Das Internet hat in den letzten 20 Jahren das Leben von uns Menschen verändert, wie
kaum eine andere Innovation in diesem Zeitraum. Die damit verbundene Digitalisierung
nimmt Einfluss auf unterschiedliche Lebensbereiche. Das private Leben wird insbesondere
durch eine Veränderung der Informationsaufnahme und des Konsums geprägt. Informationen
sind umfassend und frei verfügbar. Auch Waren und Dienstleistungen, die
in einem größeren Ausmaß angeboten werden, sind immer einfacher zu erwerben.
Dadurch wird auch die Wirtschaft geprägt. Der Konsum wird schnelllebiger, sodass sich
Geschäftsmodelle verändern oder sogar mittels technologischer Entwicklungen neu erschaffen
werden. Weiterführend nimmt die Digitalisierung auch Einfluss auf das Gesundheitswesen.
Die bisher überwiegend analog arbeitende Branche befindet sich in einem
Wandel, in dem alle Akteure der Branche integriert sind, wie z.B. Patienten, Ärzte, Versicherungen
und Krankenhäuser. eHealth ist hierbei ein wichtiger Treiber der Digitalisierung
im Gesundheitswesen und verspricht ein großes, vielschichtiges Potenzial. Das Ziel
dieser Seminararbeit ist es, zum einen die Gründe für den Einsatz von eHealth aufzuführen.
Dabei werden aktuelle Entwicklungen innerhalb der Gesellschaft und der Gesundheitsbranche
aufgezeigt, die einen Einsatz von eHealth mitbegründen. Weiterführend
wird auf die damit einhergehenden Herausforderungen eingegangen, die sich eHealth in
der Praxis stellen muss. Ein Aufzeigen von Anwendungsmöglichkeiten ist ebenfalls Teil
dieser Seminararbeit, wobei auf ein Praxisbeispiel aus dem Bereich eHealth-Apps genauer
eingegangen wird. Ein abschließendes Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und
gibt Implikationen für zukünftige Forschungen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Gründe für den Einsatz von eHealth
2.1 Definition eHealth
2.2 Ansatzpunkte für digitale Anwendungen im deutschen Gesundheitswesen
2.3 Theorie: Diffusion of Innovations
3 Herausforderungen in der Praxis: Kritische Erfolgsfaktoren
3.1 Einstellung der Nutzer
3.2 Stakeholder
3.3 Projektmanagement
3.4 Gesetze
3.5 Finanzierung
4 Anwendungsbeispiel
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht das Potenzial und die Hemmnisse von eHealth im deutschen Gesundheitswesen, mit dem Ziel, die Gründe für den digitalen Wandel sowie die kritischen Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Implementierung zu identifizieren.
- Aktuelle Digitalisierungstrends im Gesundheitswesen
- Anwendung der Diffusion of Innovations Theorie
- Kritische Erfolgsfaktoren bei der Implementierung von eHealth-Lösungen
- Stakeholder-Management und rechtliche Rahmenbedingungen
- Praxisnahe Anwendung durch eHealth-Apps (Beispiel Medicus)
Auszug aus dem Buch
3.3 Projektmanagement
eHealth steht oft Herausforderungen gegenüber, die durch ein unzureichendes Projektmanagement hervorgerufen werden. Dies beginnt bei der Planungsphase, geht über in die Entwicklungsphase bis hin zur Implementierungsphase (van Limburg et al., 2011). Zu Beginn besteht die Gefahr, dass Ziele, Beteiligte, Zuständigkeiten und der Umfang des Projekts nicht ausreichend definiert werden. In der Entwicklungsphase tendieren die Verantwortlichen dazu, eher ingenieursgetriebene Lösungsansätze für die Technologie zu entwickeln, sodass Bedürfnisse der Nutzer verstärkt vernachlässigt werden (van Gemert-Pinjen et al., 2011). Dabei sollte der Fokus genau umgekehrt gelegt werden. Eine Technologie kann noch so gut gebaut sein. Wenn sie aber nicht zu den Bedürfnissen der Zielgruppe passt, wird sie nicht genutzt werden (Ganesh, 2004, S. 46) und es sind hohe Schwundraten zu verzeichnen (Eysenbach, 2005).
