Welchen Beitrag leistete die Allensbach-Studie 1967/68 zum Fernsehen in der BRD für die Mediennutzungsforschung?


Essay, 2017

11 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsfragen der Allensbach - Studie

3. Ergebnisse der Allensbach - Studie

4. Schwächen der Allensbach - Studie

5. Vergleich mit gegenwärtiger Mediennutzungsforschung

6. Fazit

7. Quellenverzeichnis

Der folgende Werkstatbericht bezieht sich auf die zweite Werkstattsitzung im Seminar 2 zum Modul „Einführung in die Kommunikations- und Medienwissenschaften: Mediensystem und Medienwandel“ vom 15.05.2017. In dieser Sitzung wurde sich mit dem Wandel der Mediennutzung in Deutschland auseinandergesetzt.

1. Einleitung

Nach der Einführung des Fernsehers in Deutschland in den 1930er Jahren bis in die 1960er Jahre hinein, konnte man starke Veränderungen in der Bevölkerung bemerken.1 „Jeder sieht fern, und infolgedessen kann man nicht mehr beobachten, was Leute ohne Fernsehgerät machen.“2 Um die Effekte des Fernsehens einschätzen zu können, musste eine Vergleichsbasis aufgestellt werden.3 Da die Zahl der Bevölkerung ohne Fernseher im Deutschland der 1960er Jahre noch relativ hoch war, war dies der ideale Zeitpunkt für eine Studie zu den Auswirkungen des Fernsehens. Hieran beteiligt waren das Allensbacher Institut für Demoskopie, sowie der Süddeutsche Rundfunk aus Stuttgart und der Südwestfunk aus Baden-Baden. Untersucht wurden die Lebensgewohnheiten, Interessen und das Bild der Politik vor und nach der Anschaffung eines Fernsehgeräts, um die Mediennutzung und dessen Wandel der Gesellschaft zu analysieren. Die Studie zog sich von 1965 bis 1968, wobei bei der Auswertung frühere Umfragen mit einbezogen wurden. Verwendet wurde die Panel-Methode, erweitert durch „Trendbeobachtungen des Allensbacher Instituts durch Stichtagbeobachtungen über den Tageslauf von Rundfunkhörern und Fernsehteilnehmern [und] durch Untersuchungen über das Gewicht der verschiedenen publizistischen Medien im Freizeitbudget“.4 Für die Durchführung wurden zunächst zwei Gruppen von Menschen ohne Fernseher ein Jahr lang beobachtet, welche sich dadurch unterschieden, dass die eine Hälfte (Testgruppe) plante, sich einen Fernseher anzuschaffen, während die andere Hälfte (Kontrollgruppe) dies nicht beabsichtigte.5 Nach Abschluss der Wartezeit wurde dann ausgewertet, wer sich in diesem Jahr einen Fernseher angeschafft hatte und wer nicht. Mit dieser Erkenntnis wurden dann die eigentlichen Testgruppen für die Vorher-Nachher-Beobachtungen eingeteilt. Insgesamt wurden 167 Personen beobachtet, welche 1966 noch keinen Fernseher besaßen, und 1967 schon mehrere Monate über ein Gerät verfügten.6 „Was wurde bei diesem Personenkreis ermittelt?“7 Was bedeuten die Ergebnisse der Befragung in Bezug auf die Auswirkungen des Fernsehens? Welchen Beitrag leisteten die Ergebnisse dieser Studie für die Mediennutzungsforschung?

2. Forschungsfragen der Allensbach - Studie

Wie der Titel der Studie schon vorwegnimmt, werden im Allgemeinen die Auswirkungen des Fernsehens in Deutschland untersucht. Da die Auftraggeber dieser Studie zwei Rundfunkanstalten waren, wurde erforscht, inwieweit sich der Hörfunk qualitativ für Fernsehteilnehmer verändert und ob das Radio auf psychologischer Ebene für Fernsehteilnehmer zu etwas anderem wird.8 Des Weiteren wurde ermittelt, ob sich die Interessen der Menschen durch den Fernseher verändert haben sowie ob sich ihr Sozialleben wandelt. Weitere Punkte, auf die geachtet wurden, waren die Auswirkungen auf das Familienleben, die Häuslichkeit, das Verhältnis zur Arbeit bzw. Hausarbeit, sowie die Lebensstimmung.9 Ein weiterer Fokus lag auf der politischen Sichtweise der Fernsehteilnehmer und derer, die keinen besaßen, und ob diese sich nach der Anschaffung veränderte oder gleichblieb. Grundfragen wie die Ausbreitung des Fernsehers in Deutschland und der Kostenaufwand hierfür wurden ebenfalls abgedeckt mit Bezug auf die verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Diese wurden sowohl in Schulausbildung wie Volksschule oder Abitur, als auch in Büroberufen und niedrigeren Arbeitskreisen unterteilt. Für den größeren Zusammenhang dieser Studie beziehungsweise für zukünftige Mediennutzungsforschungen wurde ebenfalls erforscht, ob und in wie fern der Besitz eines Fernsehers die Nutzung anderer Medien wie Tageszeitungen oder auch Schallplatten beeinflusst.

