Bedrohung oder Chance? Untersuchung von Social Bots in der Social Media Kommunikation


Hausarbeit, 2019
23 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Das Phänomen Social Bots
2.1 Defintion
2.2 Die Technologie hinter Social Bots
2.3 Funktionen
2.4 Einflusspotentiale
2.5 Abgrenzung zu anderen Phänomenen
2.6 Soziale Medien als Wirkungsraum

3. Einsatzmöglichkeiten und Fallbeispiele
3.1 Negative Auswirkungen
3.2 Positive Auswirkungen

4. Beurteilung und Einordnung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Bots, Künstliche Intelligenz, Algorithmen und Co. rücken zunehmend in den Fokus der öffentlichen Debatten. Anfangs als Zukunftsvisionen und Nischenthemen deklariert, gewinnen diese technischen Phänomene vermehrt an Aufmerksamkeit und sind Gegenstand öffentlicher Diskurse. Zu diesen Phänomenen zählen auch sogenannte Social Bots, die seit einiger Zeit, zum Teil zweifelhafte, Berühmtheit erlangt haben. Hierbei handelt es sich um komplexe Algorithmen, die in sozialen Netzwerken dafür eingesetzt werden, die Aktionen eines Accounts, wie Kommentieren, Followen oder Liken, zu automatisieren.1 Über fiktive Identitäten können Meinungs- und Nachrichtenbeiträge verbreitet werden. Spätestens seit der US-amerikanischen Präsidentschaftswahl im Jahr 2016, werden ihnen Funktionen der politischen Propaganda sowie manipulatives Einflusspotenzial unterstellt. In diesem Zusammenhang fällt oft der Begriff Fake News, welche massenhaft durch Social Bots verbreitet werden können.2 Den Manipulationsvorwürfen stehen allerdings auch konträre Meinungen gegenüber. Diese erkennen in Social Bots ein großes Potential und stufen jene als sehr hilfreich ein. Social Bots bergen demnach ein großes Diskussionspotential.

Diese Dialektik zwischen Apokalypse und Euphorie3 diente als Veranlassung, Social Bots als Untersuchungsgegenstand heranzuziehen. Ist der Gefährdungsdiskurs um Social Bots berechtigt? Sind aktuelle Konzepte unserer Gesellschaft von jenen wirklich bedroht oder bieten sie tatsächlich einen Mehrwert und eine Chance gewisse Prozesse zu verbessern? Ziel dieser Arbeit ist es, diese verschiedenen Annahme kritisch zu hinterfragen und eine Beurteilung zu dem Internetphänomen Social Bots zu geben.

In dieser Arbeit soll zunächst ein Grundverständnis und die Funktionsweise von Social Bots dargelegt werden. Hierzu wird es eine Definition des Begriffs gegeben sowie eine Beschreibung der Technologie, die sich hinter den Computerprogrammen befinden. Nachdem die Funktionsmöglichkeiten der Bots beschrieben wurden, wird aufgezeigt, welche Einflusspotentiale Bots besitzen. Im Anschluss daran folgt die Abgrenzung zu anderen Internetphänomenen, die auf ähnlicher technischer Basis funktionieren. Des weiteren werden Soziale Medien als Wirkungsraum für Social Bots genauer beleuchtet. Im dritten Kapitel dieser Arbeit werden Anwendungsfälle beschrieben, die sowohl negative als auch positive Auswirkungen haben können. Es folgt eine Einschätzung sowie ein Ausblick, wie mit den Social Bots in Zukunft umgegangen werden soll. Die Arbeit schließt mit einem Fazit ab.

