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Opferpraxis und Sündenbock im Medienzeitalter

Titel: Opferpraxis und Sündenbock im Medienzeitalter

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2017 , 18 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Janina Castellano (Autor:in)

Medien / Kommunikation - Forschung und Studien
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Welche Funktion hat der Opferstatus heute und welche der Sündenbock, wer profitiert davon? Warum ist das Opfer-sein mittlerweile regelrecht begehrt obwohl es gemeinhin als nicht erstrebenswert gilt und neben Identifikation und Mitleid gleichermaßen Ausgrenzung und Hass hervorrufen kann? Ich beschränke mich in meinen Ausführungen, wie auch die Autorin Kirstin Breitenfellner, auf die westliche Kultur. Ich möchte zunächst in aller Kürze einen historischen Abriss auf Grundlage des Buches skizzieren um einen Überblick für den Rest der Arbeit zu ermöglichen und die Begriffe klar zuzuordnen. Anschließend werde ich konkrete Beispiele der heutigen Zeit anführen und untersuchen, inwieweit die Auswüchse der Opferpraxis auch unsere heutige Gesellschaft unterwandern, um schließlich Breitenfellners Lösungsansätze aufzugreifen und eigene Schlussüberlegungen zu formulieren.

In dem Buch "Wir Opfer – Warum der Sündenbock unsere Kultur bestimmt" von Kirstin Breitenfellner wird unsere Zeit und Kultur auf den Opferbegriff hin untersucht und das Vorhandensein einer Opferkultur attestiert. Besonders in den Medien sind wir laut Breitenfellner längst nicht über den archaischen Opferkult hinweg. Kriege, Mord und Terror stehen im Fokus der westlichen Gesellschaft wie scheinbar nie zuvor. Ist der Ritus nun auch subtiler geworden, so ist die Spaltung zwischen Täter und Opfer und damit zusammenhängende Zuschreibungen und Projektionen gängige Praxis unserer Kultur.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Opfer und Sündenbock in der Geschichte

3. Opferneid

4. Das Opfer in den Medien

4.1 Starkult

4.2 Opferhass und der Glanz des Sündenbocks

4.3 Natascha Kampusch – (K)ein perfektes Opfer

4.4 Josef Fritzl – Das Monster

4.5 Armin Meiwes - Der Kannibale von Nebenan

4.6 Der Islam: Der neue Sündenbock

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die fortbestehende Relevanz des Sündenbock-Mechanismus und der Opferpraxis in der modernen westlichen Gesellschaft, wobei insbesondere die Rolle der Massenmedien bei der Inszenierung und Instrumentalisierung dieser Phänomene beleuchtet wird.

  • Historische Herleitung des Opferritus und des Sündenbocks.
  • Psychologische Aspekte von Neid, Projektion und Opferneid.
  • Die Rolle der Medien bei der Inszenierung von Tätern und Opfern.
  • Fallbeispiele zur sekundären Viktimisierung und Dehumanisierung.
  • Die Konstruktion neuer Sündenböcke im aktuellen medialen Kontext.

Auszug aus dem Buch

Natascha Kampusch – (K)ein perfektes Opfer

Der Fall von Natascha Kampusch brachte diese unbequeme Ambivalenz wie kein anderer zu Tage. Da sie sich nicht für Projektionen hergegeben hat, sondern selbst spricht und in keinster Weise den allgemeinen Vorstellungen vom typischen Opfer entspricht. Sie ist attraktiv, intelligent und selbstbewusst. Und sie sagt genau das, was keiner hören will: „Er war nicht nur böse. Er hat mich in den Himmel gehoben und mit Füßen getreten.“ Dieser Satz wurde umgehend pathologisiert und als Beweis ihres symbiotischen Verstricktseins mit dem Täter gewertet (auch: Stockholm-Syndrom). Auch ihre Fähigkeit, sich als Opfer selbst befreit zu haben und ohne selbsternannte Retter zu einer handlungsfähigen, stabilen Person herangebildet zu haben, trotz widrigster Umstände, führt nichts als das eigene Unvermögen dies auch zu tun ans Tageslicht. Und die Tatsache, dass sich jederzeit jeder von uns auf einer der beiden Seiten wiederfinden könnte.18

