Neue Medienträger für Hörbücher in Anbetracht wirtschaftlicher, technischer und rechtlicher Selektion und Bewertung


Diplomarbeit, 2004
130 Seiten, Note: 1,1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Sperrvermerk Abstract

Eidesstattliche Erklärung Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis Tabellenverzeichnis Abkürzungsverzeichnis

Vorwort

1. Gattungen der akustischen Inhalte mit überwiegendem Wortanteil und deren Formen
1.1 Begriffsdefinitionen im Hörbuchbereich
1.1.1 Akustischer Inhalt mit überwiegendem Wortanteil
1.1.1.1 Hörbuch (engl. audio book)
1.1.1.2 Hörspiel
1.1.1.3 Feature
1.1.1.4 O-Ton Feature
1.1.1.5 Zeitgeschichtliches Feature
1.1.1.6 Lesung
1.1.2 Veranstaltungsarten zur Aufführung von akustischen Inhalten mit überwiegendem Wortanteil
1.1.2.1 Hörkino / Open-Air-Hörkino
1.1.2.2 HörBAR
1.1.2.3 Live-Hörspiel
1.2 Die Entwicklung vom Hörspiel zum Hörbuch
1.2.1 Die Anfänge in den 20er Jahren
1.2.2 Hörspiele – „Das Schöne und Wahre im Rundfunk“
1.2.3 Die erste Blütezeit des Hörspiels und seine Probleme
1.2.4 Das veränderte Hörverhalten in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg
1.2.5 Die zweite Blütezeit des Hörspiels
1.2.6 Der neue Medienträger Fernseher veränderte die Interessen des Publikums
1.2.7 Der Rundfunk wird populär und die ersten Hörbücher entstehen ...
1.2.8 Die veränderte Rundfunklandschaft verdrängt das Hörspiel
1.2.9 Eine neue Chance für Hörspiele und Hörbücher

2 Die bereits genutzten Medienträger im Hörbuchbereich
2.1 Radio
2.2 Langspielplatte (LP)
2.3 Magnetband
2.4 Music Cassette (MC)
2.5 Compact Disc (CD)
2.6 Digital Audio Tape (DAT)
2.7 Digital Versatile Disc (DVD)
2.8 Hörbücher über Mobiltelefone
2.9 Hörsendungen im Zug
2.10 Internet

3 Verschiedene Audiokomprimierungsverfahren und deren Anwendungsmöglichkeiten
3.1 MP2 (MPEG Audio Layer II)
3.2 MP3 (MPEG Audio Layer III)
3.3 ATRAC3plus
3.4 Dolby Digital AC3
3.5 WMA (Windows Media Audio)
3.6 Real Audio
3.7 Quick Time

4 Marktplatz- und Online-Umfrage zu Hörbüchern
4.1 Interpretation der Ergebnisse der Umfrage
4.1.1 Kaufgewohnheiten
4.1.1.1 Bezugsquellen
4.1.1.2 Hörbuch-Download
4.1.1.3 Kaufentscheidung
4.1.2 Hörgewohnheiten
4.1.2.1 Motivation
4.1.2.2 Hörort
4.1.3 Nutzungsgewohnheiten
4.1.3.1 Nutzungsdauer
4.1.3.2 Nutzungsart
4.1.3.3 Akzeptanz neuer Geräte
4.1.4 Forderungen an die Hörbucheigenschaften
4.1.4.1 Nutzungsort
4.1.4.2 Bedienung
4.1.4.3 Leistungen
4.1.4.4 Bezugsquellen
4.1.4.5 Preis

5 Mögliche Neue Medienträger für den Hörbuchbereich
5.1 Mini Disc (MD)
5.2 Digital Versatile Disc (DVD)
5.2.1 Super Audio Compact Disc (SACD)
5.2.2 DVD-Audio
5.2.3 DVD-Video als „Compact Disc Digital Audio (CDDA)“
5.3 Mobiltelefone
5.4 Personal Digital Assistant (PDA)
5.5 Digital Radio / Digital Audio Broadcast (DAB)
5.6 Digitales Fernsehen / Digital Video Broadcasting (DVB)
5.7 eBooks
5.8 Internet
5.8.1 Offline-Nutzung – Download von Hörbüchern
5.8.1.1 Download von uneingeschränkten Audiodaten
5.8.1.2 Download von eingeschränkten Audiodaten
5.8.1.3 Download von CD- / DVD-Images
5.8.2 Online-Nutzung – Streaming von Hörbüchern
5.9 MP3 (MPEG Audio Layer III) -Player
5.10 AudiLib, der Neue Medienträger und das Abspielgerät in einem
5.10.1 Audioausgabemöglichkeiten beim AudiLib
5.10.1.1 Klinke 3,5 mm (Stereo)
5.10.1.2 Minimal UKW Sender / FM Transmitter
5.10.1.3 Bluetooth
5.10.1.4 Wireless Local Area Network (WLAN)
5.10.1.5 Interne Mobiltelefondienste

6 Selektion und Beurteilung der möglichen Neuen Medienträger
6.1 Technische Realisierungszeit der Neuen Medienträger
6.1.1 Heute umsetzbar
6.1.1.1 DVD-Video als CDDA
6.1.1.2 Internet-Download (eingeschränkt und uneingeschränkt)
6.1.1.3 MP3 Player
6.1.1.4 AudiLib
6.1.2 In 1 bis 2 Jahren umsetzbar
6.1.2.1 MD / Hi-MD
6.1.2.2 DVD-Audio
6.1.2.3 Mobiltelefone
6.1.2.4 Internet-Streaming
6.1.3 In 3 oder mehr Jahren umsetzbar
6.1.3.1 Digital Audio Broadcast (DAB)
6.1.3.2 Digital Video Broadcasting (DVB)
6.1.4 Für Hörbücher nicht relevant
6.1.4.1 Super Audio CD (SACD)
6.1.4.2 eBooks
6.2 Wirtschaftlicher Vergleich der Neuen Medienträger unter Betrachtung der genutzten Medienträger
6.3 Rechtliche Lage für den Einsatz der relevanten Neuen Medienträger

7 Résume

Anhang

Sperrvermerk

Diese Arbeit unterliegt einem Sperrvermerk bis zum 01. Januar 2006.

Abstract

Autor: Marc Fuss

Betreuer: Prof. Dr. Hentrich / Prof. Dr. Martens

Externe Betreuer: Herr Johannes Stricker von der DHV – Der Hörverlag GmbH in München.

Semester: Wintersemester 2003/2004

Thema: Neue Medienträger für Hörbücher in Anbetracht wirtschaftlicher, technischer und rechtlicher Selektion und Bewertung

Inhalt: In dieser Arbeit werden neue Medienträger für den Hörbuchbereich herausgearbeitet und anschließend unter technischen Umsetzungsgesichtspunkten selektiert und beurteilt. Zusätzlich werden ein wirtschaftlicher Vergleich und eine Feststellung der rechtlichen Lage durchgeführt.

Zu Beginn werden Begriffe aus dem Hörbuchbereich eingeführt und ein geschichtlicher Abriss vom Hörspiel bis zum Hörbuch dargestellt, um den Charakter des Mediums und die bisher verbreiteten Hör- und Nutzungsgewohnheiten aufzuzeigen. Dem folgend werden die bisher verwendeten Medienträger im Hörbuchbereich beschrieben und ein Überblick über die bisherigen Komprimierungsverfahren gegeben, auf die sich die neuen Medienträger beziehen. Durch die Interpretation der Ergebnisse der durchgeführten Feldforschung werden die für die neuen Medienträger relevanten Kauf-, Hör- und Nutzungsgewohnheiten der Probanden ausgearbeitet. Im Anschluss der Ausarbeitung der neuen Medienträger werden diese aus der heutigen technischen Sicht und der Informationen aus der Umfrage bezüglich ihrer Umsetzbarkeit selektiert und bewertet. Folgend die Duplikations- und Bereitstellungskosten einem Vergleich mit den alten Medienträgern unterzogen. Abschließend wird die rechtliche Lage bei der Nutzung von neuen Medienträgern untersucht.

Eidesstattliche Erklärung

Ich erkläre hiermit an Eides statt, dass ich die vorliegende Diplomarbeit selbständig und ohne unzulässige fremde Hilfe angefertigt habe.

Die verwendeten Literaturquellen sind im Literaturverzeichnis vollständig angegeben.

Albstadt, 27. Februar 2004

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Hörbuch auf SD-Card z.B. für Mobiltelefone

Abb. 2: Mobiltelefon als Abspielgeräte

Abb. 1: DAB Senderabdeckung in Deutschland bis 2004 .. (Quelle: http://alt..digitv.de/radio/dab_4.shtml, Stand: 07.02.2004)

Abb. 4: DAB Verbreitung in Europa . (Quelle: http://www.worlddab.org, Stand: 24.02.2004)

Abb. 2: DAB Übertragungsschema .. (Quelle: http://www.pro-dab.de/framewid.htm, Stand: 07.02.2004)

Abb. 6: DVB Empfangsgerätevarianten.

Abb. 7: Arcor „Video on demand“-Angeobt – Portalseite . (Quelle: http://www.arcor.de/vod/vod_1_0.jsp, Stand: 24.02.2004)

Abb. 8: Arcor „Video on demand“-Angeobt – Downloadseite .. (Quelle: http://www.arcor.de/vod/vod_1_2.jsp?rubrik=03_08&vid=13848, Stand 24.02.2004)

Abb. 9: Baugruppen des AudiLib

Abb. 10: AudiLib „Der Herr der Ringe“ Variante 1 mit Inhaltsverzeichnis ... als Klappentext

Abb. 11: AudiLib „Der Herr der Ringe“ Variante 2 als Universal Hörbuch

Abb. 12: Bluetooth-Kopfhörer für ein Ohr (Quelle: http://www.bluetooth.com/products, Stand: 24.02.2004)

Abb. 1: Start-Seite der Online-Umfrage für HBN und N-HBN

Abb. 2: HBN – Frage a1_1: Zur Person

Abb. 3: HBN – Frage a1_2: Zur Person

Abb. 4: HBN – Frage a1_3: Zur Person

Abb. 5: HBN – Frage a2_1: Zu Hörbucheigenschaften

Abb. 6: HBN – Frage a2_2: Zu Hörbucheigenschaften

Abb. 7: HBN – Frage a2_3_1: Zu Hörbucheigenschaften

Abb. 8: HBN – Frage a2_3: Zu Hörbucheigenschaften. .. (Nur wenn Frage a2_3_1 „Ja“)

