Aktive Wassertherapie bei chronischen aspezifischen Schmerzen am unteren Rücken


Bachelorarbeit, 2017

39 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Hintergrundinformation
1.2 Zielsetzung
1.3 Fragestellung
1.4 Methode
1.5 PEDro-Bewertung
1.6 Vorschau auf den Aufbau der Bachelorarbeit
1.7 Vertiefendes Kapitel
1.7.1 Wassertherapie
1.7.2 Visuelle Analog Skala (VAS)
1.7.3 Numerische Schmerz Skala – Numeric Rating Scale (NRS)

2. Resultate
2.1 Beschreibung der Studien
2.2 Designtabelle
2.3 Ergebnistabelle

3. Diskussion

4. Konklusion

5. Literaturverzeichnis

6. Anlagen

Vorwort

Der Grund warum ich gerade dieses Vorwort schreibe beginnt wohl im Herbst 2013. Damals im September begann ich meine PT-Ausbildung an der Döpfer-Schule Schwandorf und hatte zu dem Zeitpunkt noch keine Ahnung was demnächst alles auf mich warten würde. Ich hatte 2013 gerade mein Studium der Germanistik/Amerikanistik und Kommunikation an der Uni Regensburg abgeschlossen als ich für mich erkannte, dass mir eine praktische Komponente im zukünftigen Arbeitsalltag fehlen würde – Me- dizin, Körperwahrnehmung, Sport. So entschloss ich kurzerhand ein neues Projekt in Angriff zu nehmen: nämlich in die Welt der 'Physiotherapie' einzusteigen. Während die- ser Monate hatte ich viele Zweifel, ob mein bisheriger Werdegang überflüssig sei, und ob bisher nur Jahre verschwendeter Zeit ins Land gingen, wenn ich doch plötzlich eine völlig andere berufliche Richtung einschlage. Mittlerweile kann ich für mich behaupten, dass die Grundlagen, die ich in meinem Studium an der Uni Regensburg legen durfte, für mich eine Basis hinsichtlich der akademischen Physiotherapie sind. Und zwar aus sprachlicher, kommunikativ-interagierender und international-wissenschaftlicher Pers- pektive. Es ist beeindruckend retrospektiv zu betrachten, wie viel Vorankommen inner- halb von 4 Jahren möglich ist – ein abgeschlossenes PT-Examen, einige kleinere Fort- bildungen, ein fast abgeschlossenes internationales PT-Studium und viele neue Ideen für die Zukunft. Mir war bisher immer klar, dass ich keinen Beruf einschlagen möchte, bei dem ich auf ewige Zeit orts- und tätigkeitsgebunden arbeiten müsse. Die Welt ist zu groß, um auf einer Stelle stehen zu bleiben und um das berühmte 'Blicken über den Tellerrand' zu vernachlässigen. Ich möchte vorankommen, Visionen, Wünsche und Vorstellungen realisieren: aus eigener Kraft oder zusammen mit meinen BMK-Kolle- gen, die mich in den letzten drei Jahre begleitet haben. Ich möchte Wissen und Neu- gier aus meinem vorherigen Studium mit den Grundlagen dieses Studiums verbinden und Richtungen eröffnen, die bisher wenig beachtet wurden, wie z.B. die Tatsache mehr kommunikative Interaktion in den Alltag von Physiotherapie-Praxen einzubinden. Pragmatisch gesehen gibt es keine Grenzen nach oben, solange man selbst mit Freu- de und Motivation mit einem Interessensgebiet verhaftet ist. Dabei hilft es stets sich zu reflektieren und das eigenes Handeln und das der anderen Menschen anzuzweifeln und zu hinterfragen. Ich habe keine Lust mich mit Dingen zu beschäftigen, die Still- stand bedeuten. Doch was sind die Ursachen, die momentan Stillstand in der deut- schen Physiotherapie erzeugen? Was sind die Gründe, die festgefahrene Gewohnhei- ten der eigenen Person oder die fest verkrusteten Strukturen der Physiotherapie, unge- achtet dahinsiechen lassen? Das gilt es in Zukunft herauszufinden und zu verändern. Bildet Euch Eure eigene Meinung! Lebt Akzeptanz sowie Toleranz und seid stets bereit die kritische Diskussion mit anderen zu suchen! Sowohl die Wissenschaft als auch die gesamte Gesellschaft braucht Weltanschauungen und Ideale, die das Pro und Contra Schart 3 jedes Themas abwagen. Dadurch gelingt es uns vielleicht eher im friedlichen Diskurs einen Konsens fur respektvolles gegenseitiges Handeln und Behandeln erzeugen zu ktinnen.

