War Dionysios I. ein Tyrann? Analyse seiner Biografie und Außenpolitik


Hausarbeit, 2017
11 Seiten, Note: 2,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

A. Dionysios I., ein Tyrann?

B. Die Biographie des Dionysios I. mit Fokus auf seine Außenpolitik
a. Die Biographie des Dionysios I
i. Der Weg zum Strategos Autokrator
ii. Familie
1. 1.Gattin
2. Rheginerin
3. 2.Gattin
4. 3.Gattin
iii. Heiratspolitik
b. Seine Außenpolitik
i. 1.Krieg gegen Karthago
ii. 2.Krieg gegen Karthago – Großer Karthagokrieg
iii. 3.Krieg gegen Karthago
iv. 4.Krieg gegen Karthago

C. Schlussbetrachtung

D. Literaturverzeichnis
a. Quellen
b. Literatur

E. Anhang

A. Dionysios I., ein Tyrann?

Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich

Damon, den Dolch im Gewande:

Ihn schlugen die Häscher in Bande,

"Was wolltest du mit dem Dolche? sprich!"

Entgegnet ihm finster der Wüterich.

"Die Stadt vom Tyrannen befreien!"

"Das sollst du am Kreuze bereuen." 1

In der ersten Strophe der Ballade „Die Bürgschaft“ von Friedrich von Schiller aus dem Jahr 1798 geht es um eine Szene zwischen zwei Personen. Die Stadt Syrakus wird von dem König Dionys, eine Abkürzung für Dionysios, regiert. Der Bürger Damon plant einen Anschlag auf den König, da er die Stadt von seiner Tyrannei befreien möchte. Sein Vorhaben scheitert jedoch und Dionys verurteilt ihn zum Tode. Kann man Dionysios, der in dieser Ballade als Tyrann bezeichnet wurde, wirklich als Tyrann benennen? Um diese Frage beurteilen zu können, soll in der folgenden Arbeit seine Biographie sowie seine Außenpolitik durchleuchtet werden. Die Quellenlage zu seiner Person ist relativ schwierig, denn es gibt nicht allzu viel Literatur über Dionysios und sein Leben. Des Weiteren kann man über seine Persönlichkeit keine vertrauenswürdige Quelle ausfindig machen, da es vorwiegend nur tyrannenfeindliche Überlieferungen gibt.

B. Die Biographie des Dionysios I. mit Fokus auf seine Außenpolitik

a. Die Biographie des Dionysios I.

i. Der Weg zum Strategos Autokrator

Im Folgenden wird vor allem das Werk „Dionysios I. Gestalt und Geschichte des Tyrannen von Syrakus“ von Karl-Friedrich Stroheker herangezogen. Dionysios I., der 431/430 geboren wurde, entstammte einer angesehenen syrakusischen Familie. Seinen Vater, der wahrscheinlich den Namen Hermokritos trug, verschaffte ihm eine sophistische2 Ausbildung3. Dionysios verlor seinen Vater früh und wuchs unter seinem Stiefvater Heloris auf. 408 schloss sich er sich dem Aristokraten Hermokrates an, nachdem er zunächst in der Kanzlei der syrakusischen Strategen tätig war. In einem Kampf nach einem erfolglosen Staatsstreich, bei dem Hermokrates sein Leben verlor, wurde Dionysios als Mitkämpfer schwer verwundet und musste das Krankenbett hüten, entging dadurch aber den anschließenden Verfolgungen. Als die feindlichen Karthager 406 die Stadt Akragas eroberten, trat Dionysios, der sich in diesem Kampf durch Tapferkeit einen Namen gemacht hatte, vor dem Volk als Ankläger gegen die Strategen auf, welche die Niederlage von Akregas nicht verhindert hatten, und beschuldigte sie des Verrats. Jedoch wurde er von den Behörden wegen Unruhestiftung mit einer Bußgeldstrafe belegt4. Da aber Philistos, ein Genosse des Hermokrates und ein treuer Verbündeter des Dionysios war, sich bereit erklärte, diese und jede weitere Strafe zu bezahlen, konnte Dionysios seine Angriffe gegen die Strategen fortsetzen. Diodor schilderte diese Szene wie folgt:

„[...] Da betrat [...] Dionysios [...] die Rednerbühne und schleuderte gegen die Feldherrn die Anklage, sie verrieten den Staat an die Karthager, und stachelte die Massen zu ihrer Bestrafung auf. [...] Als [...] die Archonten den Gesetzen gemäß Dionysios als Aufrührer in Strafe nahmen, da bezahlte Philistos, [...] ein steinreicher Mann, die Strafsumme und forderte Dionysios auf, alles zu sagen, was ihm am Herzen liege. Und als Philistos noch dazu bemerkte, er wolle, selbst wenn die Behörden den ganzen Tag lang Dionysios mit Geldstrafen belegen wollten, dafür aufkommen, faßte dieser Mut und rüttelte die Massen auf [...] “5

Dionysios brachte ohne Mühe die Masse des Volkes hinter sich, indem er mit seinem demagogischen6 Geschick sowohl den Zorn über die Niederlage bei Akregas als auch den Hass des Volkes gegen die Vermögenden anstachelte. Es gelang ihm die Strategen abzusetzen und ein neues Feldherrenkollegium zu wählen, zu dem er selbst angehörte. Das er schon damals die Errichtung der Tyrannis im Auge hatte, ist nicht nur bezeugt, es spricht auch aus seinem Antrag die verbannten Oligarchen und Anhänger des Hermokrates zurückzurufen, denn er wollte damit offensichtlich sich eine Gefolgschaft gewinnen, die ihn von der Gunst der wankelmütigen Menge unabhängig machte und gleichsam über die Parteien hob. Dionysios trat weiterhin als Führer gegen die Reichen auf. In Gela, dass unter dem Spartaner Dexippos unzureichend gestützt war und deshalb syrakusische Hilfe erbat, griff er zugunsten des niederen Volkes an, ließ die Häupter der Reichen hinrichten und ihre Güter konfiszieren.

Die dadurch gewonnenen Mittel ermöglichten ihm, den Söldnern des Dexippos den rückständigen Sold zu zahlen und den syrakusischen Truppen eine Verdopplung der ihnen vom Staate zugebilligte Belohnung zu versprechen. So hatte er die Sympathien des Volkes von Gela gewonnen, die ihn reich beschenkten und durch Gesandte sein Lob in Syrakus verkünden ließen. Mit dem Versprechen, bald stärkere Formationen zu bilden, kehrte er vorerst nach Syrakus zurück. Dort war er inzwischen, dank den Berichten aus Gela, sein Ansehen so sehr gewachsen, dass er glaubte einen entscheidenden Schritt wagen zu können in dem er einen Staatsstreich, mit Unterstützung seines militärischen Rückhalts und der heimgekehrten Verbannten, ausführen könnte.7 Vor dem Volk beschuldigte er daher seine Mitstrategen, mit Ausnahme des zu ihm haltenden Hipparinos, dass sie die Soldzahlungen vernachlässigt hätten und von den Karthagern bestochen worden seien. Er begründete diese Anschuldigungen damit, dass deren Feldherr Himilko auch ihn gewinnen lassen habe oder ihn wenigstens zum Schweigen über das Verhalten seiner Kollegen bringen wollte. Mit diesen Leuten gemeinsam Kommando zu führen könne ihm nicht zugemutet werden, deshalb lege er sein Strategenamt nieder. Das Volk und vor allem die Truppen gerieten in größte Erregung und als die Mitfeldherren angeklagt worden sind, verschob man zwar die Gerichtsverhandlung, verlangte aber das der Oberbefehl in einer einzigen Hand lag und Dionysios zum alleinigen Strategen mit außerordentlichen Vollmachten (= strategos autokrator) gewählt wurde8. Ein entsprechender Volksentscheid wurde durchgeführt und Dionysios erhielt für die Kriegszeit fast monarchische Kompetenzen. Hipparinos, der am Zustandekommen des Beschlusses vermutlich benachteiligt war, stand ihm als Berater zur Seite. Das jederzeit widerrufliche Amt des bevollmächtigten Strategen hatte Dionysios offenbar von vorneherein nur als Basis für die Gewinnung der unbeschränkten Alleinherrschaft angesehen. Dieser Aufstieg des Dionysios zur Macht wurde dadurch möglich, dass er einerseits als begabter Volksredner im Sinne der demokratischen Anliegen zu agitieren wusste, andererseits aber schon von seiner Rolle als Gefolgsmann des Hermokrates her ausgezeichnete Beziehungen zu Aristokraten und Repräsentanten der Oberschicht wie Philistos unterhielt. Zu den Aristokraten, die ihn schon vor seiner Machtübernahme energisch unterstützten, gehörte Hipparinos, der Vater des später berühmten Politikers Dion von Syrakus.

