Das Elterngespräch ist mit Sicherheit das wichtigste Medium für Lehrkräfte, um mit Eltern in Kontakt zu treten. Damit dieser Kontakt erfolgreich und positiv verläuft, sollte das Gespräch eine gute Struktur haben und Lehrer*Innen sollten als Berater*Innen verschiedene Grundhaltungen und Kompetenzen vorweisen. Verschiedene Elterntypen, Dimensionen einer Nachricht, Fragetechniken und Einflussfaktoren sind hierbei besonders zu berücksichtigen, um ein kooperatives Elterngespräch entwickeln zu können. Um in schwierigen Situationen daher auch angemessen reagieren zu können ist zum einen eine gründliche Vorbereitung wichtig, aber auch die Erfahrung bringt natürlich eine gewisse Reaktionsfähigkeit. Auf die eigentliche Vorbereitung des Elterngesprächs wird diese Arbeit allerdings aus Platzgründen nicht eingehen.
Die vorliegende Arbeit besteht aus insgesamt vier verschiedenen Teilen und befasst sich zuerst mit der Rolle der Lehrkraft, anschließend mit der Rolle der Eltern und der Gesprächsführung an sich. Abschließend werden die Struktur und der Verlauf eines Elterngespräches genauer untersucht und die gehaltene Seminareinheit „Durchführung des Elterngesprächs“ vom 10. Januar 2019 analysiert.
Um die Eltern als Kommunikations- und Kooperationspartner*Innen zu gewinnen, muss die Lehrkraft gewisse Grundhaltungen und Kompetenzen sowie verschiedene Blickwinkel mit in das Elterngespräch bringen. Hennig & Ehinger beschreiben diese Grundhaltungen in einer Abbildung in der Form eines Sternes, die als Zentrum das Ziel stellt, die elterliche „Kooperationsbereitschaft durch Achten und Respektieren ihres Selbstwertgefühls“ zu sichern bzw. zu erhöhen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Rolle der Lehrkraft
Grundhaltungen
Blickwinkel der beratenden Lehrperson
Die Rolle der Eltern
Elterntypen
Schwierige Situationen
Gesprächsführung
Verstehen und Leiten
Dimensionen einer Nachricht
Einflussfaktoren und Wechselbeziehungen
Durchführung des Elterngesprächs
Struktur und Verlauf
Reflexion
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen und strukturellen Grundlagen für die erfolgreiche Gestaltung von Elterngesprächen durch Lehrkräfte, um eine kooperative Zusammenarbeit zu fördern.
- Grundhaltungen und professionelle Kompetenzen der Lehrkraft
- Differenzierung von Elterntypen und Umgang mit schwierigen Situationen
- Kommunikationstechniken wie Spiegeln, aktives Zuhören und Nachrichtenanalyse
- Systemische Betrachtung von Einflussfaktoren auf das Schulkind
- Strukturierung und Durchführung eines kooperativen Elterngesprächs
Auszug aus dem Buch
Die Rolle der Lehrkraft
Um die Eltern als Kommunikations- und Kooperationspartner*Innen zu gewinnen, muss die Lehrkraft gewisse Grundhaltungen und Kompetenzen sowie verschiedene Blickwinkel mit in das Elterngespräch bringen. Hennig & Ehinger (2012, S. 28) beschreiben diese Grundhaltungen in einer Abbildung in der Form eines Sternes (s. Abb. 1), die als Zentrum das Ziel stellt, die elterliche „Kooperationsbereitschaft durch Achten und Respektieren ihres Selbstwertgefühls“ zu sichern bzw. zu erhöhen.
Eine der wichtigsten Grundhaltungen der Lehrkraft den Eltern gegenüber ist sicherlich die Empathie (Hennig & Ehinger, 2012; Seeger & Seeger, 2011; Schlamp, Lachnit & Kretzschmar, 2005; Kohn, 2011), die Akzeptanz und die Wertschätzung (Seeger & Seeger, 2011; Schlamp et al., 2005; Kohn, 2011), um den Eltern Vertrauen zu schenken und einen respektvollen und geschützten Rahmen für das Gespräch zu schaffen. Außerdem sollte man authentisch und kongruent sein (Hennig & Ehinger, 2012; Seeger & Seeger, 2011; Schlamp et al., 2005; Kohn, 2011).
