Dysbalancen im Leistungssport Schwimmen

Der Zusammenhang zwischen dem Testergebnis des Functional Movement Screens und der Zuglänge und dem Zugweg in den Schwimmarten Kraul und Rücken


Bachelorarbeit, 2019
89 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Dysbalancen
2.1.1 Muskuläre Dysbalance
2.1.2 Neuromuskuläre Dysbalance
2.1.3 Funktionale Dysbalance
2.2 Der Functional Movement Screen
2.2.1 Beschreibung des Functional Movement Screens
2.2.2 Die Items des FMS

3 Methodik
3.1 Probanden
3.2 Messorte
3.3 Messgeräte
3.3.1 FMS Testsystem
3.3.2 GoPro Hero 7 Black
3.4 Untersuchungsdesign
3.5 Messparameter
3.6 Datenverarbeitung und -auswertung

4 Ergebnisse
4.1 Ergebnisse FMS
4.2 Ergebnisse Zuglänge und Zugweg
4.3 Korrelation zwischen dem FMS und den Schwimmarten
4.3.1 Korrelation zwischen dem Gesamtscore und der Differenz der großen und kleinen Züge
4.3.2 Korrelation zwischen Seitenasymmetrien beim Schwimmen und den Dysbalancen in ausgewählten Items

5 Diskussion

6 Fazit/Ausblick

7 Zusammenfassung

8 Literaturverzeichnis

Anhang (Bilder/Tabellen)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1. Praxisorientiertes Modell neuromuskulärer Balancen und Dysbalancen (modifiziert nach Freiwald & Greiwing, 2016)

Tabelle 2. Der Gelenk-für-Gelenk-Ansatz (nach Boyle, 2015b, S. 25)

Tabelle 3. Geschlecht, Alter, Hauptlage und Bestzeit über 100m Rücken und Kraul [sec.] der Probanden

Tabelle 4. Deskriptive Statistik für den FMS Score, Tiefe Kniebeuge (TK), Hürdenschritt (HS), Ausfallschritt auf einem Balken (AAEB), Schultermobilität (SM), Anheben des gestreckten Beines (ADGB), Rumpfstabilitätsliegestütz (RL) und Rotationsstabilität (RS)

Tabelle 5. Deskriptive Statistik für die bilateralen Items Hürdenschritt links (HSL), Hürdenschritt rechts (HSR), Ausfallschritt auf einem Balken links (AAEBL), Ausfallschritt auf einem Balken rechts (AAEBR), Schultermobilität links (SML), Schultermobilität rechts (SMR), Anheben des gestreckten Beines links (ADGBL), Anheben des gestreckten Beines rechts (ADGBR), Rotationsstabilität links (RSL) und Rotationsstabilität rechts (RSR)

Tabelle 6. Gemittelte Länge des linken (RüLiAr) und rechten (RüReAr) Rückenarmzuges sowie linken (KrLiAr) und rechten (KrReAr) Kraularmzuges der einzelnen Probanden in Sekunden [sec] mit Standardabweichung

Tabelle 7. Gemittelte Winkel des linken (RüLiAr) und rechten (RüReAr) Rückenarmzuges sowie linken (KrLiAr) und rechten (KrReAr) Kraularmzuges der einzelnen Probanden mit Standartabweichung in Grad [°]

Tabelle 8. Durchschnittswerte der Länge [sec] und Winkel [°] aller rechten Rückenarmzüge (RüRe), linker Rückenarmzüge (RüLi), sowie großen Rückenarmzüge (RüGroß) und kleinen Rückenarmzüge (RüKlein) mit Standardabweichung, *signifikant für p < 0,

Tabelle 9. Durchschnittswerte der Länge [sec] und Winkel [°] aller rechten Kraularmzüge (KrRe), linker Kraularmzüge (KrLi), sowie großen Kraularmzüge (KrGroß) und kleinen Kraularmzüge (KrKlein) mit Standardabweichung, *signifikant für p < 0,

Tabelle 10. Häufigkeitsverteilungen der Dysbalancen hinsichtlich der Zuglänge und des Items Hürdenschritt für die Schwimmarten Kraul (links) und Rücken (rechts)

Tabelle 11. Häufigkeitsverteilungen der Dysbalancen hinsichtlich der Zugmuster und des Items Hürdenschritt für die Schwimmarten Kraul (links) und Rücken (rechts)

Tabelle 12. Häufigkeitsverteilungen der Asymmetrien der Zuglänge und der Bewertungen des Items Ausfallschritt auf einem Balken für die Schwimmarten Kraul (links) und Rücken (rechts)

Tabelle 13. Häufigkeitsverteilungen der Asymmetrien innerhalb des Zugmusters und der Bewertungen des Items Ausfallschritt auf einem Balken für die Schwimmarten Kraul (links) und Rücken (rechts)

Tabelle 14. Häufigkeitsverteilungen der Asymmetrien der Zuglänge und der Dysbalancen des Items Schultermobilität für die Schwimmarten Kraul (links) und Rücken (rechts)

Tabelle 15. Häufigkeitsverteilung der Asymmetrien der Zugmuster und der Dysbalancen des Items Schultermobilität für die Schwimmart Kraulen (links) und Rücken (rechts)

Tabelle 16. Häufigkeitsverteilungen der Asymmetrien der Zuglänge und der Bewertungen des Items Anheben des gestreckten Beines für die Schwimmarten Kraul (links) und Rücken (rechts)

Tabelle 17. Häufigkeitsverteilung der Asymmetrien der Zugmuster und der Bewertungen des Items Anheben des gestreckten Beines für die Schwimmarten Kraul (links) und Rücken (rechts)

Tabelle 18. Häufigkeitsverteilung der Asymmetrien der Zuglänge und der Bewertungen des Items Rotationsstabilität für die Schwimmarten Kraul (links) und Rücken (rechts)

Tabelle 19. Häufigkeitsverteilung der Asymmetrien der Zuglängen und der Bewertungen des Items Rotationsstabilität für die Schwimmarten Kraul (links) und Rücken (rechts)

Tabelle 20. Prozentuale Verteilung der großen Winkel und langen Armzüge pro Körperseite in den Schwimmarten Kraul und Rücken

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1. Schematische Darstellung des oberen gekreuzten Syndroms (eigene Darstellung, Anlehnung an Smolenski, Buchmann & Beyer, 2016, S. 49)

Abb. 2 Schematische Darstellung des unteren gekreuzten Syndroms (eigene Darstellung, in Anlehnung an Smolenski, Buchmann & Beyer,2016, S. 50)

Abb. 3 Bewegungsausführung der tiefen Kniebeuge (Cook, 2010, S. 93)

Abb. 4 Bewegungsausführung des Hürdenschritts (Cook, 2010, S. 93)

Abb. 5 Bewegungsausführung des Ausfallschritts auf einem Balken (Cook, 2010, S. 95)

Abb. 6 Bewegungsausführung der Schulterbeweglichkeit (links) und Clearing-Test (rechts) (Cook, 2010, S. 97)

Abb. 7 Bewegungsausführung des Anhebens des gestreckten Beins (Cook, 2010, S. 99)

Abb. 8 Bewegungsausführung des Rumpfstabilitätsliegestütz (links) und Clearing-Test (rechts) (Cook, 2010, S. 101)

Abb. 9 Bewegungsausführung der Rotationsstabilität (Cook, 2010, S. 103)

Abb. 10. Durchführung des Clearing-Tests der Rotationsstabilität (Cook, 2010, S. 103)

Abb. 11 FMS Testsystem (https://www.perform-better.de/shop/testing-screening/professional-fms-test-kit-holz-inkl-tasche/, 2019)

Abb. 12 GoPro Hero 7 Black (links) mit GoPro El Grande (rechts) (https://de.shop.gopro.com/EMEA/mounts/el-grande/AGXTS-001.html)

