Der Einfluss von Cannabis auf das Leben Jugendlicher


Facharbeit (Schule), 2019
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Cannabiskonsum- Verbreitung und Häufigkeit
2.1 Lebenszeitprävalenz des Cannabiskonsums unter Jugendlichen
2.2 Schrittmacherfunktion

III Cannabis als Rauschmittel
3.1 Effekte und Wirkmechanismen
3.2 Physische Wirkungen des Cannabiskonsums
3.2.1 Neurokognitiven Effekte
3.3 Psychische Wirkungen

IV Konsummuster

V Langfristige Auswirkungen
5.1 Langfristige psychische Konsequenzen
5.1.1 Erfahrungsbericht
5.1.2 Untersuchung einer Cannabis-Psychose
5.1 Psychosoziale Konsequenzen
5.2 Entwicklung eines amotivationalen Syndroms

VI Fazit und abschließende Bewertung

I Einleitung

Seit der Mitte der 60er Jahre begann sich das „New Age“ auszubreiten: Nach dem Vorbild der US-amerikanischen Hippies war nun auch in Deutschland die Rede von „freier Liebe“ und berauschenden Drogen. Jugendliche gründeten Gegenbewegungen und stellten sich bewusst gegen das Establishment. Ausdruck der jungen Auflehnung war der demonstrative Konsum von Cannabis.1 Aus der frühen „Drogenwelle“ ist inzwischen längst eine Dauererscheinung geworden. In der öffentlichen Diskussion um die Legalisierung von Cannabis wird insbesondere die Frage nach dem Gefährdungspotential der Droge für Jugendliche kontrovers diskutiert.

Dieses Thema habe ich mir ausgesucht, da insbesondere in meinem Freundeskreis immer häufiger Cannabis konsumiert wird, ohne über mögliche Risiken der Substanz aufgeklärt zu sein. Demnach untersuche ich in der vorliegenden Seminararbeit, inwiefern der Konsum von Cannabis auf das Leben von Jugendlichen Einfluss nimmt. Hierbei lege ich Schwerpunkte auf langfristig psychische sowie psychosoziale Konsequenzen, da diese für das Leben eines heranwachsenden Jugendlichen besonders nachhaltig sein können.

Um meine Recherche zu konkretisieren, beziehe ich mich auf die Definition des Jugendstrafrechts, das Personen im Alter von 14 bis 20 Jahren als jugendlich bzw. heranwachsend definiert.2 Räumlich sowie zeitlich beschränke ich mich auf Deutschland im Zeitraum von etwa 1997 bis 2018. Unter Cannabiskonsum verstehe ich die strafrechtlich relevante Beschaffung und Zuführung von Cannabis als Rauschmittel im Sinne des Betäubungsmittelgesetzes und schließe somit die Verwendung des medizinischen Cannabis’ aus; gleiches gilt für den illegalen Handel mit Cannabis.

II Cannabiskonsum- Verbreitung und Häufigkeit

2.1 Lebenszeitprävalenz des Cannabiskonsums unter Jugendlichen

Cannabis ist die in Deutschland mit Abstand am häufigsten konsumierte illegale Droge unter Jugendlichen.3 Um die Entwicklung der Anzahl von Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen unter den Cannabiskonsumenten über mehrere Jahre zu betrachten, ziehe ich zwei Statistiken der Bundesregierung heran (siehe Anhang):

Abbildung 1 (Konsum von Cannabis bei Jugendlichen, 2016, Alkoholsurvey)

Abbildung 2 (Konsum bei jungen Erwachsenen, 2016, Alkoholsurvey)

Die Grafiken zeigen die Entwicklung der Lebenszeitprävalenz des Cannabiskonsums unter deutschen Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Zeitraum von 1993 bis 2016.4 Beide Kurvendiagramme geben Auskunft über unterschiedliche Konsummuster, welche in Konsumhäufigkeit in den letzten 30 Tagen, in den letzten 12 Monaten und in regelmäßigen Konsum unterteilt sind.

