Beratung von jugendlichen Suchterkrankten. Welche Herausforderungen ergeben sich im Beratungsprozess?


Hausarbeit, 2018

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Suchterkrankung
2.2 Lebensphase Jugend
2.3 Beratung mit jugendlichen Suchterkrankten

3. Schlussteil

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende schriftliche Arbeit entspricht einer wissenschaftlichen Hausarbeit und setzt sich mit dem Thema Beratung mit Jugendlichen Suchterkrankten auseinander. Die daraus resultierende Fragestellung:„ Inwiefern ergebens ich Herausforderungen im Beratungsprozess?“ Lege ich als Leitfrage meiner schriftlichen Arbeit fest. Diese Frage gilt es im Verlauf meiner Hausarbeit, mithilfe von aussagekräftigen Argumenten, zu diskutieren und letztendlich zu beantworten. Die Drogenberatung als Teil der Gesundheitshilfe und somit Praxis- und Aufgabenfeld der Sozialen Arbeit besitzt einen zentralen Stellenwert in den gegenwärtigen pädagogischen Handlungsfeldern. Der richtige Umgang mit Suchterkrankten Menschen im Kontext der Beratung ist Bestandteil aktueller Diskussionen und ebenso Gegenstand empirischer Forschung. Des Weiteren dehnt sich die Lebensphase Jugend immer weiter aus und macht sie deswegen zu einer sehr relevanten Phase im Lebenslauf eines Menschen, wessen man besondere Beachtung schenken sollte. Aus diesen Gründen und aus dem Grund, dass mein Interesse in Bezug auf die Herausforderungen die sich im Beratungsprozess mit Jugendlichen Sucherkrankten ergeben könnten geweckt wurde, mache ich dieses Thema zum Gegenstand meiner schriftlichen Leistung. Meine persönliche Motivation ist es, die Schwierigkeiten die sich im Umgang mit Jugendlichen Suchterkrankten ergeben zu artikulieren und die förderlichen Maßnahmen zur Bewältigung dieser Herausforderungen aufzuführen.

Um den Verlauf meiner Argumentation besser folgen zu können gliedere ich meine Arbeit in drei Abschnitte mit den Überschriften: Einleitung, Hauptteil und Schlussteil. Nachdem ich mich in der Einleitung mit dem Thema und dessen Relevanz auseinandergesetzt habe, werde ich mich im Hauptteil auf die Beantwortung der Fragestellung, mittels fachgebundener Literatur, fokussieren. Dabei beginne ich mit dem Thema Suchterkrankung, welches zunächst eine Definition erfordert, um dann die Formen und Ursachen auf neurobiologischer Ebene hinreichend zu erläutern. Danach folgt das Unterkapitel Lebensphase Jugend in dem ich mich mit den spezifischen Merkmalen und Risiken dieser Altersgruppe auseinandersetze. Danach widme ich mich dem Unterkapitel Beratung mit jugendlichen Suchterkrankten, in dem ich genauer auf die Organisation, Richtlinien und die Umsetzung des Beratungsprozesses eingehe. Darüber hinaus diskutiere ich welche Herausforderungen sich im Setting der Beratung ergeben. Der Schlussteil beinhaltet schließlich das Zusammenführen der Argumentationslinien und die be- gründete Antwort auf die Fragestellung, welche sich auf den genannten Thesen und Analysen stützt und meine eigene Position widerspiegelt. Nicht Ziel dieser Arbeit, ist die banale Reproduktion von theoretischen Annahmen, sondern Ziel ist es einen aufschlussreichen Überblick darüber zu geben, welche Herausforderungen aus einer Suchtberatung mit jugendlichen Adressaten resultieren und mit welchen Methoden der Berater diese bewältigt, um einen erfolgreichen Genesungsprozess einzuleiten.

2. Hauptteil

2.1 Suchterkrankung

Um meiner Beantwortung der Leitfrage nachzugehen beziehe ich mich zunächst auf das Thema Suchterkrankung. Doch was versteht man eigentlich unter dem Terminus Sucht? Um den Begriff in seiner Wortbedeutung genauer zu verstehen berufe ich mich auf die Ursprüngliche Ableitung.