Abb. 9: HBN – Frage a2_4: Zu Hörbucheigenschaften

Abb. 10: HBN – Frage a3_1: Nutzungsgewohnheit

Abb. 11: HBN – Frage a3_2: Nutzungsgewohnheit

Abb. 12: HBN – Frage a3_3: Nutzungsgewohnheit

Abb. 15: HBN – Frage a3_4: Nutzungsgewohnheit

Abb. 16: HBN – Frage a3_5: Nutzungsgewohnheit

Abb. 17: HBN – Frage a3_5_1: Nutzungsgewohnheit

Abb. 18: HBN – Frage a3_6: Nutzungsgewohnheit

Abb. 19: HBN – Frage a3_7: Nutzungsgewohnheit

Abb. 20: HBN – Frage a3_8: Nutzungsgewohnheit

Abb. 21: HBN – Frage a3_9: Nutzungsgewohnheit

Abb. 22: HBN – Frage a4_1: Kaufgewohnheit

Abb. 23: HBN – Frage a4_2: Kaufgewohnheit

Abb. 24: HBN – Frage a4_3: Kaufgewohnheit

Abb. 25: HBN – Frage a4_4: Kaufgewohnheit

Abb. 26: HBN – Frage a4_5: Kaufgewohnheit

Abb. 27: HBN – Frage a6_1: Basisfragen

Abb. 28: HBN – Frage a6_2: Basisfragen

Abb. 29: HBN – Frage a6_3: Basisfragen

Abb. 30: HBN – Frage a6_4: Basisfragen

Abb. 31: HBN – Schluss-Seite der Online-Umfrage

Abb. 30: N-HBN – Frage a4_2+: Kaufgewohnheit

Abb. 31: N-HBN – Frage a4_10: Kaufgewohnheit

Abb. 32: Auswertung – Seite 1

Abb. 33: Auswertung – Seite 2

Abb. 34: Auswertung – Seite 3

Abb. 35: Auswertung – Seite 4

Abb. 36: Auswertung – Seite 5

Abb. 37: Auswertung – Seite 6

Abb. 38: Auswertung – Seite 7

Abb. 39: Auswertung – Seite 8

Abb. 40: Auswertung – Seite 9

Abb. 41: Auswertung – Seite 10

Abb. 42: Umfrageauswertung – Querverbindungen – Seite 1

Abb. 43: Umfrageauswertung – Querverbindungen – Seite 2

Abb. 44: Umfrageauswertung – Querverbindungen – Seite 3

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Radiogeschichte.

Tab. 2: Überblick über die CD-Formate

Tab. 3: Überblick über die DVD-Formate

Tab. 4: Überblick über die DVD-Speicherkapazitäten

Tab. 5: Kostenvergleich MC / CD / DVD

Tab. 6: Kostenvergleich „pro Euro“

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort

Der Einfachheit halber wird nur die männliche Form in dieser Arbeit verwendet, obwohl Frauen als auch Männer gemeint sind.

Für die in dieser Arbeit verwendeten Begriffe Hörbuchnutzer und Nicht-Hörbuchnutzer werden die Abkürzungen HBN (Hörbuchnutzer) und N-HBN (Nicht-Hörbuchnutzer) verwendet.

In der Diplomarbeit wird nicht auf alle Hörbuchgattungen und deren Zielgruppen eingegangen. Diese Bereiche werden durch die Interessensbereiche des Hörverlags begrenzt.

Es ist beabsichtigt, den aus dieser Arbeit entstandenen Neuen Medienträger (siehe Kapitel „5.10 AudiLib, der Neue Medienträger und das Abspielgerät in einem“) für den Hörbuchmarkt zum Patent anzumelden. Zum Zeitpunkt der Diplomarbeitsabgabe läuft der Rechercheauftrag zum Patent noch.

Dank an Herrn Werner Scharly für die Mithilfe zur Erstellung des Prototypen „AudiLib“.

1 Gattungen der akustischen Inhalte mit überwiegendem Wortanteil und deren Formen

1.1 Begriffsdefinitionen im Hörbuchbereich

Allgemein herrscht keine Einigung über die verschiedenen Gattungen von Akustikinhalten mit überwiegendem Wortanteil und es existieren keine genauen Begriffsdefinitionen. Deswegen werden zu Beginn dieser Arbeit die später verwendeten Begriffe und Gattungen definiert, um eine Übereinstimmung bei den Begriffen zu erzielen

Diese begriffliche Verwirrung scheint seitens der verschiedenen Nutzergruppen, den Hörern kommerzieller Produkte und den Rundfunkhörern, aus der geschichtlichen Entwicklung des Hörbuches entstanden zu sein. Ursprung der Gattung ist das Hörspiel aus der Anfangszeit des Rundfunks. Aus dieser sind verschiedene Gattungen und Formen der akustischen Inhalte mit überwiegendem Wortanteil entstanden; später auch das Hörbuch, durch die technische Möglichkeit, Produktionen auf Medienträger zu speichern und diese zu verwerten. Obwohl die kommerzielle und die Rundfunkwelt in Bezug auf Audioinhalte mit überwiegend Wortanteil eng miteinander verbunden sind, da auch Rundfunkanstalten oft Produktionen als „Hörbücher“ alleine oder in Zusammenarbeit mit Verlagen verwerten, tun sich die Nutzergruppen schwer, sich auf Definitionen zu einigen. So wird z.B. von den Rundfunkhörern ein über den Rundfunk ausgestrahltes Hörspiel, das sie selbst auf einen Medienträger aufnehmen, immer noch als Hörspiel bezeichnet. Dagegen wird das gleiche Produkt von Hörern kommerzieller Produktionen als „Hörbuch“ bezeichnet. Aus den Beobachtungen für diese Arbeit ist der Eindruck entstanden, dass Rundfunkhörer die Bezeichnung „Hörbuch“ als eine Art Verunglimpfung der Inhalte ansehen, das für sie zu einer Abwertung des Stückes führt, daher versucht diese Gruppe den Begriff „Hörbuch“ zu meiden. Auf Seiten des Rundfunks und der Verlage hingegen gibt es solche Probleme bzw. Ungereimtheiten nicht.

1.1.1 Akustischer Inhalt mit überwiegendem Wortanteil

Akustischer Inhalt mit überwiegendem Wortanteil wird verstanden als Überbegriff und eigenständige Bildung-, Kunst- und Unterhaltungsart für alle Gattungen und Formen, deren Inhalte einen Wortanteil von 50% und mehr beinhalten. Hierzu gehören alle

„Hörbücher“ und Rundfunksendungen, in denen Hörspiele, Lesungen, Features etc. vermittelt werden. Im Rundfunkbereich sind alltägliche Wortbeiträge, wie z.B. Nachrichten, Informations- und Unterhaltungssendungen, davon abzugrenzen.

1.1.1.1 Hörbuch (engl. audio book)

(Das Hörbuch ist eine Form eines akustischen Inhaltes mit überwiegendem Wortanteil) Zu Hörbüchern zählen alle physikalischen Medienträger (CDs, MCs, neue digitale

Speichermedien etc.), die akustische Inhalte mit überwiegendem Wortanteil wie

Hörspiele, Features, Lesungen etc. beinhalten. Oft werden Hörbücher in Zusammenarbeit zwischen Verlag und Rundfunkanstalt produziert.

1.1.1.2 Hörspiel

(Das Hörspiel ist eine Gattung eines akustischen Inhaltes mit überwiegendem Wortanteil)

Hörspiele sind akustische Inhalte mit überwiegendem Wortanteil, bei denen ein oder mehrere Sprecher verschiedene Charaktere und meist fiktive Handlungen auditiv vorspielen. Hörspiele können Inhalt unterschiedlicher Medienträger (Rundfunk und Hörbücher) und Veranstaltungen (Hörspielkino, HörBAR, etc.) sein.

Das deutsche Hörspiel hat seine Wurzeln im Rundfunk. Seit seinem Ursprung 1923/24, mit dem deutschen Rundfunk, hat sich eine große Bandbreite an Gattungen akustischer Inhalte mit überwiegendem Wortanteil entwickelt, vom umgeschriebenen Theaterstück über das reine Hörspiel bis hin zu besonderen Formen wie dem experimentellen Spiel mit Originaltönen und Interviews.

1.1.1.3 Feature

(Das Feature ist eine Gattung eines akustischen Inhaltes mit überwiegendem Wortanteil) Das Feature ist ein akustischer Inhalt mit überwiegendem Wortanteil, der in Abgrenzung

zum Hörspiel einen nicht fiktiven, sondern dokumentarischen Inhalt in akustischer Form

darbietet. Features können Inhalte unterschiedlicher Medienträger (Rundfunk und Hörbücher) und Veranstaltungen (Hörspielkino, HörBAR, etc.) sein.

1.1.1.4 O-Ton Feature

(Das O-Ton-Feature ist eine Untergattung des Features)

Ein O-Ton-Feature, bestehend aus dem Zusammenschnitt von Originaltönen und Interviews, verzichtet zum großen Teil oder ganz auf einen Off-Text-Sprecher. Diese Kunstform kam vor allem in den 70er Jahren auf, so wurden z.B. aus 65.000 Meter

Magnetbandaufnahmen mit Interviews und Gesprächsmitschnitten ein 100-minütiges Kunstwerk geschnitten.

1.1.1.5 Zeitgeschichtliches Feature

(Das zeitgeschichtliche Feature ist eine Untergattung des Features)

Ein zeitgeschichtliches Feature, bestehend aus dem Zusammenschnitt von Originaltönen und Interviews mit mindestens einem Off-Text-Sprecher, der den Zuhörer durch das Feature führt und den zeitgeschichtlichen Inhalt darbietet.

1.1.1.6 Lesung

(Die Lesung ist eine Gattung eines akustischen Inhaltes mit überwiegendem Wortanteil) Eine Lesung beinhaltet akustische Inhalte mit überwiegendem Wortanteil, bei denen

Texte durch einen Sprecher vorgelesen werden. In Abgrenzung zum Hörspiel werden

verschiedene Charaktere nicht besonders ausgestaltet. Lesungen können Inhalte unterschiedlicher Medienträger (Rundfunk und Hörbücher) und Veranstaltungen (Hörspielkino, HörBAR, etc.) sein.

1.1.2 Veranstaltungsarten zur Aufführung von akustischen Inhalten mit überwiegendem Wortanteil

Nicht nur über die bekannten Medienträger MC und CD wird versucht, mit akustischen Inhalten mit überwiegendem Wortanteil ein breites Publikum zu erreichen. Auch über verschiedene Veranstaltungen versucht man, HBN und N-HBN zu erreichen. Diese Veranstaltungen, wie auch die Räumlichkeiten, werden immer unterschiedlicher. Alle Arten und Variationen lassen sich hier nicht aufzählen. Die Art der Darbietung von akustischen Inhalten mit überwiegendem Wortanteil wurde in den letzten Jahren von immer mehr Menschen akzeptiert und bei diversen Veranstaltungen aufgesucht. Diese Veranstaltungen stellen bereits einen neuen Weg der Verwertung und Werbung für akustische Inhalte mit überwiegendem Wortanteil dar. Inhalte können die unterschiedlichsten Gattungen der akustischen Inhalte mit überwiegendem Wortanteil sein und bereits über oder auf Medienträgern (Rundfunk und Hörbücher) gesendet worden bzw. vorhanden sein.

