Die Metapher ist gemeinhin bekannt als klassischer Topos der antiken Rhetorik, als impliziter Vergleich ohne Komparationspartikeln oder umgangssprachlich als sprachliches Bild. Auch die Linguistik knüpft an die grundsätzliche Vorstellung der Metapher als sprachliches Bild an und definiert sie dementsprechend als auf Bedeutungsähnlichkeiten beruhende Bedeutungsübertragung oder -verschiebung, bei der eine bestimmte Struktur oder ein zugrundeliegendes Konzept von einem Bereich auf einen anderen projiziert wird, was auch die Bedeutungserweiterung eines Lexems mit sich bringen kann (Meibauer, 2007). Die Einigung auf eine trennscharfe Definition scheint jedoch nahezu unmöglich, weshalb Weinrich dafür plädiert, „alle Arten des sprachlichen Bildes von der Alltagsmetapher bis zum poetischen Symbol“ (Weinrich, 1967) zuzulassen. Gerade aufgrund dieser offenbaren Uneindeutigkeit ist das Forschungsinteresse an der Metapher als linguistisches Phänomen bis heute ungebrochen, da dem Erkenntnisprozess die fundamentale Frage zugrunde liegt, in welchem Verhältnis verbale Manifestationen von Metaphern zu ihren kognitiven Ursprüngen stehen (Forceville, 2002); wie also menschliche Kognition vonstatten geht, scheinen doch menschliches Denken und Handeln grundsätzlich metaphorisch strukturiert zu sein (Lakoff & Johnson, 1980; Junge, 2010). In der Linguistik sind infolgedessen zahlreiche Ansätze und Erklärungsmodelle entstanden, die jedoch teilweise unvereinbar scheinen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Metapherntheorie der kognitiven Linguistik
2.1 Lakoff und Johnson: Metaphors We Live By (1980)
2.2 Kritik an der kognitiven Linguistik und ihrer Metapherntheorie
3. Metaphern in der Relevanztheorie
3.1 Die Relevanztheorie nach Sperber und Wilson (1995, 2002)
3.2 Kritik an der Relevanztheorie
4. Breitere Ansätze
4.1 Die hybride Metapherntheorie nach Markus Tendahl (2015)
4.2 Interkultureller Diskurs
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht kritisch die Metapherntheorien der kognitiven Linguistik sowie der Relevanztheorie, um deren Erklärungsgehalt zu bewerten und Ansätze für eine Integration zu prüfen.
- Vergleich kognitiv-linguistischer und relevanztheoretischer Konzepte von Metaphern.
- Analyse der Kritikpunkte an beiden theoretischen Ansätzen.
- Untersuchung hybrider Modellbildungen wie der von Markus Tendahl.
- Beleuchtung der Rolle interkultureller Faktoren beim Verständnis metaphorischer Sprache.
Auszug aus dem Buch
2.1 Lakoff und Johnson: Metaphors We Live By (1980)
Als ein Teilbereich der Kognitionswissenschaft klassifiziert die kognitive Linguistik die Sprachfähigkeit des Menschen, die ihn maßgeblich von anderen Lebewesen unterscheidet, als einen der essentiellen Teile der Kognition. Dabei ist jedoch anzumerken, dass die Etikettierung „kognitiv“ keineswegs bedeutet, dass bewusste Denkprozesse untersucht werden - vielmehr verweist der Begriff auf die Hinwendung zur Semantik. Die wohl einflussreichste Metapherntheorie der kognitiven Linguistik etablierten George Lakoff und Mark Johnson mit ihrer Publikation „Metaphors We Live By“ (1980a), in der sie „understanding and experiencing one kind of thing in terms of another“ als kognitives Mapping, als Essenz von Metaphern herausstellen und konstatieren, dass es sich bei Metaphern grundsätzlich um „primarily a matter of thought and action and only derivatively a matter of language“ handelt, womit sie an holistische Ansätze anknüpfen und die Autonomie von Sprache negieren, die laut ihnen also stets im Zusammenhang mit unseren Denkprozessen und unserem Handeln, nicht aber isoliert zu betrachten ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der Metapher als zentrales sprachliches und kognitives Phänomen ein und skizziert das Vorhaben, die Theorien von Lakoff/Johnson sowie Sperber/Wilson kritisch gegenüberzustellen.
2. Metapherntheorie der kognitiven Linguistik: Dieses Kapitel erläutert den Ansatz, Metaphern primär als Denk- und Handlungsmuster zu verstehen, und beleuchtet die damit verbundene Kritik.
3. Metaphern in der Relevanztheorie: Der Fokus liegt hier auf der relevanztheoretischen Betrachtung, die Metaphern als inferentielle Prozesse im Rahmen kognitiver Effektivität interpretiert, gefolgt von einer kritischen Reflexion.
4. Breitere Ansätze: Hier wird der Versuch einer hybriden Metapherntheorie sowie die Bedeutung interkultureller Diskurse für das Metaphernverständnis diskutiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit einer interdisziplinären Erweiterung der Metaphernforschung zusammen, um kulturelle und soziopragmatische Faktoren adäquat zu berücksichtigen.
Schlüsselwörter
Metapherntheorie, Kognitive Linguistik, Relevanztheorie, Mentales Mapping, Conceptual Domains, Kognitive Kognition, Sprachgebrauch, Interkulturelle Kommunikation, Hybride Theorie, Metaphorische Konzepte, Pragmatik, Sprachwissenschaft, Kultureller Kontext.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer kritischen Analyse der Metapherntheorien innerhalb der kognitiven Linguistik und der Relevanztheorie.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die theoretischen Grundlagen beider Schulen ab, analysiert deren Kritikpunkte und diskutiert ergänzende Ansätze sowie die Rolle kultureller Einflüsse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die beiden Theorien Metaphern definieren, welche Defizite bestehen und ob eine Integration in ein umfassenderes, hybrides Modell möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse und einen komparativen Vergleich linguistischer Ansätze.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der kognitiven Metapherntheorie, der Relevanztheorie, einer hybriden Synthese nach Tendahl sowie eine Diskussion über interkulturelle Aspekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Metapherntheorie, kognitive Linguistik, Relevanztheorie, mentales Mapping und die interkulturelle Dimension des Sprachgebrauchs.
Was genau versteht die kognitive Linguistik unter einem "mental mapping"?
Das "mental mapping" bezeichnet einen Projektionsprozess, bei dem Elemente aus einem Quellbereich (source domain) auf einen Zielbereich (target domain) übertragen werden, um abstrakte Konzepte zu strukturieren.
Warum ist laut der Arbeit der interkulturelle Aspekt bei Metaphern kritisch?
Die Arbeit zeigt auf, dass Metaphern oft kulturell eingebettet sind und daher bei Sprechern unterschiedlicher Sprachen zu signifikanten Missverständnissen führen können, da sie nicht universell identisch kodiert sind.
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- Anna Lynn Dolman (Author), 2019, Eine kritische Betrachtung der Metapherntheorien der kognitiven Linguistik und der Relevanztheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/503352