Aus Abbildung 1 geht hervor, dass die Konsumhäufigkeit bei 12-17 jährigen Jugendlichen seit 1993 kontinuierlich anstieg. Ihren Höhepunkt hatte sie im Jahre 2004 mit 15,1%. Von diesem Prozentanteil haben ein Drittel mindestens einmal in zwölf Monaten Cannabis konsumiert, wobei 10% regelmäßig konsumieren. Seit 2014 sank die Anzahl der Konsumenten stetig, stieg ab 2011 wieder leicht an und stabilisierte sich 2016 bei 8,3%. Es fällt auf, dass die Kurven, die den regelmäßigen bzw. täglichen Konsum beschreiben, über mehrere Jahre ähnliche Werte aufweisen. Der größte Anteil von Jugendlichen, die in den letzten 30 Tagen Cannabis konsumiert haben, lag im Jahr 1997 bei 4,8 %. Ein intensives Konsummuster wie regelmäßiger Konsum nimmt den kleinsten Anteil an; er liegt im Jahr 2016 bei 1,4%. Aus der Abbildung geht hervor, dass Cannabis nicht mehr die Beliebtheit zukommt, wie noch in den Jahren davor. Heutzutage kann man Cannabis eher als Gelegenheitsdroge einstufen.

Vergleicht man diese Entwicklung mit der von jungen Erwachsenen im Alter von 18-25 Jahren fällt auf, dass sich unter älteren Jugendlichen deutlich höhere Prävalenzraten finden. 1993 hatten 23 % der 18-24 jährigen Erfahrungen mit Cannabis gemacht, 2004 waren es schon 43%. Zudem gibt es mehr junge Erwachsene, die gelegentlich bzw. regelmäßig konsumieren. Im Folgenden wird untersucht, ob die Abnahme der Anteile bei jungen Cannabiskonsumenten durch das Umsteigen auf härtere Drogen erklärt werden kann, die so genannte Schrittmacherfunktion von Cannabis.

2.2 Schrittmacherfunktion

Die „Schrittmacherthese“ spielt in der deutschen drogen-politischen Diskussion eine wichtige Rolle und ist eines der bekanntesten Argumente gegen Cannabis. Sie besagt, dass Cannabis als Einstiegsdroge gelten kann, von der aus junge Menschen nach und nach auf härtere Drogen umsteigen. Obwohl diese These in der wissenschaftlichen Literatur sehr umstritten ist, gibt es einen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und dem Konsum weiterer Drogen. Dieser besteht darin, dass Personen, die eine Drogensequenz bis zur Opiatabhängigkeit durchlaufen haben, in der Regel Cannabis als erste illegale Droge konsumiert haben.5 Außerdem lässt sich zeigen, dass Cannabiskonsumenten eher weitere illegale Drogen konsumieren als Cannabis- abstinente.6 Hierbei gilt: je höher die Konsumfrequenz, d.h. je stärker der Jugendliche in den Konsum eingebunden ist, desto höher ist auch die individuelle Wahrscheinlich- keit, weitere illegale Drogen zu konsumieren.

Doch wie erklärt sich dieser Zusammenhang? Eine vertretene These in der Literatur ist die Möglichkeit einer „sozial- und milieugeprägten Abfolge der Drogenwahl“.7 Dabei bestimmen nicht die Wirkung von Cannabis, sondern historische und kulturelle Faktoren die übliche Drogensequenz. Möglicherweise erleichtert der illegale Drogenmarkt, in dem sich ein Cannabiskonsument befindet, den Zugang zu weiteren illegalen Substanzen. Diese Verbindung ist heutzutage in Frage zu stellen, da man im Bezug auf Cannabis nicht mehr von einem subkulturellen Drogenmilieu sprechen kann.8 Vielmehr ist Cannabiskonsum inzwischen weitgehend in den Alltag Jugendlicher integriert, so dass eher von einer „faktischen Normalisierung des Cannabisgebrauchs im Rahmen einer sich konsolidierenden Alternativszene“9 die Rede ist. Mit dieser Entwicklung verbunden ist die Tatsache, dass Cannabis in der Regel privat über Freunde oder Bekannte und nicht in der öffentlichen Drogenszene gekauft wird. Demnach kann die Gefahr, dass ein gemeinsames, subkulturellen Drogenmilieu den Umstieg von Cannabis auf härtere Drogen erleichtere, als gering eingeschätzt werden.10

