Analyse der Jahresabschlüsse 2016 bis 2018 der HeidelbergCement Group


Masterarbeit, 2019
87 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Vorstellung des Unternehmens

2 Analyse der Bilanzpolitik
2.1 Bilanzpolitik HeidelbergCement AG Einzelabschluss
2.2 Bilanzpolitik HeidelbergCement Konzernabschluss

3 Erfolgswirtschaftliche Jahresabschlussanalyse
3.1 Ergebnisquellenanalyse und Erfolgsspaltung
3.1.1 Ordentlicher Betriebserfolg
3.1.2 Finanz- und Verbunderfolg
3.1.3 Außerordentlicher- und Liquidationserfolg
3.1.4 Bewertungserfolg
3.1.5 Bereinigter Unternehmenserfolg
3.2 Analyse der Erfolgsverwendung
3.3 Rentabilitätsbetrachtungen
3.3.1 Eigenkapitalrentabilität
3.3.2 Gesamtkapitalrentabilität
3.3.3 Betriebsrentabilität
3.3.4 Umsatzrentabilität
3.3.5 Umschlagshäufigkeit
3.4 Kennzahlen zum Börsenwert

4 Finanzanalyse
4.1 Liquiditätsanalysen / Liquiditätskennzahlen
4.2 Vermögensstrukturanalyse
4.2.1 Vermögensintensitäten
4.2.2 Umschlagskoeffizienten
4.3 Kapitalstrukturanalyse
4.3.1 Eigenkapitalquote / Struktur des Eigenkapitals
4.3.2 Rückstellungen
4.3.3 Struktur der Verbindlichkeiten
4.4 Deckungsgrade
4.5 Cashflow Analysen

5 Fazit und Ausblick

6 Anhang

7 Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Standorte HeidelbergCement Group

Abbildung 2: Organisationsstruktur und Geschäftsbereiche der HeidelbergCement Group

Abbildung 3: Aktienkurs HeidelbergCement AG von Mai 2014 bis Mai

Abbildung 4: Erfolgsspaltung HeidelbergCement AG

Abbildung 5: Erfolgsspaltung HeidelbergCement KONZERN

Abbildung 6: Erfolgsverwendung HeidelbergCement Group

Abbildung 7: Aufwendungen und Erträge HeidelbergCement Group

Abbildung 8: Verbindlichkeiten Spiegel HeidelbergCement Group

Abbildung 9: Verbindlichkeiten Spiegel HeidelbergCement AG

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Veränderung Rückstellungen für andere Risiken und ungewisse Verbindlichkeiten

Tabelle 2: Umsatzentwicklung nach Geschäftsbereichen HeidelbergCement AG

Tabelle 3: Umsatzentwicklung nach Märkten HeidelbergCement AG

Tabelle 4: Korrigierte sonstige betriebliche Erträge HeidelbergCement AG

Tabelle 5: HeidelbergCement Group Umsatz nach Konzerngebieten

Tabelle 6: Aufwandsquoten HeidelbergCement Group

Tabelle 7: Vergleichsquoten 2015 nach Zahlenspiegel bbs

Tabelle 8: Untypische oder unregelmäßige Erträge HeidelbergCement AG

Tabelle 9: Untypische oder unregelmäßige Erträge HeidelbergCement Group

Tabelle 10: Rentabilitätskennzahlen HeidelbergCement Group

Tabelle 11: Eigenkapitalrentabilitäten ausgewählter Konkurrenten der HeidelbergCement Group

Tabelle 12: Zinsbelastung HeidelbergCement Group

Tabelle 13: Gesamtkapitalrentabilitäten ausgewählter Konkurrenten der HeidelbergCement Group

