Die Missionierung der Angelsachsen

Ziele und Strategien einer christlichen Mission


Hausarbeit, 2019

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Verlauf der Mission bei Beda Venerabilis

3. Veranlassung und Ziele der Mission
3.1 Die Angst vor dem nahenden Weltuntergang?
3.2 Die mächtige Königin – Bertha als Anstoß für die Christianisierung?
3.3 Gregor I. als Initiator der Mission

4. Strategien zur Durchsetzung der Mission

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Quellen

Sekundärliteratur

1. Einleitung

Im Jahre 596 nach Christus sandte Papst Gregor der Große (540-604) eine Mission zu den Angelsachsen, die 597 in Kent eintraf. Geleitet wurde diese von Augustinus von Canterbury (gestorben im Jahr 604), einem Benediktiner Mönch, welcher heute als Begründer der englischen Kirche gilt. Diese Mission, im Englischen auch als „Augustinian mission“ oder „Gregorian mission“ bekannt, breitete sich in den folgenden Jahren rasch über die gesamte britische Insel und später sogar bis Irland aus.

Die wichtigste Quelle ist zweifelsohne die Historia Ecclesiastica Gentis Anglorum (HE) des anglosächsischen Benediktiners Beda Venerabilis. Sein Bericht, fertiggestellt im Jahr 731, basiert zwangsläufig auf verschiedenen Quellen. Die bedeutendste Quelle aus der Zeit der Mission hingegen ist wohl das Gregorii I Papae Registrum epistolarum 1, die Sammlung der von Papst Gregor I. überlieferten Briefe. Es sei darauf hingewiesen, dass sich beide Quellen in wichtigen Punkten zum Teil signifikant unterscheiden oder ganze Aspekte auslassen. Auch wenn die Fragestellung dieser Hausarbeit diese Problematik nicht genauer durchleuchten kann, wird es zum weiteren Verständnis doch unerlässlich sein, auf diese Probleme hinzuweisen.

Betrachtet man die Mission unter Augustinus, stellen sich zwei große Fragen, die stark miteinander verknüpft sind: Wer war oder was waren die Auslöser, der Zweck beziehungsweise die Ziele für diese und wie konnte sie sich so effektiv durchsetzen? So kann man durch die Strategie der Durchsetzung deutliche Rückschlüsse auf die Intention beziehungsweise die Ziele dieser ziehen. Wieso entscheid sich Gregor der I. dazu, die Angelsachsen zu missionieren? Wie konnte der christliche Glaube sich vergleichsweise schnell auf den britischen Inseln festsetzen?

Meine Hausarbeit soll vor allem auf diese Leitfrage eine Antwort finden: Wer war der Initiator der Mission, gab es spezifisch feststellbare Auslöser und was könnten mögliche Ziele gewesen sein? Hierzu werde ich zunächst den Ablauf der Mission an Hand der Darstellung Bedas rekapitulieren, dann die Erzählung Bedas und die Briefe Papst Gregors im Hinblick auf mögliche Motive und die Durchsetzungsstrategien untersuchen und heutige Forschungsmeinungen zu dieser Frage präsentieren, um schließlich die Leitfrage in ein größeres Gesamtbild einordnen und beantworten zu können.

2. Der Verlauf der Mission bei Beda Venerabilis

Zur Beantwortung der Fragestellung sind für diese Hausarbeit im Besonderen die Kapitel 23 bis 33 des ersten Buches der HE von Bedeutung.

Beda beginnt seine Erzählungen über die Mission des Augustinus im Jahr 582 mit der Wahl Papst Gregors I. Dieser habe „[…] durch eine göttliche Eingebung angeregt […]“2 Augustinus und andere Mönche zur Missionierung der Engländer geschickt. Laut Beda hätten die Missionare aber bald Zweifel wegen des „[…] barbarischen, wilden und ungläubigen Volkes […]“3 bekommen, welche Papst Gregor I. allerdings in einem Brief an sie zurückwies. Ebenso habe er an den Erzbischof von Arles geschrieben, damit dieser ihn aufnehme und unterstütze.4