Zusammenfassung

Hintergrund:

Rückenschmerzen zählen zu den primären Beschwerdearten der Bevölkerung. Die Prävalenz im Zeitraum eines gesamten Lebens liegt bei 84% der Bevölkerung. 10% der Rückenschmerz- patienten klagen auch über einen Zeitraum von 12 Wochen hinaus über dorsale Beschwerden. Wird ein Zeitfenster von 3 Monaten überschreitet, spricht man von einer Chronifizierung der Schmerzen. Die Frage ist wie es wäre Bewegungstraining statt im Fitness- oder KG-Raum einer Praxis, im Wasser durchzuführen. Es Eine ganze Reihe an Vorteilen sprechen für Therapie- maßnahmen im Wasser. In den 90er Jahren des 20. Jahrtausends hieß es, Bewegung im Was- ser sei für Patienten mit Schmerzsymptomatiken erträglicher als an 'Land' sei. Die wissenschaft- liche Lage besagt, dass Bewegungstraining im Wasser eine sichere, effektive und kostengüns- tige Methode sei, um Patienten mit chronischen lumbalen Rückenschmerzen (chronic low back pain - CLBP) zu behandeln.

Zielvorstellung:

Ziel ist es Patienten und Therapeuten zu aktiven Therapiekonzepten anzuregen, die über die klassischen 'Hands-on'-Methoden an der Behandlungsbank hinausgehen. Der tiefere Sinn da- hinter ist es grundsätzlich, darauf aufmerksam zu machen, dass aktives Training, anders als Massage, de facto das Mittel zur Wahl bei Rückenschmerzen darstellt.

Fragestellung:

Was ist der Effekt von aktivem Bewegungstraining im Wasser bei Patienten mit chronischen aspezifischen lumbalen Wirbelsäulenschmerzen bezüglich der Schmerzintensität?

Methode:

Literaturrecherche in wissenschaftlichen Datenbanken wie Pubmed oder PEDro. Voraussetzung hierfür war es nur CCTs oder RCTs mit einer 10-Jahres Aktualität als Grundlage zu verwenden. Gesucht wurde im Hinblick auf eine PIO-Fragestellung.

Ergebnisse:

Grundlage sind 4 Studien zum oben genannten Thema. Die höchsten Effekte von Schmerzre- duzierung erhielt man während des Zeitraums des aktiven Bewegungstrainings. Die Studien selbst waren allesamt mit einem p-Wert < 0.05 belegt. Die signifikantestens Mittelwerte bezüg- lich der Schmerzreduzierung aller 4 Studien lagen auf einer VAS (cm, 0 – 10) zwischen 1.5 –4.99.

Konklusion:

Effektivste Kombination aller Interventionen: ein kurzzeitiges, hoch frequenentiertes aktives Be- wegungstraining im Wasser führt effektiver zu initialer Schmerzreduzierung und gesteigerter Wirbelsäulenbeweglichkeit als Bewegungstraining an Land. Aktive Aquatherapie zusammen mit neurophysiologischer Schmerzedukation steigert diese Wert erneut um ein Vielfaches.

Abstract

Background:

Back pain is one of the most common complaints in modern industrial society. Related to a hu- man's entire lifetime, the prevalence for catching back pain is up to 84% among the whole po- pulation. 10% of those afflicted individuals also report on permanent back pain for 12 weeks and beyond. Once exceeding a time frame of 3 months, pain symptoms are being considered as chronified. Now the question is, how exercising in water differs from general land-based exerci- sing. A whole slew of benefits argues for water-based exercising. At the end of the 20 th century, experts found that water-based exercising is far more acceptable for patients suffering from chronic unspecific low back pain (CLBP). Current research proves that water-based exercising might be a secure, relieving and cost-saving intervention for treating people with CLBP.

Objective:

The target of this bachelor-thesis is to encourage both, patients and therapists for mainly apply- ing active intervention concepts instead of merely using passive 'hands-on' techniques. The ba- sic intention behind this work is to indicate that apart from massage, active exercising is de facto the superior means of treating CLBP.

