Marco Polos Beschreibung der Welt. Die Glaubwürdigkeit seines Augenzeugenberichts in Bezug auf die monströsen Völker des Erdrandes


Bachelorarbeit, 2014
39 Seiten, Note: 1,7
B.Ed. Barbara Lampert (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Marco Polo. Leben und Wer

3. Jean de Mandeville. Leben und Werk

4. Fremderfahrung im Mittelalte
4.1 Das Fremde im Mittelalter und die Bedeutung von
Reiseberichte
4.2 Das Topos- und Erfahrungswissen und die Bedeutung der auctorita

5. Monstra und monströse Völker
5.1 Die Ursprünge der monstra und ihre Situierung
in der Antik
5.2 Die Situierung der monstra im Mittelalter
5.2.1 Die Problematik der monstra mit der christlichen
Schöpfungslehre
5.2.2 Der Ordo-Gedanke

6. Untersuchungen zu Marco Polos Reisebericht
6.1 Marco Polos Intentio
6.2 Marco Polos monstr
6.2.1 Die Hundsköpfigen
6.2.2 Die Pygmäe
6.2.3 Das Einhorn
6.3 Auswertun

7. Fazi

Literaturverzeichni

Anhang

1. Einleitung

„Es wohnen gar wundersame Leute jenseits des fließenden Gewässers, […] die so groß wie Riesen sind, die ganz leicht über einen Elefanten springen, der doch ein großes Tier ist. Es gibt auch kleine Menschen, die nicht viel länger als eine Elle lang sind. Es gibt auch Frauen, die gebären einmal grauhaarige Nachkommen. Und wenn die Nachkommen lang leben, dann wird ihr Haar im Alter schwarz. (…) Andere Leute gibt es, die rohen Fisch essen und das salzige Meerwasser trinken. (…) Es gibt auch Leute, die haben die Fersen an den Füßen nach vorne gedreht. Hieronymus […] sagt von Leuten, die er cynocephalos nennt, dass sie Hundsköpfe haben, scharfe krumme Nägel an den Gliedmaßen haben und beharrt sind und nicht sprechen, sondern bellen wie die Hunde. (…) Es gibt Leute, die nur einen Fuß haben und sehr schnell laufen können. Und der Fuß ist so breit, dass er ihnen in der Sonne großen Schatten gibt, und sie ruhen unter ihrem Fuß wie unter einem Dach.“1

