Die dunkle Seite der Kundenintegration. Eine Untersuchung der Bedeutung von Feedbackquellen in Ideenwettbewerben


Bachelorarbeit, 2019

34 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anhangsverzeichnis

1 Die Relevanz von Feedback in Ideenwettbewerben

2 Theoretische und konzeptionelle Grundlagen
2.1 Ideenwettbewerbe
2.2 Feedback und verschiedene Feedbackquellen
2.3 Psychologisches Eigentum

3 Einblick in die bisherige Literatur
3.1 Einflussfaktoren auf die Ideenqualität in Ideenwettbewerben
3.2 Feedback in Ideenwettbewerben
3.3 Psychologisches Eigentum und Ablehnung in Ideenwettbewerben

4 Vorstellung und Herleitung der Hypothesen
4.1 Herleitung der Hypothesen in Phase I
4.2 Herleitung der Hypothesen in Phase II

5 Erläuterung der Methodik und Analyseverfahren
5.1 Vorgehensweise bei der Datenerhebung und Stichprobe
5.2 Messverfahren und angewandte Analysemethode

6 Darstellung der Datenanalyse und Ergebnisse

7 Diskussion der Ergebnisse
7.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
7.2 Theoretischer Beitrag zur bestehenden Forschung
7.3 Implikationen für das Management
7.4 Limitationen und Ausblick für zukünftige Forschung

8 Anhang

9 Literaturverzeichnis

Abstract

Bisherige Forschung zeigt, dass Feedback einen entscheidenden Einfluss in Ideenwettbewerben hat. Die unterschiedlichen Arten von Feedback werden in dieser Forschung jedoch vernachlässigt. Insbesondere ist der Einfluss verschiedener Quellen, von denen Feedback ausgehen kann, stark unterforscht. Dieses Forschungsprojekt möchte die unterschiedlichen Effekte von Nutzerfeedback und Unternehmensfeedback im Rahmen der Ablehnung einer Idee in Ideenwettbewerben untersuchen. Als entscheidende Einflussgröße wird dabei ein besonderes Augenmerk auf das psychologische Eigentum des Teilnehmers gelegt. Zugleich wird in selbiger Weise der unterschiedliche Effekt von fokussierten und breiten Aufgabenstellungen in Ideenwettbewerben untersucht. Die Studie möchte Organisatoren für diese wichtigen Faktoren sensibilisieren und in der Gestaltung eines Ideenwettbewerbs unterstützen. Für die Untersuchung dieser Aspekte wurde ein webbasierter Ideenwettbewerb mit über 100 eingereichten Ideen durchgeführt. Diese Ideen wurden durch verschiedene Feedbackquellen abgelehnt, sodass ein hochwertig informativer Datensatz entstand. Die Ergebnisse zeigen, dass unterschiedliche Feedbackquellen und Aufgabenstellungen einen signifikanten Einfluss auf das psychologische Eigentum und die Übernahmeintention der Teilnehmer haben. Ablehnung durch Unternehmensfeedback verringert das psychologische Eigentum stärker als Ablehnung durch Nutzerfeedback und breite Aufgabenstellungen erhöhen die Übernahmeintention eher als fokussierte. Organisatoren wird empfohlen zu Nutzerfeedback und einer breiten Aufgabenstellung zu greifen, wenn das psychologische Eigentum und die Übernahmeintention nach einer Ablehnung nicht stark sinken sollen.

