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Die existenzielle Daseinsproblematik des Menschen in der Moderne

Reflexion, Illusionslosigkeit und Entfremdung in Robert Musils "Der Mann ohne Eigenschaften" und Thomas Manns "Doktor Faustus"

Título: Die existenzielle Daseinsproblematik des Menschen in der Moderne

Tesis (Bachelor) , 2019 , 53 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Lena Bachleitner (Autor)

Filología alemana - Literatura alemana moderna
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"Es ist die Funktion der Vernunft, die Kunst des Lebens zu fördern." Das Gefühl der Menschen, so heißt es im Mann ohne Eigenschaften von Robert Musil, habe jedoch „noch nicht gelernt, sich ihres Verstandes zu bedienen, und zwischen diesen beiden liegt ein Unterschied in der Entwicklung, der fast so groß ist wie der zwischen dem Blinddarm und der Großhirnrinde.“
Diese Daseinsproblematik ist das Thema der vorliegenden Arbeit.

Die innere Dürre, die ungeheuerliche Mischung von Schärfe im Einzelnen und Gleichgültigkeit im Ganzen, das ungeheure Verlassensein des Menschen in einer Wüste von Einzelheiten, seine Unruhe, Bosheit, Herzensgleichgültigkeit ohnegleichen, Geldsucht, Kälte und Gewalttätigkeit, wie sie unsre Zeit kennzeichnen, sollen […] einzig und allein die Folge der Verluste sein, die ein logisch scharfes Denken der Seele zufügt! (MoE, S. 40)

Diese Ambivalenz, die im Innern aufklafft, scheint charakteristisch für den Menschen in der Moderne zu sein und zugleich seine Entfremdung zu bewirken. Der Mensch mit seinem Fühlen und Streben nach Sinnhaftigkeit, steht jenem logisch scharfen Denken, überhaupt der rationalistischen Weltauffassung der Moderne, anachronistisch gegenüber. Die Folge dessen: die stetige Absorption der Seele zugunsten des rationalistischen Weltbezuges und damit der Verlust der Unmittelbarkeit zum eigenen Erleben. Dadurch wird, wie es scheint, eben nicht die Kunst des Lebens gefördert, sondern sich vielmehr von ihr entfernt, von den "Quellen des Lebens".

Um deshalb einen tieferen Einblick in die oben geschilderte Problematik zu geben, bedient sich diese Arbeit der Philosophie Nietzsches als Bezugsrahmen, bevor näher auf den jeweils zeithistorischen Kontext der beiden Werke und Hauptprotagonisten eingegangen wird. Anschließend werden die Hauptaspekte der jeweiligen Werke, Reflexion, Illusionslosigkeit und Entfremdung, näher betrachtet, bevor, vor der abschließenden Schlussbetrachtung, eine Einordnung des Wunsches nach einem anderen Zustand als Utopie folgt.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Protest gegen die Entfremdung: Die Philosophie Nietzsches als Bezugsrahmen

3. Zeithistorischer Kontext: Die entzauberte Wirklichkeit

4. Reflexion, Illusionslosigkeit und Entfremdung

4.1 Die Entwirklichung der Moderne

4.2 Radikale Reflexion von Selbst und Zeit

4.3 Affekt und Intellekt als Antinomie

5. Die Utopie des anderen Zustandes

6. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die existenzielle Daseinsproblematik des Menschen in der Moderne anhand eines Vergleichs der Romane Der Mann ohne Eigenschaften von Robert Musil und Doktor Faustus von Thomas Mann. Dabei wird analysiert, wie die Protagonisten Ulrich und Adrian Leverkühn mit Entfremdung, Illusionslosigkeit und dem Verlust der Unmittelbarkeit umgehen, wobei Friedrich Nietzsches Philosophie als theoretischer Bezugsrahmen dient.

  • Die kritische Rolle von Reflexion und Intellekt in der Moderne
  • Die Entfremdung des Menschen von sich selbst und seiner Umwelt
  • Die Suche nach einer authentischen Existenz oder einem "anderen Zustand"
  • Die Darstellung von Krankheit und Sterilität als Begleiterscheinungen des Genies
  • Der Einfluss der rationalistischen Weltauffassung auf das menschliche Erleben

Auszug aus dem Buch

4.2 Radikale Reflexion von Selbst und Zeit

Die kritische Reflexion und Analyse, insbesondere die der eigenen Affekte, machen Spaltung und Zergliederung zur identitätsstiftenden Erfahrung in der Moderne. Reflexion stellt das Gegenwärtige immer in Frage, womit automatisch eine Illusionslosigkeit einhergehen muss, indem gerade ein Konzept wie das der Identität entlarvt wird. Welches Konzept man von Identität hat, bestimmt ja die gesamte Wahrnehmung der Wirklichkeit eines Individuums hinsichtlich der Sinnstiftung. So fallen Sicherungen weg, die den Menschen vorher in eine zwar illusionäre, aber doch bequeme Sicherheit gebettet haben. Der folgende Abschnitt konzentriert sich daher insbesondere auf die subjektive Wahrnehmung der Zeitproblematik der Protagonisten Ulrich und Adrian und vor welche individuellen Schwierigkeiten sie dadurch gestellt werden.

