Einwanderung in der Niederländischen Karibik vor und nach 2000


Hausarbeit, 2019
12 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die autonomen Länder innerhalb des Königreichs der Niederlande

3 Besondere Gemeinden der Niederlande

4 Die Politische Situation seit

5 Migration früher

6 Migration heute

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Die Karibik, für viele ein Traumziel, wenn es um den nächsten Urlaub geht, doch für manche vielleicht sogar das nächste Zuhause. Die Niederländische Karibik, bestehend aus den sechs Inseln Aruba, Bonaire, Curaçao, Saba, Sint Eustatius und Sint Maarten gehört zum Königreich der Niederlande und hat schon immer eine interessante und vielfältige Einwanderungsgeschichte gehabt. Dafür werden die sechs Inseln vorerst vorgestellt. Die ersten drei Inseln sind dabei Aruba, Curaçao und Sint Maarten, die seit dem 10. Oktober 2010 als autonome Länder innerhalb des Königreichs der Niederlande gelten (vgl. Mäkelburg 2010). Die karibischen Inseln Bonaire, St. Eustatius und Saba (BES-Inseln) sind seitdem Gemeinden der Niederlande mit besonderem Status („bijzondere gemeenten“). Bekannt sind die Inseln außerdem durch die niederländischen Bezeichnungen „Bovenwindse Eilanden“ („Inseln über dem Winde“) , diese gelten jedoch dann für Sint Maarten, Saba und St. Eustatius (SSS-Inseln). Die anderen drei Inseln Aruba, Bonaire und Curaçao (ABC-Inseln) sind die sogenannten „Benedenwindse Eilanden“ („Inseln unter dem Winde“). Die Bezeichnungen beziehen sich auf die Lage der Inseln in Bezug auf den Nordostpassat (vgl. Munzinger 2017: 1). Geographisch gesehen liegen die ABC-Inseln vor der Küste Venezuelas und damit um die 800 km südwestlich der SSS-Inseln.

Ob sich die Motive, auf die ehemaligen Niederländischen Antillen auszuwandern mit den Jahren geändert hat ist in dieser Arbeit zu diskutieren und klären.
Die Geschichte der sechs Inseln ist dabei nicht unwichtig und wird in Kapitel 5 zusammen mit den Migrationsgründen der postkolonialen Zeit thematisiert.

Später bildet die Aruba Migration and Integration Study 2016 (AMIS 2016) die Grundlage für die Analyse der Gründe der Einwanderung auf die Inseln der letzten 20 Jahre. In dieser werden verschiedene Statistiken ausgewertet und anschließend mit den Motiven von vor 2000 verglichen. Auch die Untersuchung „Regionale Migratie en Integratie op Curaçao aus dem Jahr 2014 von Jeanne de Bruijn und Maartje Groot zeigt verschiedene Gründe für die Einwanderung nach Curaçao auf.

Schließlich werden die aufgezählten Gründe diskutiert und analysiert.Der Begriff Einwanderer muss vorab kurz definiert werden. Das könnte nach Vogel definiert „... ein Mensch sein, der in ein fremdes Land kommt und sich dort niederlässt.“ (vgl. Vogel 2003: 9).

2 Die autonomen Länder innerhalb des Königreichs der Niederlande

Seit dem 10. Oktober 2010 zählen die Länder Aruba, Curaçao und Sint Maarten zu autonomen Ländern innerhalb des Königreichs der Niederlande (vgl. Mäkelburg 2010: 1). Aruba ist schon seit dem 1. Januar 1986 zu einem autonomen Land erklärt worden. Auf allen drei Inseln spielt der Tourismus eine große Rolle und auf jeder Insel ist eine Universität zu finden, speziell auf Sint Maarten eine für Medizinstudenten aus Nordamerika zugeschnittene (vgl. Munzinger 2017: 1).

Aruba ist eine 180 km[2] große Insel mit der Hauptstadt Oranjestadt. Aruba zählt 2018 111,849 Einwohner, von denen jedoch laut Volkszählung 2010 33,9 % der Einwohner nicht auf Aruba geboren sind (vgl. Central Bureau of Statistics, 2018: 1).

Die offiziellen Sprachen sind Papiamento, ein Mix aus Portugiesisch, Spanisch, Niederländisch und Englisch, und Niederländisch, diese wird jedoch nur von 6.1% der Bevölkerung offiziell gesprochen (vgl. Central Intelligence Agency 2019). Attraktiv für Einwanderer ist zum Beispiel das Klima, welches mit 28 °C als Jahresdurchschnittstemperatur tropisch ist und die langen Sandstrände auf der Südwest- und Westküste (vgl. Munzinger 2019: 1). Der Tourismus ist eine der wichtigsten Einnahmequellen auf Aruba (Central Bureau of Statistics 2018).