Abbildungsverzeichnis

ABBILDUNG 1: Konzeptionelles Modell

ABBILDUNG 2: Darstellung der Stichprobengr6Ben

ABBILDUNG 3: Effekt der Feedbackquellen auf die abhiingigen Variab1en

Tabellenverzeichnis

TABELLE 1: Überblick der relevanten Literatur mit Forschungsschwerpunkten

TABELLE 2: Deskriptive Statistik

TABELLE 3: Korrelationen aller Variablen

TABELLE 4: Ergebnisse der Regression für psychologisches Eigentum

TABELLE 5: Ergebnisse der Regression für psychologisches Eigentum

TABELLE 6: Übersicht über die verschiedenen Einflussgrößen

Anhangsverzeichnis

Anhang 1: Faktorenanalyse der Items

Anhang 2: Weitere Ergebnistabellen

Anhang 2.1: Ergebnisse der Regression für Übernahmeintention

Anhang 2.2: Ergebnisse der Regression für Übernahmeintention

1 Die Relevanz von Feedback in Ideenwettbewerben

Infolge des andauernd größer werdenden Wettbewerbs sind Unternehmen dazu verpflichtet, sich von der Konkurrenz abzugrenzen und diese gar zu übertreffen. Innovationen bieten sehr gute Möglichkeiten diesen Wunsch zu erfüllen und der Konkurrenz vorwegzuschreiten (vgl. Björk und Magnusson 2009, S. 662). Gerade externe Inputs können einen großen Mehrwert bieten und Innovationsprozesse anstoßen (vgl. Adamcyk et al. 2011, S. 226). Ebendaher gewinnen Ideenwettbewerbe in der Praxis, aufgrund ihres enormen Potentials in Umsatz- und Kundenzuwachs, immer mehr an Beliebtheit. In einem Ideenwettbewerb reichen eine oder mehrere Individuen Vorschläge und Ideen zu einer bestimmten Problemstellung ein (vgl. Terwiesch und Xu 2008, S. 1529). Die Möglichkeit aus einem Pool an Ideen, die beste Idee herauszusuchen und weiter zu verfolgen, scheint für zahlreiche Unternehmen gerade zu verlockend. Viele große Unternehmen, wie zum Beispiel IBM, nutzen diese Möglichkeit schon seit mehreren Jahren und suchen über webbasierte Ideenwettbewerbe nach neuen Innovationen für ihre Unternehmung. Dabei werden zum Teil Verbesserungsvorschläge für bereits bestehende Produkte oder Prozesse gesucht, zum anderen aber auch disruptive Technologien und Innovationen. Einen wichtigen Aspekt für das Unternehmen stellt die Auswahl und Filterung der besten Ideen dar. Die meisten Unternehmen lassen ihre Ideen von einer Jury durch bestimmte Kriterien bewerten. Kriterien, die dafür am häufigsten gewählt werden, sind unter anderen die Marktattraktivität und die Umsetzbarkeit (vgl. Kijkuit und Van Den Ende 2007, S. 866). Auch die Einbindung von Feedback für die Teilnehmer während und nach dem Ideenwettbewerb spielt eine ernstzunehmende Rolle. Zhu und Kollegen (2018, S. 34) stellen fest, dass gezielt eingesetztes Feedback während des Ideenfindungsprozesses die Qualität der am Ende resultierenden Ideen deutlich erhöht. Auch Wooten und Ulrich (2017, S. 96) finden heraus, dass positives und konstruktives Feedback, die Qualität der Ideen markant verbessert.

Im Jahr 2016 ergriff der Frankfurt Airport die Initiative und veranstaltete einen offenen Ideenwettbewerb, die „Frankfurt Airport Innovation Challenge“ (Quelle: www.fraport.de). Die Aufgabe der Teilnehmer war es, innovative Ideen für den Flughafen der Zukunft zu entwickeln. Dabei wurden den Teilnehmern keine Grenzen gesetzt. Jeder denkbare Bereich des Flughafens und der Flughafenprozesse konnte optimiert oder innoviert werden. Von Service und Entertainment bis Nachhaltigkeit und Umwelt, durften alle Bereiche für die Ideengenerierung gewählt werden. Insgesamt wurden mehr als 600 Ideen eingereicht. Nach der Prüfung aller Ideen, konnten sechs Gewinner identifiziert werden, die Preise im Wert von 7000 Euro erhielten. Ihre Ideen wurden den Möglichkeiten entsprechend umgesetzt. An diesem gängigen Beispiel aus der Praxis, wird deutlich wie Ideenwettbewerbe funktionieren. Durchschnittlich ein Prozent der eingereichten Ideen werden letztendlich ausgewählt und umgesetzt. Die bisherige Forschung hat sich hauptsächlich auf diesen minimalen Prozentsatz konzentriert und untersucht, wie bei der Ideengenerierung optimale Ergebnisse erzielt werden können. Dabei wurden zum einen die Eigenschaften einer guten Idee untersucht (vgl. Schemmann et al. 2016, S. 1148), zum anderen wurde der Fokus auf die Eigenschaften und Merkmale erfolgreicher Ideenautoren gelegt (vgl. Frey et al. 2011, S. 416).