Ulrich charakterisiert sich eben durch diese radikale Selbstreflexion, die ihn dazu führt, die Haltung des „modern-geniale[n] Daseins der Eigenschaftslosigkeit in gestaltloser Abstraktion“ einzunehmen. So ist Ulrich der Ansicht, dass das Bewusstsein von Identität auf einer Illusion beruhe, einer „Art perspektivische[n] Verkürzung des Verstandes“, „die diesen allabendlichen Frieden zustandebringt, der in seiner Erstreckung von einem zum andern Tag das dauernde Gefühl eines mit sich selbst einverstandenen Lebens ergibt.“ (MoE, S. 648f.) So entwickle sich ein „beherrschtes Bild“, wobei die „unsichtbaren Verhältnisse“ von „Verstand und Gefühl derart verschoben [werden - Hvhb. v. Verf.] daß unbewusst etwas entsteht, worin man sich Herr im Hause fühlt.“ (MoE, S. 649) Dadurch wird die überwältigende „Mannigfaltigkeit des Lebens“ auf einen eindimensionalen „Faden der Erzählung“ eingeschränkt, auf die zeitliche Chronologie von Ereignissen, wodurch der Mensch „zu sich selbst Erzähler“ sei: „sie lieben das ordentliche Nacheinander von Tatsachen, weil es einer Notwendigkeit gleichsieht, und fühlen sich durch den Eindruck, daß ihr Leben einen ‚Lauf‘ habe, irgendwie im Chaos geborgen.“ (MoE, S. 650) Die unbewusste Motivation hinter dieser identitätsstiftenden Illusion ist, sich durch das nicht kontrollierbare äußere Chaos, das sich in der Moderne kontinuierlich durch die totale Auflösung aller bisherigen Ordnungen zuspitzt, eben geborgen zu fühlen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Ambivalenz des modernen Menschen, der zwischen rationalistischem Weltbezug und dem Wunsch nach Unmittelbarkeit steht.

2. Protest gegen die Entfremdung: Die Philosophie Nietzsches als Bezugsrahmen: Darstellung von Nietzsches Philosophie als Quelle für den Protest gegen die moderne Entfremdung und die "Umwertung aller Werte".

3. Zeithistorischer Kontext: Die entzauberte Wirklichkeit: Analyse der Moderne als Subjektivierungsprozess, der mit Säkularisierung, Urbanisierung und dem Verlust metaphysischer Sicherheiten einhergeht.

4. Reflexion, Illusionslosigkeit und Entfremdung: Untersuchung der Lebensfeindlichkeit von Intellektualität und der daraus resultierenden Identitätsauflösung sowie Sterilität in den Romanen.

5. Die Utopie des anderen Zustandes: Erörterung der Sehnsucht nach Ganzheit und Integrität als Gegenentwurf zur fragmentierten, rationalisierten Wirklichkeit.

6. Schlussbetrachtung: Resümee über das Scheitern der Protagonisten bei der Suche nach authentischem Sein innerhalb der reflexiven Distanz der Moderne.

Schlüsselwörter

Moderne, Entfremdung, Reflexion, Friedrich Nietzsche, Identität, Eigenschaftslosigkeit, Doktor Faustus, Der Mann ohne Eigenschaften, Authentizität, Rationalität, Sterilität, Existenz, Subjektivierung, Irrationalismus, Ganzheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Bachelorarbeit analysiert die existenzielle Daseinsproblematik des modernen Menschen anhand der Romane Der Mann ohne Eigenschaften von Robert Musil und Doktor Faustus von Thomas Mann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören Entfremdung, das Verhältnis von Intellekt und Affekt, der Verlust der Unmittelbarkeit, die Rolle der Reflexion sowie der Wunsch nach einem authentischen, ganzheitlichen Dasein.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, das subjektive Erleben der Protagonisten Ulrich und Adrian Leverkühn im Kontext der Moderne zu untersuchen und aufzuzeigen, wie sie an der radikalen Reflexion und der rationalisierten Umwelt scheitern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse, die philosophische (insb. Nietzsche, Sartre, Schopenhauer) und kulturtheoretische Kontexte einbezieht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert den zeithistorischen Kontext der Moderne, die Auswirkungen radikaler Selbstreflexion auf Identität und Kunst, das Spannungsfeld zwischen Rationalität und Lebensnähe sowie die utopische Suche nach einem anderen Zustand.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Moderne, Entfremdung, Reflexion, Identitätsauflösung, Authentizität und die Nietzsche-Rezeption.

Wie unterscheidet sich die Sichtweise von Ulrich und Adrian in Bezug auf die Reflexion?

Während Ulrichs Reflexion als Mathematiker seine Haltung der Eigenschaftslosigkeit fundiert, fungiert sie bei Adrian als Künstler einerseits als konstituierendes Element seines Genies, andererseits als Hemmnis, das ihn in eine kalte Sterilität führt.

Welche Rolle spielt die "Krankheit" in der Analyse?

Krankheit wird als ein notwendiger Katalysator für das Genie dargestellt; sie bricht die Sterilität der rationalisierten Welt auf und ermöglicht einen Durchbruch zu einer neuen, wenn auch destruktiven Form von Ausdruck und "Leben".

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Detalles

Título
Die existenzielle Daseinsproblematik des Menschen in der Moderne
Subtítulo
Reflexion, Illusionslosigkeit und Entfremdung in Robert Musils "Der Mann ohne Eigenschaften" und Thomas Manns "Doktor Faustus"
Universidad
LMU Munich  (Institut für Deutsche Philologie)
Calificación
1,0
Autor
Lena Bachleitner (Autor)
Año de publicación
2019
Páginas
53
No. de catálogo
V503507
ISBN (Ebook)
9783346054128
ISBN (Libro)
9783346054135
Idioma
Alemán
Etiqueta
Literatur Moderne Existenzialismus Robert Musil Der Mann ohne Eigenschaften Thomas Mann Doktor Faustus Neue Deutsche Literatur Nietzsche Die entzauberte Wirklichkeit Entfremdung
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Lena Bachleitner (Autor), 2019, Die existenzielle Daseinsproblematik des Menschen in der Moderne, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/503507
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