Curaçao hat laut dem Central Bureau of Statistics Curaçao 2016 158.986 Einwohner, von denen 138.200 in der Hauptstadt Willemstad leben. „88,7 % aller Einwohner hatten die niederländische Staatsbürgerschaft.“ (vgl. Munzinger 2017: 1). Die Amtssprache auf Curaçao ist Niederländisch, wie auf Aruba kommt die Kreolsprache Papiamento dazu. Auch auf Curaçao zählt der Tourismus zu einer der wichtigsten Devisenquellen (vgl. Munzinger 2017: 1).

Sint Maarten ist eine 34 km² große Insel. Der nördliche Teil Saint-Martin gehört zu dem überseeischen Gebietskörperschaft Frankreichs. „Die Grenze zwischen dem französischen und dem niederländischen Teil ist die einzige Landgrenze der Kleinen Antillen und zugleich die einzige Grenze zwischen den Niederlanden und Frankreich.“ (vgl. Munzinger 2017: 1). Laut Central Intelligece Agency zählt Sint Maarten im Juli 2017 42,083 Einwohner, davon leben rund 1.685 im Hauptort Philipsburg. Die offiziellen Sprachen sind Englisch und Niederländisch.

3 Besondere Gemeinden der Niederlande

Die Karibikinseln Bonaire, Sint Eustatius und Saba (BES-Inseln) sind seit der Auflösung der Niederländischen Antillen am 10. Oktober 2010 besondere niederländische Gemeinden (Bijzondere Gemeenten), sie gehören jedoch keiner niederländischen Provinz an (vgl. Munzinger, 2017: 1).

Bonaire liegt im südlichen Teil der Karibik und hat ungefähr 18.905 Einwohner. Die offizielle Sprache ist Niederländisch, allerdings sprechen wie auch auf den anderen Inseln viele Menschen Papiamento. „Het toerisme is het belangrijkste economisch product van Bonaire en staat hoog op de agenda van de overheid.“ heißt es auf der offiziellen Seite Bonaires.

Im Hauptort Kralendijk wohnen laut Berechnungen 2010 etwa 3.257 Einwohner (vgl. Munzinger 2017: 1).

Die niederländischen Inselgebiete Sint Eustatius und Saba umfassen zusammen ca. 34km[2]. Es gibt einen tropischen Regenwald und die Jahresmitteltemperatur liegt bei 27-28 ºC (vgl. Munzinger 2017: 1). Die offizielle Sprache auf den beiden Inseln ist Englisch. Auch hier ist der Tourismus der größte Sektor und es werden von den Bergen und der Unterwasserwelt (Korallenriffe) der beiden Inselgebiete jährlich viele Touristen angezogen. Sint Eustatius umfasst 21 km² 3.877 Einwohnern (Stand 1. Januar 2015) und in dem Hauptort Oranjestad wohnen nach Berechnung 2010 rund 1.284 Einwohner (vgl. Munzinger 2017:1). Saba ist 13 km² groß mit 1.811 Einwohnern (Stand 1. Januar 2015), rund ein Drittel lebt in der Hauptstadt The Bottom (vgl. Munzinger 2017: 1).

4 Die Politische Situation seit 2010

Aruba ist seit 1986 schon ein vollkommen selbständiges und autonomes Land innerhalb des Königreichs der Niederlande welches den „status aparte“ trägt (vgl. Mäkelburg, 2010), diesen Status erlangen später auch Curaçao und Sint Maarten. Die Entscheidung wurde am 15. Dezember 2008 von den fünf Inselterritorien und der niederländischen Regierung getroffen,

„...die Niederländischen Antillen als politisches Gebilde innerhalb des Königreichs der Niederlande aufzulösen, Curaçao und St. Maarten analog zu Aruba jeweils einen „Status aparte“ einzuräumen sowie die Inselgebiete Bonaire, St. Eustatius und Saba (BES-Inseln) zu Gemeinden der Niederlande zu machen.“ (vgl. Munzinger 2017: 1)