Die Beschreibungen solch phantastischer Wesen und ganzer monströser Völker spielen seit der Antike eine zentrale Rolle und nehmen seit jeher Einzug in Enzyklopädien, Historiographien, in Landkarten, Kosmographien und zahlreichen weiteren Wissenschaften ein. Diese Wunder, von denen der griechische Arzt Ktesias erstmals im 5. Jh. v. Chr. berichtete, wurden in Indien und Äthiopien verortet2 und bestimmten fast 2000 Jahre lang die westliche Vorstellung des Ostens.3 Die damaligen Gelehrten des Abendlandes hatten noch keine Vorstellung von der asiatischen Welt,4 sodass über realgeographische und -ethnographische Strukturen so gut wie nichts bekannt war. Um die weißen Flecken auf den mappae mundi, die so deutlich über die mangelnden Kenntnisse ferne Länder zeugten füllen zu können, bedienten sich die alten Kartographen der Wundererzählungen, 5 die durch ihre monströse Physis ein geeignetes Signum für die abnehmende Menschlichkeit symbolisierten, je ferner sich etwas von der Ordnung im Zentrum bewegte.6 Auffallend ist jedoch, dass selbst Reiseberichte, die sich zur Orientierung gerade nicht an den mappae mundi bedienten7, von diesen Wundervölkern ebenfalls immer zahlreicher berichteten.8 Es ließe sich annehmen, dass die Reisenden mit ihrem Augenzeugenwissen gerade die Nicht-Existenz dieser Völkerschaften belegen müssten. Marco Polo, der heute einer der bekanntesten Personen des Mittelalters ist und nach allgemeinem Verständnis der berühmteste Fernreisende seines Zeitalters war, berichtete nur allzu wenig über diese faktisch geglaubten monstra und unterscheidet sich somit von den anderen Reiseberichten des Mittelalters. So gestaltet sich sein Reisebericht besonders interessant in Hinblick auf die Aufnahme und Haltung der Rezipienten zu seiner Zeit. Viele seiner Kritiker haben ihm den Verdacht eines Lügners und Märchenerzählers zugeschrieben und es heißt, dass Marco Polo noch an seinem Sterbebett von seinen Freunden gebeten wurde, alles aus seinem Bericht zu streichen, das nicht tatsächlich der Wahrheit entspräche.9 Unter Berücksichtigung dieser Tatsache muss es geradezu seltsam erscheinen, dass ein erschwindelter Reisebericht eine weitaus größere, nahezu vorbehaltlose Anerkennung fand. Es handelt sich um den seit dem Ende des 14. Jh. n. Chr. hoch bewerteten Bericht des Jean de Mandeville. Er behauptet, er habe über 34 Jahre einen großen teil Asien, Afrikas und Europas bereist und sogar 15 Monate im Dienst des Großkahns von Cathay (Nordchina) gestanden.10 Im Gegenzug zu Polo berichtet dieser in seinen »Voyages« ausführlich über die Existenz monströser Völker11, wodurch ich annehme, dass sein Reisebericht deswegen paradoxerweise einen erhöhten Glaubwürdigkeitsstatus erhielt. Ist es also möglich, dass zwischen dem Wahrheitsgehalt, den die Rezipienten des Mittelalters einem Reisebericht zugesprochen haben und der Erwähnung von Wundervölkern in diesen ein Zusammenhang besteht? Die hier zu untersuchende Frage richtet sich speziell auf die monströsen Völker des Erdrandes, die sich durch abnormale pathographische und ethnographische Merkmale auszeichneten, wie der Deformierung von Körperteilen oder unbekannten Sitten und Gebräuchen. Darüber hinaus soll ebenso die Stellung von Fabelwesen, die ebenfalls eine jahrhundertelange Tradition in der europäischen Weltauffassung erfuhren, eine, wenn auch wesentlich geringere, Berücksichtigung finden. Die These, die hier vertreten werden soll, ist die, dass Marco Polos Reisebericht unter anderem aus dem Grund so wenig Glauben entgegengebracht wurde, da dieser die monströsen Völker des Erdrandes nahezu unerwähnt ließ. Die einzigen Wesen mit monströser Physis sind allein die Hundsköpfigen und das Pygmäenvolk. Er berichtet auch ausführlich über einige Fabelwesen, in dieser Arbeit soll jedoch auf nur ein Fabelwesen, das Einhorn, genauer eingegangen werden. Um nun der These eingehend nachzugehen, soll zunächst Marco Polos wie auch Jean de Mandevilles Leben und Werk kurz vorgestellt werden. Anschließend ist es notwendig, zunächst einmal zu untersuchen, was für die Glaubwürdigkeit von Augenzeugenberichten im Mittelalter ausschlaggebend war und welche Bedingungen erfüllt sein mussten, dass die Beschreibungen eines fernes Landes und den dort lebenden Menschen nicht in den Verdacht einer Lügengeschichte gerieten. Dabei soll auch darauf eingegangen werden, welche Rolle Reiseberichte im Mittelalter grundlegend einnahmen. Daraufhin werden die Ursprünge, sowie die Rolle der monströsen Völker in der Antike und im Mittelalter genauer betrachtet, sodass schließlich Untersuchungen innerhalb Marco Polos Bericht nachvollziehbar werden. Hierbei werden drei Versionen (Der Erstdruck in deutscher Übersetzung, erschienen 1477 in Nürnberg bei Fritz Creußner, die mitteldeutsche Bearbeitung des „Divisament dou monde“ nach der Admonter Handschrift Cod. 504, sowie der „Divisament dou monde“ in französischer Sprache) näher betrachtet, da bekannt ist, dass die unterschiedlichen Übersetzungen inhaltlich stark voneinander abweichen. Dabei wird zusätzlich der viel erfolgreiche Reisebericht des Jean de Mandeville in deutscher Übersetzung durch Otto von Diemeringen als Vergleichsquelle dienen, um die untersuchende These zu stützen.

2. Marco Polo. Leben und Werk.

In Zeiten, in denen sich Fernreisen als überaus beschwerlich und nahezu unmöglich gestalteten, begleitete der damals siebzehnjährige Marco seinen Vater Niccolò und seinen Onkel Maffeo von seiner Heimatstadt Venedig aus nach China an den Hof des mongolischen Großkhans Khubilai, in dessen Dienst er kurze Zeit später trat. Er bereiste daraufhin weite Teile Südostasiens und kehrte erst nach 25-jähriger Reise im Jahre 1295 zurück nach Venedig. 12 Kurz darauf, 1298, geriet Marco bei den kriegerischen Auseinandersetzungen, die sich zwischen den beiden verfeindeten Seemächten Genua und Venedig abspielten, in genuesische Gefangenschaft. Dort traf Marco Polo einen gewissen Rustichello da Pisa13, der wohl schon seit 1284 der Freiheitsberaubung unterlag.14 Marco Polo diktierte ihm seinen Bericht und in Zusammenarbeit entstand zwischen September 1298 und Juli 1299 15 «norte livre», das zunächst wahrscheinlich den Titel «Le Divisament dou monde» trug, später aber zumeist als «Livre des merveilles» oder in der toskanischen Fassung als «Il milione» bekannt wurde.16 Es erschien in ca. 150 Handschriften und erfuhr zahlreiche Druckausgaben.17 War jedoch, wie bereits geschrieben, dem Verdacht einer Lügengeschichte ausgesetzt.