Insbesondere die letzte und erfolgsentscheidende Projektphase, wo die Technologie in der Praxis implementiert wird, bekommt zu wenig Bedeutung von den Projektverantwortlichen zugeschrieben. Dabei stellt eine gut geplante und durchgeführte Implementierung sicher, dass eine Technologie ihr volles Potenzial ausschöpfen kann. Um eine Implementierungsphase ideal vorzubereiten, gilt es so früh wie möglich den Fokus auf diese Phase zu legen und die relevanten Stakeholder zu recherchieren. Die Implementierung wird oft mittels Top-Down-Prozess vollzogen, d.h. das Management entscheidet über den Bedarf einer Technologie und initiiert die Einführung. Dennoch sollte auch ein Bottom-Up-Prozess verstärkt erfolgen, um Bedürfnisse und Kenntnisse von den späteren Nutzern mit einfließen zu lassen. So können z.B. Ärzte oder Krankenschwestern ihren wertvollen Input beisteuern, sodass die jeweilige eHealth-Technologie exakt zu den individuellen Arbeitsprozessen passt und diese unterstützt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den digitalen Wandel im Gesundheitswesen und definiert das Ziel der Arbeit, Gründe, Herausforderungen und Anwendungen von eHealth aufzuzeigen.
2 Gründe für den Einsatz von eHealth: Dieses Kapitel definiert den eHealth-Begriff, analysiert aktuelle gesellschaftliche Treiber wie die alternde Bevölkerung und nutzt die Diffusion of Innovations Theorie zur Erklärung der Nutzungsakzeptanz.
3 Herausforderungen in der Praxis: Kritische Erfolgsfaktoren: Hier werden zentrale Barrieren wie Nutzerakzeptanz, Stakeholder-Abhängigkeiten, mangelhaftes Projektmanagement, rechtliche Hürden (DSGVO) und Finanzierungsfragen detailliert erörtert.
4 Anwendungsbeispiel: Das Kapitel präsentiert die App "Medicus" als Praxisbeispiel, um die visuelle Aufbereitung komplexer medizinischer Daten und die Steigerung des Patienten-Involvements zu verdeutlichen.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer stakeholderorientierten Projektplanung, um das große Potenzial von eHealth im Gesundheitssektor nachhaltig zu realisieren.
Schlüsselwörter
eHealth, Digitalisierung, Gesundheitswesen, Diffusion of Innovations, Projektmanagement, Nutzerakzeptanz, Stakeholder, E-Health-Gesetz, EU-DSGVO, Telemedizin, Patienten-Involvement, Implementierung, Innovation, Kostenoptimierung, Medicus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der digitalen Transformation im Gesundheitswesen, insbesondere mit dem Einsatz von eHealth-Technologien, und analysiert die Rahmenbedingungen sowie die praktischen Hindernisse bei deren Einführung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von eHealth, die Auswirkungen der demografischen Entwicklung, Theorien zur Innovationsverbreitung sowie die kritischen Erfolgsfaktoren wie Gesetzgebung, Stakeholder und Finanzierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Gründe für den notwendigen Einsatz von eHealth zu erläutern, die damit verbundenen Herausforderungen in der Praxis kritisch zu hinterfragen und mögliche Anwendungsbeispiele zu diskutieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine rein literaturbasierte Seminararbeit, die einen systematischen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu eHealth-Anwendungen gibt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch die Diffusion of Innovations Theorie und die praktische Analyse von Erfolgsfaktoren, unterteilt in Nutzersicht, Stakeholder-Interessen, Projektmanagement, Gesetze und Finanzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Digitalisierung, eHealth, Innovationsmanagement, Patienten-Involvement und kritische Erfolgsfaktoren beschreiben.
Wie unterscheidet sich die Diffusion of Innovations Theorie im eHealth-Kontext?
Die Theorie erklärt, warum Nutzer (wie Ärzte oder Patienten) neue Technologien unterschiedlich schnell annehmen, basierend auf Faktoren wie Komplexität, Beobachtbarkeit und relativer Vorteil der eHealth-Lösung.
Welche Rolle spielt die EU-DSGVO für eHealth-Entwickler?
Die EU-DSGVO stellt eine maßgebliche rechtliche Herausforderung dar, da sie den Schutz sensibler medizinischer Daten regelt und Entwickler dazu verpflichtet, den Umgang mit personenbezogenen Daten transparent und sicher zu gestalten.
Wie illustriert das Praxisbeispiel "Medicus" den Mehrwert von eHealth?
Medicus zeigt exemplarisch, wie komplexe Laborbefunde durch visuelle Aufbereitung für Patienten verständlicher gemacht werden, was das Involvment steigert und die Kommunikation mit medizinischem Fachpersonal verbessern kann.
- Arbeit zitieren
- Tatjana Sindt (Autor:in), 2018, eHealth. Gründe, Herausforderungen und mögliche Anwendungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502880