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Der US-amerikanische Drohnenkrieg. Lässt sich der tödliche Einsatz US-amerikanischer Drohnen aus moralphilosophischer Sicht rechtfertigen?

Title: Der US-amerikanische Drohnenkrieg. Lässt sich der tödliche Einsatz US-amerikanischer Drohnen aus moralphilosophischer Sicht rechtfertigen?

Bachelor Thesis , 2018 , 62 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Winfried Braun (Author)

Sociology - War and Peace, Military
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Es existiert eine breite wissenschaftliche Debatte über die Legalität des amerikanischen Drohneneinsatzes nach Internationalem Recht beziehungsweise Internationalem Kriegsrecht. Diese Arbeit beschäftigt sich daher mit der Frage nach der Moralität dieses "Drohnenkrieges". Die zentrale Fragestellung soll dabei lauten: Lässt sich der tödliche Einsatz US-amerikanischer Drohnen aus moralphilosophischer Perspektive rechtfertigen? Die Möglichkeit des Einsatzes von UAVs (unmanned aerial vehicle), oder im allgemeinen Sprachgebrauch "Drohnen", stellt in den Augen vieler Militärexperten eine historische Zäsur in der geschichtlichen Entwicklung des Krieges dar, welche mit der Möglichkeit des Einsatzes von Nuklearwaffen vergleichbar ist.

Eine derartige Neuerung bringt jedoch verständlicherweise auch neue Problemfelder mit sich, welche im Falle von Drohnen unter anderem im Bereich der ethischen Handhabung dieser Waffentechnik und der moralischen Verantwortlichkeit gegenüber den betroffenen Menschen liegen. Da das amerikanische Anti-Terror-Drohnenprogramm seit vergangenem Jahr eine erneute, massive Ausweitung erfährt, wir auch hierzulande durch die Medien eine große Terrorgefahr vermittelt bekommen, und sich auch der deutsche Gesetzgeber seit geraumer Zeit mit dem Einsatz unbemannter Systeme auseinandersetzt, weist dieses Thema sowohl eine große Aktualität als auch eine enorme Brisanz auf.

Da der Moralphilosophie, welche häufig auch lediglich als "Ethik" bezeichnet wird, unterschiedliche Strömungen zueigen sind, welche sich teilweise konträr gegenüberstehen und daher, eine bestimmte Sachlage betreffend, zu unterschiedlichsten Ergebnissen kommen, wird sich diese Arbeit auf eine dieser Strömungen konzentrieren. Aus der Entscheidungsnot heraus erscheint es sinnvoll, "Eine Theorie der Gerechtigkeit" von John Rawls in den Fokus zu rücken. Nicht nur hat die im Jahre 1971 veröffentlichte Gerechtigkeitstheorie von Rawls eine unvergleichliche Renaissance der totgeglaubten politischen Philosophie verursacht; auch versteht sie sich als Gegenspieler des Utilitarismus, welcher bis zu jener Zeit die Moral- beziehungsweise politische Philosophie des anglo-amerikanischen Sprachraums dominierte. Darüber hinaus hat sich Rawls bereits selbst bemüht, seine Gerechtigkeitsvorstellung auf internationale Ebene zu transferieren, um somit zwischenstaatlichen Beziehungen zur Gerechtigkeit zu verhelfen und einen Beitrag zur zwischenstaatlichen Friedenssicherung zu leisten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Prolog

2. Einleitung

3. Technische Details zu Drohnen

4. Anti-Terror-Krieg

5. Drohnenkrieg

5.1 Argumente für und wider den Drohnenkrieg; Bedenken und Kritik

6. John Rawls’ Eine Theorie der Gerechtigkeit

6.1 Der rawlssche Gerechtigkeitsbegriff

6.2 Der Urzustand - Gerechtigkeit als Fairness

7. Moral-philosophische Bewertung & Rawls’ Gerechtigkeitstheorie als Analogie - Lassen sich Drohnenopfer rechtfertigen?

7.1 Der Vorrang der Freiheit

7.2 Die Gleichheit der Menschen

7.3 Urzustand und Gesetzlichkeit auf internationaler Ebene

7.4 Die utilitaristische Perspektive

8. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Bachelorarbeit untersucht die moral-philosophische Rechtfertigbarkeit des US-amerikanischen Drohnenkrieges im Kontext des globalen Krieges gegen den Terrorismus, wobei insbesondere die Gerechtigkeitstheorie von John Rawls als zentraler Analyserahmen herangezogen wird.

