Einflussfaktoren der sexuellen Identitätsfindung in der Adoleszenz


Hausarbeit, 2019
15 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Beeinflussung der sexuellen Identitätsfindung in der Adoleszenz

Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren machen, durch die Pubertät, eine starke Veränderung durch. Sie entwickeln sich in dieser Lebensphase, der Adoleszenz, vom Kind zum jungen Erwachsenen. In dieser Zeit werden Jugendliche, in ihrer sexuellen Identitätsfindung, von vielen Faktoren beeinflusst. Manche begünstigen und erleichtern eine Entwicklung, andere erschweren sie. Um diese Faktoren so positiv wie möglich begünstigen zu können, ist eine intensive Auseinandersetzung mit den nun folgenden Themen notwendig. In diesem Artikel werden die Einflussfaktoren auf Jugendliche in der Adoleszenz, mit und ohne geistige Beeinträchtigung, betrachtet, die sich in der sexuellen Identitätsfindung befinden. So wird es bewusster, wie stark diese die sexuelle Identitätsfindung beeinflussen und wie diese zur sexuellen Selbstbestimmung beitragen. Damit aufgezeigt werden kann, wie die Jugendlichen optimal bei der sexuellen Identitätsfindung unterstützt werden können. Dadurch ist es notwendig, sich mit folgenden Themen genauer zu befassen. Dies umfasst die Entwicklung der Identität, Einflussfaktoren auf die Entwicklung einer selbstbestimmten Sexualität und deren Einfluss bei Menschen mit geistiger Behinderung. Um darauffolgend aufzuzeigen wie Heilpädagogen methodisches einwirken und unterstützen können.

So gilt in erster Linie herauszufinden, was die Identität ist, um zu wissen was die sexuelle Identität beeinflusst. Die Identität ist das, was wir im inneren sind und was wir sein wollen1. Im allgemeinen Sinn ist die Identität eine einzigartige Kombination von unverwechselbaren Daten, die zur Prägung eines Individuums beitragen und sie für andere Personen klar unterscheidbar macht. Daher bezieht sich die Identität auf drei Kombinationen, auf die unverwechselbaren Daten des Individuums, die bereits obenstehend angeführt wurden2. Diese einzigartigen Kombinationen bilden die Grundlage für die persönliche Unverwechselbarkeit. Mit zunehmenden Alter, werden die Kombinationen der Identität immer deutlicher und von den Jugendlichen immer klarer trennbar, von dem, was sie waren, was sie sind, wer sie werden wollen und wie sie von unterschiedlichen Personengruppen, den Peer war genommen werden wollen3.

Was bei der Identität klar im Vordergrund steht ist, dass diese immer mit einer Entwicklung einhergeht4. Entwicklung ist ein Prozess, einer Veränderungsreihe von mehreren Schritten, ein Wandel der einem Ausgangszustand zugrunde liegt. Diese Schritte sind in der Entwicklung der Identität nicht vorgeschrieben und sind beobachtbare und nicht beobachtbare Prozesse5. Die mit der Empfängnis beginnt und mit dem Tod endet. Daraus folgt, dass Entwicklung in Phasen verläuft, die als Aufbau- oder Wachstumsphase, Reife- oder Stabilitätsphase und der Alters- oder Abbauphase unterschieden wird. Die Adoleszenz fällt in die Aufbau-/ Wachstumsphase. Diese Phase ist wichtig, da sie der Grundstein der Entwicklung darstellt6. Zu bemerken ist, dass die Entwicklung der Identität aus der Gesamtheit von Erbanlagen die mit Fähigkeiten, Motivationen, psychologischen Merkmalen und Störungen genauso Einfluss nehmen, wie die Umwelt mit all ihren sozialen Einflüssen, die von Bildungs-, Familien-, Wirtschafts- oder Gesellschaftlichen Aspekten7.

Ein wichtiger Bestandteil der Identität und der Persönlichkeitsentwicklung ist die Sexualität. Sie definiert sich als ein existenzielles Grundbedürfnis 8. Darüber hinaus umfasst sie biologische, psychosoziale und emotionale Vorgänge, deren Ausgestaltung ein breites Spektrum von positiven bis negativen Aspekten haben können. Diese gehen von Zärtlichkeiten, Geborgenheit, Lustempfinden, Befriedigung bis hin zu Machtausübungen und Gewaltanwendung9. Das Erleben und Leben der Sexualität, eines jeden Menschen ist unterschiedlich und somit ein wichtiges Element der individuellen Lebensweise. Die Geschichte zeigt, dass darüber hinaus die Sexualität in Abhängigkeit von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und kulturellen Hintergründen steht10. Diese sozialen Einflüsse stellen in der zielgerichteten Erziehung und den biologischen Grundlagen einen individuellen Erfahrungswunsch zur Bedürfniserfüllung dar11. Die körperlichen Erfahrungen, die bei der sexuellen Bedürfniserfüllung gemacht werden, sind individuell bedeutsam, somit auch die Lustempfindungen und die Lustbefriedigung und worauf sich das sexuelle Begehren richtet12.

