Bereits der Wiener Schriftsteller und Journalist Friedrich Torberg merkte einst an: “Deutsch ist die gemeinsame Sprache, die Deutsche und Österreicher trennt.” Mit dieser Aussage wollte er womöglich ausdrücken, dass die Kommunikation in Deutschland und Österreich selbst bzw. in direkter Interaktion miteinander, zwar auf den ersten Blick, auf der standardsprachlichen Ebene weitestgehend gleich erscheint, sich bei näherer Betrachtung jedoch auch einige Unterschiede aufzeigen lassen. Geht man dabei noch einen Schritt tiefer in die Materie, so gelangt man auf die dialektale Ebene der beiden Länder. Es ist natürlich nicht von der Hand zu weisen, dass sich die mundartlichen Variationen in Österreich in erheblicher Weise von der dialektalen Vielfalt in Deutschland unterscheiden. Greift man in diesem Zusammenhang exemplarisch den norddeutschen Raum heraus und stellt ihn dem gesamten österreichischen Gebiet gegenüber, so gibt es in der Tat große vorherrschende Differenzen in den Bereichen der Syntax, der Semantik, der Morphologie und des Wortschatzes. Im Gegensatz dazu, ist jenes geografische Areal, welches Österreich sprachlich am nächsten steht, zweifelsohne eher im süddeutschen Raum angesiedelt. Um die Einordnung noch stärker zu spezifizieren, kann man vor allem das Bundesland Bayern getrost, nicht nur in kulturelle Art und Weise, sondern auch in sprachlicher Hinsicht als den einflussreichsten Nachbarn Österreichs bezeichnen. Dabei ist die gegenseitige lexikalische Bereicherung insbesondere in den Grenzgebieten beider Länder auszumachen, doch auch andere Grenzstaaten trugen im Laufe der Geschichte zur Entwicklung des umfassenden bairischen Wortschatzes bei und werden auch im Zukunft einen wesentlichen Anteil an dessen fortwährender Weiterentwicklung haben. Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit soll also darauf liegen, darzustellen was der Begriff “Bayerisch” oder “Bairisch” überhaupt bedeutet, in welchen Gebieten er von signifikanter Bedeutung ist, nähere Informationen über die sprachhistorischen Gegebenheiten zu liefern und natürlich den Wortschatz näher unter die Lupe zu nehmen. Somit stellt sich also die Frage: Durch welche Merkmale war und ist der bairische Wortschatz bis heute gekennzeichnet und darf man dabei überhaupt von einer strikten Trennung der geografischen Räume Bayern und Österreich ausgehen?
Inhaltsverzeichnis
0. Aufbau
1. Bayerisch und Bairisch
2. Räumliche Gliederung des Bairischen
3. Historische Gründe für einen gemeinsamen Sprachraum
4. Wortschatzverbreitung
5. Austriazismen
6. Österreichischer Wortschatz
7. Fazit und Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachlichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Bayern und Österreich, um zu klären, inwieweit eine strikte räumliche Trennung des bairischen Sprachraums gerechtfertigt ist. Dabei wird der Fokus auf die historisch gewachsenen Gemeinsamkeiten sowie auf die lexikalischen Spezifika des österreichischen Deutsch gelegt.
- Unterscheidung der Begriffe "Bayerisch" und "Bairisch"
- Geografische Gliederung des bairischen Sprachraums
- Historische und religiöse Einflussfaktoren auf die Sprachentwicklung
- Analyse der Wortschatzverbreitung und regionaler Besonderheiten
- Einordnung und Definition von Austriazismen
Auszug aus dem Buch
4. Wortschatzverbreitung
Natürlich ist es nachvollziehbar, dass sich Sprache beim Zusammenschluss mehrerer Staa-ten oder Länder verändert und weiterentwickelt. Da jede Nation ihre individuellen kommunika-tiven Impulse und Varianten miteinstreut, können bestimmte Lexeme über mehrere Jahre hinweg zweifelsohne ihren ursprünglichen geografischen Standort in alle möglichen Richtungen verla-gern und ausweiten. Dies geschieht vor allem durch Infrastruktur – das heißt, durch Wortbewe-gungen, die hauptsächlich von großen Zentren und Hauptstädten ausgehen und sich daraufhin im Zuge von Warentransporten an den Hauptverkehrswegen entlang verbreiten. Somit werden durch wirtschaftlichen Handel nicht nur Güter exportiert, sondern auch Sprache und dialektale Ei-genheiten.
