Man hört es überall, Fremdwörter in jeglichen Formen und Varietäten sollen zum Verfall der deutschen Sprache führen. So heißt es, "Ältere Menschen sollen Fremdwörter nicht verstehen und deshalb von der Kommunikation ausgeschlossen werden" oder "Zu viele Fremdwörter: Keiner versteht die Tagesschau." Dies sind nur einige wenige Aussagen, die die Titelseiten von Bild.de, Spiegel Online und Co. zieren. Mit Blick auf diese Aussagen wurde mir deutlich, dass Fremdwörter in der deutschen Sprache zu Problematiken führen müssen, da diese häufig in Kritik geraten. So hat sich mir beim Lesen dieser Schlagzeilen die Frage aufgetan warum und weshalb Fremdwörter überhaupt in Kritik geraten und ob diese Kritik nur ein aktuelles Phänomen ist, oder ob man ähnliche Äußerungen auch in der Vergangenheit finden kann und wenn ja, wie und ob sich diese von
jetzigen Äußerungen unterscheiden. Auf diesen Ansätzen beruht das Thema der vorliegenden Facharbeit.
Um dieser Problematik erläuternd nachzugehen, werde ich den Begriff des Fremdwortes zunächst definieren und erörtern auf welchem Weg das Fremdwort in die deutsche Sprache gelangt. Anschließend werde ich den Fremdwortpurismus erklären, ein Problem, das aus der vermehrten Aufnahme fremdsprachlicher Wörter in die deutsche Sprache resultiert. Daraufhin werde ich in gleicher Weise die Fremdwortproblematik im Barock und in der Gegenwart erschließen.
Ich werde untersuchen, durch welche fremdsprachlichen Einflüsse und Motive Fremdwörter in die deutsche Sprache gelangen und weshalb deswegen fremdwortpuristische Aktivitäten entstehen, wobei ich mich im Barock exemplarisch auf den Einfluss lateinischer und französischer Fremdwörter und in der Gegenwart auf den Einfluss englischer Fremdwörter beschränken werde. Ich werde die allgemeinen Motive ihrer Bekämpfung, sowie fremdwortpuristische Aktivitäten anhand folgender Beispiele darstellen: Der Sprachgesellschaften und der Verdeutschungen. Am Ende werde ich meine Ergebnisse in einem Vergleich zwischen Barock und Gegenwart zusammenfassen und eine eigene Stellung beziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Thematischer Überblick
2. Definiton Fremdwort
3. Die Aufnahme fremdsprachlicher Wörter in die deutsche Sprache
4. Fremdwortpurismus
5. Die Fremdwortproblematik zur Zeit des Barocks
5.1 Lateinischer Einfluss
5.2 Französischer Einfluss
5.3 Motive der Bekämpfung
5.4 Sprachgesellschaften
5.5 Verdeutschung
6. Die Fremdwortproblematik in der Gegenwart
6.1 Englischer Einfluss
6.2 Motive der Bekämpfung
6.3 Sprachgesellschaften
6.4 Verdeutschung
7. Vergleich zwischen Barock und Gegenwart
8. Eigene Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Problematik der Aufnahme fremdsprachlicher Wörter in die deutsche Sprache, wobei sie einen vergleichenden Blick auf das Barockzeitalter und die heutige Zeit wirft, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Fremdwortkritik zu analysieren.
- Definition und Etymologie des Begriffs "Fremdwort"
- Prozesse der sprachlichen Integration und Transferenz
- Historische Analyse der Fremdwortproblematik im Barock
- Gegenwärtige Debatte um Anglizismen und Amerikanismen
- Rolle von Sprachgesellschaften in der Geschichte und Moderne
- Kritische Reflexion puristischer Bestrebungen und Verdeutschungsversuche
Auszug aus dem Buch
5.2 Französischer Einfluss
Anders als das Lateinische gewann das Französische im Barock stetig an Einfluss. Ausschlaggebend für die Aufnahme französischer Wörter in die deutsche Sprache im 17. und 18. Jahrhundert war die Festigung der territorialstaatlichen Absolutismus, der von Frankreich nach Deutschland kam. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nahm der Gebrauch des Französischen an den deutschen Fürstenhöfen zunehmend zu. Laut Polenz ist das Motiv für diese Zunahme ein „modernisierendes europäisches Kulturprestige“. An den deutschen Fürstenhöfen richtete sich das modisch-gesellschaftliche und kulturelle Leben in einer übertriebenen Weise nach französischem Vorbild aus, eine Lebensweise die sich „Alamodewesen“ tituliert. Durch das „Alamodewesen“ wurden viele Fremdwörter in die deutsche Sprache eingeführt, die heute teilweise noch als Lehnwörter existieren. Solche sind z.B.: Maitresse, galant, charmant, Balkon, Terrasse. Das Französische diente ebenfalls der Befriedigung des internationalen Geltungsdrangs deutscher Landesfürsten. Die damaligen Reichsinstutionen gaben die Zweisprachigkeit Deutsch/Latein vor und tolerierten das immer moderner werdende Französische nicht. Aufgrund dessen galt das Französische und dessen Gebrauch für die deutschen Landesfürsten als Instrument zur Verdeutlichung ihrer Unabhängigkeit. Zudem war Frankreich den Handel betreffend sehr fortschrittlich und für die deutschen Fürstenhöfe somit ein wichtiger Lieferant von modernen Luxuswaren, wodurch der deutsch-französische Sprachkontakt noch weiter vorangetrieben wurde. Auch der 30-jährige Krieg hat dazu beigetragen, dass das Französische in Deutschland seit weit verbreitet wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Thematischer Überblick: Einführung in die öffentliche Debatte um den Einfluss von Fremdwörtern auf die deutsche Sprache und Erläuterung des Untersuchungsziels.
