Moralische Dimensionen des Cyborgs in der Serie "Doctor Who". Maschinen, Menschen, Menschlichkeit


Bachelorarbeit, 2019

30 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist ein Cyborg?
2.1. Definition des Cyborgs durch Graduierung
2.2. Entwicklung des Cyborgs in der fiktionalen Literatur

3. Was ist (un-)menschlich?

4. Cyborgs im Spiegel moralischer Betrachtungsweisen

5. Moral und Menschlichkeit des Cyborgs in Doctor Who
5.1. Doctor Who – Eine Science-Fiction-Serie
5.2. Cyborgs im Normalzustand
5.2.1. Daleks
5.2.2. Cybermen
5.3. Kaputte Maschinen gleich retablierte Menschlichkeit?
5.3.1. Daleks
5.3.2. Cybermen

6. Schlussbetrachtung

7. Quellenverzeichnis

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Cyborg als Motiv der Science-Fiction-Literatur tritt häufig als Zukunftsvision für den Weg des Menschen aus seiner biologischen Mangelhaftigkeit auf. Doch der Organismus-Maschinen-Hybrid birgt auch zahlreiche Gefahren und Risiken in Bezug auf den Verlust von Subjektivität und Individualität, worauf in der Science-Fiction-Literatur schon früh abgehoben wurde.1 Diese technikkritische Darstellung kommt besonders im zweiten Teil der Serie Doctor Who ab 2005 zum Ausdruck2 ; außerdem wurde für meine Betrachtung der zweite Serienteil ausgewählt, um die Stringenz und Vollständigkeit der Untersuchung bis zum aktuellen Stand3 gewährleisten zu können.4 Aufgrund der Quantität und der Beständigkeit ihres Auftretens in beiden Serienteilen wurden die Ethnien Cybermen und Daleks ausgewählt.5

Entscheide dich für ein Upgrade und werde ein Cyborg, oder werde eliminiert – in der Science-Fiction-Serie Doctor Who wird die mechanische Komponente des Cyborgs im Regelfall konträr zu den organischen Komponenten dargestellt. Nur die organische Komponente kann aus menschlicher Sicht moralisch gut handeln; die mechanisch gesteuerte Komponente ist von Logik und Eigennutz gesteuert. Nur durch das Blockieren oder eine Fehlfunktion von mechanischen Komponenten ist im Einzelfall moralisch „gutes“ Handeln möglich. Zu Beginn wird der Begriff des Cyborgs und der Cyborgisierung erläutert und unter Bezugnahme auf die Entwicklung in der fiktionalen Literatur konkretisiert. In Hinblick auf die Zielsetzung einer konnotationsbedingten Abgrenzung des organischem vom technischen Bestandteil wird das Graduierungsschema von Heilinger und Müller in Der Cyborg und Die Frage nach dem Menschen für die Definition des Cyborgs genutzt, um den Status der fiktiven Cyborgs zu konkretisieren. Doch vor der Analyse der Cyborgs muss die Frage gestellt werden: Was macht eigentlich moralisches Menschsein aus und welche Auswirkungen haben technische Erweiterungen auf das Handeln des Organismus? Durch die Gestaltung seines Körpers in der Science-Fiction-Literatur zeigt der Hybrid an, wie weit sich der Umgang mit Technologie und fortschreitender Technisierung noch wandeln kann.6 Auch Haraway plädiert deshalb für eine Behandlung des Cyborgs in der fiktionalen und posthumanistischen Literatur als mögliche reale Zukunftsaussicht, „an der sich die Beschaffenheit unserer heutigen gesellschaftlichen und körperlichen Realität ablesen lässt“7. Aufgrund dessen wird zunächst der Begriff der moralischen Menschlichkeit anhand von Grundlagenwerken für Ethik und Moral, u.a. Frankena (Ethik: Eine analytische Einführung) und Schmücker (Grundkategorien moralischer Bewertung) ohne literaturwissenschaftlichen Hintergrund erläutert. Danach wird konkretisiert, welche negativen Auswirkungen eine Cyborgisierung haben könnte; diese können dann bei der Analyse eines Einzelfalls dargestellt werden. Für ein differenzierteres Bild einer technikkritischen Lesart und die Konkretisierung der Auswirkungen wird insbesondere auf Heilinger und Müller und auf die Ausführungen in Donna Haraways Manifest für Cyborgs und Irrgangs Posthumanes Menschsein? Künstliche Intelligenz, Cyberspace, Roboter, Cyborgs und Designer-Menschen zurückgegriffen. Danach wird in Kapitel 5.2 ein Gesamtbild des Normalzustands beider Spezies entworfen, um dieses in Kontrast zu den analysierten Einzelfällen betrachten zu können. Insbesondere in Anbetracht der moralischen Bewertung eines Wesens und seinen Handlungen, Charaktereigenschaften und Intentionen wird von der Forschung eine Prüfung des Einzelfalls verlangt.8 Die menschlichen Moralvorstellungen werden schlussendlich mit den Moral- und Handlungsmaßstäben von Cyborgs in der Serie Doctor Who abgeglichen, um zu prüfen, welche moralische Konnotation der Hybrid im Normalzustand und in den analysierten Einzelfällen erhält. Insbesondere soll herausgearbeitet werden, ob der jeweilige technische und organische Part des Hybriden in Hinblick auf menschliche Moralvorstellungen variierende Bedeutung erhält. Die Beschreibung der Spezies und die Prüfung der Einzelfälle stützt sich sowohl auf die Analyse der Folgen als auch auf einige Artikel des Sammelbands von Lewis und Smithka (Doctor Who and Philosophy) sowie auf From Balaclavas to Jumpsuits von Geragthy und Being Bionic von Calvert, welche sich explizit mit der Betrachtung der Serie Doctor Who und der Cyborgs in dieser Serie befassen.