1.1.2.1 Hörkino / Open-Air-Hörkino

(Das Hörkino und Open-Air-Hörkino ist eine Veranstaltungsart zur Aufführung von akustischen Inhalten mit überwiegendem Wortanteil.)

Die Inhalte werden öffentlich in Kinos oder Open-Air-Kinos aufgeführt, teilweise im Beisein der Autoren, Regisseure oder Sprecher der Inhalte.

1.1.2.2 HörBAR

(Die HörBAR ist eine Veranstaltungsart zur Aufführung von akustischen Inhalten mit überwiegendem Wortanteil.)

Die Inhalte einer HörBAR werden öffentlich in Theatern, Bars oder ähnlichen Räumlichkeiten aufgeführt, teilweise im Beisein der Autoren, Regisseure oder Sprecher der Inhalte.

1.1.2.3 Live-Hörspiel

(Das Live-Hörspiel ist eine Veranstaltungsart zur Live-Aufführung von akustischen Inhalten mit überwiegendem Wortanteil.)

Die Inhalte des Live-Hörspiels werden öffentlich an den unterschiedlichsten Veranstaltungsorten live im Beisein der oder durch die Autoren, Regisseure oder Sprecher der Inhalte dargeboten.

1.2 Die Entwicklung vom Hörspiel zum Hörbuch

Der Weg von den Anfängen der akustischen Inhalte mit überwiegendem Wortanteil bis zu den heute bekannten Gattungen und Formen erlebte Blütezeiten und Zeiten, in denen die Gattung fast vergessen wurde. Stets war der Weg jedoch eng mit der Entwicklung des Rundfunks verbunden. Die Kenntnis der historischen Entwicklung akustischer Inhalte mit überwiegendem Wortanteil ist wichtig, um zu erkennen aus welchen Gründen und in welcher Form diese Inhalte immer wieder interessant wurden und wie das Hörbuch entstand. Gründe, die auch heute eine Rolle spielen und dem Hörbuch bei seiner Verbreitung helfen können.

1.2.1 Die Anfänge in den 20er Jahren

Die Anfänge des Hörspiels liegen im Dunkeln, die ersten Hörspiele existieren schon lange nicht mehr. Aber die Entstehung des deutschen Hörspiels ist eng verbunden mit dem Start des deutschen Rundfunks, der am 29. Oktober 1923 in Berlin den Sendebetrieb aufnahm. Andere Städte wie Frankfurt, Köln, Leipzig, Hamburg, Breslau und München folgten rasch. Der Rundfunk wurde in der Weimarer Republik zu einer Zeit eingeführt, in der nahezu 50 Prozent der Arbeiter arbeitslos waren, ein Brot 5.000 Millionen Mark kostete und Wochen heftiger Hungerdemonstrationen die junge Republik erschütterten.

Die Programmverantwortlichen waren dennoch begeistert und Hans Bredow, der Staatssekretär im Reichspostministerium und Vater des deutschen Rundfunks, sagte:

„Das Radio wurde in einer Zeit der tiefsten wirtschaftlichen und seelischen Not wie ein befreiendes Wunder begrüßt und wird hier als Kulturfaktor betrachtet, dessen Auswirkungen auf das kulturelle, politische und wirtschaftliche Leben nicht hoch genug angeschlagen werden kann … zum ersten Mal seit der Erfindung der Buchdruckkunst ist eine Möglichkeit geschaffen worden, geistige Güter gleichzeitig ungezählt zu übermitteln ... und es ist verständlich, dass der nach Nahrung hungernde Teil der Menschheit sich in Masse zu dem Radio drängt.“[1]

1.2.2 Hörspiele – „Das Schöne und Wahre im Rundfunk“

Der damalige Geschäftsführer der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft Kurt Magnus sah im Jahre 1927 die Aufgaben des Rundfunks wie folgt:

„Der Rundfunk ist verpflichtet, alles dasjenige seinen Hörern in rundfunkgeeigneter Form zu bieten, was Deutschlands große Geister geschaffen haben. Der Rundfunk ist weiter verpflichtet, einen Querschnitt durch den gegenwärtigen Stand unserer Kultur zu bringen.“[2]

Mit dieser Absicht, schönes, gutes und wahres[3]

Programm zu senden und dem Bildungsbedürfnis und der Aufnahmefähigkeit der Zuhörer gerecht zu werden, wurde das Hörspiel im Rundfunk geschaffen. Die eigentliche Geburtsstunde des deutschen Hörspiels war lange umstritten. Inzwischen gilt das am

24. Oktober 1923 ausgestrahlte Stück „Zauberei auf dem Sender“ von Hans Fleisch als erstes deutsches Hörspiel. Anfangs wurden für die Gattung noch unterschiedliche Begriffe wie Sendungsspiel, Sendespiel, Funkspiel, Funkdrama oder akustischer Film verwendet. Auch waren die ersten Sendespiele nicht originär für den Rundfunk geschrieben. Als Stellvertreter des Theaters, der Oper, des Konzerts, der Vorträge, der Kaffeehausmusik und des lokalen Teils der Presse bediente man sich deren Vorlagen und Werke.

In der Anfangszeit spielte man vor allem Stücke mit wenigen Personen in der Form von Lesungen mit verteilten Rollen, später gab es dann die ersten Versuche, größere Werke der klassischen Literatur umzusetzen. Im November 1924 wurde in Hamburg die Inszenierung von Johann Wolfgang von Goethes „Faust II“ als literarisches Rundfunkereignis gefeiert. Wenig später ermöglichte der Autor Arnolt Bronnen mit seiner Bearbeitung von Friedrich Schillers „Wallensteins Lager“ (3. Januar 1925) die erste Aufführung eines literarischen Hörspieles im deutschen Rundfunk. Die Schauspieler spielten in Kostüm und Maske, um die Suggestivkraft zu erhöhen. Die Wirkung auf die Hörer war wohl beträchtlich, wie Arnolt Bronnen vermerkte:

„Das spürte ich schon bei meinem Mechaniker, bei dem ich mir damals, zu Beginn meiner Auto-Leidenschaft, des Öfteren einen kleinen Wagen zu entleihen pflegt, und wo ich alsgleich in eine kunsttheoretische Debatte verwickelt wurde. Ich war erstaunt, wie richtig dieser nach dem Sprach- Gebrauch als ungebildet zu bezeichnende Mann, für den Wallenstein und seine Generäle doch wenig mehr als bloße Namen waren, die menschlichen Taten, aus den menschlichen Anlagen entspringend, einschätzte.“[4]

1.2.3 Die erste Blütezeit des Hörspiels und seine Probleme

Der Reiz des neuen Mediums war groß:

„Am 01. Juli 1924 gab es bereits 100.000 Rundfunkteilnehmer, deren Zahl im

2. Halbjahr 1924 bis auf eine Million anwuchs.“[5]

Bis 1926 wurden bereits 600 Werke von 280 Dramatikern gesendet. Das Theater, an dessen Werken man sich immer noch stark bediente, sah in dem neuen Medium Hörfunk nun eine gefährliche Konkurrenz. Aber die Zahl der Hörfunk-Mitarbeiter war in diesen ersten Jahren gering. Eigenständige Hörspielabteilungen gab es bis Anfang der 30er Jahre nicht. Obwohl seit 1925 etwas über zwei Prozent des Gesamtprogramms aus Hörspielen bestand, blieben die berühmten Autoren noch immer reserviert. Nicht nur die geringen Honorare hielten die Autoren vom Funk ab, das technische Medium wurde auch von vielen für etwas Vulgäres, für Unterhaltung und Belehrung in plumper Art gehalten.

Die Rundfunkintendanten erkannten schnell diese Probleme, und obwohl sie schon befürchteten, dass es dem Rundfunk so ergehen würde wie dem Film, der völlig zur Industrie und zu deren Angestellten abgesunken war, wurde erreicht, dass der Rundfunk Ende der 20er Jahre auch kulturell anerkannt wurde. Vor allem durch die auf drei Millionen angewachsene Hörerzahl und den daraus vergrößerten Etats der Sendegesellschaften auf 36 Millionen Mark – eine zur damaligen Zeit im kulturellen Bereich unvorstellbar große Summe – wurde der Rundfunk zu einer Macht.

Anfang der 30er Jahre gab es einen enormen quantitativen Zuwachs. 1930 zählte man 854 dramatische Sendespiele, bis 1932 war das Radioangebot bereits auf

1.400 Hörspiele, Hörfolgen und Hörspielgattungen für Erwachsene angestiegen und wurden in der Regel in zur besten Sendezeit nach 20 Uhr abends ausgestrahlt. Durch die gestiegenen Etats der Sendegesellschaften konnte man nun auch Autoren wie Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Günter Eich, Erich Kästner, Hermann Kesser, Eduard Reinacher und Hermann Kasack für das neue Medium gewinnen.

Die Arbeit war sehr anstrengend, da die meisten Sendungen noch nicht aufgezeichnet und daher live produziert wurden. Hierzu berichtet Erich Kästner 1929,

„Ich hatte anderthalb Stunden Gelegenheit zu beobachten, mit welcher Präzision die Inspizienten und ihre Handlanger zu arbeiten verstehen. Und ich sah auch, welche Mühe und welche Aufmerksamkeit diese Präzision erfordert. Kein Wort darf gesprochen oder auch nur geflüstert werden. Zwanzig Menschen, über zwei Räume und einen Flur, der die Säle verbindet, verteilt, und jeder hält ein Textbuch in der Hand, in dem der Regisseur mit Blau- und Rotstift inszeniert hat, und jeder wartete auf bestimmte Winke, winkt weiter, winkt wieder, führt Winkbefehle aus! … Er selber, der Regisseur sitzt inzwischen in

seiner Isolierzelle, hört per Radio, was außerhalb seiner Zelle geschieht, gibt durch ein Fenster Wink-Kommandos, jagt seine Sendboten zu den Inspizienten, sie möchten den Regen das nächste Mal besser machen, und zu der Schauspielerin X, sie möge lauter sprechen oder eindringlicher weinen. Und zwischendurch verschlingt er ein Wurstbrötchen, weil er den ganzen Tag schon gesprochen und einstudiert und gewinkt hat.“[6]

Die Periode vor dem 2. Weltkrieg wird als die erste Blütezeit des Hörspiels in Deutschland bezeichnet, in der auch vom Hörspiel gesagt wurde, dass es die Krönung des Funks sei. Das meistgespielte Hörspiel in der Weimarer Republik stammte von Ernst Johannsens, es spielt in einer unterirdischen Telefonvermittlungszentrale an der Front. Dieses Stück, „Brigadevermittlung“, wurde mehr als 50-mal in elf Ländern gesendet.

