Musik gibt es seit dem Beginn der Menschheit. Sie existiert in allen Kulturen und gilt sowohl bei Verhaltensforschern als auch bei Soziologen als wichtiges Medium zur Kommunikation (Liedtke 1985). Keine andere Kunst vermag es, unsere Emotionen auf diese Weise auszudrücken. Dabei ist die Musik aus dem Bedürfnis der Interaktion und Kommunikation heraus entstanden (Zalfen 2012). Diese Verbindung zwischen Musik und Kommunikation versucht die musik-psychologische Wissenschaft zu erforschen. Hierbei spielt die Musikrezeption eine wesentliche Rolle.
Doch in den letzten Jahren hat die Musik einen unverkennbaren Wandel erlebt. (Hasler 2014). Sie hat ihre eigentliche Bedeutung verloren und wird in der Industrie genutzt, um Produkte besser zu vermarkten und unsere Emotionen zu beeinflussen. (Wang 2014). Musik ist allgegenwärtig geworden und der Zusammenhang geht verloren, da wir sie nichtmehr bewusst wahrnehmen (Riggenbach 2000). Sie wird durch elektronische Massenmedien oberflächlich und wir können keinen persönlichen Bezug mehr dazu nehmen. Dennoch zeigt sich, dass gerade in Phasen wie der Pubertät oder der frühen Kindheit die Musik eine wichtige Rolle in unserem Leben spielt. Sie ist entscheidend bei der Ausbildung unserer Identität und Entwicklung (Riggenbach, 2000). Es zeigt sich, dass wir im Laufe unseres Lebens Musik bewusst und unbewusst wahrnehmen. Es ist jedoch unklar, auf welche Art und Weise die Musikrezeption wirkt.
Ziel dieser Hausarbeit ist es, die Hörtypologie von Hermann Rauhe und die Unterteilung in bewusstes und unbewusstes Hören vorzustellen.
Dafür bedarf es einer theoretischen Grundlage der Musikrezeption. Es werden dafür zunächst die biologischen, physikalischen und lernpsychologischen Grundlagen der Musikwahrnehmung erklärt. Daraufhin wird die Hörtypologie nach Hermann Rauhe vorgestellt und sowohl bewusstes als auch unbewusstes Hören erläutert. Zum Schluss wird dann ein Fazit gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Allgemeine Grundlagen der Musikrezeption
2.1 Biologisch-physiologische Grundlagen
2.2 Physikalische Grundlagen der Musikrezeption
2.3 Lernpsychologische Grundlagen der Musikrezeption
3 Hörtypologie nach Hermann Rauhe
3.1 Das unbewusste Hören
3.2 Das bewusste Hören
4 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die fundierte Vorstellung der Hörtypologie von Hermann Rauhe sowie die Differenzierung zwischen bewussten und unbewussten Rezeptionsweisen von Musik. Dabei werden die theoretischen Grundlagen der Musikwahrnehmung analysiert, um aufzuzeigen, wie Musik auf unterschiedlichen Ebenen auf das Individuum wirkt und welche Faktoren diesen Prozess beeinflussen.
- Grundlagen der Musikrezeption (biologisch, physikalisch, lernpsychologisch)
- Strukturelle Analyse der Hörtypologie nach Hermann Rauhe
- Differenzierung zwischen unbewusstem und bewusstem Hören
- Einfluss von Medien und Umweltfaktoren auf das Hörverhalten
- Bedeutung der Musik für Identitätsbildung und psychologische Prozesse
Auszug aus dem Buch
3.1 Das unbewusste Hören
Die unbewussten Rezeptionsweisen beschreiben das Hören von Musik, welches beiläufig und im Alltag auf uns wirkt. Diese Gruppe bilden die zerstreute, die motorisch-reflexive und die assoziativ-emotionale Rezeptionsweisen.
Die zerstreute Rezeptionsweise definiert die beiläufige Musikrezeption und bewegt sich auf elementarster Ebene der subjektiven Wahrnehmung. Die vermeintlich unaufdringliche Musik wird dabei durch den Zusammenhang von bestimmten Situationen und Orten wahrgenommen und begünstigt. Dies ist beispielsweise in einem Bekleidungsgeschäft zu beobachten. Diese Situationszusammenhänge korrespondieren mit bestimmten und dezenten Klängen sowie verschwommener und reduzierter Backgroundmusik, die sich auf unstrukturierte, unverarbeitete Perzeption von Sekundär- und Tertiärelementen beschränkt (Rauhe et al. 1975 S. 137). Zu den Sekundärkomponenten zählen unter anderem die unterschiedlichen Phänomene der Instrumentation, Klangfarbe, Arrangements und Gestaltung des Sounds (Rauhe et al. 1975, S. 117). Die Tertiärkomponenten umfassen verschiedene Interpretationsstrukturen, wie beispielsweise dirty singing, scat–Gesang, shoutin und elektroakustische Aufnahmeverfahren, wie Hallverfahren, Verzerrung oder Balanceveränderung (Rauhe et al. 1975, S. 118).