2. Was ist ein Cyborg?

„Cyborg ist ein Akronym für ‚cybernetic organism“. Entsprechend versteht man darunter einen Hybrid aus Organismus und Maschine. Der Begriff des Cyborgs ist insbesondere in Bezug auf menschliche Mischwesen angewandt worden“9. Der Terminus ist 1960 erstmals belegt und erlangte durch die Cyborgs in den Filmen Terminator und Star Trek internationale Bekanntheit.10 Die Wandlung eines organischen Wesens zu einem Hybriden aus Organismus und Maschine, dem Cyborg, mittels Ausstattung mit technischen Komponenten wird als „Cyborgisierung“ beschrieben; die Ausstattung kann durch den Organismus selbst oder durch Fremdeinwirkung erfolgen, aber auch schon bei der Geburt11 „programmiert“ sein.12 Dem Cyborg gegenüber stehen Androiden, menschenähnliche Roboter, welche allerdings keine organischen Anteile aufweisen13 ; beim Cyborg handelt es sich somit „um den Übergang zwischen zwei eindeutig definierten Extremen“14 von organischer Körperlichkeit und Technik. Einem Cyborg sind äußerlich und physiologisch keine Grenzen gesetzt, „nicht nur Menschen, sondern jedes Lebewesen kann Teil eines Cyborgs werden“15. Dazu gehören z.B. prothetische Cyborgs, bei denen lediglich natürliche Körperfunktionen wiederhergestellt werden, telematische Cyborgs, welche der Informationsübertragung und -verarbeitung dienlich sind, bis hin zu für den Krieg ausgestattete Cyborgs.16

2.1. Definition des Cyborgs durch Graduierung

Der organische Anteil ist es, der innerhalb des Cyborg-Begriffs eine präzise Graduierung des Cyborgs notwendig macht, um feststellen zu können, „wie groß oder qualitativ bedeutsam“ der Anteil des Technischen im Cyborg ist.17 Heilinger und Müller entwarfen deshalb die „scala cyborgensis“ aus quantitativen und qualitativen Kategorien, um die Cyborghaftigkeit eines Organismus bzw. das Ausmaß der Technisierung zu graduieren.18 Die Relevanz einer solchen spezifischen Motivbehandlung in der Science-Fiction-Literatur hebt auch Wuckel hervor, welcher die fiktionale Literatur und die Betrachtung ihrer Motive, in diesem Fall des Cyborg-Motivs, als wichtige Teilleistung zum vollständigen Erfassen der Bedeutung im Gesamtwerk, der Ausprägung und der Weiterentwicklung des Motivs durch den Autor beschreibt.19 Der erste Betrachtungspunkt ist die Intimität und Invasivität des Eingriffs – wie stark ist die organische Komponente mit der technischen verschmolzen? Zweitens folgt die Relevanz des technischen Teils für den organischen – inwiefern ist das technisierte Wesen auf die Technologie angewiesen? Auch der Status der Biofaktizität, die Art der integrierten Teile, ist besonders im Hinblick auf die von Irrgang erwähnten künstlich hergestellten, aber organischen Elemente20 relevant für die Graduierung des Cyborgs. Ist der technische Part aus Metallen und Plastik oder ist es eine künstlich hergestellte organische Komponente? Besondere Bedeutung für die literarische Untersuchung kommt bei der Graduierung des Cyborgs der Steuerung bzw. Kontrollmöglichkeit der technischen Komponente zu. Das Enhancement, die Qualität der Erweiterung, bildet das letzte Kriterium der Betrachtung; hier ist zu beurteilen, ob tatsächlich eine Erweiterung oder Verbesserung der Fähigkeiten des organischen Teils in Bezug auf den Normalzustand erfolgt oder ob die technischen Komponenten nur therapeutische Zwecke erfüllen. Im letztgenannten Fall würde nach Heilinger und Müller noch nicht von einem Cyborg gesprochen werden können, da diese Begrifflichkeit eine deutliche Erweiterung der ursprünglichen Fähigkeiten des Organismus fordert.21

