin-offs als Unternehmensformen, die „unmittelbar aus dem Hochschul- oder Forschungsbereich … wissensbasierte Gründungen neuer Unternehmungen durch akademische Mitarbeiter dieser Einrichtungen“ hervorgehen.12

Kulicke macht in ihrer Darstellung von Spin-offs einen Unterschied zwischen direkten, indirekten und bedingten Spin-offs.13 Laut Kulicke lassen sich direkte Spin-offs dadurch charakterisieren, dass sie unmittelbar aus den Beschäftigungsebenen einer Akademie folgen. Indirekte Ausgründungen erfolgen dagegen erst dann, wenn die betreffenden Wissenschaftler auf Berufserfahrung zurückgreifen können. Bedingte Ausgründungen beruhen auf akademischen Veröffentlichungen (Diplomarbeiten) oder auf Ideen, die schon durch den akademischen Betrieb angeregt sind, also mit dem akademischen Betrieb nur noch bedingt verbunden sind.14 Auch wissenschaftliche Institute wie die Fraunhofer-Gesellschaft, die Leibniz-Gemeinschaft und das Max-Planck-Institut für Innovation leisten Definitionsansätze für Spin-offs. So differenziert das Institut Max-Planck-Innovation Spin-offs in solche der Verwertung, der Wissenschaftlersektoren sowie der Erfahrung.15 Ein Verwertungs-Spin-off ist durch die Verbindung des Ausgründungsprozesses mit Hilfe von Lizenzverträgen gekennzeichnet. Ein Wissenschaftler-Spin-off bildet sich dann, wenn wenigstens ein Gründungsmitglied in das zu bildende Unternehmen eintritt. Ein Erfahrungs-Spin-off gewinnt seine ökonomische Energie von den wissenschaftlichen Arbeiten ehemaliger Universitätsmitglieder.16

4. Ökonomischer Gewinn von universitären Spin-offs für eine digitalisierte Wissensgesellschaft

4.1 Die Innovativität von Spin-offs erhöht das wirtschaftliche Wohlstandsniveau

Eine digitalisierte Wissensgesellschaft, die auf globalem Niveau von einer permanent wachsenden Vernetzung abhängig ist, bedarf der Generierung, der Akkumulation und der Organisation sowie der Ausdifferenzierung von Wissen auf allen Niveaus sozialer und ökonomischer Operation. Die Literatur weist vielfach darauf hin, dass Wissensstrukturen fast alle gesellschaftlichen Funktionsbereiche mehr und mehr definieren. Diese Bestimmung und Durchdringung der Gesellschaft von Wissensstrukturen läuft Weingart zufolge als permanente Multiplikation wissenschaftlicher Information und Erkenntnis ab.17 Die Forschung, die sich auf internationaler Ebene mit der ökonomischen Bedeutung von Spin-offs beschäftigt, stellt fest, dass akademische Ausgründungen einen beträchtlichen Beitrag zur Generierung ökonomischer Dynamik und ökonomischem Wachstum leisten. So machen Riesenhuber et al. darauf aufmerksam, dass Spin-offs für die Schaffung von Arbeitsplätzen sorgen, Innovation dynamisieren und damit dem Wohlstand auf regionaler Ebene deutlich fördern.18

Am Beispiel Schwedens gelangt Dahlstrand schon in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts zu dem Schluss, dass universitäre Ausgründungen mehr Patente generierten als etliche Technologiebetriebe der Nation. Dahlstrand führt dies auf die Dynamik zurück, mit der Spin-offs den Wirtschaftsprozess mit Innovationen beleben.19 Die hohe Anzahl der Patentierungsanträge durch universitäre Ausgründungen lässt laut Dahlstrand auf eine umfangreichere Produkterstellung schließen, als dies bei klassischen Unternehmen der Fall ist.20 P. S. Vincett legt eine wissenschaftliche Publikation vor, die darauf aufmerksam macht, dass auch in Kanada universitäre Ausgründungen in bedeutendem Ausmaß Wohlstand generieren.21 Vincett richtet das Augenmerk darauf, dass universitäre Ausgründungen in Kanada eine relativ hohe Überlebensrate haben und langfristig rasch und in exponentieller Form wachsen. Vincett setzt nimmt einen Wachstumsraum für Spin-offs an, der nahezu 35 Jahre ohne größere Verringerung anhält.22 Laut Cohen beträgt der Dollarwert von US-Spin-offs, die zwischen 1980 und 1999 ökonomisch operierten, etwa 33,5 Milliarden Dollar.23 Die ökonomische Dynamik, die sich besonders aus der Innovationskraft universitärer Ausgründungen ableitet, bestätigen auch Cunha et al.. Die Autoren machen darauf aufmerksam, dass Spin-offs auf der ökonomischen Ebene besondere Bedeutung besitzen, da sie in großer Vielfalt neuartige Produkte herstellen, die sich auf hohem technologischem Niveau bewegen, und sich auf neu entstehenden Märkten günstig absetzen lassen.24

