Ein Essay über Walter Benjamins Kunstwerkaufsatz im Seminar: Urteilskraft in Ästhetik und Sozialphilosophie!
Urteilskraft in Ästhetik und Philosophie meint die Verbindung zwischen der Ästhetik und dem Sozialen. Eine Diskussion über die „Ästhetisierung des Sozialen“ entsteht. Wie wirken und beeinflussen die Verbreitung visueller Medien das soziale Leben? Im Folgenden möchte ich dazu den Kunstwerkaufsatz: Das Kunstwerk im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit von Walter Benjamin näher beleuchten und deren Sicht auf den Gewinn und die Kritik an dieser „Ästhetisierung“ beleuchten. Walter Benjamin wurde 1892 in Berlin geboren. Er absolvierte zunächst sein Abitur, danach beendete er sein Studium der Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte und promovierte erfolgreich in Bern. Danach arbeitete Benjamin als selbstständiger Schriftsteller und Publizist. Als 1933 die Machtübernahme der Nationalsozialistin erfolgte, kam er aufgrund seiner Angehörigkeit des assimilierten Judentums, in das Pariser Exil, wo er seinen Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit“ verfasste. 1939 kehrte er aus der Haft zurück und wählte ein Jahr später in der Nähe von Port Bou den Freitod. Anhand Walter Benjamins Biografie wird schnell deutlich, dass er in der Zeit der Entstehung des Faschismus lebte. Eine gesamteuropäische faschistische Bewegung war im Gange. Durch diesen Geschichtsumschwung und der unverzüglichen Technikerneuerungen verlor das eigenständige Kunstwerk seine Stellung als Reflexionsmedium und Sinnbildform der Bürger, sodass mit dem Faschismus das Ende der bürgerlichen Kunst einhergeht. Sein Aufsatz ist daher eine Reaktion auf den gesellschaftlichen Kunstwandel. In diesem beschreibt er den Vorgang der Moderne, welche den Kunst- und Kulturbegriff vollkommen unterminiert. Die Gründe dafür liegen in der massenhaften Reproduktion kultureller Werke, denn die 1930er Jahre waren geprägt von neuen technologischen Durchbrüchen. Zunächst schreibt Benjamin über die Geschichte der Reproduktion, zeigt Unterschiede zwischen traditionellen Kunstwerken und Werke der Moderne auf und thematisiert den Einfluss von Fotografie und Film im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit. Es erfolgt die Einführung von Reproduktionstechniken und ihre Möglichkeiten, Probleme, Auswirkungen und Konsequenzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biografie Walter Benjamin
3. Geschichte der Reproduktion
4. Verlust der Aura
5. Film als neue Kunstform
6. Ästhetisierung der Politik und Politisierung der Kunst
7. Aktualität von Benjamins Thesen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit Walter Benjamins Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit“ auseinander, um die Auswirkungen technischer Medien auf die Wahrnehmung von Kunst und Gesellschaft zu analysieren und deren aktuelle Relevanz zu untersuchen.
- Die Entwicklung von Reproduktionstechniken von der Antike bis zum Film.
- Der soziokulturelle „Verlust der Aura“ durch die technische Reproduzierbarkeit.
- Die Transformation des Kunstbegriffs und der menschlichen Wahrnehmung.
- Das Spannungsfeld zwischen „Ästhetisierung der Politik“ und „Politisierung der Kunst“.
- Die Übertragbarkeit der Thesen auf das digitale Zeitalter und soziale Netzwerke.
Auszug aus dem Buch
Verlust der Aura
Was zeichnet nun aber ein Kunstwerk überhaupt aus? Das Spezifikum eines Kunstwerkes, sein Ursprung und empfindlichster Kern ist seine Echtheit. Walter Benjamin beschreibt sie als „das Hier und Jetzt des Originals“. In diesem Zusammenhang führt er den Begriff der Aura ein, welche die Eigenschaften des Kunstwerkes beinhaltet. Die Aura ist das Heilige und die Unnahbarkeit, die die Hauptqualität eines Kunstwerkes darstellt. Sie ist die Verankerung der räumlichen und zeitlichen Dimension des Werkes. Die Aura ist demnach die Rezeptionsform, welche die Menschen jeher nutzen, um sich einem Kunstwerk anzunähern.
