Warum sind Armut und Wohlstand auf der Welt so ungleich verteilt und was sind ihre Ursachen? In den letzten Jahrzehnten wurden viele Erklärungsmodelle hierfür entwickelt. Ein Beispiel ist die „Great-Divergence“-Theorie von Kenneth Pomeranz.
Kann diese Theorie auch heute noch darlegen, warum die industrielle Revolution von England und nicht von China ausging? Das chinesische Wirtschaftswachstum ist seit 40 Jahren stabil. Kann auch dies mit Hilfe von Pomeranz‘ Ansatz erklärt werden?
Amelie Peterson beleuchtet das wirtschaftliche Wachstum Chinas von 1978 bis heute. Hierfür verwendet sie eine modifizierte Variante der „Great-Divergence“-Theorie und prüft, ob diese zur Erklärung herangezogen werden kann. Anhand dessen versucht sie, zukünftige Entwicklungen zu prognostizieren.
Aus dem Inhalt:
- Sozialismus;
- Demokratie;
- Kapitalismus;
- Weltungleichheit;
- Malakka-Dilemma;
- Energiesicherheit
Inhaltsverzeichnis
1 Der chinesische Traum
1.1 Nachhaltiges Wirtschaftswachstum trotz extraktiver Institutionen
1.2 Literaturbericht
2 Theoretisches Fundament
2.1 Von Caesar, Machiavelli und Montesquieu
2.2 Adam Smith und der geographisch bedingte Marktumfang
2.3 Jared Diamond und Yalis Frage
2.4 Kenneth Pomeranz
3 Die Anwendung der modifizierten ,Great-Divergence‘ Theorie
3.1 Vorsprung durch Rückständigkeit
3.2 Der Treibstoff des Fortschritts
3.3 Moderner Kolonialismus
4 Die Welt erzittert
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob das andauernde Wirtschaftswachstum im sozialistischen China mithilfe einer modifizierten „Great-Divergence“-Theorie von Kenneth Pomeranz erklärt werden kann, wobei der Zeitraum ab 1978 im Fokus steht.
- Analyse der Anwendbarkeit des theoretischen Modells von Kenneth Pomeranz auf das moderne China.
- Untersuchung des Faktors „Vorsprung durch Rückständigkeit“ bei der Transformation der chinesischen Wirtschaft.
- Diskussion der Bedeutung von Energiesicherheit und dem „Rohstoff Daten“ als Treibstoffe des Fortschritts.
- Kritische Beleuchtung des chinesischen Engagements in Entwicklungsländern im Kontext neokolonialer Praktiken.
- Einordnung des „China-Modells“ im globalen wirtschaftlichen Wettbewerb.
Auszug aus dem Buch
2.3 Jared Diamond und Yalis Frage
Jared Diamond identifiziert vier „eigentliche Faktoren“ (2009: 93), um die unterschiedliche technische, kulturelle und politische Entwicklung der Kontinente sowie die Vormachtstellung des Eurasischen zu erklären:
1. Das Vorhandensein domestizierbarer Pflanzen und Tiere als Grundvoraussetzung für die Landwirtschaft (ebd.: 96f., 502)
2. Die Ausrichtung der Kontinentalachse in Ost-West-Richtung (ebd.: 114, 503)
3. Geringe interkontinentale Diffusionshürden (ebd.: 504)
4. Unterschiede der Kontinente hinsichtlich Fläche und Bevölkerungsgröße (ebd.: 310, 504)
Aus den eigentlichen Faktoren gehen die „unmittelbaren Faktoren“ (ebd.: 93) hervor, auf die Diamond bereits im Titel der englischen Originalausgabe von Arm und Reich verweist: „Guns, Germs and Steel“. Demnach führt die Sesshaftwerdung von Gesellschaften, neben dem Bilden von Krankheitsresistenzen, zu einer überlegenen Militärtechnik und zu komplexeren Staatsgebilden mit dominierender Schriftkultur (ebd.: 93, 96f.).
Der eurasische war den übrigen Kontinenten in allen vier eigentlichen Faktoren überlegen: Dort befand sich die größte Anzahl an potenziellen Domestikationskandidaten (ebd.: 207), die Ost-West-Ausrichtung führte neben den vergleichsweise geringen ökologischen und geographischen Hürden zu einer hohen Diffusionsgeschwindigkeit der domestizierten Biomasse sowie der Innovationen (ebd.: 503).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Der chinesische Traum: Einführung in die Fragestellung, warum China trotz fehlender integrativer Institutionen nachhaltig wächst, und Vorstellung des theoretischen Ansatzes.
2 Theoretisches Fundament: Darlegung der geographie- und ressourcenbasierten Ansätze zur Welthunger- und Reichtumsproblematik durch verschiedene Theoretiker sowie die Einführung der Theorie von Kenneth Pomeranz.
3 Die Anwendung der modifizierten ,Great-Divergence‘ Theorie: Empirische Untersuchung des chinesischen Wachstums seit 1978 entlang der Faktoren Rückständigkeit, Energiesicherheit/Daten und neokoloniale Strukturen.
4 Die Welt erzittert: Fazit, welches die Ergebnisse einordnet und die Gültigkeit der modifizierten Theorie für Chinas wirtschaftliche Entwicklung bestätigt.
Schlüsselwörter
Great-Divergence-Theorie, China, Wirtschaftswachstum, Institutionenökonomik, Industrialisierung, Geographie, Energiesicherheit, Industrie 4.0, Made in China 2025, Big Data, Sozialkreditsystem, Neokolonialismus, Belt and Road Initiative, Entwicklungszusammenarbeit, Weltungleichheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Ursachen des chinesischen Wirtschaftswachstums seit 1978 und prüft, ob die „Great-Divergence“-Theorie von Kenneth Pomeranz hierfür einen Erklärungsansatz bietet.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die Rolle von Geographie und Ressourcen, die technologische Entwicklung (Industrie 4.0), Energiesicherheit sowie Chinas internationales Engagement in Entwicklungsländern.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Ist es möglich, das andauernde Wirtschaftswachstum im sozialistischen China anhand einer modifizierten „Great-Divergence“-Theorie zu erklären?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoriegeleitete Untersuchung, bei der die Hypothesen von Kenneth Pomeranz modifiziert und an den Untersuchungszeitraum von 1978 bis heute angepasst werden.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von „Vorsprung durch Rückständigkeit“, die Analyse des „Treibstoffs des Fortschritts“ (Energie und Daten) sowie eine Auseinandersetzung mit neokolonialen Praktiken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Great-Divergence, Wirtschaftswachstum Chinas, Industrie 4.0, Energiesicherheit, Big Data und moderne neokoloniale Praktiken.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des „Sozialkreditsystems“?
Das System wird als Instrument der sozialen Kontrolle gewertet, das darauf abzielt, gesellschaftliche Spannungen zu minimieren und den sozialen Frieden zu sichern, um den Sektorenwandel zu ermöglichen.
Warum wird das Engagement in Afrika kritisch hinterfragt?
Es wird untersucht, ob chinesische Investitionen und Kredite zu einseitigen Abhängigkeiten und neokolonialen Strukturen führen, obwohl offiziell das Nichteinmischungsprinzip propagiert wird.
- Arbeit zitieren
- Amelie Peterson (Autor:in), 2020, Die „Great-Divergence“-Theorie. Ein Erklärungsansatz für das Wirtschaftswachstum Chinas?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/502990