Die wirtschaftliche Wohlstandsdynamik von Spin-offs lässt sich nicht zuletzt darauf zurückführen, dass die entsprechenden Firmen sich in regionalen Clustern konzentrieren. Diese Konzentrationsbewegung universitärer Ausgründungen führt dazu, dass sich weitere hochtechnisch orientierte Unternehmen angezogen fühlen und die Innovativität der Region sich in weiterer Cluster-Bildung steigert. Unternehmen wie Chiron und Genentech, die sich im Umkreis von San Francisco ansiedelten, lassen sich als Modell für eine entsprechende Wachstumsdynamik betrachten.25 Der ökonomische Erfolg und die hochwertige Produktion der Spin-off-Cluster führt weiter dazu, dass sich auch Investoren, die Wagniskapital investieren, von der Region angezogen fühlen und mit ihren Investitionen die Dynamik der Spin-offs weiter steigern. Dieser Attraktionseffekt erhöht wiederum das Wohlstandsniveau.

4.2 Hochwertige Güterproduktion universitärer Ausgründungen

Spin-offs lassen sich, wie internationale Untersuchungen bestätigen, als Unternehmen betrachten, die qualitativ hochwertige Güter in einem höheren Ausmaß produzieren, als traditionell strukturierte Unternehmen, die sich ebenfalls im Hightech-Sektor engagieren.26 Shane weist darauf hin, dass die bedeutendsten Technologiefirmen, die hochwertige technische Instrumente erzeugten, Spin-offs waren.27 Weltweit sind universitäre Ausgründungen für den höchsten Standard innovativer Produkte verantwortlich. Die Liste des Massachusetts Institute of Technology (MIT), veröffentlicht vom Lizensierungsbüro dieser Universität, führt für die Jahre zwischen 1980 und 1996 etwa 140 Spin-offs auf, die im Bereich der Softwareentwicklung, der Computerherstellung, der Biotechnik, der Lasertechnologie, der Herstellung von Robotern und Halbleiter hochwertige Technik erzeugten.28 Technische Produkte, die später weltweit in Nutzungsstrukturen eingingen, waren Produkte universitärer Ausgründungen. Dies gilt zum Beispiel für die Herstellung von Kontaktlinsen, für die Erzeugung schonender Reinigungsmittel und für Erzeugnisse der Gentechnik.29

Von Bedeutung ist in dieser Hinsicht weiter, dass akademische Spin-offs ein umfangreiches Feld technisch hochwertiger Produktivität erzeugen. Die Whitesonic GmbH etwa produziert die ersten Ultraschallscanner für digitale Zahnabdrücke in der Zahnprothetik. Mit diesem Produkt bietet das universitäre Spin-off eine Technologie, die die komplizierte und bisher eher mangelhafte Passgenauigkeit des Zahnersatzes vollkommen neuen Lösungen zuführt.30 Die Whitesonic GmbH entwickelte ein hoch auflösendes Ultraschallmikroskop, das im Mund des Patienten mit Mikrometergenauigkeit Abmessungen für prothetischen Zahnersatz leistet. Das System lässt sich als vollkommen neuartige technologische Plattform für Zahnärzte und für die Dentalbranche betrachten.31 Neue und hoch komplexe Produkte stellt auch die universitäre Ausgründung Ruhr Compounds in Dortmund her. Das Unternehmen verarbeitet Reststoffe von Gummi, sodass neue Kunststoffe auf hochwertigem Niveau entstehen. Hierbei handelt es sich um komplexe Thermoplaste und Pulver aus Elastomer.32 Die akademische Ausgründung Volterion, die in Dortmund operiert, produziert Redox-Flow-Batterien. Letztere verfügen über eine neuwertige Energiespeicherungstechnik. Dies ermöglicht die Energieversorgung von Bauten, die sich autonom mit eigenständiger Stromerzeugung erhalten.33 Aufgrund ihres häufigen ökonomischen Status als Startups besitzen Spin-offs ein zusätzliches Potential an ökonomischer Dynamik. Die Hochwertigkeit der Produktion, die universitäre Spin-offs leisten, ergibt sich auch daraus, dass die Herstellungsbereiche, in denen solche Unternehmen tätig sind, grundsätzlich forschungsintensiv und wissensintensiv strukturiert sind.34