Die Zustimmung kam auch aus dem Volk, so stimmten am 4. April 2005 67,8 % für den „status aparte“ (vgl. Munzinger 2017: 1). Seit dem 10. Oktober 2010 zählen die Inseln Curaçao und Sint Maarten zu den autonomen Ländern und haben denselben Status wie Aruba. Dort ist der niederländische König Willem-Alexander das Staatsoberhaupt, wird von einem Gouverneur vertreten, der auf sechs Jahre berufen ist (vgl. Munzinger 2017: 1). Auf Aruba ist es seit dem 1. Januar 2017 Herr Alfonso Boekhoudt, auf Curaçao seit dem 4. November 2013 Frau Lucille Andrea George-Wout (vgl. Munzinger 2017: 1) und auf Sint Maarten ist seit dem 15. Januar 2018 Frau Leona Marlin-Romeo im Amt (vgl. Central Intelligence Agency 2019).

Die drei Inseln Bonaire, Saba und St. Eustatius hingegen sind nun zu eigenständigen Gemeinden ohne provinziale Abhängigkeit innerhalb der Niederlande erklärt worden (vgl. Mäkelburg 2010: 1), „...auf denen ein auf vier Jahre gewähltes Parlament und eine Exekutive herrscht. Auf allen drei Inseln urteilen Gerichte der ersten Instanz (Gerecht in Eerste Aanleg).“ (vgl. Munzinger 2017: 1).

5 Migration früher

Die Geschichte der Niederländischen Antillen zeigt schon früh, dass verschiedene Nationen auf die Inseln kommen. Zuerst die „... indianischen Ursprungsbevölkerung, die bereits von den Spaniern zur Zwangsarbeit verschleppt worden war.“ (vgl. Arens 2006: 1). Außerdem die niederländischen Kaufleute der West-Indischen Compagnie (WIC), und die Sklaven aus verschiedenen Ländern. Später die asiatischen Kontraktarbeiter, „...die sich nach Ablauf ihres Vertrags mit den Plantagenbesitzern für ein Leben in der Neuen Welt entschieden.“ (vgl. Arens 2006: 1). Schon im Jahr 1634 besetzte die West-Indische Compagnie Curaçao, dann Aruba und schließlich Bonaire. Sie produzierten auf ihren Plantagen Kaffee, Rohrzucker und Baumwolle um es anschließend auf den nordamerikanischen und europäischen Markt zu verkauften. Als Folge dessen arbeiten um 1700 „ungefähr 10.000 Sklaven auf ungefähr 100 Zuckerplantagen, 1735 schon 50.000 – bei einer Gesamtbevölkerung von 55.000.“ (vgl. Ahrens 2006: 2). Jedoch fliehen viele von ihnen und bauen sich im Landesinneren ihr eigenes Leben auf. Gleichzeitig finden im 16. Jahrhundert „portugiesischstämmige Juden, die zunächst in Amsterdam Asyl vor religiöser Verfolgung gefunden hatten, über Brasilien den Weg in die Karibik.“ (vgl. Ahrens 2006: 2). Ein Grund, warum sie in die Karibik auswandern sind zum einen die gleichen Rechte wie sie in Amsterdam erhalten, sie haben „die Freiheit, Gottesdienste zu feiern, Synagogen zu bauen und Schulen zu errichten, die Bürgerrechte und die Freiheit, als Händler tätig zu sein.“ (vgl. Ahrens 2006: 2). Diese Aussichten zogen immer mehr europäische Juden nach Curaçao, sodass sie Mitte des 18. Jahrhunderts den Großteil der weißen Bevölkerung ausmachen. Auf Sint Eustatius bekommen die Juden 1730 die gleichen Rechte wie die Christen, was dazu führt, dass „Die niederländischen Kolonien waren somit ein Zufluchtsort für Menschen, die in Europa religiöser Verfolgung ausgesetzt waren.“ (vgl. Ahrens 2006: 2).

Zurück im Jahr 1651 darf der in Brasilianer João de Illan von der Westindischen Kompanie (WIC) eine sogenannte Volksplantage auf Curaçao gründen, wodurch er zehn bis zwölf weitere Kolonisten auf die Insel brachte. „Dann folgten 1659 ungefähr 60 Menschen unter Isaac d’Acosta, der in Brasilien eine Plantage besessen hatte.“ (vgl. Ahrens 2006: 2).

