Das Lehrer-Eltern-Gespräch. Welche Rollen haben Lehrkräfte und Eltern?


Hausarbeit, 2019
30 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Rolle der Lehrkraft
Grundhaltungen
Blickwinkel der beratenden Lehrperson

Die Rolle der Eltern
Elterntypen
Schwierige Situationen

Gesprächsführung
Verstehen und Leiten
Dimensionen einer Nachricht
Einflussfaktoren und Wechselbeziehungen

Durchführung des Elterngesprächs
Struktur und Verlauf
Reflexion

Fazit

Appendix

Bibliographie

Einleitung

Das Elterngespräch ist mit Sicherheit das wichtigste Medium für Lehrkräfte, um mit Eltern in Kontakt zu treten. Damit dieser Kontakt erfolgreich und positiv verläuft, sollte das Gespräch eine gute Struktur vorweisen und Lehrer*Innen sollten als Berater*Innen verschiedene Grundhaltungen und Kompetenzen zu Tage legen. Verschiedene Elterntypen, Dimensionen einer Nachricht, Fragetechniken und Einflussfaktoren sind hierbei besonders zu berücksichtigen, um ein kooperatives Elterngespräch entwickeln zu können. Um in schwierigen Situationen daher auch angemessen reagieren zu können ist zum einen eine gründliche Vorbereitung wichtig, aber auch die Erfahrung bringt natürlich eine gewisse Reaktionsfähigkeit. Auf die eigentliche Vorbereitung des Elterngesprächs wird diese Arbeit allerdings aus Platzgründen nicht eingehen.

Die vorliegende Arbeit besteht aus insgesamt vier verschiedenen Teilen und befasst sich zuerst mit der Rolle der Lehrkraft, anschließend mit der Rolle der Eltern und der Gesprächsführung an sich. Abschließend werden die Struktur und der Verlauf eines Elterngespräches genauer untersucht und die gehaltene Seminareinheit „Durchführung des Elterngesprächs“ vom 10. Januar 2019 analysiert.

Um beiden Geschlechtern gerecht zu werden, wird in der folgenden Arbeit bewusst auf das generische Maskulinum verzichtet und eine Schreibung mit Gendergap (*) verwendet.

Die Rolle der Lehrkraft

Grundhaltungen

Um die Eltern als Kommunikations- und Kooperationspartner*Innen zu gewinnen, muss die Lehrkraft gewisse Grundhaltungen und Kompetenzen sowie verschiedene Blickwinkel mit in das Elterngespräch bringen. Hennig & Ehinger (2012, S. 28) beschreiben diese Grundhaltungen in einer Abbildung in der Form eines Sternes (s. Abb. 1), die als Zentrum das Ziel stellt, die elterliche „Kooperationsbereitschaft durch Achten und Respektieren ihres Selbstwertgefühls“ zu sichern bzw. zu erhöhen.

Eine der wichtigsten Grundhaltungen der Lehrkraft den Eltern gegenüber ist sicherlich die Empathie (Hennig & Ehinger, 2012; Seeger & Seeger, 2011; Schlamp, Lachnit & Kretzschmar, 2005; Kohn, 2011), die Akzeptanz und die Wertschätzung (Seeger & Seeger, 2011; Schlamp et al., 2005; Kohn, 2011), um den Eltern Vertrauen zu schenken und einen respektvollen und geschützten Rahmen für das Gespräch zu schaffen. Außerdem sollte man authentisch und kongruent sein (Hennig & Ehinger, 2012; Seeger & Seeger, 2011; Schlamp et al., 2005; Kohn, 2011). Auch wenn man den Eltern seine persönlichen Gefühle und Gedanken mitteilen sollte, ist es dennoch wichtig, eine professionelle Distanz zu wahren, die eine Stabilität des „Ich“ sichert (Seeger & Seeger, 2011). Für eine ideale Lösungsfindung ist auch die Kontextberücksichtigung der Familie besonders wichtig, also in welchen Wohn-/ Lebens-/ Arbeits- und finanziellen Netzwerken sich die Familie befindet und wie diese in die Lösungskonstruktion miteingebunden werden müssen (Hennig & Ehinger, 2012). Die Lehrkraft sollte aber auch die Eltern in deren Eigenverantwortung bestärken, um ihnen Einfluss auf die Situation zu geben und gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten (Hennig & Ehinger, 2012). Stark mit der Eigenverantwortlichkeit der Eltern ist auch die Ressourcenorientierung verknüpft, da die Eltern eher zur Kommunikation und Kooperation bereit sind, wenn nicht nur die Schwächen des Kindes im Vordergrund stehen, sondern auch die Stärken und Ausnahmen des Problems angesprochen werden (Hennig & Ehinger, 2012; Seeger & Seeger, 2011). Zusätzlich sollte bei einem Elterngespräch der Fokus auf Ziele und Lösungswege gerichtet sein und nicht die gesamte Aufmerksamkeit nur für das Problem verbraucht werden (Hennig & Ehinger, 2012; Seeger & Seeger, 2011). Allerdings ist zu beachten, dass keine Lösung gefunden werden kann, wenn das Problem nicht zuerst von beiden Seiten vollends verstanden und analysiert worden ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: „Sternstunden“ (Hennig & Ehinger, 2012, S. 28)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: „Die vier Augen des Schamanen“ (Hennig & Ehinger, 2012, S. 75)