Purpose:

What is the effect of active water-based exercising with patients suffering from chronic aspexific low back pain related to the outcome of pain intensity?

Methods:

The overall literature research was mainly based on questing in databases like Pubmed and PEDro. General quality requirements for each study were that all studies used needed to be set up during the previous 10 years. In addition to that, only CCTs (Clinical Controlled Trials) and RCTs (Randomized Controlled Trials) were accepted. The thesis structure was built up as a PIO-question.

Results:

A small amount of 4 studies was intented to be the basis for researching on the overall thesis question. Noticible was that the highest rate of pain reduction was witnessed during periods of active exercising. The studies itself were all documented with a hazard ratio of p < 0.05. Regar- ding pain relief, the most significant averages were recorded on a VAS-range (cm, 0 -10) from 1.5 – 4.99.

Conclusion:

By combining the most effective interventions, the advice for initial CLBP relief is: a short-term, highly-frequented and active water-based exercise program, which also leads to a better im- proved spine flexibility in contrast to land-based exercising. Aqua-exercising along with neuro- physiological education additionally multiplies the effects of pain relief in many cases.

1. Einleitung

1.1 Hintergrundinformation

Rückenschmerzen zählen hierzulande zu den primär vertretenen körperlichen Beschwerdearten der Bevölkerung. Während, bezogen auf einen einwöchigen Zeit- raum einerseits Frauen etwas häufiger als Männer von Rückenschmerzen betroffen sind (w → 39% / m → 31%), sind es andererseits die Männer, die Rückenbeschwerden im Laufe ihrer beruflichen Karriere als Hauptursache für eine Erwerbsunfähigkeit auf- weisen. Frauen rangieren hierbei lediglich auf dem zweiten Platz, obwohl diese prozen- tual öfter darunter leiden (Eckhardt, 2011). Betrachtet man die Prävalenz diesbezüglich im Zeitraum eines gesamten Lebens, so klagen irgendwann 84% der Menschen über Rückenschmerzen (Airaksinen et al., 2006). Ein Grund warum man sich näher mit der Behandlung bzw. Prävention von Dorsopathien beschäftigen sollte, sind die durch z.B. Schmerz und Bewegungseinschränkung verursachten Kosten für die deutsche Volks- wirtschaft. Diese belaufen sich laut Zahlen aus dem Jahre 2015 auf in etwa 40 bis 50 Milliarden Euro in der Gruppe der 18 – 75-jährigen Patienten (Die Bundesregierung, 2015, Absatz 4; Eckardt, 2011). Zusammengesetzt aus physikalischen Therapien, Operationen, sowie medikamentösen Therapien, entfällt ein finanzieller Hauptkosten- punkt auf einen vorzeitigen Rücktritt vieler Arbeitnehmer aus dem Arbeitsverhältnis. Dies fällt letztendlich zulasten der jeweiligen Unternehmen, die aufgrund der Arbeits- ausfälle ihrer Angestellten beispielsweise beträchtliche Einbußen in Produktion oder Vertrieb verzeichnen müssen (Die Bundesregierung, 2015, Absatz 4).