Abb. 13 Doppeltes Aufnahmefenster von Kinovea mit den gleichzeitig gestarteten Bewegungsaufnahmen (linke Bildhälfte – Kameraposition auf Kopfhöhe; rechte Bildhälfte – mitführende Kamera)

Abb. 14 Messung der Zuglänge des rechten Armes (linke Seite) und des linken Armes (rechte Seite) anhand der Zeit [sec]

Abb. 15 Messung der Zuglänge des rechten Armes (rechte Seite) und des linken Armes (linke Seite) in der Schwimmart Rücken anhand der Zeit [sec]

Abb. 16 Analyse des Zugmusters anhand des Winkels zwischen Oberarm und Unterarm [°]

Abb. 17 Prozentuale Verteilung der Punktanzahl der Items Ausfallschritt auf einem Balken (links) und Rumpfstabilitätsliegestütz (rechts)

Abb. 18 Prozentuale Verteilung der Punktanzahl der Items Rotationsstabilität (links) und Hürdenschritt (rechts)

Abb. 19 Prozentuale Verteilung der festgestellten Dysbalancen innerhalb der Items Anheben des gestreckten Beines (links) und Ausfallschritt auf einem Balken (rechts) differenziert nach Nein, linke Seite (links), rechte Seite (rechts) und beide Seiten gleich bei einer Punktzahl des Items <

Abb. 20 Prozentuale Verteilung der festgestellten Dysbalancen innerhalb der Items Schultermobilität (links) und Hürdenschritt (rechts) differenziert nach Nein, linke Seite (links) und rechte Seite (rechts)

Abb. 21 Prozentuale Verteilung der langen Armzüge bei Rücken (links) und Kraul (rechts) auf die Körperseiten aufgeteilt

Abb. 22 Prozentuale Verteilung der großen Winkel der Armzüge bei Rücken (links) und Kraul (rechts) auf die Körperseiten aufgeteilt

Abb. 23 Streudiagramme der Differenz der Zuglänge zwischen langem und kurzem Zug in den Schwimmarten Rücken (links) und Kraul (rechts) in Beziehung mit dem FMS Gesamtscore

Abb. 24 Streudiagramme der Differenz der Zugwinkel zwischen großem und kleinem Zug in den Schwimmarten Rücken (links) und Kraul (rechts) in Beziehung mit dem FMS Gesamtscore

1 Einleitung

Alternierende zyklische Bewegungen sind durch die mehrfache Wiederholung des Hauptbewegungsablaufes, bei dem abwechselnd die linke und rechte Körperseite am Vortrieb beteiligt ist, gekennzeichnet (Hartmann, Minow & Senf, 2011). Obwohl sich viele zyklische Bewegungen durch Symmetrie auszeichnen, sind die meisten menschlichen Bewegungen asymmetrisch. Dies resultiert daraus, dass die menschliche Struktur nicht von Symmetrie gekennzeichnet ist (Czabanski & Koszczyc, 1979). Bestätigend hierzu wurden in vielen zyklischen Sportarten Asymmetrien nachgewiesen (Furlong & Egginton, 2018; Gilgen-Ammann, Taube & Wyss, 2017; Krüger, 2005; McKean & Burkett, 2010; Millour et al. 2016; Witt & Hermsdorf 2006). So haben Bertucci, Arfaoui & Polidori (2012) bei den maximalen Pedalkräften von Amateurradfahrern eine bilaterale Asymmetrie von bis zu 60% festgestellt, was Bini, Jacques, Sperb, Lanferdini & Vaz (2016) validiert haben. Aber nicht nur im Amateurbereich, sondern auch im Profiradsport zeigen sich Bewegungsabweichungen zwischen der linken und rechten Körperseite (Pouliquen, Nicolas, Bideau, Megret & Bideau 2015). Im Laufsport wurden ebenfalls Dysbalancen der unteren Extremitäten festgestellt (Schütte, Seerden, Venter & Vanwanseele, 2016; Wileman, Moresi & Millet, 2015).

Gleichermaßen wurden in der Sportart Schwimmen für die verschiedenen Wettbewerbsschwimmarten (Brust-, Delphin-, Kraul-, und Rückenschwimmen) Dysbalancen beobachtet (Sanders, Thow & Fairweather, 2011). Beim Brust- und Delphinschwimmen gestaltet sich die Vortriebswirkung durch achsensymmetrische und abwechselnde Arm- und Beinaktionen, welche in hohem Maße koordiniert werden müssen (Chollet & Seifert, 2012). Trotz der spiegelbildlichen Bewegungen wurden bei diesen Gleichschlagschwimmarten Asymmetrien beim Beinschlag festgestellt (Carson, 1999; Czabanski, 1975; Jaszczak, 2008). Im Gegensatz dazu besteht beim Kraul- und Rückenschwimmen der Antrieb aus einer wechselseitigen Bewegung der Arme und Beine. Während „die Beine abwechselnd und mehr oder weniger gestreckt auf und ab schlagen“ (Madsen, Reischle & Kandolf, 2015, S.56) erzeugt ein Arm unter Wasser Vortrieb, solange sich der andere Arm über Wasser erholt (Andrews, Bakewell & Scurr, 2011; Seifert & Chollet, 2012; Tourney-Chollet, Seifert & Chollet, 2009). Hierbei spielt die Rollbewegung des Rumpfes eine entscheidende Rolle, da die Rotation einerseits den Weg des Vortriebs verlängert und andererseits den Antrieb durch den Oberarm erhöht (Gonjols, McCabe, Coleman & Sanders, 2016; Köhler, Polenz, Schmid, Dobner & Witt 2016). In diesen verschiedenen Phasen des Armzyklus wurden ebenfalls Dysbalancen festgestellt (Barden, 2012; Dos Santos, Bento, Pereira, Payton & Rodacki, 2017).

Auf Grund der unterschiedlichen Erscheinungsformen der Dysbalancen bei den Schwimmarten Kraul und Rücken scheinen die Auslöser sehr individuell zu sein. Sanders et al. (2011) führen beispielsweise genetische Umweltfaktoren, Entwicklungsfaktoren, Krankheitsfaktoren, frühere Verletzungen und Müdigkeit als Hauptgrund für Dysbalancen an. Als Hauptursachen werden hier jedoch – beim Großteil der Literatur – bilaterale Dysbalancen in der Schulterflexibilität, Ungleichgewicht im Kraftverhältnis zwischen linker und rechter Seite, muskuläre Dysbalancen der Schulterrotatoren und in der Schwimmart Kraul die bevorzugte Atmungsseite genannt (Vezos et al 2007; Seifert, Chehensse, Tourney-‐Chollet, Lemaitre & Chollet, 2008; Psycharakis & Sanders 2008; Havriluk 2007; Barden, 2012). So können Dysbalancen in der Schulterflexibilität beim Schwimmen beispielsweise zu Unterschieden in der Schulterrotation und beim Schultereintrittswinkel führen (Andrews et al. 2011; Sanders, 2013). Bei Kraul kann die präferierte Atmungsseite asymmetrische Zugmuster hervorrufen (Tourney-Chollet et al. 2009), oder bilaterale Unterschiede in der Spitzenkraft und Kraftentwicklung die zeitliche Struktur des Zugmusters beeinflussen (Dos Santos et al., 2017; Tourney-Chollet et al. 2009). Die Auswirkungen der Dysbalancen sind hinreichend bekannt. So kann es einerseits zu einem Kraftungleichgewicht im Hüft- und Schulterbereich kommen, welcher zu Veränderungen (Carson, 1999; Solovjova, 1997) oder Schmerzen (Bahr, 2009) am Halte- und Bewegungsapparat führen kann. Andererseits besteht die Möglichkeit, dass fehlerhafte Bewegungstechniken (Thai et al., 2009, zitiert nach Doyscher, Schütz und Kraus, 2016, S.9) zu sportarttypischen Verletzungen führen und diese wiederum zu chronischen gesundheitlichen Problemen (Pieper & Schulte, 1996).