3. Ergebnisse der Allensbach - Studie

Zur Zeit der Panelstudie besaßen mehr als 70% der Bevölkerung in Deutschland einen Fernseher, was bedeutet, dass es sich hierbei um eine überwiegend fernsehergeprägten Gesellschaft handelt.10 In der Zeit von 1956 bis 1968 stieg die Anzahl der Fernsehteilnehmer in der BRD und West-Berlin von 4% auf ganze 79%.11 Dies hatte zur Folge, dass „zahlreiche individuelle und soziale Verhaltensweisen […] bereits durch das Fernsehen geprägt“12 waren. Auch Menschen ohne Fernseher waren hiervon betroffen, da sie in derselben sich verändernden Gesellschaft lebten und somit nicht das Leben ohne Fernseher darstellten, sondern als Nicht-Fernsehteilnehmer in einer fernsehenden Gesellschaft lebten und auch dementsprechend gezwungen waren zu agieren.13

Nicht jeder konnte es sich leisten, einen Fernseher anzuschaffen. Dies bedeutete aber nicht, dass sie komplett auf das Gerät verzichteten. In den niedrigeren Schichten der Bevölkerung verbreiteten sich Fernsehgeräte langsamer als in den höheren.14 Im Durchschnitt besaß nur die Hälfte der Bevölkerung mit einem Einkommen unter 400DM einen Fernseher, während ab einem Einkommen von ca. 800DM um die 80% der Bevölkerung in der BRD einen aufweisen konnten.15 Dennoch schauten sich Menschen aus niedrigeren Schichten bzw. mit niedrigerem Schulabschluss öfter Fernsehsendungen an als Menschen mit Abitur.16 „Je höher die Schicht, desto weniger wird ferngesehen, das heißt, in den gehobenen Schichten der westlichen Kulturen kollidieren gesellschaftliche Interessen und individuelle, auch durch ein Bildungstraining vermittelte Motive mit dem Fernsehen.17

Bei den Fernsehteilnehmerzahlen sind alle Altersgruppen von 16-70 Jahren vertreten. Jedoch werden hier vor Allem die Haustypen voneinander unterschieden. Während nur die Hälfte von jungen Alleinstehenden bzw. kinderlosen Paaren einen Fernseher besitzt, steigt der Wert mit der Größe der Familie stetig an, sodass schon ab zwei Kindern in einem Haushalt der Wert im Durchschnitt bei ca. 80% liegt.18 Starke Unterscheidungen bei der Anzahl der Fernsehteilnehmer zu bestimmten Zeiten am Tag bzw. in der Woche in Hinsicht auf ihre Berufe sind jedoch nicht zu finden. Insgesamt wird nur deutlich, das Fernsehteilnehmer aus Arbeiterkreisen abends öfter und länger fernschauen als Fernsehteilnehmer aus Büroberufen.19 Dies zeigt, dass das Medium hauptsächlich der Freizeitgestaltung diente. Dennoch wird aus der Studie deutlich, dass niedrigere Bevölkerungsschichten mehr Zeit vor dem Fernseher verbringen als sich den Printmedien oder auch Schallplatten zu widmen.20 Grund für das starke Interesse am Fernseher könnte die Tatsache sein, dass es eine Möglichkeit für eine einfache Informationsaufnahme bietet, ohne dass der Mediennutzer eigene große Anstrengung aufweisen muss.