3. Jean de Mandeville

Jean de Mandeville, angeblich ein englischer Ritter aus St. Albans, nennt sich der Verfasser eines mit »Voyages« titulierten Werkes, welches zwischen 1356 und 1372 vermutlich in Lüttich entstanden ist und ursprünglich in Französisch abgefasst wurde.18 Das Werk war um 1400 in allen bedeutenden westeuropäischen Volkssprachen verfügbar,19 wurde in 280 Handschriften aufgezeichnet und war damit eines der meistgelesenen Bücher des Mittelalters.20 Es heißt, dass Mandeville in verschiedenen abendländischen Universitäten Medizin studierte und dann Ägypten besuchte, um dort die Fortschritte der arabischen Heilkunde kennenzulernen, woraufhin er seine Reise in den Osten nach Asien fortsetzte.21 In anderen Quellen heißt es, dass der Grund seiner Reise darin bestand, dass er vermeintlich in einer Familienkrise verwickelt gewesen war, welche letztendlich in Mord endete. Aus Angst vor Blutrache floh er und durchzog Palästina, den Orient und Ostasien, bis an die Pforten des irdischen Paradieses im äußeren Osten. Der Grund seiner Reise ist jedoch nicht das ausschlaggebende, wichtig ist, dass er weit bis ins 19. Jahrhundert, als der am weitesten gereiste und kundigste Reisende des Mittelalters galt,22 denn durch die Ich-Erzählform erhält das Werk den Anstrich eines Augenzeugenberichts und wurde bis Ende des 19. Jahrhunderts als ein auf faktischen Tatsachen beruhender Reisebericht angesehen, an wessen Echtheit kein Zweifel angelegt wurde.23 Der enorme Erfolg gründet sich wahrscheinlich darin, dass das Werk den unterschiedlichen Bedürfnissen und Interessen der Rezipienten gerecht wurde24 und eine ausgezeichnete Kompilation aus Dichtung und Geographie darstellt, indem er die Kugelgestalt der Welt bezeugt, die er angeblich selbst vermessen habe 25 und damit auch die mögliche Umfahrbarkeit der Erde erwähnt, die Antipodentheorie vertritt und Jerusalem als den Mittelpunkt der Erde beschreibt.26 Dieses geographische Wissen verbindet er mit dichterischem Können mit zahlreichen bekannten Wundergeschichten zu einem geschickten Weltganzen, was seine Autorität wohl außerordentlich gesteigert hat. Dies zeigt sich auch darin, dass Kartographen noch weit in die Frühneuzeit Mandevilles »Voyages« als Quelle ihrer Zeichnungen nutzen.27 Die geographischen Erkenntnisse des Berichts von Marco Polo fanden hingegen viele Jahrhunderte lang keinen Einzug in die Kartographie, worin sich die Ablehnung der Glaubwürdigkeit gegenüber Polo kenntlich macht.28 Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde durch Albert Bovenschen und Georg F. Warner aufgedeckt, dass sowohl Mandevilles Reise aus einer Summe vorheriger Reiseberichte entstammt, als auch, dass das erzählende Subjekt rein fiktiver Natur sei.29 Jean de Mandeville reiste also nicht wirklich durch die Welt, sondern nur durch die Bücher, aus denen er seine Quellen schöpfte. Und viel mehr noch, Jean de Mandeville selbst reiste ohnehin nirgendwo hin, da dieser keine reale, historische Person war, sondern nur ein fiktives Subjekt, welches von seinem Autor erfunden wurde und auf eine wundersame Reise geschickt wurde. Die Forschung nimmt an, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit mit dem Arzt Jean de Bourgogne identisch war.30

4. Fremderfahrung im Mittelalter

Wie konnte es also sein, dass Mandevilles Reisebericht erfolgreicher war, in Hinblick darauf, dass nicht nur die Reise, sondern auch das erlebende Subjekt fiktiver Natur entstammt? Wie konnte Jean de Bourgogne also von etwas Fremden berichten, wovon er selbst nichts erfahren hat. Primär versuchten doch gerade Reiseberichte das Fremde und Unbekannte aus dem Osten auf der Ebene des Textes zu vermitteln. Besonders Asien galt als Land des Wunderbaren und des Reichtums, durch seine Ferne allerdings auch als das Land des Unbekannten und Furchtbaren.31 Im Folgenden soll dargelegt werden, wie die Menschen des Mittelalters die Fremde beurteilt haben und wodurch sie ihre Quellen über das Unbekannte schöpften.