Der Begriff Sucht leitet sich von dem Wort „siech“ ab, welches der mittelhochdeutschen Sprache entspricht und krank sein bedeutet. Sucht stellte bis zum 16. Jahrhundert eine allgemeine Bezeichnung für die Krankheit dar. Bis der Begriff dann gänzlich von den Begriffen krank und Krankheit ersetzt wurde. Die maßgebliche Veränderung hinsichtlich der Bedeutung des Wortes Sucht, ist zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu datieren. Verantwortlich dafür war vor allem der Mediziner und Sozialforscher Benjamin Rush der den Alkoholismus, auch bekannt als „Trunksucht“, als Krankheit definierte, welche bis dato lediglich als Laster galt und von nun an erforscht und behandelt werden kann (vgl. Schmidt-Semisch/Dollinger 2017: 131). Eine erste präzise Definition des Suchtbegriffs lieferte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahre 1950. Die WHO beschreibt die Sucht als einen „Zustand periodischer oder chronischer Intoxikation, verursacht durch wiederholten Gebrauch einer natürlichen oder synthetischen Substanz, der für das Indivi- duum und die Gemeinschaft schädlich ist“ (Haasen/Kutzer/Schäfer 2010: 267). Eine Substanz wird demnach wiederholt konsumiert, obwohl sich der Konsument in den meisten Fällen über die negativen Nebenwirkungen bewusst ist. Doch welche Gründe stecken hinter diesem destruktiven Verhalten? Um diese Frage zu beantworten beziehe ich mich unter anderem auf die Neurowissenschaft, welche die Wirkung süchtig machender Stoffe, aber auch die Sucht nach einem bestimmten Verhalten, anhand neurobiologischer Vorgänge beschreibt und erklärt. Man unterscheidet demnach zwischen stoffgebundenen und stoffungebundenen Süchten. Die stoffgebundene Sucht kennzeichnet sich durch den Konsum von legalen oder illegalen Substanzen, die psychoaktiv im Gehirn wirken, d.h. die menschliche Psyche in irgendeiner Form beeinflussen. Darunter zählen diverse Psychopharmaka, synthetisch hergestellte Drogen, pflanzliche Rauschmittel und Alkohol. Aber auch exzessives konsumieren von Essen zählt zu den Stoffgebundenen Süchten. Die stoffungebundenen Süchte, wie z.B. Putzsucht, Kaufsucht und Spielsucht, betreffen das menschliche Verhalten. Meistens sind diese Süchte in den Alltag der Betroffenen integriert. Setzt man die beiden Formen in Relation, erkennt man aus psychologischer Perspektive kaum einen Unterschied (vgl. Tretter 2017: 3). Der Autor Felix Tretter stellt außerdem fest: „[…] dass Jedes menschliche Verhalten süchtig entgleisen kann" (ebd.: 3).

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass sowohl die Stoffgebundene als auch Stoffungebundene Sucht sich im Prinzip kaum unterscheidet, weil die Quelle der Sucht immer das Gehirn ist, welches von einer Substanz oder eines bestimmten Verhaltens beeinflusst wird.

Trotz der immensen Unterschiede in der Pharmakodynamik und -kinetik der zuvor genannten Substanzen, besitzen sie jedoch alle denselben Klasseneffekt der verantwortlich für das Suchtpotenzial ist. „Ihre Einnahme ist mit einer Aktivierung mesolimbischer-mesokortikaler Bahnen verbunden und hat damit einen unmittelbaren Effekt auf die Verhaltensbewertung und Motivationsbildung“ (Kiefer 2010: 284). Das mit der Einnahme ausgelöste Verhalten wird als positiv bewertet und dies wirkt belohnungsverstärkend auf die genannten Hirnareale (ebd.: 3). Dasselbe gilt auch für die Stoffungebundenen Süchte, wobei nicht die Einnahme ein Verhalten auslöst, das als gut verinnerlicht wird, sondern das Verhalten selbst die spezifischen Areale im Gehirn aktiviert und ein positive Konnotation hervorruft. Wenn also die neuronalen Pfade bei bestimmten Verhaltensweisen überaktiviert werden, verhält es sich genauso wie bei einer Stoffgebundenen Sucht, denn das Hauptsymptom bleibt immer das Gleiche, nämlich das starke Verlangen nach Befriedigung (vgl. Wolf 2015: 10).