2.2. Entwicklung des Cyborgs in der fiktionalen Literatur

„Das Mängelwesen Mensch hat sich in der technischen Kultur wohl immer schon den kompensatorischen Ersatz für das geschaffen, was ihm an natürlicher Ausstattung fehlte“22. Dadurch entwickelte sich einerseits das Bild einer von Schmerz und Leiden befreiten, aber andererseits auch von Technik versklavten Gesellschaft in der Science-Fiction.23 Zunächst erlangte die euphorische Utopie eines unbegrenzten Gedächtnisses und der Überwindung des Todes hohe Popularität in der Science-Fiction-Literatur.24 In frühen Filmauftritten von Cyborgs wie in The Six Million Dollar Man wurde ein überaus positivistisches Bild experimentell-technologischer Prozesse und damit eine unhinterfragte Technikbegeisterung zum Ausdruck gebracht, welche stark in die Kritik geriet.25 Der Themenbereich Mensch gegen Maschine wurde im Verlauf der achtziger Jahre zu einem immer beliebteren Thema, denn die Bedrohung durch die zunehmende Technisierung des Alltags schien immer wahrscheinlicher – „They [the Cyborgs] can act as mirrors, or as monsters“26.27 Durch diese Diskrepanz zwischen künstlichem Konstrukt und natürlichem System in einem Hybriden entsteht – so Adam und Knifka – das „Motiv des Unheimlichen“ durch sich teilweise bedingende Wunsch- und Angstbilder dieser Szenerie. So werden dem robotisch-technisiertem Verhalten des anorganischen Parts die Fehlerhaftigkeiten und Eigenarten des organischen Bestandteils gegenübergestellt.28 Adamnowsky beschreibt diese Darstellung des Cyborgs auch als „Gesellschaftssatire“, hinter der sich vor allem eine „Auseinandersetzung mit den strukturellen Gewaltmechanismen moderner Gesellschaften, der allesbeherrschenden kapitalistischen Logik und der zunehmenden Demontage demokratischer Einrichtungen durch Militarismus, Privatisierung und Überwachung verbirgt“29. Durch eine Darstellung von Grenzüberschreitungen in der fiktionalen Literatur (wie dem Hybrid aus organischem und technischem Material) und dem damit verbundenen Eingriff in den natürlichen Lebensrhythmus des menschlichen Wesens kann der Betrachter sich die „Eigentümlichkeit des Menschen als biologisches und soziales Wesen“30 bewusst machen. Seelßen sieht insbesondere in den Cyborgs, welche als moralisch kaputte Maschinen zur Kriegsführung erschaffen wurden, Sinnbilder einer moralisch kaputten Welt.31 „Science Fiction [kann] sozusagen als ‚Symptom‘ eines Wandels [betrachtet werden], der durch eine kritische Lektüre genau durchleuchtet werden muss, um eventuellen verdeckten Ursachen und eingeschriebenen aber verdrängten Zielen auf die Spur zu kommen.“32 Auch die Vorstellung des Ersatzes von organischen Körperteilen durch technische Komponenten löst ein Unbehagen aus, da die geistige und personale Identität und somit auch die Moralität des Menschen stark an den organischen Körper gekoppelt zu sein scheint.33 Gilett begründet diese Annahme dadurch, dass das „Leben des Lebens wegen“ nur möglich ist durch das Wissen über die Vergänglichkeit des organischen Körpers.34 Schon kurz nach der Etablierung der technikkritischen Science-Fiction wird das Motiv der moralischen Läuterung eines Cyborgs verwendet; durch technische Probleme und Einflüsse von außen erlangen Cyborgs eine Identität, spalten sich vom Kollektiv ab und entwickeln eine Gefühlswelt, die sie zu moralischem Handeln befähigt.35

