Status Quo und Entwicklungsperspektiven der Eigenkapitalmärkte in China


Seminararbeit, 2005

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Status Quo und Kennzahlen der Börsen Shanghai und Shenzhen

3. Chinesische Marktsegmentierung und Investitionsmöglichkeiten für ausländisches Kapital
3.1. Nicht-handelbare Aktien
3.2. Handelbare Aktien
3.3. Qualified Foreign Institutional Investors

4. Die chinesischen Börsen als Möglichkeit zur Unternehmensfinanzierung
4.1. Zulassungsverfahren und Zulassungsvoraussetzungen
4.2. Bedeutung der chinesischen Börsen als Primärmarkt
4.3. Entwicklung des Primärmarkts

5. Die Börse Hongkong als Gewinner der Defizite am chinesischen Aktienmarkt

II. Anhang

III. Literaturverzeichnis

IV. Internet-Verzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die chinesische Wirtschaft wuchs im Jahr 2004 gemessen am realen Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 9,5 % (Hawser 2005, 4). Für 2005 kündigte der Chefvolkswirt der chinesischen Statistikbehörde, Yao Jingyuan, einen Anstieg des BIP von 8,6 % an (vgl. http://boerse.ard.de/content/)

Ganz im Kontrast dazu steht die Entwicklung an den Aktienbörsen in Shanghai und Shenzhen, den wichtigsten Eigenkapitalmärkten des Landes: 2004 verlor der Shanghai Composite Index, der bedeutendste Aktienindex des Landes, fast 21 %, im laufenden Jahr sind es bis zum 30.09.2005 bereits 7 % (vgl. Anhang). Im gleichen Zeitraum (2004) konnte der Deutsche Aktien-Index um 6 % zulegen, die deutsche Wirtschaft wuchs jedoch nur um 1,7 % (vgl. Anhang; Statistisches Bundesamt 2005, 6).

Trotz hoher Wachstumsraten der chinesischen Wirtschaft und eines guten Umfelds auf den internationalen Börsen befinden sich die beiden chinesischen Aktienmärkte seit Mitte 2001 auf Talfahrt. Die Gründe für die anhaltend schlechte Performance chinesischer Aktien liegen vor allem an den Besonderheiten des chinesischen Aktienmarktes selbst:

Die größten Defizite der Börsen in Shanghai und Shenzhen liegen gegenwärtig in

der dualen Rolle des Staates als zugleich oberster Regulierer und größter Anteilseigner der Börse und somit in regulatorischen Defiziten, einer fehlenden Corporate Governance und Shareholder-Value in den Unternehmen, der hohen Anzahl spekulativer Anleger ohne Expertise, der Marktsegmentierung und dem dadurch limitierten Zufluss von Kapital und Erfahrung ausländischer Investoren, den beschränkten Zugangsmöglichkeiten zur Börse als Mittel zur Unternehmensfinanzierung.

Die vorliegende Arbeit gibt zu Beginn einen Überblick über die wichtigsten Daten zur Börsensituation der Volksrepublik China. Bei der Betrachtung des Status Quo und der Entwicklungsperspektiven des chinesischen Aktienmarktes wird der Schwerpunkt jedoch auf die beiden letztgenannten Defizite gelegt.

Dies geschieht im Hinblick auf die grundsätzlichen Funktionen der Börse als Primär- und Sekundärmarkt (vgl. Franke, Hax 2004, 53) und die besonderen Umstände in China: Einerseits benötigt die stark expandierende chinesische Wirtschaft die Börse als Kapitalgeber für weiteres Wachstum. Andererseits schafft der Aktienmarkt nur mit ausländischem Kapital, und somit externem Know-How, den Sprung vom bisherigen Emerging Market zum etablierten Börsenplatz.

2. Status Quo und Kennzahlen der Börsen Shanghai und Shenzhen

Der chinesische Aktienmarkt mit seinen Börsen in Shanghai und Shenzhen rangierte Ende 2004 mit einer Marktkapitalisierung von insgesamt 313,1 Mrd. € auf Rang 5 der asiatischen Börsen hinter Tokyo, Hongkong, Taiwan und Südkorea (vgl. SHSE 2004, 18; SZSE 2004, 17, 159-160 und eigene Berechnungen siehe Anhang)

Die Shanghaier Börse wurde im Dezember 1990 eröffnet, die Börse in Shenzhen nahm ihre Arbeit im Juni 1991 auf. Beide Börsen entstanden auf Bestreben der dortigen Provinzregierungen und wurden erst im Nachhinein von der Staatsführung im Rahmen der fortschreitenden Verwirklichung einer „Sozialistischen Marktwirtschaft“ offiziell genehmigt (Domes 1998, 6; Heilmann 2002, 16).

