Die Kriegervereine als größte Massenorganisation im Kaiserreich - Schnittpunkte zwischen den Vereinen und der Öffentlichkeit


Seminararbeit, 2003

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Die Kriegervereine als größte Massenorganisation im Kaiserreich

2 Schnittpunkte zwischen den Kriegervereinen und der Öffentlichkeit
2.1 Öffentlichkeitsarbeit der Vereine und des Militarismus durch die Presse
2.1.1 Vereins- bzw. verbandsinterne Presseorgane
2.1.2 Allgemeine militaristische Zeitungen
2.2 Das Einwirken der Ideen der Kriegervereine in die Familien
2.2.1 Die Rolle des Vaters aus Sicht der Kriegervereine
2.2.2 Der Aufgabenbereich der Ehefrau und Mutter
2.2.3 Vorstellungen der Kriegervereine zur Kindererziehung
2.3 Das Vereinsleben als gesellschaftlicher Integrationsfaktor
2.3.1 Massenbeeinflussung durch Feste und Feiern
2.3.2 Vereinszugehörigkeit als Zeichen gesellschaftlichen Ansehens
2.3.3 Gesellschaftliche, quasi-staatliche Aufgaben der Kriegervereine
2.4 Beziehungen zwischen dem Militär und den Kriegervereinen
2.4.1 Veteranen als Initiatoren der Massenbewegung
2.4.2 Reservisten als Bindeglied zu Militär und Gesellschaft
2.4.3 Die Bedeutung des Militärs für Kriegervereine und Gesellschaft

3 Resümee Quellen- und Literaturverzeichnis
1 Quellenverzeichnis
2 Literaturangaben

1 Die Kriegervereine als größte Massenorganisation im Kaiserreich

„Die Kriegervereine waren eine alltägliche Erscheinung in der wilhelminischen Zeit.“[1] Dieses Zitat allein sagt bereits viel aus über die Verbreitung, Wirkung und Stellung des Kriegervereinswesens im Deutschen Kaiserreich. Die erfolgreichen Einigungskriege der Jahre 1864, 1866 und 1870/71 bildeten die Grundlage für die Hochachtung alles Militärischen, und diese Wertvorstellungen und Normen breiteten sich in der ganzen Gesellschaft bis hinein in die alltäglichen Gewohnheiten aus.[2]

„1913 zählte der Kyffhäuserbund, der 1899 gegründete Dachverband, fast 32000 Vereine mit über 2,8 Millionen Mitgliedern – die mit Abstand größte organisierte Massenbewegung im wilhelminischen Deutschland.“[3] Die Tatsache, daß sich diese Vereinigung so stark ausdehnen konnte, um weite Bevölkerungsteile zu erreichen und zu durchdringen, wirft die Frage nach den Schnittpunkten und den Beziehungen zwischen Kriegervereinen und Gesellschaft auf.

Dieser Aspekt soll gleichsam der Leitgedanke der vorliegenden Arbeit sein.

Bereits einige Autoren haben sich mit der Thematik der Kriegervereine im Deutschen Kaiserreich beschäftigt. Besonders hervorzuheben ist hier Thomas Rohkrämer mit seinem Werk „Der Militarismus der «kleinen Leute». Die Kriegervereine im Deutschen Kaiserreich 1817 – 1914“ und Harm-Peer Zimmermann mit „Der feste Wall gegen die rote Flut. Kriegervereine in Schleswig-Holstein 1864 – 1914“. Des weiteren fanden Publikationen von Dieter Düding, Thomas Nipperdey, Karl Buchheim und Volker R. Berghahn Verwendung.

Als Quellen wurden die Aufzeichnungen aus der Militärzeit von Kurt Ernst Gottfried von Bülow und die zeitgenössischen Kommentare von Ludwig Quidde hinzugezogen. Auch einige militaristische Zeitungen des Kaiserreichs werden zitiert.

Zunächst beschäftigt sich die Arbeit mit der Presse als Mittel der Öffentlichkeitsarbeit und –beeinflussung der Kriegervereine, im darauffolgenden Abschnitt wird ein Einblick gegeben, wie die Vorstellungen dieser Vereine in die Familien Einzug hielten. Der vorletzte Aspekt bezieht sich auf das Vereinsleben als Mittel zur Gewinnung der Massen und abschließend werden die Beziehungen zwischen Militär und Kriegervereinen untersucht.