4.1 Das Fremde im Mittelalter und die Bedeutung von Reiseberichten

Da nun im Mittelalter geographisch wenig über die Erde bekannt war, spielte der Begriff der Fremde eine entscheidende Rolle. Fremd war alles, das nicht zum eigenen gehörte und sich außerhalb der Eigensphäre einer Gruppe bewegte.32 Die Kriterien, nach denen nun die Grenze zwischen eigen und fremd gezogen wurde, waren die der Sprache, der Kultur, sowie die physische Erscheinung.33 Der entscheidene Punkt war jedoch, dass die Menschen im Mittelalter Jerusalem als geographisches Zentrum der Erde verstanden haben, wie die bekanntesten mappae mundi des Mittelalters die Ebstorfer Karte und die Hereford-Weltkarte belegen34 (siehe Abb.1 und Abb. 2.) und durch die von Gott geschaffene Ordnung besaß das Heilige Land das höchste Maß an Vollkommenheit. Je weiter etwas von der Mitte entfernt war, desto größer war auch die Fremde,35 da die Distanz zum Mittelpunkt eine geringere Teilhabe am Vollkommenen besitzen konnte. So resultierte aus geographischer Distanz kulturelle Fremdheit.36 Die Fremde zeichnet sich also grundsätzlich mehr durch Distanz aus, als durch Andersheit. Für die Beschreibung der Fremde war nun der Begriff der mirabilia von entscheidender Bedeutung. Als mirabilia werden Gegenstände, Tiere, Pflanzen und Verhaltensweisen bezeichnet, die sich dem unmittelbaren Nachvollzug durch den menschlichen Verstand entziehen, obwohl sie natürlicher Natur sind. Sie umfasst alles, was unerklärlich und merkwürdig erscheint, weil es nur beschrieben, aber nicht erklärt werden kann. Um die Unerklärlichkeit zu begründen, wurden die mirabilia in die Vorstellung von der Undurchdringlichkeit des göttlichen Schöpfungsplans integriert und bezeugten gleichzeitig diesen.37 „Die Nichtverstehbarkeit der Fremde blieb somit aufgehoben in der Unergründlichkeit des göttlichen Schöpfungswillens und der sich in der Schöpfung zugleich verbergenden und offenbarenden göttlichen Allmacht.“38 Marina Münkler bemerkt in diesem Zusammenhang sehr richtig, dass „[w]ohl kein Begriff [...] deutlicher als dieser [belegt], daß das Fremde nicht im Sinne einer bestimmten Entgegensetzung gedacht wurde, sondern als der Raum des Unvertrauten, das gerade nicht festlegbar war.“39 Die Mirabila zeigt letztlich, das dass Fremde nicht der Gegensatz zum Eigenen war, sondern der Raum des Unvertrauten. Nun waren es die Reisebericht, die einzig den Raum der Fremde errichten konnten. Sie konnten den Raum des Unvertrauten zwar nicht überwinden, da aufgrund der Kopplung mit dem Begriff der mirabila es den Menschen ohnehin unmöglich war, die Fremde zu verstehen, Reiseberichten konnten jedoch die Fremde, also das Wunderbare beschreiben. Dadurch war es ihnen möglich Alterität zu vermitteln und denen, die keine Reise aus den unterschiedlichsten Gründen unternehmen konnten eine Teilhabe an dem Wissen geben. Der Reisebericht stand jedoch vor einem Dilemma. Das Paradoxon der Fremdbeschreibung wird deutlich, indem also erwartet wird, dass das Fremde beschrieben werden sollte, gerade weil es fremd war. Da es aber fremd war, musste es gleichzeitig in bekannte Muster gesetzt werden, d.h. es musste ein Rekurs geschafft werden, was den potentiellen Lesern des Berichts vertraut war. 40 Die Beschreibung der Fremde ist somit immer ein In-Beziehungssetzen innerhalb bekannter Schemata der eigenen Kultur. Um etwas als fremd zu qualifizieren, bedarf es also eines Vergleichspunktes. Daher unterlag jede Beschreibung der Fremde zwangsläufig subjektiven oder intersubjektiven Beschreibungen. Es war notwendig, einen Rekurs auf das zu schaffen, was den Lesern vertraut war und dies äußert sich in der Übermacht des Toposwissens.

