Chancen und Grenzen der Erlebnispädagogik

Hat die Erlebnispädagogik eine positive und nachhaltige Wirkung auf die Klientel der Kinder- und Jugendarbeit?


Hausarbeit, 2019

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Erlebnispädagogik
2.1 Die Geschichte der Erlebnispädagogik
2.2 Theoretische Grundlagen

3. Erlebnispädagogik in der Kinder- und Jugendarbeit
3.1 Das Spielmobil
3.2 Mini München

4. Chancen und Grenzen der Erlebnispädagogik
4.1 Hypothese
4.2 Durchführung
4.3 Ergebnisse der Frankfurter Selbstkonzeptskalen

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Onlineverzeichnis

8. Abbildungsverzeichnis

9. Anhang

1. Einleitung

Die Erlebnispädagogik stellt eine zunehmend bedeutsame Methode in der Pädagogik und der Sozialen Arbeit dar.

In den Medien erfreut sie sich ebenfalls über eine wachsende Präsenz. Erlebnispädagogische Unternehmungen wie das Klettern in einem Hochseilgarten, eine Kanufahrt bis hin zu einem Langzeitaufenthalt auf einem Segelschiff zur Resozialisierung von delinquenten Jugendlichen, sind hier Gegenstand von diversen Reportagen.

In diesem Verbund hat die kommunale Kinder- und Jugendarbeit unlängst die Erlebnispädagogik als Methode für sich entdeckt. Städte wie München nutzen hier erlebnispädagogische Elemente, um in Projekten wie der Kinderstadt „Mini München“ pädagogisch, in ihrem Stadtgebiet, tätig zu werden.

Dies ist oft mit einem hohem Organisations- und Kostenaufwand verbunden.

Hieraus resultiert die Frage nach einer Legitimation von erlebnispädagogischen Angeboten. Kann in diesem Verbund eine positive und zeitlich andauernde Wirkung durch diese erzielt werden?

Die Beantwortung dieser Frage soll Thematik der nachfolgenden Arbeit sein.

Um dem Leser einen rudimentären Einblick in die Erlebnispädagogik zu ermöglichen, soll zunächst ein Grundriss über die historischen Wurzeln und die Theorie der Erlebnispädagogik erfolgen.

Hiernach soll mit dem Kapitel Erlebnispädagogik in der Kinder- und Jugendarbeit ein praktischer Bezug zur Kinder- und Jugendarbeit geschaffen werden. Nach einer kurzen Definition der Kinder- und Jugendarbeit werden hier anschließend mit dem Spielmobil und dem Projekt Mini München explizite Beispiele für erlebnispädagogische Angebote in der Kinder- und Jugendarbeit benannt.

Im nachfolgenden Hauptteil Chancen und Grenzen der Erlebnispädagogik soll ausgehend von der Forschungsfrage „Hat die Erlebnispädagogik eine positive und nachhaltige Wirkung auf die Klientel der Kinder- und Jugendarbeit“ einerseits ergründet werden, ob erlebnispädagogische Maßnahmen eine direkte positive Wirkung auf die Zielgruppe der Kinder- und Jugendarbeit haben. Zum anderen soll hierüber hinaus untersucht werden, ob diese vermeintliche Wirkung auch langfristig beim Klientel Bestand hat. Hierzu sollen die Studienergebnisse über ein erlebnispädagogisches Angebot in einer Gesamtschule angeführt und in Hinblick auf die Forschungsfrage näher untersucht werden.

In einem letzten Gliederungspunkt werden die Ergebnisse der Arbeit abschließend zusammengefasst und es erfolgt eine Stellungnahme des Autors.

Allein aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für beide Geschlechter.

2. Erlebnispädagogik

2.1 Die Geschichte der Erlebnispädagogik

Der erlebnispädagogische Grundgedanke findet seinen Ursprung bereits in den Überlegungen von John-Jacques Rousseau (1712 – 1778) und Henry David Thoreau (1817- 1862).

So betont Rousseau die Wichtigkeit von handlungsbezogenen Lernszenarien bei der Beschulung von Kindern und Jugendlichen.