Die Annahme, Cannabis sei eine typische Einstiegsdroge für den Gebrauch härterer Drogen, kann nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen als nicht belegt gelten. Zwar findet sich ein geringer Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und dem Konsum härterer Drogen, doch es gilt: „je negativer die vorherrschende Einstellung gegenüber harten Drogen und je strikter die Trennung zwischen weichen und harten Drogen sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit des Übergangs von Haschisch auf Heroin“11.

III Cannabis als Rauschmittel

3.1 Effekte und Wirkmechanismen

Ein Gefühl der Unbefangenheit überkam mich. Mein Einfühlungsvermögen in andere war verbessert. Ich konnte mich herrlich in allen Sprachen unterhalten. Ich liebte alle Anwesenden und hatte Zuneigung zu denen, die ich sonst nicht leiden mag. Ich empfand ein starkes Glücksgefühl und ein fast schon unerträgliches Wohlbehagen machte sich breit.12

So beschreibt ein junger Cannabiskonsument seinen angenehmen Marihuana-Rausch. Die individuelle Wirkung von Cannabis ist abhängig von den jeweiligen Konsum- bedingungen, von der Einstellung und den Erwartungen des Konsumenten and den Rausch, von der Gebrauchshäufigkeit und auch von der aufgenommenen Wirkstoff- menge, und kann demnach auch als unangenehm empfunden werden. Wird Cannabis geraucht, setzt die Wirkung nach wenigen Minuten ein und dauert im Durchschnitt bis zu vier Stunden. Bei oraler Einnahme hingegen setzt die Wirkung erst nach einer bis drei Stunden ein, hält bis zu acht Stunden an, weshalb die Gefahr einer Überdosierung besteht. Während eine geringe Menge ( 50 µg/kg gerauchtes oder 120 µg/kg oral aufgenommes THC) eine „milde Sedation und Euphorie hervor[ruft]“13, wird bei erhöhter Dosis eine Wahrnehmungs- und Zeitstörung beobachtet. Ab 300 µ/kg gerauchtes oder 600 µ/kg oral aufgenommenes THC treten unangenehme Begleiterscheinungen und „dysphorische Zustände“ wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Reizhusten auf.14

Cannabis zeigt bei Menschen ein vielfältiges Wirkungsspektrum, welches im Folgenden ausgeführt wird.

3.2 Physische Wirkungen des Cannabiskonsums

Die akute Rötung der Bindehaut ist die von außen sichtbarste körperliche Wirkung. Außerdem kommt es nach dem Konsum von Cannabis sehr schnell zu einer Erhöhung der Herzfrequenz und zu einem Anstieg des Blutdruckes im Liegen, was, insbesondere nach höheren Dosen, zu Schwindelgefühlen beim schnellen Aufstehen führen kann. Eine Toleranzentwicklung stellt sich bei chronischem Konsum ein und die Verhältnisse werden umgekehrt. Diese körperlichen Wirkungen können für Personen mit vorgeschädigtem Herz-Kreislauf-System gefährlich werden. Da Cannabis üblicher- weise in Form eines Joints geraucht wird, sind Schädigungen der Atemwege aufgrund der additiven Effekte von Tabak und Marihuana wahrscheinlich.15 In einigen Studien wurde festgestellt, dass starke Cannabis-Raucher ein „gehäuftes Auftreten von chronischer und akuter Bronchitis […], Entzündungen der Nasen-und Schleimhäute sowie [eine leichte Verengung der Atemwege]“16 aufweisen. Des Weiteren ist das Lungenkrebsrisiko gegenüber Rauchern um das Fünf- bis Zehnfache erhöht, was wahrscheinlich auf den hohen Teergehalt der Droge zurückzuführen ist. Cannabis kann zu Leberschäden führen.