Ungeachtet dessen sind die daraus resultierenden Überlastungsschäden das wesentliche Kriterium für eine verminderte Trainingszeit und können für ein frühzeitiges Ausscheiden des Sportlers im Nachwuchsleistungssportbereich sorgen (Enoksens, 2011). Aus diesem Grund wurde der Functional Movement Screen (FMS) entwickelt. Ziel des FMS ist die Erfassung von funktionalen und physischen Limitationen einer Muskelkette, bewegungsassoziierten Schmerzen, Verletzungsrisiken und motorischer Kontrolle während eines Bewegungsmusters (Cook, 2014).

Da sich Dysbalancen auf das Zugmuster und den Zugweg beim Schwimmen auswirken (Sanders et al. 2013) und der FMS ein gutes Tool ist, um Mobilität, Dysbalancen, Flexibilität und Stabilität zu erkennen (Bullock, Brookreson, Knab & Butler, 2017) besteht das Ziel dieser Arbeit darin, zu überprüfen, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Testergebnis des FMS und der Zuglänge und dem Zugweg in den Schwimmarten Kraul und Rücken gibt.

2 Theoretischer Hintergrund

Bereits vor circa 35 Jahren hat der Begriff muskuläre Dysbalance verstärkt Einzug in die deutsche Literatur gehalten (Lenhart & Seibert, 2012). Trotz dieses langen Zeitraums ist in der Literatur keine einheitliche Begriffsdefinition oder Klassifikationen zu finden, da muskuläre Dysbalancen immer individuell und unter Beachtung der geforderten Dispositionen bewertet werden sollten (Froböse & Fiehn, 2011). Betrachtet man dennoch die Gemeinsamkeiten, so werden sie häufig mit einem Ungleichgewicht zwischen „Muskel und Muskelketten“ (Wick, 2011, S.139; Zalpour, 2010, S.305), „Agonisten und Antagonisten“ (Graff & Prager, 1986, S. 22) oder „tonischer und phasischer Muskulatur“ (Lenhart & Seibert, 2012, S.9; Spring et al., 1997, S.12) in Verbindung gebracht. Um eine möglichst klare Übersicht über das Themengebiet zu geben, werden im Folgenden sowohl verschiedene Klassifikationen von Dysbalancen vorgenommen als auch der Functional Movement Screen näher dargestellt.

2.1 Dysbalancen

Wie bereits in Kapitel 2 beschrieben sind die Ursache, Ausprägung und das Verständnis über Dysbalancen durch unterschiedliche Ansichten gekennzeichnet. In diesem Kapitel wird versucht, die gängigen Auffassungen zusammenzufassen und zu klassifizieren. Diese Klassifikation stellt nur eine von vielen Möglichkeiten dar.

2.1.1 Muskuläre Dysbalance

Ein viel verbreiteter und zitierter Ansatz über das muskuläre Ungleichgewicht geht von Janda aus, dessen manuelle Funktionsdiagnostik bei dessen Befundung hilfreich sein soll (König, Münnich, Schmidt & Dünnwald, 1999). Janda (2000) beschreibt muskuläre Dysbalance als eine Störung des Verhältnisses der muskulären Balance, welche auf einer „ausgewogenen Zusammenarbeit aller gelenkbeeinflussenden Muskeln in der Auseinandersetzung mit der Schwerkraft beruht" (Lindel, 2011, S.19). Dieses Missverhältnis resultiert einerseits aus der Inkoordination von 6 dynamischen Stereotypen, andererseits aus drei statischen Stereotypstörungen.

Die dynamischen Stereotypen („Hüftextension, Hüftabduktion, Heben des Rumpfes aus der Rückenlage, Liegestütz, Heben des Kopfes in Rückenlage, Armabduktion“) (Smolenski, Buchmann & Beyer, 2016, S.42) werden für die tägliche Auseinandersetzung mit der Umwelt und die darauf notwendige motorische Reaktion benötigt. Sie können auf Grund des Typus der Muskulatur gestört sein, welcher hier in tonische Muskeln (Haltemuskulatur) und phasische Muskeln (Bewegungsmuskulatur) unterteilt ist. Generell neigt tonische Muskulatur zur Verkürzung oder Verspannung und phasische Muskulatur zur Abschwächung (Inhibition) (Chaitow, 2004; Frisch, 1999; Lenhart & Seibert, 2012; Müller, 2007; Spring et al., 1997). Die Atrophie kann in vier Formen ausgeprägt sein (Smolenski, Buchmann & Beyer, 2016).

1. Arthrogen (vom Gelenk ausgehend)
2. Dehnungsschwäche (Abschwächen eines Muskels, wenn er lange Zeit in einer Hemmungssituation ist)
3. Primäre Muskelfaserdysfunktion (reflektorische spinale Fehlsteuerung durch lange bestehende Triggerpunkte)
4. Verkürzungsschwäche (bindegewebige Retraktion und einhergehende Schwächung eines Muskels auf Grund einer länger andauernden Verspannung)

Die statischen Stereotypstörungen (oberes gekreuztes Syndrom, unteres gekreuztes Syndrom, Etagensyndrom) spiegeln sich nach Smolenski, Buchmann & Beyer (2016, S.49) in der Körperhaltung wider und werden als „Muskel-Imbalance-Syndrom“ bezeichnet. Bei den gekreuzten Syndromen ist die „antagonistisch verschaltete Muskulatur wechselseitig dorsal oder ventral lokalisiert“ (Smolenski, Buchmann & Beyer, 2016, S.49).

Oberes gekreuztes Syndrom

Das obere gekreuzte Syndrom (sieheAbb. 1) ist durch verspannte und verkürzte dorsal gelegene Nackenstrecker, obere Schulterblattfixatoren und dem dazu gehörenden ventral gelegenen, inhibiertem tiefen Halsbeuger gekennzeichnet. Des Weiteren besteht es aus den reversibel strukturell verkürzten vorderen Schulterblattfixatoren ebenso wie den antagonistisch verschalteten, inhibierten hinteren Schulterblattfixatoren (Smolenski, Buchmann & Beyer, 2016).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1. Schematische Darstellung des oberen gekreuzten Syndroms (eigene Darstellung, Anlehnung an Smolenski, Buchmann & Beyer, 2016, S. 49)

Unteres gekreuztes Syndrom

Das untere gekreuzte Syndrom (siehe Abb. 2) ist durch reversibel strukturell verkürzte Rückenstrecker und antagonistisch inhibierter ventraler Bauchmuskulatur, wie auch verspanntem und verkürztem Hüftbeuger mit abgeschwächter Glutealmuskulatur als Gegenspieler gekennzeichnet (vgl. Smolenski, Buchmann & Beyer, 2016).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Schematische Darstellung des unteren gekreuzten Syndroms (eigene Darstellung, in Anlehnung an Smolenski, Buchmann & Beyer,2016, S. 50)

Beim Etagensyndrom hingegen ist die betroffene Muskulatur „dorsal lokalisiert“ (Smolenski, Buchmann & Beyer, 2016, S.49).

