Tritt die generalisierte Angststörung bei Soldaten häufiger auf als in der Zivilbevölkerung?


Seminararbeit, 2017
10 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Theoretische Ein:fiihrung

2. Darstellung aktueller Forschung
2.1 Einsatze in den Golfkriegen
2.2 Einsatze in Afghanistan
2.3 Friedensmissionen

3. Diskussion

4. Fazit zu Seminar und Hausarbeit

5. Literaturverzeichnis

1. Theoretische Einfiihrung

Angste begleiten jeden Menschen durch sein Leben und haben ihre Berechtigung. Die Obererregung induziert besondere Wachsamkeit und sch1itzt den Mensch in gefahrlichen Situationen vor Unaufmerksamkeit (Erhardt & Schmidt, 2010). Bei manchen Personen ist das Angstniveaujedoch dauerhaft erhoht und kann zu Krankheit fii.hren (Bandelow, Lichte, Rudolf, Wiltink & Beutel, 2014). Ursachlich sein konnen sowohl genetische, neurobiologische als auch psychologische Faktoren. Dazu zahlen gravierende Erlebnisse wie Gewalt und Traumatisierungen (Bandelow et al., 2014).

Ein GroBteil der US-Soldaten befand sich bereits in einer Situation, in der er/ sie ein moglicherweise traumatisierendes Ereignis erlebte. 58 Prozent der Soldaten im Afghanistan­ Krieg wurden schon einmal angegriffen, im dritten Golfkrieg erlebten das sogar 89 Prozent. Fast jeder Soldat, der im dritten Golfkrieg eingesetzt wurde, hat Tote oder menschliche Oberreste gesehen und 86 Prozent kennen eine Person, die schwer verwundet oder getotet wurde. 65 Prozent der Marine-Soldaten im Irak gaben an, sie seien verantwortlich fiir den Tod einer feindlichen Person (Hoge et al., 2004). In Zusammenhang mit Traumatisierungen beim Militar ist der breiten Allgemeinheit vor allem die posttraumatische BelastungsstOrung ein Begriff. Die Lebenszeitpravalenzen in Deutschland liegen bei 8% (bei Mannern bei 5-6%) (Wittchen & Hoyer, 2011) und bei 6,8% in den USA (Kessler et al., 2005). Zwischen 9,4 und 13 Prozent der US-Soldaten Iitten 2008 unter einer posttraumatischen Belastungsstorung (Hoge et al., 2004, Seal et al., 2007). Die hohe Komorbiditat mit Angststorungen (Black, Carney, Peloso, Woolson, Schwartz, Voelker et al., 2004) lasst auch bei Soldaten einen Zusammenhang vermuten, weshalb sich die Untersuchung des Auftretens von Angsterkrankungen beim Militar anbietet.

Je mehr Symptome einer posttraumatischen Belastungsstorung vorliegen, desto gro.Ber wird die Auftretenswahrscheinlichkeit fiir eine generalisierte AngststOrung (Marshall et al., 2001). Mit einer Lebenszeitpravalenz von 3-5% und einer 12-Monats-Pravalenz von 2-4% gehort die generalisierte Angststorung zu den haufigsten psychischen Storungen in Deutschland. Auch in den USA ist sie haufig vertreten. Die Lebenszeitpravalenz betragt 9% (Kessler, Petukhova, Sampson, Zaslavsky & Wittchen, 2012) und die 12-Monats-Pravalenz 5,7% (Kessler et al., 2005). Viele der Patienten werden erstmals aufgrund korperlicher Beschwerden beim Hausarzt vorstellig. Dort wird die Storungjedoch haufig nicht erkannt oder falsch diagnostiziert. Die Punktpravalenzen liegen zwischen 3,7% und 14,8% (Wittchen & Hoyer, 2011). Problematisch ist dies, da die Angststorung nicht nur zu personlichem Leidensdruck fiihrt, sondern unbehandelt zu Depressionen fiihren kann (Bandelow et al., 2014). Forschung zu Angststorungen beim Militar gibt es bisher U.berwiegend aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Besonders direkt nach US-amerikanischen Kriegseinsatzen wurden umfangreiche Forschungen durchgefiihrt.

