Diese Arbeit untersucht das Thema "Post-Privacy".
Datenschutz und Privatsphäre scheint für einige nicht mehr gewährleistbar zu sein. Diejenigen, die der Privatsphäre abgeschworen haben, versammeln sich unter dem Begriff „Post-Privacy“. Es bezeichnet die Epoche nach der Privatsphäre. Vor allem Michael Seemann, welcher ein umfassendes Buch diesem Thema gewidmet hat, spricht für Post-Privacy. Anhand einiger Argumente Seemanns wird in dieser Arbeit herausgearbeitet, wie stichhaltig seine Argumente sind. Es stellt sich heraus, dass
Seemann mit seinen Ausführungen in den meisten Fällen recht behält, sie jedoch in einigen Fällen sehr dramatisch ausformuliert.
Technisch nicht affinen Lesern vermittelt er diese Argumente sehr glaubhaft, hat man sich allerdings mit der Materie befasst finden sich zu fast allen aufgeführten Argumenten Möglichkeiten diese durch einige Maßnahmen zu entkräftigen. Seine Grundaussage, dass wir uns in einer Welt befinden in der Überwachung keine Seltenheit mehr ist und sie in Zukunft noch viel leichter umzusetzen sein wird, fasst jedoch völlig Fuß. Letztendlich wird die These dieser Arbeit bestätigt: „Post-Privacy bedeutet nicht seine Privatsphäre
komplett aufgeben zu müssen, sondern erfordert ein Umdenken der Menschen im Umgang mit ihren Daten in einer immer digitalisierteren Welt“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Anmerkungen zu Begriffen
2.1 Wissen
2.2 Privatsphäre
2.3 Publiksphäre
2.4 Informationen teilen
3. Post-Privacy
3.1 Bedeutung für Privatpersonen
3.2 Bedeutung für Institutionen
3.3 Bedeutung für die Gesellschaft
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die Relevanz der "Post-Privacy"-Bewegung im digitalen Zeitalter. Ziel ist es, die Thesen von Michael Seemann kritisch auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen und zu erörtern, inwieweit ein Verlust der Privatsphäre unvermeidbar ist oder ein bewussterer Umgang mit Daten als Lösung dienen kann.
- Analyse des Begriffs "Post-Privacy" und des Kontrollverlusts über persönliche Daten.
- Untersuchung der Auswirkungen von Überwachung auf Individuen und Institutionen.
- Kontrastierung von Privatsphäre und Publiksphäre in einer digitalisierten Gesellschaft.
- Diskussion von Strategien zum Schutz der Privatsphäre trotz technischer Fortschritte.
- Reflektion über die Machtverhältnisse zwischen Nutzern, Plattformbetreibern und Staaten.
Auszug aus dem Buch
3.1 Bedeutung für Privatpersonen
„Andersheit lässt sich kaum mehr durch Privatheit schützen. Aber sehr wohl durch Öffentlichkeit stärken“ schreibt Michael Seemann in einem Artikel seines Blogs. Hierbei bezieht er sich auf der einen Seite auf ein vom MIT entwickeltes Tool mit dem Namen „Gaydar“, womit mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit über Freundeslisten auf Facebook herausgefunden werden kann, ob eine bestimmte Person homosexuell ist. Auf der anderen Seite existieren auch Projekte, wie zum Beispiel „It Gets Better“, wo Menschen ihre Geschichten über das „Anderssein“ erzählen in der Hoffnung anderen eine Stütze zu sein.