Während des Cannabis-Rauschs können zusätzlich unerwünschte körperliche Effekte wie ein trockener Mund, Reizhusten, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Gangunsicherheit auftreten.17 Diese Wirkungen werden gehäuft beim erstmaligen Konsum beobachtet. Eine akute vorübergehende Cannabis-Intoxikation durch hohe THC-Dosen macht sich durch ein Kältegefühl, Schwindel, Übelkeit, Standschwäche und durch einen beschleunigten Puls bemerkbar und klingt nach drei bis sechs Stunden ab.18

[...]


1 Cannabis gehört zur Gattung der Hanfgewächse und enthält psychoaktive Stoffe wie Tetrahydrocannabinol, kurz THC. Konsumiert wird meist Marihuana oder Gras; beides sind Bezeichnungen für getrocknete Blüten der weiblichen Hanfpflanze. Haschisch ist das Harz der weiblichen Hanfpflanze und hat einen höheren Wirkstoffgehalt.

2 vgl. Wikipedia: Jugendstrafrecht (Deutschland). 2018. <https://de.wikipedia.org/w/index.php? title=Jugendstrafrecht_(Deutschland)&oldid=180538680> (31.01.19)

3 Jiménez, Fanni: Diese Drogen werden in Deutschland am meisten konsumiert. In: welt.de 2017. <https://www.welt.de/ gesundheit/article165805929/Diese-Drogen-werden-in-Deutschland-am-meisten-konsumiert.html> (01.06.19)

4 Vgl. Bundesministerium für Gesundheit: Drogen- und Suchtbericht. Berlin 2018. <https://www.drogenbeauftragte.de/fileadmin/ dateien-dba/Drogenbeauftragte/Drogen_und_Suchtbericht/pdf/DSB-2018.pdf> S. 87 (04.05.19)

5 Vgl. Kleiber, Dieter; Kovar, Karl-Artur: Auswirkungen des Cannabiskonsums. Eine Expertise zu pharmakologischen und psychosozialen Konsequenzen. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH 1998, S. 180

6 Vgl. ebd., S.180

7 Ebd., S. 181

8 Vgl. ebd., S.182

9 Ebd., S. 182

10 Vgl. Kleiber/Kovar (1998), S.182

11 Ebd., S. 181-182

12 Ebd., S. 20

13 Ebd., S. 19

14 Vgl. Kleiber/Kovar (1998), S. 20

15 Vgl. ebd., S. 57

16 Ebd., S. 56

17 Vgl. Van Treeck, Bernhard (Hrsg.): PARTYDROGEN. ALLES WISSENSWERTE ZU ECSTASY, SPEED, LSD, CANNABIS, KOKAIN, PILZEN UND LACHGAS. Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag GmbH 1997, S. 184

18 Vgl. Kleiber/Kovar (1998), S. 19

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss von Cannabis auf das Leben Jugendlicher
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
20
Katalognummer
V502829
ISBN (eBook)
9783346035615
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
gute Recherche, seriöse Quellen differenzierte, unfangreiche Darstellung der aktuellen Forschungslage
Schlagworte
Konsummuster, Cannabis-Psychose, Amotivationales Syndrom, Schrittmacherfunktion, Effekte und Wirkmechanismen, Physische Wirkungen, Psychische Wirkungen, Langfristige psychische Konsequenzen, Langfristige physische Konsequenzen, Einstiegsdroge
Arbeit zitieren
Teresa Neureiter (Autor), 2019, Der Einfluss von Cannabis auf das Leben Jugendlicher, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502829

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