Ziel dieser Arbeit ist es, Patienten und Therapeuten zu aktiven Therapiekonzepten anzuregen, die über die klassischen "Hands-on"-Methoden an der Behandlungsbank hinausgehen. Der tiefere Sinn dahinter ist es grundsätzlich, darauf aufmerksam zu machen, dass aktives Training, anders als Massage, de facto das Mittel zur Wahl bei Rückenschmerzen darstellt. Dabei ergibt sich im Speziellen folgende Fragestellung: Was ist der Effekt von aktivem Bewegungstraining im Wasser bei Patienten mit chronischen aspezifischen lumbalen Wirbelsäulenschmerzen bezüglich der Schmerzintensität?
Rückenschmerzen zählen zu den primären Beschwerdearten der Bevölkerung. Die Prävalenz im Zeitraum eines gesamten Lebens liegt bei 84 % der Bevölkerung. 10 % der Rückenschmerzpatienten klagen auch über einen Zeitraum von 12 Wochen hinaus über dorsale Beschwerden. Wird ein Zeitfenster von 3 Monaten überschritten, spricht man von einer Chronifizierung der Schmerzen. Die Frage ist, wie es wäre, Bewegungstraining statt im Fitness- oder KG-Raum einer Praxis im Wasser durchzuführen. Eine ganze Reihe an Vorteilen sprechen für Therapiemaßnahmen im Wasser. In den 90er Jahren hieß es, Bewegung im Wasser sei für Patienten mit Schmerzsymptomatiken erträglicher als "an Land". Die wissenschaftliche Lage besagt, dass Bewegungstraining im Wasser eine sichere, effektive und kostengünstige Methode sei, um Patienten mit chronischen lumbalen Rückenschmerzen (chronic low back pain - CLBP) zu behandeln.
Gerade bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen, die für die jeweilige Physiotherapiepraxis eine längerfristige "Kundschaft" darstellen, ist es das Ziel, Therapeutenkollegen zur Anwendung von alternativen Maßnahmen zu motivieren. Um für den Patienten ein neues Physiotherapie-Bild zu prägen, welches fernab von etwaigen massierenden Fachkräften liegen soll, ist es enorm wichtig, dass Therapeuten selbst mit neuem Selbstbewusstsein und überzeugter Aussagekraft an den Patienten herantreten, um dadurch bei diesem die nötige Compliance zu erwecken. Gleichzeitig ist es das Ziel, die Linderung von chronischen Rückenschmerzen beziehungsweise die Beweglichkeit im LWS-Bereich nachhaltig positiv beeinflussen zu können. Das Krankheitsbild CLBP ist vielleicht ein "abgedroschenes" und viel diskutiertes Thema. Die Relevanz dieser Problematik liegt gerade deshalb darin, dass eine derart hohe Anzahl an Betroffenen, trotz Teilnahme an Trainingseinheiten oder Physiotherapie, nach wie vor besteht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Hintergrundinformation
1.2 Zielsetzung
1.3 Fragestellung
1.4 Methode
1.5 PEDro-Bewertung
1.6 Vorschau auf den Aufbau der Bachelorarbeit
1.7 Vertiefendes Kapitel
1.7.1 Wassertherapie
1.7.2 Visuelle Analog Skala (VAS)
1.7.3 Numerische Schmerz Skala – Numeric Rating Scale (NRS)
2. Resultate
2.1 Beschreibung der Studien
2.2 Designtabelle
2.3 Ergebnistabelle
3. Diskussion
4. Konklusion
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel der Arbeit ist es, Patienten und Therapeuten zur Anwendung aktiver Therapiekonzepte zu motivieren, die über rein passive "Hands-on"-Methoden hinausgehen. Die Forschungsfrage untersucht dabei den Effekt von aktivem Bewegungstraining im Wasser bei Patienten mit chronischen aspezifischen lumbalen Wirbelsäulenschmerzen im Hinblick auf die Schmerzintensität.