Die Entwicklung der Börsen in Shanghai (219,8 Mrd. € Marktkapitalisierung Ende 2004) und Shenzhen (93,3 Mrd. € Marktkapitalisierung Ende 2004) ist dabei auch für aufstrebende, junge Börsen (Emerging-Markets) rasant: Waren in Shanghai zu Beginn des Handels 1990 8 Firmen gelistet, vervielfachte sich diese Zahl bis zum Jahresende 2004 auf 837 Firmen, die insgesamt 881 Aktien an der Börse Shanghai emittiert hatten (China Statistical Yearbook (CSY) 2003, 163; Sanghai Stock Exchange (SHSE) 2004, 18).

In Shenzhen wurde der Handel im Juni 1991 mit 6 Unternehmen aufgenommen. Bis zum 31.12.2004 waren dort 536 Firmen mit insgesamt 578 Aktien gelistet (CSY 2003; SZSE, 2004, 17).

War die Entwicklung der beiden Börsen bis Ende 1999 sowohl bezüglich der Anzahl gelisteter Unternehmen als auch bezüglich der Marktkapitalisierung in etwa gleich, so verstärkt sich seit 2000 der Trend zu Shanghai als wichtigstem Börsenplatz in China.

Da in China jedes Unternehmen nur an einer der beiden Börsen notiert sein kann, ergibt sich als Gesamtzahl für den festlandchinesischen Markt 1373 gelistete Firmen und 1459 Aktien.

Die unterschiedliche Anzahl an Firmen und dazugehörigen Aktien ergibt sich durch die spezielle Marktsegmentierung Chinas (siehe Punkt 3).

Überwacht und reguliert werden die beiden Wertpapiermärkte und ihre Teilnehmer seit der Einführung des Securities Law of the Republic of China im Dezember 1998 von der Staatlichen Wertpapieraufsichtskommission, der China Securities Regulatory Commission (CSRC) (vgl. Securities Law 1998, Artikel 166 und 167). Die Etablierung der CSRC und die damit einhergehende Zentralisierung der die Aktienmärkte betreffenden Entscheidungen führte zwar zu Verbesserungen im Bereich der Marktmanipulationen und der Qualität der gelisteten Unternehmen (Green 2004, 193-194). Im Vergleich zu den Regulierungsorganisationen anderer Staaten wie etwa der amerikanischen Securities and Exchange Commission (SEC) ist die CSRC jedoch keine unabhängige Instanz, sondern defacto an die Weisungen des chinesischen Staatsrats (die chinesische Exekutive) gebunden (Green 2004, 194-196).

Somit kann der Staat als zugleich größter Anteilseigner aller Unternehmen direkt Einfluss zu seinen Gunsten auf regulatorische Entscheidungen nehmen.

Auch Corporate Governance (Definition s. Prigge 199, 148) und Shareholder-Value (Definition s. Perridon, Steiner 2002, 15-16) entsprechen nicht dem internationalen Standard. So sehen Chu und Tally zwar einen Fortschritt in dem im Januar 2001 von der CSRC erlassenen Code of Corporate Governance for Listed Companies in China (CSRC 2001, 1), weisen jedoch auf weiterhin bestehende Benachteiligungen von Minderheitsaktionären hin (2003, 20-23).

3. Chinesische Marktsegmentierung und Investitionsmöglichkeiten für ausländisches Kapital

3.1. Nicht-handelbare Aktien

Am Sekundärmarkt einer Börse können bereits emittierte Aktien gegen Geld von den Anlegern getauscht werden, wodurch Liquidität erzeugt wird (vgl. Spremann, Gantenbein 2005, 20).

In China machten die 64,7 Prozent nicht-handelbarer Aktien jedoch knapp zwei Drittel des gesamten Grundkapitals der börsennotierten Unternehmen im Jahr 2003 aus. Bei der gesamten Marktkapitalisierung betrug der Anteil nicht-handelbarer Aktien im gleichen Jahr sogar 69,0 % (CSY 2004, 6). Nicht handelbare Aktien untergliedern sich in Staatsaktien, Aktien juristischer Personen und Belegschaftsaktien.