3. Was ist (un-)menschlich?

„Die Menschen hat zu allen Zeiten die Abgrenzung zu anderen Lebensformen interessiert, sei es zu anderen Sippen und Kulturen, zu Tieren, Maschinen oder Göttern“36 – diese Abgrenzung erfolgt in der fiktionalen Literatur meist durch die Darstellung eines für Menschen als unmoralisch zu bewertenden Verhalten oder Charakterzuges. Dabei wird von einem Eigenwert der menschlichen Natur, welche mit dem Selbst-Bewusstsein und einer individuellen Gefühlswelt begründet wird, ausgegangen.37 Die Moral beruft sich „nicht nur auf Handlungen und Handlungsregeln (Normen) […], sondern [hat] auch Motive und Absichten, Einstellungen und Dispositionen von Akteuren sowie den Charakter und die Lebensführung einer Person zum Gegenstand“38. Diese Analysebereiche können von einem festgelegten Standort aus moralisch gut, moralisch schlecht oder weder gut noch schlecht sein, wobei vorausgesetzt wird, dass der Akteur eine individuelle Perspektive auf den Handlungsspielraum oder den Gegenstand besitzt.39 Demnach ist es relevant, zunächst die moralische Grundhaltung des Akteurs zu prüfen, um daraus ein Handlungsverständnis zu entwickeln. Ein empfindendes, zu Emotionen fähiges Innenleben sowie Rationalität und Selbstbewusstsein sind ausschlaggebend für die Menschlichkeit.40 Dieses Innenleben und das Selbstbewusstsein kann sich allerdings nur durch individuelle Erfahrungen und Perspektiven in verschiedensten Kontexten und Lebenssituationen entwickeln.41 Daraus resultiert ebenfalls der Anspruch auf die Selbstzwecklichkeit und Autonomie der Existenz42 ; eine Fremdsteuerung bzw. fremdgesteuertes Handeln ist dadurch ausgeschlossen.43 Die zu betrachtenden Aspekte für die Standpunktbestimmung des Individuum umfassen dabei die Urteilsfindung im Hinblick auf moralische Eigenschaft, Verpflichtung oder Verantwortung des Individuums, die Begründung der Urteile durch das Individuum und die Regeln, Grundsätze, Ideale und Tugenden, nach welchen das Individuum handelt und von welchen auch Lob und Tadel der Handlung als Motivationsquellen ausgehen können.44 Die Fähigkeit zur Liebe und zum Erkennen von Schönheit spielt nach Ricken bei dieser Handlungs- und Urteilsbewertung ebenfalls eine zentrale Rolle und ist notwendig für eine moralische Urteilsfindung, denn „das Gute kann aber nur dann geliebt werden, wenn es erfasst wurde“45. Eben dieses Motiv war schon in der Science-Fiction-Literatur der achtziger Jahre der Ausbildung moralischer Wesenszüge46 immanent.

4. Cyborgs im Spiegel moralischer Betrachtungsweisen

Bezüglich möglicher Veränderungen des physischen oder psychischen Menschseins formulierte der US-Ethikrat: „der Mensch [hat] eine menschliche Seele, in der Geist und Herz, Vernunft, Sprache, Intuition, Gedächtnis sowie Wünsche, Leidenschaften und Gefühle zusammenkommen. All dies mache seine Menschlichkeit aus und die sei durch Verbesserungen gefährdet“47. Im Zuge der technischen Erweiterung eines Organismus fordern auch Heiliger und Müller, dass „die Selbsttechnisierung den Menschen […] nicht so weit gehen [sollte], dass das so entstandene Wesen etwa seine Autonomie verliert“48. Deshalb sollte vor der Cyborgisierung eine Nutzen-Risiko-Analyse der möglicherweise identitätsverändernden Folgen für das organische Wesen durchgeführt werden. Durch eine transparente Untersuchung sollte das Wesen auch selbst über die Durchführung und Art der Erweiterung entscheiden dürfen. Außerdem sollten die technische Manipulation und Instrumentalisierung des Organischen von dritter Seite durch externe Steuerung nicht möglich sein. Im Hinblick auf den moralischen Status eines Cyborgs ist ein hinreichend komplexes System nötig, damit alle entscheidungsbildenden Eigenschaften, moralischen Begründungssysteme und Fähigkeiten wie Kommunikation, Emotion, Subjektivität, Autonomie, Welt- und Ich-Bewusstsein auch künstlich realisiert werden.49 Mit der Entstehung von Identitätskrisen durch Cyborgisierung und dem damit verbundenen Wegfall von Wesensmerkmalen schwindet laut Haraway auch die Legintimationsgrundlage für die Etablierung eines Rechtesystems für Cyborgs.50 Jedoch macht Haraway deutlich, dass diese Identität nur durch eigene Erfahrungen, ein familiäres Umfeld und eine autonome Existenz sowie ohne eine festgelegte Funktion (was Autonomie ausschlösse) entstehen kann.51 „Maschinen ermächtigen. Die Verschmelzung von Mensch und Maschine bringt deshalb zunächst einmal Belohnungen für die Nutzer“52. Kranke oder fehlende, aber auch gesunde Körperteile und Organe können ersetzt, verbessert oder erweitert werden; damit eröffnen sich neue Möglichkeiten in einer Vielzahl von Bereichen des täglichen Lebens.53 Bödefeld vermutet jedoch, dass dadurch ein auf Überlegenheit gegründeter Machtanspruch, eine Hierarchie, entstehen könnte, welche zur Unterdrückung oder gar zum Ersetzen der natürlichen Organismen führt.54 In diesem Fall könnte das „Strebevermögen“, welches – von der Klugheit des Wesens bestimmt – anordnet, dass Gutes getan werden muss, wegfallen und das hybride Wesen zu moralischem Handeln nicht mehr fähig sein.55 Der Nutzen der Erweiterung könnte jedoch dadurch relativiert werden, dass deren Folge eine Abhängigkeit von der Technik oder sogar eine Unterordnung unter diese wäre.56 Die Möglichkeiten der Erlösung von menschlichem Leiden durch die Integration der Technik in den Organismus beurteilt Bohrer als überschätzt; er fordert ebenfalls eine kritische Reflexion der „Machbarkeits- oder Fortschrittsideologie“.57 Der Cyborg greift als Konfliktmotiv nicht nur bei der Ablehnung von und Angst vor neuen Technologien, sondern auch als Bedrohung der eigenen organischen Existenz.58

[...]


1 Vgl. Stollfuß, Sven: Cyborg-TV: Genetik und Kybernetik in Fernsehserien. In: Rechtswissenschaftliche Arbeitspapiere der Technischen Universität Braunschweig, Nr. 3/2016. Wiesbaden: Springer VS, 2017. S. 5.

2 Calvert, Bronwen: Being Bionic: The World of TV Cyborgs. London: I.B. Tauris, 2017. S. 15.

3 Stand Juni 2019, letzte Folge: Yip, Wayne (Regie) / Chibnall, Chris (Drehbuch): Doctor Who. Neujahrsspecial (gesamt Folge Nr. 155): Tödlicher Fund. FOX, 2019.

4 Diese kann Aufgrund mangelnder Verfügbarkeit oder dem Verlust von Folgen aus dem ersten Serienteil ab 1960 nicht gewährleistet werden.

5 Vgl. Calvert, Bronwen: Being Bionic: The World of TV Cyborgs. London: I.B. Tauris, 2017. S. 20.

6 Vgl. Trüper, Lena: Von Menschenbildern und Textmaschinen: Was Cyborgs im Film über den Wandel medialer Kommunikation erzählen. In: Visual Past: Visual Narratives. Cultural Identities No. 3.1. 2016. URL: http://www.visualpast.de/archive/pdf/vp2016_0469.pdf [11.06.19]. S. 472.

7 Haraway, Donna Jeanne [Übersetzung von Fred Wolf]: Ein Manifest für Cyborgs. Feminismus im Streit mit den Technowissenschaften. In: dies. / Hammer, Carmen (Hg.): Die Neuerfindung der Natur: Primaten, Cyborgs und Frauen. Frankfurt/Main, [u.a.]: Campus-Verl, 1995. S. 33-72, hier S. 34.