Seemann führt außerdem an: „Wenn wir bei Google etwas suchen, bei Facebook etwas liken oder eine E-Mail von einem Yahoo!-Nutzer bekommen, landen die Daten auch auf britischen Festplatten“, da diese am Glasfaserknoten bei den britischen Inseln vom GCHQ komplett abgegriffen werden. Das ist wahr, was aber nicht aufgeführt wird ist, dass es in den meisten Fällen zumindest eine Transportverschlüsselung gibt. Das bedeutet, dass die Informationen, die zwischen dem eigenen Gerät und dem Server kommuniziert werden zumindest auf diesem Wege verschlüsselt sind, der Verkehr zwar abgegriffen werden kann, man aber mit den Informationen relativ wenig anfangen kann. Hier muss man allerdings anführen, dass Metadaten, wie zum Beispiel Herkunft und Ziel des Verkehrs und das verwendete Protokoll durchaus erlauben ein Aktivitätsprofil zu generieren. Die Information in Seemanns Argument stimmt zwar, es gibt aber durchaus Möglichkeiten die geschilderte Problematik zu umgehen, indem man beispielsweise alternative Suchmaschinen, soziale Netze und Mail-Provider verwendet. Das Problem der Metadaten lässt sich exemplarisch auch mit einer VPN-Lösung (Virtual Private Network) oder dem Tor-Browser in den Griff bekommen, indem die Absenderadresse verschleiert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz von Datenschutz und Privatsphäre nach den NSA-Enthüllungen ein und stellt die zentrale These der Arbeit im Kontext von Michael Seemanns Buch "Das Neue Spiel" vor.
2. Anmerkungen zu Begriffen: Dieses Kapitel definiert theoretische Grundlagen wie Wissen, Daten, Privatsphäre und Publiksphäre, um ein Verständnis für die komplexen Zusammenhänge im Umgang mit Informationen zu schaffen.
3. Post-Privacy: Der Hauptteil analysiert das Konzept des Kontrollverlusts aus den Perspektiven von Privatpersonen, Institutionen und der Gesellschaft und setzt sich kritisch mit der Forderung nach vollkommener Transparenz auseinander.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass der Schutz der Privatsphäre weiterhin ein essentielles Privileg bleibt, das ein Umdenken im Umgang mit eigenen Daten in einer digitalisierten Welt erfordert.
Schlüsselwörter
Post-Privacy, Privatsphäre, Publiksphäre, Datenschutz, Michael Seemann, Kontrollverlust, Überwachung, Transparenz, Metadaten, Digitalisierung, Verschlüsselung, Datensicherheit, Selbstzensur, Schweigespirale, Internet.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit setzt sich kritisch mit der "Post-Privacy"-Bewegung auseinander, die behauptet, dass Privatsphäre in der heutigen Zeit nicht mehr zeitgemäß sei.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themen umfassen den Wandel der Privatsphäre, die Macht von Institutionen durch Datensammlung, staatliche Überwachung und die Auswirkungen von Transparenz auf das Individuum.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, ob Seemanns Thesen zur Post-Privacy stichhaltig sind und ob der Nutzer seine Privatsphäre in einer digitalen Welt zwangsläufig aufgeben muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse, insbesondere das Werk "Das Neue Spiel" von Michael Seemann, sowie ergänzende Studien und Theorien wie die "Schweigespirale".
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil wird Post-Privacy aus drei Blickwinkeln betrachtet: Die Bedeutung für den Einzelnen, für Institutionen und für die Gesellschaft als Ganzes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Post-Privacy, Datenschutz, Überwachung, Publiksphäre und der digitale Kontrollverlust.
Wie bewertet der Autor die Thesen von Michael Seemann?
Der Autor erkennt an, dass Seemann die heutige Überwachungssituation treffend beschreibt, hält aber die Forderung nach vollkommener Transparenz für zu dramatisch und praktisch entkräftbar.
Welche Rolle spielt die "Schweigespirale" für die Argumentation?
Die Theorie dient als Beleg dafür, dass Überwachung und der öffentliche Druck zu Selbstzensur führen, was die Notwendigkeit von Privatsphäre zum Schutz der Meinungsfreiheit untermauert.
- Arbeit zitieren
- Pascal Dengler (Autor:in), 2018, Post Privacy. Die Ära der vollkommenen Transparenz?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502112