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Die Narbe als Stigmasymbol?

Bedeutung von Selbstverletzungsnarben in sozialen Interaktionen aus der Perspektive von Betroffenen

Titel: Die Narbe als Stigmasymbol?

Hausarbeit , 2019 , 29 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Joy Baruna (Autor:in)

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In dieser Ausarbeitung soll explorativ die Wirkung von Selbstverletzungsnarben im Kontext sozialer Interaktionen verfolgt beziehungsweise nach einer literaturtheoretischen Auseinandersetzung mit der Narbe als ‚Reminder‘, Wegweiser und Stigmasymbol das methodische Vorgehen beziehungsweise Forschungsdesign zu der Frage skizziert werden, inwieweit durch nichtsuizidales selbstverletzendes Verhalten entstandene Narben in privaten und beruflichen sozialen Alltagssituationen aus Sicht von Betroffenen als Stigmasymbol empfunden werden und wie sich das Vorhandensein dieser Narben und gegebenenfalls stattfindende (Selbst-)Stigmatisierungsprozesse auf das Erleben und Handeln der Betroffenen in sozialen Interaktionen über die Lebensspanne hinweg auswirken. Es handelt sich um eine literaturtheoretische Ausarbeitung mit skizzenhafter Beschreibung einer fiktiven empirischen Untersuchungsplanung.

Die Haut verweist somit auf Vergangenheit und Zukunft. Als "Vermittler zwischen Innen und Außen, von Ich und Umwelt und umgekehrt" (Bidlo 2010) beeinflusst sie wesentlich die Wirkung eines Menschen und prägt demzufolge auch dessen Selbstwertgefühl. Wenn die Haut als "identity card" (Connor 2001) und (Zeit-)Zeuge gelten kann, inwieweit beeinflussen Selbstverletzungsnarben soziale Interaktionen? Was lösen diese Narben aus, einerseits im Kontext einer Zeit, in der das Bewusstsein für Ästhetik geschärft ist und das Ideal des makellosen, medial präsentierten Körper herrscht, andererseits hinsichtlich der Tatsache, dass diese Narben von gewaltvollen Handlungen gegen den Körper der ausführenden Person zeugen, von Wut, Rage, einem symbolischen Angriff und somit von Ausdrucksformen, welche der Entwicklung zunehmender Affektkontrolle im Zuge des Zivilisationsprozesses diametral entgegenstehen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Bemerkungen zum Forschungsgegenstand und zur Forschungsfrage

2. Soziologische Betrachtung der Selbstverletzungsnarbe

2.1 Die soziale (Be-)Deutung der Narbe und ihr Verhältnis zu NSSV

2.2 Die Narbe als Stigmasymbol

3. Methodisches Vorgehen

3.1 Vorannahmen und methodologische Überlegungen

3.2 Das Forschungsdesign – ein Überblick

3.3 Episodische Interviews mit Betroffenen

3.4 Sampling

3.5 Analyse

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht explorativ, inwieweit Narben aus nichtsuizidalem selbstverletzendem Verhalten (NSSV) von Betroffenen in sozialen Alltagssituationen als Stigmasymbol wahrgenommen werden und welche Auswirkungen dies auf deren Erleben und Handeln hat.

  • Soziale Konstruktion und Bedeutung von Selbstverletzungsnarben
  • Stigmatisierungsprozesse und Methoden des Stigma-Managements
  • Einfluss von Narben auf zwischenmenschliche Interaktionen
  • Veränderungsprozesse der Narbenwahrnehmung über die Lebensspanne
  • Rolle der Betroffenen-Perspektive (Insider-Forschung)

Auszug aus dem Buch

2.2 Die Narbe als Stigmasymbol

Es wurde bereits angedeutet, dass es sich bei der Narbe um ein Stigmasymbol handeln kann, um ein Zeichen, welches soziale Informationen enthält und übermittelt (vgl. Goffmann 1990: 60), die wiederum von einem Stigma zeugen, von einer bestimmten normabweichenden Eigenschaft, auch „Fehler […] Unzulänglichkeit, […] Handikap“ (Goffman 1990: 11) genannt. Im Fall der Narbe handelt es sich um den Hinweis auf stattgefundenes NSSV, welches in der Öffentlichkeit zwar nicht als kriminell, jedoch aufgrund der diesem Verhalten innewohnender Aggression und Gewalttätigkeit als deviant angesehen wird, denn insbesondere bezogen auf Frauen gelten in westlichen Gesellschaften das Ausagieren aggressiver Impulse als unnatürlich und nicht akzeptabel (vgl. Pickard 2015: 85). Hier wird deutlich, dass es vom kulturellen, gesellschaftlichen Kontext und den herrschenden Normen abhängt, ob ein Merkmal als Stigma gilt, denn das Stigma wird sozial konstruiert (vgl. Aydin und Fritsch 2015: 247). Stigmata spiegeln mit ihrer „diskreditierenden Wirkung“ (Goffmann 1990: 11) somit „gesellschaftlich geteilte sowie akzeptierte Wissensstrukturen und Assoziationen über bestimmte Personengruppen“ (Aydin und Fritsch 2015: 247). Das von normativen Erwartungen abweichende Merkmal (Stigma) führt zu negativen Einstellungen gegenüber der betroffenen Person, die in der Folge nicht mehr ganzheitlich in ihrer Vielfalt als Individuum wahrgenommen wird, sondern lediglich als Stigmaträger*in (vgl. Aydin und Fritsch 2015: 247) sowie als „nicht ganz menschlich“ (Goffman 1990: 13).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitende Bemerkungen zum Forschungsgegenstand und zur Forschungsfrage: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Haut als Identitätsmerkmal ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der sozialen Wirkung von Selbstverletzungsnarben.