Was ebenfalls für die Einwanderung auf die Niederländischen Antillen spricht ist, dass die Bürger die Niederländische Staatsbürgerschaft erlangen und somit freien Zugang zu den Niederlanden haben (vgl. Oostindie 2010: 37), außerdem ist es „Door de keuze voor voorzetting van de koninrijksrelaties is het Antillianen darentegen nog altijd mogelijk zich vrij in Nederland te vestigen, en vice versa.“ (vgl. Oostindie 2010: 183). Auf Abbildung 3 wird deutlich, seit wann die Einwanderung seit 1920, in diesem Fall speziell auf Aruba begonnen hat. Seit den 1920er Jahren sind die Einwanderer aus der Karibik zwar präsent, jedoch kaum zu erkennen. Erst ca. 1935 kommt der erste Wachstum und steigt bis 1961 etwas an. Im gleichen Jahr kommen auch die ersten Einwanderer aus Europa, aber auch diese belaufen sich bis zum Jahr 1981 auf eine geringe Anzahl im Gegenteil zu den Einwanderern aus der Karibik. Diese sind in dem Jahr der erste große Schwung mit rund 80 Einwanderern im Jahr. Gleichzeitig beginnt auch die Einwanderung aus Asien und Mitte der 1980er Jahre die aus Nordamerika. Ende der 1980er Jahre sind die ersten großen Einwanderungszahlen aus der Karibik mit ca. 400 Einwanderern im Jahr, aus Europa ca. 100 Einwanderer pro Jahr, Asien ca. 150 pro Jahr und Südamerika ca. 780 pro Jahr zu vermerken. De Bruijn und Groot erklären dies mit den Gründen, dass vor allem Kolumbianer nach Curaçao einwandern, „...veel vrouwen zochten werk en een groot deel van die groep sloot volgens een van de sleutel- figuren een huwelijk met een Antilliaan.“ (vgl. de Bruijn/Groot 2014: 36). Außerdem kommen aus Haiti Menschen, „...die vertrokken vanwege de dictator Duvalier en de hoge mate van instabiliteit en het vele geweld in het land.“ (vgl. de Bruijn/Groot: 47).

Ende der 1990er kam nochmal ein großer Schwung aus Kolumbien nach Curacao, der vor allem „...medisch specialisten, ingenieurs, dokters en pastoors.“ (vgl. de Bruijn/Groot 2014: 36) mit sich brachte.

Es ist noch zu erwähnen, dass vor allem die Einwanderer aus Südamerika in den 1990er Jahren die meisten Einwanderer mit bis zu ca. 990 pro Jahr sind, die Anzahl der Einwanderer aus der Karibik gesunken ist und Ende der 1990er nur noch bei ca. 200 liegt. Die Einwanderer aus Asien sind mehr, der Wert liegt 1998 bei ca. 180 pro Jahr.

6 Migration heute

Das Central Bureau of Statistics Aruba führte von Oktober 2016 bis November 2016 eine Studie durch, in der sie Statistiken über das Alter, Geschlecht, Intentionen und Gründe zur Immigration auf Aruba aufstellten. Auf Grundlage dieser Studie und dessen Statistiken wird nun analysiert, welche Gründe es für die Migration in den letzten 20 Jahren gab. Für die Studie wurden „recent migrants“ in einem Haushalt ab 14 Jahren befragt, ein „recent migrant“ wird hier als „...a person who came to live on Aruba up to ten years prior to the survey, i.e. between 11 October 2006 and 10 October 2016.“ (CBS 2018; 6) definiert. Um tiefere und detailliertere Aussagen zu sammeln wurde ein sogenannter „Main Migration Actor“ (MMA) des Haushalts ermittelt, dieser wird als der erste Einwanderer der im Haushalt lebenden Personen bezeichnet. Wenn mehr als ein MMA identifiziert wurde, wurde der älteste MMA befragt. Insgesamt wurden 832 MMA Interviews aufgenommen (CBS 2018; 6). Allgemein haben nur 8,2% der ausgewählten Haushalte nicht kooperiert und somit sind insgesamt 1,279 Interviews einschließlich der MMAs und der „recent migrants“ in die Statistik aufgenommen. Davon waren 52,7% weiblich, durchschnittlich 38 Jahre alt
und 47,3% männlich, durchschnittlich 39 Jahre alt (CBS 2018; 1).

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Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Einwanderung in der Niederländischen Karibik vor und nach 2000
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Niederlandistik)
Note
2,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
12
Katalognummer
V502233
ISBN (eBook)
9783346038951
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einwanderung, niederländischen, karibik
Arbeit zitieren
Nathalie Rudolf (Autor), 2019, Einwanderung in der Niederländischen Karibik vor und nach 2000, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502233

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