Blickwinkel der beratenden Lehrperson

Für einen erfolgreichen Gesprächsverlauf sollte die beratende Lehrkraft die Eltern „unter vier Blickwinkeln betrachten“: Mit dem Auge des Adlers, des Falken, der Maus und des Büffels (Hennig & Ehinger, 2012, S. 74, s. Abb. 2). Die Lehrkraft erhält mit dem Auge des Adlers den Überblick, kann Zusammenhänge erkennen und hat das Schulkind in seinem Beziehungsnetzwerk im Fokus (Hennig & Ehinger, 2012). Mit dem Auge des Falken ist eine genaue Detailbeobachtung möglich und die Lehrkraft hat die einzelnen Merkmale und Eigenschaften des Kindes im Fokus (Hennig & Ehinger, 2012). Das Auge der Maus soll die Nähe und den Kontakt zu anderen beschreiben, das den Fokus auf die Beziehung zwischen Lehrkraft und den Schüler*Innen legt und Empathie und Mitgefühl zeigt (Hennig & Ehinger, 2012). Zu guter Letzt wird das Auge des Büffels beschrieben, mit dem Fokus auf der klaren Ausdrucksweise, Stärke und dem Mut, den Lehrer*Innen mit in das Gespräch bringen.

Zwar wurden diese vier Blickwinkel von einem „nordamerikanische[n] indianische[n] Schamane[n] und Professor“ für Heiler und Schamanen zusammengestellt, es lässt sich allerdings auch sehr gut auf Berater*Innen und Lehrer*Innen übertragen (Hennig & Ehinger, 2012, S. 74). Die Lehrkraft sollte je nach Situation und Gesprächspartner*In zwischen den verschiedenen Formen wechseln können, aber immer die Absicht haben, den Eltern als Gleichberechtigte zu begegnen (Hennig & Ehinger, 2012).

Die Rolle der Eltern

Elterntypen

Die Eltern treten im Elterngespräch in verschiedenen Rollen auf, die von der Lehrkraft beachtet werden müssen. Da man die Eltern als Kooperationspartner*Innen gewinnen will, sind die bereits genannten Gesprächsgrundhaltungen und Kompetenzen der Lehrkraft nötig. Hennig und Ehinger (2012) und Schlamp et al. (2005) unterscheiden zwischen insgesamt neun verschiedenen Elterntypen, wobei sich manche Rollen inhaltlich überschneiden können.

