Wie verlief der Alltag eines Kindes zur römischen Kaiserzeit? Ein Überblick über Geburt, Schule und Freizeit


Hausarbeit, 2019
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geburt
2.1. Kinder von Plebejern und Patriziern
2.2. Sklavenkinder

3. Freizeit
3.1. Die kurze Kindheit von Mädchen
3.2. Die Freizeit von Jungen
3.3. Beschäftigungen von Sklaven

4. Schule und Ausbildung
4.1. Plebejer und Patrizier in Schulen
4.2. Freie und Unfreie in Schulen

5. Zusammenfassung

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Untersuchung soll der Alltag eines römischen Kindes zur Kaiserzeit (ca. 27 v.Chr. – 284 n.Chr.) von der Geburt bis einschließlich der frühen Jungend in der Schule und Ausbildung anhand der Literatur, vor allem mithilfe des umfangreichen Werkes „The Oxford handbook of childhood and education in the classical world“ von J.E. Grubbs, Tim G. Parkin und Roslynne Bell und „Die Welt der Kinder in der Antike“ von Annika Backe-Dahmen, ergänzt aber auch durch verschiedene weitere Autoren und Quellen, nachgezeichnet werden. Neben dieser Sekundärliteratur sollen auch Quellen von römischen Dichtern und Schriftstellern der Kaiserzeit betrachtet werden, um den Tagesablauf der Kinder so genau wie möglich darzustellen. In dieser Hausarbeit werden Ausschnitte von Juvenal, Dionysius von Halikarnassos und Persius als Beispiele herangezogen. Die Arbeit gliedert sich wie folgt: Zu Beginn wird auf die Geburt von Kindern der Plebejer und Patrizier eingegangen, und wie sie sich von Sklavenkindern unterscheiden, beziehungsweise wie es dazu kam, dass Kinder ausgesetzt wurden und von Käufern versklavt wurden. Anschließend soll ein Blick auf die Freizeit von Mädchen und Jungen im antiken Rom geworfen werden, und dazu einen erneuten Vergleich zu den unfreien Kindern und ihrer Arbeit gemacht werden. Im Anschluss an die Freizeit von römischen Kindern wird sich mit der Schule der Kaiserzeit beschäftigt. Dabei soll neben den drei Stufen der Ausbildung von RömerInnen ebenso ein kurzer Blick auf die Ausbildung antiker Jugendlicher geworfen werden. In einem Schlusswort sollen die Ergebnisse der Fragestellung „Wie verlief der Alltag eines römischen Kindes zur Kaiserzeit?“ zusammengefasst und abschließend beurteilt werden. Zudem sollen Forschungskontroversen über den Verlauf des Alltages von Kindern in dieser Untersuchung angesprochen werden, auch wenn sie an dieser Stelle aufgrund des beschränkten Rahmens nicht im Detail besprochen und bewertet werden können.

2. Geburt

Heute verbindet man die Schwangerschaft einer Frau in der Regel mit positiven Reaktionen und Glücksgefühlen, anders jedoch in der Antike, als bereits Mädchen mit nur 13 Jahren oder jünger verheiratet wurden und durch die Qualen einer Geburt gehen mussten. Nicht nur das junge Alter einer werdenden Mutter konnte Komplikationen während der Schwangerschaft und der Geburt auslösen, sondern auch fehlende medizinische Kenntnisse und Hygiene waren Folgen, die bis zu einer Fehl- oder Totgeburt führen konnten. Dies konnte verursachen, dass eine Frau in ihrem Leben (ca. 50 Jahre alt) im Durchschnitt bis zu sechs Kinder gebar, wovon möglicherweise nur drei oder weniger tatsächlich länger als nur einige Tage überlebten.1

2.1. Kinder von Plebejern und Patriziern

Der römische Satirendichter Juvenal (1. und 2. Jhd. n.Chr.) berichtete über den Unterschied der Frauen aus der Ober- und Unterschicht wie folgt:

„Diese Frauen nehmen jedoch das Risiko des Gebärens auf sich und ertragen alle Mühen einer nährenden Mutter, durch ihre Lage genötigt, dagegen liegt im vergoldeten Bett kaum jemals eine Gebärende. Soviel vermögen die Künste, soviel die Mittel jener, die unfruchtbar macht und sich für die Tötung von Menschen im Mutterleib verdingt.“2

Juvenal gibt somit wieder, dass hauptsächlich die Frauen aus der unteren Schicht die Konsequenzen einer Schwangerschaft in der Antike zu tragen hatten, weil sie sich keine Amme leisten konnten, während; Patrizierinnen stattdessen eine Abtreibung bevorzugten und der Arzt ein lebendes Wesen noch im Mutterleib tötete. Wenn jedoch reiche Frauen ein Kind zur Welt bringen mussten, um beispielsweise einen männlichen Thronfolger zu gebären, hatten sie keine andere Wahl als die Gefahr einer Schwangerschaft auf sich zu nehmen. Ein bekanntes Beispiel für eine Frau der Kaiserzeit, die ihr Leben für ihr Kind verlor, war Junia Claudilla (17-36/37 n.Chr.), Kaiser Caligulas junge Gattin. Trotz der bekannten Komplikationen einer Schwangerschaft, ist heute bekannt, dass es ein allgemeines Verlangen nach eigenen Kindern gab. Durch zahlreiche Zeichnungen von der weiblichen Brust, eingewickelten Neugeborenen, magischen Rezepten und Statuen von Muttergöttinnen in Orakeln wird klar, dass die Hauptbeschäftigung der Frauen darin lag, Kinder zu bekommen, und im besten Falle männlichen Nachwuchs.3

Die ersten Tage nach der Geburt waren für das Baby und die Mutter am wichtigsten. Sollten beide die erste Woche erfolgreich überstanden haben, war bereits eine große Hürde überwunden. Zu aller erst stand jedoch dem pater familias die Entscheidung offen, ob er das Kind als sein Eigenes annahm oder nicht. Sollte er es annehmen, kam es zu einer rituellen Geste, indem das Neugeborene in die Luft gehoben und präsentiert wurde. Sollte der pater familias es jedoch nicht akzeptieren, wurde es in den häufigsten Fällen ausgesetzt.4 Der nächste große Schritt für die Angenommenen war der Tag der Namensgebung (dies lustricus), welche in der Antike zu einem großen Familienfest wurde, weil dies gleichzeitig der Eintritt in das soziale Leben der Kinder war. Für Jungen wurde die Zeremonie neun Tage nach ihrer Geburt gefeiert und bei Mädchen nach dem achten Tag.5 Erst nachdem ein Neugeborenes einen Namen erhielt, wurde es registriert und vom Staat anerkannt. Sollte der pater familias das Baby also nicht anerkennen und vor dem dies lustricus ausgesetzt haben, gab es prinzipiell keine Gesetze, für die man ihn hätte belangen können, da das Kind offiziell noch nicht existierte.6 Bei der Festlichkeit wurde das Haus geschmückt und dem neuen Familienmitglied wurden Amulette geschenkt, die Sicherheit, insbesondere vor Dämonen, und Gesundheit bringen sollten.

„Infants and young children were believed to be targeted by the evil eye. The strigae (also known as Gelloudes, Mormones or Lamaiai) were female demons, women who had failed or were disappointed in their roles as mothers. […] Ovid descibes the strigae as greedy birds that fly at night and tear the flesh off newborns. The strigae were also held responsible for abortions and death in childbirth.“7