4.2 Das Topos- und Erfahrungswissen und die Bedeutung der auctoritas

Wie Ansgar Nünning bemerkt, gründen sich „Autorität und Wahrheitsanspruch […] in der eigenen Beobachtung und Erfahrung des Reisenden, d.h. im Selbsterlebten.“41 Das bedeutet, dass sich die Authentizität eines Reiseberichts sowie seines Autors prinzipiell in seiner eigenen Augenzeugenschaft zeigt. Dieses als Erfahrungswissen erworbene Wissen innerhalb einer Reise, gilt demnach als sicheres und faktisches Wissen, da es mit der Augenzeugenschaft belegt werden kann. Diese für heutige Sicht eindeutige Stellung gegenüber den Wahrheitswert einer Reisebeschreibung stellte sich im Mittelalter als durchaus problematischer dar. Der zu dieser Zeit dominante Mechanismus, der die Einteilung in res factae und res fictae regulierte, war das Toposwissen. So wurde im Mittelalter zwischen zwei Wissensformen unterschieden, die an zwei unterschiedliche Trägerschichten zurückgebunden waren. Einerseits über den in der antiken und biblischen Tradition begründeten und über Jahrhunderte autorisierten Wissensbestand, dem Toposwissen, andererseits über das durch Augenzeugenschaft legitimierte empirische Wissen. Das traditionelle Wissen war jedoch aufgrund seiner durch viele Autoritäten, sowie durch die Bibel legitimierten Thematik auf einer Ebene höheren Wissens angesiedelt.42 So bemerkt auch Werner Wunderlich, dass nüchterne Wirklichkeitsbeobachtungen im Mittelalter wenig Anklang fanden und der Unglaubwürdigkeit ausgeliefert waren. „Das Buch war im Mittelalter das Medium, durch das die Wirklichkeit und die Natur wahrgenommen und gewertet werden. Die empirische Umwelt war kaum der Maßstab für die Darstellung der Welt in Büchern. Eher wurde umgekehrt die Welt nach den Büchern wahrgenommen und beurteilt. Deshalb galt überliefertes Naturverständnis als vielleicht noch wichtiger und zuverlässiger als die unmittelbare Wirklichkeitsbeobachtung des einzelnen.“43 Die mangelnde Glaubhaftigkeit gründet sich darüber hinaus darin, dass Berichte, die auf Erfahrungswissen basieren, die Aufnahmefähigkeit des Publikums überforderten, da sie etwas neuartiges präsentierten. „Die Kommunikation zwischen Autor und Leser war gestört, wenn der Autor nicht die vertrauten Elemente lieferte.“44 Die Übermacht des Toposwissen zog daraus schließend mit sich, dass das Erfahrungswissen notwendigerweise auf Ablehnung stoßen musste. Reiseberichte mit einem Anspruch auf Empirie befanden sich also in einer prekären Lage. Einerseits äußerte sich ihr Wert darin, dass sie mitteilten, was sonst noch nicht erfahren worden ist, anderseits wurden sie durch die Unüberprüfbarkeit der Behauptungen dem Verdacht der Lüge ausgesetzt. 45 Die einzige Möglichkeit die Glaubwürdigkeit eines Berichts zu erhöhen, die Reisende mit einem Anspruch auf Empirie hatten, bestand darin, ihre eigenen Erfahrungen mit dem tradierten Wissen anzureichern, um den durch dieses Weltbild geprägten Erwartungen der Rezipienten zu entsprechen. 46 Zudem gab es zu damaligen Zeiten weder verbindliche Annahmen über die fremde Welt, noch eine Wissenschaft der Fremde, sodass die Wahrheit der überlieferten Aussagen nur durch die Wahrhaftigkeit der Augenzeugen selbst gesichert werden konnte.47 Da im Mittelalter eine enorme Hochachtung der auctoritas herrschte, das bedeutet, dass die antiken Autoren als renommierte Größen galten und ihr Wissen faktisch war, konnten sich jüngere Schreiber nur mühevoll neben den namenhaften Autoritäten etablieren.48 Überraschenderweise beruft sich jedoch keiner der Berichte auf einen durch eine auctoritas bezeugten Reisebericht. Jeder Reisebericht versichert nur das beschrieben zu haben, was mit eigenen Augen gesehen wurde und erwähnt nicht, dass seine Erlebnisse in Übereinstimmung mit der Tradition stehen, die die Glaubwürdigkeit begründen und bekräftigen würden.49 Viel eher wird vehement versucht, die eigene Exklusivität heraustragen und sich gegenüber den anderen Berichten als wissensreicher darstellen. „[...] [Seit Adam unseren ersten Vater war bis dahin] kein Mann geboren worden, der in dieser Welt mehr gesehen und gesucht hat, als der edle Ritter Marco Polo.“50 Allein Jean de Mandeville nimmt die auctoritas in Anspruch und „reist“ bei seiner Rückkehr über Rom, um sich die Echtheit seines Berichts durch den Papst, der höchsten christlichen Autorität, bezeugen zu lassen.51 Die Glaubwürdigkeit von Augenzeugen im Mittelalter lässt sich also allein an der Übereinstimmung mit den durch die auctoritas gestützten, tradierten Wissen und der Übereinstimmung mit dem christlichen Weltbild festmachen.52 Alles was sich gegen das Toposwissen lehnte, löste ein Unbehagen bei den Lesern aus. Denn der ohnehin unbekannte und entfernte Raum wurde auf eine neue Weise beschrieben, sodass sich zwangsläufig auch die Vorstellung von dem fremden Raum ändern musste und dies stellte die Menschen im Okzident vor eine Herausforderung, wofür sie keine geeignete Lösung bereit hatten.