Kranzmayer nahm hinsichtlich der Wortschatzverbreitung bzw. dessen Standhaftigkeit eine Einteilung in verschiedene Gruppen vor: so nennt er zunächst 'volksfremde Worter', die zu-meist aus der Hochsprache stammen und eher weniger in der traditionellen ländlichen Dialektik erscheinen, es sei denn man benötigt jene Wörter beispielsweise für die Abwicklung von Ge-schäftsgesprächen. Dabei ist jedoch anzumerken, dass dieses 'volksfremde Vokabular' dann zwar im Rahmen eines mundartlichen Gesprächs vorkommt, diese Wörter aber in der Hochsprache ar-tikuliert werden. Als zweite Gruppe führt Kranzmayer, die 'Verkehrswörter' an, welche er wiede-rum in 'verkehrsgebundene' und 'verkehrsnahe Wörter' unterteilt. Wie auch oben erwähnt, handelt es sich um an das Transportwesen gekoppelte Begriffe, wie aus dem Handwerk oder Bezeichnungen für Obst und Gemüse, die dadurch leichter von Ort zu Ort 'getragen' werden. Als weitere Gruppe nennt er die 'Bauernwörter' oder auch 'verkehrsfremde Wörter' – also bäuerliches Vokabular, das sich vorrangig aus dem häuslichen Bereich z. B. Handarbeiten, Ackerbau, Vieh-zucht oder Brotbacken ableitet. Solche Begriffe sind praktisch fast schon vorherbestimmt im Zu-ge der immer größer werdenden Industrialisierung und Globalisierung in die Isolation zu geraten.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Aufbau: Einleitung in die Thematik der sprachlichen Differenzen zwischen Deutschland und Österreich sowie die Zielsetzung der Arbeit.
1. Bayerisch und Bairisch: Klärung der begrifflichen Unterscheidung zwischen der geografisch-politischen Bezeichnung "bayerisch" und der sprachwissenschaftlichen Kategorie "bairisch".
2. Räumliche Gliederung des Bairischen: Darstellung des bairischen Sprachraums, der sich über Bayern, Österreich und Teile Italiens erstreckt.
3. Historische Gründe für einen gemeinsamen Sprachraum: Analyse der historischen und konfessionellen Faktoren, die zur engen sprachlichen Verflechtung zwischen dem bayerischen und österreichischen Raum führten.
4. Wortschatzverbreitung: Untersuchung der Mechanismen, durch die sich Sprachvarianten verbreiten, und Einteilung des Wortschatzes in Gruppen wie 'volksfremde Wörter' und 'Verkehrswörter'.
5. Austriazismen: Diskussion über die Definition von Austriazismen und deren Rolle als Identitätsmerkmal innerhalb der deutschen Standardsprache.
6. Österreichischer Wortschatz: Exemplarische Analyse der lexikalischen Vielfalt und regionaler Besonderheiten im österreichischen Deutsch.
7. Fazit und Zusammenfassung: Zusammenführende Betrachtung der Ergebnisse und Bestätigung der engen sprachlichen Bindung trotz nationaler Grenzziehungen.
Schlüsselwörter
Bairisch, Bayerisch, Österreich, Wortschatz, Austriazismen, Dialekt, Sprachraum, Sprachgeschichte, Lexikologie, Sprachverbreitung, Standarddeutsch, Varietäten, Sprachwissenschaft, Donaumonarchie, Mundart.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der sprachlichen Beziehung zwischen Bayern und Österreich, insbesondere der Definition und Abgrenzung des bairischen Dialektraums.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung des gemeinsamen Sprachraums, die Verbreitung von Wortschatz durch soziale und wirtschaftliche Faktoren sowie die Spezifik von Austriazismen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob eine strikte Trennung des bairischen Sprachraums entlang nationaler Grenzen (Deutschland/Österreich) linguistisch sinnvoll ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine sprachwissenschaftliche Analyse und Literaturrecherche, insbesondere unter Einbeziehung dialektgeografischer Karten und einschlägiger Fachpublikationen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die begrifflichen Unterschiede, die räumliche Ausdehnung des Bairischen, die geschichtlichen Hintergründe der sprachlichen Einheit sowie spezifische Beispiele des österreichischen Wortschatzes diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bairisch, Austriazismen, Sprachraum, Dialekt und Sprachgeschichte charakterisiert.
Was unterscheidet "Bairisch" von "Bayerisch"?
"Bairisch" ist der sprachwissenschaftliche Begriff für den Dialekt, während "Bayerisch" sich auf das politische und geografische Gebiet des Bundeslandes Bayern bezieht.
Warum gibt es keine "österreichische Sprache"?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass es keine eigenständige österreichische Sprache gibt, sondern dass es sich um Varietäten innerhalb des gemeinsamen deutschen Sprachraums handelt.
Welche Rolle spielten historische Faktoren für den Wortschatz?
Historische Ereignisse, wie die Zugehörigkeit zur Donaumonarchie, führten zu zahlreichen Lehnwörtern aus Sprachen wie Tschechisch, Ungarisch oder Italienisch, die den österreichischen Wortschatz prägten.
- Arbeit zitieren
- B.A./B.Sc. Julia Schart (Autor:in), 2012, Bairischer Wortschatz. Bayern und Österreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/503009