2. Das Phänomen Social Bots

2.1 Defintion

„A social bot is a computer algorithm that automatically produces content and interacts with humans on social media, trying to emulate and possibly alter their behavior.“4

In der Literatur ist keine allgemein gültige Definition zu Social Bots vorhanden, dennoch handelt es sich bei dem oben genannten Zitat um eine häufig zitierte Definition nach Emilio Ferrara, Professor der Informatik. Dem Satz von Ferrara ist zu entnehmen, dass es sich bei Social Bots um Computerprogramme handelt, die (teils-)automatisiert in sozialen Netzwerken agieren. Sie generieren maschinell erstellte Beiträge wie Kommentare, Antworten oder Meinungsäußerungen. Dabei versuchen sie mit den Nutzern zu interagieren, indem sie ihr Verhalten simulieren und möglicherweise versuchen zu ändern. Social Bots nehmen fiktive Identitäten an und agieren meist in Form von gefälschten Nutzerprofilen. In der Interaktion suggerieren sie Menschenähnlichkeit, sodass für reale Nutzer oftmals nicht ersichtlich ist, dass es sich um algorithmus-basierte Profile handelt.5 Die Computerprogramme werden meist zur Sichtbarmachung und Verstärkung von Äußerungen und Meinungen eingesetzt.

Der Begriff Social Bot setzt sich wie folgt zusammen. Das Wort Bot steht allgemein als Kurzform für das englische Wort „robot“ (zu Deutsch „Roboter“), welches ursprünglich ein tschechischer Begriff aus dem 20. Jahrhundert ist und „Zwangsarbeit“ oder „Sklave“ bedeutet.6 Aus etymologischer Perspektive führt der Bot die vordefinierten Aufgaben aus und folgt seinem Programmierer. Der Ausdruck Social weist auf den Wirkungsraum der sozialen Medien hin, in dem sich die verwendeten Algorithmen und Programme entfalten.7

2.2 Die Technologie hinter Social Bots

Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), welches eine umfassende Studie zum Thema Social Bots durchführte, teilt Social Bots in drei grundlegende Elemente ein: Das Nutzerprofil, die Software sowie die Programmierschnittstelle.8 Zum einen bestehen Social Bots aus den Benutzerkonten, mit denen sie den Anschein eines echten Nutzerprofils erwecken. Die Profile dienen ihnen gewissermaßen als „Körper“9, mit welchen sie auf Twitter, Facebook und Co. agieren.

Zum anderen ist die algorithmus-basierte Software eines der Hauptelemente eines Social Bots. In Programmiersprache, wie zum Beispiel JavaScript, Python oder Ruby10, verfasst, legt sie die Verhaltenslogik des Social Bots fest. In einer Software implementierte Algorithmen bilden technisch gesehen die Basis für Social Bots und sind metaphorisch als „Gehirn“ der Social Bots zu sehen.10 Vereinfacht dargestellt, bestehen Algorithmen aus festgelegten Ereignisketten, für welche in der grundlegendsten Form Bedingungen festgelegt sind: „wenn a dann b“, „wenn nicht-a dann c“.11 Auf diese Weise wird dem Bots erst ermöglicht, die im Sozialen Netzwerk zur Verfügung stehenden Funktionen automatisch nutzen zu können. Die Grundfunktionen der Social Bots lassen sich demnach in einem Reiz-Reaktions-Modell abstrahieren. Es werden äußere Stimuli erkannt, dies können beispielsweise bestimmte Stichwörter sein, woraufhin eine Reaktion auf diese Reize mit vordefinierten Aufgaben folgt, die von einem programmierten Mechanismus im Vorfeld bestimmt wurden.12

Als drittes Element der Social Bots wird das Application Programming Interface (API), sprich die Programmierschnittstelle eines Sozialen Netzwerkes, genannt.13 Diese Schnittstellen werden von den Plattformen zur Integration externer Programme bereitgestellt, indem sie über einen Programmcode einen Zugang zu den netzwerkinternen Funktionen bieten, wie beispielsweise Liken, Folgen, Suchen etc..14

Social Bots werden außerhalb des Netzwerkes ausgeführt und interagieren über die Programmierschnittstelle. Die API’s sind demnach eine Prämisse für die Verbreitung von Social Bots, da diese den Zugang zu Instagram, Twitter & Co. erst ermöglichen. Diese technischen Vorraussetzungen einen Bot zu programmieren, sind heutzutage mit relativ einfachen und frei zugänglichen Mitteln möglich. Aufwendige Programmierkenntnisse sind nicht erforderlich, sodass die Erstellung selbst für Laien mit Grundkenntnissen in gängigen Programmiersprachen möglich sei.15 Grundbausteine und Anleitungen hierfür lassen sich ohne großen Aufwand im Internet finden.16

2.3 Funktionen

Das Handlungsspektrum von Social Bots hängt von der jeweiligen technischen Entwicklungsstufe ab. Es kann zwischen einfachen und komplexen Social Bots unterschieden werden. Wobei die Grenzen zwischen beiden Konzepten nicht trennscharf zu ziehen sind.