Der eigentliche Eigentümer und Kontrolleur von Staatsaktien ist der State Council, der die Verwaltung der Aktien an das Finanzministerium und die staatliche Vermögensverwaltung übertragen hat (vgl. Green 2004, 29). Gemessen an der Gesamtanzahl nicht handelbarer Aktien machten Staatsaktien Ende 2004 74 % aus (vgl. Yu 2005, 2).

Die verbleibenden 26 % sind die Aktien juristischer Personen, die oft auch als C-Aktien bezeichnet werden. C-Aktien können nur von anderen juristischen Personen wie etwa Aktienunternehmen oder staatlichen Unternehmen mit mindestens einem nicht-staatlichen Eigner gehalten werden. Auch die Aktien juristischer Personen gelten gemeinhin als staatliche Aktien, da der Staat zumeist auch bei diesen Unternehmen der entscheidende Anteilseigner ist.

Belegschaftsaktien sind ebenfalls nicht handelbare Aktien. Ihr Anteil ist jedoch unbedeutend gering und betrug beispielsweise an der Gesamtanzahl nicht-handelbarer Aktien an der Shanghai Stock Exchange im Jahr 2004 weniger als 0,2 %.

Der große Anteil nicht-handelbarer Aktien ist einer der Hauptgründe für die dauerhaft schlechte Entwicklung am chinesischen Aktienmarkt. Der Staat verfolgt als größter Anteilseigner andere Interessen als die individuellen Minderheitsaktionäre (allgemeine Wohlfahrt vs. Gewinnmaximierung des Einzelnen), verhindert Unternehmensübernahmen über die Börse und verknappt die handelbaren Aktien zu Lasten höherer Preise. Ein erster Versuch im Jahr 2001, diese sog. „split-share-structure“ aufzulösen, wurde nach Preisstürzen an den Börsen jedoch wieder aufgegeben.

Im Februar 2004 packte der Staatsrat das dringliche Problem wieder an und veröffentlichte einen Leitfaden bezüglich der Entwicklung des chinesischen Aktienmarktes mit dem klaren Ziel, die sog. „split-share-structure“ des Aktienmarktes aufzulösen (Yu 2005, 2).

Seit Juni 2005 läuft eine zweite Pilotrunde mit insgesamt 42 börsennotierten Unternehmen, wobei es vor allem um die Frage geht, in welcher Form die bisherigen Minderheitsaktionäre für den Zuwachs an handelbaren Aktien entschädigt werden (handelbare Aktien waren unter dem Versprechen emittiert worden, die nicht-handelbaren Aktien würden nie zum Handel zugelassen werden). Kurzfristig wird ein Mehr an handelbaren Aktien somit zu einem Preisdruck führen, auf lange Sicht können sich Unternehmen jedoch günstiger finanzieren, entstehen unverfälschte Marktpreise und der Interessenskonflikt zwischen Eigentümern nicht-handelbarer und handelbarer Aktien wird zugunsten von Corporate Governance und Shareholder Value abnehmen (vgl. Yu 2005, 2).

3.2. Handelbare Aktien

3.2.1. A-Aktien

Bei den handelbaren Aktien dominieren A-Aktien die beiden Börsenplätze sowohl hinsichtlich ihrer Anzahl als auch hinsichtlich ihres Handelsvolumens. Sie werden in der Landeswährung zu einem Nennwert von 1 RMB ausgegeben und auch gehandelt. Zugang zu A-Aktien hatten bis November 2002 ausschließlich inländische natürliche und juristische Personen.

Dass eine Eigenkapital-Beschränkung für Ausländer gerade in Emerging-Markets nichts Ungewöhnliches ist, beschreiben Chan und Kwok. So können beispielsweise in Singapur, Malaysia und Thailand ausländische Investoren Aktien kaufen, solange ihre Anteile ein bestimmtes Eigentums-Limit nicht überschreiten (Chan, Kwok 2005, 44).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Status Quo und Entwicklungsperspektiven der Eigenkapitalmärkte in China
Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V50299
ISBN (eBook)
9783638465441
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Status, Entwicklungsperspektiven, Eigenkapitalmärkte, China
Arbeit zitieren
Felix Schaffelhofer (Autor), 2005, Status Quo und Entwicklungsperspektiven der Eigenkapitalmärkte in China, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50299

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