Grundliegend ist die sexuelle Identität das Selbstverständnis der Menschen, wer sie als geschlechtliches Wesen sind, wie sie sich selbst wahrnehmen, wie sie von anderen wahrgenommen werden und wie sie wahrgenommen werden wollen13. Auf diese Erkenntnis der sexuellen Identität, baut bedeutsam, die sexuelle Orientierung auf. Diese drückt aus, auf wen sich das sexuelle Begehren einer Person richtet. Die sexuelle Orientierung, lässt sich nicht aussuchen und unterdrücken. Sie ist auch nicht angeboren, denn sie entwickelt sich im Wechselspiel von Anlagen und Umwelteinflüssen wie Peer Group, Familie und Erziehung, Gesellschaft und deren Normen und Werte. Daher muss die sexuelle Orientierung nicht ein Leben lang beständig sein. Denn jede menschliche Begegnung und deren Anziehung nimmt Bezug auf den Aspekt der eigenen sexuellen Genialität14.

Die typische Ausprägungsform der Gesellschaft wird durch die Kultur definiert. Sie bestimmt eine einheitliche Struktur des Denkens, Empfinden und Handelns. Die erlernten, sozial angeeigneten, Traditionen und Lebensformen sichern das soziale Zusammenleben einer Gemeinschaft in ihrer Lebenswelt. Die Muster einer Kultur sind für einzelne häufig nicht explizit abrufbar, sie stellen eher eine Selbstverständlichkeit dar und bilden eine Grundlage für ein sinnhaftes, plausibles und weitgehend routinemäßiges Handeln15.

Die Werte einer Kultur sind abstrakte, orientierende Prinzipien wie zum Beispiel Glück, Liebe und Selbstbestimmung 16. Diese Prinzipien können im konkreten Handeln miteinander in Konflikt kommen. Um den Werten einer Kultur näherzukommen, gibt es Eigenschaften die Tugenden genannt werden, wie Hingabe, Selbstbeherrschung oder Enthaltsamkeit 17. In der Gesellschaft gibt es Gruppen- und situationsgebundene Verhaltensregeln, die Normen. Daraus ergibt sich, dass die Kultur einer Gesellschaft, von den Menschen bestimmt wird und durch Moral, Ethik, Werte, Tugenden und Normen gelebt wird. Verändern sich die Menschen, verändert sich deren Gesellschaft und die Kultur18. Auch hat die Kultur einer Gesellschaft Einfluss auf die emotionale Entwicklung. Das heißt, wenn eine Norm eingehalten wurde und damit der Wertevorstellung entspricht, dann entsteht eine positive Emotion oder umgedreht19.

Unter diesem Aspekt treten im weiteren Verlauf der Entwicklung, unterschiedliche Bezugspersonen als Orientierungspunkt auf20. Diese sind wichtig, denn diesen Personen will der Jugendliche gefallen und nach diesen richtet er sein Handel aus. Am Anfang sind die ersten Bezugspersonen Familie und somit die Eltern, dann kommen Freunde hinzu21.

Eine weitere Orientierung geben Gesetze und Normen. Gesetze daher, weil die Ehe die weitverbreitetste und gesetzlich geschützte Lebensform darstellt22. Viele Jugendliche haben daher die Vorstellung, dass wenn die Eltern verheiratet sind, sie dieses auch für sich als Zukunft sehen. Diese Vorstellung, kann sich auch neu orientieren. Oft entsteht durch Ethik, Moral und Werteorientierung ein Orientierungsdruck im Bereich der sexuellen Identität23.

Durch Druck der Normabweichung, stehen Jugendliche unter starken Einfluss von unterschiedlichen Kräften ihrer Lebensformen. Das soziale Umfeld entspricht oft nicht den gewohnten Vorstellungen, zum Beispiel steht hinter dem Begriff Familie immer das verheiratete, heterosexuelle Ehepaar mit eigenen Kindern und oft ist diese Lebensform nicht hinterfragt24. Jugendliche entdecken ihre Sexualität, sie orientieren sich und arbeiten an ihr. Dabei kämpfen sie mit Ängsten und Abwehr, auf vermeintlichen Reaktionen, von nicht dem normalen sexuellen Begehren, die sie empfinden25.

