Die vorliegende Arbeit befasst sich mit Descartes' Auffassung von dem Vorstellungsvermögen. Descartes ordnet dem Modus der Vorstellungskraft eine zweideutige und hybride Stellung bei, die jedoch nicht mit seinem Konzept von Substanzen und Modi vereinbar ist. Darüber hinaus liefert seine Auffassung von der Vorstellungskraft einen Schnittpunkt in seinem Substanzdualismus, der zwei unterschiedlich voneinander bestehende Substanzen etabliert, den Geist und den Körper, die trotz ihrer Verschiedenheit miteinander interagieren.
Ich werde (i) aufzeigen, dass Descartes' Verständnis von der Vorstellungskraft in Kontrast mit seinem Konzept von Substanzen steht, die nach seiner Auffassung keine Eigenschaften miteinander teilen und argumentieren, dass Descartes durchaus annehmen muss, dass Substanzen nicht gänzlich verschieden sind, sondern dass sie bestimmte Modi, in dem Fall das Vorstellungsvermögen, miteinander teilen. Des Weiteren werde ich zeigen, dass (ii) sein Substanzdualismus aufgrund der hybriden Stellung der Vorstellungskraft nicht haltbar ist und er sich gezwungen sehen muss, dass Geist und Körper als eine Substanz begriffen werden müssen. Wenn das Denken als Eigenschaft des Geistes und die Ausdehnung als Eigenschaft des Körpers verstanden werde und sie demnach gänzlich unterschiedlich voneinander sind, läuft die Frage, wie die Vorstellungskraft funktioniert, die neben der sensorischen Wahrnehmung als Verbindungsglied zwischen den beiden Substanzen steht, auf ein schwieriges Vorhaben hinaus. Auch wenn es andere Modi gibt, die ambig sind, wie zum Beispiel die sensorische Wahrnehmung, werde ich mich in dieser Arbeit auf die Vorstellungskraft beschränken. Ich fokussiere mich auf das Vorstellungsvermögen in erster Linie deswegen, da die Vorstellungskraft nicht nur vorrangig als Argumentation verwendet wird, überhaupt erst körperliche Substanzen zu etablieren, auch wenn diese nicht als sicheres Argument für die tatsächliche Existenz von Körpern verwendet wird, so stellt sie doch den Ausgangspunkt dar, der für die spätere Untersuchung von der Existenz von Körpern und der darauffolgenden Argumentation für den Substanzdualismus eine entscheidende Rolle spielt. Außerdem ist das Vorstellungsvermögen besonders in den Meditationen wichtig, da dieser Modus verwendet wird, um herauszufinden, was der Protagonist weiß.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Descartes' Konzept von Substanz, Attribut und Modus
3 Descartes' Entwicklung vom Vorstellungsvermögen in den Meditationen
3.1 Das Vorstellungsvermögen als Modus des Geistes
3.2 Intellekt versus Vorstellungsvermögen
3.3 Das Vorstellungsvermögen als Modus des Geistes und des Körpers
4 Konsequenzen des hybriden Zustandes des Vorstellungsvermögens
4.1 Substanzen teilen Modi miteinander
4.2 Geist und Körper als eine Substanz
5 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht Descartes' Auffassung des Vorstellungsvermögens und zeigt auf, dass dessen hybride Stellung im Widerspruch zu seinem strengen Substanzdualismus steht, was letztlich die Annahme einer einheitlichen Substanz plausibler erscheinen lässt.