Das System des Wettbewerbs bedingt, dass nur ein Bruchteil der Ideen positives Feedback erhält und gar gewinnen kann. Auf der anderen Seite stehen durchschnittlich 99 Prozent der gesamten Ideen, die negatives Feedback erhalten und nicht gewinnen. Trotz einer intensiven Auseinandersetzung mit der Aufgabenstellung, wurde die Idee der Teilnehmer abgelehnt. Diese Ablehnung einer Idee und die damit verbundenen Folgen für die Teilnehmer und den Organisator wurden in der bisherigen Forschung kaum untersucht. Dabei ist es für Organisatoren sehr hilfreich, den Mechanismus hinter der Ablehnung einer Idee genauer zu verstehen, um Ideenwettbewerbe noch effektiver gestalten zu können. Piezunka und Dahlander (2019, S. 27) fanden entgegen aller Erwartungen heraus, dass die Ablehnung einer Idee die Bereitschaft des Teilnehmers, in der Zukunft weitere Ideen einzureichen, erhöht. Diese Bereitschaft verstärkt sich, wenn das gegebene Feedback zur Ablehnung zusätzlich eine Erklärung enthält. Die Art und Weise, wie die Idee abgelehnt wird, hat demnach auch einen entscheidenden Einfluss. Neuste Erkenntnisse aus der Forschung geben zudem Hinweise darauf, dass psychologisches Eigentum an Wissen oder Ideen insbesondere bei Ideenwettbewerben eine große Rolle spielt (vgl. Pirkkalainen et al. 2018, S. 283). Diese Erkenntnisse gilt es genauer zu untersuchen und weiter auszubauen.

Das hier angeführte Forschungsprojekt möchte den Zusammenhang zwischen der Ablehnung einer Idee und dem psychologischen Eigentum des Teilnehmers an seiner Idee erklären. Es stellt sich demnach die Frage, welchen Effekt die Ablehnung der Idee auf das psychologische Eigentum den Ideenautors hat. Den Schwerpunkt in dieser Untersuchung, stellt die Art und Weise der Ablehnung dar. Das Erteilen von negativem Feedback kann durch verschiedene Quellen, nachfolgend Feedbackquellen genannt, erfolgen. Das Feedback kann letztlich einerseits durch Nutzer und andererseits durch das Unternehmen weitergegeben werden. Im Rahmen der Studie soll dementsprechend der unterschiedliche Einfluss von Nutzerfeedback und Unternehmensfeedback auf das psychologische Eigentum des Ideenautors untersucht werden. Ein weiterer Aspekt, der untersucht wird, ist der Einfluss von breiten und fokussierten Ideenwettbewerben auf das psychologische Eigentum. Im Beispiel des Frankfurt Airport wurde ein breiter Ideenwettbewerb veranstaltet, bei dem die Aufgabenstellung keine konkreten Vorgaben definierte. Es war den Teilnehmern freigestellt, in welchem Bereich sie ihre Idee entwickeln wollten. Gegensätzlich zum breiten Ideenwettbewerb, beinhalten fokussierte Ideenwettbewerbe eine konkret definierte Aufgabenstellung für ein bestimmtes Problem. Daraus abgeleitet stellt sich die Frage, ob diese beiden Formen der Wettbewerbsgestaltung einen unterschiedlichen Einfluss auf das psychologische Eigentum des Teilnehmers haben.