Eltern sind bedeutende Vertrauenspersonen. Auch wenn es während der Pubertät immer wieder zu Konflikten kommt, ist das Gefühl für Jugendliche, zu Hause ernst genommen zu werden wichtig für die sexuelle Aufklärung. Dabei suchen Mädchen häufig das Gespräch zur Mutter und Jungen das Gespräch zum Vater26. Aufklärung ist in diesem Falle fortlaufend und wird im späteren Verlauf, mit dem Kontakt zu Peers und dem Erfahrungsaustausch zurückgedrängt. In diesem Austausch kommt den Freunden, den sogenannten Peers, eine bedeutsame Rolle zu27. Durch intensiven Austausch von Erfahrungen, Neigungen und sexuellen Vorlieben werden die Peers zu vielleicht einer der bedeutendsten Ressource im sexuellen Sozialisationsprozess. Sie helfen einander die Orientierungen zu finden, sexuelle Erfahrungen zu wagen und Krisen zu bewältigen. Mädchen und Jungen, die ihre ersten sexuellen Erfahrungen negativ schildern, haben meist wenig Bezug zu Peers. Doch kann auch der Einfluss von Peers einen negativen Aspekt haben, wenn sich Jugendliche unter Druck gesetzt fühlen, endlich „richtigen“ Sex zu haben. Dann kann es dazu kommen, dass sie viel zu früh eine Beziehung eingehen ohne das ihre Bedingungen erfüllt worden sind28.

Die Jugendphase beginnt aus biologischer Sicht mit dem Eintritt der Pubertät und somit mit der Geschlechtsreife. Das Eintreten der Geschlechtsreife hat sich im Laufe der Zeit nach vorn verschoben, somit tritt die Jugendphase heute früher ein. Die meisten Jugendlichen sind mit 12 bis 13 Jahren geschlechtsreif, was für das Sexualleben nicht unerheblich ist. Um die soziale Reife für das Erwachsenwerden zu erreichen, durchlaufen Jugendliche vom 12. bis 18. Lebensjahr viele Entwicklungsaufgaben29.

[...]


1 (Vgl. Oerter, Montada (2002) S.346ff)

2 (ebd.)

3 (ebd.)

4 (Vgl. Epstein (1973) in Oerter, Montada (2002), S.346f)

5 (Vgl. Oerter, Montada (2002), S.1f)

6 (Vgl. Baltes & Baltes (1989) in Oerter, Montada (2002), S. 13)

7 (Vgl. Oerter, Montada (2002), S.34ff)

8 (Vgl. (BZgA), (1994) in Schmidt, Sielert (2012), S.15fffff)

9 (Vgl. (BZgA), (1994) in Schmidt, Sielert (2012), S.15)

10 (ebd.)

11 (ebd.)

12 (ebd.)

13 (Vgl. Timmermanns (2008) in Schmidt, Sielert (2012), S.20)

14 (Vgl. Schmidt, Sielert (2012), S.21)

15 (Vgl. Helfrich (2013), S.21)

16 (Vgl. Schmidt, Sielert (2012), S.26)

17 (Vgl. Schmidt, Sielert (2012), S.26f)

18 (Vgl. Schmidt, Sielert (2012), S.27)

19 (Vgl. Oerter, Montada (2002), S.232f)

20 (Vgl. Schmidt, Sielert (2012), S.32)

21 (ebd.)

22 (ebd.)

23 (Vgl. Schmidt, Sielert (2012), S.32f)

24 (Vgl. Hartmann (2002) in Schmidt, Sielert (2012), S.93)

25 (ebd.)

26 (Vgl. Bauer Media Group (2009) in Schmidt, Sielert (2012), S.108)

27 (Vgl. BZgA (2010), in Schmidt, Sielert (2012), S.108)

28 (Vgl. Schmidt, Sielert (2012), S.109) Erwachsenwerden zu erreichen, durchlaufen Jugendliche vom 12. bis 18. Lebensjahr viele Entwicklungsaufgaben29.

29 (Vgl. Schmidt, Sielert (2012), S.99)

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Einflussfaktoren der sexuellen Identitätsfindung in der Adoleszenz
Note
1
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V501506
ISBN (eBook)
9783346047526
ISBN (Buch)
9783346047533
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sexuelle Identitäsentwicklung
Arbeit zitieren
Sissy Dahler (Autor), 2019, Einflussfaktoren der sexuellen Identitätsfindung in der Adoleszenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501506

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