Schlamp et al. (2005, S. 98) analysiert fünf verschiedene Konflikttypen und beginnt mit den „Ja-Sagern“, die ihre Meinung oft wechseln, sich anderen anpassen und unterordnen. Sie äußern selten ihre eigene Meinung und wollen nicht durch Kritik auffallen (Schlamp et al., 2005). Als nächsten Konflikttypen werden „die Passiven“ genannt, die Auseinandersetzungen grundsätzlich vermeiden, da „Angst vor Kritik oder Furcht im Konfliktgespräch zu unterliegen“ bei ihnen überwiegt (Schlamp et al., 2005, S. 98). Passive Eltern schließen sich auch nicht der Meinung anderer Eltern an, werden aber zu „Ja-Sagern“, wenn sie je in einen Konflikt verwickelt sein sollten (Schlamp et al., 2005). Ein weiterer schwieriger Elterntyp wird von Schlamp et al. (2005) als „die Unsicheren“ betitelt. Diese Eltern sind dem Druck der Konfliktgespräche nicht gewachsen und schließen voreilige Kompromisse, um Konflikten schnell zu entgehen (Schlamp et al., 2005). Bei diesem Elterntyp muss man als Lehrkraft besonders darauf achten, „dass Kompromisse gründlich ausgehandelt und nicht vorschnell geschlossen werden“, damit umsetzbare und realistische Lösungen gefunden werden können (Schlamp et al., 2005, S. 98). Eine besonders hohe Sozialkompetenz zeigen allerdings „die Fairen“, die „im Konfliktfall ihre eigenen Bedürfnisse und Vorstellungen“ kennen, aber auch andere Meinungen und Sichtweisen schätzen (Schlamp et al., 2005, S. 98). Sie versuchen umsetzbare und realistische Kompromisse zu finden, vermeiden vorschnelle Lösungen und sind zur Kooperation bereit (Schlamp et al., 2005). Abschließend nennen Schlamp et al. (2005) „die Starken“, mit denen sich Konfliktgespräche als besonders anstrengend herausstellen, da sie nur ihren eigenen Standpunkt sehen und versuchen, diesen oft mit allen Mitteln durchzusetzen – sie versuchen andere Eltern und Unbeteiligte mit ins Boot zu holen, um den Konflikt zu gewinnen.

Hennig und Ehinger (2012, S. 82) wiederum unterscheiden zwischen vier Motivationszuständen, in denen die Eltern am Elterngespräch teilnehmen, wobei es sich hierbei allerdings um die „Beschreibung der Beziehung zwischen LehrerInnen und Eltern […] und nicht um Charakterzüge der GesprächspartnerInnen“ handelt. Sie bezeichnen jene Eltern, die kein Problem sehen bzw. nicht sehen wollen als „BesucherInnen“, da sie zwar freiwillig am Gespräch teilnehmen, allerdings keine Kooperation eingehen (Hennig & Ehinger, 2012, S. 82). Jene Eltern die zwar das Problem erkennen, sich beklagen, aber ebenfalls keine Änderungen vornehmen wollen, nennen Hennig und Ehinger (2012) „(An)Klagende“. Ein weiterer schwieriger Motivationszustand sind die „Vorgeladenen“, da diese für das Gespräch regelrecht einbestellt werden müssen und dies als das Problem sehen (Hennig & Ehinger, 2012). Hennig & Ehinger (2012) nennen jene Eltern die aktiv am Problem mitarbeiten und etwas ändern wollen „Kooperationspartner“. Dieser Motivationszustand ist für ein Elterngespräch am besten geeignet, da beide Parteien an einer Lösung arbeiten wollen und somit tatsächliche Ergebnisse erzielt werden können.

Allerdings können Lehrkräfte Eltern immer als diejenigen sehen, die „das Beste“ für ihre Kinder wollen – was wiederum als das Beste für einzelne Eltern gilt, muss im Elterngespräch erst herausgefunden werden – und dass ein gemeinsamer Erziehungsauftrag besteht (Kohler & Sennekamp, 1994). Man sollte den Eltern außerdem immer wieder bewusst machen, dass eine „aktive Elternarbeit in der Schule“ und der regelmäßige Austausch mit der Lehrkraft und anderen Eltern die wichtigsten und einflussreichsten Bereiche sind, mit denen Lösungen gefunden werden können (Kohler & Sennekamp, 1994, S. 190). Denn informierte Eltern „können Mißstände erkennen, argumentieren“, Möglichkeiten ihrer Kinder richtig einschätzen, entstehende Konflikte frühzeitig erkennen und angemessen darauf reagieren (Kohler & Sennekamp, 1994, S. 190).

Schwierige Situationen

In Elterngesprächen kann es immer wieder auch zu besonders schwierigen Gesprächssituationen kommen und Lehrer*Innen müssen angemessen reagieren können. Eine „geschützte und vertrauensvolle Atmosphäre“ ermöglicht den Eltern, sich ihrer Gefühle bewusst zu werden und ihnen sollte es daher auch möglich sein, durch weinen ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen (Hennig & Ehinger, 2012, S. 149). Deswegen sollten Lehrer*Innen dem Weinen Raum geben und den Eltern Akzeptanz und Empathie entgegen bringen.

Als „besonders stressauslösend, bedrohlich und belastend“ werden von vielen Lehrer*Innen aggressive Eltern erlebt (Hennig & Ehinger, 2012, 149). Drohungen, Angriffe auf die persönliche oder berufliche Kompetenz der Lehrkraft und Schuldzuweisungen „stellen massive Kränkungen und eine Bedrohung des Selbstwertes [der Lehrkraft] dar“ (Hennig & Ehinger, 2012, S, 149). Die Lehrkraft hat hier entweder die Möglichkeit, das Gespräch direkt abzubrechen oder mit Metakommunikation die Reaktionen der Eltern aufzugreifen und die aktuelle Situation zu kommunizieren und zu reflektieren (Hennig & Ehinger, 2012). Es hat sich außerdem gezeigt, dass es nicht hilfreich ist, wenn sich die Lehrkraft verteidigt und rechtfertigt, da aggressive Eltern dann eher zu weiteren und stärkeren Angriffen übergehen (Hennig & Ehinger, 2012).

Ebenfalls als schwierige Gesprächspartner*Innen, werden schweigende Eltern gesehen, die entweder aus Trotz nichts sagen – „Ich wurde gezwungen hierher zu kommen.“ – oder sich aus Unsicherheit und Angst nicht trauen, sich zu öffnen (Hennig & Ehinger, 2012). Hierbei ist es besonders wichtig, nicht durch Monologe zu versuchen, dem Schweigen entgegenzuwirken, da Eltern dadurch weiterhin die Möglichkeit zum Schweigen haben (Hennig & Ehinger, 2012). Mit Metakommunikation kann auf das Schweigen eingegangen und gefragt werden, was den Eltern in dieser Situation beim Öffnen helfen könnte oder was ihre Gründe für das Schweigen sind (Hennig & Ehinger, 2012). Wenn die Eltern weiterhin nicht auf die Lehrkraft eingehen, kann hier ebenfalls das Gespräch abgebrochen werden, da es inhaltslos ist, ein Gespräch ohne Kommunikation zu führen (Hennig & Ehinger, 2012).

Das genaue Gegenteil zu den schweigenden Eltern bieten die Vielredner, die oft nicht beim Thema bleiben können, „weit ausholen und abschweifen“ (Hennig & Ehinger, 2012, S. 151). Die einzige Möglichkeit Vielredner zu unterbrechen und dennoch respektvoll mit ihnen zu sein, ist hier, immer wieder Stopps einzubringen und den Eltern zu vermitteln, dass man gemeinsam an dem Problem und an einer Lösung arbeiten möchte (Hennig & Ehinger, 2012).

Wenn sich Eltern über Kolleg*Innen beschweren, sollte die Lehrkraft den Eltern am besten weder zustimmen, noch die Aussage unbeachtet lassen, denn „pädagogisch problematische[s] Verhalten [ist] in erster Linie Aufgabe der Schulleitung“ und Eltern sollten daher auch an diese verwiesen werden (Hennig & Ehinger, 2012, S. 151). Die Lehrkraft hat allerdings die Möglichkeit, nach den bisherigen Schritten der Eltern zu fragen und eventuell ein Gespräch mit den angesprochenen Lehrer*Innen zu arrangieren; dadurch werden die vorgebrachten Sorgen der Eltern ernst genommen und die Lehrkraft gerät nicht in ein „problematisches Bündnis“ (Hennig & Ehinger, 2012, S. 152).