Auch wenn man den Eltern seine persönlichen Gefühle und Gedanken mitteilen sollte, ist es dennoch wichtig, eine professionelle Distanz zu wahren, die eine Stabilität des „Ich“ sichert (Seeger & Seeger, 2011). Für eine ideale Lösungsfindung ist auch die Kontextberücksichtigung der Familie besonders wichtig, also in welchen Wohn-/ Lebens-/ Arbeits- und finanziellen Netzwerken sich die Familie befindet und wie diese in die Lösungskonstruktion miteingebunden werden müssen (Hennig & Ehinger, 2012). Die Lehrkraft sollte aber auch die Eltern in deren Eigenverantwortung bestärken, um ihnen Einfluss auf die Situation zu geben und gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten (Hennig & Ehinger, 2012). Stark mit der Eigenverantwortlichkeit der Eltern ist auch die Ressourcenorientierung verknüpft, da die Eltern eher zur Kommunikation und Kooperation bereit sind, wenn nicht nur die Schwächen des Kindes im Vordergrund stehen, sondern auch die Stärken und Ausnahmen des Problems angesprochen werden (Hennig & Ehinger, 2012; Seeger & Seeger, 2011). Zusätzlich sollte bei einem Elterngespräch der Fokus auf Ziele und Lösungswege gerichtet sein und nicht die gesamte Aufmerksamkeit nur für das Problem verbraucht werden (Hennig & Ehinger, 2012; Seeger & Seeger, 2011).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung definiert das Elterngespräch als zentrales Medium für Lehrkräfte und skizziert den inhaltlichen Aufbau der Arbeit.
Die Rolle der Lehrkraft: Dieses Kapitel behandelt notwendige Grundhaltungen wie Empathie und Ressourcenorientierung sowie verschiedene Blickwinkel auf die beratende Lehrperson.
Die Rolle der Eltern: Hier werden verschiedene Elterntypen nach Schlamp et al. sowie Hennig und Ehinger sowie der Umgang mit schwierigen Gesprächssituationen erläutert.
Gesprächsführung: Das Kapitel analysiert psychologische Kompetenzen wie das Spiegeln, aktives Zuhören und die Dimensionen von Nachrichten für eine gelungene Kommunikation.
Durchführung des Elterngesprächs: Hier werden die Phasen des kooperativen Elterngesprächs detailliert strukturiert und durch eine Reflexion über die Umsetzung im Seminar ergänzt.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine gute Vorbereitung und professionelle Grundhaltung essenziell für den Erfolg schwieriger Elterngespräche sind.
Schlüsselwörter
Elterngespräch, Lehrkraft, Elternarbeit, Gesprächsführung, Kooperation, Empathie, Ressourcenorientierung, Kommunikation, Schulentwicklung, Problemlösung, Systemische Sichtweise, Beratung, Erziehungspartnerschaft, Konfliktmanagement, Reflexion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der professionellen Gestaltung und Strukturierung von Elterngesprächen aus der Perspektive von Lehrkräften, um eine konstruktive Kooperation zu etablieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Grundhaltungen der Lehrkraft, der Analyse verschiedener Elterntypen, dem Umgang mit schwierigen Gesprächssituationen und den Techniken der Gesprächsführung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Lehrkräften psychologische Grundlagen und konkrete methodische Hilfestellungen an die Hand zu geben, um Elterngespräche erfolgreich und zielorientiert zu führen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit fachwissenschaftlicher Literatur, ergänzt durch eine praktische Reflexion einer Seminareinheit zur Gesprächsführung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Rollen von Lehrern und Eltern, die psychologischen Aspekte der Kommunikation, Einflussfaktoren auf das Kind und die methodische Phasenstruktur von Elterngesprächen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Elterngespräch, Kooperation, Kommunikation, Ressourcenorientierung, professionelle Distanz und systemische Sichtweise.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen den Elterntypen?
Sie differenziert basierend auf Schlamp et al. nach Konflikttypen wie den "Ja-Sagern" oder "Passiven" sowie nach Motivationszuständen wie "Besucher" oder "Kooperationspartner" gemäß Hennig und Ehinger.
Welche Bedeutung haben die "vier Augen des Schamanen" im Kontext der Beratung?
Die Metapher dient als Modell, um die Lehrkraft zu einem situativen Perspektivenwechsel (Adler, Falke, Maus, Büffel) anzuregen, um verschiedene Aspekte des Kindes und der Beziehung zu erfassen.
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- Michelle Wiedle (Author), 2019, Das Lehrer-Eltern-Gespräch. Welche Rollen haben Lehrkräfte und Eltern?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502402