8 Vgl. Knoepffler, Nikolaus: Angewandte Ethik: Ein systematischer Leitfaden. Köln [u.a.]: Böhlau, 2010. S. 91.

9 Häußling, Roger: Techniksoziologie. Eintrag: Cyborg. Baden-Baden: Nomos-Verl., 2014. S. 91-92, hier S. 91.

10 Vgl. Schlobinski, Peter / Siebold, Oliver: Wörterbuch der Science-Fiction. Eintrag: Roboter/Cyborgs/Androiden. Frankfurt am Main [u.a.]: Lang, 2008. S. 83-95, hier S. 87.

11 Weiterführend: Clark, Andy: Natural-Born Cyborgs. Minds, Technologies, and the Future of Human Intelligence. Aucklang [u.a.]: Oxford University Press, 2003.

12 Vgl. Diemers, Daniel: Die virtuelle Triade. Cyberspace, Maschinenmensch und künstliche Intelligenz. Bern, Stuttgart, Wien: Paul Haupt Verlag, 2002. S. 79-80.

13 Vgl. Rippe, Klaus-Peter: Von der Robo-Roach zum RoboCop. Cyborg-Technologie aus ethischer Sicht. In: Vierteljahresschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich, 149 Heft 1. Zürich: 2004. S. 23-28, hier S. 24.

14 Heilinger, Jan-Christoph / Müller, Oliver: Der Cyborg und Die Frage nach dem Menschen. kritische Überlegungen zum „homo arte emendatus et correctas. In: Jahrbuch Für Wissenschaft und Ethik 12. Berlin: de Gruyter, 2007. S. 21-45, hier S. 24.

15 Irrgang, Bernhardt: Posthumanes Menschsein? Künstliche Intelligenz, Cyberspace, Roboter, Cyborgs und Designer-Menschen – Anthropologie des künstlichen Menschen im 21. Jahrhundert. Wiesbaden, Stuttgart: Steiner, 2005. S. 160.

16 Weiterführend: Tabbert, Thomas T.: Menschmaschinengötter: Künstliche Menschen in Literatur Und Technik; Fallstudien Einer Artifizialanthropologie. Hamburg: Artislife Press, 2004.

17 Vgl. Heilinger, Jan-Christoph / Müller, Oliver: Der Cyborg und Die Frage nach dem Menschen. kritische Überlegungen zum „homo arte emendatus et correctas. In: Jahrbuch Für Wissenschaft und Ethik 12. Berlin: de Gruyter, 2007. S. 21-45, hier S. 25.

18 Vgl. Ebd., hier S. 25.

19 Vgl. Wuckel, Dieter: Science Fiction. Eine illustrierte Literaturgeschichte. Hildesheim, Zürich, New York: Olms Presse, 1986. S. 215.

20 Weiterführend: Irrgang, Bernhardt: Posthumanes Menschsein? Künstliche Intelligenz, Cyberspace, Roboter, Cyborgs und Designer-Menschen – Anthropologie des künstlichen Menschen im 21. Jahrhundert. Wiesbaden, Stuttgart: Steiner, 2005.

21 Vgl. Heilinger, Jan-Christoph / Müller, Oliver: Der Cyborg und Die Frage nach dem Menschen. kritische Überlegungen zum „homo arte emendatus et correctas. In: Jahrbuch Für Wissenschaft und Ethik 12. Berlin: de Gruyter, 2007. S. 21-45, hier S. 29-33.

22 Irrgang, Bernhardt: Posthumanes Menschsein? Künstliche Intelligenz, Cyberspace, Roboter, Cyborgs und Designer-Menschen – Anthropologie des künstlichen Menschen im 21. Jahrhundert. Wiesbaden, Stuttgart: Steiner, 2005. S. 5.

23 Vgl. Ebd. S. 6.

24 Vgl. Ebel, Ulrich: Smarte Maschinen. Wie künstliche Intelligenz unser Leben verändert. München, Carl Hanser, 2016. S. 361 f.

25 Vgl. Stollfuß, Sven: Cyborg-TV: Genetik und Kybernetik in Fernsehserien. In: Rechtswissenschaftliche Arbeitspapiere der Technischen Universität Braunschweig, Nr. 3/2016. Wiesbaden: Springer VS, 2017. S. 19.