[...]


1 Von Megenburg, Konrad: Das ´Buch der Natur´. Bd. 2: Kritischer Text nach den Handschriften. Hrsg. Robert Luff/Georg Steer, Tübingen 2003, S.525, zitiert nach Münkler, Marina: Die Wörter und die Fremden. Die monströsen Völker und ihre Lesarten im Mittelalter, in: Borgolte, Michael/Schneidmüller, Bernd (Hrsg.), Hybride Kulturen im mittelalterlichen Europa. Vorträge und Workshops einer internationalen Frühlingsschule (Europa im Mittelalter 16). Berlin 2010, S. 40f.

2 Vgl. Münkler, Marina/Röcke, Werner: Der ordo-Gedanke und die Hermeneutik der Fremde im Mittelalter: Die Auseinandersetzung mit den monströsen Völkern des Erdrandes, in: Münkler, Herfried (Hrsg.): Die Herausforderung durch das Fremde, Berlin 1998, S.703f.

3 Die „hohe Überlebensfähigkeit“, wie Wittkower betont, zeigt sich insbesondere darin, dass selbst durch geographische Entdeckungen und ausgeweitete Kenntnisse über den Orient die Vorstellung dieser monstra noch bis in 17. und 18. Jahrhundert bestand. Denn kaum war allgemein anerkannt, dass die beschriebenen monstra nicht in Asien aufzufinden sein, so wurden sie mitsamt aller Mythen und Sagen nach Südafrika verbannt und fanden dort ein Exil. Vgl. Wittkower, Rudolf: Die Wunder des Ostens: Ein Beitrag zur Geschichte der Ungeheuer. In: Wittkower, Rudolf: Allegorie und Wandel der Symbole in Antike und Renaissance. Köln 1983, S.88 und S.149.

4 Vgl. Steidl, Nicole: Marco Polos „Heydnische Chronik“: Die mitteldeutsche Bearbeitung des „Divisament dou monde“ nach der Admonter Handschrift Cod. 504 (Berichte aus der Literaturwissenschaft). Aachen 2010, S.63.

5 Vgl. ebd., S.108.

6 Vgl. Münkler, Marina: Erfahrung des Fremden. Die Beschreibung Ostasiens in den Augenzeugenberichten des 13. und 14. Jahrhunderts. Berlin 2000, S.214. Siehe hierzu auch Kapitel 5.2.2 in dieser Arbeit.

7 Mittelalterliche Weltkarten vermittelten eher ein heilsgeschichtliches oder ideologisch geprägtes, bedeutungsorientiertes Weltbild, als der Orientierung im Raum zu dienen, sodass Reisende eher auf andere kartographische Hilfsmittel zurückgreifen mussten. Vgl. Baumgärtner, Ingrid: Reiseberichte und Karten: Wechselseitige Einflüsse im späten Mittelalter?, in: Ecker, Gisela/Röhl, Susanne (Hrsg.): In Spuren reisen. Vor-Bilder und Vor-Schriften in der Reiseliteratur, Symposium des Graduiertenkollegs in Paderborn vom 1. bis 2. Juli 2004 (Reiseliteratur und Kulturanthropologie 6). Münster 2006, S.91.

8 Vgl. Münkler 2000, S.179.

9 Vgl. Wittkower, Rudolf: Marco Polo und die Bildtradition der „Wunder des Ostens“, i n: Wittkower, Rudolf (Hrsg.): Allegorie und Wandel der Symbole in Antike und Renaissance. Köln 1983, S.152. In den Auszügen Jacopo d´Acquis über Marco Polo stellt dieser ebenfalls die Sterbebettszene voran. Er verwendet sie jedoch als Befürwortung für Polos wahre Augenzeugenschaft. Aus dem Grund, da Polo noch selbst kurz vor seinem Tod standhaft behauptet habe, nur die Wahrheit gesagt zu haben. Vgl. Münkler, Marina: Marco Polo. Leben und Legende. München 1998, S.97f.

