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Zur Ironie in Thomas Manns 'Wälsungenblut'

Title: Zur Ironie in Thomas Manns 'Wälsungenblut'

Seminar Paper , 2000 , 24 Pages , Grade: Sehr gut

Autor:in: Kristina Werndl (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Thomas Manns Ironie ist mehr ist als ein poetisches Werkzeug, mehr als eine poetologische Kategorie; sie ist ein spezifisches Weltverhältnis, das mit Manns politischen und moralischen Überzeugungen korreliert und sich unweigerlich niederschlägt in seinen Texten, die immer auch Reflexionen über seine eigene Person sind. Die Arbeit untersucht die polyphone Ironie in der Erzählung "Wälsungenblut" - vornehmlich an der Darstellung der berühmten Walküre-Szene.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ironisierende Stilfiguren

3. Rollenbewußtsein und Illusionismus

4. Die Rolle des Erzählers

4.1. Kommentieren

4.2. Manipulieren

4.3. Kommunizieren

5. Exkurs: Überlegungen zur Mehrdeutigkeit

6. Ironisierende Wagner-Bezüge

6.1. Archaismen

6.2. Exkurs: Ironie in den Tropen

6.3. Das „germanische“ Moment

7. Adjektive

8. Das Ironische im Allgemeinen und bei Superlativen

9. Schlußwort

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die vielschichtige Ironie in Thomas Manns Novelle „Wälsungenblut“ mit einem besonderen Fokus auf den Erzählabschnitt des Opernbesuchs von Richard Wagners „Die Walküre“. Zentrales Ziel ist es, die sprachlich-stilistischen Mechanismen und narrativen Verfahren freizulegen, durch die Mann eine rationale Distanz und eine kritische Auseinandersetzung mit dem Werk Wagners sowie den Protagonisten der Novelle erzeugt.

  • Analyse der ironischen Stilfiguren und narrativen Strategien
  • Untersuchung der Wechselwirkung zwischen Musik, Fiktion und Realität
  • Aufdeckung der Funktion von Archaismen und Superlativen
  • Interpretation des Inzest-Motivs vor dem Hintergrund der Wagner-Rezeption
  • Dekonstruktion des „Theaterzaubers“ durch den Erzähler

Auszug aus dem Buch

4.2. Manipulieren

Der Erzähler versteht es meisterlich, in seiner suggestiv-persuasorischen Manier unsere Gedanken in eine ganz bestimmte Richtung zu lenken. Besonders eindrucksvoll zeigt sich das am Satz „Auch Hunding lächelte artig, trotz allem, was geschehen...“ (323). Der 1. Akt ist zu Ende, die Pause hat begonnen. Es ist also nicht Hunding als Bühnenfigur, der da lächelt, sondern der Sänger, der die Rolle des Hunding zum besten gibt. Es ist ja kaum denkbar, daß der gar so grimmige Germane Hunding „artig lächelt“, denn Hunding präsentiert sich in den Worten des Erzählers durchwegs negativ; auch stünde ein solches Verhalten im Widerspruch zum vorangegangenen Streit mit dem Fremden, dem Wälsungen Siegmund. Der Leser muß nachdenken. Er kommt zu dem Schluß, daß der Erzähler mit dieser Äußerung zwischen der Ebene der Fiktion (Bühnenaufführung) und der Ebene der Realität (aus Sicht der Aarenholds) changiert.

Er kann davon ausgehen, daß die Äußerung in der Tat gemacht wurde, um verstanden zu werden, wenn auch in einem anderen, verschlüsselten Sinn, und daß sie deshalb verstanden werden kann. Er sieht genauer hin und führt ein Interpretationsverfahren durch, in dessen Verlauf er die problematische Äußerung so umdeutet, daß sie wieder einen Sinn ergibt: Die Unwissenheit des Erzählers ist nur eine scheinbare und wirft auf ko(n)textueller Ebene ein ironisches Licht auf die identifikatorische, unreflektierte Mitleidenschaft des Lese- und Opernpublikums.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den Entstehungskontext von „Wälsungenblut“ und führt in das komplexe Phänomen der Ironie bei Thomas Mann als „weltanschauliches Verhältnis“ ein.

