Dem Konzept des Sozialkapitals wird in neuerer Zeit stetig zunehmende Bedeutung beigemessen. Nicht nur der Bereich der Sozialwissenschaften, sondern z.B. auch die Politik oder die Wirtschaft bedient sich in ihrer Forschung an den Erklärungsansätzen des Sozialkapitals. Zwar ist es durch die Vielzahl an Sparten praktisch aussichtslos, eine einheitliche Definition des Begriffs zu finden, jedoch kann in nahezu jedem Kontext ein positiver Einfluss auf die gesellschaftliche Integration und den damit verbundenen demokratischen Prozess beobachtet werden.
Das Sozialkapital fungiert also als erklärende Variable für die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Phänomene; so auch für die gesundheitliche Ungleichheit. Seit den 1990er Jahren gelten die sozialen Netzwerke in der Gesundheitsforschung als wichtige Indikatoren für die verschiedensten Erkenntnisse. Seither wächst die Anzahl der Studien, die den Zusammenhang von Sozialkapital und der Gesundheit des Menschen untersuchen, fortwährend. Eine Vielzahl dieser Studien liefert eindeutige Beweise dafür, dass die mentale und physische Gesundheit eines Individuums durch den Grad an sozialer Interaktion und durch die Qualität sozialer Netzwerke und Umwelten beeinflusst wird. Das Sozialkapital dient in dieser Hinsicht also als Ressource, die Einfluss auf den Gesundheitszustand des Individuums nimmt.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 THEORETISCHER RAHMEN
2.1 SOZIALKAPITAL – EINE BEGRIFFSERKLÄRUNG
2.2 DEFINITON VON GESUNDHEIT
2.3 AKTUELLE LAGE IN EUROPA
2.4 HYPOTHESEN
3 STUDIENUNTERSUCHUNG
3.1 ERGEBNISDARSTELLUNG
3.1.1 POORTINGA
3.1.2 ROCCO/SUHRCKE
3.1.3 ISLAM ET AL.
3.1.4 MOHNEN ET AL.
3.2 AUSWERTUNG
4 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss der Sozialkapitalausstattung auf die subjektive Gesundheit europäischer Bewohner und geht dabei der zentralen Forschungsfrage nach, ob Sozialkapital primär als individuelle oder als gesellschaftliche Ressource zur Gesundheitsförderung fungiert.
- Theoretische Fundierung des Sozialkapital-Begriffs nach Bourdieu und Putnam
- Analyse des Zusammenhangs zwischen sozialem Wohlbefinden und physischer/psychischer Gesundheit
- Empirische Untersuchung anhand europäischer Studien und Regressionsanalysen
- Differenzierung zwischen individueller Sozialkapitalausstattung und gemeinschaftlichem Kontext
- Diskussion über die Relevanz der "Community-Ebene" für die individuelle Gesundheitswahrnehmung
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Poortinga
Die erste Studie wurde vom Umweltpsychologen Wouter Poortinga erarbeitet, der seine Untersuchung auf Grundlage der Daten der European Social Survey durchgeführt hat.
Aus insgesamt 22 europäischen Ländern wurden 42.358 Leute im Zeitraum von September 2002 bis Juni 2003 interviewt.
Um den Zusammenhang von Sozialkapital und subjektiver Gesundheit zu verdeutlichen, wird zum einen die subjektiv bewertete Gesundheit der einzelnen Länder aufgeführt, zum anderen das nationale Vertrauen und die nationale Partizipation. Die beiden letzten Variablen werden in der folgenden Analyse als Indikatoren für die Messung des Sozialkapitals verwendet. (vgl. Poortinga 2006: 295f.)
