Die Fallarbeit behandelt einen Kurs zur beruflichen Umorientierung von arbeitssuchenden Menschen. Sie thematisiert den Weg zur emotionalen Kompetenz durch angeleitete Selbstbildung. Dies ist ein elementarer Baustein des modernen Pädagogen.
Arbeitslosigkeit, Umschulung, Wiedereinstieg, Familienpausen – sind nur einige Beispiele die Hinweise auf eine Endstandardisierung der Erwerbsarbeit laut dem Soziologen Ulrich Beck, geben. Dies sind Veränderungen, die zum einen den typischen Lebensverlauf betreffen, aber auch einen Gesellschaftswandel. Wenn feste Rollenzuschreibungen oder Lebensverläufe nur noch schwer generalisierbar sind und Vorgaben nur noch in abgeschwächter Form existieren, bedeutet dies für den Einzelnen eine Individualisierung; eine Art von Freiraum bei der individuellen Ausgestaltung des Lebenslaufes.
Doch wenn es um die Erwerbsfähigkeit geht, ist dieser Freiraum nicht frei wählbar und demnach werden die Gestaltungsmöglichkeiten eher als Zwang empfunden. Durch die Diskrepanz der Individualität und gesellschaftlichen Ansprüchen können Störungen der Identitätsbalance entstehen. Hinsichtlich des Lebenslangen Lernens ergibt sich daraus die didaktische Grundannahme, dass das Lernen Erwachsener einen geringen Anteil des Alltags einnimmt. Daher wird in erwachsenenpädagogischen Konzepten immer wieder der Nutzen zwischen der Bildungsveranstaltung und dem Alltag der Teilnehmer thematisiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung in die Thematik
2 Methodisches Vorgehen
2.1 Induktive Kategorienbildung
2.2 Literraturrecherche
3 Situationsanalyse
3.1 Qualitative Inhaltsanalyse
3.2 Hypothesen
4 Handlungsoptionen
4.1 Wege zur emotionalen Kompetenz
4.1.1 Das suchende Lauschen
4.1.2 Das Emotions-Portfolio
4.2 Subjektorientierte Didaktik nach Erhard Meueler
4.3 Problemorientiertes Lernen (POL)
4.3.1 Problemlösungsmethode „Der erweiterte Siebensprung“
4.4 Alternative Handlungsoptionen
5 Präsentation und Diskussion der Lösungsvorschläge
6 Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Fallarbeit untersucht die Problematik einer gestörten Lehrer-Teilnehmer-Beziehung in einer Weiterbildungseinrichtung. Ziel ist es, durch eine wissenschaftliche Analyse der Ausgangssituation und der Lernbiografie des Dozenten Handlungsempfehlungen zu erarbeiten, die auf emotionaler Kompetenz und subjektorientierter Didaktik basieren, um die Lernmotivation der Teilnehmer zu fördern.
- Analyse von Identitätsbalance und Lernbiografien
- Bedeutung emotionaler Kompetenz für Pädagogen
- Subjektorientierte Didaktik nach Erhard Meueler
- Methoden des problemorientierten Lernens (POL)
- Reflexionsstrategien zur Vermeidung von Blockaden
Auszug aus dem Buch
1 Einführung in die Thematik
Arbeitslosigkeit, Umschulung, Wiedereinstieg, Familienpausen – sind nur einige Beispiele die Hinweise auf eine „Endstandardisierung der Erwerbsarbeit“ laut dem Soziologen Ulrich Beck, geben. Dies sind Veränderungen, die zum einen den typischen Lebensverlauf betreffen, aber auch einen Gesellschaftswandel. Wenn feste Rollenzuschreibungen oder Lebensverläufe nur noch schwer generalisierbar sind und Vorgaben nur noch in abgeschwächter Form existieren, bedeutet dies für den Einzelnen eine Individualisierung; eine Art von Freiraum bei der individuellen Ausgestaltung des Lebenslaufes. Doch wenn es um die Erwerbsfähigkeit geht, ist dieser Freiraum nicht frei wählbar und demnach werden die Gestaltungsmöglichkeiten eher als „Zwang“ empfunden. Durch die Diskrepanz der Individualität und gesellschaftlichen Ansprüchen können Störungen der Identitätsbalance entstehen (vgl. Höffer-Mehlmer, 2012b, S. 32ff.). Hinsichtlich des Lebenslangen Lernens ergibt sich daraus die didaktische Grundannahme, dass das Lernen Erwachsener einen geringen Anteil des Alltags einnimmt. Daher wird in erwachsenenpädagogischen Konzepten immer wieder der Nutzen zwischen der Bildungsveranstaltung und dem Alltag der Teilnehmer thematisiert (vgl. ebd., S. 44).