Ziel dieser Forschungsarbeit ist es die Effekte von beiden genannten Szenarien, folglich Nutzerfeedback versus Unternehmensfeedback und breiter versus fokussierter Ideenwettbewerb, auf das psychologische Eigentum in Form der Idee des Ideenautors zu untersuchen. Dadurch soll Managern und Organisationen, die planen einen Ideenwettbewerb durchzuführen, bei der Wettbewerbsgestaltung und ihrem Feedbackverhalten weitergeholfen werden.

Um dieses Forschungsumfeld zu untersuchen, wird zunächst ein Überblick über die theoretischen und konzeptionellen Grundlagen gegeben, auf denen die Forschungsarbeit basiert. Anschließend folgen ein Einblick in die bereits bestehende Literatur im Forschungsumfeld und die Herleitung der aufgestellten Hypothesen. Die angewandte Methodik und das Analyseverfahren werden darauffolgend vorgestellt. Letztlich werden die Ergebnisse dargestellt und diskutiert.

2 Theoretische und konzeptionelle Grundlagen

Die Grundlage des durchgeführten Forschungsprojekts bildet das Ziel, die Effekte der Ablehnung einer Idee durch verschiedene Feedbackquellen auf das psychologische Eigentum des Teilnehmers zu untersuchen. Zum einen werden die unterschiedlichen Einflüsse von Nutzer- und Unternehmensfeedback auf das psychologische Eigentum des Ideenautors dargestellt. Zum anderen soll die Einflussgröße einer breiten und einer fokussierten Aufgabenstellung innerhalb des Ideenwettbewerbs auf das psychologische Eigentum gemessen werden. Zur genaueren Untersuchung dieser Fragestellungen bedarf es die Grundlagen der verwendeten Konstrukte und Theorien genauer zu erläutern.

2.1 Ideenwettbewerbe

Der Begriff des Ideenwettbewerbs nimmt im Rahmen des Forschungsprojekts eine zentrale Position ein und bedarf daher im Folgenden genauer erläutert zu werden. Ein Ideenwettbewerb ist „ein (webbasierter) Wettbewerb von Innovatoren die ihre Fähigkeit, Erfahrungen und Kreativität einsetzen, um eine Lösung für eine bestimmte von einem Organisator definierte Wettbewerbsaufgabe zu finden“ (Bullinger et al. 2010, S. 291). Unternehmen nutzen Ideenwettbewerbe, um qualitativ hochwertige Ideen für ein vorher bestimmtes Problem zu sammeln und diese gewinnbringend im Unternehmen umzusetzen (vgl. Zhu et al. 2018, S. 27). Die Erreichung dieses Ziels, setzt eine Filterung und Sortierung der Idee nach ihrer Ideenqualität voraus. Dabei orientieren sich Unternehmen klassischerweise an Kriterien wie Machbarkeit, Relevanz, Neuheit und Spezifität (vgl. Blohm et al. 2010, S. 3). Ferner nehmen auch Faktoren wie Marktattraktivität und strategische Eignung eine primäre Rolle ein (vgl. Cooper und de Brentani 1984, S. 153). Neue Möglichkeiten der Kommunikation und Interaktion, bieten webbasierte Ideenwettbewerbe. Diese steigern durch die vereinfachte Teilnahmemöglichkeit die allgemeine Attraktivität der Teilnahme, sowie die Aktivität der einzelnen Teilnehmer (vgl. Brabham 2008, S. 87).