An dieser Stelle beziehe ich mich ein weiteres Mal auf die psychoaktiven Substanzen, um deren Wirkung im Gehirn genauer zu skizzieren, wobei ich auch an dieser Stelle noch einmal betonen möchte, dass die Sucht nach einem bestimmten Verhalten neurobiologisch sehr ähnliche Reaktionen im Hirnstoffwechsel auslöst. Konsumieren kann man die Substanzen auf den unterschiedlichsten Wegen, egal ob nasal, oral, geraucht oder intravenös verabreicht, der Wirkstoff gelangt immer in den Blutkreislauf, passiert die Blut-hirn-Schranke und erreicht somit das Gehirn (vgl. Feichter 2010). Im Gehirn bindet der Wirkstoff an einer spezifischen Andockstelle, den sogenannten Rezeptoren, auf der Oberfläche der Nervenzelle. Die Konsequenz daraus, ist die Auslösung verschiedener Reaktionen im Gehirn. Bei einer Vielzahl der Substanzen sind die Neurotransmitter Serotonin und vor allem Dopamin beteiligt. Diese Transmitter sind bekannt für ihre Stimmungsaufhellende Wirkung bei übermäßiger Ausschüttung in den synaptischen Spalt. Aber nicht nur die Stimmung kann sich als Folge eines veränderten Neurotransmitter Haushalt verändern, sondern auch die visuelle und auditive Wahrnehmung, das Gefühlsund Geruchsempfinden, das Raumund Zeitgefühl und das Denken kann unter Einfluss der konsumierten Substanz erheblich verändert werden (ebd.).

Neben dem Dopaminsystem und dem Serotoninsystem fanden Wissenschaftler ebenfalls heraus, dass ein weiterer neuronaler Pfad des Lustempfindens existiert: das Opioidsystem bei dem die sogenannten Endorphine eine maßgebliche Rolle spielen. Opioidpeptide, wie beispielsweise die Endorphine, sind in erster Linie an der Schmerzlinderung beteiligt. Man fand außerdem heraus, dass die Nervenzellen im Opioidsystem die Hirnareale im Dopaminsystem aktivieren. Schlussfolgernd lässt sich also sagen, dass eine direkte Verbindung zwischen beiden Systemen besteht und dies der Beleg für eine direkte Zusammenarbeit ist (vgl. Wolf 2015: 8). Charakteristisch für eine Form der Sucht ist der Automatisierung eines Verhaltens oder eines Konsums, mit dem ein Kontrollverlust einhergeht. Die Forschungsergebnisse aus Tierversuchen und Experimenten zeigen, dass die Entstehung der Sucht auf einen pathologischen Lernvorgang zurückzuführen ist, bei dem sich der Konsum oder ein Verhalten automatisiert (vgl. Lüscher 2015: 12). Des Weiteren ist die Entscheidungsfähigkeit bei einem Suchterkrankten massiv beschränkt. Als Mensch besitzt man zwei komplementäre Entscheidungsfindungssysteme. Trifft man eine abwägende Entscheidung, dann stellt das Ziel die Erreichung des bestmöglichen Ergebnisses dar. Bei dieser Vorgehensweise werden verschiedene Optionen verglichen, die nach den jeweiligen Bedingungen flexibel ausfallen kann. Hingegen bei einer automatischen Entscheidung, ein Reiz zu einer sehr schnellen Reaktion führt. Durch diese schnelle Abfolge erfolgen die Handlungen unbewusst. Suchtmittel oder Verhalten bewirken eine Verknüpfung beider Entscheidungsinstanzen. „Die Folge ist eine >>Automatisierung<< des Konsums: Man entscheidet sich nicht mehr willentlich für die Droge, sondern steht unter einem Zwang“ (ebd.). An diesem Zitat von Christian Lüscher wird deutlich, dass die Suchterkrankten Menschen, aufgrund der veränderten neurobiologischen Prozesse im Gehirn, die Entscheidung, weiter Drogen zu konsumieren oder ein bestimmtes Verhalten auszuführen, nicht mehr bewusst treffen können. Diese Erkenntnis verdeutlicht vor allem eine gegebene Herausforderung die im Beratungsprozess mit Suchterkrankten, mithilfe von bestimmten Methoden, bewältigt werden muss um weitere Rückfälle zu minimieren oder ganz zu verhindern. Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnis werde ich im Verlauf meiner Arbeit noch einmal Rückbezug nehmen.

Abschließend an dieses Unterkapitel lässt sich zusammenfassend sagen, dass der Begriff Sucht sich in seiner Wortbedeutung im Laufe der Jahrhunderte veränderte. Von der generellen Bedeutung krank sein (vgl. Schmidt-Semisch/Dollinger 2017:131) bis hin zur heutigen Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die die Sucht als einen „Zustand periodischer oder chronischer Intoxikation definiert […]“ (Haasen/Kutzer/Schäfer 2010: 267). Diese beiden Bedeutungen haben, aber eines gemeinsam, nämlich die Gegebenheit eines negativen Gesundheitszustands.

In Folge dieser Erkenntnis akzentuiere ich nochmals die Relevanz meines Themas, weil ich es für außerordentlich wichtig erachte Menschen die an einer stoffgebundenen oder stoffungebundenen Sucht erkrankt sind ernst Zunehmen und ihnen kompetent im Rahmen einer Drogenberatung zur Seite zu stehen um Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.