  • Die Entwicklung und Praxis des globalen Drohnenkrieges der USA.
  • Kritische Debatte über Legalität, Effektivität und ethische Implikationen der Drohnennutzung.
  • Die Gerechtigkeitstheorie von John Rawls als moral-philosophischer Bewertungsmaßstab.
  • Vergleichende Betrachtung des utilitaristischen Standpunktes zur Drohnenkriegsführung.
  • Auswirkungen des Drohneneinsatzes auf Zivilbevölkerung und internationales Recht.

Auszug aus dem Buch

5.1 Argumente für und wider den Drohnenkrieg; Bedenken und Kritik

Umfragen in den USA haben wiederholt festgestellt, dass die überwältigende Mehrheit der Amerikaner den Drohnenkrieg ihrer Regierung unterstützt (vgl. Pew Research Center, 2012). Nichtsdestotrotz sind die Stimmen derer, die den militärischen Einsatz von Drohnen kritisieren und anprangern, besonders laut und vehement. Es sollen in diesem Kapitel daher die Argumentationslinien der Befürworter und der Gegner des Drohnenkrieges einander gegenübergestellt werden.

Die Vorteile und Argumente für einen militärischen Einsatz von Drohnen sind verschiedenster Natur.

So wird zunächst von Befürwortern hervorgehoben, dass aus militärischer Sicht Drohnen ein höchst effektives, präzises, reaktionsschnelles und dadurch leistungsfähiges Mittel der Kriegsführung darstellen: “Bewaffnete Drohnen, die die Fähigkeit zu Präzisionsschlägen mit genauster Aufklärung vereinen, ermöglichen eine erhebliche Kräftemultiplikation und steigern die Effektivität der eingesetzten Mittel in erheblichem Maß” (Schörnig 2012, S. 42). Diese Steigerung der Effektivität und Leistung ergibt sich unter anderem daraus, dass ein UAV sehr viel länger und darüberhinaus unauffälliger in der Luft sein kann als ein herkömmliches Kriegsflugzeug. Dadurch ist eine durchgängige Beobachtung und Überwachung eines bestimmten Gebietes möglich (vgl. Schwing 2007, S. 12).

Der humanistische Aspekt dieses Arguments konstatiert darüberhinaus, dass genau aufgrund dieser hohen Präzision in Aufklärung und Kampfführung die Anzahl ziviler Opfer auf der Gegenseite minimiert werden könne. Es gebe Anzeichen, “[...] dass das Ausmaß der Kollateralschäden in dem Maße zurückgegangen ist, wie an die Stelle von Jagdbombern, die mit den alten Eisenbomben angegriffen haben, Kampfdrohnen getreten sind, die überaus zielgenaue Raketen verschießen” (Münkler 2013, S. 11). Auch ergibt sich aus der technischen Leistungsfähigkeit moderner UAVs ein strategischer Vorteil, in dem Sinne, das ein Ziel mehr oder weniger im selben Moment, in dem es lokalisiert wird, auch unter Beschuss genommen werden kann, sich die sogenannte 'sensor-to-shooter-gap' also auf ein kleinstmögliches Minimum verringert (vgl. Schörnig 2012, S. 40).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Prolog: Eine fiktive Fallstudie veranschaulicht den Ablauf und die tödlichen Konsequenzen eines Drohnenangriffs.

2. Einleitung: Einführung in die Thematik des globalen Krieges gegen den Terrorismus und die zentrale Fragestellung nach der moralischen Rechtfertigung von Drohneneinsätzen.

3. Technische Details zu Drohnen: Definition und Kategorisierung militärischer unbemannter Flugsysteme (UAVs) sowie deren technologische Einsatzmöglichkeiten.

