Moralentwicklung und der Einfluss der Eltern-Kind-Beziehung. Eine Analyse nach Piaget und Kohlberg


Ausarbeitung, 2019

10 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Moralentwicklung nach Piaget

Moralentwicklung nach Kohlberg

Der Einfluss der Eltern-Kind-Beziehung auf die Moralentwicklung

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Jede Moral ist ein System von Regeln, und der Kern jeder Sittlichkeit besteht in der Achtung, welche das Individuum für diese Regeln empfindet“ – Jean Piaget

Die Moralentwicklung ist in unterschiedlichen wissenschaftlichen Bereichen relevant.

Moral wird als ein System aus Werthaltungen verstanden, durch welches über richtig und falsch geurteilt werden soll. So soll durch sie das Einhalten von Verantwortungen gegenüber der Gesellschaft gewährleistet werden. Die Moral wird außerdem als großer Aspekt der Sozialisation verstanden. Zudem wird die Fähigkeit moralisch zu urteilen in der Pädagogik als eine der Schlüsselkompetenzen von Erziehung gesehen. Als bekannteste Autoren zu diesem Thema sind die Entwicklungspsychologen Jean Piaget und sein Nachfolger Lawrence Kohlberg zu nennen. Piaget untersuchte die Moralentwicklung anhand von Beobachtung und Befragung und stellte ein Stufenmodell zur Moralentwicklung auf, welches von Kohlberg im Anschluss weiter vertieft wurde. Auch Kohlberg untersuchte die Entwicklung der Moral bei Kindern anhand eines moralischen Dilemmas und einer dazugehörigen Befragung zu den Lösungsansätzen. Beide basieren ihr Konzept auf einem stark kognitiv getragenen Prozess. Hier liegt ein ausgeprägter Kritikpunkt vieler Nachfolger der beiden Entwicklungspsychologen, da die emotionale Komponente relativ wenig Beachtung findet. In der folgenden Ausarbeitung soll das vorangegangene Referat verschriftlicht und Hintergründe ausführlicher beleuchtet werden. Zunächst sollen die beiden Stufenmodelle dargestellt werden. Anschließend soll der zentralen Fragestellung nach dem Einfluss der Eltern-Kind-Beziehung auf die Moralentwicklung der Kinder nachgegangen und ein Bezug zu Kohlbergs Ausarbeitungen gezogen werden. Hierzu wird die Kritik aus Christel Hopfs Niederschriften zu der kognitivlastigen Betrachtungsart der Thematik durch Kohlberg herangezogen. Schlussendlich soll ein Fazit gezogen, die Ergebnisse zusammengeführt und Möglichkeiten der Umsetzung von passenden Konzepten und Forschungsmethoden kurz genannt werden.

Moralentwicklung nach Piaget

Jean Piaget war ein Schweizer Entwicklungspsychologe, welcher sich unter anderem, in seinem Bekannten Werk „Das moralische Urteil beim Kinde“, mit der Moralentwicklung des Kindes beschäftigt hat. Die Moral beim heranwachsenden Kind, hat Piaget bei dem sogenannten „Murmelspiel“ beobachten und festhalten können. (Piaget) Die Herausforderung bei der Untersuchung der Moralentwicklung bei Kindern lag für ihn darin, dass sie in ihrem Verhalten sehr von den Regeln und Maßgaben der Eltern beeinflusst werden. Daher musste eine Methode angewendet werden, welche rausstellt, aus welchen Beweggründen die Kinder Regeln befolgen, oder für richtig halten. Das Befolgen und als wichtig empfinden der Regeln könnte eine einfache Reproduktion der elterlichen Vorgaben sein. Getestet hat Piaget Kinder zwischen vier und zwölf Jahren, welche das klassische Murmelspiel durchführen sollten und dabei beobachtet wurden. Zudem wurden ihnen Geschichten über offensichtlich moralische Verstöße erzählt. Des Weiteren sollten sie die Regeln erklären, um festzustellen, ob sie diese beispielsweise als veränderbar ansehen, oder ihre Herkunft hinterfragen. ( Kessel, S.169)

Auch aus dieser Erhebung erfasste Piaget folgende Stadien der Moralentwicklung:

In der Vorstufe der Moral gilt für Kinder eine Art Grundsatz, der sich wie folgt zusammenfassen lässt: Jede Bestrafung kennzeichnet ein Verbot und jede Handlung ohne folgende Bestrafung ist vertretbar. Dies wird auch als “amoralisches Stadium” bezeichnet. (Mietzel 2002, S. 279)

Hierauf folgt das Stadium der heteronomen Moral.

Stadium der heteronomen Moral (fremdbestimmte Moral):

Im Stadium der fremdbestimmten Moral geht das Individuum davon aus, dass Regeln unumstößlich sind. Zudem ist aus ihrer Sicht der Systemkomplex von Gerechtigkeit und Bestrafung ausschließlich von den Respektpersonen zu bestimmen. Des Weiteren wird das moralische Niveau einer Handlung nach seinem Resultat bewertet.

Phase des Übergangs:

In der Übergangphase ist es dem Kind möglich die Übereinkunft der Regeln einer Gruppe zu akzeptieren. Außerdem erkennt es, dass diese aufstellbaren Regeln der Gruppe auch wandelbar sind. Zu dieser Phase gehört auch das bestehen auf Fairness und Gleichwertigkeit des Individuums.

Stadium der autonomen Moral (selbstbestimmte Moral):

Hier ist es dem Kind möglich nachzuvollziehen, wie Regeln im Raum der Kommunikation unter Mitmenschen entstehen und dass sie nicht starr, sondern variabel sind. Einem Kind in diesem Stadium ist es zudem auch möglich die Intentionen seiner Mitmenschen zu erkennen. Auch wird moralisches Handeln nicht mehr von Respektpersonen abhängig gemacht und die Intention des Gegenübers wird in die Bewertung der moralischen Entscheidung miteinbezogen.

