Die Gründe der translokalen Migration und deren Auswirkungen auf die Migrant*innen und translokalen Räume sollen im Verlauf dieser Arbeit beleuchtet und kritisch hinterfragt werden.
Land-Stadt-Migration ist ein globales Phänomen, welches weltweit zu beobachten ist. Der globale Anteil der in städtischen Agglomerationsräumen lebenden Bevölkerung nimmt weiter zu; Stand 2018: 55,271 Prozent. Während große Teile der Bevölkerung Amerikas, Europas und Ozeaniens bereits seit einigen Jahren überwiegend in Agglomerationsräumen leben, steigen die Verstädterungsraten im afrikanischen und asiatischen Raum erst seit vergleichsweise kurzer Zeit an. Dafür jedoch in sehr großem Ausmaß.
Das beschleunigte Städtewachstum ist heute vor allem ein Phänomen der Entwicklungs- und Schwellenländer. Die Urbanisierungsraten sind dort zurzeit am höchsten. Rund 2/3 aller Megastädte befinden sich zurzeit in Entwicklungsländern. Insgesamt kann ungefähr die Hälfte des städtischen Wachstums im "Globalen Süden" auf die Migration von ländlichen zu städtischen Räumen zurückgeführt werden.
Dhaka, die Hauptstadt von Bangladesch gilt als eine der am schnellsten wachsenden Städte und zählt Prognosen zufolge in naher Zukunft (2030) zu den größten Megastädten weltweit. Die Stadt stellt einen Ort der Interaktion und Kommunikation dar und befindet sich infolge der zunehmenden Migration in einem anhaltenden Transformationsprozess. Ein Großteil der in Dhaka lebenden Migrant*innen kommt ursprünglich aus ländlichen Gebieten und wandert temporär.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Relevanz der Thematik
1.2 Zielsetzung der Arbeit
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Migrationstheorien nach Harris/Todaro und Stark/Bloom
2.2 Translokalität: Definitionen, Dimensionen und Möglichkeiten
2.3 Verknüpfung von Translokalität und Land-Stadt-Migration
3. Fallbeispiel Dhaka, Bangladesch
3.1 Geographische und migrationsbezogene Einordnung
3.2 Gründe für die Land-Stadt-Migration
3.3 Auswirkungen der Land-Stadt-Migration auf Dhaka
3.4 Street Food – Verkäufer in Dhaka
4. Fazit und Ausblick
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung translokaler Verflechtungen und Prozesse für Land-Stadt-Migrant*innen am Beispiel von Dhaka, Bangladesch. Ziel ist es, die veraltete Sichtweise von Land-Stadt-Migration als rein unidirektionalen Prozess durch einen translokalen Ansatz zu ergänzen und kritisch zu hinterfragen, wie soziale Netzwerke und ökonomische Strategien das Migrationsgeschehen im "Globalen Süden" prägen.
- Kritische Auseinandersetzung mit klassischen Migrationstheorien
- Konzeptualisierung von Translokalität in urbanen Räumen
- Analyse der Push- und Pull-Faktoren in Bangladesch
- Untersuchung von translokalen Netzwerkstrukturen am Fallbeispiel der Street Food-Verkäufer in Dhaka
Auszug aus dem Buch
3.4 Street Food – Verkäufer in Dhaka
In der Studie von Etzold (2016) wurden empirische Untersuchungen zu Street Food – Verkäufern in Dhaka, welche überwiegend ursprünglich aus dem Umland in die Stadt gekommen sind, durchgeführt. Das Hauptinteresse lag dabei auf translokalen Interaktionen, Verflechtungen und Netzwerken, die es Migrant*innen ermöglichen sich in der (in)formellen städtischen Wirtschaft zu etablieren.