2. Soziologische Betrachtung der Selbstverletzungsnarbe: Hier werden theoretische Grundlagen wie Stigmatisierung, sekundäre Devianz und die Bedeutung der Narbe im soziologischen Kontext erarbeitet.

3. Methodisches Vorgehen: Dieses Kapitel erläutert die Wahl des qualitativen Forschungsdesigns, insbesondere das episodische Interview, und reflektiert die Rolle der Autorin als Insider-Forscherin.

4. Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz der Untersuchung zusammen und verknüpft die theoretischen Annahmen mit der geplanten empirischen Analyse der Betroffenenperspektive.

Schlüsselwörter

Selbstverletzungsnarben, NSSV, Stigmasymbol, Soziale Interaktion, Stigmatisierung, Sekundäre Devianz, Stigma-Management, Qualitative Forschung, Episodisches Interview, Identität, Insider-Forschung, Körpersoziologie, Resilienz, Vulnerabilität, Soziale Konstruktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die soziale Bedeutung von Narben, die aus nichtsuizidalem selbstverletzendem Verhalten (NSSV) resultieren, und wie diese als Stigmasymbole in sozialen Interaktionen wirken.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die soziologische Betrachtung von Narben, Stigmatisierungsprozesse, Methoden des Stigma-Managements bei Betroffenen sowie die methodologischen Überlegungen qualitativer Forschung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, aus der Perspektive von Betroffenen zu erforschen, ob und wie die Sichtbarkeit von NSSV-Narben soziale Interaktionen beeinflusst und welche Bedeutung diesen Narben über die Lebensspanne zugeschrieben wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein qualitativer Ansatz gewählt, wobei das episodische Interview als Hauptmethode zur Datenerhebung dient. Die Auswertung erfolgt mittels qualitativer Inhaltsanalyse.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil erfolgt eine literaturtheoretische Einbettung der Narbe als Stigmasymbol sowie eine detaillierte methodologische Planung, die insbesondere die Reflexion der Insider-Perspektive der Forscherin beinhaltet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen NSSV, Stigmasymbol, Stigma-Management, qualitative Forschung und das episodische Interview.

Wie definiert die Autorin den "Insider-Aspekt"?

Der Insider-Aspekt bezieht sich auf das geteilte Merkmal der Narben zwischen Forscherin und Teilnehmenden, welches für einen besseren Zugang und eine differenziertere Analyse genutzt werden soll, jedoch selbstreflexiv kritisch zu betrachten ist.

Warum werden Personen in stationärer Behandlung vom Sampling ausgeschlossen?

Dies dient dem Schutz der Teilnehmenden aufgrund der vermuteten geringeren emotionalen Stabilität in stationären Settings und der Gefahr, durch das Interview neue selbstverletzende Handlungen auszulösen.

Welche Rolle spielt die "sekundäre Devianz" im Kontext der Arbeit?

Sekundäre Devianz beschreibt den Prozess, in dem die Reaktion der Gesellschaft auf das als abweichend eingestufte Verhalten (hier: das Zeigen von Narben) dazu führt, dass die Betroffenen ihr Selbstbild anpassen oder neue Stigma-Management-Strategien entwickeln.

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Details

Titel
Die Narbe als Stigmasymbol?
Untertitel
Bedeutung von Selbstverletzungsnarben in sozialen Interaktionen aus der Perspektive von Betroffenen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Soziologie und empirische Sozialforschung
Note
1,0
Autor
Joy Baruna (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
29
Katalognummer
V501707
ISBN (eBook)
9783346045058
ISBN (Buch)
9783346045065
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nichtsuizidales selbstverletzendes Verhalten NSSV ritzen Selbstverletzung Narbe Selbstverletzungsnarbe Stigma Diskriminierung Stigmatisierung sekundäre Devianz Devianz psychische Erkrankung Symptom selbstverletzendes Verhalten soziologisch Alltagsinteraktion
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Joy Baruna (Autor:in), 2019, Die Narbe als Stigmasymbol?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501707
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Leseprobe aus  29  Seiten
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