Tabelle 14: Materialaufwand HeidelbergCement Group

Tabelle 15: Kennzahlen zum Börsenwert der HeidelbergCement Group

Tabelle 16: Liquiditätskennzahlen HeidelbergCement Group

Tabelle 17: Vermögensintensitäten HeidelbergCement Group

Tabelle 18: Umschlagskoeffizienten HeidelbergCement Group

Tabelle 19: Kennzahlen zum Eigenkapital HeidelbergCement Group

Tabelle 20: Rückstellungen HeidelbergCement Group

Tabelle 21: Deckungsgrad A und B HeidelbergCement Group

Tabelle 22: Cashflow Kennzahlen HeidelbergCement Group

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abstract

Die vorliegende Arbeit analysiert die Jahresabschlüsse der HeidelbergCement Group der Jahre 2016 bis 2018. Neben den Konzernabschlüssen wird ebenfalls auf die Einzelabschlüsse der Konzernmutter, die HeidelbergCement AG, zurückgegriffen. Während des Geschäftsjahres 2018 fällt der Aktienkurs von rund 95 € auf ca. 55 €. Dieser Rückgang soll fundamental analysiert werden. Ferner ist eine Einschätzung für die Zukunft abzugeben und ein Vergleich mit Unternehmen, welche ein identisches Kerngeschäft haben, zu ziehen. Die Analyse besteht aus drei Teilen in denen die Bilanzpolitik, die Erfolgslage und die Finanzlage untersucht werden. Für den Konzern lässt sich in Geschäftsjahr 2016 eine Normalbilanzierung feststellen. In den darauffolgenden Jahren sind progressive, ergebnisverbessernde Maßnahmen in Form von Rückstellungsauflösungen zu erkennen. Die Entwicklung und die absolute Erfolgslage verbessert sich für 2017 aufgrund des Zukaufs von Italcementi. Die Rentabilitäten sind durchgehend auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Für 2018 ist jedoch ein Rückgang der Betriebsrentabilität und damit des operativen Geschäfts festzustellen. Die Gewinnverwendung findet sich durchgehend in einer stabilen Dividendenauszahlung und einer Erhöhung der Gewinnrücklagen wieder. Bei der Finanzierung ist im Branchenvergleich ein überdurchschnittlicher Eigenkapitalanteil von durchschnittlich ca. 44 % in Form von überwiegend Gewinnrücklagen vorzufinden. Die Auswertung des Fremdkapitals hinsichtlich der Fristigkeiten ergibt einen Mangel an langfristigem Kapital. Das schlägt sich vor allem in den Deckungsgraden B wieder. Diese liegen mit unter 70 % deutlich unterhalb der Zielmarke von 100 %. Langfristiges Anlagevermögen ist mit kurz- und mittelfristigem Kapital finanziert, was eine Verletzung der „goldenen Bilanzregel“ bedeutet. Die Liquidität ist ebenfalls mangelhaft. 2018 können nur 3 von 4 Forderungen aus liquiden Mitteln und zukünftigen Forderungseingängen gezahlt werden, ohne dabei eventuell anstehende Tilgungen zu berücksichtigen. Neben diesen Umständen könnten außerdem nicht erfüllte Erwartungen an die Übernahme von Italcementi der Auslöser für den Rückgang des Aktienkurses sein. Im direkten Vergleich zu Unternehmen mit gleichem Kerngeschäft ist in Summe für wachstumsorientierte Anleger die HeidelbergCement Group und für dividendenorientierte Anleger die Lafarge Holcim eine Anlagemöglichkeit. Die Zukunft der HeidelbergCement Group hängt sehr stark von der Langzeitfinanzierung und der Liquidität ab. Für das Finanzierungsproblem ist ein Anleihen Programm in Höhe von 10 Mrd. € vorgesehen. Sollte es zudem gelingen die Liquidität zu verbessern ist die HeidelbergCement Group durch Ihre Internationalität gut für die Zukunft aufgestellt.

1 Vorstellung des Unternehmens

Die HeidelbergCement Group ist ein Unternehmen der Baustoffindustrie. Das Unternehmen wurde im Jahr 1874 unter dem Namen Protland-Cement-Werk Heidelberg von Philipp Schifferdecker gegründet. Bis ins Jahr 1959 überwindet das Unternehmen diverse Kriege und Krisen. 1963 findet der erste Schritt in internationale Märkte statt mit der Beteiligung an einem französischen Zementwerk. Spätestens seit dem Jahr 1989 ist das Unternehmen als Internationaler Player zu bezeichnen mit Geschäftsbereichen über den gesamten Globus verteilt. Abbildung 1 zeigt eine aktuelle (März 2019) Übersicht über die Standorte. Insgesamt zählen hierzu rund 3100 Geschäftsstellen in rund 60 Ländern.1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Standorte HeidelbergCement Group2