2. Definiton Fremdwort: Theoretische Grundlegung des Begriffs sowie Abgrenzung von Lehnwörtern und verschiedenen Formen der fremdsprachlichen Einflüsse.
3. Die Aufnahme fremdsprachlicher Wörter in die deutsche Sprache: Erläuterung der Prozesse von Sprachkontakt, Transferenz und der Integration von Wörtern in das Deutsche.
4. Fremdwortpurismus: Darstellung der Motive und Argumente für sowie gegen die Bestrebungen, die deutsche Sprache von fremden Einflüssen zu reinigen.
5. Die Fremdwortproblematik zur Zeit des Barocks: Analyse des Einflusses von Latein und Französisch sowie der Rolle barocker Sprachgesellschaften.
6. Die Fremdwortproblematik in der Gegenwart: Untersuchung der aktuellen Situation, insbesondere des englischen Einflusses und der Arbeit des „Verein Deutsche Sprache“.
7. Vergleich zwischen Barock und Gegenwart: Synthese der Untersuchungsergebnisse und Gegenüberstellung der historischen und modernen Fremdwortkritik.
8. Eigene Stellungnahme: Persönliche Reflexion der Autorin/des Autors zum Spannungsfeld zwischen sprachlicher Offenheit und puristischen Bestrebungen.
Schlüsselwörter
Fremdwort, Sprachpurismus, Anglizismen, Lehnwörter, Sprachgesellschaft, Barock, Sprachwandel, Verdeutschung, Sprachkontakt, Integration, Fremdwortproblematik, Sprachwissenschaft, Kulturpatriotismus, Zweisprachigkeit, Deutsch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik, wie fremdsprachliche Begriffe die deutsche Sprache beeinflussen und wie darauf mit puristischen Tendenzen reagiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Sprachkontakt im Barock (Latein/Französisch) und in der Gegenwart (Englisch), der Purismus sowie die Aktivitäten von Sprachvereinen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die historischen Parallelen und Unterschiede im Umgang mit fremden Einflüssen zwischen dem Barock und der heutigen Zeit aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die historische Quellen und fachwissenschaftliche Literatur zum Sprachwandel miteinander vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition, die Analyse der Barockepoche, die Betrachtung der modernen Anglizismen-Debatte und einen abschließenden Vergleich beider Epochen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Fremdwort, Sprachpurismus, Anglizismen, Integration, Sprachgesellschaft und Sprachwandel.
Warum war der Einfluss des Französischen im Barock so prägend?
Aufgrund des kulturellen Prestiges und der politischen Macht Frankreichs sowie des „Alamodewesens“ an den deutschen Fürstenhöfen wurde Französisch zur dominierenden Fremdsprache.
Was kritisiert der „Verein Deutsche Sprache“ an modernen Anglizismen?
Der Verein sieht eine Gefahr der Sprachverarmung, mangelnde Verständlichkeit für ältere Generationen und eine unnötige Verdrängung deutscher Begriffe durch Anglizismen.
Wie bewertet der Autor die Erfolgschancen von Verdeutschungsversuchen?
Der Autor zeigt auf, dass Verdeutschungsversuche oft scheitern, da Begriffe ihre ursprüngliche Nuance verlieren oder durch die deutsche Sprache nur schwer präzise abgebildet werden können.
- Arbeit zitieren
- Berenike Wentingmann (Autor:in), 2019, Das Problem der Aufnahme fremdsprachlicher Wörter in die deutsche Sprache zur Zeit des Barocks und in der Gegenwart, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502447