Einfache Social Bots verfügen über ein geringes Funktionsspektrum. Sie sind in der Lage verschiedenen Quellen nach Stichworten, sogenannten Keywords, zu durchsuchen und daraufhin, nach dem Reiz-Reaktions-Modell, mit einer entsprechenden Handlungen zu reagieren.17 Sie kreieren Inhalte, indem sie z.B. Bilder aus dem Internet veröffentlichen, Links verknüpfen, die auf weitere Webinhalte führen, oder Kommentare retweeten.18 Zudem können sie soziale Beziehungen in Form von Freunden oder Followern knüpfen. Social Bots können so programmiert werden, dass sie Inhalte millionenfach, rund um die Uhr teilen können. Einfache Social Bots sind auf ein hohes Volumen an Inhaltsgenerierung ausgelegt.19 Dieses Verhaltensmuster lässt sich klar von menschlichen Nutzern abgrenzen, weshalb einfache Social Bots durch triviale Erkennungsstrategien leicht zu identifizieren sind. Je diverser jedoch das Verhalten der Programme wird, desto schwieriger wird das Erkennen. Emilio Ferrara stellt fest: „The boundary between human-like and bot-like behavior is now fuzzier.“20 Je komplexer die Algorithmen sind, auf denen die Meinungsroboter basieren, desto näher kommen sie einer menschlichen Identität und lassen sich schwerer identifizieren. Die Nutzerprofile von komplexen Social Bots sind detailliert und „durch charakteristische, personenbezogene Daten gekennzeichnet (z.B. Alter, Geschlecht, Name etc.), sie haben Profilbilder und die Chronik der Aktivitäten reicht in die Vergangenheit.“21. Es werden Nutzernamen angenommen, die realen Nutzernamen ähneln. Die Profile weisen Aktivitätsmuster wie Tag- und Nachtrhythmus oder realistische Zahlen gesendeter Nachrichten auf und können bestimmte Vorlieben vortäuschen.22 Des Weiteren generieren die komplexen Social Bots nicht nur Content, indem sie auf Datenbanken zurückgreifen, stattdessen kann die Software Informationen sammeln und unter Verwendung von semantischen Analysen, immer wieder neue Inhalte erzeugen.23 Sie sind in der Lage komplexere Arten von Interaktionen mit anderen Nutzern einzugehen, das heißt sie können unterhaltende Gespräche mit scheinbar irrelevantem Inhalt mit anderen Menschen führen und sogar Fragen beantworten.24

Momentan dominieren die einfachen Social Bots. Allerdings lassen stetige Entwicklungsfortschritte in der Bot-Technologie vermuten,25 dass die Computerroboter ihre kommunikativen sowie analytischen Fähigkeiten zukünftig weiter verbessern werden.26 Diese Prognose hängt ebenso mit der Tatsache zusammen, dass immer mehr Daten im Netz verfügbar sind. „More people are actively or passively generating data that is captured and transported over the Internet.“27 Auf diese aktiv oder passiv erzeugten Daten können Social Bots zurückgreifen, um sich stetig zu ‚verbessern‘ und sich einer virtuellen menschliche Identitäten anzunähern.28