Die Aufgabenstellung in einem Ideenwettbewerb kann vom Initiator breit oder fokussiert gewählt werden. Unter einem breiten Ideenwettbewerb versteht man eine Aufgabestellung, die nicht detailliert auf ein bestimmtes Problem eingeht, sondern dem Teilnehmer viele Freiräume in der Ideengestaltung lässt (vgl. Terwiesch und Xu 2008, S. 1532). So veranstaltete IBM 2006 den „Innovation Jam“, in welchem nach Innovationen in allen Bereichen gesucht wurde (Quelle: www.ibm.com). Fokussierte Aufgabenstellungen hingegen beschreiben ein konkretes Problem, für dessen Lösung meist spezifische Fähigkeiten erforderlich sind (vgl. Walter und Back 2011, S. 3). Damit einher geht demnach ein geringerer Freiraum, bei der Findung der Idee, als bei einem breiten Ideenwettbewerb. Ein Beispiel für einen fokussierten Ideenwettbewerb ist der von IBM im Jahr 2019 durchgeführte Wettbewerb „Call for Code“, indem konkret nach codebasierten Lösungen für den Umgang mit Naturkatastrophen gesucht wird (Quelle: www.ibm.com).

2.2 Feedback und verschiedene Feedbackquellen

Auch Feedback besetzt in Ideenwettbewerben eine bedeutsame Rolle. Aus diesem Grund wird im Folgenden das Konstrukt des Feedbacks dargestellt. Des Weiteren ist es wichtig, die verschiedenen Feedbackquellen zu erläutern.

Feedback ist eine der effektivsten Einflussgrößen, um sich selbst oder seine Ergebnisse zu verbessern, jedoch kann der Einfluss von Feedback positiv sowie negativ sein (vgl. Hattie und Timperley 2007, S. 91). Ramaprasad (1983, S. 4) beschreibt Feedback als eine Information über die Differenz zwischen einem Ist- und Sollzustand, mithilfe derer die Differenz verändert und minimiert werden kann. Diese Differenz lediglich anzusprechen, ohne Ratschläge zur Verbesserung oder Minimierung dieser Differenz zu geben, ist hingegen kein Feedback.

Ein feedbacksuchendes Individuum kann Feedback aus unterschiedlichen Quellen erhalten. Der Einfluss und die Einflussgröße kann sich entsprechend der Feedbackquelle verändern. Unterschiedliche Feedbackquellen können verschiedene Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit bewirken (vgl. Griffin 1967, S. 115). In diesem Forschungsprojekt wird zwischen Feedback von Nutzern und Feedback von Unternehmen unterschieden. Als Nutzerfeedback wird jenes Feedback bezeichnet, welches von einer oder mehreren Personen stammt, die einen bestimmten Themenkomplex lediglich aus der eigenen Nutzung kennen. Diese Personengruppe besitzt keine entsprechende Expertise oder Ausbildung aus diesem Gebiet. Unternehmensfeedback hingegen, beschreibt das Feedback von Personen eines Unternehmens, bei denen vorausgesetzt wird, dass sie eine hohe Expertise und Ausbildung in dem gegebenen Themenkomplex haben. Dabei kann das Unternehmen auch eine bestimmte Organisation oder Personengruppe sein. Allgemein vermittelt Unternehmensfeedback eine höhere Glaubwürdigkeit, als Nutzerfeedback (vgl. Hovland und Weiss 1951, S. 643).

2.3 Psychologisches Eigentum

Ein weiteres zentrales Konstrukt im Rahmen des Forschungsprojekts ist das Konzept des psychologischen Eigentums, welches ab dem Jahr 1991 von Pierce und Kollegen geprägt wurde. Dieses Konstrukt gilt es zur besseren Verständlichkeit des Forschungsprojekts hinreichend zu erläutern.

