Die Taufe des Frankenkönigs Chlodwig und die Christianisierung Europas


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

12 Seiten, Note: 1,3

Maximilian von Westerheide (Autor:in)


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Geopolitischer Kontext

3. Biographien

4. Das Taufbekenntnis des König Chlodwigs

5. Folgen für den Katholizismus und die Kirche

6. Fazit

7. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die nachstehende Seminararbeit thematisiert den Bericht des Gregor von Tours über den Taufakt des Frankenkönig Chlodwig. Neben Erläuterungen zu der ursprünglichen Quellenüberlieferung, werden u. A. die Gründe der Taufe selbst erörtert, deren Ursprung auf einem historischen europäischen Umfeld aufbaut, welche in Kapitel zwei in dieser Arbeit beschrieben werden. Um ein Verständnis für das damalige Ereignis zu bekommen und um die Beweggründe einzelner Charaktere besser zu verstehen, werden in Kapitel drei die wichtigsten Personen die mit dem Taufakt involviert waren, biographisch betrachtet. Zur Taufe selbst ist zu sagen, dass Chlodwig von vielen verschiedenen Motiven, intrinsischen, so wie extrinsischen, beeinflusst worden ist. Daher wird diese Arbeit besonders in Kapitel vier zu diesen treibenden Faktoren Stellung nehmen. Auch zum Taufakt selbst existieren grundlegende Informationen, welche hier in einem Gesamtkontext erläutert werden müssen, um das Bild der Konversion Chlodwigs in voller Gänze abzurunden. Die Konversion selbst hatte weitreichende Folgen für die katholische Religion, für Chlodwigs Königreich und dessen Anrainerstaaten. Diese Auswirkungen werden in Kapitel fünf beschrieben und zeigen weshalb noch heute Chlodwigs Übertritt als Fundament der europäischen Christianisierung gilt. Das sechste Kapitel beendet diese Seminararbeit mit einem Fazit. Die Inhalte der Arbeit basieren auf einer deduktiven Literaturrecherche und der Interpretation von originalen Quelltexten aus dem sechsten Jahrhundert. Die Inhalte der Arbeit datieren ausschließlich im zeitlichen Kontext der Jahre 400 bis 600 nach Christus, daher wird auf die Abkürzung n. Chr. bei Jahresangaben verzichtet.

2. Geopolitischer Kontext

Um die Beweggründe des Frankenkönigs zur Taufe besser nachvollziehen zu können, ist es unerlässlich Kenntnisse über das historisch politische Herrschaftsgefüge von West- bis Mitteleuropa zu erlangen. Der damalige Herrschaftsflickenteppich wird von vielen germanischen Stämmen bevölkert, hinzu kommt noch der spätrömische Einfluss aus der Annektierungspolitik des Römischen Reiches. Die römischen Herrschaftsgebiete in der Zeit des fünften Jahrhunderts beschränkten sich jedoch auf das linksrheinische Gebiet. Der Fokus soll hier aber auf dem Verhältnis der fränkischen und alemannischen Stämme untereinander liegen. Chlodwigs Herrschaft beginnt um 482 n. Chr. und wird durch den Tod seines Vaters Childerich eingeleitet. Die geopolitische Landkarte wird von fünf größeren Herrschaftsgebieten dominiert. Zu nennen wären hier die Westgoten, die Burgunder, die Alemannen, das römische Herrschaftsgebiet unter Syagrius und die salischen Franken unter Chlodwig I. Diese Volksgruppen, sind keineswegs homogene Stämme. Sie sind vielmehr Zusammenschlüsse aus verschiedensten Kleinstämmen und Kulturgruppen und können umgangssprachlich als „zusammengewürfelte“ Völker bezeichnet werden1. So ist es keine Überraschung, dass zu jener Zeit politische, ethnische und religiöse Instabilität herrschte. Damit verbundene Grenzkonflikte und verworrene Bündnispolitik sind daher keine Seltenheit und gehören zur Tagesordnung der damaligen Epoche2. Der Frankenstamm mit Chlodwig als König unterscheidet sich jedoch politisch von seinen Nachbarn. Chlodwig verfolgte ernsthafte Expansionspläne mit der Absicht, die Teilstämme unter seinem Banner zu vereinen und die feindlichen Gegenspieler zu unterwerfen. So wurden beispielsweise Gegner und politische Widersacher in den eigenen Reihen ermordet, um seine Stellung als König zu festigen3. Zunächst aber verbündete er sich mit Burgund gegen den gemeinsamen Gegner die Westgoten und den Alemannenstamm4. Um 500 fühlte er sich militärisch bereits in der Lage es mit diesen zwei Großstämmen aufzunehmen5. Nach dem er in drei großen Schlachten letztendlich die Alemannen besiegte, wendete er sich den Westgoten zu und breitete so sein Reich weiter aus. Das restliche römische Herrschaftsgebiet unter Syagrius fiel bereits 486/87 in einer ersten Expansionsphase6. Nach diesen Feldzügen war Chlodwig nun der mächtigste Herrscher über Kerneuropa7. Erst nach seinem Tod 511 wurde sein großes Herrschaftsgebiet aufgeteilt. Die Teilung wurde gerecht unter seinen vier Söhnen vollzogen8.