„Der Deutsche Rundfunk schrieb 1931 von einem Welterfolg, wie er bei Werken der Film- und Bühnenkunst vorkommt, den es aber bei einen Hörspiel noch nicht gegeben habe.“[7]

Literarische Hörspiele, dramatische Reportagen, Zeithörspiele, gesellschaftskritische Hörspiele und Kriegs- und Nachkriegsspiele prägten in der Weimarer Republik die Rundfunksendungen. Trotz allem war in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg das Hörspiel bei bekannten Autoren immer noch sehr umstritten und nicht bei allen anerkannt. Manche Autoren sagten auch, dass sie sich an den Rundfunk verkauften, weil er ihre Existenz sichere. Hörspiele wurden um 1932 zunehmend aufgezeichnet und konnten dadurch auch wiederholt werden.

1.2.4 Das veränderte Hörverhalten in der Zeit vor dem

2. Weltkrieg

Die Hörspiele entwickelten sich in den einzelnen Regionen unterschiedlich. Während in Frankfurt das Hörspiel als soziologisches Experiment und Lehrstück galt, versuchte man in Breslau Hörspiele in Auftragsarbeiten zu erstellen, bei denen vor allem die Zusammenarbeit zwischen Autoren und Komponisten wichtig war. In Leipzig setze man auf junge Autoren, und in Bayern pflegte man das Volksstück.

1933 lag der Gesamtprogrammanteil der Hörspiele immer noch bei zwei Prozent, aber bis 1938 fiel er auf unter ein Prozent und verschwand in den Kriegsjahren fast ganz, obwohl mancher Rundfunkbericht einem Hörspiel sehr ähnlich war. Auch das Hörerverhalten

änderte sich. Man kam nicht mehr in feierlicher Stimmung in kleinen Gemeinschaften zusammen, um Hörspiele zu hören, sondern hörte Rundfunksendungen einzeln oder allenfalls im Kreise der Familie mehr oder minder aufmerksam zu, meist mit Nebenbeschäftigung, Nebenunterhaltung, Nebengeräuschen oder in Bahnhofs- und anderen Wartesälen, in Mannschaftsstuben, in Wirtshäusern und Kantinen, in Schreibzimmern und Krankenhäusern. Zusammengefasst, an Orten oder bei Gelegenheiten, bei denen Hörspiele als unliebsame Unterbrechung von der als angenehm empfundenen musikalischen Dauerberieselung empfunden wurden.

Ab 1938 begann das Hörspiel fast ganz zu verschwinden, da die Hörspielmitarbeiter zum Film oder zu anderen Medien abwanderten oder zum Militär eingezogen wurden. In der darauf folgenden Zeit entstand im Einheitsprogramm des „Großdeutschen Rundfunks“ ein beinahe hörspielfreies Programm. Ganz verschwunden war das Hörspiel allerdings nicht, es blieb rudimentär als (Propaganda-) Kurzhörspiel erhalten, und Ende 1944 wurde in München die Sendung „Bühne im Rundfunk“ eingerichtet. Sie sollte „Deutschlands hoch entwickelte Bühnenkunst lebendig halten“, darunter Werke von Goethe, Lessing, Kleist.

1.2.5 Die zweite Blütezeit des Hörspiels

Die zweite Blütezeit erlebte das Hörspiel nach dem Ende des 2. Weltkrieges, als Theater und Kinos geschlossen, Zeitungen und Bücher knapp waren und der Hörfunk nahezu das einzige und damit konkurrenzlose kulturelle Medium darstellte.

“Hörspiele waren Theater und Film-Ersatz und den deutschen Hörern sollten die bedeutendsten Werke der klassischen sowie die neue Bühnenliteratur des In- und Auslandes als Funkliteratur nahe gebracht werden“[8]

Ende 1945 gingen der NWDR und etwas später der SWF mit Carl Zuckmayers „Der Hauptmann von Köpenick“ und Jean Cocteaus „Die menschliche Stimme“ als erste Hörspiele auf Sendung.

Die Grenzen zwischen Hörspielen, Lesungen und Features waren fließend, doch

„das Interesse und das Orientierungsbedürfnis der Hörer waren groß, der Nachholbedarf enorm, und so saßen bis 1959 30 bis 40 Prozent der Hörer vor dem Radio, um Hörspiele zu hören und nachhaltige Hörerlebnisse zu haben.“[9]

Die ersten populären Hörspiele dieser Zeit verarbeiteten den Krieg, den Zusammenbruch Deutschlands und die Gefangenschaft. Das erste dieser erfolgreichen Hörspiele

„Draußen vor der Tür“, von Wolfgang Borchert, war ursprünglich für das Theater gedacht. Das Echo war sensationell. Die Hörer waren

„empört, gepeinigt, erschrocken, befreit, zornig, erschüttert abwehrend und dankbar“[10],

berichteten Zeitgenossen. Wie am Ende der Weimarer Republik waren die Hörspiele wieder ein Spiegelbild der Gesellschaft und trugen zu der Verarbeitung gesellschaftlicher Probleme bei.

In dieser Zeit wurde das Hörspiel erstmals ein besonderer und bald etablierter Teil der literarischen Kultur. Mehr als 1.000 Hörspiele, darunter ca. 120 Uraufführungen, wurden jährlich von den Hörspielredaktionen realisiert. Die Einschaltquote lag bei rund 50 Prozent, was ca. 12 Millionen Menschen entsprach.

„In den Fünfzigerjahren wurde nicht selten der wöchentliche Hörspieltermin wie ein Theaterbesuch eingeplant und vom übrigen Alltag abgeschirmt. Für die Familie besaß die Hörspielsendung eine bedeutende kommunikationsfördernde Funktion. Als mit den Sechzigerjahren das Fernsehen diese Rolle übernahm, verdrängte es den Hörfunk von seinem Rang. Das Radio versuchte sich in seinen Präsentationsformen den veränderten Bedingungen anzupassen. Das Hörspiel jedoch sollte in besonderer Weise unter dem sich verändernden Hörverhalten leiden und für den Hörer an Attraktivität verlieren.“[11]

1.2.6 Der neue Medienträger Fernseher veränderte die Interessen des Publikums

Bereits 1951 wurde ein Honorar zwischen DM 1.000,00 bis DM 2.000,00 an die Autoren bezahlt. Die Attraktivität nahm bis 1962 mit Honoraren von DM 2.000,00 bis zu DM 4.500,00 zuzüglich Zuschläge für Wiederholungen oder Übernahmen anderer Sender noch zu. Daher war zwar in den 50er Jahren nahezu jeder bedeutendere deutschsprachige Schriftsteller irgendwann einmal als Hörspiel-Autor tätig, wie z.B. Günter Eich, Ilse Aichinger, Alfred Andersch, Heinrich Böll, Max Frisch, Wolfgang Hildesheimer, Marie Luise Kaschnitz, Ingeborg Bachmann,

Friedrich Dürrenmatt und Günter Grass. Zum Teil wurden entstandene Produktionen zuerst als Hörspiel und dann als Roman („Stiller“ von Max Frisch), als Theaterstück („Herr Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch) oder als Film (diverse Stücke von Alfred Andersch) herausgebracht. Dennoch konnte sich der Rundfunk und mit ihm das Hörspiel nicht gegen das neue Medium Fernsehen wehren.

„Bereits Anfang der 60er Jahre ließ das Interesse am Hörspiel nach. Die öffentlich-rechtlichen ARD Radios verloren ihre Alleinherrschaft im Äther. Das neue ARD Medium Fernsehen übernahm die publizistische Bedeutung des Hörfunks, drängte außerordentlich rasch gerade in die abendlichen und kulturdominierten Radiozeiten – und machte aus Hörern Zuschauer und aus Hörspiel-Autoren nun auch Drehbuch-Autoren.“[12]

Das Radioprogramm wandelte sich, es folgte die Pop- und Jugendwelle, man führte die stündlichen Nachrichten ein und verbannte die Hörspiele aus dem Abendprogramm. Das Radio und das Hörspiel hatten noch keine ausreichende künstlerische Tradition, um dem Medium Fernsehen die Stirn bieten zu können. So wurde das Radio wie schon einmal zum Nebenbei-Medium, und Unterbrechungen wie das Hörspiel störten nur die musikalische Berieselung.

Durch die Konkurrenz des Fernsehens verlor das Hörspiel nach 1965 sein Massenpublikum. Während im Hörspielprogramm traditionelle, literarische und unterhaltende Hörspiele weiterhin die Mehrheit bildeten, entstand in dessen Schatten das „Neue Hörspiel“ Es beschäftigte sich mit den spezifischen ästhetischen Möglichkeiten des Mediums, was in vielen Fällen zu abstrakten Klangexperimenten und künstlerischen Sprachreflexionen führte. Die meist jungen Autoren fanden in der experimentellen Kunst der 20er Jahre ihre Vorbilder. Doch diese Gattung fand nur zögernd Anerkennung und so hatte diese Kunstform nur eine kurze Blütezeit. Es gab aber auch erstaunliche Projekte, wie O-Ton-Projekte, bei denen z.B. Ferdinand Kriwet aus

65.000 Metern Magnetband ein 100-minütiges Werk aus Interviews und Gesprächsmitschnitten zusammensetzte. Dies wurde nur durch die neue Technik des tragbaren Tonbandgerätes möglich. Natürlich war das „Neue Hörspiel“ nur ein vergleichsweise geringer Teil eines umfassenden Programms. Unterhaltungshörspiele, Wiederholungen klassischer Stücke, Krimis, Dialektspiele oder literarische Neuproduktionen bildeten weiterhin den Kern.

1.2.7 Der Rundfunk wird populär und die ersten Hörbücher entstehen

In den 70er Jahren verschwand das Hörspiel aus den populären Ersten Programmen der Sender und fand in den hörerarmen und für Minderheiten bestimmten Zweiten und Dritten Programmen seinen Platz. Obwohl die Hörspiele auch in dieser Zeit rund 2 Prozent des Gesamtprogramms ausmachten, erreichten sie auf Grund der geringeren Hörerschaft nur noch eine Minorität.

Es stand wieder einmal nicht gut um das Hörspiel. Doch machte die technische Neuerung, wie die Stereofonie, die Ausgabe von Büchern zum Hörspiel und die gelegentliche Ausgabe von Schallplatten oder Kassetten das Hörspiel bei seinen Anhängern wieder interessanter. Der Schallplatten- und Kassettenversand brachte die Hörspiele erstmals materiell aus dem Radioprogramm, und nun standen die Inhalte dem Hörer zeitunabhängig zur Verfügung – dies sollte nun ein immer wichtigeres Thema werden und den akustischen Inhalten mit überwiegendem Wortanteil eine ganz neue Welt, die der Kommerzialisierung, öffnen. In öffentlichen Bibliotheken fanden die Hörbücher allerdings noch lange keinen Platz.

In den 80er Jahren sendeten die neun Landesrundfunkanstallen sowie RIAS Berlin und der Deutschlandfunk jährlich ca. 1.500 Hörspiele. Das Angebot reichte vom Thriller über die Familienserie, vom Dialektstück bis zum experimentellen Hörstück. Doch hatten die Hörspiele nur noch einen Anteil von 0,8% in der Programmstatistik (Werbung 1,6%) der Rundfunkanstalten.