Entsprechend wurden nach anfänglicher Euphorie und Begeisterung über das „Kellerkind“ im Fernsehstudio immer mehr Mutmaßungen laut wie: „Sie ist gar kein Opfer, sie will mit ihrer medialen Präsenz lediglich Geld verdienen und mehr und mehr Aufmerksamkeit bekommen.“ Und dass, obwohl die Tat immer noch erwiesenermaßen genau so stattgefunden hat und ihr Opfersein somit nicht bestritten werden kann. Doch selbst das wurde ihr zunehmend in Abrede gestellt. Sie sei möglicherweise an ihrer eigenen Entführung beteiligt gewesen, hätte eine Liebesbeziehung zum Täter unterhalten und viele Gelegenheiten zur Flucht freiwillig nicht genutzt19. Der Fall liefert ein Bilderbuchbeispiel sekundärer Viktimisierung, die ein Opfer nach der eigentlichen Tat durch selbsternannte Retter gepaart mit sich öffentlich und medial entladender Frustration der anonymen Masse nochmal zum Opfer macht und seinen Status auf unproduktive Weise zementiert.20

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Sündenbock-Mechanismus als historisch verankertes Mittel zur Stabilisierung von Gemeinschaften durch die Verlagerung von Konflikten auf externe oder schwächere Gruppen.

2. Opfer und Sündenbock in der Geschichte: Dieses Kapitel erläutert den Opferritus als kulturelles Begründungsmerkmal, das destruktive menschliche Potentiale lenken soll und zeigt den Wandel der Praxis von antiken Menschenopfern hin zu innerpsychischen Verarbeitungsformen nach der Hinwendung zum Christentum.

3. Opferneid: Es wird analysiert, wie Neid als „verdrängte menschliche Neigung“ das moderne soziale Leben prägt und wie Gruppen innerhalb des heutigen „Opferkults“ um den Status des größten Leidens konkurrieren.

4. Das Opfer in den Medien: Der Hauptteil untersucht die Instrumentalisierung von Gewaltverbrechen durch Massenmedien zur Auflagesteigerung und emotionalen Bedienung der Konsumenten.

4.1 Starkult: Das Kapitel beschreibt Stars als moderne Projektionsflächen, die als „psychologisches Pharmakon“ fungieren und deren oft tragisches Schicksal den Wunsch der Massen nach Überhöhung und Identifikation befriedigt.

4.2 Opferhass und der Glanz des Sündenbocks: Hier wird die mediale Vorführung von Opfern und die Praxis des „Rufmords“ analysiert, die den Betroffenen erneut zum Opfer macht.

4.3 Natascha Kampusch – (K)ein perfektes Opfer: Anhand dieses Falls wird das Phänomen der sekundären Viktimisierung und die Ablehnung von Opfern, die nicht in vorgefertigte Klischees passen, aufgezeigt.

4.4 Josef Fritzl – Das Monster: Die Dehumanisierung des Täters wird als Schutzmechanismus interpretiert, um sich nicht mit der eigenen menschlichen Unvollkommenheit und Komplexität auseinandersetzen zu müssen.

4.5 Armin Meiwes - Der Kannibale von Nebenan: Der Fall dient als Beispiel dafür, wie Täter ihre eigene Wahrnehmung beeinflussen können und wie die mediale Aufarbeitung oft ein einseitiges Bild des „Unmenschen“ zeichnet.