Etagensyndrom

Das Etagensyndrom tritt häufig bei Leistungssportlern in Erscheinung. Hierbei ist die in ihrer Funktion gestörte Muskulatur überwiegend dorsal gelegen. Charakterisiert wird es durch die „funktionspathologisch gestörte Sequenz“ (Smolenski, Buchmann & Beyer, 2016, S.51):

1. Reversibel strukturell verkürzte obere Schulterblattstabilisatoren
2. Inhibierte mittlere Schulterblattstabilisatoren
3. Reversibel strukturell verkürzte thorakale und lumbale Rückenstrecker
4. Inhibierte Glutealmuskulatur
5. Reversibel strukturell verkürzte Ischiokruralmuskulatur

Die Ursachen der muskulären Dysbalancen sind vielfältig und häufig eine Reaktion auf die alltägliche (Fehl-) Belastung des Körpers und der einhergehenden Veränderung der Alltagsmotorik. Mögliche Störfaktoren im Alltag können falsches Schuhwerk, einseitige Arbeitshaltung, zu häufiges Sitzen oder Bewegungsmangel sein. Bei Sportlern begünstigen fehlendes Ausgleichstraining, Fehl- und Überlastung, fehlendes regeneratives Training oder zu häufiges Wettkampftraining die Entstehung von muskulären Dysbalancen (Lindel, 2011; Lenhart & Seibert, 2012).

2.1.2 Neuromuskuläre Dysbalance

Ein jüngerer Begriff ist der Begriff der neuromuskulären Dysbalancen, der die unwiderrufliche Beziehung zwischen neuronalem und muskulärem System widerspiegelt. Nach Neumann (2000) ist die neuromuskuläre Dysbalance eine Abnormalität des individuellen motorischen Stereotyps. Hervorgerufen wird sie durch eine instabile nervale Aktivierung einzelner Muskelgruppen, welche zeitlich verändert abläuft und zu einer Leistungsabnahme, arthromuskulären Beschwerden oder Bewegungseinschränkungen führen kann. Freiwald et al. (1998, nach Stein & Greitemann, 2005, S.26) fassen diesen Begriff weiter und weisen darauf hin, dass diese Veränderungen pathophysiologisch und mit Beschwerden einhergehen müssen, um als Dysbalance bezeichnet werden zu können. In dem praxisorientierten Modell neuromuskulärer Balancen und Dysbalancen erfolgt eine Einteilung in sechs Formen, welche „nicht isoliert, sondern meist in Kombination vorkommen“ (Freiwald & Greiwing, 2016, S.368).

1. Sportarttypische Anpassungen durch auf den Sportler abgestimmte Trainingsmaßnahmen
2. Negative sportarttypische Anpassungen durch fehlerhafte Trainingsplanung und Trainingsmaßnahmen
3. Veränderung der Motorik mit eingeschränkter Kraft auf Grund früherer Verletzungen oder Erkrankungen
4. Einstellung des Organismus und Anpassung der neuromuskulären Verhältnisse an die schon länger gegebenen Veränderungen
5. Schmerzhafte Veränderungen oder Verspannungen des Bindegewebes durch einseitig wiederholende Belastungen oder Bewegungsmangel
6. Individuelle Haltung und Bewegung durch individuelle Psychomotorik und Persönlichkeitseigenschaften

Die sechs verschiedenen Typen der neuromuskulären Balancen und Dysbalancen sind in Tabelle 1 näher zusammengefasst.

Tabelle 1 . Praxisorientiertes Modell neuromuskulärer Balancen und Dysbalancen (modifiziert nach Freiwald & Greiwing, 2016)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.3 Funktionale Dysbalance

Nach Cook (2014) ist der Ansatz der funktionalen Dysbalance ein bewegungsorientierter Ansatz, in dem Mobilität und Stabilität eine zentrale Rolle einnehmen. In der Bewegungswissenschaft wird schon seit langem gelehrt, dass das Gehirn nicht in einzelnen Muskelaktivitäten, sondern in Bewegungsprogrammen denkt (Hossner & Künzell, 2003). Diese Mustererkennung ist wichtig, da das menschliche Gehirn Muster anstelle von einzelnen Muskel- und Gelenkaktivitäten verwendet, um einerseits eine praktische Wahrnehmung und andererseits eine passende Verhaltensweise in Bezug zur Bewegung zu erzeugen (Cook, 2010). Erlernt der Mensch neue Bewegungsmuster, so wird ein motorisches Programm entwickelt, welches durch das aktuelle Mobilitäts – und Stabilitätsniveau limitiert wird.

Nach Cook (2014) ist Mobilität mehr als die bloße Beweglichkeit. Sie ist „die Fähigkeit des Zusammenspiels von Muskeln und Gelenken, sowie ein breites Spektrum an freien Bewegungen“ (Cook, 2014, S.58). Stabilität ist die Fähigkeit, Kraft und Beweglichkeit zu kontrollieren (Cook, 2014). Man kann somit sagen, dass für Cook (2014) Mobilität für die Durchführung von grundlegenden Bewegungsmustern ohne Kompensationsbewegungen und Einschränkungen verantwortlich ist, während Stabilität durch einen stabilen Rumpf das Fundament für Bewegungen schafft, sodass diese „sicher und kontrolliert“ (Cook, 2014, S.58) ausgeführt werden können.

Generell sollten die grundlegenden Bewegungsmuster, welche die rechte und die linke Körperhälfte betreffen, überwiegend symmetrisch sein. Asymmetrien in den fundamentalen und funktionalen Bewegungsmustern weisen auf eine Dysbalance oder eine Reduzierung der Mobilität und Stabilität hin, welche „unangemessene Muskelkontraktionen, unangemessene Gewichtsverlagerungen und sogar Torsionen im Körper“ (Cook, 2010, S.194) verursachen können und sich auf das komplette symmetrische Muster auswirken. Die Auffassung des Zusammenspiels der Mobilität und Stabilität findet auch im „Gelenk-für-Gelenk“ – Ansatz (siehe Tabelle 2) ihre Anwendung, in dem die Funktion der wichtigsten Gelenke und Gelenkgruppen für sich betrachtet wird (Boyle, 2015b).

Tabelle 2 . Der Gelenk-für-Gelenk-Ansatz (nach Boyle, 2015b, S. 25).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auffällig hierbei ist, dass sich Mobilität und Stabilität von Gelenk zu Gelenk abwechseln. Wird ein Gelenk immobil, obwohl es mobil sein sollte, wird das darüber oder darunter liegende stabile Gelenk gezwungen, sich zu bewegen, „wodurch es an Stabilität verliert“ (Boyle, 2015a). Hierdurch können Schmerzen auftreten und Dysbalancen entstehen. Um Stabilitäts- und Mobilitätsprobleme identifizieren zu können, wurde der Functional Movement Screen entwickelt.

2.2 Der Functional Movement Screen

In diesem Kapitel wird auf den Functional Movement Screen (FMS) aus der Betrachtungsweise seiner Entwickler Gray Cook, Dr. Lee Burton, Barbara Hoogenboom und Michael Voight eingegangen (Cook, 2010; Cook, Burton, Hoogenboom & Voight, 2014). Diesbezüglich werden die verschiedenen Items des FMS und deren Kriterien vorgestellt. Hierzu wird einerseits auf die Bedeutsamkeit der einzelnen Bewegungen des Testreihenmoduls hingewiesen und anderseits auf die möglichen Schlussfolgerungen aus den beobachteten Ergebnissen.

