In der folgenden Ausarbeitung sollen zunächst die beiden Stufenmodelle von Piaget und Kohlberg dargestellt werden. Anschließend soll der zentralen Fragestellung nach dem Einfluss der Eltern-Kind-Beziehung auf die Moralentwicklung der Kinder nachgegangen und ein Bezug zu Kohlbergs Ausarbeitungen gezogen werden. Hierzu wird die Kritik aus Christel Hopfs Niederschriften zu der kognitivlastigen Betrachtungsart der Thematik durch Kohlberg herangezogen. Schlussendlich soll ein Fazit gezogen, die Ergebnisse zusammengeführt und Möglichkeiten der Umsetzung von passenden Konzepten und Forschungsmethoden kurz genannt werden.
Die Moralentwicklung ist in unterschiedlichen wissenschaftlichen Bereichen relevant. Moral wird als ein System aus Werthaltungen verstanden, durch welches über richtig und falsch geurteilt werden soll. So soll durch sie das Einhalten von Verantwortungen gegenüber der Gesellschaft gewährleistet werden. Die Moral wird außerdem als großer Aspekt der Sozialisation verstanden. Zudem wird die Fähigkeit moralisch zu urteilen in der Pädagogik als eine der Schlüsselkompetenzen von Erziehung gesehen. Als bekannteste Autoren zu diesem Thema sind die Entwicklungspsychologen Jean Piaget und sein Nachfolger Lawrence Kohlberg zu nennen.
Piaget untersuchte die Moralentwicklung anhand von Beobachtung und Befragung und stellte ein Stufenmodell zur Moralentwicklung auf, welches von Kohlberg im Anschluss weiter vertieft wurde. Auch Kohlberg untersuchte die Entwicklung der Moral bei Kindern anhand eines moralischen Dilemmas und einer dazugehörigen Befragung zu den Lösungsansätzen. Beide basieren ihr Konzept auf einem stark kognitiv getragenen Prozess. Hier liegt ein ausgeprägter Kritikpunkt vieler Nachfolger der beiden Entwicklungspsychologen, da die emotionale Komponente relativ wenig Beachtung findet.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Moralentwicklung nach Piaget
Moralentwicklung nach Kohlberg
Der Einfluss der Eltern-Kind-Beziehung auf die Moralentwicklung
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Eltern-Kind-Beziehung auf die Moralentwicklung von Kindern unter kritischer Betrachtung der kognitionsbasierten Modelle von Jean Piaget und Lawrence Kohlberg.
- Grundlagen der Moralentwicklung nach Piaget
- Stufenmodell der moralischen Entwicklung nach Kohlberg
- Die Rolle der emotionalen Bindung in der moralischen Sozialisation
- Kritische Auseinandersetzung mit kognitivlastigen Entwicklungsansätzen
- Perspektiven für eine integrativere Erziehungspraxis
Auszug aus dem Buch
Der Einfluss der Eltern-Kind-Beziehung auf die Moralentwicklung
Da die Familie den Ort der frühesten Erfahrung von moralischer Sozialisation darstellt, liegt es für Hopf nahe in diesem Bereich nach Einflüssen für die moralische Entwicklung des Kindes zu forschen. Kohlberg hingegen hielt eine gefühlsbetonte Beziehung zwischen Kind und Eltern für nicht sonderlich relevant. Für ihn standen die kognitiven Prozessen deutlich im Vordergrund. Dies kritisiert Hopf deutlich und hebt die Notwendigkeit der Integration der emotional-sozialen Betrachtungsebene hervor. Zudem fehlen laut Hopf empirische Forschungen zu dem Thema, insbesondere Längsschnittstudien, um die Entwicklungsverläufe besonders kleiner Kinder besser beurteilen zu können. (Hopf, S.123)
Jedoch gibt es auch Einigkeiten, so sah auch Kohlberg die Möglichkeiten zur Diskussion über Normen und Werte und die Rollenübernahme für Kinder als zentrale Aspekte für die Entwicklung an. Aufgrund dieser Annahme erkannte er die Situation der Kinder, welche ohne Eltern aufwachsen beispielsweise in einer Betreuungseinrichtung, als schwieriger zu einer normalen Moralentwicklung führend an. (Kohlberg, S.166) Diese Theorie vertritt auch Hopf, begründet sie aber mit der Tatsache, dass in der Betreuung mehrerer Kinder durch wenige Betreuungspersonen weniger Gelegenheiten zu der von Kohlberg genannten Rollenübernahme entstehen. Hierdurch gibt es weniger Situationen die die moralische Entwicklung der Kinder fördern. Eine weitere Einschätzung hierzu gibt Anna Freud, welche sich ebenfalls mit der Situation von Kindern in sogenannten „Waisenhäusern“ beschäftigte. Sie setzte der Problematik eine konkrete Lösung entgegen. Laut A. Freud ist es definitiv möglich eine gesunde, normale moralische Entwicklung zu ermöglichen, indem man eine sehr enge und emotional stabile Beziehung zwischen Kind und Betreuungsperson sicherstellt. (Hopf, S.120)
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Moralentwicklung ein, stellt die zentralen Akteure Piaget und Kohlberg vor und skizziert die Fragestellung nach dem Einfluss der Eltern-Kind-Beziehung.