2.2. Sklavenkinder

Nicht nur der Tagesablauf von Kindern, die als Sklaven tätig waren, ist verschieden zu „normalen“ Kindern der Antike, sondern auch sprachlich wurden sie bereits stark voneinander getrennt. Im Lateinischen kann man die zahlreichen Begriffe, die ein Sklavenkind bezeichnen, in zwei Kategorien teilen: Die einen beziehen sich auf das Alter eines Sklaven und die anderen auf das Verhältnis des Sklaven zu seinem Herren. In die erste Gruppe fallen Bezeichnungen wie puer, servus und ancilla, während in der zweiten Gruppe die Namen vernae, alumni und conlactanei vorherrschend sind.8 Kinder wurden ebenso in verschiedene Phasen ihres Alters eingeteilt. So bezeichnete man Neugeborene bis zu ihrem siebten Lebensjahr infantes und die älteren vom siebten bis zum vierzehnten Lebensjahr impuberes. Im Gegensatz dazu war ein Sklavenkind sozial und auch vor dem Gesetz alterslos.9

Über die Gruppe der vernae ist uns wohl am meisten bekannt. Diese spezielle Gattung bezeichnete diejenigen, die bereits in eine etablierte Sklavenfamilie geboren wurden und in der Regel im Haushalt des Herren zur Welt gekommen sind. Was die vernae so besonders macht, ist der Fakt, dass sie im Verhältnis besser behandelt wurden und eine höhere Stellung besaßen, als „herkömmliche“ Sklaven, wie beispielsweise Kriegsgefangene. Über die vernae wissen wir daher so gut Bescheid, weil sie häufiger auf Grabinschriften ihrer Hausherren erwähnt und geehrt wurden, oder sie im besten Falle selbst einen eigenen Grabstein bekamen.10

Wie bereits zuvor erwähnt wurde, hatte der pater familias bei der Geburt die Wahl das Kind anzunehmen oder nicht. Sollte die symbolische Handlung der Aufnahme des Neugeborenen durch das Familienoberhaupt nicht geschehen, hatte meisten die Amme die Aufgabe das Kind auszusetzten. Im antiken Rom war eine Aussetzung nicht nur nicht verboten, sondern wurde zu gewissen Zeiten vom Staat sogar gefördert, weil es ein einfacheres und sicheres Verfahren für Frauen ist, als eine Abtreibung.11 Laut dem Schriftsteller Dionysios von Halikarnassos (54 – 7 v.Chr.), der 29 v.Chr. nach Rom kam, hieß es bereits in den Königsgesetzten, den Leges Regiae, wie folgt:

„In the first place, he obliged the inhabitants to bring up all their male children and the first-born of the females, and forbade them to destroy any children under three years of age unless they were maimed or monstrous from their very birth. These he did not forbid their parents to expose, provided they first showed them to their five nearest neighbours and these also approved.“12

Außerdem hatten Händler dadurch immer neuen Aufschub für den Sklavenmarkt, denn die Neugeborenen wurden meist auf öffentlichen Plätzen oder Straßen abgelegt, wo sie jemand mit großer Wahrscheinlichkeit finden und abgeben würde. So wurde der Nachwuchs in den Sklavenhandel geführt.13

3. Freizeit

Freizeitbeschäftigungen von Mädchen, Jungen und Sklaven unterscheiden sich in vielen Bereichen drastisch, in anderen ähneln sie sich wiederum sehr stark. HistorikerInnen müssen sich in diesem Bereich nicht nur auf archäologische Ausgrabungsfunde beziehen, sondern haben auch komplette Werke oder überlieferte Fragmente von antiken Autoren zur Verfügung, die über die bevorzugten Beschäftigungen von Kindern schrieben, und können sich so ein gutes Bild davon machen.14

3.1. Die kurze Kindheit von Mädchen

Ein wichtiger Punkt, der die Mädchen in der römischen Kaiserzeit betrifft und von anderen unterscheidet, ist der Fakt, dass ihre Kindheit sehr viel kürzer war, als die der Jungen. Das lag unteranderem an der Vorstellung, dass sie frühestmöglich die Rolle einer zukünftigen Hausfrau und Mutter einnehmen müssen, beziehungsweise erlernen sollen. Aus diesem Grund wurden Mädchen sehr schnell verlobt und verheiratet, um neue Kinder in die Welt zu setzten, während sie selbst gerade erst in die Pubertät gekommen sind und thermologisch gesehen selbst noch Kinder waren.15 Erst ab Augustus und der Beginn der Kaiserzeit wurden Mindestalter für die Verlobung und die Hochzeit gesetzlich festgehalten. So wurde von Juristen für Mädchen das zehnte Lebensjahr für eine Verlobung und das zwölfte für eine Hochzeit festgelegt, während sie sich für Jungen auf vierzehn verlief.