„Gestärkt durch den Trost des seligen Vaters […]“5 habe sich Augustinus dann auf die Insel Thanet – nahe der Ostküste Kents – begeben, um dort König Aethelberht, dessen Frau Bertha eine Christin war, zu treffen. Dieser erlaubte den Missionaren schließlich nach einigen Tagen Bedenkzeit ihrem Vorhaben nachzugehen und stattete sie mit allem Benötigtem, wie etwa Nahrung, aus.6

In der Folge hätten die Missionare begonnen ihr Leben im Sinne der frühen Christen mit Beten und Fasten zu verbringen, wovon der König besonders angetan gewesen sei. So hätte der eigentliche Zustrom an neuen Gläubigen erst begonnen, nachdem „[…] [der König] […] glaubte und getauft wurde […]“7.

Zu Beginn des 27. Kapitels berichtet Beda von Augustinus‘ Weihe zum Erzbischof durch den Erzbischof von Arles sowie Augustinus‘ Bericht an Gregor, die Engländer hätten den Christlichen Glauben angenommen und er sei zum Erzbischof geweiht worden. Im Folgenden überliefert Beda einen schriftlichen Austausch zwischen Augustinus und Gregor, in dem der Papst grundlegende Führungs- und Strategiefragen des neuen Erzbischofs beantwortet.

In der Folge der raschen Ausbreitung der Mission stießen Augustinus und seine Gefolgsleute bald an logistische Grenzen. So habe Papst Gregor I. ihnen weitere Missionare sowie für den Gottesdienst benötigte Materialien geschickt. Des Weiteren trägt er Augustinus auf, Bischöfe zu benennen und in verschiedene Teile des Landes zu senden, wobei ihm selbst und dem künftigen Metropoliten von York eine Vorrangstellung zukommen solle.8

In Kapitel 30 und 31 berichtet Beda von weiteren Briefen Gregors: Im Ersten, adressiert an die von ihm geschickten Missionare, erkundigt er sich nach dem Verlauf der Mission und gibt weitere Anweisungen zum Vorgehen während der Missionierung.9 Der Zweite, welcher sich an Augustinus richtet, ist eine Mahnung an diesen, aufgrund der von ihm getätigten Wunder, nicht übermütig zu werden.10

Ebenso rezitiert Beda eine Korrespondenz zwischen Papst Gregor I. und König Aethelberht. In dieser ermutigt er ihn, den von ihm eingeschlagenen Weg fortzusetzen, ermahnt ihn aber trotzdem, er solle seine Anstrengungen bei der Bekehrung seines Volkes erhöhen. Gregor verweist an dieser Stelle auf die Taten Kaiser Konstantins, die ihm seiner Ansicht nach mehr Ruhm zuteilwerden lassen haben als allen Kaisern zuvor.11

In der Folge habe Augustinus begonnen eine alte Kirche, gebaut von Katholiken während der römischen Besetzung, wiederaufzubauen. Ebenso sei zur gleichen Zeit ein neues Kloster entstanden, in dem fortan alle Erzbischöfe von Canterbury und Könige von Kent begraben werden sollten. Der erste Abt sei der Priester Petrus gewesen, der schließlich auf einer Mission ertrank. Laut der Erzählung Bedas seien in der Folge über seinem Grab Lichter erschienen, sodass allen klar gewesen sei, dass dort ein Heiliger begraben liege.12

3. Veranlassung und Ziele der Mission

Das folgende Kapitel soll verschiedene Standpunkte der Forschung und ihre Meinungen zu Veranlassung und möglichen Zielen der Mission des Augustinus von Canterbury herausstellen.

3.1 Die Angst vor dem nahenden Weltuntergang?

Beda rezitiert einen Brief Papst Gregors I. in dem dieser schreibt: „Außerdem möchten wir, daß [sic!] eure Herrlichkeit wisse, […] [, dass] das Ende dieser Welt schon nahe ist und das Reich des Herrn kommen wird […].13

Dr. Nicholas J. Higham, früher Professor für das frühe Mittelalter an der Universität von Manchester, stellte in seinem Buch The Convert Kings die These auf, Papst Gregor I. sei ein Anhänger der Lehre der sechs Zeitalter gewesen. Nach Gregors Auffassung würde die Welt sechs Zeitalter durchleben und anschließend in der Apokalypse verenden.14 Da der Beginn des sechsten Zeitalters allgemein mit der Geburt Jesu gleichgesetzt wird, glaubte er, dass die Welt kurz vor dem Untergang stünde. Folglich könnte man argumentieren, sein Drängen auf die Missionierung der Angelsachsen entspringe aus der Führsorgepflicht seines Amtes und dem Wunsch, ihnen Gott nahezubringen und ihnen so – im Falle der Apokalypse – zu ihrem Seelenheil zu verhelfen.

