In dieser Hausarbeit soll das unabhängige Kenia mit der Person Jomo Kenyatta in Verbindung gesetzt werden. Wie legitimierte er seine prägende Herrschaft? Auf welchen Grundlagen sich das politische System gründete, welches ihm so viel Macht zukommen ließ? Wie funktionierte die politische Praxis und welche Ideologie verfolgte das Herrschaftsklientel? Zu beginn wird die Geschichte Kenias vor „Uhuru“ beleuchtet, um Kenia im Gesamtkontext seiner Vergangenheit zu sehen. Wie sah das Gebiet des heutigen Kenias vor der Erschließung durch die Europäer aus? Wodurch wurde die Unabhängigkeit erreicht? Welche Kräfte beteiligten sich an dem Streben nach nationaler Autonomie? Nachfolgend wird die Entwicklung der kenianischen Verfassung nach „Uhuru“ gezeigt, da selbige unmittelbar mit der herrschenden Elite in Verbindung steht, wobei dies als wichtiges Element zum Verständnis für die Rechtfertigung und Festigung der politischen Systeme die Kenia erlebt hat gesehen wird.
Im dritten Hauptteil wird die Person Jomo Kenyatta biografisch behandelt, da er der Hausarbeit das Thema gegeben hat und seine Persönlichkeit die Politik elementar formte. Ebenfalls wird in dieser Arbeit die politische Praxis untersucht. Wie gestaltete sich die Partizipation der Abgeordneten des Parlaments und wodurch konnte Kenyatta seine Macht behaupten? Was tat er für die Bevölkerung? Welchen wirtschaftlichen Weg wählte er? Wie veränderte sich die kenianische Politik während der Ära Kenyatta? Angemerkt werden muss noch, dass die Hausarbeit leider nicht alle Ebenen des politischen Gebildes während der Amtszeit Kenyattas abdecken kann, sondern nur einen groben Überblick liefert, da die Thematik hochkomplex ist und den normalen Rahmen einer solchen wissenschaftlichen Arbeit, welche an einen bestimmten Umfang gebunden ist, sprengen würde. Insbesondere werden die wirtschaftlichen Aspekte nur leicht angerissen und die Machtkämpfe zwischen der KANU internen Opposition und Kenyatta finden keine genauere Untersuchung. Bei der Literaturrecherche ergaben sich eine Vielzahl von Monographien und Sammelbände zu dieser Thematik. Für die Hausarbeit dienten vor allem die Publikationen von Martin Pabst4, Stefan Mair5, Keith Kyle6 sowie Reinhard Würkner7 und das Werk von Norman Miller in Zusammenarbeit mit Rodger Yeager8 Verwendung. Des Weiteren haben diverse andere Bücher und Veröffentlichungen, die hier nicht mehr extra aufgeführt werden sollen, Eingang in diese Arbeit gefunden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kenias Geschichte vor der Unabhängigkeit
3. Verfassungsrechtliche Entwicklung nach der Unabhängigkeit
4. Kenia unter Kenyattas Herrschaft
4.1. Biographie von Jomo Kenyatta
4.2. Politisches System und Praxis
4.3. Wirtschaft und Außenpolitik
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Person Jomo Kenyatta und dem politischen System des unabhängigen Kenias. Der Fokus liegt auf der Analyse der Legitimationsgrundlagen seiner Herrschaft, der Funktionsweise der politischen Praxis sowie der ideologischen Ausrichtung des Herrschaftsklientels während der Ära Kenyatta.