„Und denkt daran, dass ihr in allen Fächern mehr durch Handlungen als durch Worte belehren müsst. Denn Kinder vergessen leicht was sie gesagt haben und was man ihnen gesagt hat, aber nicht, was sie getan haben und was man ihnen tat“ (Rousseau 1975, S. 80)

Thoreau wiederum geht in seinem Hauptwerk „Walden oder Leben in den Wäldern“ näher auf den erzieherischen und lehrenden Charakter der Natur, welche das Hauptmedium der Erlebnispädagogik darstellt, ein.

„Ich zog in die Wälder, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, alle Willenskraft und Samen zu schaun, zu ergründen, ob ich nicht lernen konnte, was ich lehren sollte, um beim Sterben vor der Entdeckung bewahrt zu bleiben, dass ich nicht gelebt habe.“

(Thoreau 2018, S.142)

Als “Urvater“ der Erlebnispädagogik wird weiterhin oft der deutsche Reformpädagoge Kurt Hahn (1886- 1974) benannt.

Hahn postuliert, dass die Gesellschaft, nach Ende des ersten Weltkrieges, unter „Verfallserscheinungen“ leiden würde.

Er führt in diesem Verbund mehrere Defizite der modernen Gesellschaft an:

- das Schwinden von körperlichen Fähigkeiten
- der Verfall an Kreativität und Eigeninitiative
- eine Verringerung der Sorgfalt und Genauigkeit
- ein Mangel an Empathie seinen Mitmenschen gegenüber

Als Konzept gegen diese gesellschaftlichen Defizite konzipiert Hahn sein therapeutisches Modell der Erlebnistherapie, welche folgende vier Aktivitäten einschließt:

- das körperliche Training zur Steigerung von Kondition, Vitalität und Mut
- das Projekt Aufgaben im handwerklichen, technischen und musischen Bereich zur Entwicklung von Sachkompetenz und Entfaltung der eigenen Fähigkeiten
- die Expedition einschließlich der Planung, Organisation und Umsetzung dieser zur Entwicklung von Selbstständigkeit, Entschluss- und Überwindungskraft des Individuums
- der Soziale Dienst, ein soziales Engagement, eine Einführung von Rettungsdiensten als Kontrast zu egoistischen Verhaltensweisen

Eine erste praktische Umsetzung des oben vorgestellten Konzepts der Erlebnistherapie vollzog Hahn im Jahr 1920, in dem von ihm gegründeten Landerziehungsheim Salem.

Auf Grund seiner jüdischen Abstammung musste Kurt Hahn folgend, nach der Machtergreifung der NSDAP, 1933 nach Großbritannien emigrieren.

Hier gründete er 1941, zusammen mit dem Geschäftsmann Lawrence Holt, die erste Outward Bound Schule. Eine auf seinem Konzept der Erlebnistherapie beruhende, zeitlich begrenzte Maßnahme zur Förderung der Persönlichkeitsentwicklung, durch das Konstruieren von Erlebnissen.

(vgl. Paffrath 2017, S.43 ff.).

Folgend fand von 1933 bis 1945 eine Instrumentalisierung der Erlebnispädagogik, durch den Nationalsozialismus statt. So wurde die Erlebnispädagogik in der Hitlerjugend und dem Bund Deutscher Mädel dazu missbraucht, eine regimetreue Gleichschaltung der Jugend zu erzielen.

(vgl. Paffrath 2017, S.38 f.)

Auf Grund dieser Instrumentalisierung des Nationalsozialismus wurde die Erlebnispädagogik in den nachfolgenden Jahren zunehmend diskreditiert und stand somit unter einem hohen Legitimationsdruck.

Erst 1970 fand die Erlebnispädagogik auf dem Weg zur Modernen Erlebnispädagogik wieder auf positive Resonanz.

Hier wurde sie zunächst in Form von Segelprojekten zur Resozialisierung von delinquenten Jugendlichen eingesetzt.

Nachfolgend gewann die Moderne Erlebnispädagogik in den 90-Jahren eine zunehmende Bedeutung. Die Erlebnispädagogik etablierte sich hier als alternatives Modell zum handlungs- und erfahrungsorientierten Lernen.

(vgl. Paffrath 2017: S. 40 ff.)

2.2 Theoretische Grundlagen

Zum Terminus Erlebnispädagogik hat sich bis zum jetzigen Zeitpunkt noch keine einheitliche Definition durchsetzen können.

Dies liegt primär daran, dass die Erlebnispädagogik über einen filigranen Anwendungsbereich und viele verschiedene Handlungsmethoden verfügt.