„Obwohl das Heiratsalter derart früh angesetzt war, waren Ehen in diesem jugendlichen Alter eher selten; andererseits ist feststellbar, dass gerade in der Adelsschicht die Kinder früh verheiratet wurden oder selbst heirateten, wie dies Caesar mit 17 Jahren tat.“16

Die Verlobung, die sponsalia, war in Rom nicht verpflichtend, aber unter Patriziern angesehen, weil dadurch der Beginn des Eintritts in die Gesellschaft gefeiert wurde. Insbesondere für Mädchen war dies die feierliche Zeremonie des Abschiedes ihres Kindseins und der Tag des Erwachsenwerdens.17

Bevor sie aber tatsächlich verheiratet wurden, sollten sie von ihren Müttern auf ihr späteres Leben vorbereitet werden. Das geschah nach Vermutungen durch Puppen, die man häufig in Gräben von Mädchen zwischen dem fünften und zwanzigsten Lebensjahr fand. Auffallend ist, dass die Proportionen dieser Puppen sehr stark ausgeprägt sind und die Formen eines weiblichen Körpers widerspiegeln. ForscherInnen gehen davon aus, dass Mädchen somit die Veränderungen, die in der Pubertät vorgehen, bewusst gemacht werden sollte. Die Erwachsenen hatten das Ziel ihre Töchter zu ermutigen, sich mit ihrer zukünftigen sozialen Rolle vertraut zu machen. Der römische Dichter Aulus Persius Flaccus (34 – 62 n.Chr.) schrieb in einer seiner Satiren folgendes:

„Dicite, pontifices, in sancto quid facit aurum?
nempe hoc quod Veneri donatae a virgine pupae.“18

Es lässt sich vermuten, dass Persius über solch eine Puppe sprach und diese von Mädchen vor ihrem Hochzeitstag für die Göttin Venus geopfert wurde, um zu symbolisieren, dass sie ihre alte Welt der Kindheit zurücklassen.19

[...]


1 Laes, 2011, 50.

2 Iuv. Sat. VI 592-594.

3 Laes, 2011, 51-56.

4 Backe-Dahmen, 2008, 24.

5 Grubbs u. Parkin u. Bell, 2013, 269.

6 Laes, 2011, 66.

7 Laes, 2011, 68.

8 E. Herrmann-Otto, in: H. Heinen (Hg.), Kindersklaven – Sklavenkinder, 177.

9 Backe-Dahmen, 2008, 24.

10 Grubbs u. Parkin u. Bell, 2013, 295.

11 E. Herrmann-Otto, in: H. Heinen (Hg.), Kindersklaven – Sklavenkinder, 182f.

12 Dio. Roman antiquities. II 15, 1.

13 E. Herrmann-Otto, in: H. Heinen (Hg.), Kindersklaven – Sklavenkinder, 184.

14 Backe-Dahmen, 2008, 25.

15 Backe-Dahmen, Antike Welt 39, 2008, 25f. /p>

16 König, 2007, 27f.

17 König, 2007, 26-34.

18 Pers. Sat. II 69-70.

19 Caldwell, 2015, 101f.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Wie verlief der Alltag eines Kindes zur römischen Kaiserzeit? Ein Überblick über Geburt, Schule und Freizeit
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Institut)
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V502434
ISBN (eBook)
9783346042811
ISBN (Buch)
9783346042828
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kindheit, Kinder, Antike, Rom, Alltag, Kaiserzeit
Arbeit zitieren
Carola Ruschel (Autor), 2019, Wie verlief der Alltag eines Kindes zur römischen Kaiserzeit? Ein Überblick über Geburt, Schule und Freizeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502434

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