Abbildung 5 zeigt eine Grafik, in welcher der Zusammenhang zwischen der steigenden Anzahl von Street Food – Verkäufern und dem städtischen Bevölkerungswachstum verdeutlicht wird. Der Autor interpretiert dieses Phänomen als Folge eines natürlichen Anstiegs der Lebensmittelnachfrage bedingt durch die wachsende, städtische Bevölkerungszahl. Die Nachfrage nach leicht verfügbarer, günstiger Nahrung ist insbesondere bei der finanzschwächeren Bevölkerung und mobilen Arbeiterschaft (wie Bauarbeiter, Rikschafahrer etc., welche zum Teil selbst Migrant*innen sind) hoch und für deren Ernährungssicherheit von großer Bedeutung (ETZOLD 2016). Der Verkauf von Street Food wurde von Migrant*innen als wirtschaftliche Nische entdeckt und genutzt und führte in den Folgejahren durch translokale Netzwerkstrukturen zu einem stetigen Anstieg (SIDDIQUI ET AL. 2010).
Am Beispiel des Familienclans von Hisham Salah, der zum Zeitpunkt der Befragung seit 20 Jahren als Street Food – Verkäufer in einem Park in Dhaka arbeitete, soll die Relevanz von translokalen sozialen Verflechtungen und Beziehungen für Land-Stadt-Migrant*innen verdeutlicht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die globale Relevanz der Land-Stadt-Migration als Transformationsprozess und definiert die Zielsetzung der Arbeit unter Berücksichtigung translokaler Perspektiven.
2. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel stellt grundlegende Migrationstheorien nach Harris/Todaro und Stark/Bloom vor und führt das Konzept der Translokalität als theoretischen Rahmen ein.
3. Fallbeispiel Dhaka, Bangladesch: Der Hauptteil analysiert die spezifischen Migrationsgründe in Bangladesch sowie die sozialen und räumlichen Auswirkungen der Binnenmigration auf Dhaka anhand des Fallbeispiels der Street Food-Verkäufer.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, bewertet die Auswirkungen der translokalen Migration kritisch und identifiziert weiteren Forschungsbedarf.
5. Literaturverzeichnis: Hier werden alle verwendeten Quellen und Studien für die wissenschaftliche Arbeit aufgeführt.
Schlüsselwörter
Land-Stadt-Migration, Translokalität, Dhaka, Bangladesch, Globaler Süden, Migrationstheorien, Street Food, Informelle Wirtschaft, Netzwerke, Rimessen, urbane Transformation, soziale Ungleichheit, Binnenmigration, Arbeitsmobilität, Lebensmittelsicherheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Land-Stadt-Migration im "Globalen Süden", konkret am Beispiel von Dhaka, Bangladesch, unter dem Fokus translokaler Verflechtungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Migrationstheorien, das Konzept der Translokalität, sozioökonomische Disparitäten in Bangladesch und die Bedeutung informeller Wirtschaftssektoren für Migranten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Migration von ländlichen in städtische Gebiete nicht mehr als einseitigen Prozess, sondern als translokales Netzwerkgefüge zu begreifen und dessen Auswirkungen kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die durch empirische Fallbeispiele (u.a. von Etzold) zum Street Food-Verkauf in Dhaka ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die geographische Einordnung Dhakas, die Treiber der Migration, die Auswirkungen auf die Stadtentwicklung sowie das konkrete Beispiel der Kettenwanderung von Street Food-Verkäufern untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Translokalität, Land-Stadt-Migration, Dhaka, informelle Wirtschaft und soziale Netzwerke.
Wie trägt Translokalität zur Arbeitsplatzsicherung in Dhaka bei?
Translokale Netzwerke fungieren als soziales Kapital, das Neuankömmlingen den Zugang zu einer Nische wie dem Street Food-Verkauf ermöglicht und Unterstützung bei der Etablierung in der Stadt bietet.
Warum ist das Beispiel der "Kettenwanderung" so bedeutend?
Es zeigt anschaulich, wie durch soziale Verbindungen aus einem Dorf ein kontinuierlicher Strom von Migranten in die Stadt entsteht, die dort gemeinsam in spezifischen wirtschaftlichen Nischen arbeiten.
- Arbeit zitieren
- Elena Schreer (Autor:in), 2019, Translokale Land-Stadt-MigrantInnen im "Globalen Süden", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/503706