26 Calvert, Bronwen: Being Bionic: The World of TV Cyborgs. London: I.B. Tauris, 2017. S. 3.

27 Vgl. Seeßlen, Georg / Jung, Fernand: Science Fiction: Geschichte und Mythologie des Science-Fiction-Films. Bd. 2. Marburg: Schüren, 2003. S. 468.

28 Vgl. Adam, Marie-Hélène / Knifka, Julia: Beyond the Uncanny Valley. Inszenierung des Unheimlichen als Wunsch- und Angstbilder in der Serie Echte Menschen - Real Humans. In: dies. / Gellai, Szilvia (Hg.): Technisierte Lebenswelt: über den Prozess der Figuration von Mensch und Technik. Bielefeld: transcript, 2016. S. 341-365, hier S. 342.

29 Adamowsky, Natascha: Ästhetik technischer Praktiken im Science-Fiction-Film. In: Adam, Marie-Hélène / Knifka, Julia / Gellai, Szilvia (Hg.): Technisierte Lebenswelt: über den Prozess der Figuration von Mensch und Technik. Bielefeld: transcript, 2016. S. 277-285, hier S. 279.

30 Vgl. Wuckel, Dieter: Science Fiction. Eine illustrierte Literaturgeschichte. Hildesheim, Zürich, New York: Olms Presse, 1986. S. 219.

31 Vgl. Seeßlen, Georg / Jung, Fernand: Science Fiction: Geschichte und Mythologie des Science-Fiction-Films. Bd. 2. Marburg: Schüren, 2003. S. 486.

32 Herbrechter, Stefan: Posthumanismus: Eine kritische Einführung. Darmstadt: Wiss. Buchgesell., 2009. S. 100.

33 Vgl. Quante, Michael / Stoppenbrink, Katja: Roboter, Cyborgs und die Aussicht auf eine posthumane Zukunft. In: Stoecker, Ralf / Neuhäuser, Christian / Raters, Marie-Luise (Hg.): Handbuch Angewandte Ethik. Stuttgart, Weimar: J.B. Metzler, 2011. S. 478-481, hier S. 480.

34 Vgl. Gilett, Grant: Cyborgs and Moral Identity. In: Journal of Medical Ethics 32. 2006. S. 79-83. URL: https://jme.bmj.com/content/32/2/79 [01.05.19] S. 82.

35 Vgl. Seeßlen, Georg / Jung, Fernand: Science Fiction: Geschichte und Mythologie des Science-Fiction-Films. Bd. 2. Marburg: Schüren, 2003. S. 465f.

36 Quante, Michael / Stoppenbrink, Katja: Roboter, Cyborgs und die Aussicht auf eine posthumane Zukunft. In: Stoecker, Ralf / Neuhäuser, Christian / Raters, Marie-Luise (Hg.): Handbuch Angewandte Ethik. Stuttgart, Weimar: J.B. Metzler, 2011. S. 478-481, hier S. 478.

37 Vgl. Gesang, Bernward: Perfektionierung des Menschen. Berlin [u.a.]: de Gruyter, 2007. S. 127.

38 Schmücker, Reinold: Grundkategorien moralischer Bewertung. In: Stoecker, Ralf / Neuhäuser, Christian / Raters, Marie-Luise (Hg.): Handbuch Angewandte Ethik. Stuttgart, Weimar: J.B. Metzler, 2011. S. 13-17, hier S. 13.

39 Vgl. Ebd., hier S. 15-16.

40 Vgl. Fischer, Johannes [u.a.]: Grundkurs Ethik. Grundbegriffe philosophischer und theologischer Ethik. Stuttgart: W. Kohlhammer, 2007. S. 58.

41 Vgl. Iseler, Sarah C.: Perspektive Mensch: Wie Menschenfiguren der Science-Fiction den Blick auf uns selbst verändern [Diss.]. Konstanz: Universität, 2015. URL: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:352-0-293638 [29.04.19]. S. 2.

42 Vgl. Knoepffler, Nikolaus: Angewandte Ethik: Ein systematischer Leitfaden. Köln [u.a.]: Böhlau, 2010. S. 91-93.

43 Vgl. Frankena, William K.: Ethik: Eine analytische Einführung. 6. Aufl. Wiesbaden: Springer VS, 2017. S. 2.

44 Vgl. Frankena, William K.: Ethik: Eine analytische Einführung. 6. Aufl. Wiesbaden: Springer VS, 2017. S. 9.

45 Ricken, Friedo: Warum moralisch sein?: Beiträge zur gegenwärtigen Moralphilosophie. Stuttgart: Kohlhammer, 2010. S. 27.