Wie gehen Personen mit einem Zustand regelma.Biger Angst urn und was hat dies ftir Effekte auf ihre Gesundheit? Sind Angststorungen, besonders die generalisierte Angststorung, beim Militar starker vertreten als in der Allgemeinbevolkerung? Mit diesen Fragen wird sich die folgende Arbeit niiher beschaftigen.

2. Darstellung aktueller Forschung

Es liegen diverse Studien vor, deren Designs jedoch sehr unterschiedlich sind, was direkte Vergleiche erschwert. Nicht alle Studien differenzierten bei Angststorungen, weshalb Pravalenzen fiir die generalisierte Angststorung nicht immer dargestellt werden konnten.

2.1 Einsatze in den Golfkriegen

Nach dem zweiten Golfkrieg 199l(lken, 2016), berichtete ein GroBteil der in Irak eingesetzten US-Soldaten von anhaltenden psychischen Beschwerden. Unter chronischer Angst Iitten 6,1% von ihnen. Verglichen mit den Soldaten, die zujener Zeit nicht im Irak. eingesetzt waren, wurde ihnen die Diagnose generalisierte AngststOrung mehr als 3-mal so haufig gestellt. Von den Soldaten auf ,Reserve" erhielten lediglich 1,9% die Diagnose generalisierte AngststOrung (Gray, Kaiser, Hawksworth, Hall & Barret-Connor, 1999). Ahnliche Ergebnisse zeigt eine weitere Studie, die 4886 US-Soldaten in den Jahren 1995- 1996 hinsichtlich psychischer Belastungen miteinander verglich. Es hestand die Annahme, dass im Golfkrieg eingesetzte Soldaten starker unter psychischen Erkrankungen leiden, als Soldaten, welche nicht am Golfkrieg teilnahmen. Zudem wurde vermutet, dass das Auftreten psychischer Storungen im Zusammenhang mit der Beteiligung an Gefechten und Kampfen steht. Tatsachlich ergaben die Untersuchungen, dass Soldaten, die im zweiten Golfkrieg eingesetzt wurden, mehr als doppelt so haufig unter Angststorungen Iitten, wie Soldaten, die dort nicht eingesetzt worden waren. 14,5% der Teilnehmer des Golfkrieges Iitten unter Angstsrorungen, 4% erhielten die Diagnose generalisierte Angststorung. Lediglich 1,9% des restlichen Militars wurden mit generalisierter AngststOrung diagnostiziert. Auch Panikstorungen traten in dieser Stichprobe doppelt so haufig auf wie in der Referenzstichprobe. Ein Zusammenhang zwischen der Teilnahme an Gefechten und der Entwicklung von Angstst6rungen wurde gefunden (Black et al., 2004).

Das Ende des dritten Golfkrieges (des zweiten Irakkriegs) im Jahr 2003 (Iken, 2016), markierte den Beginn einer Zahl weiterer Studien, die sich mit den Folgen von Kriegseinsatzen auseinandersetzten. Zwischen 2006 und 2007 erhoben Schmitz et al. (2012) die Daten von 1336 Soldaten, die sich innerhalb dieses Zeitraumes in ein Gesundheitszentrum der US-amerikanischen Armee in Irak, begeben hatten. Fast 14% der Patienten Iitten unter Angstsrorungen, wobei zwischen den verschiedenen Angstsrorungen nicht differenziert wurde. AufD.llig war, dass es Unterschiede innerhalb der Truppen gab. 16% der Heeressoldaten erkrankten an Angstst6rungen, bei der Marine nur 12,9% (Schmitz et al., 2012). Zu beachten ist, dass es sich hierbei urn eine rein klinische Stichprobe handelt. Die Untersuchung von 103.788 Veteranen, die VA Gesundheitseinrichtungen besuchten, ergaben nicht anniihernd so hohe Werte. 6% der Veteranen wurden mit Angstst6rung diagnostiziert. Veteranen, die Patienten von VA Gesundheitseinrichtungen waren, arbeiteten zuvor im Irak oder in Afghanistan (Seal, Bertenthal, Miner, Sen, & Marmar, 2007).