Eine erhöhte Disposition für Rückenschmerzen sei, wie oben bereits erwähnt, bei Männern, bei Personen höheren Lebensalters, bei ledigem Status, bei niedrigerem Schulabschluss oder bei Freistellung aus dem Arbeitsleben zu erwarten (Wenig, Schmidt, Kohlmann, Schweikert, 2009). Dies beweist, dass Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule zum einen zwar körperlich bestimmt, zum anderen aber auch Ursa- chen psychischer Natur sein können. Jene Problematiken, die bei Menschen mittleren oder höheren Lebensalters oft durch berufliche Situationen hervorgerufen werden, sind bei jüngeren Personen bzw. Jugendlichen nicht selten durch strukturelle Veränderun- gen des Bewegungsapparates zu erkennen. Diese können gekennzeichnet sein durch z.B. hypertone oder kontrakte Muskelgruppen im Gebiet von Beinen, Becken, Nacken, ebenso wie Muskeldysbalancen in Form von hypotonen Muskeln (z.B. abdominale, pektorale, gluteale, skapuläre Muskulatur und im Bereich des thorakalen Wirbelsäulen- abschnittes) (Eckardt, 2011). Was nun, aber die temporäre Einteilung von Rücken- schmerzen anbelangt, so unterscheiden die meisten Leitlinien in Bezug auf dieses Thema zwischen akuten (Schmerzzeitraum bis zu 6 Wochen), subakuten (Schmerz- dauer bis zu 12 Wochen) und chronischen Rückenschmerzen (Schmerzdauer länger als 12 Wochen) (Eckardt, 2011). Im Hinblick auf die Präsenz von akuten oder subaku-ten Rückenschmerzen stellten Nachemson (1992) und Waddell (1992) bereits früh fest, dass prozentual gesehen der Großteil aller Rückenschmerzpatienten anfänglich auf eine ärztliche bzw. therapeutische Behandlung verzichtet, die physiologische Heilungs- dauer von 6 – 8 Wochen dennoch von nahezu jedem zweiten Betroffenen schließlich in Form eines Arztbesuches interveniert wird. Bei der Mehrheit jener Patienten ist die Pro- blematik nach diesem Zeitraum meist verschwunden. Die übrigen ca. 10% der betroffe- nen Rückenschmerzpatienten klagen auch über einen Zeitraum von 12 Wochen hinaus über dorsale Beschwerden. Sobald dieser Zustand des Unbehagens also ein festge- legtes andauerndes Fenster von 3 Monaten überschreitet, spricht man von einer begin- nenden Chronifizierung der Schmerzen. Da hierbei für den Patienten eine dauerhafte Schmerzsituation im Alltag vorherrscht, liegt es nahe, dass aufgrund von bis dato un- geklärten definitiven Entstehungsursachen mit geraumer Zeit auch z.B. Angst- und De- pressionsgedanken (Schneider, Mohnen, Schiltenwolf & Rau, 2007) hinzutreten. Folg- lich kann dies den chronifizierten Problemzustand verstärken und somit eine Heilung erschweren. Gerade hier ist es demnach so wichtig Licht ins Dunkel zu bringen und Behandlungsansätze in den Fokus zu rücken, die höchstwahrscheinliche Erfolge in Bezug auf Schmerzreduzierung oder Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit bestätigen. Nachvollziehbar ist somit, dass Patienten mit chronischen lumbalen Rückenschmerzen (chronic low back pain = CLBP) aufgrund häufig 'leerer' Versprechungen eine niedrige Frustrationsschwelle besitzen (Bello, Kalu, Adegoke & Agyepong-Badu, 2011). So ste- hen sie erwiesenermaßen verschiedenen Behandlungsansätzen, die als DIE einzige Lösung hinsichtlich ihrer Problematik propagiert werden, tendenziell äußerst skeptisch gegenüber (Haldeman & Dagenais, 2008). Trotz allem suchen aber viele der CLBP- Patienten bewusst die Hilfe bei Physiotherapeuten, um ihre Schmerzen langfristig zu reduzieren oder Beweglichkeit zurückzugewinnen (Airaksinen, 2006; Breivik, Collett, Ventafridda, Cohen & Gallacher, 2006). Untersuchungen in der Vergangenheit zeigen, dass aktive Bewegung chronisch lumbale Rückenschmerzen de facto effektiv reduzie- ren kann (Rainville, Hartigan, Martinez, Limke, Jouve & Finno, 2004; Shnayderman & Katz-Leurer, 2013). Auch Lin, Macedo, Barnett, Smeets & Verbundt weisen 2011 da- rauf hin: Rückenschmerz seien nicht selten mit einem niedrigem Status an körperlicher Fitness verbunden. So zeigen sich bei CLBP-Patienten, in unterschiedlichen Ausprä- gungen, typische Merkmale wie beispielsweise eine verminderte körperliche Ausdauer, reduzierte Muskelkraft oder eine atrophierte Muskulatur durch zu wenig Bewegung (Geisser & Theisen-Goodvich, 2005). Ebenso zu bestätigen sind mitunter Symptome wie ein vermindertes Kraftpotential im Bereich der Bauchmuskulatur und der Wirbel- säulenextensoren. Allgemeines Kräftigungstraining, gezielte Wirbelsäulenstabilisation oder Bewegungstraining innerhalb einer Gruppe sind Optionen, um einem permanen-ten Status von CLBP oder rezidiven Phasen dieses Zustandes entgegenzuwirken (Ma- her, 2004). All dies sind Ansatzpunkte und Übungsindikationen mit denen Physiothera- peuten, die sogenannten Bewegungsspezialisten, tagtäglich konfrontiert sind. Nun stellt sich aber die Frage, wie es denn wäre diese Art von Bewegungstraining nicht im herkömmlichen Fitness- oder KG-Raum einer Praxis oder eines Krankenhauses auszu- führen, sondern im Wasser. So gibt es eine ganze Reihe an Vorteilen, die für Therapie- maßnahmen im Umfeld dieses Elementes sprechen. Bereits in den 90er Jahren des zurückliegenden Jahrtausends beschrieben Konlian, McNeal & Ferrell (1999, 1990, 1998), dass Bewegung im Wasser für Patienten mit Schmerzsymptomatiken meist er- träglicher als an 'Land' seien. Grund dafür sind zum einen der hydrostatische Druck und zum anderen die jeweilige Wassertemperatur – beide Komponenten sorgen dafür, dass Schmerz über die sensorische Wahrnehmung der Haut als geringer empfunden wird. Ein weiterer positiver Aspekt, der diesen Trainingsansatz im Wasser untermauert sind die reduzierte Belastung der körperlichen Gelenke und die Verringerung des axialen Drucks auf die Wirbelsäule (Camilotti, Rodacki, Israel & Fowler, 2009). Die indi- viduelle Anpassung der Bewegungsgeschwindigkeit gegen den Wasserwiderstand führt zu Muskelkräftigung (D'Acquisto, D'Acquisto & Renne, 2001), was besonders Menschen mit geringem Fitnesslevel zugute kommt (Tsourlou, Benik, Dipla, Zafeiridis & Kellis, 2006).