ii. Familie & Heiratspolitik

Die folgenden Darstellungen beziehen sich hauptsächlich auf das Buch „Griechische Antike“ von Linda-Marie Günther. Eine wichtige Rolle spielte außerdem seine dynastische Heiratspolitik9. Die Verschwägerung mit anderen Monarchen konnte Dionysios allerdings nicht ausführen, da die griechischen Fürsten und Tyrannen weiter östlich waren.10

1. 1.Gattin

Sein dynastischer Gedanke war schon seit der Zeit seines Aufstiegs deutlich erkennbar, da er durch seine erste Ehe mit Hermokrates Tochter in den Kreis der vornehmen, syrakusischen Gesellschaft eintreten wollte. Nach einer, von ihm zu verantwortenden Niederlage in Gela 405, kam seine erste Frau, die Tochter des Hermokrates, bei einer Rebellion, die von wohlhabenden und oligarchisch gesinnten Syrakusern angestiftet wurde, um. Diese Ehe blieb kinderlos.

2. Rheginerin

Nach dem Tod seiner ersten Frau, warb Dionysios um eine wohlhabende Rheginerin. Durch den Versuch dieser Heirat zielte er auf die friedliche Gewinnung ihrer Heimatstadt Rhegion, doch die Frau wies in ab.11

3. 2.Gattin

Nach erfolglosem Umwerben der Rheginerin, vermählte sich Dionysios um 398 mit Doris aus dem unteritalienischen Lokroi. Durch diese Heirat verband er sich mit der Stadt, die schon früher in einem guten Verhältnis zur Polis Syrakus stand. Seine Frau Doris, die als Fremde in Syrakus keine schnelle Verbindung zu dieser Stadt aufbauen konnte, gebar bald einen Sohn, den jüngeren Dionysios, einen weiteren Sohn, namens Hermokritos, sowie die Tochter Dikaiosyne.12

4. 3.Gattin

Parallel zu der Eheschließung mit Doris, heiratete Dionysios die Syrakuserin Aristomache am selben Tag. Diese war die Tochter seines Kampfgefährten und Helfers Hipparinos, der ihm bei seiner Wahl zum Strategos Autokrator zu Seite stand. Aristomache war offenbar zum Zeitpunkt der Hochzeit noch sehr jung, weswegen diese Ehe zunächst kinderlos blieb.13 Doch schon bald schenkt sie zwei Söhnen, Hipparinos und Nysaios, und zwei Töchtern, Arete und Sophrosyne, das Leben.

iii. Heiratspolitik

Dionysios’ Söhne wurden traditioneller Weise nach ihren Großvätern und nach ihm selbst benannt, „die Töchter [trugen] programmatische Namen, die den Vater als vorbildlichen und gebildeten Regenten erweisen sollten“14. Der Name Dikaiosyne hat die Bedeutung ‚Gerechtigkeit’, Sophrosyne ‚Besonnenheit’ und der Name Arete bedeutet ’Tüchtigkeit’.15

Dionysios’ Töchter wurden von ihm innerhalb seiner Familie vermählt. Dikaiosyne erhielt einen Bruder des Tyrannen Dionysios, ihren Onkel, Leptines zum Mann. Arete wurde mit einem weiteren Bruder ihres Vaters, Thearidas, verheiratet. Als dieser starb bekam sie Dion, einen Sohn des älteren Hipporinos und Bruder der Aristomache, zum Mann. Seine dritte Tochter Sophrosyne erhielt ihren Stiefbruder, Dionysios II, zum Gatten. Die Absichten dieser Heiratspolitik lagen auf der Hand, keine andere Familie sollte als gleichwertig gelten. Außerdem sollte das Herrscherhaus autark über den vornehmen syrakusischen Familien stehen.