Um ein einheitliches Verständnis der o.g. Didaktik zu erreichen, soll die Definition des Dorsch Online-Lexikon der Psychologie dienen. Die Didaktik „befasst sich mit Theorien der Lehrinhalte (Lehren) und des Unterrichtens (Unterricht). Gemeinsames Ziel der einzelnen didaktischen Ansätze ist es […] das Gesamt der den Unterricht bedingenden Faktoren zu ermitteln und das zw. diesen Faktoren bestehende Interdependenzverhältnis zu berücksichtigen.“ (Dorsch, 2019)
Um also die Lehrinhalte unter Berücksichtigung der bestehenden Interdependenzverhältnisse adäquat zu vermitteln, bedarf es an einem besonderen Maße an emotionaler Selbstreflexivität des Pädagogen. Deren Aufgabe besteht nämlich darin, „das Gegenüber in seiner Entwicklung und seinem Lernen zu begleiten und zu unterstützen“ (Arnold, 2018, S. 139).
Wie es nun Pädagogen gelingen kann, ein balanciertes Interdependenzverhältnis zwischen Teilnehmerorientierung, Lerngegenstandszentrierung und emotionaler Achtsamkeit herzustellen, wird in dieser Fallarbeit thematisiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung in die Thematik: Die Einleitung beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel und die damit verbundene Notwendigkeit für Pädagogen, emotionale Selbstreflexivität als Schlüsselkompetenz zu entwickeln.
2 Methodisches Vorgehen: Dieses Kapitel beschreibt die Anwendung einer modifizierten qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring zur Clusterbildung sowie die durchgeführte Literaturrecherche.
3 Situationsanalyse: Es wird die Ausgangssituation im LernWerk untersucht, Konfliktmuster analysiert und Hypothesen hinsichtlich der emotionalen Kompetenz des Dozenten aufgestellt.
4 Handlungsoptionen: Basierend auf der Analyse werden pädagogische Wege aufgezeigt, darunter das suchende Lauschen, das Emotions-Portfolio und das problemorientierte Lernen.
5 Präsentation und Diskussion der Lösungsvorschläge: Hier werden Konzepte des Kompetenzlernens in Form einer Prozessmatrix für den Dozenten konkretisiert und durch Unterrichtsverlaufspläne ergänzt.
6 Reflexion: Der abschließende Teil betrachtet das lebenslange Lernen im bildungspolitischen Kontext und diskutiert die Bedeutung von Gefühlen in einer aufgeklärten Wissensgesellschaft.
Schlüsselwörter
Erwachsenenbildung, Emotionale Kompetenz, Subjektorientierte Didaktik, Lebenslanges Lernen, Problemorientiertes Lernen, Inhaltsanalyse, Lernbiografie, Selbstreflexion, Teilnehmerorientierung, Identitätsbalance, Deutungsmuster, Kompetenzlernen, Prozesshafte Handlungsempfehlung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Problematik einer gestörten Lehrer-Teilnehmer-Beziehung im Bereich der Erwachsenenbildung und sucht nach Wegen, diese durch gesteigerte emotionale Kompetenz des Dozenten zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der subjektorientierten Didaktik, dem emotionalen Management des Lehrenden sowie der Anwendung methodischer Konzepte wie dem problemorientierten Lernen (POL).
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen für den Dozenten (Herrn Neu), um durch eine veränderte pädagogische Grundhaltung ein konstruktives Lernklima zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Analyse erfolgt in Form einer modifizierten qualitativen Inhaltsanalyse nach Philip Mayring, kombiniert mit einer strukturierten Literaturrecherche zu den genannten Themenfeldern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Situation im Fallbeispiel, entwickelt Hypothesen zur Interdependenz von Fach- und emotionaler Kompetenz und stellt methodische Instrumente wie den Siebensprung oder das Emotions-Portfolio vor.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Erwachsenenbildung, emotionale Kompetenz, subjektorientierte Didaktik, problemorientiertes Lernen und Lebenslanges Lernen.
Warum empfinden die Teilnehmer Herrn Neu als wenig kompetent?
Die Teilnehmer vergleichen ihn mit seinem Vorgänger und stören sich an seinem persönlichen Umgang, der zu Blockaden und einer mangelnden Resonanz in der sozialen Ebene führt.
Wie soll Herr Neu seine emotionale Kompetenz steigern?
Durch Methoden wie das „suchende Lauschen“ und ein „Emotions-Portfolio“ soll er lernen, seine eigenen Deutungsmuster zu hinterfragen und sich der Gefühlswelt seiner Teilnehmer zu öffnen.
- Quote paper
- Jenny Richards (Author), 2018, Emotionale Kompetenz durch angeleitete Selbstbildung. Empfehlungen für Kurse zur beruflichen Umorientierung von arbeitssuchenden Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/503581