So ist es den Menschen möglich de Geschichte des Kunstwerkes, seine kultische und religiöse Bedeutung, seinen Entstehungskontext und die wechselnden Besitzverhältnisse zu rezeptieren. Mit Beginn der technologischen Entwicklung der Fotografie wird das Kunstwerk nun zum Objekt. Die zuvor beschriebene Echtheit eines Kunstwerkes ist bei dieser Art von Reproduktion nicht übertragbar, sodass sie im Wandel der technischen Reproduktion verloren geht – Benjamin beschreibt dies als Verlust der Aura. Der Ursprung des Kunstwerkes lag im Ritual, wodurch es in der rituellen Tätigkeit seinen Gebrauchswert fand.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Verbindung von Ästhetik und Sozialem sowie Vorstellung des thematischen Fokus auf Benjamins Kunstwerkaufsatz.
2. Biografie Walter Benjamin: Kurzer Abriss über das Leben und den historischen Kontext Benjamins zur Zeit des Faschismus.
3. Geschichte der Reproduktion: Darstellung der historischen Entwicklung von Reproduktionsverfahren von der Antike bis zur Fotografie.
4. Verlust der Aura: Analyse des Begriffs der Aura und des Wandels vom Kultwert zum Ausstellungswert durch technische Reproduzierbarkeit.
5. Film als neue Kunstform: Untersuchung der veränderten menschlichen Wahrnehmung durch den Film und die Rolle der „Apparatur“.
6. Ästhetisierung der Politik und Politisierung der Kunst: Diskussion des Missbrauchs von Medien durch politische Regime versus das Potenzial einer politisierten Kunst.
7. Aktualität von Benjamins Thesen: Reflexion über die Übertragbarkeit der Theorien auf moderne digitale Medien und das Internet.
Schlüsselwörter
Walter Benjamin, Kunstwerk, Technische Reproduzierbarkeit, Aura, Verlust der Aura, Film, Fotografie, Ästhetisierung der Politik, Politisierung der Kunst, Massenkultur, Moderne, Wahrnehmung, Ausstellungswert, Kultwert, digitale Medien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Walter Benjamins kunsttheoretische Abhandlung zur Veränderung des Kunstbegriffs unter dem Einfluss technischer Reproduktionsmittel.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Wandel der Kunstrezeption, der Veränderung der Wahrnehmung und der gesellschaftspolitischen Instrumentalisierung von Kunst.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Benjamins historische Analyse kritisch nachzuvollziehen und ihre Bedeutung für die heutige digitale Medienkultur zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die auf einer Literaturstudie der Primärquelle sowie einer anschließenden theoretischen Reflexion basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung, die Analyse des Auralos, die Spezifik des Films sowie die dialektische Gegenüberstellung von Ästhetisierung der Politik und Politisierung der Kunst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Aura, technische Reproduzierbarkeit, Zerstreuung, Massenkultur und politische Funktionalisierung von Kunst.
Was versteht Benjamin unter der „Ästhetisierung der Politik“?
Er beschreibt damit den Missbrauch der technischen Reproduzierbarkeit durch faschistische Regime, um Ideologien massenwirksam und kritiklos zu verbreiten.
Wie unterscheidet sich die heutige Rezeption von der Zeit Benjamins?
Während die Menschen zu Benjamins Zeit von der filmischen Technik oft überfordert waren, hat sich heute durch soziale Netzwerke und das Internet ein gewohnter und teils kritischer Umgang mit medialen Bildern entwickelt.
- Citar trabajo
- Josefin Kühn (Autor), 2019, Über Walter Benjamins Kunstwerkaufsatz "Das Kunstwerk im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/503251