4.6 Der Islam: Der neue Sündenbock: Dieses Kapitel thematisiert die Konstruktion des Islam als aktuellen Sündenbock westlicher Gesellschaften zur Rechtfertigung politischer und militärischer Interventionen.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die „Opfer-Täter-Sündenbock-Trias“ ein Ausdruck menschlicher Fehlbarkeit bleibt und mahnt zu mehr Bewusstsein gegenüber medialen Vereinfachungen.

Schlüsselwörter

Sündenbock, Opferkultur, Gewalt, Medien, Projektion, Opferneid, Viktimisierung, Dehumanisierung, Identifikation, Psychologie, Gesellschaft, Schuld, Unschuld, Ethik, Mimetische Theorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit analysiert die psychologischen und soziologischen Mechanismen hinter dem Sündenbock-Konzept und dem Opferstatus in unserer modernen Kultur, unter besonderer Berücksichtigung ihrer Inszenierung in den Medien.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören der historische Opferritus, Neid als treibende Kraft in der Gesellschaft, die mediale Konstruktion von Tätern und Opfern sowie die psychologischen Schutzmechanismen, die Menschen nutzen, um sich von den Motiven der Täter zu distanzieren.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Mechanismen hinter der Opferpraxis aufzudecken, die Rolle der Massenmedien bei der Instrumentalisierung dieser Phänomene kritisch zu hinterfragen und die Leser zu einer reflektierteren, mündigeren Haltung in der Auseinandersetzung mit öffentlichen Debatten anzuregen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse, insbesondere der Theorie von Kirstin Breitenfellner („Wir Opfer“), ergänzt durch die mimetische Theorie nach René Girard sowie einer diskursiven Betrachtung aktueller medienwirksamer Kriminalfälle.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Opferneid, die Rolle von Stars als Projektionsfiguren, die mediale Vorführung von Opfern (sekundäre Viktimisierung), die Dehumanisierung von Tätern (wie bei Fritzl oder Meiwes) und die aktuelle gesellschaftliche Funktion des Islam als Sündenbock.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Opferkultur, Sündenbock-Mechanismus, mediale Instrumentalisierung, Projektion, sekundäre Viktimisierung und menschliche Fehlbarkeit geprägt.

Warum ist die Unterscheidung zwischen dem aktiven und passiven Opferbegriff so wichtig?

Laut der Arbeit ist das passive Opfer heute in den Medien präsenter, während die Bereitschaft zum aktiven, selbstgewählten Opfergang (sacrifice) abgenommen hat. Dies führt zu einer Obsession mit Opfern, die oft als unantastbar inszeniert werden, um Mitleid oder Respekt zu generieren.

Inwiefern spielt der „Starkult“ eine Rolle für das Sündenbock-Konzept?

Stars dienen als „psychologisches Pharmakon“. Sie werden überhöht und idealisiert, doch wenn sie scheitern oder früh sterben, werden sie als Projektionsfläche genutzt, wobei die Gesellschaft ihren eigenen Bedarf an Identifikation und Reinigung befriedigt.

Warum führt die mediale Aufarbeitung von Verbrechen oft zu sekundärer Viktimisierung?

Die Medien sind selten an Wahrheit oder Aufklärung interessiert, sondern an Auflage. Opfer, die nicht dem „idealen“ Opferbild entsprechen – wie Natascha Kampusch – werden durch öffentliche Spekulationen und Mutmaßungen erneut zum Opfer der anonymen Masse.

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Details

Titel
Opferpraxis und Sündenbock im Medienzeitalter
Hochschule
Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main
Veranstaltung
Seminar Gewalt II
Note
2,3
Autor
Janina Castellano (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V502393
ISBN (eBook)
9783346090638
ISBN (Buch)
9783346090645
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Opfer Opferpraxis Opferbegriff Natascha Kampusch Sündenbock Opferlamm Täter Gewalt Medienzeitalter Pharmakon
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Janina Castellano (Autor:in), 2017, Opferpraxis und Sündenbock im Medienzeitalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502393
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  18  Seiten
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