1.2.8 Die veränderte Rundfunklandschaft verdrängt das Hörspiel

Die Einführung des dualen Rundfunks 1985/86 veränderte die Radio- und Hörspielszene radikal und erzwang äußerst schmerzhafte Neuorientierungen.

„Das dem Schönen, Wahren oder Experimentellen verschriebene Hörspiel war plötzlich dem Markt ausgesetzt und reagierte verstört.“[13]

Auf einmal galt die Faustregel, je stärker das Hörspiel vom „Normalen“ abwich, desto exotischer wurde der Sendeplatz. Aber generell wurden die Sendezeiten für Hörspiele immer später in die Nacht verlagert.

Die Diskussion um Einschaltquoten und Einsparungen nahm stets zu, und immer, wenn es um diese Punkte ging, geriet das Hörspiel unter Druck. 1990 hatten die Hörspiele nur noch einen Anteil von 0,6% im ARD-Rundfunk-Programm.

„Dabei hatte sich die Zahl der Hörspiele im Dualen System gar nicht reduziert: weiterhin wurden jährlich an die tausend Hörspiele gesendet, Jahr für Jahr kamen etwa 150, zählt man die Kürzestproduktionen mit, gar 700 Neuproduktionen dazu, und auch die Selbstkosten pro Sendeminute waren den öffentlich-rechtlichen Anstalten einiges wert. Die ARD investierte in ihr Hörspiel immer noch mehr als in den Sport; obwohl die Programmkosten von 577 DM (1987), 549 DM (1992), 447 (1994) auf 480 DM (1996) pro Sendeminute

reduziert wurden, blieb der Hörspiel das mit Abstand teuerste Radiogenre (1987 kostete die Durchschnittsminute 102 DM, 1996 85 DM). 62 Millionen DM gab die ARD 1992 für ihre Hörspielproduktion aus, 44 Millionen für den Sport, 77 Millionen für die Unterhaltung. Und doch: Wir senden in Frankfurt pro Jahr circa 220 Hörspiele. Diese 220 Sendungen kommen mit Etatmitteln zustande, die nicht höher sind als die Produktionskosten eines einzigen Fernsehfilms.“[14]

1.2.9 Eine neue Chance für Hörspiele und Hörbücher

Und trotz allem wagte man sich immer mehr an Superlative. So wurde 1995 das bis dato recht unbekannte Buch „Sofies Welt“ von Jostein Gaarder, ein 600-seitiges Werk, als Hörspiel umgesetzt.

„Als S 2 Kultur die fünfzehn Folgen von Sofies Welt später am Stück in einer Radionacht ausstrahlte, standen die Telefone nicht still. Mehr als fünfhundert Anrufe und einige hunderte Faxe offenbarten ein enormes Interesse an dem zeitenübergreifenden Philosophiespiel. Und unter den Anrufen waren nicht nur ausgesprochene Hörspielfans. Auch ein Fernfahrer meldete sich, der überlegte, ob er auf einer Raststätte anhalten und dort das Hörspiel weiter hören sollte, weil er das Sendegebiet verlassen muss“[15]

Dieses akustische Werk verhalf nicht nur dem Buch sondern auch einer neuen Bühne für akustische Inhalte mit überwiegendem Wortanteil, der Vermarktung von Hörbüchern durch Verlage, zum Erfolg. Anfänglich waren Hörbücher nur auf den Medienträgern LP und MC erhältlich, ab Ende der 90er auch auf CD. „Sofies Welt“ ist bis heute noch beim Hörverlag lieferbar.

Das Hörspiel suchte immer mehr den Weg heraus aus dem Radio und

„so, wie früher einmal Theaterstücke für das Hörspiel adaptiert wurden, gilt es heute, Hörspiele zu schreiben, die aus dem Medium heraus in die Welt ihren Platz finden, vielleicht auch auf Bühnen funktionieren können – und es gilt, Wege zu finden, die in der Produktion so aufwendigen Kunstgebilde Hörspiel auch anders als nur in dem flüchtigen Medium der Ätherwellen und in den unzugänglichen Archiven der Rundfunkanstalten zu bewahren.“[16]

Bereits im Mai 1999 schrieb „WDR print“, das Hörspiel boomt und die Hörspielszene sei in Bewegung.

- Es gibt in den verschiedenen Hörfunkredaktionen intensive Versuche, durch neue Hörspielkonzepte dem Bedeutungsverlust zu begegnen. Fritz Pleitgen, WDR- Intendant und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, rief 2001 sogar eine „Offensive fürs Kulturradio“ aus, was vor allem der WDR durch weitere Neupositionierungen von Hörspielen verwirklichte.
- In den Buchhandlungen und Bücherkaufhäusern lässt sich erkennen, dass heute so viele Hörbücher (MC und CD) verkauft werden wie nie zuvor. In den letzten 10 Jahren wurde eine Vielzahl von Hörbuch-Verlagen gegründet, und das Hörspiel ist auf Hörbüchern, zu einem Wirtschaftsfaktor geworden. Der Bayrische Rundfunk bietet mehr als 100 CD Titel und der Hörverlag, Marktführer in diesem Segment, fast 700 Titel an. 22 Millionen Euro setzte 2001 etwa der Hörverlag um: Thomas Manns

„Buddenbrooks“ verkaufte sich in einem Jahr 25.000-mal und „Der Herr der Ringe“

(J.R.R Tolkien) über 100.000-mal.

„Im Jahr 2005 wird der Umsatz an Audiobooks auf 150 Millionen DM allein in Deutschland geschätzt. In den USA steigt die Buchauflage von Taschenbüchern um 20 Prozent, wenn sie auf dem Tonträger Audiobook vorliegt.“[17]

„Für das Jahr 2003 haben die Verlage inzwischen 7.000 neue erscheinende Hörbücher angekündigt.“[18]

- Inzwischen sind aber auch wieder Hörspiele zum Kulturfaktor avanciert, doch nicht nur im Radio. Anders als in den 50er Jahren schreiben Autoren akustische Inhalte mit überwiegendem Wortanteil nicht mehr ausschließlich und exklusiv für den

Rundfunk, sondern gehen auch auf die Bühne, in HörBARs und in Clubs. Das Live- Hörspiel wird von immer mehr Menschen akzeptiert.

- Auch die Zusammenarbeit mit Institutionen außerhalb des Rundfunkbereichs ist inzwischen üblich geworden.

„Intermedium etwa, das Netzwerk für Medienkunst, ist interdisziplinär und versteht sich als Initiative aus dem Medium Hörfunk, um die künstlerische Kooperation mit anderen Medien und Künsten zu erproben.“[19]

- Selbst im Internet und Fernsehen wird versucht, akustische Inhalte mit überwiegendem Wortanteil zu etablieren. So werden die Inhalte immer multimedialer, interaktiver und jederzeit zugänglich. Ein eigenständiges und vielfältig verwertbares Marktprodukt ist entstanden.

Die Verwertungskette hat sich also längst von der reinen Radiolandschaft auf die multimedialen Medien ausgeweitet und erfährt dort großen Zuwachs seitens der Hörer.

2 Die bereits genutzten Medienträger im Hörbuchbereich

Über die Zeit von 1923, der Entstehung von Hörspielen, bis heute wurden immer wieder unterschiedliche Medienträger zur Verbreitung dieser akustischen Inhalte mit überwiegendem Wortanteil genutzt. Anfänglich wurde nur der Rundfunk genutzt, auf Grund neuer technischer Möglichkeiten, der Schellack-Platte und dem Wachsplatten- Verfahren, konnten schon recht früh die Aufführungen mitgeschnitten, wiederholt und später vertrieben werden – man sprach aber noch nicht vom Hörbuch. Erst mit der Schellack-Platte und nach 1948 mit der Langspielplatte. Das Tonbandgerät kam Ende der 50er auf. Es ermöglichte zum einen eine wesentliche bessere Tonqualität, zum anderen war die Produktion seit dem TK 9 „Spulen-Tonbandgerät“ (von Grundig 1953 herausgebracht) mobil geworden. Daraus entwickelte sich dann in den 60er Jahren eine ganz neue, äußerst kunstvolle Hörspielform, das „Neue Hörspiel“ (Avantgarde O-Ton Feature). Das Tonbandgerät setzte sich jedoch im Bereich des Endverbrauchers nie richtig durch und wurde dann auch Mitte bis Ende der 60er Jahre mit der Einführung der MC schon nach sehr kurzer Zeit fast ganz vom Markt verdrängt. Die MC startete ihren Siegeszug. Erstmals war ein robustes, kleines, qualitativ hochwertiges, einfach wieder bespielbares und preiswertes Medium auf den Markt gekommen. Durch seine guten Eigenschaften und stetigen Verbesserungen wurde die MC rasch vom Endverbraucher akzeptiert, und wird bis heute benutzt. In den 80er Jahren waren alle großen Firmen auf der Suche nach dem digitalen Nachfolger der Langspielplatte, und es gab auch verschiedenste Versuche und Alleingänge. Den Durchbruch schafften dann Philips und Sony mit der Audio-CD, die 1983 auf den deutschen Markt kam. Die Silberscheibe überzeugte den Endverbraucher, sie ist handlich, frei von Knistern, Knacken und Rauschen und durch die berührungslose Abtastung verschleißfrei. Außerdem wurde bereits seit Jahren ein solcher Medienträger von der Musikindustrie gefordert. Die Einführung des Digital Audio Tapes (DAT) 1987 scheiterte an der zögerlichen Einführungsstrategie, man wollte den bereits anlaufenden CD-Player-Absatz nicht gefährden. Obwohl die Qualität besser war und zusätzliche Funktionen wie Indizierung und Aufnahme bot, setzte sich DAT nur im Studiobereich durch, wo es heute noch im Einsatz ist. Nachdem sich mit der CD der erste digitale Standard durchgesetzt hatte, folgte man wieder den Maximen nach mehr Speicherkapazität und kleineren Datenträgern. Dies war vorerst ausschließlich mit Datenkompressionen zu schaffen, hier bei gab es wieder verschiedene Alleingänge der Herstellerfirmen wie die Digital Compact Cassette (DCC) von Philips und MiniDisc (MD) von Sony. Wirklich durchsetzen konnte sich keine, wobei die MD bis heute auf dem Markt ist und weiterhin verkauft wird. Das nächste Medium, das den Durchbruch schaffen sollte, ist die Digital Versatile Disc (DVD); mit Ihrem Standard wurde nicht nur der Sound standardisiert, sondern auch das Videoformat. Die DVD wird bis heute hauptsächlich als Videomedium gesehen und löst voraussichtlich in diesem Bereich das alte VHS-/ S-VHS-System ab. Die DVD-Video als reines Audiomedium ist fast gar nicht auf dem Markt vertreten, dies liegt wohl daran, dass von der Musikindustrie hier für speziell Audio-Medienträger im DVD-Stil für den Markt geplant sind. Die Super Audio Compact Disc (SACD) und die Audio Digital Versatile Disc (Audio-DVD) sind für den Audiobereich zukünftig gedacht und bieten einen noch besseren Sound als die CD und DVD-Video.