Besonders schwierig wird es, „wenn Eltern nachweislich die Unwahrheit behaupten“, dies vielleicht nicht „aus Boshaftigkeit oder Heimtücke“ aber „aus Angst oder Scham“ tun oder sogar „eine verzerrte Wahrnehmung ihrer Situation“ haben (Hennig & Ehinger, 2012, S. 152). Hier ist es von Vorteil, eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre zu schaffen, die Eltern nicht mit der Lüge zu konfrontieren, sondern es ihnen zu ermöglichen, die Wahrheit zu erzählen. Wenn es sich allerdings um Informationen handelt, bei denen das körperliche und seelische Wohl des Kindes gefährdet sein sollte, muss dies angesprochen und dem Jugendamt weitergeleitet werden (Hennig & Ehinger, 2012).

Gesprächsführung

Verstehen und Leiten

In gleicher Art und Weise wie die Grundhaltungen der Lehrkraft sind auch die Gesprächsführungskompetenzen, die im Elterngespräch Einsatz finden sollte, von hoher Bedeutung. Seeger und Seeger (2011, S. 24) nennen als „eine der wichtigsten Gesprächsführungskompetenzen und [als] eine zentrale psychotherapeutische Intervention“ das Spiegeln. Durch das Spiegeln wird eine gemeinsame Kommunikationsebene geschaffen, da die Aussagen des Gegenübers verbal wiedergegeben werden und sich die Eltern so innerlich noch einmal auf die Problemsituation einlassen können (Seeger & Seeger, 2011; Hennig & Ehinger, 2012; Kohn, 2011). Dennoch ist es wichtig, die Schilderungen und Aussagen wertfrei wiederzugeben, mit Schlüsselbegriffen zu arbeiten und nicht jedes Detail zu spiegeln (Seeger & Seeger, 2011; Kohn, 2011).

Zusätzlich ist es wichtig den Eltern durch aktives Zuhören Präsenz zu zeigen und durch Mimik, Gestik und Körperhaltung dadurch ein „deutlicheres Wahrnehmen [ihrer] Gedanken und Gefühle“ zu ermöglichen (Seeger & Seeger, 2011, S. 24; Schlamp et al., 2005; Hennig & Ehinger, 2012; Kohn, 2011). Im Elterngespräch sollte eine respektvolle und persönliche Atmosphäre vorherrschen, daher ist es bedeutsam, die Eltern persönlich anzusprechen und Blickkontakt zu halten – so entstehen Gespräche auf Augenhöhe und die Kommunikation ist müheloser (Seeger & Seeger, 2011).

Ebenso wie das aktive Zuhören und das persönliche Ansprechen zeigen Ich-Aussagen Respekt und Gleichberechtigung, da „direkte und indirekte Anschuldigungen vermieden“ und keine Befehle, sondern Vorschläge ausgesprochen werden (Seeger & Seeger, 2011, S. 23; Schlamp et al., 2005; Kohn, 2011). Darüber hinaus kann die Lehrkraft gezielt nach Gedanken und Gefühlen der Eltern fragen, da die genannten Gefühle „den Weg zum eigentlichen Problem“ zeigen und für Beratungsgespräche von großer Bedeutung sein sollten (Seeger & Seeger, 2011, S. 28; Hennig & Ehinger, 2012). Außerdem kann die Verbalisierung der Gefühle zur Klärung dieser beitragen (Hennig & Ehinger, 2012).

Damit das Problem erst einmal verstanden und anschließend vertieft werden kann, ist es hilfreich, wenn die Lehrkraft die Eltern konkrete Situationen schildern lässt und mit offenem und ressourcenorientiertem Fragen herausfindet, wie das Problem entstanden ist, wann es Ausnahmen vom Problem gab oder welche Konsequenzen sich in der Zukunft zeigen könnten, wenn es keine Veränderungen gibt (Seeger & Seeger, 2011; Hennig & Ehinger, 2012).