3. Biographien

3.1 Chlodwig I. der Frankenkönig

Chlodwig I. (*466) stammt aus dem Königsgeschlecht der Merowinger und ist der Sohn des Königs Childerich, welcher bereits vor Chlodwigs Königsernennung eine intensive Expansionspolitik verfolgte9. Nach dessen Tod wird Chlodwig um 482 zum König ernannt und regiert zunächst in einem Teilbereich die salfränkischen Stämme. Zu seiner Person ist zu sagen, dass er sehr berechnend und zielstrebig seine Unternehmungen verfolgte und seine Prämisse auf der Machtausdehnung seines Reiches lag. Dafür sind ihm Mittel, wie Krieg, Meuchelmord, Vatermord und Verrat recht, um auch die letzten Hindernisse seiner Machterweiterungspolitik durchzusetzen10. Verheiratet war er mit der Tochter eines Burgunderkönigs namens Chrodechilde, welche auch später bei Chlodwigs Bekehrung eine große Rolle spielen wird11. Er bekriegte und besiegte schließlich die römischen Gebiete, die Burgunder, die West- und Ostgoten sowie den Erzfeind die Alemannen12. Die Taufe und der damit einhergehende Übertritt zum katholischen Glauben im Jahre 498/9913 und basierte auf der zunächst Verlorenen geglaubten Schlacht gegen die Alemannen. Während der Schlacht gelobte er seinen heidnischen Göttern14 abzuschwören und im Falle eines Sieges den Glauben seiner Gemahlin Chrodechilde15, den römischen Katholizismus, anzunehmen. Chlodwig verstarb dann später um 511, beruft aber im selben Jahr noch die Synode von Orléans ein und hinterließ seinen vier Söhnen sein Großreich16.

3.2 Gregor von Tours, der Chronist der Franken

Gregor von Tours lebte von 538 bis 594. Er ist der Sohn einer römischen Senatorenfamilie und zu seinen weiteren Vorfahren zählte eine Reihe von Bischöfen17. Zu seinen Aufgaben gehörte die Armen- und Krankenfürsorge18. Zudem diente er als königlicher Berater und hatte das Amt der Rechtsprechung inne19. Bekannter und auschlaggebender für den Zusammenhang von Chlodwigs Taufe ist Gregor als Geschichtsschreiber und Chronist. Er verfasste die Zehnbücher Geschichten historiarum libri x. In dieser Chronik hält er die Geschichte der Franken fest20. In seinen Überlieferungen beschreibt er die Regierungszeit von Chlodwig und dessen Taufe durch den Bischof von Reims. Zu bemerken ist hier jedoch, dass dieser Geschichtsband von Gregor erst 100 Jahre nach Chlodwigs Tod verfasst wurde21. Gregor kann hier vorgeworfen werden, aus Eigeninteresse22 die Franken, als von Gott auserwähltes Volk darzustellen23. Auch Chlodwig selbst wird sehr stilisiert dargestellt und ihm werden Eigenschaften eines idealen Herrschers angeheftet, obwohl man weiß, dass Chlodwig sehr brutal und kühl geherrscht hatte. Gregor scheut sogar nicht den Vergleich mit Kaiser Konstantin und hebt Chlodwig in seinen Chroniken auf dessen Niveau24. Zu seinem Sprachstil ist zu sagen, dass dieser sehr einfach und grob gehalten wurde. Wahrscheinlich um eine möglichst große Leserschaft zu erreichen. In seinem Werk ist der Übergang zwischen der lateinischen Sprache und der romanischen Sprache deutlich zu erkennen, man kann daher sagen, dass Gregor versuchte mit seinem „Vulgärlatein“ einen Mittelweg beider Sprachen zu finden25.