Die Geschäftsstellen sind in insgesamt fünf Konzerngebiete aufgeteilt. Abbildung 2 zeigt eine Übersicht der Konzerngebiete und deren Geschäftsbereiche.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Organisationsstruktur und Geschäftsbereiche der HeidelbergCement Group3

Im Jahr 2018 generiert die HeidelbergCement Group einen konsolidierten Umsatz in Höhe von 18.075 Mio. € mit dem Vertrieb von Zement, Transportbeton, Asphalt und Zuschlagsstoffen (Sand und Kies, gebrochene Gesteinskörnungen, Splitt und Schotter). West- und Südeuropa hat mit einem Umsatz von 4.936 Mio. € den größten Anteil am Konzern Umsatz, gefolgt von Nordamerika mit 4.262 Mio. €, Asien – Pazifik mit 3.262 Mio. €, Nord- und Osteuropa – Zentral Asien mit 2.916 Mio. €, Konzernservice mit 1.754 Mio. € und Afrika – Östlicher Mittelmeerraum mit 1.667 Mio. €. Aufgeteilt nach Geschäftsbereichen liegt Zement mit 8.800 Mio. € vor Transportbeton – Asphalt mit 5.155 Mio. €, Zuschlagstoffe mit 3.848 Mio. € und Service – Sonstiges mit 2.893 Mio. €.4

Die HeidelbergCement AG ist die Muttergesellschaft und stellt den an der Börse handelbaren Wert dar. Neben weit über 100 Tochterunternehmen setzt der Konzern zusätzlich auf Joint Ventures wie zum Beispiel die Cement Australia Holdings Pty Ltd in Kooperation mit LafargeHolcim, einem weiteren Unternehmen der Baustoffindustrie mit Hauptsitz in der Schweiz.

Der Aktienkurs der HeidelbergCement AG (Abbildung 3) verzeichnet von Anfang 2015 bis Ende 2017 einen Anstieg um ca. 50% von ca. 60 € auf ca. 90 €. Dieser Kursgewinn wird in Geschäftsjahr 2018 wieder vollständig abgebaut.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Aktienkurs HeidelbergCement AG von Mai 2014 bis Mai 20195

2 Analyse der Bilanzpolitik

Zu Beginn dieser Jahresabschlussanalyse erfolgt eine qualitative Analyse der Bilanzpolitik. Neben der Suche nach ergebnisverbessernden bzw. ergebnisvermindernden Maßnahmen soll an dieser Stelle vor allem das Augenmerk auf sich im Betrachtungszeitraum ändernde bilanzpolitische Maßnahmen gelegt werden. Um ein vollständiges Bild über die Situation der HeidelbergCement AG zu bekommen, muss neben dem Einzelabschluss der AG auch der Konzernabschluss betrachtet werden. Im Anhang ist eine detaillierte Aufstellung zu finden. Die Analyse erfolgt in Anlehnung an Lachnit, Laurenz / Müller, Stefan.6

2.1 Bilanzpolitik HeidelbergCement AG Einzelabschluss

Die Bilanzierung erfolgt nach HGB. Der Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2016 enthält aktivierte Disagios, welche als progressiv und damit ergebnisverbessernd zu bewerten sind. Diese stehen einer Lifo Bewertung der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie der überproportionalen Erhöhung der sonstigen Rückstellungen gegenüber, welche als konservativ und damit ergebnisvermindernd zu bewerten sind. Die Abschreibung erfolgt linear und die im Geschäftsbericht ausgewiesenen Nutzungsdauern sind branchenüblich bzw. korrespondieren mit den AfA – Tabellen des Bundesfinanzministeriums. Die Entwicklungskosten der selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenstände des Anlagevermögens werden nicht aktiviert und geringwertige Wirtschaftsgüter werden sofort abgeschrieben. Die Rückstellungen insgesamt erhöhen sich nur wenig um ca. 10 %. Wie bereits erwähnt fällt die Erhöhung der sonstigen Rückstellungen um ca. 41 % auf, welche im Anhang nicht explizit begründet oder erläutert werden. Im Vergleich zum Vorjahr finden sich keine Methodenwechsel hinsichtlich der Bilanzpolitik.

Die Bilanzpolitik für das Geschäftsjahr 2017 ist in seinen Grundzügen der des vorrangegangen Geschäftsjahres ähnlich. Aus diesem Grund wird im Folgenden ausschließlich auf die Veränderungen näher eingegangen. Es finden sich ebenfalls aktivierte Disagios, welche jedoch rückläufig sind (Verringerung um ca. 30 %). Auffällig ist, dass die sonstigen Rückstellungen um ca. 30 % abgenommen haben. Im Vorjahr findet sich hier eine Erhöhung um ca. 41 %. Diese Veränderung ergibt sich hauptsächlich aus den Rückstellungen für andere Risiken und ungewisse Verbindlichkeiten. Die Veränderung dieses Postens ist in Tabelle 1 dargestellt. Eine Auflösung dieser Rückstellungen ist als ergebnisverbessernd zu werten. Die Auffälligkeit mit den sonstigen Rückstellungen erscheint im Vergleich zum Vorjahr eine progressive Maßnahme zu sein, um das Ergebnis zu verbessern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Veränderung Rückstellungen für andere Risiken und ungewisse Verbindlichkeiten

In dem Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2018 finden sich relativ gesehen zu dem Geschäftsjahr 2017 konservative Maßnahmen. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen verzeichnen einen Zuwachs um ca. 70 %. In den vorangegangenen Jahren bewegt sich die Veränderung dieses Postens innerhalb eines Prozentpunktes zum jeweiligen Vorjahr. Im Anhang ist dieser Zuwachs mit gestiegenen Verwaltungsaufwendungen durch gestiegene Anforderungen im Rahmen der Leitungsfunktion erklärt. Die Verwaltungsaufwendungen verzeichnen einen Zuwachs um +139 % von 127,7 Mio. € auf 304,8 Mio. €. Die sonstigen Rückstellungen erhöhen sich zum Vorjahr um ca. 57 % (siehe Tabelle 1). Diese Erhöhung ist wie bereits erläutert als Sonderfaktor zu erfassen und somit nicht als ergebnisvermindernde Maßnahme zu werten. Seit Geschäftsjahr 2018 werden geringwertige Wirtschaftsgüter bis zu einer Höhe von 800 € sofort abgeschrieben. In den Vorjahren liegt die Grenze hierfür bei 410 €. Dieser Methodenwechsel hat eine gewinnsenkende Wirkung und ist somit eine konservative, gewinnmindernde Maßnahme.

2.2 Bilanzpolitik HeidelbergCement Konzernabschluss

Die Bilanzierung erfolgt nach IFRS. Der Konzernabschluss für das Jahr 2016 ist als Normalbilanzierung zu bezeichnen. Es wird von einer Normalbilanzierung gesprochen, wenn mindestens 75 % aller Unternehmen die Bilanzierung nach gleichen Methoden vornehmen würden.7 Die aktiven latenten Steuern sind nicht als progressiv zu beurteilen, da bei Bilanzierung nach IFRS eine Aktivierungspflicht herrscht. Bei Geschäfts- oder Firmenwerten erfolgt gemäß IAS 36 ein jährlicher Wertminderungstest. Für das Geschäftsjahr 2016 beläuft sich die Wertminderung auf 41 Mio. € (weniger als 1% des Buchwertes der Geschäfts- und Firmenwerte zu Jahresende). Die Abschreibungen und Nutzungsdauern auf Sachanlagevermögen, die Bewertung der Herstellungskosten, die Vorrätebewertung und die Rückstellungen erscheinen unauffällig.

In Geschäftsjahr 2017 findet sich vermutlich eine progressive, ergebnisverbessernde Maßnahme im Konzernabschluss. Die sonstigen Rückstellungen erfahren eine Verminderung um 305 Mio. €. Davon sind 172 Mio. € aus Auflösungen der sonstigen umweltbezogenen Rückstellungen (Rekultivierungs-, Umwelt- und Rückbauverpflichtungen) und Auflösung der übrigen Rückstellungen (insbesondere Restrukturierungsverpflichtungen, sonstige Prozessrisiken, Entschädigungsverpflichtungen und Verpflichtungen gegenüber Mitarbeitern). In wie weit diese Auflösungen gerechtfertigt sind kann man als Außenstehende Person nicht beurteilen. Die Auflösungen finden sich in den sonstigen betrieblichen Erträgen und dem zusätzlichen ordentlichen Ergebnis wieder und sind somit Gewinnerhöhend. Es lässt sich folglich eine progressive Maßnahme vermuten.