2 Schnittpunkte zwischen den Kriegervereinen und der Öffentlichkeit

Wie oben bereits erwähnt waren die Kriegervereine die größte Massenorganisation im wilhelminischen Deutschland. Es ist also offensichtlich „daß die Kriegervereine im Prozeß der Nationalisierung und Militarisierung breiter Bevölkerungsschichten […] eine exzeptionelle Rolle spielten.“[4]

Im folgenden sollen nun die Möglichkeiten aufgezeigt werden, die die Kriegervereine hatten, um in solchem Umfang die Gesellschaft für sich zu begeistern und zu vereinnahmen, denn es gab nicht nur in fast jeder Stadt des Reiches einen Kriegerverein, sondern auch in den ländlichen Gebieten war das Vereinswesen voll erblüht.[5]

2.1 Öffentlichkeitsarbeit der Vereine und des Militarismus durch die Presse

Im 19. Jahrhundert war die Presse das Medium zur Übermittlung von Informationen und zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung. Selbstverständlich machten sich auch die Kriegervereine diese Vorteile zu Nutzen und versuchten, die Ansichten ihrer Mitglieder auf diese Weise zu bestimmen oder zumindest zu durchsetzen. Doch diese Vorgehensweise war nicht nur ein probates Mittel der Kriegervereine, sondern auch der allgemein spürbare Militarismus der wilhelminischen Zeit konnte durch Veröffentlichungen in der Presse, Einfluß auf die Bevölkerung des Kaiserreichs nehmen.

2.1.1 Verbands- bzw. vereinsinterne Presseorgane

Es gab eine große Vielzahl von Veröffentlichungen seitens der Kriegervereine. „Dazu gehörten Geschäftsberichte, die Protokolle der Abgeordnetentage, die allmonatlich oder häufiger verschickten Rundschreiben […], die Flugblätter aus Anlaß von Reichstags- oder Landtagswahlen. Hinzu kamen Publikationen in Broschüren- oder Buchform […]“.[6] Zu unterscheiden war hier stets nach sporadischen oder nach regelmäßig erscheinenden Publikationen.

Das Ziel aller Veröffentlichungen war das gleiche: die Rekruten, entlassenen Wehrpflichtigen und Mitglieder sollten „erzogen“ und die Bevölkerung „aufgeklärt“ werden. Außerdem sollte so der Kampf gegen die Sozialdemokratie ausgefochten werden.[7]

Doch auch „viele «kleine Leute», die ihr Leben ansonsten nicht für so relevant hielten, daß sie es schriftlich festgehalten hätten, veröffentlichten ihre Kriegserlebnisse, einige auch Berichte von ihrer Militärzeit.“[8] Das heißt, auch die Mitglieder konnten Berichte einsenden und zur Veröffentlichung bringen. Aber häufiger anzutreffen waren Schriften und Meinungen von – ehemaligen – Militärangehörigen, die sich professionell mit dem Krieg beschäftigten. Diese Verlautbarungen fanden eine zunehmend breitere Resonanz.[9]

Um ein paar Bespiele zu nennen wären da das „Jahrbuch des Deutschen Kriegerbundes“, „Handbuch für die Kriegervereine des Preußischen Landes-Kriegerverbandes“ oder die „Parole“, welche zu einem Zentralorgan avancieren sollte. Der Gehalt dieser Zeitung war sehr umfangreich mit Bekanntmachungen, Kommentaren, Protokollen, Anregungen, einem Unterhaltungsteil, belehrenden Darstellungen, aber auch Humoresken und Gedichten.[10]

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Kriegervereins-Zeitschriften doch vornehmlich vom Denken der Vereinsvorstände geprägt waren und der Schar der Mitglieder die nationalistische Gesinnung vermitteln sollten, auch wenn sporadisch Artikel von Vereinsmitgliedern veröffentlicht wurden.[11]

2.1.2 Allgemeine militaristische Zeitungen

Neben den verbands- bzw. vereinsspezifischen Publikationen, die von den jeweiligen Institutionen für die Mitglieder selbst herausgegeben wurden, gab es noch eine Vielzahl anderer Militär-Zeitungen, die ebenfalls die Durchdringung der Gesellschaft mit militaristischem und nationalistischem Gedankengut zum Ziel hatten.

Als Beispiele sollen hier die „Neue Militär-Zeitung“, die „Allgemeine Militär-Zeitung“ oder die „Bayerische Militär-Zeitung“ genannt werden. Herausgegeben wurden solche Zeitungen zumeist von deutschen Offizieren und fungierten als Organ für ehemalige wie aktuelle oder auch zukünftige Militärereignisse:

„Was wir wollen! Unter strenger Beachtung der Heeresdisziplin wollen wir ein Organ herausgeben, das speziell den Unteroffizieren und Mannschaften der bayerischen Armee gewidmet ist, welches aber in keiner Weise den Standpunkt partikularistischer Engherzigkeit einnehmen wird, dessen Gesichtskreis nicht über die

weißblauen Grenzpfähle hinüberreicht und der alles von Norddeutschland Kommende schon im Voraus mit scheelen Augen und Mißtrauen betrachtet. Nein, unser Organ wird gut bayerisch aber ebensogut treu deutsch sein, denn unsere Devise lautet: Mit Gott für König und Vaterland, für Kaiser und Reich! […]“[12]

