Manifest Destiny ist ein Begriff, der tief verwurzelt ist in der nordamerikanischen Geschichte und Gesellschaft. Erstmals verwendet 1845, beschreibt er seitdem das amerikanische Sendungsbewusstsein und die Ideologie, die Amerika eine Vorbildfunktion für die übrige Welt einräumt.
Ich möchte in dieser Arbeit zunächst Begriff, Geschichte und Entwicklung der Ideologie und Rhetorik von Manifest Destiny herausarbeiten. In den Vordergrund stellen möchte ich hierbei, die wichtige Rolle der Manifest Destiny Ideologie für Amerika seit den ersten Kolonien durch seine gesamte Geschichte.
Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang der Wandel im Laufe der Geschichte Amerikas von der euphorischen Aufnahme der Bevölkerung im Nation building Prozess zu bloßer Instrumentalisierung während des Imperialismus.
In einem zweiten Schritt soll die Genese des US-Imperialismus in ihrem Zusammenhang, von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis heute nachgezeichnet werden. Der Schwerpunkt wird jedoch eindeutig auf dem 19. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts, der Zeit des ersten Erwachens des übernationalen Expansionsgedanken, liegen. Enden werde ich mit einer kurzen Spurenlese der Einflüsse von Manifest Destiny auf die jüngste Geschichte, wie sie seit 2000 in der ebenso machtpolitischen wie ideologisch motivierten interventionistischen Politik der gegenwärtigen George W. Bush-Administration zunehmend deutlich wird.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Manifest Destiny von den Gründungsvätern bis heute
1. Manifest Destiny
1.1. Begriff
1.2.Geschichte
1.3.Rhetorik
2. Imperialismus
2.1. Begriff
2.2. Geschichte
2.3. Manifest Destiny und Imperialismus
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die historische Entwicklung und rhetorische Konstruktion des Konzepts "Manifest Destiny" und analysiert dessen zentrale Rolle in der Genese und Legitimation des US-Imperialismus vom 19. Jahrhundert bis zur gegenwärtigen US-Außenpolitik unter der Regierung von George W. Bush.
- Historische Herleitung des "Manifest Destiny"-Begriffs
- Analyse der religiös geprägten Rhetorik und Ideologie
- Entwicklung des US-Imperialismus im 19. und frühen 20. Jahrhundert
- Wechselwirkung zwischen ökonomischen Faktoren und Sendungsbewusstsein
- Transfer der Ideologie auf die interventionistische Politik der Gegenwart
Auszug aus dem Buch
1.3.Rhetorik
Die Rhetorik der Manifest Destiny Ideologie ist stark geprägt von Vokabeln aus dem religiösen Bereich. Nicht selten „spricht“ sie in biblischen Gleichnissen. Die Artikel und Reden im Dienst dieser Ideologie wirken wie Predigten und Prophezeiungen, die Autoren und Redner wie Propheten. (Elkanah Watson, Albert J. Beveridge). Sie sprechen von der Entscheidung Gottes Amerika zu einer leuchtenden Fackel zu machen, die ihren Glanz in alle Welt hinaus trägt. Sie übertragen Amerika die Treuhänderschaft für die Welt gegenüber Gott.
Es ist die Rede von dem gelobten Land, in das das auserwählt Volk nun zieht (Clark 1963: 173). Amerikas Mission und Pflicht sei es die unterdrückte Menschheit zu erlösen.
Diese religiös durchwirkte Sprache, diese selbstbewussten Bilder und Eigenauffassungen muten arrogant, ignorant, größenwahnsinnig und gegenüber den „Nicht-Erwählten“ diskriminierend an. Interpretiert und deutet man sie jedoch auf dem Hintergrund der noch jungen amerikanischen Nation auf dem Weg zum Nationalstaat, kann man sie auch als Symptom für die unsichere, uneinheitliche und nationalstaatliche wenig gefestigte Situation der Menschen lesen. Nicht mehr zum alten Heimatland gehörend, leben sie in einem sich gerade erst von der alten Welt emanzipierendem Gemeinwesen, das seine Identität erst noch definieren muss. Im Sinne des Nation building kann man Manifest Destiny Ideologie als natürliche Entwicklung und effektives Mittel zum Zweck der Nationswerdung erkennen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Manifest Destiny von den Gründungsvätern bis heute: Die Einleitung führt in die historische Bedeutung des Begriffs ein und umreißt die Untersuchung der Entwicklung von der Siedlerideologie hin zur imperialistischen Außenpolitik.
1. Manifest Destiny: Dieses Kapitel erläutert den Ursprung des Begriffs durch John L. O'Sullivan, beleuchtet die historische Genese seit der Kolonialzeit und analysiert die religiös geprägte Rhetorik als Instrument der Nationswerdung.
2. Imperialismus: Hier wird der Zusammenhang zwischen ökonomischen Krisen, territorialer Expansion und dem ideologischen Rahmen des "Manifest Destiny" dargelegt, wobei auch die zeitgenössische Kritik durch die Anti-Imperialist League thematisiert wird.
Schlüsselwörter
Manifest Destiny, Imperialismus, US-Außenpolitik, Sendungsbewusstsein, Ideologie, Expansion, Nation building, Monroe Doctrine, George W. Bush, Patriotismus, Interventionismus, Religion, Sozialdarwinismus, Amerika, Vorbildfunktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Zusammenhang zwischen der amerikanischen Ideologie des "Manifest Destiny" und der Entstehung sowie Rechtfertigung des US-Imperialismus.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Begriffsgeschichte, die religiös fundierte Rhetorik des amerikanischen Sendungsbewusstseins und die Umsetzung dieses Ideals in eine expansive Machtpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ein ursprünglich auf die innere Nationswerdung bezogenes Konzept instrumentalisiert wurde, um imperiale Interessen historisch und aktuell zu legitimieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, die Primärtexte, zeitgenössische Rhetorik und politikwissenschaftliche Fachliteratur auswertet.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Begriffsgeschichte, die Entwicklung imperialistischer Strukturen im 19. Jahrhundert und deren Verbindung zur "Manifest Destiny"-Ideologie.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Manifest Destiny, US-Imperialismus, Expansion, Sendungsbewusstsein und der Wandel der amerikanischen Rolle als Weltordnungsmacht.
Wie unterscheidet sich die Ideologie von 1845 von der heutigen Politik?
Während der Begriff 1845 primär der inneren Einigung und kontinentalen Expansion diente, wird er heute laut Autor als Rechtfertigung für eine neoimperialistische, global intervenierende Politik genutzt.
Welche Rolle spielt die Monroe Doctrine in diesem Kontext?
Die Monroe Doctrine wird als früher Ausdruck des amerikanischen Selbstbewusstseins gewertet, das sich gegen europäische Einmischung richtete und später von Expansionisten als ideologische Basis instrumentalisiert wurde.
Welche Kritik am Imperialismus wird im Text angeführt?
Die Arbeit erwähnt die "Anti-Imperialist League", die den Imperialismus als Abkehr von ur-amerikanischen Werten wie der Declaration of Independence kritisierte.
- Quote paper
- Julia Merkel (Author), 2003, Manifest Destiny und sein Zusammenhang mit dem US-Imperialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50282