Im Jahr 2018 erfolgt ebenfalls eine Verminderung der sonstigen Rückstellungen in Höhe von 145 Mio. €. Die Auflösung der sonstigen umweltbezogenen Rückstellungen (Rekultivierungs-, Umwelt- und Rückbauverpflichtungen) und Auflösung der übrigen Rückstellungen (insbesondere Restrukturierungsverpflichtungen, sonstige Prozessrisiken, Entschädigungsverpflichtungen und Verpflichtungen gegenüber Mitarbeitern) belaufen sich auf 192 Mio. €. Diese sind ebenfalls in den sonstigen betrieblichen Erträgen und dem zusätzlichen ordentlichen Ergebnis zu finden und Gewinnerhöhend. Auch hier lässt sich eine progressive Maßnahme vermuten, um das Ergebnis zu verschönern.

3 Erfolgswirtschaftliche Jahresabschlussanalyse

Die erfolgswirtschaftliche Analyse gibt Auskunft über die Ertragskraft und die Erfolgslage der HeidelbergCement Group. Die Ertragskraft definiert sich als die Fähigkeit gegenwertig und in der Zukunft Gewinne zu erwirtschaften. Die Erfolgslage gibt Auskunft über die bestimmenden Parameter der Ertragskraft in Form einer Erfolgsspaltung.8 Für eine vollständige Betrachtung muss neben den Einzelabschlüssen der Konzernmutter HeidelbergCement AG auch eine Analyse der Konzernabschlüsse erfolgen. Kapitel 3.1 und 3.2 befassen sich mit der Erfolgsentstehung und der Verwendung. Im Anschluss erfolgt eine Analyse der Rentabilität und eine Aktienkursanalyse in Kapitel 3.3 und 3.4.

3.1 Ergebnisquellenanalyse und Erfolgsspaltung

Abbildung 4 und Abbildung 5 zeigen die Aufspaltung der Ergebnisse aus den Angaben der Einzel- und Konzernabschlüsse. In den nachfolgenden Kapiteln 3.1.1 bis 3.1.5 erfolgt eine Analyse dieser Bestandteile. Die Betrachtung auf Einzel- und Konzernebene ist wichtig, um Verfälschungen aufgrund von bspw. Konsolidierungen im Konzernabschluss im Analyseergebnis zu vermeiden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Erfolgsspaltung HeidelbergCement AG

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Abbildung 5: Erfolgsspaltung HeidelbergCement KONZERN

3.1.1 Ordentlicher Betriebserfolg

Der ordentliche Betriebserfolg der AG ist über den gesamten Betrachtungszeitraum negativ. Von Geschäftsjahr 2016 auf 2017 findet sich eine Verbesserung um 40 % von – 77 Mio. € auf - 46 Mio. € und von 2017 auf 2018 eine Verschlechterung um – 12 % von – 46 Mio. € auf – 52 Mio. €. Ein negativer Betriebserfolg hat einen Werteverzehr zur Folge und bedeutet im Umkehrschluss, dass keine Erträge für eine etwaige Dividendenauszahlung generiert werden. Eine solche Konstellation kann sich nur ergeben, wenn die Aufwendungen die Erträge übersteigen. Aufgrund der besonderen Bedeutung des ordentlichen Betriebserfolgs für die Beurteilung des Unternehmens werden sowohl die Erträge als auch die Aufwendungen detaillierter betrachtet.

a) Erträge

Die Umsatzerlöse erhöhen sich jährlich konstant um 11% im Betrachtungszeitraum und die Gesamtleistung (bestehend aus Umsatzerlösen, Bestandsveränderungen und aktivierten Eigenleistungen) steigen auf einem identischen Niveau. Dem Anhang ist zu entnehmen, dass die Erhöhung der Umsatzerlöse in den Geschäftsbereichen Zement und Vermietung / Dienstleistungen ihren Ursprung haben. Während der Zement Bereich von den guten Entwicklungen der Baukonjunktur profitiert, sorgt der größer gewordene HeidelbergCement Konzern für ein Umsatzplus in dem Bereich Vermietung / Dienstleistungen (siehe Tabelle 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Umsatzentwicklung nach Geschäftsbereichen HeidelbergCement AG