4.3 Überdurchschnittliche Generierung von Arbeitsplätzen durch universitäre Ausgründungen

Die bereits erwähnte Cluster-Bildung, die sich aus der ökonomischen Attraktivität von Spin-offs mit dem Einsatz von Risiko-Kapital ergibt, lässt neue Arbeitsplätze entstehen. Golub untersuchte in den USA die durchschnittliche Anzahl generierter Arbeitsplätze, die auf universitäre Ausgründungen zurückgehen. Er stellte fest, dass je Spin-off eine durchschnittlich höhere Arbeitsplatzgenerierung in den USA erfolgte, als sie traditionelle kleine und mittlere Betriebe dort leisten.35 Pressman et al. fanden schon in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts heraus, dass akademische Ausgründungen umfangreichere Prozentzahlen in der Arbeitsplatzgenerierung hervorbringen als die traditionellen Lizenznehmer, die im Bereich technischer Betriebe an den Universitäten registriert sind. Pressman et al. machen darauf aufmerksam, dass zum Beispiel am Massachusetts Institute of Technology (MIT) akademische Ausgründungen ungefähr 70% der Arbeitsplätze generieren. Traditionell konstituierte Technikbetriebe gelangen dagegen nur auf 35% vorhandener Arbeitsplatzerstellung.36 Die Fachliteratur richtet auch auf internationalem Niveau das Augenmerk darauf, dass akademische Ausgründungen in der Form von Unternehmen für eine überdurchschnittliche Arbeitsplatzgenerierung verantwortlich sind. So konstatieren Prodan / Drnovsek in dem Journal Technovation, dass universitäre Spin-offs in der Form neu gegründeter Unternehmen eine Vielzahl von Arbeitsplätzen schaffen.37

[...]


1 Vgl. Gabler Lex. 2004, S. 3055.

2 Vgl. Schumpeter 1997, S. 1/Df; 101.

3 Vgl. Drucker 1970.

4 Vgl. Weissbach et al. 2009, S. 14ff.

5 Vgl. Shapero / Sokol 1982, S. 72-90.

6 Vgl. Faltin 2010, S. 8ff.

7 Vgl. Simon 2007, S. 11; S. 29.

8 Vgl. Gabler Lex. 2004, S. 1971.

9 Vgl. Fallgatter 2002, S. 11ff.

10 Vgl. Roski 2011, S. 115.

11 Vgl. OECD 2001, S. 7.

12 Vgl. Hemer et al. 2005, S. 1.

13 Vgl. Kulicke 2006, S. 48.

14 Vgl. Kulicke 2006, S. 48.

15 Vgl. Hemer et al. 2005, S. 43.

16 Vgl. Hemer et al. 2005, S. 43.

17 Vgl. Weingart 2001, S. 335.–

18 Vgl. Riesenhuber et al. 2009, S. 51.

19 Vgl. Dahlstrand 1997, S. 379.

20 Vgl. Dahlstrand 1997, S. 379.

21 Vgl. Vincett 2010, S. 736.

22 Vgl. Vincett 2010, S. 740.

23 Vgl. Cohen 2000, S. 1.

24 Vgl. Cunha et al. 2013, S. 1.

25 Vgl. Lowe 2002, S. 58.

26 Vgl. Blair / Hitchens 1998, S. 4.

27 Vgl. Shane 2004, S. 15.

28 Vgl. Shane 2004, S. 18, 19.

29 Vgl. Pressman 2002, S. 3.

30 Vgl. http://high-tech-gruenderfonds.de/de/.

31 Vgl. http://high-tech-gruenderfonds.de/de/, S. 1.

32 Vgl. Fraunhofer UMSICHT 2015, S. 2.

33 Vgl. Fraunhofer UMSICHT 2015, S. 3.

34 Vgl. Egeln et al. 2002, S. 14ff.

35 Vgl. Golub 2003, S. 8.

36 Vgl. Pressman et al. 1995, S. 50.

37 Vgl. Prodan / Drnovsek 2010, S. 332.

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Entrepreneurship im akademischen Bereich. Unternehmensgründung von Wissenschaftlern
Hochschule
BSP Business School Berlin (ehem. Potsdam)
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
43
Katalognummer
V501368
ISBN (eBook)
9783346040633
ISBN (Buch)
9783346040640
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entrepreneurship, bereich, unternehmensgründung, wissenschaftlern
Arbeit zitieren
Sangevan Srithavan (Autor), 2017, Entrepreneurship im akademischen Bereich. Unternehmensgründung von Wissenschaftlern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501368

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