Die aktuelle wissenschaftliche Lage gibt ansatzweise Auskunft darüber, dass Bewegungstraining im Wasser eine sichere, effektive und obendrein kostengünstige Methode sei, um Patienten mit CLBP zu behandeln (Silva, Valim, Pessanha, Oliveira, Myamoto, Jones & Natour, 2008; Yozbatiran, Yildirim & Parlak, 2004; Sjogren, Long, Storay & Smith, 1997; Ariyoshi et al., 1999; Dundar, Solak, Yigit, Evcik & Kavuncu 2009). Dennoch gibt es im Gesamten betrachtet wenig Erkenntnis darüber, ob Übungs- therapie im Wasser, abgesehen vom Schonungsfaktor, tatsächlich effizienter oder we- niger effizient als Training auf trockenem Boden sei (Bello et al., 2011).

Mit dieser vorliegenden Arbeit, in Form einer reinen wissenschaftlichen Litera- turrecherche, gilt es anhand von vier Studien grundsätzlich herauszufinden, welchen Effekt aktives Bewegungstraining im Wasser bei Patienten mit chronischen aspezifi- schen lumbalen Wirbelsäulenschmerzen bezüglich der Schmerzintensität besitzt.

1.2 Zielsetzung

Gerade bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen, die für die jeweilige Physiotherapiepraxis eine längerfristige 'Kundschaft' darstellen, ist es das Ziel Thera- peutenkollegen zur Anwendung von diversen Maßnahmen zu motivieren, die nicht in die Kategorien der reinen üblichen 'Hands-on' Techniken (wie z.B. Massage) fallen. Um für den Patienten ein neues PT-Bild zu prägen, welches fernab von etwaigen mas- sierenden Fachkräften liegen soll, ist es enorm wichtig, dass Therapeuten selbst mit neuem Selbstbewusstsein und überzeugter Aussagekraft an den Patienten herantre- ten, um dadurch bei diesem die nötige Compliance zu erwecken. Gleichzeitig ist es das Ziel die Linderung von 'chronischen Rückenschmerzen' bzw. die Beweglichkeit im LWS Bereich nachhaltig positiv beeinflussen zu können. Das Krankheitsbild CLBP ist viel- leicht in vieler Augen ein 'abgedroschenes' und viel diskutiertes Thema. Die Relevanz dieser Problematik liegt vielleicht gerade deshalb darin, dass eine derart hohe Anzahl an Betroffenen, trotz Teilnahme an Trainingseinheiten oder Physiotherapie, nach wie vor besteht. Es müssen also Gründe existieren warum, Patienten immer wieder in die- se Art von 'Leidenszustand' verfallen, statt langfristige Heilung ihrer Schmerzsympto- matik zu erfahren. Erfahrungsgemäß setzt sich die hierfür anvisierte Zielgruppe haupt- sächlich aus Personen ab dem mittleren Lebensalter zusammen, die meist einer sit- zenden beruflichen Tätigkeit nachgehen/nachgingen und wenig Motivation für Eigenak- tivität aufweisen. Würde man es also schaffen, eine große Anzahl dieser CLBP-Patien- ten dauerhaft dazu zu bewegen, nicht alltägliche Bewegungskonzepte, wie z.B. aktives Bewegungstraining im Wasser durchzuführen, wäre es denkbar, dass derartige sportli- che Handlungen auch ein Umdenken hinsichtlich der persönlichen körperlichen Wert- schätzung mit sich bringen. Macht der Patient erst die positive Erfahrungen in Bezug auf physische Aktivität und damit verbundene Schmerzreduzierung (Rainville et al., 2004; Shnayderman & Katz-Leurer, 2013) wird auch die Motivation steigen dieses Ge- fühl immer wieder erleben zu wollen.