Der Umsatz der gesamten Zement Branche erfährt von 2016 auf 2017 ein Wachstum von 7,5 %.9 Im Branchenvergleich ist das Wachstum in dem Geschäftsbereich Zement mit 7,3 % im Jahr 2017 somit nur als durchschnittlich zu bezeichnen. Die Angaben über die Verteilung des Umsatzes im In- und Ausland ist in Tabelle 3 erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Umsatzentwicklung nach Märkten HeidelbergCement AG

Hier ist eine Verschiebung ins Ausland zu erkennen. Während das Wachstum im Inland abnimmt und in Jahr 2018 sogar rückläufig ist erfährt der Auslandsumsatz überproportionalen Wachstum von 42,3 % in Jahr 2017 und 113,5 % in Jahr 2018. Dies korreliert mit der im Anhang angegebenen steigenden Dienstleistungen des größer gewordenen HeidelbergCement Konzern, welcher zahlreiche Standorte im Ausland besitzt.

Im Zeitverlauf schwanken die sonstigen betrieblichen Erträge zwischen 10,6 Mio. € und 41,5 Mio. € (siehe Tabelle 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Korrigierte sonstige betriebliche Erträge HeidelbergCement AG

Für die Berechnung der korrigierten sonstigen betrieblichen Erträge müssen die untypischen und unregelmäßigen Erträge abgezogen werden. In den Anhängen der HeidelbergCement AG Abschlüsse sind vor allem Erträge aus Sachanlageabgängen, Erträge aus Finanzanlageabgängen und periodenfremde Erträge als untypische und unregelmäßige Erträge zu finden. Die periodenfremden Erträge bestehen im Wesentlichen aus Auflösungen von Rückstellungen, dem Erhalt von Lieferantenboni und Rückbelastungen.

b) Aufwendungen

Auf der Aufwendungsseite finden sich nach dem Gesamtkostenverfahren der Materialaufwand, der Personalaufwand, die Abschreibungen, die sonstigen betrieblichen Erträge und die sonstigen Steuern. Die Betrachtung der Veränderung dieser Größen erfolgt in Relation zur Gesamtleistung als Quoten.

Die Materialaufwandsquote beträgt im Jahr 2016 und 2018 jeweils 35,8 und 35,6. Im Jahr 2017 beträgt diese Quote 37,1. Die Aufschlüsselung des Materialaufwands im Anhang des Jahresabschlusses zeigt einen überproportionalen Anstieg der Aufwendungen für Logistik und der Aufwendungen für Roh-, Hilfs-, und Betriebsstoffe. Während die Aufwendungen für bezogene Waren unverändert bleiben, steigen die Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe um ca. 15 % und die Aufwendungen für Logistik um ca. 27 %. Vermutlich bestehen hier Ineffizienzen in der Logistik und in der Beschaffung, welche entdeckt und im Jahr 2018 behoben wurden. Dadurch konnte die Materialkostenquote wieder auf das Niveau von Jahr 2016 abgesenkt werden.

Im Betrachtungszeitraum sinkt die Personalaufwandsquote von 35,2 im Jahr 2016 auf 29,9 im Jahr 2018. Das deutet auf einen wirtschaftlicheren Einsatz des Faktors Arbeit hin.

In der Abschreibungsquote sind keine nennenswerten Veränderungen zu beobachten.

Der Verlauf der Quote des sonstigen betrieblichen Aufwands ähnelt bis auf die Veränderungsrichtung dem Verlauf der Materialaufwandsquote. Sie beträgt in Jahr 2016 und 2018 jeweils 37,9 und 37,6. Im Jahr 2017 beträgt sie nur 33,6. Ein Blick in den Anhang der Jahresabschlüsse zeigt, dass dieser Verlauf hauptsächlich durch die Verwaltungskosten entsteht. Während im Jahr 2017 eine Erhöhung um ca. 9 % stattfindet, ergibt sich für 2018 eine Erhöhung von ca. 139 %. Erklärt wird dieser Anstieg durch deutlich gestiegene Anforderungen im Rahmen der Leitungsfunktion des Konzerns. Der damit verbundene vermeintliche Personalmangel im Jahr 2017 könnte auch als Erklärung für die Ineffizienzen bei der Materialaufwandsquote herangezogen werden.