3.2 Die mächtige Königin – Bertha als Anstoß für die Christianisierung?

Viele Historiker sehen den Anstoß für die Christianisierung der Angelsachsen bei Bertha von Kent. Die Ehefrau König Aethelberhts, die aus der merowingischen Frankendynastie entstammte, war christlich getauft und erzogen worden.

Máirín MacCarron beschreibt in ihrem Aufsatz Royal Marriage and Conversion in Bede’s Historia Ecclesiatsica Anglorum fünf verschiedene Ehen, geschlossen zwischen Paganen15 und Christen. MacCarron argumentiert: “[…] we know of Anglo-Saxon political alliances in this period: royal brides were often offered as peaceweavers to ensure good relations between kingdoms, and […] alliances between Christian queens and pagan kings […].”16

In den Jahren nach dem Zerfall römischer Vorherrschaft auf den britischen Inseln kam es häufig zu Konflikten zwischen christlichen Völkern des kontinentalen Europas und anglosächsischen Völkern. Diese wurden immer häufiger durch die Heirat zwischen Paganen und Christen beigelegt. Neben König Aethelberht und seiner christlichen Frau Bertha, erwähnt Beda eine Tochter des Königs namens Aethelburg, welche den paganen König Edwin von Nord Umbrien geheiratet habe.17

Doch stellt sich die Frage, welcher Grund hinter Berthas möglichem Drängen auf eine christliche Mission stehen sollte. MacCarron erläutert hierzu: „The belief in complete union through marriage was […] expressed in 1 Corinthians 6 and Ephasians 5.”18 Sie bezieht sich hier auf ein biblisches Konzept, nach welchem das Ehepaar in einer zumindest zum Teil christlichen Ehe, eine Verbindung eingeht. Durch diese riskiere der christliche Ehepartner durch seinen nicht-christlichen Gegenüber Gott fern zu sein und, dass ihm folglich die Versprechen der Bibel versagt blieben. Viel mehr argumentiert MacCarron: „they are at risk of defilement by their spouse’s unbeliefe and potential idolatry.”19 Eine Möglichkeit wäre also, dass Bertha die Mission aus Angst um ihr eigenes Seelenheil vorantrieb, immer in der Hoffnung die Bekehrung seiner Untertanen würde Aethelberht veranlassen ebenfalls zu konvertieren.

Ebenso scheint ein Brief Papst Gregors I. an König Bertha einen gewissen Verdienst an der erfolgreichen Missionierung einzuräumen. So schreibt er: „Et omnipotentem Deum benedicximus, qui que conversionem gentis Anglorum mercedi vestrae dignatus es propitius reservare.“20

3.3 Gregor I. als Initiator der Mission

Die am häufigsten anzutreffende und von den meisten Historikern unterstütze Einschätzung ist aber, dass die Mission von Papst Gregor I. ausging. So schreibt Theodor Hänlein: „Der entscheidende Anstoß ging von Rom aus. Gregor der Große hatte schon ehe er zum Papst erhoben wurde, sein Augenmerk auf den verlorenen Posten der Kirche gerichtet.“21

Folglich wäre die Mission aus Gregors Wunsch nach einer großangelegten Christianisierung, die möglichst viele pagane Gebiete, wie eben die angelsächsischen, bekehren sollte entsprungen. Allerdings lässt sich weder in der HE noch in den Briefen des Papstes im Kontrast zum späteren Mittelalter kein deutlicher Wunsch nach einer politischen Vormachtstellung erkennen, sondern eher der Wunsch das Christentum als Weg zur Erlösung zu verbreiten.