Doch wie verhält es sich mit jugendlichen Suchterkrankten als Altersgruppe im Be- ratungsprozess? Der Beantwortung dieser Frage möchte ich mich auf den folgenden Seiten nähern, aber zunächst beziehe ich mich auf die Lebensphase Jugend im menschlichen Lebenslauf.

2.2 Lebensphase Jugend

Zu Beginn dieses Unterkapitels möchte ich gerne Klaus Hurrelmann (2007) zitieren, der die zentrale Annahme der Sozialisationstheorie wie folgt zusammenfasst: „Die Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen wird in jedem Lebensabschnitt durch eine „produktive“ Auseinandersetzung mit den äußeren, sozialen und physischen Umweltbedingungen und zugleich den inneren, psychischen und körperlichen Vorgaben beeinflusst“ (ebd.: 7). Dieses Zitat verdeutlicht, dass ein Lebensabschnitt, in diesem Fall die Jugendphase, dadurch charakterisiert ist, dass alle Jugendlichen sich mit den äußeren und inneren Bedingungen auseinandersetzen müssen. Besonders macht diese Lebensphase die erheblichen Veränderungen auf körperlicher, geistiger, sozialer und emotionaler Ebene, womit sich die Angehörigen dieser Phase arrangieren müssen (ebd.).

Ebenso spannend ist die Erkenntnis, dass die Jugendphase in den westlichen Gesellschaften sich immer weiter ausgedehnt hat und inzwischen durchschnittlich 15 Jahre beträgt. Sie erstreckt sich in etwa vom 12. bis zum 27. Lebensjahr (ebd.: 7,41). Diese Tatsachen machen die Jugendphase zu einer der wichtigsten Phasen im menschlichen Lebenslauf und verdient deswegen besondere Aufmerksamkeit (ebd.: 7).

Aus psychologischer Perspektive ist das Einsetzen der Geschlechtsreife der wichtigste Gesichtspunkt der Jugendphase und eine klare Abgrenzung zur Kindheit. Die Geschlechtsreife, oder auch Pubertät genannt, löst eine abrupte Dysbalance auf physischer und psychischer Ebene aus. Dieses Ungleichgewicht liegt darin begründet, dass der gesamte Körper Veränderungen, insbesondere hormoneller Art, ausgesetzt ist (ebd.: 26).

Die Entwicklungspsychologie legt den Begriff Entwicklungsaufgaben für die Beschreibung der Umsetzung der körperlichen, psychischen, sozialen und ökologischen Anforderungen fest. Für jedes Individuum definieren die Entwicklungsaufgaben die Anpassungsund Bewältigungsschritte. Diesen Schritten muss sich das Individuum bei der Auseinandersetzung mit den inneren und äußeren Anforderungen stellen. Die Abfolge der Entwicklungsaufgaben erfolgt dynamisch und ist in Kenntnis dessen nicht statisch. In welcher Art und Weise eine Entwicklungsaufgabe bewältigt wurde, kann nachfolgend die weiteren beeinflussen. Die Entwicklungsaufgaben lassen sich in vier zentrale Bereiche einordnen. Der erste Bereich mit dem Titel: Entwicklung einer intellektuellen und sozialen Kompetenz, umfasst die Fähigkeit schulischen und beruflichen Anforderungen selbstverantwortlich gerecht zu werden. Das Ziel ist es später einen Beruf auszuführen, um die eigene ökonomische Basis zu sichern und somit als autonomer Erwachsener unabhängig zu sein.

Der zweite Bereich: Entwicklung des inneren Bildes von der Geschlechtszugehörigkeit, beinhaltet die Akzeptanz des veränderten Körpers, den Aufbau sozialer Bindungen zu Gleichaltrigen und das Einlassen auf eine Partnerbeziehung, welche gegebenenfalls die Grundlage für eine Familiengründung sein kann.

Der dritte Bereich: Entwicklung selbständiger Handlungsmuster für die Nutzung des Konsumwarenmarktes, beinhaltet die Kompetenz mit Medien und Geld vernünftig umzugehen um einen eigenen Lebensstil zu entwickeln, welcher einen kontrollierten und bedürfnisorientierten Umgang mit Freizeit-Angeboten innehat. Der letzte Bereich, umfasst die Entwicklungsaufgabe: Entwicklung eines Werteund Normsystems und eines ethischen und politischen Bewusstseins. Dabei soll das Bewusstsein mit dem eigenen Verhalten und Handeln übereinstimmen, dies ermöglicht die Übernahme von gesellschaftlichen Partizipationsrollen als Bürger (ebd.: 26-28).