Als nächstes ist eine Betrachtung der Konzernabschlüsse erforderlich. Der Betriebserfolg kann von Jahr 2016 auf 2017 um 4 % von 1.669 Mio. € auf 1.741 Mio. € gesteigert werden. 2018 sinkt der Betriebserfolg um 8 % auf 1.601 Mio. €. Für die Erklärung dieses Verlaufs bedarf es einer Würdigung der Aufwendungen und Erträge.

a) Erträge

In Geschäftsjahr 2017 steigt der Umsatz um 14 % und im Jahr 2018 um 5 %. Laut bbs Zahlenspiegel verzeichnen die für die HeidelbergCement Group zutreffenden Wirtschaftszweige ein Umsatzplus zwischen 5,9 % und 7,5 %.10 Der Branchenvergleich zeigt für 2017 ein überdurchschnittliches und für 2018 ein unterdurchschnittliches Wachstum. In der Segmentberichterstattung ist der Konzernumsatz in drei Konzerngebiete aufgespaltet (siehe Tabelle 5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 5: HeidelbergCement Group Umsatz nach Konzerngebieten

Das überdurchschnittliche Umsatzwachstum in den Jahren 2016 und 2017 in den Konzerngebieten West- und Südeuropa bzw. Nord- und Osteuropa Zentralasien ist auf Synergieeffekte und Erhöhungen der Marktanteile aus den Unternehmenskäufen in den vorangegangenen Jahren zu erklären. Als Beispiel ist hier der Erwerb von Italcementi zu erwähnen. In Nordamerika ist in diesen Jahren ein durchschnittliches Wachstum zu verzeichnen. Geschäftsjahr 2018 hingegen bringt ein unterdurchschnittliches Umsatzwachstum mit sich. In Nordamerika ist ein Umsatzrückgang zu erkennen.

Die sonstigen betrieblichen Erträge sind nach der Korrektur um untypische / unregelmäßige Erträge und Zuschreibungen unauffällig.

b) Aufwendungen

Die Aufwandsquoten für den Konzern sind in Tabelle 6 zusammengefasst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 6: Aufwandsquoten HeidelbergCement Group

Im Zahlenspiegel des Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e.V. lassen sich Quoten für das verarbeitende Gewerbe für das Geschäftsjahr 2015 entnehmen. Sie dienen als Basis für die weitere Betrachtung (siehe Tabelle 7).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 7: Vergleichsquoten 2015 nach Zahlenspiegel bbs11

Während im Betrachtungszeitraum die Materialaufwandsquote steigt, sinkt die Personalaufwandsquote. Dies deutet darauf hin, dass eine Verteuerung in der Beschaffung durch Einsparungen oder Verbesserungen auf der Personalkostenseite aufgefangen wurden. Relativ zu den Vergleichsquoten aus dem Jahr 2015 ist der Materialaufwand und der Personalaufwand unterdurchschnittlich. Die Abschreibungsquoten und die Quoten des sonstigen betrieblichen Aufwands sind im Zeitverlauf konstant. Relativ zu den Vergleichsquoten sind sie erhöht. Eine überdurchschnittlich hohe Abschreibung ist generell als positiv zu werten, da hier potenziell stille Reserven geschaffen werden können. Bei den sonstigen betrieblichen Aufwendungen sind Verwaltungs- und Vertriebsaufwendungen, Frachtaufwendungen und Aufwendungen für Fremdreparaturen und -leistungen mit einem Anteil von ca. 90 % die Hauptkostentreiber. In wie weit diese Aufwendungen gerechtfertigt sind, kann man als externer Analyst nicht beurteilen. Generell weißen hohe Kosten für Reparaturen auf veraltete Anlagen hin, welche sich grundsätzlich nicht positiv auf die Zukunftsaussichten des Konzerns auswirken.

3.1.2 Finanz- und Verbunderfolg

Dieser Erfolgsposten setzt sich aus dem Zinsergebnis und dem Beteiligungsergebnis zusammen. Für die Konzernmutter hat das Beteiligungsergebnis eine besondere Bedeutung, da es für die Berechnung der Beteiligungsrendite herangezogen werden muss. Bei dem betrachteten Unternehmen ergibt sich die Besonderheit das nicht alle im Konzern erwirtschafteten Gewinne an die Mutter abgeführt werden. Aus diesem Grund muss auch hier wieder auf Konzern- und Mutterebene analysiert werden, um ein vollständiges Bild zu erhalten.