Um vorerst das Vertrauen auf individuellem Level zu untersuchen, mussten die Befragten drei Fragen auf einer Skala von Null bis Zehn beantworten, wobei Null das niedrigste und Zehn das höchste Vertrauenslevel darstellt. Grob zusammengefasst zielt der Inhalt der Fragen darauf ab, ob man den meisten Menschen generell vertraut, ob man davon ausgeht, dass Mitmenschen sich fair verhalten oder einen selber ausnutzen und ob man seine Mitmenschen als hilfreich oder eigennsinnig einschätzt. Der Durchschnitt dieser Ergebnisse eines jeden Landes bildet nun das Vertrauenslevel auf nationaler Basis. An oberster Position steht hier Dänemark mit einer Bewertung von 6,81, gefolgt von Norwegen und Finnland. Deutschland liegt mit 5,10 nur 0,2 Punkte unter dem Durchschnitt. Den schlechtesten Vertrauenswert erzielt Griechenland mit 3,45. (vgl. Poortinga 2006: 295)
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Bedeutung des Sozialkapital-Konzepts für die Gesundheitsforschung und Darlegung der zentralen Forschungsfrage nach der individuellen oder gesellschaftlichen Wirkung.
2 THEORETISCHER RAHMEN: Definition und Abgrenzung der zentralen Begriffe Sozialkapital und Gesundheit sowie Einordnung der aktuellen gesundheitlichen Lage in Europa.
3 STUDIENUNTERSUCHUNG: Auswertung verschiedener empirischer Studien zur Messung des Einflusses von Sozialkapital auf die subjektive Gesundheit auf unterschiedlichen Ebenen.
4 FAZIT: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage durch das Zusammenspiel der untersuchten Hypothesen und Reflexion über die Ergebnisse.
Schlüsselwörter
Sozialkapital, subjektive Gesundheit, Lebenszufriedenheit, Europäische Union, Regressionsanalyse, individuelles Vertrauen, soziale Partizipation, Gemeinschaftsressource, Public Health, Mikroebene, Makroebene, Nachbarschaftseffekt, Gesundheitsförderung, Lebensbedingungen, soziale Netzwerke
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, inwieweit das Konzept des Sozialkapitals die subjektive Gesundheit von Menschen in Europa beeinflusst und ob dies primär auf individueller Ebene oder durch das gemeinschaftliche Umfeld geschieht.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit verknüpft sozialwissenschaftliche Theorien über Sozialkapital mit gesundheitswissenschaftlichen Erkenntnissen und kombiniert dies mit empirischen Daten aus europäischen Ländern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Klärung, ob Sozialkapital als individuelle Ressource (im Sinne Bourdieus) oder als öffentliche, gemeinschaftliche Ressource (im Sinne Putnams) wirkt, um die subjektive Gesundheit positiv zu beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Die Autorin nutzt eine methodische Literatur- und Studienanalyse, wobei ein besonderer Fokus auf Studien liegt, die Regressionsanalysen verwenden, um Korrelationen zwischen Sozialkapital-Indikatoren und dem Gesundheitszustand aufzudecken.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen zu Sozialkapital und Gesundheit gelegt, Hypothesen formuliert und anschließend Ergebnisse aus Studien von Autoren wie Poortinga, Rocco/Suhrcke, Islam et al. und Mohnen et al. detailliert ausgewertet.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Sozialkapital, subjektive Gesundheit, Mikro-/Makroebene, europäischer Vergleich, soziale Partizipation und Community-Ebene.
Welche Rolle spielt das "Gefangenendilemma" bei der Bewertung der Studienergebnisse?
Das Konzept des Gefangenendilemmas verdeutlicht, dass rationales individuelles Verhalten in einem Umfeld mit generell niedriger Sozialkapitalausstattung für das einzelne Individuum zu nachteiligen Ergebnissen hinsichtlich der gesundheitlichen Vorteile führen kann.
Warum spielt die Nachbarschaftsebene in der Studie von Mohnen et al. eine so bedeutende Rolle?
Die Nachbarschaftsebene erlaubt eine präzisere Analyse des Makro-Effekts als große nationale Einheiten, da hier die soziale Interaktion und die Qualität der lokalen Umgebung für die Bewohner direkter und messbarer spürbar sind.
- Arbeit zitieren
- Lisanne Schmitz (Autor:in), 2018, Sozialkapital. Eine individuelle oder gemeinschaftliche Ressource?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502790