2.1 Radio

Die akustischen Inhalte mit überwiegendem Wortanteil sind seit ihrer Entstehung eng mit dem Rundfunk verbunden. Die ersten Hörspiele wurden über diesen Medienträger übertragen und fanden immer wieder in der Geschichte, mal mehr und mal weniger, Anklang bei den Zuhörern. Anfangs hatten sich die Inhalte gegen Konkurrenten wie Theater und Kino durchzusetzen und schafften dies, nicht allein durch die Zerstörungen der Theater und Kinos in den beiden Weltkriegen, sondern auch durch die Neugierde der Bevölkerung an dem Neuen. Aber auch in der Zeit, in der Theater und Kinos betrieben wurden, gab es immer wieder Phasen, in denen die Bevölkerung den Medienträger Radio und die akustischen Inhalte mit überwiegendem Wortanteil schätzten. Dies kam in der Anfangszeit besonders durch den Wissensdrang der Bevölkerung nach dem verlorenen Krieg und sicher auch von dem Bedürfnis „nach Schönem, Neuem und Wahrem“, was die Grundsätze des Rundfunks und Hörspiels waren.

Während des 2. Weltkriegs verkümmerte das Hörspiel durch die neue zentrale Lenkung des Rundfunks und die Ansicht, dass diese Sendeform nicht notwendig sei. Erst in den letzten Kriegsjahren besannen sich die Radiomacher wieder auf diese Gattung. Aber nach dem Krieg schaffte es das Hörspiel zur zweiten Blütezeit. Wieder konnte der Rundfunk die Gunst der zerstörten Theater und Kinos nutzen und fesselte mehr Menschen an sich als je zuvor. Zudem liefen die akustischen Inhalte mit überwiegendem Wortanteil zu den besten Sendezeiten, ließen in Stuben und Hörsälen Familien und Gruppen versammeln und erneut zusammenwachsen. Sie halfen den Menschen nicht nur die schreckliche Kriegszeit zu verarbeiten, sondern schafften Hoffnung und Zuversicht auf bessere Zeiten.

Ernste und schließlich übermächtige Konkurrenz bekam das Radio durch das Fernsehen, das 1952 in der BRD sein Programm startete. Wie zuvor trafen sich nun Familien und Gruppen, um Fernsehen zu schauen, bei denjenigen, die sich ein solches Empfängergerät leisten konnten. Aber nicht nur, dass das Fernsehen die Hörer zu Zuschauern verwandelte, auch die Tatsache, dass das Fernsehen bald bessere Gagen bezahlte, ließ die Macher und Arbeiter vom Radio und „Hörspiel“ zum Fernsehen und Fernsehspiel wechseln. Währendessen wurden Theater und Kinos aufgebaut und in Betrieb genommen, das Radio verlor seinen nicht gefestigten Status als Kulturmedium erneut. Die Hörgewohnheiten der Zuhörer änderten sich, das Radio wurde zum Dauerberieselungsmedium.

Die akustischen Inhalte mit überwiegendem Wortanteil wurden als störende Unterbrechung angesehen und verschwanden aus den besten und guten Sendezeiten und dann aus den ersten Sendern in das zweite und dritte Programm. Es wurden zwar immer noch Hörspiele produziert, jedoch vor allem auf Grund der geringen Produktionskosten und der zur Verfügung stehenden Tonstudios in den regionalen Rundfunkstationen. Als Mitte 1985 die Stunde des Privatfunks zu schlagen begann, stand das Hörspiel in einem noch größeren Konkurrenzkampf und rutschte auch in den zweiten und dritten Programmen noch weiter ab.

Doch der seit Mitte der 90er Jahren einsetzende positive Trend bei den Hörbüchern wurde 1999 von dem Magazin „WDR print“ als Boom bezeichnet. Ebenso sprechen die steigenden Umsatzzahlen der letzen 10 Jahren für die „Hörbücher“. Es scheint den Menschen wieder mehr an Bildung, Kultur und Unterhaltung in diesem Format zu liegen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Radiogeschichte

Das Radio ist allerdings immer noch ein Nebenbei-Medium, das hauptsächlich zur Berieselung genutzt wird. Die Vielzahl der Sender erlaubt es, dass jeder für seinen Musikgeschmack einen geeigneten Sender findet. Die akustischen Inhalte mit überwiegendem Wortanteil sind weiterhin im Kulturbereich der Senderlandschaft, in den

„zweiten“ und „dritten“ Programmen platziert. Zwar haben es einige Comedy-Kurz- Hörspiele in die Hauptsendezeiten geschafft, aber einen Durchbruch, der bei einem

„Boom“ zu erwarten wäre, gab es noch nicht. Die „Kultursender“ erreichen in

Deutschland gerade mal 10 Prozent[20] der Hörer und damit nur eine kleine Gruppe. Für diese Hörer und den Kulturauftrag der Sendeanstalten entstehen jedoch jährlich 40 Prozent[21] der Produktionskosten. Im Jahr 1996 produzierte z.B. der WDR 220 neue Hörspiele,

„Diese 220 Sendungen kommen mit Etatmitteln zustande, die nicht höher sind als die Produktion eines einzigen Fernsehfilms.“[22]

Die 40 Prozent Produktionskosten relativieren sich daher wieder.

Um den Rundfunk für die „digitale Zukunft“ zu rüsten, wird versucht das Digital Audio Broadcast (DAB) in Deutschland und Europa einzuführen. Seit den ersten Versuchen des DAB hat sich auf diesem Gebiet nichts getan, auch die Regierungsbeschlüsse, das „alte“ analoge Radio 2010 – 2015 abzuschalten, sieht man noch nicht als nahe. Einen endgültigen Beschluss, wann es nur noch DAB geben wird, gibt es derzeit noch nicht – im Gegensatz zum DVB, das 2010 das bisherige Fernsehen ablösen soll. DAB bietet mit der neuen digitalen Technik vor allem eine Erleichterung bei der Sendersuche und Verbesserungen im Bereich der Tonqualität und ermöglicht Datendienste. So bietet DAB für den Hörer momentan eine höhere Tonqualität, die mit dem Musicam-Verfahren MPEG-1 Layer II encodiert übertragen wird. Dies ist mit einer Datenrate zwischen 8 kBit/s und 192 kBit/s und Stereokanal schon sehr nah an der CD-Klangqualität und bei weitem besser als die Radio-Klangqualität, die bei einer Rate von ca. 56 kBit bis 64 kBit liegt. Der Datendienst leistet zum einen das, was das Radio-Daten-System (RDS) heute schon auf UKW bietet – Musiktitel, Programmhinweise, Telefonnummern und dergleichen zu übermitteln – aber es kann auch mit anderen programmbegleitenden Daten (PAD) Textübertragungen von Verkehrsnachrichten, Personenrufdienste und elektronische Zeitungen übermitteln. Mit den nicht programmbegleitenden (NPAD) steht ein „Push“ Informationsdienst zur Verfügung, mit dem der Hörer in die Lage versetzt wird, auf bestimme Datenangebote zuzugreifen.

Das Sendenetz von DAB erstreckt sich bereits über fast ganz Deutschland, nur einzelne Inseln sind noch nicht abgedeckt. Dies wird sich aber sicher in den nächsten Jahren ändern.

Für die Hörerschaft der nicht kommerziellen akustischen Inhalte mit überwiegendem Wortanteil ist das Radio, in analoger oder digitaler Form, noch immer der originäre Medienträger. Es ist das Beschaffungsmedium für diese Hörergruppe. Die Hörsendungen werden mitgeschnitten, zeittypisch nicht mehr mit Tonbandgerät oder Kassettenrecorder und Mikrofon, sondern mit digitalen Geräten, wie dem PC und DAT-Recorder über DAB-Empfänger. Diese Aufnahmen werden oft getauscht, was für die Rundfunkanstalten und Verlage Verluste bedeutet. Was diese ideelle Hörergruppe nicht sieht, ist, dass

inzwischen die Rundfunkanstalten auf die weitere Vermarktungskette der akustischen Inhalte mit überwiegendem Wortanteil angewiesen sind. Denn viele Produktionen der Rundfunkanstalten gehen nicht nur über den Äther, sondern werden in Kooperation mit Verlagen verwertet.

2.2 Langspielplatte (LP)

Mit der ersten Schallplatte, der Schellackplatte, gab es bereits zu Anfang des

20. Jahrhunderts eine Möglichkeit, Ton auf ein Medium aufzunehmen, um es später wiedergeben zu können. Anfangs waren diese Platten sehr teuer und Aufnahmegeräte noch nicht soweit entwickelt, dass sie zur Aufnahme des Radioprogramms genutzt werden konnten. Aber bereits Ende der 20er Jahre wurden auf diversen Mischformen der Wachs- und Schellackplatte im Rundfunkbereich Hörspiele mitgeschnitten, was eine Wiederholung der Sendung ermöglichte. Eine Revolution erlebte dieser Medienträger zwischen 1948 und 1952 auf der ganzen Welt. 1948 reichte Peter Goldmark für

„Columbia“ das Patent der Mikrorillen-Schallplatte aus Vinyl ein. Diese Vinyl-Platte wurde die Langspielplatte mit einem Durchmesser von 30 cm, der Abspielgeschwindigkeit 33 1/3 U/min und einer Spieldauer von 45 Min. Zur gleichen Zeit entwickelte „RCA Victor“ eine Kunststoffplatte mit einem Durchmesser von 17 cm und einer Abspielgeschwindigkeit von 45 U/min; aus ihr entstand die Single. Die Musikfreunde waren von der neuen „Platte“ begeistert, da sie robuster war und eine wesentlich bessere Qualität hatte als alle Vorgängervariationen. Zwar musste man sich einen neuen Plattenspieler kaufen, da die alten Abspielgeräte mit einer Abspielgeschwindigkeit von 48 U/min nicht kompatibel waren, aber der bessere Ton machte dies wieder wett. Die Qualität des Tones wurde über die Jahre immer wieder gesteigert – durch Stereo LP, HiFi, Dolby etc., jedoch kam es zu einem großen Einbruch des Schallplattenmarktes in den 80er Jahren. Der Grund dafür war die CD, welcher vorerst die Zukunft gehören sollte. Ganz wurde die Schallplatten-Produktion nicht eingestellt. In bestimmten Musikbereichen die Schallplatte der CD gegenüber bevorzugte, und so wurden 1997 noch 8,3 Millionen Platten verkauft.