Auf Ebene der HeidelbergCement AG beläuft sich der Finanz- und Verbunderfolg in den Jahren 2016, 2017 und 2018 auf 1.701,8 Mio. €, 23,3 Mio. € und 8,5 Mio. €. Dieser Verlauf ergibt sich hauptsächlich aus der Veränderung des Beteiligungsergebnis. Für das Jahr 2016 ergibt sich ein Beteiligungsergebnis von 1.671 Mio. €. In diesem Jahr führte die HeidelbergCement International Holding GmbH einen Betrag in Höhe von 1.648 Mio. € an die AG im Rahmen eines Ergebnisabführungsvertrages ab. In den Jahren 2017 und 2018 ist das Beteiligungsergebnis negativ mit - 35 Mio. € und - 3 Mio. €. Folglich ergibt sich auch nur für das Jahr 2016 eine Beteiligungsrendite von 12,2 % und ein Beteiligungsergebnisanteil von 100,9 %. Der Beteiligungsergebnisanteil von über 100 % kommt durch den negativen Betriebserfolg aus Kapitel 3.1.1 zustande. Die Erträge aus Beteiligungen und Gewinngemeinschaften betragen 1.671 Mio. € im Jahr 2016 und 44 Mio. € bzw. 68 Mio. € im Jahr 2017 und 2018. Folglich ist der Jahresüberschuss des Konzerns der Jahre 2017 und 2018 nicht an die Mutter ausgezahlt worden und stattdessen in den einzelnen Unternehmen verblieben. In Kapitel 3.2 ist die Erfolgsverwendung des Konzerns beschrieben.

[...]


1 Vgl. HeidelbergCement Group: Konzernpräsentation, 2019, S. 4

2 Vgl. HeidelbergCement Group: Konzernpräsentation, 2019, S. 3

3 Vgl. HeidelbergCement Group: Geschäftsbericht 2017, 2017, S. 20

4 Vgl. HeidelbergCement Group: Geschäftsbericht 2018, 2018, S. 137

5 Vgl. o. V.: Porträt HeidelbergCement AG, 17.06.2019

6 Vgl. Lachnit, Laurenz / Müller, Stefan: Bilanzanalyse – Grundlagen – Einzel- und Konzernabschlüsse – HGB- und IFRS-Abschlüsse – Unternehmensbeispiele, 2017, S. 71 ff.

7 Vgl. Lachnit, Laurenz / Müller, Stefan: Bilanzanalyse – Grundlagen – Einzel- und Konzernabschlüsse – HGB- und IFRS-Abschlüsse – Unternehmensbeispiele, 2017, S. 107

8 Vgl. Lachnit, Laurenz / Müller, Stefan: Bilanzanalyse – Grundlagen – Einzel- und Konzernabschlüsse – HGB- und IFRS-Abschlüsse – Unternehmensbeispiele, 2017, S. 167

9 Vgl. Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e. V.: bbs-Zahlenspiegel 2018, Struktur- und Konjunkturdaten der Baustoff-, Steine-und-Erden-Industrie, S. 20, 2018

10 Vgl. Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e. V.: bbs-Zahlenspiegel 2018, Struktur- und Konjunkturdaten der Baustoff-, Steine-und-Erden-Industrie, S. 20, 2018

11 Vgl. Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e. V.: bbs-Zahlenspiegel 2018, Struktur- und Konjunkturdaten der Baustoff-, Steine-und-Erden-Industrie S. 22, 2018

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Details

Titel
Analyse der Jahresabschlüsse 2016 bis 2018 der HeidelbergCement Group
Hochschule
Fachhochschule Koblenz - Standort RheinAhrCampus Remagen
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
87
Katalognummer
V501415
ISBN (eBook)
9783346032041
Sprache
Deutsch
Schlagworte
heidelbergcement, group, Jahresabschlussanalyse, Bilanzanalyse, Branchenvergleich, Cement, Baustoffe, Unternehmensvergleich, Bilanzpolitik, Erflogswirtschaftliche Analyse, Finanzanalyse, LafargeHolcim, Buzzi Unicem, Cemex, Qualitativ, Quantitativ, Ausblick, Aktienkursbewertung, Kennzahlen
Arbeit zitieren
Dennis Sandner (Autor), 2019, Analyse der Jahresabschlüsse 2016 bis 2018 der HeidelbergCement Group, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501415

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