4. Anti-Terror-Krieg: Historischer Überblick über den globalen Krieg gegen den Terrorismus seit dem 11. September 2001 und die strategische Neuausrichtung der USA.

5. Drohnenkrieg: Analyse der Drohnennutzung als eigenständige Methode der Kriegsführung und die Debatte um ihre Vor- und Nachteile.

6. John Rawls’ Eine Theorie der Gerechtigkeit: Darlegung der rawlsschen Gerechtigkeitstheorie, insbesondere der Konzepte Gerechtigkeit als Fairness und Urzustand.

7. Moral-philosophische Bewertung & Rawls’ Gerechtigkeitstheorie als Analogie - Lassen sich Drohnenopfer rechtfertigen?: Systematische Anwendung der Gerechtigkeitstheorie auf den Drohnenkrieg unter Einbeziehung des Völkerrechts und des Utilitarismus.

8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf die weitere Entwicklung der Drohnentechnologie.

Schlüsselwörter

Drohnenkrieg, John Rawls, Gerechtigkeit als Fairness, Krieg gegen den Terrorismus, Moralphilosophie, UAV, Kollateralschaden, Völkerrecht, Utilitarismus, Signature Strikes, Zielgerichtete Tötung, Menschenrechte, Sicherheitspolitik, Autonome Waffensysteme, Ethik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die moralische Legitimität des tödlichen Einsatzes US-amerikanischer Drohnen im Rahmen des globalen Krieges gegen den Terrorismus.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die technologischen Aspekte von Drohnen, die Strategie der Anti-Terror-Kriegsführung der USA, ethische Bedenken und die theoretische Fundierung durch John Rawls’ Gerechtigkeitstheorie.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die zentrale Fragestellung lautet, ob sich der tödliche Einsatz US-amerikanischer Drohnen aus einer moral-philosophischen Perspektive rechtfertigen lässt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt die Gerechtigkeitstheorie von John Rawls als normativen Bewertungsrahmen und Analogie, um die Praxis der Drohnenkriegsführung zu beurteilen, ergänzt durch einen utilitaristischen Vergleich.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Praxis des Drohnenkrieges, stellt Pro- und Contra-Argumente gegenüber, erläutert die rawlssche Gerechtigkeitstheorie und wendet diese kritisch auf die amerikanische Militärpraxis an.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Drohnenkrieg, Gerechtigkeit als Fairness, Utilitarismus, Kollateralschaden und Menschenrechte.

Wie unterscheidet der Autor zwischen 'Personality Strikes' und 'Signature Strikes'?

Während bei einem 'Personality Strike' ein namentlich bekanntes Individuum gezielt attackiert wird, erfolgt ein 'Signature Strike' basierend auf Verhaltensmustern oder Metadaten, ohne dass die Identität des Ziels namentlich bekannt sein muss.

Welche Rolle spielt die 'Maximin-Regel' von Rawls in der Argumentation des Autors?

Die Maximin-Regel dient dazu, im 'Urzustand' Entscheidungen so zu treffen, dass das schlechtestmögliche Ergebnis für das Individuum minimiert wird, was laut Autor gegen die Praxis der Drohnenangriffe spricht.

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Details

Title
Der US-amerikanische Drohnenkrieg. Lässt sich der tödliche Einsatz US-amerikanischer Drohnen aus moralphilosophischer Sicht rechtfertigen?
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Sozialwissenschaften)
Grade
2,0
Author
Winfried Braun (Author)
Publication Year
2018
Pages
62
Catalog Number
V502104
ISBN (eBook)
9783346043061
ISBN (Book)
9783346043078
Language
German
Tags
Drohnenkrieg Anti-Terror-Krieg USA Drohnen Rawls Moralphilosophie Theorie der Gerechtigkeit Utilitarismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Winfried Braun (Author), 2018, Der US-amerikanische Drohnenkrieg. Lässt sich der tödliche Einsatz US-amerikanischer Drohnen aus moralphilosophischer Sicht rechtfertigen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502104
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