Das angestrebte Ziel der Untersuchung von psychologischem Eigentum, war ursprünglich die genauere Erläuterung des Verhältnisses zwischen Arbeitnehmern und Unternehmen (vgl. Englisch, Sieger und Zellweger 2010, S. 7). Psychologisches Eigentum beschreibt nach Pierce und Kollegen (1991, S. 134) eine Befindlichkeit, „in dem ein Individuum empfindet, dass ein materielles oder immaterielles Objekt oder ein Teil davon ihm gehört“. Obwohl psychologisches Eigentum häufig gegenüber materiellen Dingen zu beobachten ist, kann es auch gegenüber immateriellen Dingen wie zum Beispiel Ideen oder gar anderen Personen auftreten (Pierce, Kostova und Dirks 2001, S. 299). Das psychologische Eigentum kann dabei vom Betroffenen als Erweiterung seiner selbst wahrgenommen werden und ihn emotional an den Gegenstand oder die Sache binden (vgl. Belk 1988, S. 160). Psychologisches Eigentum grenzt sich von Begriffen wie Verbundenheit oder Identifikation ab, da hier der Fokus auf dem Besitzen der Sache liegt (Astrachan und Zellweger 2008, S. 357). Um psychologisches Eigentum zu erfahren ist es somit nicht notwendig rechtlicher Eigentümer zu sein, andererseits führt rechtliches Eigentum nicht automatisch zu psychologischem Eigentum (vgl. Pierce und Furo 1990, S. 39).

3 Einblick in die bisherige Literatur

Die Forschung über Feedback und psychologischem Eigentum in Ideenwettbewerben ist, genauso wie die Durchführung der Wettbewerbe selbst, ein noch sehr junges Forschungsgebiet. Um ein besseres Verständnis für die Relevanz dieses Forschungsprojekts zu erlangen ist es notwendig, die bisherige Literatur in dieser Hinsicht zu untersuchen. Zum besseren Verständnis wird diese Untersuchung in drei Literaturströme eingeteilt. Im ersten Literaturstrom wird die bisherige Forschung zu Ideenwettbewerben genauer beleuchtet. Diese Forschung beschäftigt sich mit der Fragestellung, wie die Ideenqualität von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden kann. Der zweite Literaturstrom beinhaltet die Untersuchung des Einflusses von Feedback in Ideenwettbewerben. Dieses Forschungsfeld ist, im Gegensatz zum erstgenannten, noch sehr jung. Im dritten Überblick wird die Literatur zum Phänomen des psychologischen Eigentums und dessen Wirkung in Ideenwettbewerben vorgestellt.

3.1 Einflussfaktoren auf die Ideenqualität in Ideenwettbewerben

In der ursprünglichen Forschung zu Ideenwettbewerben, wurde sich hauptsächlich auf die Optimierung der Ideenqualität fokussiert. Dabei wurden überwiegend die Eigenschaften eines erfolgreichen Ideenautors und die einer erfolgreichen Idee untersucht. Andere Untersuchungsmerkmale oder Einflüsse tauchen erst in der späteren Literatur auf. Erste Forschungen untersuchten unter anderem, ob Ideen die später gewonnen haben, eher durch Nutzer oder Experten entwickelt wurden. Pötz und Schreier (2012, S. 251f.) fanden dabei heraus, dass Nutzer den Experten in der Ideenentwicklung kaum unterlegen sind und diese in Einzelfällen sogar übertreffen. Dieses Ergebnis konnte auch in weiteren Forschungsarbeiten bestätigt werden (vgl. Magnusson, Wästlund und Netz 2016, S. 20). Die Verhaltensweise von Ideenautoren im Allgemeinen scheinen einen größeren Einfluss auf die Ideenqualität zu besitzen. Ideenautoren, die ihren Fokus auf die Innovationsfähigkeit und auf die Beliebtheit ihrer Idee lenken, dabei aber auch die Ideen anderer respektieren, haben Vorteile bei der Entwicklung ihrer Idee (vgl. Schemmann et al. 2016, S. 6). Die Einrechnung mehrerer Ideen bringt, nach Schemmann und Kollegen jedoch keinen Vorteil mit sich. Weitere Forschung fokussierte sich auf die Eigenschaften der Ideen. Es wurde nach Unterschieden und Zusammenhängen zwischen erfolgreichen und erfolglosen Ideen gesucht. Ideen, die im Verhältnis zur Konkurrenz zu außergewöhnlich sind, haben im weiteren Verlauf des Wettbewerbs schlechtere Chancen als Ideen, die nicht zu sehr von den anderen abweichen (vgl. Piezunka und Dahlander 2015, S. 870).

