Georgs Simmels soziologische Analyse „Exkurs über den Fremden“ aus dem Jahr 1908 gehört bis heute zu den klassischen Einsichten über den Fremden. Allerdings unterscheidet sich die heutige Gesellschaft deutlich von der, die Simmel zu seinen Lebzeiten erfahren hat. Globalisierung, technischer Fortschritt und immer schneller wechselnde sowie oberflächlicher werdende Kontakte prägen das zeitgenössische Leben vieler. Daher soll die folgende Arbeit der Frage nachgehen, ob und inwiefern Georg Simmels Ansichten zum Fremden heute noch haltbar sind bzw. was sich verändert hat. Wer ist der Fremde heute?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Simmel’s Exkurs über den Fremden
Weitere Typen des Fremden
Arten des Fremdseins
Der Fremde heute
Fremde unter Fremden
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Georg Simmels klassische soziologische Analyse des „Fremden“ auf ihre heutige Relevanz und prüft, inwiefern sich das Verständnis von Fremdheit in der modernen, globalisierten Gesellschaft verändert hat.
- Kritische Auseinandersetzung mit Georg Simmels „Exkurs über den Fremden“
- Typologien des Fremdseins und der sozialen Verortung
- Analyse des Fremden als soziales Konstrukt
- Übertragung soziologischer Konzepte auf die heutige Lebenswelt
- Diskussion von Nähe, Distanz und der „Vergegnung“ im Alltag
Auszug aus dem Buch
Simmel’s Exkurs über den Fremden
Der Fremde, für den sich Georg Simmel interessiert ist derjenige, der die beiden Bestimmungen von Gelöstheit und Fixiertheit in sich vereint. Es handelt sich hier also nicht um den fremden Wanderer, „der heute kommt und morgen geht, sondern [um den], der heute kommt und morgen bleibt – sozusagen der potentiell Wandernde, der, obgleich er nicht weitergezogen ist, die Gelöstheit des Kommens und Gehens nicht ganz überwunden hat“ (Simmel; 2013; S.529). Es geht hier also um das besondere Verhältnis des Fremden zur Mobilität und der Sesshaftigkeit.
Nach Simmel ergibt sich die soziologische Position des Fremden außerdem aus einer besonderen Raumkonfiguration, da „ […] das Verhältnis zum Raum […] einerseits die Bedingung, andererseits das Symbol der Verhältnisse zu Menschen ist“ (Simmel; 2013; S.529). So versteht Simmel das Verhältnis zum Fremden als eine besondere Mischung von Nähe und Entferntheit . Der Fremde ist innerhalb eines bestimmten räumlichen Umkreis fixiert, seine Position wird jedoch dadurch bestimmt, dass er nicht von Anfang an zu ihm gehört hat (Vgl. Simmel; 2013; S.529).
Nach Simmel sind in jedem Verhältnis zwischen Menschen die beiden Variablen ‚Nähe‘ und ‚Entferntheit‘ aufzufinden, so können (sozial) nahestehende Personen auch weit (räumlich) voneinander entfernt sein. In der Beziehung zum Fremden sind die Variablen sozusagen vertauscht. Fremdsein bedeutet so, „[…] daß der Ferne nah ist“ (Simmel; 2013; S.529).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Hinführung zur Fragestellung, inwieweit Simmels soziologische Analysen auf die heutige, von Globalisierung und technischem Fortschritt geprägte Gesellschaft anwendbar sind.
Simmel’s Exkurs über den Fremden: Erläuterung der zentralen Simmelschen Konzepte wie Gelöstheit, Fixiertheit, Nähe, Distanz sowie der Objektivität des Fremden.
Weitere Typen des Fremden: Diskussion der Begrenzung des Simmelschen Modells und Vorstellung der Typologie von Donald N. Levine zur sozialen Einordnung.
Arten des Fremdseins: Betrachtung soziologischer Perspektiven auf die soziale Konstruktion des Fremden und die Prozesse der Raumverteilung bei Zygmunt Bauman.
Der Fremde heute: Analyse der gegenwärtigen Relevanz von Simmels Raumkonzepten und der Blasiertheit in einer zunehmend funktional differenzierten Gesellschaft.
Fremde unter Fremden: Untersuchung der universalen Fremdheit, in der jeder Einzelne zum Fremden wird und soziale Kontakte oft nur als oberflächliche „Vergegnungen“ stattfinden.
Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Aktualität von Simmels Fremden-Konzept und die Feststellung, dass Fremdheit heute ein universales, sozial konstruiertes Phänomen ist.
Schlüsselwörter
Fremdheit, Georg Simmel, soziale Konstruktion, Nähe und Distanz, Vergesellschaftung, Postmoderne, Vergegnung, Objektivität, soziale Raumkonfiguration, Blasiertheit, Identität, Soziologie, soziale Distanz, Exklusion, universale Fremdheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das soziologische Phänomen des „Fremden“, basierend auf Georg Simmels klassischem Essay, und prüft dessen Anwendbarkeit auf die moderne Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Soziologie der Raumkonfiguration, die Bedeutung von Nähe und Distanz, soziale Konstruktionsprozesse und die heutige Lebensweise in einer komplexen Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich der Begriff des Fremden von einem historisch spezifischen Typus hin zu einer universalen, gesellschaftsweiten Erfahrung gewandelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine soziologische Literaturarbeit, die klassische Theorie mit aktuellen gesellschaftstheoretischen Diskursen (u.a. von Bauman und Luhmann) vergleicht und synthetisiert.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Im Hauptteil werden Simmels „Exkurs über den Fremden“, die Ergänzung durch moderne Typologien und die heutige Bedeutung von Fremdheit für die Identitätsbildung und soziale Interaktion diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Fremdheit, soziale Konstruktion, Nähe, Distanz, Postmoderne und Vergegnung sind die zentralen Begriffe, die den theoretischen Rahmen der Arbeit definieren.
Wie unterscheidet sich der „Fremde“ bei Simmel von der heutigen Wahrnehmung?
Bei Simmel ist der Fremde oft eine Person, die von außen in eine bestehende Gruppe kommt; heute wird Fremdheit hingegen als allgegenwärtiger Zustand verstanden, da die Grenzen zwischen „Eigenem“ und „Fremdem“ zunehmend verschwimmen.
Was versteht die Autorin unter dem Begriff „Vergegnung“?
Der Begriff beschreibt eine spezifische, moderne Interaktionsform, bei der Menschen einander mit höflicher Gleichgültigkeit begegnen, ohne eine echte soziale oder persönliche Verbindung einzugehen, um die Komplexität des Alltags zu bewältigen.
- Quote paper
- Nicole Kräuter (Author), 2018, Fremde unter Fremden. Untersuchung zum Fremden in Anschluss an Georg Simmels "Exkurs über den Fremden", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502380