Die Kapiteleinteilung der Zeitungen wiederholte sich in jeder Ausgabe mit unterschiedlichen Themen. So bestand beispielsweise die „Neue Militär-Zeitung“ stets aus „Aufsätzen, kleineren Mitteilungen, Literatur, Nachrichten, Kameradschaftlicher Korrespondenz“.[13] Die Bayerische Militär-Zeitung fand immer neues Informationsmaterial zu den Kategorien „Heer und Flotte, Vakanzenliste für Militäranwärter, Feuilleton und Aus fremden Armeen“.[14]

In einigen Artikeln dieser Zeitung wird auch hier der Wunsch ersichtlich, Einfluß auf die Gesellschaft zu nehmen, wie beispielsweise im Aufsatz „Gute Kindererziehung – die beste Mannszucht“[15] oder „Über Selbsterziehung“[16].

Resümierend zur Öffentlichkeitsarbeit über Pressemittel läßt sich sagen, daß auch hierdurch versucht wurde, die Gesellschaft seitens des Militärs und der Kriegervereine zu beeinflussen. Zeitungen und Publikationen fanden ihren Weg in die Hände auch vieler „kleiner Leute“, woraus sich ein unmittelbarer Schnittpunkt zwischen den militaristischen Intentionen der Kriegervereine und dem Bewußtsein des Volkes ergab.

2.2 Das Einwirken der Ideen der Kriegervereine in die Familien

Die Ideen und Forderungen des nationalistischen Denkens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts machten auch vor den Familien nicht halt. Da die Kriegervereine zum Sinnbild von Nationalismus und Militarismus wurden, erwartete man auch von den Mitgliedern, daß sie die Gepflogenheiten des Vereinslebens in die Familien mitnahmen. „Im Unterschied zu liberalen Vorstellungen akzeptierte das nationalistische Denken keine Trennung zwischen öffentlichem und privatem Bereich.“[17]

[...]


[1] Dieter Düding, Die Kriegervereine im wilhelminischen Reich und ihr Beitrag zur Militarisierung der deutschen Gesellschaft in Jost Dülffer: Bereit zum Krieg: Kriegsmentalität im wilhelminischen Deutschland 1890-1914, Beiträge zur historischen Friedensforschung, Göttingen 1986, S. 99-115, S. 101.

[2] Volker Ullrich, Die nervöse Großmacht 1871-1918. Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreichs, Frankfurt am Main 2001 (1 1997), S. 398.

[3] Ebd., S. 401.

[4] Düding, Kriegervereine, S. 101.

[5] Ebd.

[6] Harm-Peer Zimmermann, Der feste Wall gegen die rote Flur. Kriegervereine in Schleswig-Holstein 1864-1914 (= Studien zur Volkskunde und Kulturgeschichte Schleswig-Holsteins, Bd. 22), Neumünster, 1989, S. 162.

[7] Ebd.

[8] Thomas Rohkrämer, Der Militarismus der „kleinen Leute“. Die Kriegervereine im Deutschen Kaiserreich 1817-1914 (= Beiträge zur Militärgeschichte Bd. 29), München, 1990, S. 19.

[9] Thomas Nipperdey, Deutsche Geschichte 1866-1918: Band II., Machtstaat vor der Demokratie, München, 1992, S. 236.

[10] Zimmermann, Wall, S. 163f.

[11] Rohkrämer, Militarismus, S. 19.

[12] Bayerische Militär-Zeitung, Probenummer, S. 1.

[13] Neue Militärzeitung, Jahrgang 1858.

[14] Bayerische Militärzeitung, 1902.

[15] Bayerische Militärzeitung, Ausgabe 1, S. 2.

[16] Bayerische Militärzeitung, Ausgabe 12, S. 1.

[17] Rohkrämer, Militarismus, S. 214.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Kriegervereine als größte Massenorganisation im Kaiserreich - Schnittpunkte zwischen den Vereinen und der Öffentlichkeit
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Neuere und neueste Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar Neuere und neueste Geschichte: Grundprobleme des Deutschen Kaiserreichs (1871-1918)
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V50342
ISBN (eBook)
9783638465823
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kriegervereine, Massenorganisation, Kaiserreich, Schnittpunkte, Vereinen, Proseminar, Neuere, Geschichte, Grundprobleme, Deutschen, Kaiserreichs
Arbeit zitieren
Daniela Scharnagl (Autor), 2003, Die Kriegervereine als größte Massenorganisation im Kaiserreich - Schnittpunkte zwischen den Vereinen und der Öffentlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50342

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