2.4 Einflusspotentiale

Oftmals stehen Social Bots im Verdacht der Manipulation sowie des Betruges und werden als ein Werkzeug gezielter Beeinflussung gesehen. Aus technischer Perspektive sind Social Bots neutral, da sie lediglich der zuvor festgelegten Ereigniskette der Programmierer folgen.29 Die Gefahr bestehe darin, dass die Quellen, auf die die Bots zurückgreifen, ungeprüft sind. Falschmeldungen oder Gerüchte können durch Social Bots in kürzester Zeit massenhaft multipliziert werden. Sogenannte „Fake News“, die in der Regel wissentlich gefälscht oder erfunden wurden, gelangen in das Blickfeld der Öffentlichkeit und können in Sozialen Netzwerken große Aufmerksamkeit erhalten.30 Lucas Gasser und Matthias Kraatz merken an dieser Stelle an, dass die Begriffe Social Bots und Fake News in der medialen Diskurs oftmals nicht klar voneinander getrennt werden.31 Fake News haben ihre Bezeichnung „aufgrund ihres täuschenden oder gar falsche Inhalts erhalten“32, wohingegen der Social Bot als technisches Instrument dient, um die Informationen massenhaft zu verbreiten - unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Informationen. Als Multiplikator der Falschmeldungen, werden die Computerprogramme deshalb in den meisten Fällen mit den Begriffen Manipulation oder Desinformation etikettiert.

[...]


1 Vgl. Gasser, Kraatz (2017), S.1.

2 Vgl. Kind et. al. (2017), S. 7.

3 Leschke (2018), S. 91.

4 Ferrara et. al. (2016), S. 96.

5 Kind et. al. (2017), S. 9.

6 Woolley, Howard (2016b), S. 4883.

7 Boshmaf et al. (2011), S. 93.

8 Kind et. al. (2017), S. 11.

9 Vgl. Milker (2016).

10 Kind et. al. (2017), S. 38.

11 Frischlich et. al., S. 72.

12 Kind et. al. (2017), S. 14.

13 Kind et. al. (2017), S. 38.

14 Boshmaf et al. (2011), S. 95.

15 Vgl. Kind et. al. (2017), S. 14.

16 Frischlich et. al. (2017), S. 73.

17 Ferrara et. al. (2016), S. 98.

18 Vgl. Kind et. al. (2017), S. 47.

19 Ferrara et. al. (2016), S. 98.

20 Ebd., S. 99.

21 Kind et. al. (2017), S. 14f.

22 Vgl. Ebd., S. 15.

23 Ebd. (2017), S. 15.

24 Ferrara et. al. (2016), S. 99.

25 Sinkende Preise für Speicherplatz und Rechenleistung begünstigen diese Entwicklung, ebenso wie die Verbreitung von Breitbandanschlüssen und die Verfügbarkeit von Cloudcomputing. Fortschritte im Bereich der Sprachanalyseprogramme, Verbreitung von Big-Data-Analysen und deren Verzahnung mit Sprachanalyseprogrammen führt ebenso zu einer besseren sprachlichen Ausdrucksfähigkeit von Bots. [Kind et. al. (2017), S. 17].

26 Kind et. al. (2017), S. 16.

27 Woolley, Howard (2016b), S. 4884.

28 Immer mehr Menschen bekommen einen Zugang zum Internet, weshalb prognostiziert wird, dass im Jahr 2020 jeder effektiv online sein wird. Außerdem werden viele Nutzer (mobile) Endgeräte nutzen, die dauerhaft mit dem Internet verbunden sind. [Woolley, Howard (2016b), S. 4884].

29 Ferrara et. al. (2016), S. 98.

30 Kind et. al. (2017), S. 13.

31 Gasser, Kraatz (2017), S. 1.

32 Gasser, Kraatz (2017), S. 1.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Bedrohung oder Chance? Untersuchung von Social Bots in der Social Media Kommunikation
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Institut für Medien und Kulturwissenschaft)
Veranstaltung
Die Macht der Algorithmen
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
23
Katalognummer
V501762
ISBN (eBook)
9783346041821
ISBN (Buch)
9783346041838
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedrohung, chance, untersuchung, social, bots, media, kommunikation
Arbeit zitieren
Eileen Müller (Autor), 2019, Bedrohung oder Chance? Untersuchung von Social Bots in der Social Media Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501762

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