Vor allem im Radio laufende akustische Inhalte mit überwiegendem Wortanteil wurden anfangs auf dem Medienträger Schallplatte aufgezeichnet, um diese Stücke später oder in anderen Rundfunkstationen zu wiederholen. Bereits in den frühen Hörbuchjahren wurden Hörspiele von den Rundfunkstationen auf „Vinyl-Platte“ und in Buchform an die Hörer ausgegeben – man sprach aber noch nicht von „Hörbüchern“. In den 60er, 70er und 80er Jahren waren dann Kinder-, Jugend- und Märchenhörbücher besonders erfolgsversprechend, auf LP und später auf MC. Zu dieser Zeit haben sich nur die Tonträger „Vinyl-Platte“ und Music Cassette beim Endverbraucher durchgesetzt und stellten so in der damaligen Zeit die Tonträgermedien dar. Hörbücher erreichten damals nur einen sehr geringen Marktanteil in der Tonindustrie. Es wurden fast ausschließlich Musikproduktionen verkauft, eine Ausnahme machten nur die oben genannten Genres der Hörbücher. Für die heute beliebte kommerzielle Hörbuchliteratur kam die Entwicklung den Verlagen zuvor. Als die Vermarktung der Hörbücher begann, war die „Schwarze

Platte“ schon zu einem großen Teil durch den neuen Medienträger CD im Markt verdrängt. Außerdem würde ein „Hörbuch“ von heutiger Größe (6 CDs) mit einer Spieldauer von 291 Min. („Per Anhalter ins All – Teil 1 bis 6“ von Douglas Adams, DHV – Der Hörverlag GmbH) 7 LPs füllen, abgesehen von der schlechteren Qualität, Abnutzung und Robustheit des Medienträgers, wäre dies schon ein stattliches Paket.

2.3 Magnetband

Bereits 1935 wurde das Magnetophon K1 von AEG zusammen mit dem neuen Magnetophonband der BASF auf der Funkausstellung mit großem Erfolg präsentiert. Über die Jahre wurde das System verbessert und war mit dem vormagnetisierten Magnetogrammträger lange Zeit allen anderen Tonträgerverfahren seitens der Tonqualität weit überlegen. Im Jahre 1946 kamen erstmals Magnetbandgeräte für Schallplattenaufnahmen zum Einsatz und 1948 wurde in den USA das erste professionelle Studio-Tonbandgerät (Ampex Modell 200) eingesetzt. Im professionellen Studiobereich sind noch heute analoge Mehrspurtonbandgeräte in Betrieb. Eine Revolution gelang Grundig 1953 mit dem „Koffer-Tonbandgerät TK 9“, dadurch war es das erste Mal möglich, „mobil“ Tonbandaufnahmen zu erstellen und anzuhören. Durch die Eigenschaft, dass man Magnetbänder unterschiedlicher Aufnahmequellen zusammenschneiden konnte und so komplette Sendungen auf Band vorproduzieren konnte, kam nun die „Aktualität“ der Sendungen hinzu. Im gleichen Jahr, in dem der Stereo-Ton bei den Schallplatten Einzug hielt, wurde er auch bei den Tonbandgeräten eingeführt. In die Massenproduktion gingen die Tonbandgeräte und Magnetbänder nie – im Gegensatz zur LP und MC. Obwohl die Tonqualität fast von Beginn so gut war – und ständig verbessert wurde – und es bereits 1953 ein mobiles Aufnahme- und Abspielgerät gab, kam der Medienträger beim Endverbraucher nicht an, dies liegt sicher auch an den hohen Kosten, die durch die Magnetbänder anfielen und heute noch anfallen – selbst Tonstudios benutzten nach der Löschung der alten Aufnahmen die Bänder zum Teil mehrfach. Aber die Handhabung, Robustheit und Langlebigkeit des Mediums ließ bzw. lässt sehr zu wünschen übrig und bot so anderen Medienträgern wie der MC eine große Chance auf dem Markt. Ebenso für die Musikindustrie war dieser Medienträger wohl nie ein geeignetes Medium, da keine vorbespielten Tonbänder auf den Markt kamen – den Recherchen zu dieser Arbeit nach. Dieses Medium war einfach dem ambitionierten Hobby „Toningenieur“ und den professionellen Tonstudios vorbehalten.

Im Bereich der Hörbücher spielte und spielt dieser Medienträger auch nur im Tonstudio und der O-Ton-Feature Gattung, dem „Neuen Hörspiel“, eine Rolle. Zwar ermöglichte er erst das Entstehen des „Neuen Hörspiels“ in den 70er Jahren – eine Kunstform, die durch den Zusammenschnitt verschiedenster O-Tonquellen versuchte den Zeitgeist wiederzugeben. Aber kommerziell konnte das Magnetband nie für Hörbücher genutzt werden.

2.4 Music Cassette (MC)

Als Philips 1963 ein neues Bandmedium in Kassettenform auf der Funkausstellung in Berlin präsentierte, war die Überraschung für die Besucher perfekt. Zwar wurde diese Ton-Compact Cassette noch mit einem Eisenoxid-Band betrieben und war in der Tonqualität nicht besonders gut, aber es hatte die Eigenschaften: Handlichkeit, Robustheit, einfache Bedienung und Langlebigkeit gegenüber den bis dahin existierenden Medienträgern eindeutig auf seiner Seite. Dies ist sicher auch der Grund, warum noch bis in die heutige Zeit Music Cassetten auf dem Markt sind und in einigen Bereichen wie dem Automotiv-Sektor immer noch nicht weg zu denken sind. Bereits 1965 begann die industrielle Herstellung, und der Preis fiel über die Jahre stets ab – das im Radiogerät integrierte Kassettengerät wurde in den 70er zum Jedermann-Gerät. Zugleich wurde das Aufzeichnen von Beiträgen der Radiosender und das Kopieren von Kassettenaufnahmen verbessert und vereinfacht. In den 70er Jahren kam dann die erste Chromdioxid-Cassette auf den Markt, welche Aufnahmen in HiFi-Qualität ermöglichte, und die Entwicklung der Rauschunterdrückung durch Ray Dolby in den Jahren 1966 Dolby A, 1970 Dolby B, 1981 Dolby C und 1990 Dolby S steigerte die Tonqualität der analogen Music Cassetten immer wieder aufs Neue. Heute noch gehen Music Cassetten über den Ladentisch, aber weit weniger als in den 80er Jahren. Denn durch die CD-, MD- und MP3-Player hat der Medienträger in all seinen Einsatzbereichen – Automotiv, Walkman und Heimbetrieb – starke Konkurrenz bekommen.

Für die Hörbücher war die MC als Medienträger der erste große Schritt zur kommerziellen Vermarktung. Unzählige Hörbücher, Serien-, Jugend- und Kinderhörbücher gab es. Die wachsenden Möglichkeiten Ende der 70er und in den 80ern, z.B. durch

„WALKMAN“ und billige Kompaktanlagen, eigene Hörbereiche im Kinderzimmer zu schaffen, waren neu und eröffneten Kindern und Jugendlichen einen neuen Freiraum. Das Kinderzimmer wurde so oft zur Hör- Abenteuerwelt. Die Hörbücher für Erwachsene fanden den Weg ins Auto über Music Cassetten zu ihren Hörern und haben dort heute noch eine relativ große Anhängerschaft. Über zwei Jahrzehnte hinweg war die Music Cassette der Begleiter vieler Menschen und wird daher heute auch mit Ausstellungen[23] gewürdigt. Die Spielzeiten der Music Cassette variierten von 5 bis 210 Min., wobei sowohl die sehr kurzen wie auch die sehr langen Bänder immer Exoten waren. Die Normlängen sind 60, 90 und 120 Min. Daher eignen sich auch heute noch Music Cassetten für den Vertrieb von Hörbüchern durch ihre variable und lange Spielzeit – z.B. Agatha Christies Hörbuch „Mord im Pfarrhaus“ auf 2 MCs mit einer Spielzeit von 190 Min. – aber auch die große Verbreitung der Abspielgeräte spricht für diesen Medienträger.

2.5 Compact Disc (CD)

Die Compact Disc kam 1982 auf den Markt und stellt bis heute die letzte große Revolution auf den Tonträgermarkt dar – das digitale Zeitalter erhielt Einzug. Entwickelt wurde die CD gemeinsam von Philips und Sony, aber auch alle anderen Firmen der Tonträgerindustrie lenkten schnell auf diesen neuen Medienträger um. Die CD ist ein Medium, das von der Musikindustrie schon lange gefordert wurde. Durch die Einigung zwischen den beiden Firmen kamen1983 schon 300 Titel und 1985 sogar 5.000 Titel auf den Markt – noch nie zuvor wurde ein neues Tonträgermedium so schnell und in dieser Menge von der Industrie akzeptiert und eingeführt. Lange Zeit gab es nur CD-Abspielgeräte, und durch den Kopierschutz und die „schlechten“ Anschlussmöglichkeiten, die seitens der Hersteller an den Geräten zur Verfügung standen, blieben digitale und annähernd gleich gute Kopien vorerst aus. 1987 wurden mehr CD-Player (fast eine Million) als Plattenspieler (650.000) verkauft, der Medienträger war auch in punkto Gunst der Verbraucher schnell erfolgreich. Erst 1997 mit dem Verkauf der ersten erschwinglichen CD-Rekorder – 1992 bei der Einführung der Rekorder kosteten diese noch ca. DM 12.000,00 – als Standalone Geräte oder PC-Laufwerke kam das Problem der Kopien für die Musikindustrie wieder auf. Die Compact Disc verdrängte in den 90er Jahren auf ihrem Siegeszug die Langspielplatte. Zwar gibt es immer noch kleine Gruppen, welche die LP der CD vorziehen, aber im Allgemeinen ist die CD noch das Musikmedium unserer Zeit. Auch der Verkauf von MCs ging durch die Compact Discs zurück, dennoch hat auch die MC noch eine große Anzahl von Anhängern und kann auf eine Vielzahl von Abspielgeräten in Privathaushalten blicken.

Für den Anwender ist sicherlich die Langlebigkeit der CD ein großer Vorteil. Weil das Medium berührungslos abgetastet wird – anders als bei den bisherigen Medienträgern – ist auch noch in Jahren mit einer gleich bleibenden Tonqualität zu rechnen. Außerdem kann die CD gegenüber ihrem Vorgänger auf kleinem Raum gelagert werden, ist einfacher zu handhaben und bietet wesentlich mehr Möglichkeiten Daten und Ton zu speichern. Die große Zahl unterschiedlicher Formate ist allerdings für den

„gewöhnlichen“ Benutzer auch häufig problematisch.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Überblick über die CD-Formate[24]

Der Medienträger Compact Disc ist von Anbeginn seines Erscheinens 1983 auf dem Siegeszug und ein geeigneter Medienträger für Hörbücher. Der „Silberling“ war bereits in der Zeit der Gründung vieler Verlage im Hörbuchbereich akzeptiert und löste 1991 die LP als Verkaufsbestseller von bespielten Medienträgern ab (21 Millionen CDs zu 19 Millionen LPs).