Wenige Studien erforschten außerdem den Einfluss von der Zusammenarbeit der Teilnehmer des Wettbewerbs auf die Ideenqualität. Diese Interaktion zwischen einzelnen Teilnehmern kann die Ideenqualität positiv verändern (vgl. Blohm et al. 2011, S. 7). Einen gegensätzlichen Hinweis fanden Girotra, Terwiesch und Ulrich (2010, S. 22) heraus. Sie stellen hingegen fest, dass Brainstorming in einer Gruppe negative Einflüsse auf die Ideenqualität haben kann. Neuere Studien untersuchen den Aspekt der Interaktion weiter. 2018 stellten Zhu und Kollegen eine Untersuchung an in der geprüft wurde, welche Rolle Feedback, welches die Teilnehmer für ihre Idee erhalten, in einem Ideenwettbewerb hat. Diese Studie bestätigte in ähnlicher Weise die vorher genannten Ergebnisse von Blohm und Kollegen. Sie fanden heraus, dass konstruktives Feedback einen direkten positiven Einfluss auf die Ideenqualität der Teilnehmer hat (vgl. Zhu et al. 2018, S. 34).

3.2 Feedback in Ideenwettbewerben

Die Rolle des Feedbacks in Ideenwettbewerben wurde in der Forschung der vergangenen Jahre im stärker fokussiert. Im Allgemeinen Konsens gilt Feedback als ein positiver Einfluss auf Ideenwettbewerbe. Diese Aussage trifft jedoch nur bedingt zu und muss kritisch betrachtet werden.

In der Untersuchung von Hildebrand und Kollegen (2013, S. 26f.) wurde festgestellt, dass Feedback durch eine Jury meist negative Effekte auf die Kreativität der Teilnehmer haben kann. Mit zunehmendem Feedback vernachlässigen die Teilnehmer ihre Idee und nähern sich den Verbesserungsvorschlägen immer mehr an. Dies kann einen negativen Effekt auf die daraus resultierende Ideenqualität haben. Die Annahmebereitschaft des Feedbacks hängt zudem mit den Eigenschaften der Teilnehmer zusammen. Teilnehmer, die eine hohe Expertise besitzen, werden weniger vom erhaltenen Feedback beeinflusst (vgl. Hildebrand et al. 2013, S. 17). Diese Art von Teilnehmern, vertraut eher auf ihr eigenes Wissen und ihre eigenen Fähigkeiten (vgl. Adamczyk et al. 2011, S. 222ff.).

Die überwiegende Mehrheit der Forschung stellt jedoch die positiven Einflüsse von Feedback in Ideenwettbewerben heraus. So hat die Anzahl an erhaltenem Feedback einen direkten positiven Effekt auf die Umsetzung der Idee (vgl. Liu 2017, S. 11). Weitere Forschungsprojekte bestätigen zwar diesen Zusammenhang, beobachten aber auch spezifische Unterschiede in der Art und dem Inhalt des Feedbacks. Mihm und Schlapp (2018, S. 11ff.) zeigen deutliche Unterschiede zwischen der Wirksamkeit von öffentlichem und privatem Feedback auf. Bekommt ein Teilnehmer positives Feedback öffentlich mitgeteilt, kann dies einen negativen Effekt auf die anderen Teilnehmer haben. Im Gegenzug kann öffentlich mitgeiltes negatives Feedback einen starken negativen Einfluss auf den Teilnehmer haben. Aus diesem Grund ist, bei großen Leistungsunterschieden zwischen den Teilnehmern, privates Feedback vorzuziehen (vgl. Mihm und Schlapp, 2018 S. 12). Ergänzend erhöht ein gezieltes Feedback die Ideenqualität stärker, als ein standardisiertes oder zufälliges Feedback. (vgl. Wooten und Ulrich, 2017 S. 90).