b. Außenpolitik

i. 1.Krieg gegen Karthago

Der erste Krieg gegen Karthago fand im Jahr 405 vor Christus statt, als Dionysios ungefähr 25 Jahre als war. Gela, eine Stadt im Süden Siziliens, wurde durch Karthager besetzte und bat Dionysios um Hilfe. Dieser versuchte mit einem großen Heer, bestehend aus Syrakusern, sizilianischen und italienischen Bundesgenossen, der Stadt Gela zu helfen und diese zu befreien. In Gela herrschte ein Konflikt zwischen den dortigen Demokraten und Aristokraten. Dionysios half der demokratischen Seite, unterdrückte die Aristokraten und machte sich durch diese Taten bei dem Volk von Gela beliebt. Sein Plan eines Angriffes auf das karthagische Lager scheiterte aufgrund der mangelnden Koordination der einzelnen Einheiten seiner Truppen. Dionysios musste aufgrund dessen Gela räumen und die Bevölkerung ins syrakusische Gebiet überführen und verlor die Unterstützung der syrakusischen Aristokraten als Folge der Niederlage. Diese Aristokraten aus Syrakus wollten Dionysios stürzen, kamen allerdings nie an seinen Leibwachen vorbei und plünderten daraufhin sein Haus samt Schätze und vergingen sich an seiner ersten Gattin, die sich daraufhin selbst das Leben nahm. Das genaue Datum einer Einigung zwischen den Karthagern und Dionysios ist nicht bekannt, die Karthager erklärten sich nach einer Seuche in ihrem Volk jedoch zu Friedensverhandlungen bereit. Dionysios erhielt durch diesen Vertrag die Herrschaft über Syrakus, musste jedoch die karthagische Herrschaft über den Westen Siziliens anerkennen. Dieses Abkommen und die geregelten Machtverhältnisse waren Vorbilder für weitere vertragliche Abmachungen zwischen den beiden Völkern.16

[...]


1 F. Schiller, Die Bürgschaft (1799) in: Bode, D. (Hrsg.), Deutsche Gedichte - Eine Anthologie, durchgesehene Ausgabe (Stuttgart 1998) S. 117-121, S. 117.

2 Duden: Der Sophist: Vertreter einer Gruppe griechischer Philosophen und Rhetoren des 5. Bis 4. Jahrhunderts vor Christus, die als Erste den Menschen in den Mittelpunkt philosophischer Betrachtungen stellten und als berufsmäßige Wanderlehrer Kenntnisse besonders in der Redekunst, der Kunst des Streitgesprächs und der Kunst des Beweises verbreiteten

3 Debra Nails: The People of Plato, Indianapolis 2002, S. 133.

4 Karl Friedrich Stroheker: Dionysios I. Gestalt und Geschichte des Tyrannen von Syrakus, Wiesbaden 1958, S.37.

5 Diod. 13,19,3f.

6 Duden: demagogisch: Hetzpropaganda betreibend, aufwiegelnd, hetzerisch

7 H. Meier-Welcker, Dionysios I. Tyrann von Syrakus ,Göttingen u.a. 1971,S.123-127.

8 Karl Friedrich Stroheker: Dionysios I. Gestalt und Geschichte des Tyrannen von Syrakus, Wiesbaden 1958, S.39-42.

9 Linda-Marie Günther: Griechische Antike, Tübingen 2008, S.272.

10 vgl. Anhang: Stammbaum

11 Diod. 14,44,5.

12 Linda-Marie Günther, Griechische Antike, Tübingen 2008, S.273.

13 Linda-Marie Günther, Griechische Antike, Tübingen 2008, S.273.

14 Linda-Marie Günther, Griechische Antike, Tübingen 2008, S.273.

15 Helmut Berve, Die Tyrannis bei den Griechen, S.255.

16 Michael Kleu: Von der Intervention zur Herrschaft. Zur Intention karthagischer Eingriffe auf Sizilien bis zum Frieden von 405. In: David Engels u.a. (Hrsg.): Zwischen Ideal und Wirklichkeit. Herrschaft auf Sizilien von der Antike bis zum Spätmittelalter, Stuttgart 2010, S. 13−36.

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Details

Titel
War Dionysios I. ein Tyrann? Analyse seiner Biografie und Außenpolitik
Hochschule
Universität Passau
Note
2,7
Jahr
2017
Seiten
11
Katalognummer
V501715
ISBN (eBook)
9783346033666
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dionysios, tyrann, analyse, biografie, außenpolitik
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Anonym, 2017, War Dionysios I. ein Tyrann? Analyse seiner Biografie und Außenpolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501715

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