10 Vgl. Hart, Henry H.: Venezianische Abenteuer. Zeit, Leben und Bericht des Marco Polo. Bremen 1959, S. XXIIIf.

11 „Es gibt auch viele andere Inseln, auf denen noch seltsamere Leute sind […] Leute, die große Riesen sind und auch etliche Leute, die nicht mehr als ein großes ungestaltetes Auge mitten auf der Stirn haben. Sie essen nichts anderes außer rohen Fisch und rohes Fleisch. [...] An einem anderen Ende in dem Land […] findet man Leute die kein Haupt haben und stattdessen die Augen an den Achseln und auf der Brust. Sie haben einen Mund der wie ein Hufeisen geformt ist. Auch findet man Leute ohne Haupt, die haben die Augen und den Mund hinten auf den Schulter. Ebenso andere Leute, die weder Nasen noch Lippen haben und ihr Gesicht ist so glatt wie ein Teller und da wo die Augen wären, haben sie kleine Löcher und statt des Mundes haben sie einen Spalt […] und lachen gar hässlich. Man findet auch Leute in dem Land, denen ist der Unterkiefer an dem Mund so lang, dass sie alle ihren Leib damit bedecken können, wenn sie schlafen. […] Ebenso findet man dort auch kleinere Leute als Zwerge und sie haben keinen Mund. Anstelle dessen haben sie ein kleines Löchlein und darin stoßen sie ein Röhrchen, wodurch sie ihre Speisen saugen. Und anders müssen sie nicht essen. Und reden nicht. Aber sie geben sich Zeichen, sodass sie einander sehr wohl verstehen. Man findet auch Leute, die keinen Fuß haben. Und laufen mit dem Stumpen schneller als ein Pferd […]. Auch findet man da Leute, die überall beharrt sind, wie die wilden Katzen. Ganz auf den Händen und auf den Füßen […] und klettern auf Bäume und auf Mauern. […].“ Diemeringen, Otto von: Reise ins Heilige Land. Basel 1481 [?]. http://www.e- rara.ch/bau_1/content/titleinfo/1394219, p.133-137.

12 Vgl. Münkler 1998, S.7.

13 Rustichello da Pisa war ein bekannter Kompilator von Artusromanen. Vgl. Münkler, Marina: Polo, Marco, in: Brunner, Horst (Hrsg.): Gestalten des Mittelalters. Ein Lexikon historischer und literarischer Personen in Dichtung, Musik und Kunst. Stuttgart 2007, S. 286-291.

14 Vgl. Steinicke, Marion Michaela: Apokalyptische Heerscharen und Gottesknechte. Wundervölkerdes Ostens vom Untergang der Antike bis zur Entdeckung Amerikas. http://www.diss.fu- berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000001863, 2005, S.142.

15 Vgl. Hart 1959, S. VII.

16 Vgl. Steinicke 2005, S.142f.

17 Vgl. Münkler 2007, Polo, Marco, S.286-291.

18 Vgl. Brincken, Anna-Dorothee von den: Fines Terrae. Die Erde und der vierte Kontinent auf mittelalterlichen Weltkarten, Hannover 1992, S. 123f.

19 Vgl. Sollbach, Gerhard E. (Hrsg.): Das Reisebuch des Ritters John Mandeville. Ins Neuhochdeutsche übertragen und eingeleitet. Frankfurt am Main 1989, S.22f.

20 Vgl. Münkler, Marina: Mandeville, Sir John, in: Brunner, Horst/Herweg, Mathias (Hrsg.): Gestalten des Mittelalters. Ein Lexikon historischer und literarischer Personen in Dichtung, Musik und Kunst. Stuttgart 2007, S.285f.

21 Vgl. Hart 1959, S.XXIV.

22 Vgl. Münkler 2007, Mandeville, Sir John, S.285f.

23 Vgl. Brincken 1992, S.123f.

24 Vgl. Sollbach 1989, S.25.

25 Vgl. Münkler 2000, S.185.

26 Vgl. Ridder, Klaus: Übersetzung und Fremderfahrung. Jean de Mandevilles literarische Inszenierung eines Weltbildes und die Lesarten seiner Übersetzer, in: Heinzle, Joachim/Johnson, L. Peter/Vollmann-Profe, Gisela (Hrsg.), Wolfram-Studien 14. Übersetzen im Mittelalter, Cambridger Kolloquium 1994. Berlin 1996, S.231-264.