2.2.1 Beschreibung des Functional Movement Screens

Der FMS setzt sich aus sieben grundlegenden Bewegungsmustern zusammen, die eine Balance aus Stabilität und Mobilität erfordern (Cook, 2010) und auf dem frühkindlichen neurologischen Entwicklungsprozess beruhen. Die zu testenden Bewegungsmuster stehen in „enger Beziehung zu den Bewegungen, mit denen Babys und Kleinkinder das Drehen, Krabbeln, Gehen, Klettern und Greifen üben“ (Cook, 2014, S. 56). Dabei identifiziert das Screening „Dysfunktion, Ungleichgewichte, Asymmetrien, Inhibierung und Einschränkungen“ (Schlömmer, 2014), indem es die getestete Person in die maximale Range of Motion zwingt und nicht nur „in die bevorzugten Gelenkstellungen“ (Cook, 2014, S. 56). Drei der Items besitzen sogenannte Clearing-Tests, welche unentdeckte Schmerzen provozieren und aufdecken sollen. Das Schmerzempfinden wurde in dieses Screening integriert, da Schmerz das systematische Erheben von Informationen reduziert und ein Signal für beeinträchtige Muskelaktivität oder Entzündungen ist. Dies hat zur Folge, dass es zu einem Verlust der Stabilisation der Wirbelsäule kommt (Cholewicki, Punjabi & Khachatryan, 1997) und dadurch zu „einer Verzerrung der automatischen Reaktionen“ (Cook, 2014, S.25) kommen kann.

Die Bewertung des FMS erfolgt nach objektiven Kriterien (siehe Anhang A9 – A15). Dabei können maximal drei Punkte pro Bewegungsmuster vergeben werden. Insgesamt können somit maximal 21 Punkte erreicht werden. In die Gesamtbewertung fließt das schlechtere bewertete Item ein.

1. Bei einer perfekten Ausführung, bei dem das Item wie vorgeschrieben durchgeführt wird, werden drei Punkte vergeben.
2. Bei einer Ausführung mit Kompensationsbewegungen und Ausführungsdefiziten, welche für jedes Bewegungsmuster individuell festgelegt sind, werden zwei Punkte vergeben.
3. Bei deutlichen Ausweichbewegungen wird ein Punkt vergeben. Die getestete Person ist unfähig „das komplette Bewegungsmuster auszuführen (Steifigkeit, Verlust des Gleichgewichts oder andere Schwierigkeiten)“ (Cook, 2014, S. 57).
4. Treten bei der Durchführung der Bewegungen Schmerzen auf, werden null Punkte vergeben, welche „unabhängig von der eventuellen Perfektion der Ausführung“ sind (Cook, 2014, S. 57).

2.2.2 Die Items des FMS

Folgende sieben Einzelbewegungen werden in den Gliederungspunkten 2.2.2.1 bis 2.2.2.7 nach Cook (2010) genauer erläutert.

- Tiefe Kniebeuge (Deep Squat)
- Hürdenschritt (Hurdle Step)
- Ausfallschritt auf einem Balken (In-Line Lunge)
- Schulterbeweglichkeit (Shoulder Mobility)
- Anheben des gestreckten Beines (Active Straight-Leg Raise)
- Rumpfstabilitätsliegestütz (Trunk Stability Push-up)
- Rotationsstabilität (Rotary Stability)

Hierbei wird einerseits auf den Zweck des Bewegungsmusters und auch auf dessen Beschreibung sowie anderseits auf die Schlussfolgerungen der möglichen Limitationen eingegangen. Die verbalen Durchführungsanweisungen, genauen Bewertungskriterien wie auch die Schlussfolgerungen befinden sich im Anhang.

2.2.2.1 Tiefe Kniebeuge (Deep Squat)

Zweck:

Die tiefe Kniebeuge ist Teil einer Menge von vielen funktionellen und sportlichen Bewegungen, welche eine gute Koordination und Beweglichkeit der Extremitäten bei gleichzeitiger Stabilität des Rumpfes erfordern während sowohl die Schultern, als auch die Hüfte symmetrisch funktionieren müssen. Auch wenn die tiefe Kniebeuge im alltäglichen Leben häufig nicht erforderlich ist, werden trotzdem ihre Grundkomponenten (Kontrolle der Körperhaltung und gesamten Körpermechanik, Rumpf- und Beckenstabilität) für motorische Handlungen benötigt. In vielen Schnellkraftsportarten hingegen, wie beispielsweise im American Football, stellt dieses Bewegungsmuster oftmals die Ausgangsposition für eine Vielzahl von Aktionen dar. Getestet wird in diesem Item die „Symmetrie der Kniebeugebewegung“ (Cook, 2014, S.63). Es erfasst somit die bilaterale, symmetrische, funktionelle Mobilität und die Stabilität der Hüften, Knie- und Sprunggelenke. Um sowohl die Stabilität und die motorische Kontrolle im gesamten Wirbelsäulenbereich-, als auch die bilaterale, symmetrische Mobilität und Stabilität der Schultern, der Schulterblätter und der thorakalen Wirbelsäule zu testen, wird ein Stab über den Kopf gehalten (Cook, 2010, S.90).

Itembeschreibung:

In der Ausgangsstellung dieses Bewegungsmusters steht der getestete Athlet in einem schulterbreiten und festen Stand. Die Füße sollen sich hierbei in der Sagittalebene – ohne mit den Zehen auszuweichen – befinden. Der Stab wird währenddessen so auf dem Kopf positioniert, dass die Ellbogen einen Winkel von 90 Grad aufweisen. Aus dieser Position heraus wird der Stab nach oben gedrückt, sodass die Ellbogen komplett gestreckt und abduziert sind. Wurde die Startposition eingenommen, wird der Proband aufgefordert, langsam und kontrolliert in die tiefste mögliche Hockposition zu gelangen. Hierbei sollten die Fersen der Testperson auf dem Boden, der Rumpf aufgerichtet und der Stab während der gesamten Bewegung maximal über den Kopf gestreckt sein. (sieheAbb. 3) Des Weiteren ist auf eine mögliche Valgusstellung in den Knien zu achten. Schafft der Proband die Bewegungsausführung nicht ohne Bewegung in den Füßen, erfolgt die gleiche Testung mit dem FMS–Board, welches als Hilfestellung unter die Fersen gelegt wird. (Cook, 2010, S.90). Der getestete Athlet hat für diese Bewegungsaufgabe drei Versuche.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 . Bewegungsausführung der tiefen Kniebeuge (Cook, 2010, S. 93)

Schlussfolgerung des Bewegungsmusters:

Eine fehlende Rumpfstabilität und -kontrolle kann zu einem mangelhaften Bewegungsergebnis führen. Ebenso führt eine eingeschränkte Mobilität des Glenohumeralgelenks oder der thorakalen Wirbelsäule zu einer Begrenzung der Beweglichkeit im oberen Rumpf. Zudem werden die unteren Extremitäten häufig durch eine mangelnde Mobilität bei der Dorsalflexion der Sprunggelenke oder eventuell auch durch zu schwache Flexion im Knie- und Hüftbereich bei geschlossener kinetischer Kette limitiert (Cook, 2010, S.90).

2.2.2.2 Hürdenschritt (Hurdle Step)

Zweck:

Dieses Bewegungsmuster stellt einen maßgeblichen Bestandteil der menschlichen Fortbewegung dar, welches eine Asymmetrie oder Kompensation innerhalb der Schrittmechanik aufzeigt. Darüber hinaus testet es die Koordination und bilaterale Stabilität der Hüfte sowie des Rumpfes in einer Haltung, in der sich das eine Bein frei bewegt, während das andere Bein stabil auf dem Boden steht. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, die funktionale Symmetrie zu beobachten. Der Hürdenschritt wird sowohl rechtsseitig als auch linksseitig durchgeführt.