Eine einheitliche Definition wird auf Grund dieser Vielfalt erschwert.

Einen Versuch, eine Definition der Erlebnispädagogik zu geben, wurde durch den Pädagogen Werner Michl unternommen:

„Erlebnispädagogik ist eine handlungsorientierte Methode und will durch exemplarische Lernprozesse, in denen junge Menschen vor physische, psychische und soziale Herausforderungen gestellt werden, diese in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördern und sie dazu befähigen, ihre Lebenswelt verantwortlich zu gestalten."

(Michl 2015, S. 11)

Hiermit wird der handlungsorientierte Charakter der Erlebnispädagogik ersichtlich. Ähnlich wie bei der Zirkus- oder Theaterpädagogik setzt die Erlebnispädagogik auf eine aktive, physische und geistige Teilnahme ihrer Klienten.

(vgl. Paffrath 2017, S. 85f.)

Des Weiteren wird bei näherer Betrachtung der oben stehenden Definition deutlich, dass es in der Erlebnispädagogik nicht nur um ein bloßes Kreieren von Erlebnissen als solche geht. Wäre dies der Fall, würde man sich im Handlungsfeld der Freizeitpädagogik bewegen und nicht in dem der Erlebnispädagogik.

Vielmehr sollen in der EP, durch „physische, psychische und soziale Herausforderungen“ (Erlebnisse), „Lernprozesse“ geschaffen werden, welche einen nachhaltigen Wissenszuwachs/eine „Persönlichkeitsentwicklung“ für die Klientel der EP beinhalten.

Somit kann die EP als eine handlungsorientierte Methode des Lehrens und Lernens verstanden werden. Sie versucht einen Transfer von einem Erlebnis zu einer neuen und dauerhaften Erkenntnis für ihre Teilnehmer zu schaffen.

(vgl. Zeitschrift für Pädagogik 2010, S.437 ff.)

Die nachfolgende Grafik zeigt in diesem Verbund die sogenannte „E-Kette“. Sie veranschaulicht den Transfer von einem Ereignis bis hin zu einer nachhaltigen Erkenntnis. Hierbei wird dem für die Erlebnispädagogik essentiellen Reflexionsprozess der Teilnehmer ein hoher Stellenwert gegeben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Abbildung 1: E-Kette)

Zu Beginn steht im Prozess der Erkenntnisbildung der Erlebnispädagogik das Ereignis/der Eindruck. Dieses/dieser kann durch das Medium der Natur, durch Herausforderungen in dieser, oder durch das Interagieren innerhalb der Gruppe entstehen.

Die gesammelten Ereignisse können wiederum in einem individuellen Prozess von jedem einzelnen Teilnehmer der erlebnispädagogischen Aktivität zu einem Erlebnis verarbeitet werden.

In einem anschließenden reflektierenden Prozess werden die gesammelten Ergebnisse innerhalb der Gruppe besprochen und manifestieren sich so zu Erfahrungen. Dieser Prozess kann unter der Moderation des Erlebnispädagogen stattfinden.

Aus dem hieraus gewonnenen Wissen kann sich schließlich eine Erkenntnis für die Teilnehmer der erlebnispädagogischen Aktivität bilden. Diese ist im besten Fall nachhaltig und kann so in den Alltag der einzelnen Teilnehmer transferiert werden. Der beiwohnende Erlebnispädagoge steht in diesem abschließenden Prozess weiterhin beratend zur Verfügung.

(vgl. Michl 2009, 10f.)

Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Ereignis (Eindruck) und Reflexion (Ausdruck) ist somit für das Gelingen eines erlebnispädagogischen Angebotes von besonderer Wichtigkeit.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Chancen und Grenzen der Erlebnispädagogik
Untertitel
Hat die Erlebnispädagogik eine positive und nachhaltige Wirkung auf die Klientel der Kinder- und Jugendarbeit?
Hochschule
DIPLOMA Fachhochschule Nordhessen; Zentrale
Note
2,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
20
Katalognummer
V502767
ISBN (eBook)
9783346045447
ISBN (Buch)
9783346045454
Sprache
Deutsch
Schlagworte
chancen, grenzen, erlebnispädagogik, wirkung, klientel, kinder-, jugendarbeit
Arbeit zitieren
Jan Block (Autor), 2019, Chancen und Grenzen der Erlebnispädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502767

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