46 Vgl. Ebd. S. 478.

47 Gesang, Bernward: Perfektionierung des Menschen. Berlin [u.a.]: de Gruyter, 2007. S. 131.

48 Heilinger, Jan-Christoph / Müller, Oliver: Der Cyborg und Die Frage nach dem Menschen. kritische Überlegungen zum „homo arte emendatus et correctas. In: Jahrbuch Für Wissenschaft und Ethik 12. Berlin: de Gruyter, 2007. S. 21-45, hier S. 35.

49 Vgl. Ebd., hier S. 38.

50 Vgl. Haraway, Donna Jeanne [Übersetzung von Fred Wolf]: Ein Manifest für Cyborgs. Feminismus im Streit mit den Technowissenschaften. In: dies. / Hammer, Carmen (Hg.): Die Neuerfindung der Natur: Primaten, Cyborgs und Frauen. Frankfurt/Main, [u.a.]: Campus-Verl, 1995. S. 33-72, hier S. 43.

51 Haraway, Donna Jeanne [Übersetzung von Fred Wolf]: Ein Manifest für Cyborgs. Feminismus im Streit mit den Technowissenschaften. In: dies. / Hammer, Carmen (Hg.): Die Neuerfindung der Natur: Primaten, Cyborgs und Frauen. Frankfurt/Main, [u.a.]: Campus-Verl, 1995. S. 33-72, hier S. 67.

52 Bohrer, Clemens: Cyborg-Geschichten. In: Grunwald, Armin / von Hartlieb, Justus (Hg.): Ist Technik die Zukunft der menschlichen Natur?: 36 Essays. Hannover: Wehrhahn, 2012. S. 85-93, hier S. 88.

53 Pfrengle, Andreas: Quo vadis, homo sapiens technologicus?. In: Grunwald, Armin / von Hartlieb, Justus (Hg.): Ist Technik die Zukunft der menschlichen Natur?: 36 Essays. 1. Aufl. Hannover: Wehrhahn, 2012. S. 247-253, hier S. 248.

54 Vgl. Bödefeld, Ragnar: Die technologische Singularität und ihre Folgen für die Evolution des Menschen. In: Grunwald, Armin / von Hartlieb, Justus (Hg.): Ist Technik die Zukunft der menschlichen Natur?: 36 Essays. 1. Aufl. Hannover: Wehrhahn, 2012. S. 66-75, hier S. 69f.

55 Ricken, Friedo: Warum moralisch sein?: Beiträge zur gegenwärtigen Moralphilosophie. Stuttgart: Kohlhammer, 2010. S. 24.

56 Vgl. Bohrer, Clemens: Cyborg-Geschichten. In: Grunwald, Armin / von Hartlieb, Justus (Hg.): Ist Technik die Zukunft der menschlichen Natur?: 36 Essays. Hannover: Wehrhahn, 2012. S. 85-93, hier S. 91f.

57 Vgl. Ebd., hier S. 87.

58 Vgl. Stollfuß, Sven: Cyborg-TV: Genetik und Kybernetik in Fernsehserien. In: Rechtswissenschaftliche Arbeitspapiere der Technischen Universität Braunschweig, Nr. 3/2016. Wiesbaden: Springer VS, 2017. S. 15.

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Details

Titel
Moralische Dimensionen des Cyborgs in der Serie "Doctor Who". Maschinen, Menschen, Menschlichkeit
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Germanistik Abt. Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
E1 Literaturwissenschaft
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
30
Katalognummer
V502435
ISBN (eBook)
9783346037497
ISBN (Buch)
9783346037503
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Cyborgs, Moral, Doctor Who, Daleks, Cybermen, Konnotation, retablierte Menschlichkeit, Menschlichkeit, Science Fiction, Moderne Literatur, Graduierung, Ethik, Cyborgethnien, Körperlichkeit, Posthumanismus, Zukunft, Science-Fiction, Serie, Zeitreisen, Literaturwissenschaft, Medienwissenschaft
Arbeit zitieren
Mara Kesting (Autor), 2019, Moralische Dimensionen des Cyborgs in der Serie "Doctor Who". Maschinen, Menschen, Menschlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502435

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