3.3 Bischof Remigius, der Täufer Chlodwigs

Remigius von Reims (436/533) stammte ursprünglich aus einer gehobenen Bürgerschicht und wurde wahrscheinlich schon mit 22 Jahren zum Bischof von Reims ernannt. Er zeigte großes Engagement bei der Christianisierung der Franken und galt als Gegner des Arianismus (Gott und Jesus nicht Wesensgleich, Christologisch steht Gott über Jesus)26. Er war auch jener Bischof der Chlodwig nach der gewonnen Alemannenschlacht und auf Bitten der Gattin Chlodwigs, den Frankenkönig taufte und somit einen wesentlichen Teil dazu beitrug den katholischen Glauben zu verbreiten27.

4. Das Taufbekenntnis des König Chlodwigs

In diesem Kapitel werden Inhalte dargelegt, wie es zu der Konversion Chlodwigs kam, welche Ursachen dafür in Frage kommen und welche Motive Chlodwig angetrieben haben seinen alten Glauben zu verlassen und das katholische Christentum als Staatsreligion auszurufen.

4.1 Die „Bekehrungsschlacht“ bei Zülpich

Im Jahr 496 kam es zum Zusammentreffen der alemannischen und fränkischen Heerlager. Der Ort Zülpich liegt zwischen Köln und Trier und war zur damaligen Zeit ein Knotenpunkt einer wichtigen Römerstraße, die diese Orte mit einander verband. Diese Schlüsselstelle war zudem durch ein Römerkastell gesichert und daher strategisch bedeutsam. Man geht davon aus, dass sich Chlodwig Nördlich von Zülpich mit einem ripuarischen Stammesherrscher (Mittelrhein Franken)28 traf, um gemeinsam die von Süden annahenden Alemannen aufzuhalten29. Das Kräfteverhältnis der Truppenkontingente war ausgewogen, dennoch drohte Chlodwigs Armee eine Niederlage zu erleiden. Überlieferungen berichten davon, dass die Schlacht bei Zülpich sehr brutal und blutig vonstatten gegangen sein muss. Chlodwig spürt die drohende Niederlage und betet gen Himmel. Er verspricht, im Falle eines Sieges seiner Truppen, den einen wahren Gott der Christen als den seinigen anzuerkennen. Wenn Gott sich also in dieser Schlacht als mächtig zeigen würde, will er seinen heidnischen Gottheiten abschwören und zum katholischen Christentum übertreten30. Nach dem Bericht des Gregor von Tours, flohen die feindlichen Truppen plötzlich in Panik, da sie ihren König in der Schlacht verloren hatten und baten Chlodwig um Gnade31. Der nun errungene Sieg durch Gottes Beistand bewegt Chlodwig dazu, sich in Reims von Bischof Remigius Taufen zu lassen32. So ist die Schlacht bei Zülpich zu der „Bekehrungsschlacht“ geworden, welche in Überlieferungen und der heutiger Literatur als ausschlaggebende Ursache für Chlodwigs Konversion angesehen wird.

[...]


1 Becher (2009), S. 1

2 Kaiser (2004), S. 39

3 Hartmann (2001), S. 46

4 Kaiser (2004), S. 39

5 Pietri (2001), S. 355

6 Kaiser (2004), S. 39

7 Kaiser (2004), S. 40

8 Kaiser (2004), S. 41

9 Nonn (2010), S. 100f

10 Hartmann (2011), S. 46

11 Ebd., S. 44

12 Ebd., S. 46

13 Bischof (2012), S. 82

14 Pietri (2001), S. 364

15 Pietri (2001), S. 361

16 Becher (2009), S. 13

17 Schäfer (2014)

18 Ebd. (2014)

19 Ebd. (2014)

20 Pietri (2001), S. 354

21 Pietri (2001), S. 354

22 Schäfer (2014)

23 Nonn (2010), S. 132f

24 Pietri (2001) S. 362

25 o. V. (2015)

26 Schäfer (2015a)

27 Schäfer (2015b)

28 o. V. (2016)

29 Weitz (2004)

30 Bischof (2012), S. 80f

31 Ebd., S. 80f

32 Ebd., S. 80f

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Taufe des Frankenkönigs Chlodwig und die Christianisierung Europas
Hochschule
Universität des Saarlandes  (katholische Theologie)
Veranstaltung
historische Theologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
12
Katalognummer
V502938
ISBN (eBook)
9783346043498
ISBN (Buch)
9783346043504
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Chlodwig, Christentum, Antike, Taufe, Franken, Christianisierung, Jesus, Gott, Kirche, Römer, Germanen
Arbeit zitieren
Maximilian von Westerheide (Autor:in), 2016, Die Taufe des Frankenkönigs Chlodwig und die Christianisierung Europas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502938

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