Ein Grund der Musikindustrie, die CD so zu fördern, war sicher die große Kopiersicherheit der CD, denn bis Mitte/Ende der 90er gab es keine erschwinglichen CD-Recorder, mit denen Kopien in gleicher Tonqualität erstellt werden konnten. Der finanzielle und wohl wichtigste Grund war aber, dass die Musikindustrie alle bereits vorhandenen Inhalte nochmals auf dem neuen Medienträger verkaufen konnte und so an diesen Werken noch einmal verdiente. Der Verkaufspreis der CD hält sich nun schon seit über 15 Jahren auf annährend gleichem Niveau (damals DM 30,00 / heute EUR 16,00), obwohl der reine Duplikationspreis auf ca. 5% (EUR 1,00) des ursprünglichen Preises gesunken ist – Preis für CD, Inlay, Booklet und CD-Hülle. Dabei behauptete die Musikindustrie 1985 noch, dass

„in etwa zwei Jahren der CD-Preis auf rund 23 Mark gefallen sein wird“,[25]

was sich jedoch nicht einstellte. Stattdessen wurde die Differenz zwischen den Herstellungskosten des „Silberlings“ und den Verkaufspreisen bis heute immer größer. Daraus resultiert sicher auch die große Kopierfreudigkeit der Endverbraucher, die inzwischen auf anderen Wegen versuchen, wenn auch illegal, so doch wesentlich günstiger an die gewünschten Daten zu kommen. Dies trifft aber nicht für den Hörbuchbereich zu. Zum einen ist er am Buchmarkt angelehnt und daher mit seinen Produktpreisen an das Buch „gebunden“, zum anderen benötigen Hörbücher meist auf Grund der Datenmenge mehr als einen Datenträger – so z.B.: „Blausäure“ (von Agatha Christie) auf 3 CDs, „Per Anhalter ins All“: 6 CDs, „Der Herr der Ringe“: 10 CDs und

„Harry Potter 5“ (Joanne K. Rowling): 27 CDs. Vor allem fallen viel mehr Kosten auf Grund der Lizenzsituation (siehe Kapitel „6.3 Rechtliche Lage für den Einsatz der relevanten Neuen Medienträger“) an, und auch die Verpackungen können nicht mehr

„von der Stange“ gekauft werden. Zu guter Letzt werden im Vergleich von Hörbüchern zu Musik CDs auch wesentlich geringere Stückzahlen von Hörbuch-CDs verkauft. Die Preise im Hörbuchbereich sind daher gerechtfertigt.

Die Problematik des Kopierschutzes wird im Bereich der Hörbücher als nicht so wichtig angesehen, da zum einen die Integration eines solchen Schutzes zu große Kosten verursacht, die Kompatibilität der CD bei Geräten im Automotiv-Bereich gefährdet und zum anderen die Hörerschaft klein ist und einer Gesellschaftsschicht entspricht, in der man bisher keine größere Gefahr sieht. Der Ruf nach einem neuen, wieder sicherem Medium, ist daher nicht so groß wie in der Musikbranche. Dennoch fordert die Datenmenge und somit die Unhandlichkeit großer CD-Sammlungen einen neuen geeigneten Medienträger.

2.6 Digital Audio Tape (DAT)

Auf Grund des großen Erfolges der CD bereits in Ihrer Anfangszeit wurde das DAT System bei seiner Markteinführung 1985 vernachlässigt. Das Digital Audio Tape war mit einer besseren Tonqualität ausgestattet (Samplingrate 48kHz anstatt 44.1kHz bei der CD), und man konnte von Anfang an Daten vom Endverbraucher auch in digitaler Qualität speichern. Genau dies war wohl der wahre Grund, warum die CD der DAT vorgezogen wurde. Durch die geringen Marketingmaßnahmen und auf Grund der Tatsache, dass es keine vorbespielten Bänder gab, hat sich dieses System nicht in der Masse durchgesetzt. Nur im Studiobereich, wo es noch heute im Einsatz ist, konnte es sich etablieren und wird gerne als Sicherungsmedium genutzt.

Wie das Magnetband wird auch das DAT-System nicht für die Auslieferung an den Konsumenten verwendet. Nur als Sicherungsband für Hörbuchproduktionen findet es Verwendung.

2.7 Digital Versatile Disc (DVD)

Ursprünglich war DVD die Abkürzung für Digital Video Disc, die als Standard für die Speicherung von Videoinformationen mit dem System des SD-ROM (Super Density Read Only Memory) konkurrierte. Aus beiden Systemen wurde Ende 1995 ein einheitlicher Standard geschaffen, für den seit Anfang 1996 die offizielle Bezeichnung DVD als Abkürzung für Digital Versatile Disc gilt, da dieses Speichermedium nicht ausschließlich für Videofilme, sondern auch für Softwareprodukte genutzt wird.[26]

Heute ist die DVD vor allem als Medienträger für Filme bekannt und hast sich gegen ihre Konkurrenten, den analogen Systemen, durchgesetzt. Aber nachdem bereits Ende 1999 die DVD-Verschlüsselung – Verschlüsselung der Film- und Musikindustrie – gehackt wurde, ist für die Film- und Musikindustrie ein Alptraum wahr geworden. Trotz der raffinierten und wohl durchdachten Vermarktungsstrategiesicherungen wie die Implementierung einer bis dahin kopiersicheren Verschlüsselung und eines Ländercodes wurden die Rufe mit der Zeit immer lauter nach einem neuen besseren und sichereren Medium – wie nach dem neuen Format Blu-ray, das mit blauem Laser arbeitet und dadurch Datenstrukturen feiner auf ein Medium schreiben kann. Blu-ray basiert auf dem DVD-System und wird eine 128-Bit-AES-Verschlüsselung besitzen, welche die alte Kopiersicherheit erneut herstellen soll. Die DVD-Industrie hat sich mit der Kopiersicherheit und dem Ländercode eine gute Vermarktungsstrategie angelegt Damit ist es ihr möglich, Filme und Musik in unterschiedlichen Regionen zu veröffentlichen,

ohne die Angst zu haben, dass Endverbraucher regionsübergreifend dieses Medium kaufen, da es nur auf DVD-Abspielern mit dem gleichen Regionalcode wie der DVD funktioniert – außerdem gibt es noch die Bildformatunterschiede PAL und NTSC, welche die alten TV-Standardgrenzen einbezieht. Was die DVD so erfolgreich macht, – sie hat sich bis heute als neuer Medienträger durchgesetzt – ist die gemeinsame Entwicklung des Mediums durch das DVD-Forum. Dem DVD-Forum gehören von Anfang an die Firmen Hitachi, JVC, Matsushita, Mitsubishi, Philips, Pioneer, Sony, Thomson, Time Warner und Toshiba an und seit 1997 auch Sanyo und Sharp. Dieser geballten Ladung an Firmen aus Hard- und Software, wie auch aus der Musikindustrie, stand bei der Einführung des Mediums nichts im Wege. Auch die Leistungen der DVD sind gigantisch:

[...]


[1] Leonhard, Joachim-Felix: Programmgeschichte des Hörfunks in der Weimarer Republik. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1997, S. 23

[2] Magnus, Kurt: Die Rundfunkbewegung im Jahre 1927. Berlin: In: Archiv für Funkrechte, 1928, S. 6

[3] Krug, Hans-Jürgen: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2003, S. 14

[4] Krug, Hans-Jürgen: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2003, S. 15

[5] Würffel, Stephan B.: Das deutsche Hörspiel. Stuttgart: Metzler, 1978, S. 11

[6] Krug, Hans-Jürgen: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2003, S. 17

[7] Krug, Hans-Jürgen: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2003, S. 27

[8] Lersch, Edgar: Rundfunk in Stuttgart 1934 – 1949. Stuttgart: Süddeutscher Rundfunk 1990, S. 160

[9] Krug, Hans-Jürgen: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2003, S. 47

[10] Wellershoff, Dieter: Die Arbeit des Lebens, Autobiographischer Bericht. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1985

[11] Ohde, Horst: Das Literatische Hörspiel – Wortkunst im Massenmedium. München: In: Fischer, Ludwig: Literatur in der Bundesrepublik bis 1967, 1986, S. 470

[12] Krug, Hans-Jürgen: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2003, S. 65

[13] Krug, Hans-Jürgen: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2003, S. 91

[14] Krug, Hans-Jürgen: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2003, S. 94

[15] Krug, Hans-Jürgen: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2003, S. 100

[16] Ammer, Andreas: Dankeswort Kriegsblindenpreis 1996. Zit. Nach Klaus Schöning: Schriftsteller und Hörspiel, S. 161

[17] Lindenmayer, Christoph: Besseres verlegen, weniger veröffentlichen! Den Verlagen mangelt es an zukunftsträchtigen Konzepten. Bonn: In: Dokumentation: Formate für Bücher. Information, Kritik und Promotion in Fernseh- und Hörfunksendungen. Fachtagung für Fernseh- und Hörfunkredakteure, Autoren und die Medienfachpresse. Hrsg. Von der Bundeszentrale für politische Bildung, 2000, S.14

[18] Krug, Hans-Jürgen: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2003, S. 8

[19] Kapfer, Herbert: Intermedium: Netzwerk für Medienkunst.. München: In: X-0 Identität im 21. Jahrhundert. Katalog zu Intermedium 2, 2002, S. 5

[20] Krug, Hans-Jürgen: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2003, S. 95

[21] Krug, Hans-Jürgen: Kleine Geschichte des Hörspiels. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2003, S. 95

[22] Klem, Hartwig: Die Kunst muss möglich bleiben. In: epd / Kirch und Rundfunk 38, 1986, S.9

[23] Rüdenauer, Ulrich: Zollern-Alb Kurier. Kulturspiegel. Kleine Tonträger mit großer Bandbreite. Balingen: Druck- und Verlagshaus Hermann Daniel GmbH & Co. KG, 27.12.2003

[24] Leibniz-Rechenzentrum der Bayrischen Akademie der Wissenschaft, URL: http://www.lrz- muenchen.de/services/peripherie/cd-formate/#CD-Spezialfaelle, Stand: 10.01.2004

[25] Wienforth, Ulrich.: STEREO – Magazin für HiFi – High End – Musik. Sonderheft 1/2004. Euskirchen: Reiner H. Nitschke Verlags-GmbH, 2004, S. 11

[26] Microsoft: Encarta Enzyklopädie Professional 2004 DVD, Stichwort: DVD, Stand: 25.01.2004

Ende der Leseprobe aus 130 Seiten

Details

Titel
Neue Medienträger für Hörbücher in Anbetracht wirtschaftlicher, technischer und rechtlicher Selektion und Bewertung
Hochschule
Hochschule Furtwangen
Note
1,1
Autor
Jahr
2004
Seiten
130
Katalognummer
V50296
ISBN (eBook)
9783638465427
ISBN (Buch)
9783638684699
Dateigröße
9853 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Diplomarbeit ist in Zusammenarbeit mit dem Hörverlag in München entstanden. Die Diplomarbeit ist in Zusammenarbeit mit dem Hörverlag in München entstanden.
Schlagworte
Neue, Medienträger, Hörbücher, Anbetracht, Selektion, Bewertung
Arbeit zitieren
Marc Fuss (Autor), 2004, Neue Medienträger für Hörbücher in Anbetracht wirtschaftlicher, technischer und rechtlicher Selektion und Bewertung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50296

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