3.3 Psychologisches Eigentum und Ablehnung in Ideenwettbewerben

Die Forschung über psychologisches Eigentum wurde in den 1990er Jahren von Jon Pierce und Kollegen begründet. In diesen Forschungen wurde primär das Verhältnis von Unternehmen und Mitarbeitern untersucht (vgl. Englisch, Sieger und Zellweger 2010, S. 7; Pierce und Furo 1990, S. 39; Pierce, Rubenfeld, und Morgan 1991, S. 137). Aus diesen Untersuchungen wurde anschließend, nach einem Jahrzehnt an Forschung, das Konzept des psychologischen Eigentums abgeleitet und vorgestellt (vgl. Pierce, Kostova und Dirks 2001, S. 304). Bei der Entwicklung des Konzepts, bezieht sich Pierce auf die Lehren aus Philosophie und Psychologie (vgl. Buss 1990, S. 271). Die durchgeführten Forschungen von Pierce und Kollegen stellen einen Meilenstein in der psychologischen Untersuchung von Eigentumsverhältnissen dar. Alle darauffolgend angestellten Forschungen fundieren auf diesen Erkenntnissen.

Die Theorie des psychologischen Eigentums, im Zusammenhang mit Ideenwettbewerben, wurde derzeit kaum erforscht. Einige wenige Studien beschäftigen sich mit diesem Forschungsumfeld. Erste Studien finden heraus, dass die Nachfrage nach einem Produkt deutlich höher ist, wenn der Kunde vorher am Ideen- und Auswahlprozess zu diesem Produkt teilnehmen konnte (vgl. Fuchs, Prandelli und Schreier 2010, S. 71). Dieser Befund wird darin begründet, dass die Kunden dieses selbstausgewählte Produkt stärker als ihr psychologisches Eigentum ansehen. Pirkkalainen und Kollegen bestätigen die Wichtigkeit von psychologischem Eigentum in Ideenwettbewerben. Sie finden heraus, dass das Konzept des psychologischen Eigentums ein wichtiger Treiber für den Wissensaustausch unter Experten ist (vgl. Pirkkalainen et al. 2018, S. 284).

Die Wirkung von Ablehnung auf Ideen und dessen Wirkung auf das psychologische Eigentum wurde bisher am wenigsten untersucht. Das bisher bedeutendste Forschungsprojekt stellt die Studie von Piezunka und Dahlander (2019) dar. In dieser Studie wurde das Verhalten der Teilnehmer eines Ideenwettbewerbs nach der Ablehnung ihrer Idee untersucht. Entgegen aller Erwartungen fanden die Autoren heraus, dass die Bereitschaft erneut an dem Ideenwettbewerb teilzunehmen und weitere Ideen einzureichen, nach der Ablehnung zunimmt. Eine mögliche Begründung dafür, ist die vom Teilnehmer wahrgenommene Beachtung und Bewertung der Idee (vgl. Piezunka und Dahlander 2019, S. 27).

[...]

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Die dunkle Seite der Kundenintegration. Eine Untersuchung der Bedeutung von Feedbackquellen in Ideenwettbewerben
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
34
Katalognummer
V502332
ISBN (eBook)
9783346045744
ISBN (Buch)
9783346045751
Sprache
Deutsch
Schlagworte
seite, kundenintegration, eine, untersuchung, bedeutung, feedbackquellen, ideenwettbewerben
Arbeit zitieren
Michael Tomas (Autor), 2019, Die dunkle Seite der Kundenintegration. Eine Untersuchung der Bedeutung von Feedbackquellen in Ideenwettbewerben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502332

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