In Bezug auf das Begleitprodukt zur Bachelorarbeit sieht der Plan folgenderma- ßen aus: Zunächst einmal soll sich der Inhalt dieser Untersuchung an das Therapeu- tenteam der orthopädischen Physiotherapiepraxis 'PhyZio' Schwandorf wenden – eine Ausweitung auf umliegende Praxen kann gegebenenfalls vorgenommen werden. Als dafür verwendetes Medium soll eine eigens hierfür angefertigte Powerpointpräsentati- on oder gegebenenfalls ein, dafür extra verfasster, journalistischer Fachartikel dienen. Der tiefere Sinn dahinter ist es grundsätzlich, einerseits darauf aufmerksam zu ma- chen, dass aktives Training de facto das Mittel zur Wahl bei Rückenschmerzen dar- stellt. Andererseits bedeutet dies nicht, Bewegungstraining im Wasser müsse ab sofort bei jedem Patienten angewendet werden – ein Weiterdenken im Sinne einer gemein- sam, mit dem CLBP-Patienten, motivierenden Beratung zu dieser Art von Aktivität, würde bereits einen Erfolg für Therapeut und Klient darstellen. Ebenso denkbar wäre die Option, anhand der letztendlich neu gewonnen wissenschaftliche Argumentations- grundlagen zukünftige Kooperationen mit Schwimmvereinen oder Aquasportgruppen aufzubauen. Interprofessionelle und berufsübergreifende Netzwerke sind bereits heut- zutage und in Zukunft, noch weitaus mehr, die Grundlage für Qualität und effektive Zu- sammenarbeit.

1.3 Fragestellung

Wie am Ende des ersten Unterkapitels zur 'Einleitung' bereits angesprochen wurde, liegt das Ziel dieser Arbeit darin, nicht das herkömmliche Bewegungstraining an Land bei lumbalen Rückenschmerzen genauer zu betrachten, sondern die aktive Be- handlung jener Problematik im Umfeld von Wasser. Wichtig anzumerken ist hierbei, dass es sich bei der vorliegenden Untersuchung zu keiner Zeit um hydrotherapeutische Anwendungen wie Güsse, Wickel, Waschungen oder dergleichen handelt. Obwohl der Titel mancher hier verwendeter Studien diese Vermutung erwecken mag, drehen sich die inhaltlichen Aspekte jener vier wissenschaftlichen Literaturgrundlagen ausschließ- llich um Wassertherapie im Sinne von aktivem Bewegungstraining. Der genaue Wort- laut der PIO-Fragestellung zeigt sich demnach wie folgt:

Was ist der Effekt von aktivem Bewegungstraining im Wasser bei Patienten mit chronischen aspezifischen lumbalen Wirbelsäulenschmerzen bezüglich der Schmerzintensität?

1.4 Methode

Die vorliegende Arbeit setzt sich ausschließlich aus einer reinen Literaturrecher- che zusammen, was bedeutet, dass hierfür themenspezifische Studien in verschiede- nen wissenschaftlichen Datenbanken gesucht wurden. Ziel war es, diese hinterher aus- zuwerten, zu interpretieren und miteinander zu vergleichen. Das daraus hervorgehen- de Ergebnis trägt schließlich zur Beantwortung der eingangs festgelegten Fragestel- lung bei. Im Gegenzug bedeutet dies gleichermaßen, dass in diesem Fall keine eige- nen wissenschaftlichen Erkenntnisse in Form von aktiven Forschungsprojekten erzeugt werden. Als verwendete Suchmethode wurde hauptsächlich mit Bool'schen Operatoren gearbeitet.