Ebenso scheint es viel eher, als wollte er den Ungläubigen zur Hilfe eilen. Hier zeigt sich auch eine Parallele zu der Argumentation Highams: So wäre die Angst Gregors vor dem nahenden Weltuntergang sicher ein Grund den Angelsachsen zur Hilfe zueilen.

Des Weiteren erahnt man in einigen Auszügen aus Gregors Briefen – hier als Beipeiel ein Brief an den Bischof Eulogius von Alexandria –, dass er selbst die Mission bewusst vorantrieb:

„Sed quonam in bonis quae agitis scitur, quod et aliis congaudetis, vestrae vobis gratiae vicem reddo et non dissimilia nuntio, quia, dum gens Anglorum in mundi abgulo posita in cultu lingorum ac lapidum prefida nuncusque remaneret, ex vestrae mihi orationis adiutorio placuit, ut ad eam monasterii mei monachum in praedicatione transmittere Deo auctore debuissem.22

Gregor beruft sich auf den Rat Gottes. Dieser hätte ihm geraten, das Volk der Angeln zu missionieren. Ebenso prangert er hier deren Glauben an Naturgötter an, eben den „[…] cultu lingorum ac lapidum […]“23. Folglich gibt Gregor hier vor nicht aus eigener, sondern aus göttlicher Veranlassung zu handeln. Dies mochte zum einen als Legitimation gegenüber Zweiflern als auch als Motivation für die Missionare dienen.

[...]


1 vgl. Edmund Bassenge: Die Sendung Augustinus zur Bekehrung der Angelsachsen 596-604 n.Chr., Treuchtlingen 2014, S.1.

2 Venerabilis Bedae: Historia Ecclesiastica Gentis Anglorum (Im Folgenden mit „HE“ abgekürzt), übers. v. Günther Spitzbart (Hrsg.), Darmstadt, 1997, I 23, S.76.

3 a.a.O.

4 vgl. ebd., I 24, S.76.

5 ebd., I 25, S.78.

6 vgl. I 25, S.78ff.

7 ebd., I 26, S.82.

8 vgl. ebd., I 29, S.108ff.

9 vgl. ebd., I 30, S.110ff.

10 vgl. ebd., I 31, S.112ff.

11 vgl. ebd., I 32, S.114ff.

12 vgl. ebd., I 33, S.118ff.

13 ebd., I 32, S.116ff.

14 vgl. N.J. Higham, The Convert Kings: Power and Religious Affiliation in Early Anglo-Saxon England, Manchester 1997, S.63.

15 Der Paganismus (vom lateinischen „paganus”) ist eine andere Bezeichnung für das Heidentum.

16 Máirín MacCarron, „Royal Marriage and Conversation in Bede’s Historia ecclesiastica gentis Anglorum”, in: The Journal of Theological Studies 68 Part 2 (2017), S. 650-670, hier: S. 652.

17 vgl. ebd., S.652f.

18 ebd., S.659.

19 a.a.O.

20 Ludo M. Hartmann und Paul Ewald (Hrsg.), Gregorii I Papae Registrum epistolarum Libri VIII–XIV (Im Folgenden als „Greg. Ep. Libri VIII-XIV“ abgekürzt), 1892-1899 (Nachdruck 1957), XI 35, S.304.

21 Theodor Hänlein, Die Bekehrung der Germanen zum Christentum, Erster Teil: Die Bekehrung der Franken und Angelsachsen, Voigtländers Quellenbücher Band 78, Altenburg 1913, S.42.

22 Greg. Ep. Libri VIII-XIV, VIII, 29, S.30, Zeile 26-30.

23 a.a.O.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Missionierung der Angelsachsen
Untertitel
Ziele und Strategien einer christlichen Mission
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,0
Autoren
Jahr
2019
Seiten
14
Katalognummer
V503511
ISBN (eBook)
9783346043757
ISBN (Buch)
9783346043764
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Angelsachsen, Beda Venerabilis, Beda der Ehrwürdige, Gregor der Große, Bertha von Kent, Aethelberht von Kent, Gregor I., Kent, Missionierung, England, Irland
Arbeit zitieren
Simeon Michalski (Autor:in)Kim Zerhusen (Lektor:in), 2019, Die Missionierung der Angelsachsen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/503511

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