2.2 Einsiitze in Afghanistan

2004 erfassten Hoge et al. Angstwerte nach Rlickkehr aus dem Irak oder Afghanistan. Hierfiir wurde keine klinische Stichprobe verwendet; stattdessen fiillten 6201 Soldaten aus verschiedenen Divisionen anonymisierte Fragebogen beziiglich ihrer mentalen Gesundheit aus. Sowohl vor dem Einsatz im Irak und in Mghanistan erfasste man die Werte, als auch drei bis vier Monate danach. Insgesamt Iitten Heeressoldaten haufiger unter AngststOrungen als Soldaten bei der Marine (17,5% im Vergleich zu 15,7% im Irak). In Mghanistan eingesetzte Soldaten erkrankten etwas seltener an AngststOrungen als Soldaten, die im Irak stationiert waren (17,2% zu 17,5%) (Hoge et al., 2004).

2.3 Friedensmissionen

Der gefundene Zusammenhang zwischen der Teilnahme an Gefechten sowie Kiimpfen und dem Aufueten psychischer Srorungen (Hoge et al., 2004, Black et al., 2004), legt die Vermutung nahe, dass Arbeit in Friedensmissionen zu anderen Konsequenzen fiihrt.In einem Sample des kanadischen Militiirs hestand bei 9% der Personen eine Angstst6rung, posttraumatische Belastungssrorung mit einbezogen. Bei 1,7% lag eine generalisierte Angstsrorung vor (Sareen et al., 2007). Dieser Wert entspricht ungefahr der Pravalenz in der Normalbevolkerung Kanadas mit 1,1% (Somers, Goldner, Waraich & Hsu, 2006). Die Erhebung war auch nicht an eine unm.ittelbar davor durchgefiihrte militarische Intervention gekoppelt. Unterteilt wurde die Stichprobe in 3 Gruppen. Gruppe 1 hestand aus Personen, die Teil von Friedensmissionen waren. In der Gruppe 2 befanden sich Soldaten, die bereits an einem Gefecht beteiligt gewesen waren und in Gruppe 3 Soldaten, die Zeugen von Graueltaten und Massakem waren. Besonders auffallige Unterschiede gab es zwischen Gruppe eins und drei. Unter den Beteiligten von Friedensmissionen waren lediglich 0,53% an einer generalisierten Angstsrorung erkrankt, bei den Zeugen von Massakem war der Anteil von Personen, die unter generalisierter AngststOrung Iitten, mit fast 3% mehr als 5-mal so hoch. Aus Gruppe zwei waren doppelt so viele an generalisierter Angstsrorung erkrankt als in Gruppe 1 (Sareen et al., 2007). Zur besseren Vergleichbarkeit sind die 12-Monats­ Pravalenzen aus den unterschiedlichen Studien in Abbildung 1 dargestellt, die Werte der US­ amerikanischen und der deutschen Allgemeinbevolkerung beziehen sich auf die generalisierte Angststorung.

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Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Tritt die generalisierte Angststörung bei Soldaten häufiger auf als in der Zivilbevölkerung?
Hochschule
Universität Ulm
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
10
Katalognummer
V502895
ISBN (eBook)
9783346038043
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tritt, angststörung, soldaten, zivilbevölkerung
Arbeit zitieren
Lina Gutmann (Autor), 2017, Tritt die generalisierte Angststörung bei Soldaten häufiger auf als in der Zivilbevölkerung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502895

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