Einen weiteren Bereich des unbewussten Hörens bildet die motorisch-reflexive Musikrezeption. Dabei werden bestimmte rhythmische Phänomene der Musik in spontane und unbewusste körperliche Bewegungen umgesetzt. Eine solche Bewegung kann zum Beispiel ein leichtes Wippen des Körpers sein. Außerdem gibt es eine Übereinstimmung der Musikrezeption und den elektrisch verstärkten angehobenen Rhythmusinstrumenten, wie ein E-Bass, die den pulsierenden Beat produzieren. Der Widerspruch zwischen dem pulsierenden Beat und dem Off Beat, die sich gleichmäßig und somit polymetrisch auf verschiedenen Ebenen beziehen, bewirken eine motorisch-reflexive körperliche Spannung. Diese Spannungsvorgänge werden direkt in pulsierende Bewegungsreaktionen des Körpers umgesetzt (Rauhe et al. 1975, S. 138).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung von Musik als Kommunikationsmittel dar und führt in die Problematik der veränderten Musikrezeption durch Massenmedien ein, um das Ziel der Arbeit zu definieren.
2 Allgemeine Grundlagen der Musikrezeption: Hier werden die biologisch-physiologischen, physikalischen und lernpsychologischen Grundlagen dargelegt, die als notwendige Basis für das Verständnis der Musikwahrnehmung dienen.
3 Hörtypologie nach Hermann Rauhe: Dieses Kapitel erläutert das theoretische Modell Rauhes, das sechs Rezeptionsweisen in die zwei Hauptkategorien bewusstes und unbewusstes Hören unterteilt.
3.1 Das unbewusste Hören: Dieser Abschnitt beschreibt die zerstreute, motorisch-reflexive und assoziativ-emotionale Rezeption als beiläufige Formen des Musikhörens.
3.2 Das bewusste Hören: Hier werden die empathische, die strukturelle und die subjektorientierte Rezeption als Formen des wissenden und reflektierten Musikhörens vorgestellt.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und empfiehlt weitere Forschungen, um den bewussten Umgang mit Musik in einer zunehmend durch unbewusste Rezeption geprägten Alltagswelt zu stärken.
Schlüsselwörter
Musikrezeption, Hermann Rauhe, Hörtypologie, unbewusstes Hören, bewusstes Hören, Musikpsychologie, Akustik, Musikpädagogik, klassische Konditionierung, Klangfarbe, Resonanz, Musiksoziologie, integrative Rezeption, Wahrnehmung, Musikindustrie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Hörtypologie von Hermann Rauhe und untersucht, wie Menschen Musik in verschiedenen Kontexten wahrnehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die theoretischen Grundlagen der Musikrezeption, unterteilt in biologische, physikalische und lernpsychologische Aspekte sowie die spezifische Einteilung der Hörweisen nach Rauhe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die sechs Rezeptionsweisen von Hermann Rauhe vorzustellen und die Unterschiede zwischen unbewusstem und bewusstem Musikhören wissenschaftlich zu erläutern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Aufarbeitung theoretischer musikpsychologischer und pädagogischer Konzepte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Musikwahrnehmung und die detaillierte Vorstellung der Hörtypologie mit ihren jeweiligen Untergruppen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Musikrezeption, Hörtypologie, bewusste Wahrnehmung, Musiksoziologie und die Konditionierung von Hörgewohnheiten definieren.
Was unterscheidet das bewusste vom unbewussten Hören laut Rauhe?
Das unbewusste Hören umfasst Reaktionen, die beiläufig oder reflexiv ablaufen, während das bewusste Hören eine aktive, reflektierte Auseinandersetzung mit den musikalischen Strukturen und Inhalten erfordert.
Welche Rolle spielt die physikalische Akustik für die Musikrezeption?
Die Akustik bildet die physikalische Basis der Schallausbreitung und Klangentstehung, ohne die eine biologische Verarbeitung im Ohr und eine daraus resultierende psychologische Wahrnehmung nicht möglich wäre.
Warum betont die Autorin die Bedeutung der frühen Kindheit?
Die Arbeit hebt hervor, dass Musik in der Kindheit eine entscheidende Rolle für die Identitätsbildung spielt und die Art und Weise prägt, wie wir im späteren Leben Musik bewusst oder unbewusst wahrnehmen.
- Arbeit zitieren
- Claudia Körner (Autor:in), 2018, Die Hörtypologie nach Hermann Rauhe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/503673