Bei der folgenden Literaturrecherche wurde darüber hinaus mit diversen Begrif- fen gearbeitet, die oftmals keine effektiven zielgerichteten Ergebnisse erzielten – fol- gende Suchbegriffe wurden exemplarisch verwendet: low back pain / low back / lumbar/ lumbal / lumb* AND (in verschiedenen Kombinationen angeknüpft) → balneotherapy /water therapy / hydrotherapy / water / balneo / hydro / aquatherapy / aqua / H2O / bal-ne* / flood / float* / dilution / bath* / drown / immersion / Kneipp.

Da viele Suchanfragen mit oben genannten Suchwörtern keine Ergebnisse lie- ferten, werden aufgrund, der textlichen Ausdehnung, nur die tatsächlich zielführenden Suchanfragen unten aufgelistet (siehe Tabelle 1/2/3/4: Suchtabelle 1/2/3/4). Dabei ist anzumerken, dass zwar in früheren Jahren (z.B. in den 90er Jahren des 20. Jahrhun- derts) einige Studien mehr zu diesem Thema angefertigt wurden. Aufgrund des 10 Jah- res Filters, ist die Anzahl der verfügbaren Studien bis dato stark eingegrenzt. Der gene- relle Suchzeitraum erstreckt sich in etwa auf zwei Monate. Eine weitere Aufnahme ei- nes erneuten ausgedehnten Suchzeitraumes wäre insofern hinfällig gewesen, da es bereits in jenem temporären Rahmen eine Herausforderung darstellte eine ausreichen- de Anzahl an aktuellen Studien zu finden, die den jeweiligen wissenschaftlich notwen- digen Kriterien entsprachen. So gibt es dennoch zu dieser Thematik ebenso einige Re- views oder Grundlagen, welche das aktuelle 10-Jahres Intervall überschreiten. Die be- nötigten Literaturquellen hingegen sollten die Betitelung eines RCT oder CCT besitzen. In Bezug auf die vorliegende Fragestellung lag die Voraussetzung zudem darin, dass die Studien nur Untersuchungen enthielten, bei denen die Wirkung von aktiver Wasser- therapie auf das Outcome 'Schmerz' dokumentiert werden sollte. Führten bestimmte Studien nun additive Interventionen - neben dem aktiven Bewegungstraining im Was- ser - mit auf, wäre es fraglich welche Intervention nun tatsächlich mehr oder weniger auf das Outcome 'Schmerz' eingewirkt hätte. Ebenso schien es schier unmöglich eine akzeptable Anzahl an Studien zu finden, die beispielsweise Bewegungstherapie im Wasser mit Bewegungstherapie an Land vergleiche. Zweifelsohne existieren Studien in dieser Richtung – der entscheidende Aspekt liegt lediglich darin, all die oben genan- nten Komponenten und Prämissen in einer Studie zu vereinen. Genau aus diesem Grund, wurde statt, mit einem Blick auf eine PICO-Fragestellung, mit einer PIO-Frage- stellung gearbeitet. Vergleicht man nun die aktuell vorliegenden Studiengrundlagen, so wird deutlich, dass auch hier einige Quellen zwei Therapieformen miteinander verglei- chen. Entscheidend ist dennoch nur das jeweilige Outcome in Bezug auf das aktive Bewegungstraining im Wasser – und dies wird in allen vier Studien, mitunter auch, als alleinige Intervention ohne Zusatzanwendungen betrachtet. Die nachfolgenden vier Suchtabellen beschreiben an dieser Stelle, wie es jeweils zur Extraktion der vier wis- senschaftlichen Literaturgrundlagen für diese Arbeit kam. Neben der Suche in PubMed wurde eine weitere PEDro Recherche anberaumt. Abgesehen von der meist üblichen Suche durch 'Queries', führte auch die Suche mit Bool'schen Operatoren zu teilweise erfolgreichen Suchergebnissen. Die Tabellen 1 bis 4 zeigen in sich geschlossen jeweils den Suchprozess bis hin zur jeweils final ausgesuchten Literaturstudie, die die vorab festgelegten qualitativen Bedingungen erfüllte. Während somit unzählige Suchanfragen ins Nichts führten, lag das Geheimnis eines erfolgreichen Suchergebnisses meist im Einsatz spezifischer 'Triggerwörter'. Wurden diese thematisch repräsentativen Begriffe zielgerichtet eingesetzt, konnte man eine gewisse Anzahl aussichtsreicher Ergebnisse vermuten (siehe Tabelle 1: Suchtabelle 1). Die PEDro Suche (Tabelle 2: Suchtabelle 2) verlief ebenso dahingehen zielführend, dass bei der vierten Suchanfrage zwar 42 Er- gebnisse im Raum standen – unter diesen jedoch, konnte man überschaubar und zeit- sparend das jeweilige Endprodukt auswählen. Des Weiteren waren auch die Ergebnis- se von den, in Tabelle 3 (Suchtabelle 3) und Tabelle 4, aufgelisteten Suchoperationen (Suchtabelle 4) rasch ermittelt. Der entsprechende Verweis auf den/die Autor(en) zur zugehörigen Wissenschaftsquelle ist sichtbar direkt unter den einzelnen Tabellen auf- geführt. Abgesehen von diesen Quellen, fanden zu keiner Zeit Fach-/Experten- oder Beratungsgespräche mit Spezialisten bezüglich dieser Sachthematik statt.

Tabelle 1: Suchtabelle 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellarische Übersicht der Literatursuche bis → Studie (Baena-Beato et al., 2014)

Tabelle 2: Suchtabelle 2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellarische Übersicht der Literatursuche bis → Studie (Bello et al., 2011)

Tabelle 3: Suchtabelle 3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellarische Übersicht der Literatursuche bis → Studie (Dundar et al., 2009)

Tabelle 4: Suchtabelle 4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellarische Übersicht der Literatursuche bis → Studie (Pires, Cruz & Caeiro, 2015)

1.5 PEDro-Bewertung

In diesem Unterkapitel erfolgt eine detaillierte tabellarische Darstellung der ein- zelnen wissenschaftlichen Studien im Hinblick auf die Präsenz der respektiven PEDro- Kriterien (siehe Tabelle 5: PEDro-Tabelle). Wie die nachfolgend abgedruckte Tabelle zeigt, wurden alle Studien anhand ihrer Autoren in horizontaler Reihenfolge parallel aufgeführt. Die vertikale Reihung der vordersten Spalte gibt eine zahlenmäßige Darste- llung der jeweiligen PEDro-Kriterien in systematisch geordneter Struktur wider. Sowohl die explizite Titulierung der vier Studien, als auch die Erläuterung der durchnummerie- rten PEDro-Kriterien sind unterhalb der tabellarischen Überblickstafel nochmals klar und ausführlich ausformuliert.

Tabelle 5: PEDro-Tabelle

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellarische Übersicht der vollständig bewerteten Studien nach PEDro-Kriterien → (Baena-Beato et al., 2014; Bello et al., 2011; Dundar et al., 2009; Pires et al., 2015) / Zeichenerklärung: --- = Nein / + = Ja

Kurzübersicht der Studientitel (a) bis (d) zu den entsprechenden oben genannten Autoren (sie- he Tabelle 5: PEDro Tabelle):

a) Aquatic therapy improves pain, disability, quality of life, body composition and fitness in se- dentary adults with chronic low back pain. A controlled clinical trial.
b) Hydrotherapy versus land-based exercises in the management of chronic low back pain: a comparative study.
c) Clinical effectiveness of aquatic exercise to treat chronic low back pain: a randomized con- trolled trial.
d) Aquatic exercise and pain neurophysiology education versus aquatic exercise alone for pa- tients with chronic low back pain: a randomized controlled trial.

[...]

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Aktive Wassertherapie bei chronischen aspezifischen Schmerzen am unteren Rücken
Note
2,5
Autor
Jahr
2017
Seiten
39
Katalognummer
V503404
ISBN (eBook)
9783346066251
ISBN (Buch)
9783346066268
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Physiotherapie, THIM, Thim van der Laan, CLBP, Chronisch spezifische Rückenschmerzen, water-based therapy, land-based therapy, aktive Therapie, Chronic Low Back Pain, Hochschule, Utrecht, Nieuwegein
Arbeit zitieren
Julia Schart (Autor), 2017, Aktive Wassertherapie bei chronischen aspezifischen Schmerzen am unteren Rücken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/503404

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