Moralentwicklung nach Piaget: Hier werden die Stadien der Moralentwicklung nach Piaget erläutert, beginnend bei der amoralischen Vorstufe bis hin zur autonomen Moral.
Moralentwicklung nach Kohlberg: Dieses Kapitel detailliert Kohlbergs dreistufiges Modell der Moralentwicklung und dessen Unterteilung in jeweils zwei Stufen pro Ebene.
Der Einfluss der Eltern-Kind-Beziehung auf die Moralentwicklung: Hier wird der theoretische Diskurs zwischen der kognitiven Perspektive Kohlbergs und einer stärker emotional-sozialen Sichtweise von Christel Hopf und Anna Freud geführt.
Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung affektiver Bindungen für die positive Moralentwicklung zusammen und gibt Ausblicke auf praktische Umsetzungsmöglichkeiten in der Betreuung.
Schlüsselwörter
Moralentwicklung, Jean Piaget, Lawrence Kohlberg, Eltern-Kind-Beziehung, Moralische Sozialisation, Kognitive Entwicklung, Bindungstheorie, Rollenübernahme, Fremdbestimmte Moral, Autonome Moral, Erziehung, Psychologie, Wertvorstellungen, Christel Hopf, Emotionale Stabilität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der moralischen Entwicklung von Kindern und der Frage, inwieweit die Qualität der emotionalen Beziehung zu Eltern oder Betreuungspersonen diesen Prozess beeinflusst.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf den Stufenmodellen von Piaget und Kohlberg, der Kritik an deren kognitiver Einseitigkeit sowie der Bedeutung von Bindung und Interaktion für die moralische Reifung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die kognitiven Theorien zur Moralentwicklung um die Dimension der sozial-emotionalen Bindung zu erweitern und aufzuzeigen, wie diese in der Praxis die Moralentwicklung fördert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse auf Basis bestehender Literatur, insbesondere durch den Vergleich der Ansätze von Piaget, Kohlberg, Christel Hopf und Anna Freud.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Stufenmodelle detailliert dargestellt und anschließend die Kritik an der mangelnden Berücksichtigung emotionaler Faktoren durch eine Untersuchung des Einflusses der Eltern-Kind-Beziehung ergänzt.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Text beschreiben?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Moralentwicklung, Sozialisation, Bindung, Rollenübernahme, Erziehung und moralische Urteilsfähigkeit.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Kohlberg von der von Christel Hopf?
Während Kohlberg Moralentwicklung primär als kognitiven Prozess betrachtet, fordert Hopf die Einbeziehung der emotional-sozialen Ebene und betont die Bedeutung früher Bindungserfahrungen.
Welche Rolle spielt die „Rollenübernahme“ im Kontext der Arbeit?
Die Rollenübernahme wird als zentraler Mechanismus angesehen, der durch soziale Interaktion gefördert wird. Eine stabile Bindung bildet laut Arbeit die sichere Basis, die es Kindern erst ermöglicht, Perspektiven anderer Personen einzunehmen.
- Arbeit zitieren
- Marlén Vollmer (Autor:in), 2019, Moralentwicklung und der Einfluss der Eltern-Kind-Beziehung. Eine Analyse nach Piaget und Kohlberg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502442