- Historische Kontextualisierung Kenias vor der Unabhängigkeit ("Uhuru")
- Biografische Analyse von Jomo Kenyatta
- Untersuchung des politischen Systems und des Patronagewesens
- Bewertung der wirtschaftlichen Entwicklung und der Außenpolitik
- Analyse der Machtstrukturen und des politischen Wettbewerbs
Auszug aus dem Buch
3.2. Politisches System und Praxis
Die Umgestaltung der föderalen Gründungsverfassung in eine zentralistisch, republikanische Konstitution bot dem Präsidenten in der politischen Praxis einen großen Rahmen zur Konfiguration der Machtverhältnisse. Ihm allein oblag es führende Posten in Verwaltung, Militär und Politik zu vergeben. Diese Möglichkeiten wurden von dem ersten Präsidenten Jomo Kenyatta genutzt, um ein klientelistisches Patronagesystem zu etablieren, an dessen Spitze er selbst stand. Auf den Stufen unterhalb des Präsidenten lagen die einzelnen Klientelgruppen in Konkurrenz um Ressourcen, Macht und Einfluss. Dieser Wettstreit der Fraktionen, die sich meist durch ethnische Zugehörigkeit unterschieden, fungierte als horizontale Gewaltenteilung und garantierte Kenyatta eine exponierte Stellung, sowie ein gewisses Maß an Stabilität im Land.
Die zahlenmäßig am größten und damit am bedeutendsten Gruppen sind die Kikuyu, die Luo, die Luhya, die Kamba und die Kisii (Tabelle 1). Kenyatta griff nur in den seltensten Fällen als „Grand Patron“ in diesen Wettbewerb ein. Als Vaterfigur, die außerhalb des politischen Alltagsgeschäftes stand, fungierte er als wohlwollender Konsensvermittler. Prinzip war, solange nicht um politische Grundlinien sondern um Einfluss gestritten wurde, war seine Stellung nicht gefährdet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Ausgangslage Kenias ein und formuliert die Forschungsfragen hinsichtlich der Herrschaft von Jomo Kenyatta.
2. Kenias Geschichte vor der Unabhängigkeit: Dieses Kapitel behandelt den kolonialen Einfluss Großbritanniens, den Widerstand der Bevölkerung sowie den Weg hin zum Unabhängigkeitsstreben.
3. Verfassungsrechtliche Entwicklung nach der Unabhängigkeit: Hier wird der Wandel des kenianischen Verfassungssystems vom Westminster-Modell hin zu einem zentralistischen Einparteienstaat beleuchtet.
4. Kenia unter Kenyattas Herrschaft: Dieses Hauptkapitel analysiert die Biografie Kenyattas, die Etablierung des politischen Systems sowie die wirtschaftlichen und außenpolitischen Rahmenbedingungen.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Rolle Kenyattas als prägende Figur Kenias zusammen und bewertet seinen Einfluss auf die Stabilität und demokratische Entwicklung des Landes.
Schlüsselwörter
Kenia, Jomo Kenyatta, Ära Kenyatta, Uhuru, Harambee, Patronagesystem, Postkolonialismus, KANU, Politisches System, Ethnische Gruppen, Kikuyu, Unabhängigkeit, Machtstruktur, Klientelismus, Staatsführung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der politischen Entwicklung Kenias in den ersten Jahrzehnten nach der Unabhängigkeit unter der Herrschaft von Jomo Kenyatta.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Genese des Staates, die Entwicklung der Verfassung, die Machtstruktur unter Kenyatta sowie wirtschaftliche und ethnische Aspekte der kenianischen Politik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Legitimierung der Herrschaft Kenyattas zu untersuchen und zu analysieren, wie das politische System Kenias in dieser Zeit funktionierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturrecherche unter Verwendung von Monographien und Sammelbänden zur kenianischen Geschichte und Politikwissenschaft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biografische Darstellung Kenyattas, eine Analyse des politischen Systems, das auf Patronage basierte, sowie eine Betrachtung der wirtschaftlichen Ausrichtung und Außenpolitik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Kenyatta, Uhuru, Harambee, Patronage, KANU, Unabhängigkeit und politische Praxis.
Welche Rolle spielte das Konzept "Harambee"?
Harambee war eine von Kenyatta initiierte Strategie zur Mobilisierung lokaler Selbsthilfegruppen, die gleichzeitig als politisches Instrument diente, um Unterstützung im Volk zu generieren und Projekte zu finanzieren.
Wie veränderte sich das Verfassungssystem unter Kenyatta?
Ausgehend von einer föderalen Gründungsverfassung wurde das System unter Kenyatta schrittweise in eine zentralistische Republik mit starker präsidentieller Exekutivgewalt umgewandelt.
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- Sebastian Herlt (Author), 2005, Kenia - Die Ära Kenyatta von Uhuru bis Harambee, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50355