- Chronische aspezifische Rückenschmerzen (CLBP)
- Aktive Wassertherapie vs. passives Interventionsbild
- Evidenzbasierte Untersuchung mittels CCTs und RCTs
- Anwendung von Schmerzmessskalen (VAS/NRS) in der klinischen Praxis
- Neurophysiologische Schmerzedukation als Therapieergänzung
Auszug aus dem Buch
1.7.1 Wassertherapie
Die Wassertherapie ist eine der grundlegendsten Arten natürlicher Behandlungsmethoden. Sie ist ferner z.B. bekannt unter dem Namen Aquatherapie, Pooltherapie oder Balneotherapie. Es ist mittlerweile bewiesen, dass Wasser in verschiedenen Aggregatzuständen (Wasser, Eis, Dampf) oder Temperaturen verschiedene Effekte auf verschiedene Bereiche des Körpers aufweist. Im weitesten Sinne kann Wasser dem Körper intern oder extern zugeführt werden (Mooventhan & Nivethitha, 2014). Für diese Arbeit ist es vorrangig interessant zu wissen, dass Wassertherapie einen positiven Effekt auf das Gefäßsystem besitzt und demzufolge auch dazu beiträgt das Körpergewebe besser zu durchbluten und somit gegebenenfalls eine Auswirkung auf die Beweglichkeit der Wirbelsäule haben könnte (Weston, Taber, Casagranda & Cornwall, 1994). Ebenso besitzt Hydrotherapie die Eigenschaft Nozizeptoren zu blockieren und so durch Schmerzlinderung bessere Körperaktivität zu erreichen (Bender, Karagülle, Bálint, Gutenbrunner, Bálint & Sukenik, 2005). Was das muskuloskelettale System an sich betrifft, so fand man heraus, dass Bewegungstraining in bauchnabelhohem Wasser zu einer höheren Aktivierung des M. erector spinae führe, als herkömmliche Bewegungen an Land (Chevutschi, Lensel, Vaast & Thevenon, 2007). Auch Schwellungen und das durch chronische Rückenschmerzen verursachte Schweregefühl lässt sich durch den Auftrieb des Wassers minimieren (Eversden, Maggs, Nightingale & Jobanputra, 2007) – letztendlich könnten all diese Vorteile auch einen gewissen Einfluss auf die Beweglichkeit in diesen Segmenten haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik chronischer Rückenschmerzen ein, definiert die Zielsetzung und Fragestellung der Arbeit und erläutert die methodische Vorgehensweise der Literaturrecherche sowie grundlegende Begriffe.
2. Resultate: Hier erfolgt die detaillierte Beschreibung der vier ausgewählten Studien, unterteilt in Studiendesigns und tabellarische Darstellungen der Messergebnisse hinsichtlich der Schmerzintensität.
3. Diskussion: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse der untersuchten Studien, kritisiert methodische Aspekte wie Gruppengrößen oder Randomisierung und beleuchtet das Potential von aktiver Wassertherapie.
4. Konklusion: Diese Zusammenfassung schließt die Arbeit mit der Erkenntnis ab, dass aktives Bewegungstraining im Wasser eine wirksame Methode zur Schmerzreduktion darstellt und empfiehlt die Kombination mit Schmerzedukation.
Schlüsselwörter
Aktive Wassertherapie, chronische Rückenschmerzen, CLBP, Physiotherapie, Schmerzreduzierung, Bewegungstraining, Visuelle Analog Skala, VAS, Numerische Schmerz Skala, NRS, Rehabilitation, Evidenzbasierte Praxis, Wirbelsäule, Schmerzedukation, Beweglichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Effekt von aktivem Bewegungstraining im Wasser bei Patienten mit chronischen, aspezifischen lumbalen Rückenschmerzen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Themen sind die Epidemiologie von Rückenschmerzen, die Abgrenzung von passiven zu aktiven Therapien sowie der wissenschaftliche Vergleich von Wassertherapie-Studien.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach dem Effekt von aktivem Bewegungstraining im Wasser auf die Schmerzintensität bei Patienten mit chronischen aspezifischen lumbalen Wirbelsäulenschmerzen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine systematische Literaturrecherche in wissenschaftlichen Datenbanken (Pubmed, PEDro) durchgeführt, wobei nur klinisch kontrollierte Studien (CCTs/RCTs) der letzten 10 Jahre berücksichtigt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Qualität der Studien mittels PEDro-Kriterien, beschreibt die Studiendesigns und vergleicht die Messergebnisse der Probanden in Bezug auf Schmerzskalen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich insbesondere auf Begriffe wie aktive Wassertherapie, CLBP, Rehabilitation, Wirbelsäulenbeweglichkeit und klinische Messinstrumente wie die VAS.
Warum ist das Ergebnis von Pires et al. (2015) besonders interessant?
Die Studie zeigt, dass eine zusätzliche neurophysiologische Schmerzedukation vor dem Training die Erfolgsquote bei der Schmerzreduktion im Vergleich zum reinen Training signifikant steigern kann.
Welche Einschränkungen werden für die untersuchten Studien diskutiert?
Diskutiert werden insbesondere die teilweise geringen Probandenzahlen, die fehlende Standardisierung der Trainingseinheiten sowie Probleme bei der Verblindung und Randomisierung der Teilnehmer.
- Arbeit zitieren
- Julia Schart (Autor:in), 2017, Aktive Wassertherapie bei chronischen aspezifischen Schmerzen am unteren Rücken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/503404