Laut Piagets Überlegungen ist die Entwicklung des moralischen Denkens und Handelns nach einer Zeit abgeschlossen.

(http://www.psy.lmu.de/epp/studium_lehre/lehrmaterialien/lehrmaterial_ss10/wintersemester1011/meinhardt_kuehn_ws10/01_02_11_moral__e.pdf)

Moralentwicklung nach Kohlberg

Lawrence Kohlberg, ein amerikanischer Psychologe, führte die Überlegungen zur Moralentwicklung auf Grundlage von Piagets Annahmen weiter.

Kohlberg unterteilt die Stufen der Moralentwicklung in drei Ebenen und sechs Stufen. Die Ebenen unterteil er in Präkonventionelle -, Konventionelle – und Postkonventionelle Ebene auf. (Gill/Macmillan 1977)

Pro Ebene gibt es laut Kohlberg zwei Stufen. Im Folgenden werden diese Stufen genauer erläutert.

Präkonventionelle Ebene:

Auf der Präkonventionellen Ebene erkennt das Individuum die Gemeinschaft nicht als zusammenspielende Einheit an, sondern viel mehr als eine Gruppe, der es nicht angehört und die ihm Regeln vorgibt. (Duska S.52) Außerdem wird auf dieser Ebene nicht hinterfragt, ob eine Regel moralisch richtig ist, oder nicht. Wesentlich ist nur, dass die Regel von den Autoritäten kommt, nicht ob sie „gut“ oder „schlecht“ ist. (Duska S.53)

Stufe 1: An Strafe und Gehorsam orientiert

Ein Individuum, welches in dieser Entwicklungsstufe ist, handelt nach dem „Might makes right“ – oder auch „Gut ist, was mir nützt“ -Prinzip. Es hinterfragt Anweisungen nicht und hält das für moralisch richtig, was dem Gehorsam entspricht. (Garz S.156) Der Gehorsam gilt hierbei den älteren Personen in der Gemeinschaft, da sie dem Kind als erfahrener und stärker vorkommen. Bei nicht gehorchen erwartet es direkte Strafe oder Konsequenzen, sowie eine Belohnung bei Gehorchen. Des Weiteren erkennt das Individuum in dieser Phase die Beweggründe anderer nicht. (Garz S.156)

Stufe 2: An instrumentellen Zwecken und am Austausch orientiert

Diese Stufe lässt sich zusammenfassen als „wie du mir, so ich dir“.

Dies bedeutet, dass das Kind in dieser Stufe akzeptiert, dass auch andere Personen Ansprüche auf etwas haben. Zudem wird in dieser Stufe gerne verhandelt und besonders ein Nutzen aus der Regelbefolgung gezogen.

Beispiel aus Kohlbergs Niederschreibungen: “I: Sollte der Mann das Medikament für seine Frau, die im Sterben liegt, stehlen oder, weil es verboten ist, nicht stehlen? A: Stehlen, denn wenn er es nicht tut, hat er niemanden mehr, der ihm das Essen kocht.“ (Garz S.157)

Der Übergang von der Präkonventionellen zur Konventionellen Ebene beinhaltet die Veränderung der vorerst egoistischen Sichtweise auf eine Gruppenbezogene Sichtweise. (Moral Development S.59)

Konventionelle Ebene:

Stufe 3: An interpersonalen Erwartungen, Beziehungen und an Konformität orientiert

Diese Stufe befasst sich mit der subjekt-subjektbezogenen Moral. Ein Hauptmerkmal dieser Stufe ist das Aufstellen und Erkennen von zwischenmenschlichen Erwartungen. Hier wird zudem stark versucht die Erwartungen des Gegenübers (z.B. Bezugsperson) zu erfüllen, auch wenn jene nur vermutet werden. Das Gefallen – oder den Erwartungen entsprechen wollen wird auch oft als “Good-boy/ Good-girl“ – Orientierung umschrieben. (Graz S.158) „Good boy“ ist ein aus dem Englischen übernommener Begriff, welcher gleichzusetzen ist mit „Guter Junge/braver Junge“, dies ist eine belohnende Aussprache bei Erfüllung von gestellten Erwartungen. (https://dict.leo.org/englisch-deutsch/Good%20boy)

Stufe 4: An der Erhaltung des sozialen Systems orientiert

Ein Individuum, welches sich in der vierten Entwicklungsstufe nach Kohlberg befindet, richtet seine moralischen Entscheidungen nach dem Erhalt der sozialen Ordnung und der Funktion der Gesellschaft. Außerdem rückt das Pflichtbewusstsein in den Fokus. Diese Stufe wird auch als „Law and Order Orientation“ zusammengefasst. Laut Kohlbergs Einschätzungen bleiben die meisten Menschen auf dieser Stufe stehen. (Moral development s.64)

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Moralentwicklung und der Einfluss der Eltern-Kind-Beziehung. Eine Analyse nach Piaget und Kohlberg
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
10
Katalognummer
V502442
ISBN (eBook)
9783346048240
ISBN (Buch)
9783346048257
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Moral, Moralentwicklung, Piaget, Kohlberg, Eltern-Kind-Beziehung
Arbeit zitieren
Marlén Vollmer (Autor), 2019, Moralentwicklung und der Einfluss der Eltern-Kind-Beziehung. Eine Analyse nach Piaget und Kohlberg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502442

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Moralentwicklung und der Einfluss der Eltern-Kind-Beziehung. Eine Analyse nach Piaget und Kohlberg



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden