Die vorliegende Arbeit stellt die Frage nach sozialen Problemen in der Arbeits- und Bildungswelt der Risikogesellschaft. Als Instrument zur Untersuchung der andiskutierten Phänomene wurde ein bekanntes sozialarbeiterisches Instrument, nämlich die „Prozessual-systemische Denkfigur“ nach Silvia Staub-Bernasconi verwendet. Im ersten Abschnitt wird Risikogesellschaft als Konzept skizziert unter Heranziehung der Autoren Ulrich Beck und Richard Sennett. Im zweiten Teil wird die Theorie von Staub-Bernasconi vorgestellt und näher ausgeführt. Sie dient im dritten Teil als Folie zur Analyse der im ersten Teil formulierten Thesen von Beck und Sennett. Es wird jede einzelne These auf ihre soziale Problematik hin untersucht, Ausstattungs- Macht- und Kriterienprobleme werden diskutiert. Ferner werden Interventionsebenen definiert, Methodiken vorgeschlagen. Der Schwerpunkt liegt auf einer Problemanalyse, Lösungen werden nicht ausdiskutiert sondern nur als mögliche Richtungen aufgezeigt.
Summary
The present work asks for social problems in the risk society, analysing two fields: professional life and educational world. As an instrument for the investigation of the broached phenomena, a well known social work approach, namely the „Process-related systemic mental Figure” after Silvia Staub-Bernasconi was used. In the first segment risk society is outlined as a draft under raising of the authors Ulrich Beck and Richard Sennett. In the second part the theory is introduced, respectively explained in detail. It serves in the third part as a foil for the analysis of the theses, formulated in the first part. Every single thesis is examined on its social problems, equipment power and criteria problems are discussed. Moreover, intervention levels are defined, methodologies are suggested. I mainly focus on problem analysis, solutions are not discussed completely but are given as a direction only.
1. Das Modell der Risikogesellschaft
2. Erwerbsarbeit in der Risikogesellschaft (Ulrich Beck)
2.1. Die Bedeutung der Arbeit im Wandel der Zeit
2.2. Systemwandel in der Risikogesellschaft
2.3. Ursachen für den Systemwandel
2.4. Für und Wider den Systemwandel
2.5. Aussicht
2.6. Erwerbsarbeit in der Risikogesellschaft (Richard Sennett)
2.6.1. Der flexible Mensch
2.6.2. Flexibilität als Machtsystem
2.6.3. Fazit
2.7. Zusammenfassung und Thesenformulierung
3. Bildung und Ausbildung in der Risikogesellschaft (Ulrich Beck)
3.1. Fahrkarten in die Zukunft
3.2. Das Ende des utopischen Zeitalters
3.3. Die Situation spitzt sich zu
3.4. Berufsgebildete für einen Arbeitsmarkt ohne Nachfrage
3.5. Die Verlagerung der statuszuweisenden Funktion aus dem Bildungs- in das Beschäftigungssystem
3.6. Hauptschule
3.7. Universitäten und Fachhochschulen
3.8. Fazit: Refeudalisierung
3.9. Zusammenfassung und Thesenformulierung
4. Soziale Probleme
5. Die prozessual-systemische Denkfigur nach Silvia Staub-Bernasconi
5.1. Umwelt intern (Ui) inklusive Reize (R): Der menschliche Organismus
5.2. Umwelt Extern (Ue)
5.3. Erkennen und Erleben oder wahrnehmungsmäßige Ausstattung (E)
5.4. Modelle (M)
5.5. Verhalten und Handeln oder Ausstattung mit Handlungskompetenzen (A)
5.6. Beziehungspotenzial
6. Soziale Verknüpfungsprobleme (Macht)
6.1. Die individuelle Perspektive
6.2. Die gesellschaftliche Perspektive
7. Erklärung zur Methodik
8. Prolog zum Thema Werte und Kriterien
9. Analyse
9.1. Umwelt extern (Ue)
9.1.1. Werte und Kriterien
9.1.2. Zuordnung
9.1.3. Erläuterung und Interventionshorizonte
9.2. Modell (M)
9.2.1. Werte und Kriterien
9.2.2. Zuordnung
9.2.3. Erläuterung und Interventionshorizonte
9.3. Erleben/Erkennen (E)
9.3.1. Werte und Kriterien
9.3.2. Zuordnung
9.3.3. Erläuterung und Interventionshorizonte
9.4. Verhalten und Handeln (A)
9.4.1. Werte und Kriterien
9.4.2. Zuordnung
9.4.3. Erläuterung und Interventionshorizonte
9.5. Umwelt Intern (Ui)
9.5.1. Werte und Kriterien
9.5.2. Zuordnung
9.5.3. Erläuterung und Interventionshorizonte
10. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die sozial problematischen Auswirkungen und Tendenzen in Bezug auf Erwerbsarbeit und Bildung unter den Bedingungen der Risikogesellschaft. Das Hauptziel besteht darin, Licht in die durch Individualisierung und den Verlust großer Erzählungen diffus gewordenen sozialen Problemlagen zu bringen und diese mittels der prozessual-systemischen Denkfigur (SDF) nach Silvia Staub-Bernasconi zu analysieren.
- Analyse des Modells der Risikogesellschaft nach Ulrich Beck
- Untersuchung von Flexibilisierung und informellen Anforderungen nach Richard Sennett
- Darstellung der prozessual-systemischen Denkfigur (SDF) als Diagnoseinstrument
- Verknüpfung von Arbeitsmarktentwicklungen und Bildungsproblematiken
- Kritische Analyse von Machtstrukturen und sozialen Selektionskriterien
Auszug aus dem Buch
Der flexible Mensch
Neben der Zerstörung formeller Regelungen der Arbeitsverhältnisse wandeln sich auch die informellen Anforderungen an die Arbeitskräfte. Mit den Auswirkungen dieser Transformation der Arbeitsbeziehungen auf die Selbstwahrnehmung und Selbsteinschätzung der Individuen beschäftigt sich Richard Sennett in seinem Buch "Der flexible Mensch". Besonders das „Zeitregime“ des modernen Kapitalismus rückt ins Zentrum der Betrachtungen. Die fordistischen Arbeitsverhältnisse waren aus der Sicht der Beschäftigten durch teilweise großzügige Sicherungen des sozialen Status, die lebenslange Bindung an ein Unternehmen und einen von Anfang an vorgezeichneten Berufsweg gekennzeichnet. Sie förderten die Erfahrung einer "linearen Zeit", innerhalb derer die Ereignisse zu einer klaren Lebensgeschichte geordnet wurden. Das Individuum erschien als Autor seiner Lebensgeschichte, seiner Erzählung. Das Ordnen des eigenen Lebens in eine zusammenhängende Erzählung ermöglichte in gewissen Maßen Handlungsfähigkeit: sie gestaltete die Bewegung der Zeit, stellte Gründe bereit, warum gewisse Dinge geschahen und ermöglichte die Einordnung der eigenen Person in die Geschehnisse.
Die neuen, „postfordistischen“ Arbeitsbeziehungen unterscheiden sich von der fordistischen Art. Die Konzepte der „Lean Production“ verwandeln, wie wir bei Beck schon sahen, die alten Formen der bürokratischen Organisationen zunehmend in netzwerkartige Strukturen. Viele Aufgaben werden ausgelagert und von kleinen Firmen übernommen, die mit kurzfristigen Verträgen arbeiten. Für viele Arbeitende sind häufige Stellenwechsel und ungesicherte Arbeitsverhältnisse die Regel. "Nichts langfristiges" ist das Motto. Bindungen an bestimmte Ziele, Aufgaben oder Menschen werden relativiert, an ihre Stelle tritt das permanente Springen von einem Projekt/Job/Ort zum anderen; die einzelnen Tätigkeiten stehen allerdings in keinem sinnvollen Zusammenhang mehr miteinander. Das von Markttrends abhängende Driften tritt an die Stelle des bewussten Gestaltens des eigenen Lebens. Sennett beschreibt diese Entwicklung im Kontrast zu der Zeit der Blüte des Fordismus; die Herstellung eines bindungslosen, abstrakten Individuums liegt allerdings tendenziell in der Bewegung des Kapitalismus begründet und gelangt heutzutage nur zu neuer Intensität.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Modell der Risikogesellschaft: Einführende Darstellung der zentralen Merkmale der Risikogesellschaft, insbesondere globaler Gefährdungslagen und des Individualisierungsschubs.
2. Erwerbsarbeit in der Risikogesellschaft (Ulrich Beck): Untersuchung der Erosion traditioneller Beschäftigungssysteme und der Entstehung prekärer, flexibler Arbeitsformen.
3. Bildung und Ausbildung in der Risikogesellschaft (Ulrich Beck): Analyse der Entwertung von Bildungszertifikaten und der Krise des traditionellen Bildungsbegriffs.
4. Soziale Probleme: Theoretische Grundlegung des Begriffs soziale Probleme im Kontext der systemischen Denkfigur.
5. Die prozessual-systemische Denkfigur (SDF): Vorstellung des Diagnoseinstruments zur Erfassung individueller und struktureller Ressourcen und Defizite.
6. Soziale Verknüpfungsprobleme (Macht): Erläuterung der Machtstrukturen und der asymmetrischen Kontrollbeziehungen in sozialen Systemen.
7. Erklärung zur Methodik: Beschreibung des analytischen Vorgehens und der Anwendung der SDF auf die Thesen von Beck und Sennett.
8. Prolog zum Thema Werte und Kriterien: Definition und Bedeutung von Werten und Kriterien als Richtschnur für die soziale Problemanalyse.
9. Analyse: Systematische Untersuchung von Arbeits- und Bildungsproblemen anhand der Dimensionen Umwelt, Modell, Erleben und Verhalten.
10. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen: Synthese der Ergebnisse und Ausblick auf die Notwendigkeit integrativer Lösungsansätze.
Schlüsselwörter
Risikogesellschaft, Erwerbsarbeit, Flexibilisierung, Bildungssystem, Individualisierung, prozessual-systemische Denkfigur, soziale Probleme, Macht, Behinderungsmacht, Begrenzungsmacht, Prekarisierung, Arbeitslosigkeit, Sozialarbeit, Statuszuweisung, Ressourcenanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Bedingungen der Risikogesellschaft – insbesondere strukturelle Arbeitslosigkeit und die Flexibilisierung der Arbeitswelt – auf die Lebensverhältnisse und Bildungschancen des Individuums auswirken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Transformation von Erwerbsarbeitsformen, der Entwertung von Bildungsabschlüssen sowie der Machtproblematik in asymmetrischen gesellschaftlichen Kontrollbeziehungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Was sind sozial problematische Auswirkungen und Tendenzen hinsichtlich Erwerbsarbeit und (Aus)-Bildung unter den Bedingungen der Risikogesellschaft?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die prozessual-systemische Denkfigur (SDF) nach Silvia Staub-Bernasconi angewandt, um soziale Probleme systemisch in Kategorien wie Ausstattung, Macht und Kriterien zu erfassen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Risikogesellschaft und die SDF sowie eine detaillierte Analyse spezifischer Thesen zu Arbeit, Bildung und Flexibilisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Risikogesellschaft, Prekarisierung, Flexibilisierung, Macht, soziale Integration und prozessual-systemische Diagnose geprägt.
Warum spielt das Konzept der "Behinderungsmacht" eine zentrale Rolle?
Behinderungsmacht beschreibt Prozesse, in denen gesellschaftliche Akteure Strukturen zum eigenen Vorteil so gestalten, dass andere in ihrer sozialen Integration und Bedürfnisbefriedigung behindert werden.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Hauptschule in der Risikogesellschaft?
Der Autor argumentiert, dass die Hauptschule Gefahr läuft, zur „Einbahnstraße in die berufliche Chancenlosigkeit“ zu werden, und die dort vermittelte Bildung an Legitimität verliert.
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- DSA Thomas Schett (Author), 2005, Sozial problematische Auswirkungen und Tendenzen hinsichtlich Erwerbsarbeit und (Aus)-Bildung in der Risikogesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50305