27 Vgl. Sollbach 1989, S.40. Nach Neukirch orientierten sich Kartographen ohnehin eher an Berichte, die Geographie und Dichtung verbanden, so wie es im Fall des Reiseberichts von Jean de Mandeville ist. „Was neu berichtet wurde, schien in ganzem Umfang noch keineswegs gesichert, die Autoren nicht unbestritten. Auf einer Karte sieht alles viel exakter aus, weiße Flecken fallen sehr ins Gewicht. Das Geschriebene sieht viel unverbindlicher aus, weil weiße Flecken nicht sichtbar sind. […] [Fürs erste] waren die Fortschritte im geographischen Weltbild eher an solchen Texten abzulesen, in denen sich Geographie und Dichtung verbanden.“ Neukirch, Dieter: Das Bild der Welt auf Karten des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, in: von Ertzdorff, Xenia/Neukirsch, Dieter (Hrsg.): Reisen und Reiseliteratur im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Amsterdam 1992, S.198.

28 Ein wichtiges Auswahlkriterium, damit Berichtendes in die Kartographie aufgenommen wurde, war die Überzeugungskraft des Verfassers, also seine auctoritas, die Marco Polo nicht zugesprochen wurde. Vgl. Baumgärtner 2006, S.116.

29 Vgl. Ridder, Klaus: Jean de Mandeville >Reisen<: Studien zur Überlieferungsgeschichte der deutschen Übersetzung des Otto von Diemeringen (Münchener Texte und Untersuchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters; Bd. 99). München/Zürich 1991, S.15. Nur für Mandevilles Darlegungen über Ägypten und die Verhältnisse am Hof des Sultans konnte Bovenschen keine Quellen finden. Daraus folgerte er, dass dieser Abschnitt tatsächlich auf Mandevilles Erfahrung zurückgeht. Vgl. Münkler 2000, S.223.

30 Vgl. Ridder 1996, S.259.

31 Vgl. Steidl 2010, S.40.

32 Vgl. Münkler/Röcke 1998, S.710.

33 Vgl. ebd., S.704.

34 Vgl. Baumgärtner 2006, S.97ff.

35 Vgl. Münkler/Röcke 1998, S.702.

36 Vgl. ebd., S.711.

37 Vgl. Münkler 2000, S.150f.

38 Vgl. Vgl. Münkler/Röcke 1998, S.730.

39 Vgl. Münkler 2000, S.152.

40 Vgl. ebd., S.154ff.

41 Nünning, Ansgar: Zur mehrfachen Präfiguration/Prämediation der Wirklichkeitsdarstellung im Reisebericht: Grundzüge einer narratologischen Theorie, Typologie und Poetik der Reiseliteratur, in: Gymich, Marion/ Nünning, Ansgar (Hrsg.): Zielpunkte: Unterwegs in Zeit, Raum und Selbst. Tübingen 2008, S.12.

42 Vgl. Steidl 2010, S.107.

43 Vgl. Wunderlich, Werner: Dämonen, Monster, Fabelwesen. Eine kleine Einführung in Mythen und Typen phantastischer Geschöpfe, in: Müller, Ulrich (Hrsg.): Dämonen, Monster, Fabelwesen. St. Gallen 1999, S.17.

44 Knefelkamp, Ulrich: Der Reiz des Fremden, S.297, zitiert nach: Münkler 2000, S.230.

45 Vgl. ebd., S.261.

46 Vgl. ebd., S.230.

47 Vgl. ebd., S.261.

48 Vgl. Steidl 2010, S.43.

49 Vgl. Münkler 2000, S.249.

50 Inkanubel: Hie hebt sich an das puch des edeln Ritters vnd landtfarers Marcho Polo, in dem er schreibt die grossen wunderlichen ding dieser welt, Übers. aus dem Ital., Norimberg, 1477. phttp://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00004552/image_1, p.7.

51 Vgl. Münkler 2000, S.257.

52 Vgl. ebd., S.262.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Marco Polos Beschreibung der Welt. Die Glaubwürdigkeit seines Augenzeugenberichts in Bezug auf die monströsen Völker des Erdrandes
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
39
Katalognummer
V501992
ISBN (eBook)
9783346029911
ISBN (Buch)
9783346029928
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Marco, Polo, Monströs, Völker, Erdrand, Reise, Reiseliteratur, Glaubwürdigkeit, Antike, Mittelalter, ordo, Mandeville, Monstra
Arbeit zitieren
B.Ed. Barbara Lampert (Autor), 2014, Marco Polos Beschreibung der Welt. Die Glaubwürdigkeit seines Augenzeugenberichts in Bezug auf die monströsen Völker des Erdrandes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501992

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