Itembeschreibung:

Startposition dieses Bewegungsmusters ist der aufrechte Stand zwischen den Hürdenstangen, bei dem die Füße geschlossen sind, parallel auf dem Boden stehen und die Zehenspitzen das FMS–Board berühren. Die Hürdenhöhe wird anhand des Knochenfortsatzes Tuberositas Tibiae bestimmt. Um die statische Symmetrie im Oberkörper zu erfassen, wird der Rundstab so auf den Schultern positioniert, dass er während des Hürdenschritts immer in Kontakt mit dem Musculus trapezius steht. Der getestete Athlet bekommt nach Einnahme der Ausgangsposition die Anweisung, mit einem Bein langsam und kontrolliert über die Hürde zu steigen und auf der anderen Seite den Boden mit den Fersen zu berühren (sieheAbb. 4). Dabei sollte auf die richtige Fußstellung (Zehenspitzen zeigen Richtung Schienbein), einen stabilen Torso und einen parallel zur Hürde ausgerichteten Stab geachtet werden. Nachdem die Ferse den Boden berührt hat, wird der Fuß in die Ausgangsposition zurückgeführt (Cook, 2010, S.92). Der getestete Athlet hat für diese Bewegungsaufgabe drei Versuche pro Seite.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 . Bewegungsausführung des Hürdenschritts (Cook, 2010, S. 93)

Schlussfolgerung des Bewegungsmusters:

Cook (2010, S.92) betont, dass bei diesem Item ein ganzes Muster und kein einzelner Teil einer Bewegung getestet wird. Probleme innerhalb des Bewegungsablaufs können einerseits auf eine mangelnde Mobilität des Schrittbeines und andererseits auf eine fehlende Stabilität im Hüft-, Knie- und Sprunggelenk des Standbeins zurückzuführen sein. Asymmetrische Hüftunbeweglichkeit bei simultanem Verlust der Rumpfstabilität können sich ebenfalls motorisch limitierend auswirken.

2.2.2.3 Ausfallschritt auf einem Balken (In – Line Lunge)

Zweck:

Dieses Grundmuster bietet eine schnelle Bewertung der linken und rechten Körperhälfte während der Bewegungsausführung, da die Möglichkeit besteht, sich während seitlicher Bewegungen und Rotationsbewegungen auf auftretende Spannungen zu fokussieren. Die schmale Ausgangsposition erfordert eine ausreichende Stabilität und eine fortlaufende dynamische Kontrolle im Rumpf- und Beckenbereich-, bei gleichzeitiger asymmetrischer Hüftposition, welche das Gewicht gleichermaßen auf die rechte und linke Körperseite verteilt. Durch diese Position zwingt das Item somit den Probanden in eine entgegengesetzte, scherenartige Position bei gleichzeitiger Hüftbeugung und Hüftstreckung (Cook et al., 2014, S. 405). Des Weiteren fordert dieses Bewegungsmuster die Stabilität der Wirbelsäule und testet dabei die Stabilität von Fuß-, Knie- und Hüftgelenk. Simultan wird die Mobilität der mehrgelenkigen Muskeln Musculus rectus femoris und Musculus latissimus dorsi überprüft. Der Schritt nach vorne innerhalb des Ausfallschritts wurde nach Cook (2010) weggelassen, da er zu viele Variablen involviert und das einfache Screening erschwert.

Itembeschreibung:

Der Ausgangspunkt des Items ist eine Schrittstellung auf dem FMS-Board, bei dem die Zehen des hinteren Fußes an der Startlinie des Boards und die Fersen des vorderen Fußes in einer Entfernung dazu positioniert werden, die annähernd der Hürdenhöhe des vorherigen Items gleicht. Nachdem die Standposition eingenommen ist, wird der Stab so platziert, dass er immer in Kontakt mit dem Hinterkopf, der thorakalen Wirbelsäule und dem Kreuzbein steht. Dafür wird er mit der Hand, welche sich diagonal zum vorderen Fuß befindet, im Nackenbereich gehalten, während die andere Hand den Stab im Lendenbereich der Wirbelsäule festhält. Um das Bewegungsmuster auszuführen, muss der zu testende Athlet das hintere Knie soweit absenken, dass es das FMS–Board hinter der Ferse des vorderen Fußes berührt und danach in die Ausgangsposition zurückkehren (sieheAbb. 5). Der Stab muss während des gesamten Ablaufs in seiner vertikalen Position verbleiben (Cook, 2010, S.94). Der getestete Athlet hat für diese Bewegungsaufgabe drei Versuche pro Seite.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5 . Bewegungsausführung des Ausfallschritts auf einem Balken (Cook, 2010, S. 95)

Schlussfolgerung des Bewegungsmusters:

Nach Cook et al. (2014, S.406) können Dysbalancen im Bereich der Brustwirbelsäule die bestmöglichste Realisation verhindern. Ebenso kann einerseits die dynamische Stabilität oder andererseits die beidseitige Hüftmobilität während des gesamten Bewegungsmusters nicht ausreichen, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Des Weiteren kann ein Verlust der Stabilität im Knie- und Sprunggelenk, oder eine unzureichende Mobilität im Sprung-, Hüft- und Kniegelenk während der Ausfallschrittbewegung zu einer mangelhaften Bewertung führen. Darüber hinaus kann eine bestehende Dysbalance in einer oder zwischen beiden Hüften den Ausfallschritt hemmen, welcher sich durch eine relative Adduktorenspannung und Abduktorenschwäche (oder umgekehrt) zeigt.

2.2.2.4 Schulterbeweglichkeit (Shoulder Mobility)

Zweck:

Ziel dieses Bewegungsmusters ist die Erfassung des Bewegungsspielraums der bilateralen Schulter, bei der eine Dehnung, eine Abduktion und Außenrotation in der einen Schulter und eine Flexion, Innenrotation und Adduktion in der anderen Schulter ausgeführt werden. Zudem wird die alltägliche Mobilität der thorakalen Wirbelsäule und des Schulterblatts während Bewegungen in den oberen Extremitäten überprüft. Durch die Minimierung von Kompensationsmöglichkeiten wird die Bewegungsfähigkeit innerhalb des Musters deutlich sichtbar (Cook, 2010, S. 96).

Itembeschreibung:

Als erstes wird bei dem zum testenden Athleten der Abstand zwischen distalem Handgelenk und Spitze des Mittelfingers gemessen. Ausgangsposition ist ein fester und geschlossener Stand, bei dem die Hände zu Fäusten geballt sind, wobei die Daumen von den Fingern umschlossen werden. Daraufhin bekommt der Proband die Anweisung, langsam und in gleichmäßiger kontrollierter Bewegung eine Faust hinter den Nacken und die andere Faust hinter den Rücken zu bewegen. Hierbei vollzieht die eine Seite eine maximale Innenrotation, Dehnung und Adduktion, während die andere Seite in die maximale Außenrotation und Abduktion geht (sieheAbb. 6). Nach Erreichen der Endposition wird der Abstand zwischen den beiden nächstgelegenen Punkten gemessen und die Symmetrie der Seiten kann bestimmt werden (Cook, 2010, S. 96). Der zu testende Athlet hat für diese Bewegungsaufgabe einen Versuch pro Seite.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6 . Bewegungsausführung der Schulterbeweglichkeit (links) und Clearing-Test (rechts) (Cook, 2010, S. 97)

Clearing-Test:

Dieses Item enthält einen Clearing-Test, der am Ende durchgeführt wird und ein Impingement der Schulter aufdecken soll, welches beim Testen der Schultermobilität unentdeckt geblieben sein kann. Hierbei muss auf Schmerzreaktionen während des gesamten Bewegungsablaufes geachtet werden. Ausgangsposition ist ein fester und geschlossener Stand, bei dem eine Handfläche auf die gegenüberliegende Schulter gelegt wird. Im Anschluss bekommt der Proband die Aufgabe, den Ellbogen der liegenden Hand so hoch wie möglich zu heben, während der Kontakt zwischen Handfläche und Schulter bestehen bleiben muss (sieheAbb. 6). Treten Schmerzen im Verlauf des Tests auf, so folgt im Bewertungsbogen ein Vermerk mit einem „+“ und der getestete Athlet erzielt für diese Bewegungsaufgabe einen Gesamtwert für die Bewegungsaufgabe von 0 Punkten.