Nach dem Fernseher steht auf dem zweiten Platz noch immer das Radio, wenn auch mit niedrigeren Werten.21 Dennoch sind die Hörerzahlen stark zurückgegangen, vor allem in der Mittagszeit und am Abend, sowie an den Wochenenden aufgrund der frühen Einschaltzeit des Fernsehprogrammes.22 Auch die Printmedien wie Zeitungen, Zeitschriften und auch Bücher weisen mit Schallplatten zusammen die niedrigsten Werte der Befragung auf. Dabei werden diese prozentual gesehen von dem Bevölkerungsteil mit höherem Schulabschluss noch etwas öfter verwendet, aber auch hier ist das Interesse am Fernsehen höher und wird häufiger als Freizeitbeschäftigung gepflegt.23

Auch das politische Bild der Fernsehteilnehmer vor und nach der Anschaffung veränderte sich. Vor der Anschaffung des Fernsehers hätten noch 10% mehr ein demokratisches Regierungsbild gewählt und 8% weniger ein autoritäres.24 Auf Seiten der Nicht-Fernsehteilnehmer sind die Werte fast gleich geblieben. Dies beweist, „daß dem Fernsehen die Kraft gegeben ist, das Bild des politischen Geschehens zu prägen.“25

Zusammengefasst hat die Anschaffung eines Fernsehgerätes viele Bereiche der Studienteilnehmer beeinflusst. Die meisten dieser Veränderungen haben persönlich und individuell jedoch keine Auswirkung auf die Bevölkerung. Es sind die konkurrierenden Medien wie der Rundfunk und auch die Printmedien, die unter dem Fernseher leiden.

4. Schwächen der Allensbach - Studie

Die Studie über die Auswirkungen des Fernsehens in Deutschland konnte durch die Panel-Methode26 deutlich machen, welche Bevölkerungsgruppen genau fernsehen, zu welchen Tageszeiten und auch Wochentagen, wie oft und mit welchem Schulabschluss, aus welchen beruflichen Kreisen sie kommen, welche anderen Medien sie wie oft verwenden und wie sich ihr politisches Interesse nach Anschaffung eines Fernsehens verändert hat. Über diese Punkte erhalten wir sehr viele ausführliche Daten, Fakten und Zahlen. Diese werden auch hinsichtlich ihres Wertes analysiert und interpretiert, und dann in der Studie wiedergegeben. Jedoch beläuft sich die daraus folgende Bedeutung dieser gesammelten Informationen aus den Umfragen nur auf die oben angeführten Untersuchungspunkte. Dies sagt natürlich viel aus über das Profil der fernsehenden Bevölkerung, doch die Frage nach dem „Warum“ wird hierbei nicht weiter untersucht. Es wird nicht deutlich, warum so viele Menschen angefangen haben fernzusehen, warum sie meistens abends fern sahen oder warum sie den Fernseher anderen Medien vorzogen.

Des Weiteren erfahren wir nichts über das Fernsehprogramm auf inhaltlicher Basis. Was haben sich die Fernsehteilnehmer angeschaut? Lag der Fokus auf Nachrichten, Unterhaltung oder vielleicht Politik? Beispielsweise hätte bei der Frage nach dem Tagesablauf und danach, wann die meisten fernsehen, auch die Frage gestellt werden können, was genau sie schauen. Dies hätte ein klareres Bild darüber geschaffen, weshalb dieses neue Medium so anziehend für den Großteil der Bevölkerung war. Natürlich kann man vieles deutlich aus den gewonnenen Informationen deuten und interpretieren, aber diese wären dennoch nur unbelegte Spekulationen. Um die Auswirkungen des Fernsehens in Deutschland genauestens erklären zu können, müssen die Bedürfnisse des Publikums stärker in den Fokus gestellt werden. Denn am Ende hilft es nicht, nur zu wissen, wie viele Menschen aus den niedrigeren Schichten abends fernsehen. Es muss auch definiert werden, welchem Bedürfnis sie hierbei nachgehen.

[...]


1 Wilke, 1999, S.23

2 Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.1

3 Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.1

4 Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.3

5 Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.2

6 Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.2

7 Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.2

8 Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.3

9 Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.3

10 Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.4

11 Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.5

12 Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.4

13 Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.4

14 Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.6

15 Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.7

16 Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.8

17 Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.8

18 Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.7

19 Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.9

20 Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.10

21 Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.11

22 Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.13-16

23 Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.11

24 Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.17-18

25 Institut für Demoskopie Allensbach, 1968, S.3

26 Vgl. Institut für Demoskopie in Allensbach, 1997, S.51

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Welchen Beitrag leistete die Allensbach-Studie 1967/68 zum Fernsehen in der BRD für die Mediennutzungsforschung?
Hochschule
Universität Bremen
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
11
Katalognummer
V503726
ISBN (eBook)
9783346052643
ISBN (Buch)
9783346052650
Sprache
Deutsch
Schlagworte
welchen, beitrag, allensbach-studie, fernsehen, mediennutzungsforschung
Arbeit zitieren
Jean Paulus (Autor:in), 2017, Welchen Beitrag leistete die Allensbach-Studie 1967/68 zum Fernsehen in der BRD für die Mediennutzungsforschung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/503726

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