Inklusion. Bedeutung sowie Chancen & Grenzen für den Unterricht


Hausarbeit, 2017
7 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inklusion – Bedeutung sowie Chancen & Grenzen für den Unterricht

Definition Inklusion

Der Begriff Inklusion stammt aus dem Lateinischen (=inclusio) und bedeutet „Einschluss“ bzw. „Einschließung“. Nach Niehoff (2007, S. 486 ff.) meint Inklusion die Einbeziehung und Zugehörigkeit aller Menschen, unabhängig davon, wie verschieden sie sind. Das meint, dass nach dem Inklusionsgedanken jedem das Recht zur gleichberechtigten, gesellschaftlichen Teilhabe gegeben sein soll, frei von Einflüssen durch seine Fähigkeiten, seine Herkunft oder seinem Geschlecht. Auf die Schule bezogen kann Inklusion allgemein als „Konzept zur

Minimierung von Diskriminierung und Maximierung von sozialer Teilhabe aller Schüler/innen und im Kontext einer milieu-, kultur- und geschlechtersensiblen Pädagogik verstanden werden“ (Werning & Urban, 2014, S. 12). Lässt man sich auf Inklusion ein, so bedeutet das auch, dass die individuellen Bedingungen eines jeden Schülers bzw. einer jeden Schülerin erfragt werden müssen, um somit das Ziel der Bildungsgerechtigkeit erreichen zu können. Dies bedeutet auch, dass man sich mit Bildungsbarrieren auseinandersetzen muss. Strukturen und Rahmenbedingungen sollen an den individuellen Bedürfnissen der Heranwachsenden ausgerichtet und angepasst werden, damit die Schule einen fördernden und fordernden Ort für alle Kinder darstellt. Besonders sei hier hervorzuheben, dass Inklusion nicht nur die Teilhabe von Menschen mit Behinderung meint, wie es jedoch in der Gesellschaft oftmals noch verstanden wird. Dies zeigt, dass Inklusion anscheinend noch nicht vollends in den Köpfen der Menschen angekommen ist. Dieses weit verbreitete Verständnis von Inklusion ist wohlmöglich auf das Übereinkommen der UN-Behindertenrechtskonvention zurück zu führen, die Inklusion als Leitbild versteht und den Begriff erstmals an die Öffentlichkeit getragen hat.

Eine differenzierte Betrachtung sei dem Begriff der Integration gewidmet. Inklusion und Integration werden oftmals durcheinander gebracht oder sogar synonym verwendet. Integration (lat. = integratio) bedeutet im soziologischen und pädagogischen Sinne die „Einbeziehung“ oder „Eingliederung“ von ausgesonderten Personen oder Gruppen in die Gesellschaft und die Teilhabe an ihr (vgl. Diehm, 2011, S. 38f.). Dies kann sich beispielsweise auf Menschen mit Behinderung oder Menschen mit Migrationshintergrund beziehen. Grundlegend unterscheidet sich Integration insofern, dass es danach zwei Gruppen gibt: die eine Gruppe im bestehendem System und die Gruppe derer, die einer Eingliederung in dieses System bedürfen (s. auch Abbildung. 1). Ziel der Integration ist es, Schüler/innen die aufgrund von Lernbehinderungen oder Verhaltensstörungen ausgeschlossen sind in eine soziale Gruppe mit einzubeziehen. Im Gegensatz zu diesem Gedanken wird bei Inklusion die Verschiedenheit als Chance bzw. Bereicherung gesehen. Wo also Integration versucht, Menschen in ein System einzugliedern und sie an solches anzupassen, versucht Inklusion mit dem Fokus auf das System dessen Strukturen zu ändern, um es an die teilhabenden Menschen anzupassen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1

Quelle: https://www.vdk.de/bayern/pages/26741/inklusion_und_integration

Die Bedeutung von Inklusion für den Unterricht

Wie bereits erwähnt beinhaltet Inklusion viel mehr als nur die Einbeziehung von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Es müssen darüber hinaus auch andere Differenzen beziehungsweise Benachteiligungen wie kulturelle oder soziale Unterschiede, Leistungsunterschiede, materielle Ausstattungen oder unterschiedliche Geschlechterrollen aufgegriffen werden. Die Notwendigkeit didaktischer Modell für inklusiven Unterricht ist umstritten. Einerseits besteht die Ansicht inklusive Lerngruppen seien nichts anderes als besonders heterogene Lerngruppen, andererseits existieren bereits einige didaktische Modelle, die mit Bezug auf inklusiven Unterricht konzipiert wurden. Laut Textor (2015) bedarf es kein sonderpädagogisch-didaktisches Konzept, sondern vielmehr eines, das alle Bedarfe beachtet. Dazu nennt sie verschiedene Bedingungen, die ein solches Konzept erfüllen müsse, die im Folgenden dargestellt werden (vgl. Textor, 2015, 121 ff.)