Schlussfolgerung des Bewegungsmusters:

Dieses Item benötigt zur optimalen Durchführung eine ausgezeichnete Mobilität der thorakalen Wirbelsäule, welche zur Stabilisierung der Scapula notwendig ist. Dysbalancen im Musculus pectoralis major, Musculus latissimus dorsi und Musculus rectus abdominus können eine statische Haltungsänderung der Wirbelsäulen- und Schulterregion erzeugen, welche die vollständige Mobilität des Glenohumeralgelenks und der Scapula beeinträchtigt. Darüber hinaus kann sich eine Dysfunktion zwischen Scapula und Thorax durch den Verlust der Stabilität und Mobilität in diesem Bereich bemerkbar machen. (Cook, 2010, S. 96).

2.2.2.5 Anheben des gestreckten Beines (Active Straight Leg Raise)

Zweck:

Dieses Bewegungsmuster identifiziert einerseits die aktive Mobilität der hinteren Muskelkette (Musculus semitendinosus, Musculus soleus, Musculus biceps femoris, Musculus gastrocnemius und Musculus semimembranosus) des bewegten Beines und andererseits die kontinuierliche Stabilität des Rumpfes bei der Extension der Hüfte des liegenden Beines. Es testet somit die Fähigkeit, die unteren Extremitäten während einer unbelasteten Position getrennt ansteuern zu können (Cook, 2010, S. 98).

Itembeschreibung:

Zu Beginn liegt der Proband rücklings auf dem Boden, während sich die Hände seitlich und nach oben zeigend neben dem Körper befinden und der Kopf auf dem Boden aufliegt. Die Sprunggelenke beider Beine befinden sich dabei in der Dorsalflexion und das FMS-Board ist indessen unterhalb der Kniekehlen platziert. Die Position des Messstabs dieses Items ist die Hälfte der Strecke zwischen der Spina iliaca anterior superior und des Patellamittelpunktes, welche die erforderliche vertikale Linie für die Bewertung darstellt. Nach Einnahme der Ausgangsstellung bekommt der getestete Athlet die Anweisung, das zu bewertende Bein langsam und so weit wie möglich anzuheben. Bei der Bewegungsausführung ist auf die Beibehaltung der Knieextension und der Dorsalflexion der Sprunggelenke zu achten (siehe Abb. 7). Ebenso darf das passive Bein den Kontakt zum FMS-Board nicht verlieren und der Kopf sollte flach auf dem Boden liegen bleiben (Cook, 2010, S. 98). Der getestete Athlet hat für diese Bewegungsaufgabe einen Versuch pro Seite.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7 . Bewegungsausführung des Anhebens des gestreckten Beins (Cook, 2010, S. 99)

Schlussfolgerung des Bewegungsmusters:

Generell kann eine nicht ausreichende Mobilität in der Hüftflexion in Verbindung mit einer limitierenden Hüftextension oder aber ein Verlust der Stabilität im Rumpf zu einem mangelhaften Ergebnis führen. Cook et al. (2014, S. 552ff.) macht hierfür einerseits eine mögliche fehlende funktionale Mobilität in den Hamstrings und andererseits eine mögliche fehlende Mobilität im Musculus iliopsoas verantwortlich. Besteht eine relative bilaterale, asymmetrische Hüftmobilität, ist eine Kombination aus den genannten Faktoren verantwortlich (Cook, 2010, S. 98).

2.2.2.6 Rumpfstabilitätsliegestütz (Trunk Stability Push-up)

Zweck:

Laut Cook (2010, S. 100) stellt der Rumpfstabilitätsliegestütz eine Möglichkeit dar, die reflexive Rumpfstabilisierung zu erfassen und ist in diesem Fall kein Test zur Bestimmung der Kraft im Bereich des Oberkörpers. Hierfür wurde die Bewegungsaufgabe so konstituiert, dass sich die oberen Extremitäten bei neutralisierter Wirbelsäule und Hüfte in einem „Push-up“- Muster bewegen. Somit testet dieses Item die Fähigkeit, den Rumpf während geschlossener kinetischer Kette bei gleichzeitigen Drückbewegungen des Oberkörpers in der Sagittalebene zu stabilisieren. Nach Cook et al. (2014, S. 556) ist diese Form der Stabilisierung notwendig, um die Kraft ohne Energieverlust und Kompensations-bewegungen von den unteren Extremitäten auf die oberen Extremitäten zu übertragen.

Itembeschreibung:

In der Startposition dieses Bewegungsmusters liegt der Proband bäuchlings auf dem Boden, wobei die Knie gestreckt und die Sprunggelenke dorsalflektiert sind. Die Arme sind über dem Kopf gestreckt und der Kopf liegt neutral in Verlängerung der Wirbelsäule auf dem Boden. Während bei Männern die Daumen zu Beginn auf Höhe der Stirn abgelegt werden müssen, ist die Ausgangsposition der Daumen bei Frauen auf Höhe des Kinns. Nach Einnahme der Startposition bekommt der zu testende Athlet die Aufgabe, eine einzige „Push-up“- Bewegung auszuführen (sieheAbb. 8). Wenn während der Bewegung die Wirbelsäule an Stabilität verliert, werden die Startpositionen je nach Bewertungskriterien in einfachere Positionen geändert. Dies bedeutet, dass bei den Frauen, die Daumen auf Höhe der Clavicula und bei den Männern auf Höhe des Kinns abgelegt werden (Cook, 2010, S. 100). Der getestete Athlet hat für diese Bewegungsaufgabe drei Versuche pro Seite.

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Abb. 8 . Bewegungsausführung des Rumpfstabilitätsliegestütz (links) und Clearing-Test (rechts) (Cook, 2010, S. 101).

Clearing–Test:

Auch dieses Bewegungsmuster besitzt einen Clearing-Test, der am Ende des Items durchgeführt wird. Nach Cook (2010, S. 100) ist das Ziel eventuell auftretende Schmerzreaktionen während einer Press-up – Bewegung mit gleichzeitiger Extension der Wirbelsäule aufzudecken. Ausgangsstellung ist ebenfalls die Bauchlage auf dem Boden, bei dem sich die Handflächen nach unten zeigend auf Schulterhöhe befinden. Aus dieser Position heraus bekommt der zu testende Athlet die Anweisung, so weit wie möglich in die Extension der Wirbelsäule bei gleichzeitig aufgerichtetem Thorax zu gehen. Hierbei dürfen die unteren Extremitäten die Startposition nicht verlassen (sieheAbb. 8).

Schlussfolgerung des Bewegungsmusters:

Generell kann eine mangelhafte reflexive Stabilisierung des Rumpfbereiches das Testergebnis negativ beeinflussen. Ebenso kann die Einnahme der korrekten Startposition durch mangelnde Stabilität und Mobilität im Hüftbereich oder der thorakalen Wirbelsäule limitiert sein, was zu einer schlechten Bewertung führt.

Besteht ein Mangel an Kraft im Bereich des Oberkörpers oder der Verlust an Stabilität in der Scapula, kann dieses Bewegungsmuster ebenfalls nicht – wie ursprünglich vorgegeben – durchgeführt werden.

2.2.2.7 Rotationsstabilität (Rotatory Stability)

Zweck:

Entwickelt wurde dieses Bewegungsmuster auf Basis der frühkindlichen Entwicklung und hat seine Wurzeln im Kriechmuster. Ziel des Items ist die Beurteilung der Stabilität im Becken-, Rumpf- und Schulterbereich in mehreren Ebenen, während der kombinierten Bewegungen von unteren und oberen Extremitäten. Nach Cook (2010, S. 102) setzt dieses Muster auf Grund der Komplexität eine ideale neuromuskuläre Koordination und Energieübertragung von den Beinen über den Rumpf zu den Armen (und umgekehrt) voraus. Weiterhin zeigt es die reflexive Stabilisierung sowie Gewichtsverlagerung in der Transversalebene bei grundlegenden Mustern, wie sie beispielsweise beim Klettern zu sehen sind (Cook, 2010, S. 102).