Für neue Erkenntnisse und um den Standpunkt anderer besser verstehen zu können, kann den Eltern ebenfalls ein Perspektivenwechsel angeboten werden, bei dem sie sich beispielsweise in die Rolle ihres eigenen Kindes versetzen (Seeger & Seeger, 2011; Hennig & Ehinger, 2012). Hierbei können Eltern mit ihren eigenen Gefühlen und Gedanken in Kontakt kommen, die sich bisher nicht gezeigt haben (Seeger & Seeger, 2011; Hennig & Ehinger, 2012). Eine weitere Möglichkeit für den Perspektivenwechsel ist die Vorstellung des konkreten, gewünschten Soll- bzw. Zielzustandes, der vom bisherigen Ist-Zustand gesehen wird, um die Entscheidungs- und Zielfindung zu unterstützen (Seeger & Seeger, 2011).

Ebenso wichtig wie „den Gesprächspartner [zu] verstehen“ ist es, „das Gespräch [zu] leiten“ (Hennig & Ehinger, 2012, S.93-94). Wenn es der Lehrkraft gelingt, „die beiden schwer miteinander zu vereinbarenden Aufgaben […] auszubalancieren“, hat sie „die Grundlage zu einer guten Verständigung und einem effektiven Gespräch geschaffen“ (Hennig & Ehinger, 2012, S. 92). Der Gesprächsverlauf sollte klar strukturiert und die Vorgehensweise transparent sein, um kooperativ handeln zu können (Hennig & Ehinger, 2012). Wie bereits in den Grundhaltungen der Lehrkraft genannt, ist es wichtig, gemeinsam Lösungswege zu erarbeiten und den Fokus auch immer wieder auf die Lösung zu lenken, um nicht die gesamte Energie dem Problem zu widmen (Hennig & Ehinger, 2012). Abschließend zum Elterngespräch besteht die Möglichkeit für ein gegenseitiges Feedback, allerdings nur, wenn dies von beiden Seiten gewünscht ist und im Vorfeld besprochen wurde (Schlamp et al., 2005).

Dimensionen einer Nachricht

Indem wir Nachrichten in verschiedenen Dimensionen wahrnehmen und senden, können wir den Hintergrund und die Aussageabsicht besser verstehen (Hennig & Ehinger, 2012). Hennig und Ehinger (2012) und Kohn (2011) beschreiben vier Dimensionen einer Aussage mit dem 4-Ohren-Modell, welches folgende Aspekte beinhaltet: die Inhaltsdimension bzw. den Sachaspekt, die Gefühlsdimension bzw. die Selbstoffenbarung, die Wünschedimension bzw. den Appell und die Beziehungsdimension. Mit der Inhaltsdimension werden sachliche und inhaltliche Informationen empfangen, indem nur die klaren und deutlichen Fakten einer Nachricht gesehen werden (Hennig & Ehinger, 2012; Kohn, 2011). Über die Gefühlsdimension lassen wir eine Selbstoffenbarung zu, da wir ebenfalls unsere eigenen Gefühle und Stimmungen preisgeben und wir Anteilnahme und Verständnis zeigen (Hennig & Ehinger, 2012; Kohn 2011). Lehrkräfte sollten allerdings nicht zu viele Nachrichten auf dieser Ebene senden, da sonst die professionelle Distanz verloren gehen kann (Hennig & Ehinger, 2012; Kohn, 2011). Durch die Wünschedimension oder auch Appell, werden klare und deutliche Äußerungen gesendet oder wahrgenommen, die zeigen, was wir erreichen wollen (Hennig & Ehinger, 2012; Kohn, 2011). Auf der Beziehungsebene sollten Lehrkräfte sehr behutsam vorgehen, da hier die formelle und informelle Beziehung zu den Eltern eine große Rolle spielt (Hennig & Ehinger, 2012; Kohn, 2011). Hier ist es wichtig, Authentizität zu zeigen und den Eltern Wertschätzung und Respekt entgegen zu bringen (Hennig & Ehinger, 2012).

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Das Lehrer-Eltern-Gespräch. Welche Rollen haben Lehrkräfte und Eltern?
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
30
Katalognummer
V502402
ISBN (eBook)
9783346048189
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lehrer-eltern-gespräch, welche, rollen, lehrkräfte, eltern
Arbeit zitieren
Michelle Wiedle (Autor), 2019, Das Lehrer-Eltern-Gespräch. Welche Rollen haben Lehrkräfte und Eltern?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502402

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