Erster Aspekt ist eine normative Grundlage und die damit verbundene Akzeptanz von Vielfalt und die Möglichkeit der Partizipation. Dies fordert, dass die Lehrkraft sich vollends auf die sich ihr bietende Vielfalt einlässt und sie akzeptiert. Von besonderer Bedeutung sind dabei Grundhaltungen in der Schüler-Lehrer-Beziehung, nämlich Empathie, Kongruenz und Akzeptanz. Empathie meint die Fähigkeit sich in die Schüler hineinzuversetzen und mit ihnen mitfühlen zu können, ohne dabei deren Haltungen zu bewerten. Kongruenz bezeichnet die Übereinstimmung der eigenen Haltung und Handlung und somit die Aufrichtigkeit gegenüber den Schülern. Akzeptanz äußert sich in der Anerkennung von Gefühlen, Einstellungen und Verhaltensweisen der Schüler, die die Lehrkraft selber als nicht nachvollziehbar oder vielleicht sogar negativ bewerten würde. Sie drückt sich in einer besonderen Art der Wertschätzung gegenüber den Schülern aus. Die Einnahme dieser Grundhaltungen kann für die Lehrkräfte große Herausforderungen darstellen, ist jedoch zentral für die Umsetzung inklusiven Unterrichts (vgl. Textor, 2015, 134ff.).

Ein zweiter Aspekt ist die Differenzierung von Lerninhalten und die damit verbundene individuelle Förderung auf dem persönlichen Niveau der Schüler/innen. Textor nennt drei Kriterien zur Gestaltung von Differenzierung und zwar „hinsichtlich des Kriteriums, nach dem sich die Schülerinnen und Schüler ihren Lernstoff aussuchen bzw. ihn zugeteilt bekommen“, „hinsichtlich der Art und Weise, in der sich der Lernstoff und seine didaktische Aufbereitung für die unterschiedlichen Schülerinnen und Schüler unterscheidet“ und „hinsichtlich des Grades der Individualisierung der Aufgabenstellung“ (Textor, 2015, S. 141) Die Differenzierungen werden in innere und äußere Formern unterteilt. Äußere Differenzierung fasst Schüler/innen mit bestimmten Merkmalen zu Lerngruppen zusammen und hat das Ziel homogener Schülergruppen, die fachspezifisch aber auch fachübergreifend zusammensetzen können, wie es zum Beispiel. die Bildung von Wahlpflichtbereichen umsetzt. Innere Differenzierung versucht der Vielfalt einer Lerngruppe möglichst gerecht zu werden und lässt sich noch weiter in quantitative und qualitative Differenzierungen teilen. Die quantitative Differenzierung meint die Menge oder Länge von Aufgaben, das heißt, dass besonders gute Schüler längere Text zu lesen oder mehrere Aufgaben zu lösen bekommen. Qualitative Differenzierung bezieht sich hingegen auf die Art der Aufgaben. Dies kann sich zum Beispiel in verschiedenen Schwierigkeitsstufen einer Aufgabe oder der zur Verfügung stehenden Hilfsmittel äußern. Für die Differenzierungsformen sind das Interesse der Schüler, ihre Leistungsfähigkeit aber auch das Alter oder Geschlecht ausschlaggebend. „Je nach Unterrichtsform und Grad der Öffnung des Unterrichts kann das Anforderungsniveau, auf dem Schülerinnen und Schüler arbeiten, unterschiedlich gut an die einzelnen Schülerinnen und Schüler angepasst sein“ (Textor, 2015, S. 144). Ziel ist es eine maximale Forderung und optimale Förderung zu erreichen. Bei aller Individualisierung darf aber auch die Zusammenarbeit der Schüler untereinander nicht aus den Augen gelassen werden, denn sowie Lehrer wertschätzend und akzeptierend mit ihren Schülern und Schülerinnen umgehen sollten, sollten es die Schüler untereinander auch tun (vgl. Textor, 2015, S. 141ff.).

Ein dritter Aspekt bezieht sich auf die Gestaltung sozialer Beziehungen, denn um ein positives und angenehmes Lernklima schaffen zu können, kommt es vor allem auf die Beziehungsgestaltung zueinander an. Besonders inklusiver Unterricht fordert ein erhöhtes Beziehungsgeflecht, denn durch die gegebene Heterogenität ist eine intensivere Auseinandersetzung miteinander notwendig, um niemanden aus den Augen zu verlieren oder zu vernachlässigen. Wenn Schule als Ort sozialer und emotionaler positiver Beziehungen funktioniert, fühlen sich Schüler/innen wohl und geborgen, was wiederum ihre Lernbereitschaft erhöht. Zur Gestaltung guter sozialemotionaler Beziehungen gehören Selbstbewusstsein und Selbstmanagement sowie soziale Achtsamkeit, Beziehungsfähigkeit im Sinne von Kommunikation, Kooperation und eine verantwortliche Entscheidungsfähigkeit. Diese Haltungen bringen Schüler/innen nicht immer mit in den Unterricht. Vieles muss noch erlernt werden, was erneut die hohen Anforderungen an die Lehrkräfte verdeutlicht, wenn sie effektiv inklusiv machen möchten (vgl. Reich, 2014, S. 59ff.)

Chancen und Grenzen von inklusiven Unterricht

Wie bisher deutlich gemacht wurde, ist inklusiver Unterricht an viele Bedingungen und Voraussetzungen geknüpft, die nicht immer leicht zu erfüllen sind. Im Folgenden soll nun auf die Chancen und Grenzen beziehungsweise Vor- und Nachteile von inklusiven Unterricht eingegangen werden. Dabei werden zunächst mögliche Vorteile, danach mögliche Nachteile anhand der im vorherigen Abschnitt beschriebenen Aspekte ergründet.

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Details

Titel
Inklusion. Bedeutung sowie Chancen & Grenzen für den Unterricht
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,7
Jahr
2017
Seiten
7
Katalognummer
V502441
ISBN (eBook)
9783346037039
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inklusion, bedeutung, chancen, grenzen, unterricht
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Inklusion. Bedeutung sowie Chancen & Grenzen für den Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502441

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