Itembeschreibung:

Ausgangsposition der Rotationsstabilität ist der Vierfüßlerstand auf dem Boden mit dem FMS– Board mittig zwischen Händen und Knien. Hierbei betragen sowohl der Kniewinkel, der Winkel der Hüfte, als auch der Winkel von Schulter zu Oberkörper 90°. Die Sprunggelenke befinden sich in der Dorsalflexion und Zehen, Knie sowie Daumen berühren das FMS–Board. Nach Einnahme der Startposition bekommt der zu testende Athlet die Anweisung, die untere wie auch die obere Extremität einer Körperhälfte anzuheben und zu strecken. Danach sollen Ellbogen und Knie der entsprechenden Seite ohne Verlust der Rumpfstabilität zueinander geführt werden (sieheAbb. 9). Bei nicht ausreichender Stabilität im Rumpfbereich wird die Bewegungsaufgabe je nach Bewertungskriterien vereinfacht (Cook, 2010, S.102). Der getestete Athlet hat für dieses Item drei Versuche pro Seite.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 9 . Bewegungsausführung der Rotationsstabilität (Cook, 2010, S. 103)

Clearing-Test:

Das letzte Bewegungsmuster innerhalb des FMS besitzt ebenfalls einen Clearing–Test, welcher eventuell auftretende Schmerzen im Bereich des Rückens aufdecken soll. Ausgangsposition ist ebenfalls der Vierfüßlerstand, welcher aufgelöst wird, indem der zu testende Athlet sein Gesäß so weit wie möglich Richtung Fersen bewegt. Während sowohl das Gesäß und die Füße, als auch der Brustkorb und die Oberschenkel in Kontakt stehen sollen, müssen die Arme weit nach vorne gestreckt werden (sieheAbb. 10).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 10 . Durchführung des Clearing-Tests der Rotationsstabilität (Cook, 2010, S. 103)

Schlussfolgerung des Bewegungsmusters:

Dieses Bewegungsmuster benötigt für ein optimales Resultat eine ideale reflexive Stabilisierung des Rumpfes, deren Verlust zu einem mangelhaftem Testergebnis führen kann. Ebenso kann eine eingeschränkte Scapula- und Hüftstabilität die Leistung limitieren. Eine begrenzte Mobilität von Wirbelsäule, Hüfte, Knie und Schulter kann sich gleichermaßen beeinträchtigend auf die komplette Bewegungsaufgabe auswirken. (Cook, 2010, S. 102).

3 Methodik

In diesem Kapitel wird die Vorgehensweise der eigenen Studie an Leistungsschwimmern erläutert. Wie bereits in Kapitel 1 beschrieben, ergaben sich bei leistungsdiagnostischen Überprüfungen an Leistungsschwimmern Dysbalancen in den unterschiedlichen Schwimmarten (Chollet & Seifert, 2012; Carson, 1999; Czabanski, 1975; Jaszczak, 2008; Sanders, Thow & Fairweather, 2011). Im Rahmen dieser Untersuchung wurde dies, während des Schwimmens, anhand einer Unterwasseranalyse mit Hilfe einer Unterwasservideokamera spezifiziert. An Land wurde hierfür der unter standardisierten Bedingungen angewendete FMS genutzt.

3.1 Probanden

Die Studie wurde an 13 Leistungsschwimmern des Landesstützpunktes Erlangen – Nürnberg (5 männlich, 8 weiblich) durchgeführt. Das durchschnittliche Alter der 13 Schwimmer betrug 16,15 ± 2,035 Jahre. Das Kriterium für die Teilnahme war, dass sich die Schwimmer mindestens für die bayerischen (Jahrgangs-) Meisterschaften qualifiziert haben. Alle weiteren Daten (Hauptlage, Bestzeit Kraul und Rücken) sind Tabelle 3 zu entnehmen.

Tabelle 3 . Geschlecht, Alter, Hauptlage und Bestzeit über 100m Rücken und Kraul [sec.] der Probanden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Alle Probanden, mit Ausnahme einer Schwimmerin, waren zum Zeitpunkt der Analyse ohne chronische oder akute Schmerzen.

3.2 Messorte

Aus organisatorischen Gründen und der Entfernung der Standorte des Stützpunktes zueinander erfolgten die Messungen an zwei unterschiedlichen Orten. Die Unterwasseraufnahmen der Schwimmarten Kraul und Rücken der Probanden aus Nürnberg wurden in einer Schwimmhalle auf einer 50 m-Bahn in Nürnberg vorgenommen, die dazugehörige Durchführung des FMS erfolgte im Krafttraum dieses Schwimmbades. Für die Analysen der Probanden aus Erlangen standen eine 50 m-Bahn einer Schwimmhalle in Erlangen sowie ein Kraftraum innerhalb des Schwimmbades zur Verfügung. Beide Messorte waren die aktuellen Trainingsstandorte der jeweiligen zu testenden Athleten.

3.3 Messgeräte

Das Screening an Land erfolgte mit dem FMS Testsystem aus Holz, die Unterwasseranalyse mittels einer GoPro Hero 7 Black .

3.3.1 FMS Testsystem

Das FMS Testsystem beinhaltet zwei Hälften des FMS-Boards, welche zusammengesetzt werden können. Es wird sowohl für das Kompensationsmuster der tiefen Kniebeuge als auch für die Erhöhung der Reliabilität beim Hürdenschritt, beim Ausfallschritt auf einem Balken und bei der Rotationsstabilität verwendet. Des Weiteren befinden sich ein kleines Stück Rundholz, zwei elastische Bänder, zwei kurze Rundholzstangen mit einer Länge von 60,5 cm und eine lange Rundholzstange mit einer Länge von 122,5 cm in dem Testkit (sieheAbb. 11). Der lange Rundholzstab wird für die tiefe Kniebeuge, den Ausfallschritt auf einem Balken, den Hürdenschritt und das aktive Anheben eines Beines benötigt. Er dient einerseits der effektiveren und leichteren Bewertung der Items und andererseits auch der Erhöhung der Reliabilität.

Abb. 11 FMS Testsystem (https://www.perform-better.de/shop/testing-screening/professional-fms-test-kit-holz-inkl-tasche/, 2019)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die zwei kleineren Rundholzstäbe und das kleine Stück Rundholz werden so in die vorhergesehenen Löcher des FMS – Boards gesteckt, dass sie festsitzen. Die Stäbe dienen hierbei als Holme für die Hürden, während das Stückchen für die Ausbalancierung der Hürde verwendet wird, sobald sie aufrecht steht. Zur Entstehung der Hürde wird das elastische Band um die Holme gelegt (sieheAbb. 11).

[...]

Ende der Leseprobe aus 89 Seiten

Details

Titel
Dysbalancen im Leistungssport Schwimmen
Untertitel
Der Zusammenhang zwischen dem Testergebnis des Functional Movement Screens und der Zuglänge und dem Zugweg in den Schwimmarten Kraul und Rücken
Hochschule
Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport (vormals H:G Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst)  (Sport)
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
89
Katalognummer
V502390
ISBN (eBook)
9783346035301
Sprache
Deutsch
Schlagworte
FMS, Schwimmen, Dysbalancen, Leistungssport, Schwimmsport, Sport, Sportwissenschaft, Trainingswissenschaft, Bewegungsanalyse
Arbeit zitieren
Jochen Stetina (Autor), 2019, Dysbalancen im Leistungssport Schwimmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502390

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