2. Ironisierende Stilfiguren: Dieses Kapitel analysiert, wie Mann durch den gezielten Einsatz von Lautmalerei, Stabreimen und Rhythmus die Wagnersche Sprache parodistisch unterwandert.

3. Rollenbewußtsein und Illusionismus: Hier wird untersucht, wie Mann den Anschein theatraler Illusion durch die detaillierte Beschreibung der „Gemachtheit“ einer Opernaufführung systematisch aufbricht.

4. Die Rolle des Erzählers: Dieses Kapitel widmet sich den narrativen Eingriffen des Erzählers, der durch Kommentierung, Manipulation und die Kommunikation mit dem Leser die Distanz zum fiktionalen Geschehen steuert.

5. Exkurs: Überlegungen zur Mehrdeutigkeit: Der Exkurs beleuchtet die elliptische Struktur der Erzählung und wie das bewusste Offenlassen von Satzenden ironisches Potential freisetzt.

6. Ironisierende Wagner-Bezüge: Dieses Kapitel behandelt die Verwendung von Archaismen und die Umdeutung des „germanischen“ Moments als Mittel zur ironischen Distanzierung von Wagners Mythos.

7. Adjektive: Der Autor zeigt auf, wie Mann durch seine Vorliebe für Adjektive und deren präzise Kombination den deskriptiven, ironischen Grundton der Novelle verstärkt.

8. Das Ironische im Allgemeinen und bei Superlativen: Hier wird analysiert, wie Verallgemeinerungen und die übersteigerte Verwendung von Superlativen dazu dienen, das Pathos der Operndarsteller und der Protagonisten lächerlich zu machen.

9. Schlußwort: Das Schlußwort fasst die linguistischen Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Gültigkeit von Manns ironischer Haltung über die Epoche des Wagnerianismus hinaus.

Schlüsselwörter

Thomas Mann, Wälsungenblut, Ironie, Richard Wagner, Die Walküre, Erzähltheorie, Stilistik, Moderne, Décadence, Inzest-Motiv, Literaturanalyse, Sprachironie, Operntravestie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die sprachliche Konstitution von Ironie in Thomas Manns Novelle „Wälsungenblut“.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Analyse konzentriert sich auf das Zusammenspiel von Wagners Musikdramatik, der literarischen Ironie Manns und der Rolle des Erzählers bei der Entlarvung theatraler Illusion.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist der Nachweis, dass Mann durch präzise linguistische Mittel – wie Wortwahl, Rhythmus und Syntax – eine rationale Distanz zu seinem Sujet herstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin wählt einen linguistisch-analytischen Ansatz, bei dem lexematische Ebenen, Syntax und textinterne Ironiesignale detailliert untersucht werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert spezifische Stilmittel (Archaismen, Adjektive, Superlative) sowie die Erzählhaltung im Kontext des Opernbesuchs der Aarenhold-Zwillinge.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Ironie, Wagner-Bezüge, Erzählhaltung, linguistische Stilistik und die Novelle „Wälsungenblut“.

Wie unterscheidet sich die Ironie des Erzählers von der Satire?

Die Arbeit stellt heraus, dass Manns Ironie eine intellektuelle Distanz darstellt, während beispielsweise die Satire oft offener und aggressiver agiert.

Warum spielt der „bestimmte Artikel“ in der Analyse eine Rolle?

Die Autorin zeigt anhand der Nutzung des bestimmten Artikels bei der Beschreibung der Wagner-Kulisse, wie Mann auf das Vorwissen des Lesers zielt, um den Stereotypisierungscharakter der Aufführung zu betonen.

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Details

Title
Zur Ironie in Thomas Manns 'Wälsungenblut'
College
University of Salzburg  (Germanistik)
Course
Nietzsche und Wagner: Literatur, Philosophie und Musik im 19. Jh.
Grade
Sehr gut
Author
Kristina Werndl (Author)
Publication Year
2000
Pages
24
Catalog Number
V50237
ISBN (eBook)
9783638464932
ISBN (Book)
9783638598057
Language
German
Tags
Ironie Thomas Manns Wälsungenblut Nietzsche Wagner Literatur Philosophie Musik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kristina Werndl (Author), 2000, Zur Ironie in Thomas Manns 'Wälsungenblut', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50237
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