- Analyse des cartesischen Konzepts von Substanz, Attribut und Modus
- Untersuchung der Entwicklung des Vorstellungsvermögens innerhalb der Meditationen
- Aufzeigen der hybriden Stellung des Vorstellungsvermögens als Modus von Geist und Körper
- Kritik an der logischen Haltbarkeit des Substanzdualismus angesichts dieser Hybidität
- Argumentation für eine Zusammenführung von Geist und Körper zu einer Substanz
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Vorstellungsvermögen als Modus des Geistes
In der II. Meditation zeigt Descartes auf, das die Vorstellungskraft ganz deutlich zu ihm als denkendes Ding, also zum Geist, gehört. “Was aber bin ich demnach? Ein denkendes Ding. Was ist das? Nun – ein denkendes, einsehendes, behauptendes, bestreitendes, wollendes, nicht wollendes, und auch etwas sich vorstellendes und sinnlich wahrnehmendes Ding.” In seinen Meditationen stellt Descartes ebenso zum Ziel, herauszufinden, was wirklich zu ihm gehört und was sich von seinem Denken unterscheidet, d.h. wenn es wegfällt, dass es ihn in seinem Wesen nicht verändert. “Ich selbst bin aber auch derselbe, der vorstellt; denn obwohl vielleicht, wie ich vorausgesetzt habe, schlicht überhaupt kein vorgestelltes Ding wahr ist, existiert die Kraft, vorzustellen tatsächlich und macht einen Teil meines Denkens aus.” Zwar kann die Vorstellungskraft Trugbilder erstellen und ebenso würde er in der Suche nach der Erkenntnis, was er wirklich sei mithilfe der Vorstellungskraft lediglich konstruieren und nicht die Essenz seiner selbst erfassen, dennoch gehört die Vorstellungskraft zu seinem Geist an. Sie wird als Modus des Geistes definiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Problematik der hybriden Stellung des Vorstellungsvermögens bei Descartes ein und stellt die These auf, dass diese den Substanzdualismus des Autors gefährdet.
2 Descartes' Konzept von Substanz, Attribut und Modus: Dieses Kapitel erläutert die terminologischen Grundlagen von Substanz, Attribut und Modus bei Descartes und zeigt erste Unstimmigkeiten in seiner strikten Trennung auf.
3 Descartes' Entwicklung vom Vorstellungsvermögen in den Meditationen: Es wird dargelegt, wie Descartes das Vorstellungsvermögen zunächst als reinen Modus des Geistes betrachtet, dann vom Intellekt abgrenzt, um ihm schließlich einen hybriden Status zuzuschreiben.
4 Konsequenzen des hybriden Zustandes des Vorstellungsvermögens: Der Autor argumentiert, dass die hybride Natur des Vorstellungsvermögens Descartes' Substanzdualismus untergräbt und eine Verschränkung von Geist und Körper nahelegt.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass Descartes' Theorie von zwei gänzlich verschiedenen Substanzen aufgrund der Rolle des Vorstellungsvermögens logisch nicht haltbar ist.
Schlüsselwörter
Descartes, Substanzdualismus, Vorstellungsvermögen, Geist, Körper, Modus, Attribut, Meditationen, Intellekt, Hybride Stellung, Mentale Repräsentation, Sensorische Wahrnehmung, Philosophie, Ontologie, Kausale Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Descartes' Auffassung vom Vorstellungsvermögen und analysiert, inwieweit diese Auffassung mit seinem bekannten Substanzdualismus vereinbar ist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der cartesischen Metaphysik, der Definition von Substanz und Modus sowie der Problematik der Interaktion zwischen dem denkenden Geist und dem körperlichen Ausgedehnten.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, wie Descartes die hybride Stellung des Vorstellungsvermögens erklären kann, ohne dass dies die logische Konsistenz seines Substanzdualismus gefährdet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse der Meditationen unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur, um Descartes' Argumentationsstruktur kritisch zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Descartes' Definition von Substanz, die Entwicklung der Vorstellungskraft in den Meditationen und leitet daraus die Konsequenz ab, dass Geist und Körper als eine Substanz begriffen werden müssen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Substanzdualismus, Vorstellungsvermögen (als hybrider Modus), Geist (res cogitans), Körper (res extensa) und die Unzulänglichkeit der cartesischen Interaktionstheorie.
Warum hält der Autor Descartes' Substanzdualismus für nicht haltbar?
Der Autor argumentiert, dass das Vorstellungsvermögen sowohl mentale als auch körperliche Voraussetzungen benötigt, was Descartes' These einer strikten Trennung der Substanzen widerspricht.
Wie geht Descartes mit dem Problem der Interaktion um?
Laut der Arbeit weicht Descartes der Frage nach der kausalen Interaktion aus, indem er sie als gegeben voraussetzt, ohne eine konsistente Erklärung für die Verbindung von Geist und Materie in seinem dualistischen Rahmen zu liefern.
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- B.Ed. Barbara Lampert (Author), 2016, Descartes über die hybride Stellung des Vorstellungsvermögens und die daraus folgenden Konsequenzen für seinen Substanzdualismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501990