All diese Entwicklungsaufgaben unterscheiden sich von denen der Kindheitsphase und ermöglichen eine erste Entwicklung des eigenen Selbstbildes, mit der Empfindung des eigenen Ichs. Diese Erkenntnis ermöglicht eine weitere Abgrenzung zur Kindheit, da es einen qualitativen Fortschritt in der Persönlichkeitsentwicklung gibt (ebd.: 28).

Die Abgrenzung zum Erwachsenenalter ist dadurch definiert, inwiefern man die Entwicklungsaufgaben bewältigt hat und nun ein gewisses Grad an Autonomie besitzt. Wobei hier vor allem auch die Ablösung vom eigenen Elternhaus dazugehört (ebd.: 29).

Die Persönlichkeitsentwicklung spielt also eine zentrale Rolle in der Lebensphase Jugend. Wichtig für diese Entwicklung sind Experimentier- und Erfahrungsräume, dies würde auch erklären warum Jugendliche sich häufig ausprobieren (ebd.: 42). Wobei das Ausprobieren wiederum ein Risikofaktor, in Bezug auf eine Suchtentwicklung, darstellt. Konsumiere ich als Jugendlicher aus reiner Experimentierlaune heraus psychoaktive Substanzen oder definiere ich mich über meine sportliche Betätigung, dann könnte man gefallen an der Substanz oder am exzessiven Verhalten, in diesem Beispiel Sport, finden.

Abschließend lässt sich also festhalten, dass vor allem die Altersgruppe Jugendliche eine Risikogruppe in puncto Suchtentwicklung darstellt, weil sie eher dazu geneigt sind neue Erfahrungen machen zu wollen, oder ihre Person über ein bestimmtes Verhalten definieren. Dies zeigt aber nur einen Erklärungsansatz unter vielen möglichen. Auf die weiteren möglichen Gründe, weshalb gerade Jugendliche ein hohes Suchtpotenzial aufweisen, möchte ich jetzt genauer eingehen. Suchtbelastete Familien zum Beispiel, begünstigen eine Suchtentwicklung auf Seiten des Jugendlichen, weil Verhaltensmuster vorgelebt werden, welche des Öfteren abgeschaut und übernommen werden (vgl. Steininger et al.).

Genauso aber können auch ältere Jugendliche als Vorbilder fungieren, die dann in ihrem Verhalten nachgeahmt werden. Des Weiteren stellen ungelöste private und schulische Probleme Störfaktoren dar, die eine Suchtentwicklung begünstigen. Dies ist deswegen der Fall, weil die Jugendlichen aufgrund dieser bestehenden Probleme großen Druck ausgesetzt sind und sie in den Drogen eine Option sehen die mitschwingenden Sorgen und Ängste für einen Moment zu vergessen. Leidensdruck äußert sich also in Form negativer Empfindungen, welche mithilfe von Substanzen oder Verhalten für eine kurze Zeitspanne gemindert werden. Ebenso wichtig zu nennen und ursächlich für eine Form des Suchtverhaltens ist der soziale Druck der Gruppe (ebd.). Soziale Bindungen zu Gleichaltrigen sind in der Jugendphase von großer Bedeutung, ebenso sind sie auch Teil der Entwicklungsaufgaben. Verbringen die Jugendlichen also viel Zeit miteinander, kann hinsichtlich des Drogenkonsums der Effekt des Gruppenzwangs entstehen. Der Griff zur Substanz geschieht aus dem Aspekt heraus, sich selber nicht als Außenseiter der Gruppe wahrzunehmen. Diese Reaktion ist ebenfalls Ausdruck von Vermeidung, nämlich die des negativen Gefühls von Alleinsein.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Beratung von jugendlichen Suchterkrankten. Welche Herausforderungen ergeben sich im Beratungsprozess?
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
21
Katalognummer
V501681
ISBN (eBook)
9783346057006
ISBN (Buch)
9783346057013
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sucht, Drogen, Abhängigkeit, Jugendliche, Lebensphase Jugend, Entwicklungsaufgaben, Pubertät, Veränderungen, Beratung, Therapie, Herausforderungen, Beraterrolle, Lösungsansätze, Suchtformen, Neurobiologie, Neurowissenschaft, Hilfe zur Selbsthilfe, Beratungsprozess, Pädagogik, Erziehungswissenschaft
Arbeit zitieren
Jenny Schäfer (Autor), 2018, Beratung von jugendlichen Suchterkrankten. Welche Herausforderungen ergeben sich im Beratungsprozess?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501681

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Beratung von jugendlichen Suchterkrankten. Welche Herausforderungen ergeben sich im Beratungsprozess?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden